Zwischengeschlecht.info

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Monday 30 August 2010

"Tabu Intersexualität" - Dok u.a. über Christiane, Arte 8.10.10, 21:45h

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

Begleitend zu Christiane Völlings Buchveröffentlichung von letzter Woche strahlt Arte einen 52-minütigen Dokfilm aus von Britta Dombrowe über Christiane und die 4-jährige Inge und ihre Familie.

Mehr Infos auf der
>>>
Homepage der Produktionsfirma.
(Das eine oder andre der "üblichen" Fettnäpfchen inbegriffen.)

Wir sind gespannt!

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info 

Saturday 28 August 2010

Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...

Wie verschiedenen Medien zu entnehmen ist (u.a. >>> SR DRS, >>> Zürcher Unterländer, >>> Katholische Internationale Presseagentur, >>> 20 Minuten)  begrüsste am 25.8.10 auch die schweizer Regierung offiziell die aktuelle Parlamentarische Initiative "Verbot von Sexuellen Verstümmelungen" von Nationalrätin Ruth Bernasconi (SP) zur Schaffung eines eigenen Straftatbestandes gegen weibliche Genitalverstümmelung, welche zuvor bereits die Rechtskommission des Nationalrates zur Annahme empfohlen hatte.

Dies in erster Linie, um "ein politisches Zeichen" zu setzen. Strafrechtlich bestünde laut dem Bundesrat eigentlich kein Handlungsbedarf, denn es "seien bereits heute sämtliche Formen von Verletzung weiblicher Genitalien strafbar". (Eine interessante Stellungnahme zu diesem Aspekt gibts übrigens von der >>> Taskforce FGM anlässlich der parallel laufenden gesetzgeberischen Diskussion in Deutschland.) Immerhin hält der CH-Bundesrat weiter fest, "das Strafrecht [könne] nicht das einzige Mittel sein, um vor Verstümmelungen zu schützen. Es brauche auch Aufklärungskampagnen." 

Soweit, so gut.

Nur bei den Zwittern will anscheinend auch der Bundesrat weiter tatenlos zuschauen, wie in der Schweiz JEDE WOCHE mindestens 1 Kind irreversibel genitalverstümmelt wird ...

(In Österreich wird zudem JEDE WOCHE mindestens 1 weiteres verstümmelt, plus in Deutschland zusätzlich nochmals JEDEN TAG mindestens 1 weiteres.)

Siehe auch:
- Schweiz: Weibliche Genitalverstümmelung soll absolut verboten werden - ausser bei 'westlichen Formen' (und an Zwittern) ... 
- Schweiz: Amnesty International und Terre des Femmes fordern Strafbarkeit von Genitalverstümmelung auch bei Zwittern
- "Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV"
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ...
- Intersexuelle enttäuscht von Ethikrat: "Kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung? 
- Genitalverstümmelungen in der Kinder- und Jugendmedizyn 

Friday 27 August 2010

Diskussionen über Zwitter @ Freigeisterhaus + Brigitte Young Miss

Kann ein Zwitter Sünde sein?Offensichtlich brachte der Start von Mokgadi Caster Semenya am letzten Sonntag in Berlin das Thema wieder vermehrt ins öffentliche Interesse – das eine oder andere "übliche" Fettnäpfchen inklusive:

>>> Freigeisterhaus       >>> Brigitte Young Miss

Kommentar: Bemerkenswert, wie anscheinend auch unter "Normalos" bei diesem Thema mittlerweile relativ schnell nicht nur der Aspekt der genitalen Zwangsoperationen an sich, sondern gleichzeitig auch deren Fragwürdigkeit in die Diskussion Einzug halten.

Anscheinend waren die Bemühungen der letzten 14 Jahre zur Beendigung des Tabus um die an Zwittern systematisch begangenen medizynischen Verbrechen nicht ganz wirkungslos ...

Meine 2 Cent: Wenn erstmal mindestens 50% der Menschen auf der Strasse Bescheid wissen, was in "unseren" Kinderkliniken genau vor sich geht, sind die Tage der GenitalabschneiderInnen gezählt.

Siehe auch:
- Caster Semenya startet am Sonntag in Berlin – IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen (XXIV)
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen angeblich nur "ganz selten" 
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Kindern 
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Tuesday 24 August 2010

"Wie Intersexuelle im Sport diskriminiert werden" - CeiberWeiber 22.8.10 + Zeit + FAZ + mehr (XXV)

>>> Nachträge 1-5

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungener Artikel von Alexandra Bader auf der Homepage des Österreichischen Frauenmagazins "CeiberWeiber" (fast gleichzeitig mit dem ebenfalls exzellenten "Zwitter im Sport: Intersexuelle kämpfen für Caster Semenya" auf news.de).

Der Artikel verbindet das aktuelle Geschehen um Mokgadi Caster Semenya und Santhi Soundarajan mit einer kritischen Aufarbeitung der Geschichte des "intersexuell" geborenen Österreichischen Skifahrers Erik Schinegger aus feministischer Perspektive. Schinegger war wie die meisten "Intersexuellen" als Frau aufgewachsen. 1968 wurde die damalige Erika Schinegger nach der Einführung der ersten Geschlechtstests ("Barr-Körperchen-Test" a.k.a. "Sex-Chromatintest", kam noch bei Santhi Soundarajan zum Einsatz), den Schinegger "nicht bestand", von Frauenwettkämpfen ausgeschlossen, zugleich wurden ihr alle Titel und Medaillen genommen. 2005 erschien ein Dokumentarfilm über seine Geschichte.

Ebenfalls am 22.8. gingen auch 2 Mainstreammedien im Vorfeld von Caster Semenyas Start in Berlin am Rande auf das Thema ein.

Nämlich >>> Zeit-Online:

Der lange Zeitraum bis zur Entscheidung hat jedoch allerhand Spekulationen aufkommen lassen. Zunächst hieß es, IAAF-Präsident Lamine Diack sei schlicht zu bequem, um den Fall schnell zu lösen.

Das wäre, wenn man das Gebaren in solchen Kreisen kennt, wenig überraschend. Es ist aber noch ein anderes Gerücht aufgetaucht. Das Gerücht geht so: Die IAAF habe Semenya zu medizinischen Eingriffen gedrängt, um mögliche Wettbewerbsvorteile zu beseitigen – sei es eine Operation oder eine Hormonbehandlung. Das Gerücht lässt sich vielleicht damit nähren, dass sie nun schmaler aussieht, nicht mehr so muskulös. „Ich will nicht über jemanden reden, der größer ist als ich“, sagt Semenya über die IAAF, „da müssen Sie die Big Boys beim Verband fragen.“

Sowie >>> FAZ.net:

Von da an stand sie im Mittelpunkt juristischer Auseinandersetzungen, war Gegenstand politischer Polemik und hatte sich womöglich sogar einer Hormonbehandlung oder einer Operation unterziehen müssen, um wieder mit den besten Läuferinnen der Welt ins Rennen zu dürfen.

Nach den erneuten Sieg von Caster Semenya in Berlin erschienen zudem in englischsprachigen Medien eine Reihe von Berichten, worin unterlegene Konkurrentinnen die Teilnahme Caster Semenyas mehr oder weniger offen kritisierten, bis hin zur erneuten indirekten Verunglimpfung als "Mann", vgl. New York Times (ebenfalls publziert im Jakarta Globe), der englische Telegraph, Salon.com und die International Herald Tribune, sowie ein gelungener Kommentar auf CBSSports.com, auf deutsch vgl. bisher FinanzNachrichten.de.

Caster Semenya wird dessen ungeachtet laut International Herald Tribune bereits am nächsten Freitag 27.8.10 am Diamond League Finale in Brüssel ihr nächstes Rennen bestreiten.

Danach stehen 2 Rennen in Italien an, u.a. die Notturna di Milano am 9. September sowie möglicherweise ein weiteres in Südafrika, bevor Caster Semenya vom 3.-14. Oktober an den Commonwealth Games in Delhi teilnimmt, wozu Südafrika sie nach anfänglichem Zögern inzwischen in die Mannschaft aufgenommen habe.

Nachtrag: Oben inzischen den korrekten Link auf CeiberWeiber gesetzt, oops (bin übrigens für Hinweise auf solche Peinlichkeiten immer froh, danke).

Nachtrag 2: Auf >>> Queer.de erschien heute 24.8.10 ein weiterer Artikel. Es geht vor allem um die Beschuldigungen, Caster sei "ein Mann", plus mit einem letzten Abschnitt "Caster Semenya intersexuell?", der sich wiederum auf den news.de-Artikel vom Sonntag bezieht. Und der es tatsächlich fertig bringt, Nella ein Zitat von sage und schreibe IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss in den Mund zu legen, vgl. Nellas Kommentar #3 (--> unter dem Artikel). So schnell geht's ... Nachtrag 3: Wenn Schurnalisten zu sehr abschreiben: Genau dieselbe peinliche Unterstellung am nächsten Tag 25.8.10 auf >>> schwulissimo.de – noch dazu ohne Quellenangabe oder Kommentarmöglichkeit ... 

Nachtrag 4: Gelungener Kommentar von AP-Sportkolumnist John Leicester auf >>> USA Today mit übersetztem Titel: "Schweigen über Semenya öffnet Tür zu Ignoranz". Leicester argumentiert, die Taktik des IAAF, nur mit einer 56-Wort-Meldung Caster Semenyas Zulassung zu eröffnen, sowie dass weiter nichts bekannt gegeben werde, erweise sich als "Fehler", weil es Gelegenheit schaffe für hässliche Einflüsterungen und Gerüchte. Der IAAF habe z.B. offen legen sollen, ob Semenya medizinische Massnahmen auf sich habe nehmen müssen oder nicht; dies sei auch möglich, ohne Verletzung ihrer Privatsphäre wie bzw. Öffentlichmachung ihrer medizinischen Akte. Es bestünden viele offene Fragen über [als] Zwitter [Verdächtigte] im Sport, zum Teil auch berechtigte betreffend Fairness für alle Wettkampfteilnehmerinnen, und Tabuisierung würden sie nicht aus der Welt schaffen, sondern verstärken. Jemand müsse hier für Aufklärung und Fortschritt sorgen. Es könne nicht verlangt werden, dass Caster dies auch noch übernehmen könne nach allem, was sie durchlitt, weshalb hier ihre Anwälte, ihr Manager oder der IAAF gefordert seien. Meine 2 Cent: Hört, hört! Meiner Meinung nach gehört hier allerdings vor allem erstmal der IAAF als Hauptverantwortlicher gehörig in die Pflicht genommen. (Ausserdem, was ich hier wohl nicht weiter ausführen muss, sind Wendungen wie "Geburtsfehler" und "Störung der Geschlechtsentwicklung, wie sie leider auch Leicester gebraucht, verletzend und schädlich.)

Nachtrag 5: Inzwischen hat auch >>> IVIM/OII Deutschland ein kurzes Statement veröffentlicht. Schade nur, dass IVIM anscheinend wieder erstmal den Sport bzw. die Gesellschaft als solche ändern will, bevor dann vielleicht auch mal die Menschenrechte "Intersexueller" in den realexistierenden Gegebenheiten durchgesetzt werden sollen.

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Monday 23 August 2010

"Demonstration vor dem Luzerner Kantonsspital" - zisch.ch, 22.8.10

Kantonsspital Luzern, 22.8.2010 (Bild: Ärger)

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungene Online-Lokalmeldung pünktlich zu Beginn der Aktion auf der Homepage des Zentralschweizer Medienverbundes LZ Medien mit folgendem Lead: "Zwischengeschlecht.org organisiert eine Demonstration in Luzern. Die Initianten werfen dem Luzerner Kantonsspital Menschenrechtsverletzung vor." Auch der Rest der Meldung verdient das Prädikat: Kurz & bündig! Danke!

Zuvor war bereits in der überregionalen Sonntags-Printausgabe aus dem gleichen Hause ein interessanter, ganzseitiger Beitrag erschienen in im Bund "Wissen", Montag soll eine weitere Kurzmeldung folgen.

Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Fortsetzung folgt ...

>>> Offener Brief an das Kinderspital Luzern, 22.8.2010

>>> Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
>>> Pressemitteilung vom 19.8.2010

>>> Inselspital Bern 2009                   >>> Kinderspital Zürich 2008

Sunday 22 August 2010

"Zwitter im Sport: Intersexuelle kämpfen für Caster Semenya" - news.de, 22.8.10

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Gelungener Artikel von Isabelle Wiedemeier. Danke!

Wir wünschen Caster Semenya viel Erfolg beim heutigen Rennen! Und fordern die internationalen Sportverbände auf, die Menschenrechte von als Intersexuelle verdächtigten Sportlerinnen nicht mehr länger mit Füssen zu treten.

Nachtrag: "Wie Intersexuelle im Sport diskriminiert werden" - CeiberWeiber 22.8.10

>>> IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen

Sunday 15 August 2010

Neue US-Medienberichte über die Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen (Updates 3)

>>> Nachtrag

Kann ein Zwitter Sünde sein?Die "Saure-Gurken-Zeit" macht's möglich – während der letzten Wochen erschienen weitere Medienberichte über die wegweisende US-Kampagne gegen Dexamethason-Zwangsbehandlungen, wenig überraschend meist mit speziellem Augenmerk auf die u.a. von Prof. Dr. Maria I. New und Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg propagierten "Nebeneffekte", wonach die "Behandlungen" (auch) hilfreich seien gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen":

Am 26.7.10 erschien auf >>> History News Network eine Übersicht zur Problematik aus der Feder von Elizabeth Reis, bekannt für ihre einschlägige Buchveröffentlichung "Bodies in Doubt. An American History of Intersex". Darin greift Reis auch die Kampagne gegen den Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas auf. Und unterstreicht einmal mehr das Faktum, dass seinerzeit nur die wenigsten erwachsenen Zwitter in OPs einwilligten, weshalb sich die Medizyner an den 1950ern auf Kleinkinder fokussierten. Reis zeigt sich "erschüttert" und "aufgewühlt" über beide Formen von Zwangsbehandlungen und hält abschliessend u.a. fest:

Solches Herumpfuschen mit Hormonen oder radikale anatomische Veränderungen können gefährlich sein für die individuelle Gesundheit. Pränatales Dexamethason wurde zum Beispiel in Zusammenhang gebracht mit kognitiven und Gedächtnisproblemen, und chirurgische Klitorisverkleinerungen reduziert die sexuelle Empfindlichkeit. Beide Behandlungen werden einzig durchgeführt, um Menschen an unsere engen Ideale von "Normal" anzupassen.

Am 6.8.10 erschien auf >>> Bloomberg Business Week unter der Rubrik "HealthDay News" ein Artikel von Dennis Thompson über pränatale Dexamthason Zwangs"therapien". Maria I. New verweigerte (wie mittlerweile gewohnt) jegliche Fragen zur Thematik, veröffentlichte jedoch ein schriftliches Statement, in dem sie pikanterweise jegliche Beteiligung an Zwangsbehandlungen "in den letzten sechs Jahren" rundheraus abstritt. Was es für Alice Dreger eine wirksame Entgegnung einfach machte, da doch Maria I. New auf der Homepage ihrer "Maria New Children's Hormone Foundation" mit der Behandlung von "600 schwangeren Frauen mit dem Risiko einer Geburt eines Kindes mit AGS/CAH" prahlt.

Weiter greift der Artikel die Ankündigung der kommenden US-Leitlinie auf, welche pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen zum ersten Mal ausdrücklich als "experimentelle Prozedur" einstuft, die nur im Rahmen bewilligter klinischer Tests durchgeführt werden dürfe (dieser Blog berichtete). Neben Alice Dreger kommen als Kritikerinnen auch Ellen K. Feder und Anne Tamar-Mattis (letztere von "Advocates for Informed Choice AIC") zu Wort.

Am 10.8.10 berichtete auch >>> aolhealth.com über die Kritik an Maria I. News "Behandlungen". Die Autorin Deborah Huso hält ihrerseits fest, Maria New habe "wiederholt abgelehnt, die Vorwürfe in den Medien zu kommentieren", und sei auch für AOL Health unerreichbar geblieben. Deborah Huso fährt deshalb den Endikrinologen Dr. Claude Migeon auf vom (ausgerechnet) Johns Hopkins Children's Center (wo bekanntlich u.a. Hugh H. Young, Lawson Wilkins und John Money die systematischen, menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern überhaupt erst begründeten):

"Dexamethason heilt die Krankheit nicht," sagte Migeon AOL Health. "Der Fötus wird immer noch AGS/CAH haben. Aber es verhindert die Vermännlichung, die für Mädchen schwierig sein kann."

U.a. wegen dieser "psychologischen Schwierigkeiten" seien laut Dr. Claude Migeon frühe und auch pränatale medizynische Zwangsbehandlungen "zu befürworten".

Abschliessend erweckt der Artikel dann noch den falschen Eindruck, pränatale Dexamthason-Zwangsbehandlungen würden auch gegen Salzverlust helfen – ein typisches Beispiel dafür, wie die Medizyner bei öffentlicher Kritik prompt in Bedrängnis geraten und sich nur noch mit immer dreisteren Lügen behaupten können.

Am 12.8.10 erschien der oben besprochene Artikel von Dennis Thompson auch auf >>> health24.com, allerdings ohne Autorenangabe.

Am 15.8.10 erschien ein erneuter Onlineartikel der >>> Los Angeles Times, diesmal von Shari Roan (Link zu einem früheren Artikel vom 2.7. siehe hier). Der Artikel zitiert wiederum Alice Dreger und Anne Tamar-Mattis zur Problematik, während zur Verteidigung der auch diesmal jeglichen Kommentar ablehnenden Maria I. New Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg und Dr. Phyllis Speiser auftreten, letztere in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Arbeitsgruppe für die bereits angesprochenen, kommenden EndokrinologInnen-Leitlinien.

Schon tags zuvor war der obige Artikel am 14.8.10 auch im >>> Lexington-Herald Reader erschienen.

Nachtrag: Der oben erwähnte Artikel in der Los Angeles Times wurde von weiteren Medien aufgegriffen für eigene Artikel, so u.a. noch gleichentags am 15.8.10 auf >>> rawstory.com, sowie am 16.8.10 auf >>> newser.com, vom >>> Sydney Morning Herald und der >>> Daily Mail (UK) plus der Daily Mail-Artikal am 18.8.10 auch auf >>> iol.co.za (Südafrika).

Kommentar: Zumindest in den USA müssen sich die Medizyner wohl oder übel damit abfinden, auch künftig immer mal wieder mit kritischen Fragen konfrontiert zu werden – ein Risiko, dem ihre deutschsprachigen KollegInnen noch viel zu wenig ausgesetzt sind. Um wirklich grundlegend etwas an den Zwangsbehandlungen zu ändern, ist jedoch überall noch ne Menge mehr öffentlicher und auch politischer Druck notwendig ...

Siehe auch:
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen 
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Pränatale Hormonbomben gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen" 
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Sunday 8 August 2010

Kalifornien: Zwitter-Hund durch Genitalverstümmelungs-OP "gerettet"

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!In vielfacher Hinsicht haben es Hunde besser als Zwitterkinder: Bei Hunden setzt der Gesetzgeber manchmal Grenzen, wenn ihre Besitzer sie chirurgisch verstümmeln wollen (z.B. Coupierverbot, d.h. der Schwanz darf nicht aus kosmetischen Gründen verkürzt werden), Tierquäler werden auch sonst bestraft. Bei Kindergenitalien sieht's bis heute anders aus, dort darf täglich straflos "coupiert" werden – und es wird auch, allen Medizynerschutzbehauptungen zum Trotz ...

Laut einer >>> Medienmeldung (englisch) aus Kalifornien sollen's in Amerika mittlerweile auch die Hunde nicht mehr besser haben: Ein in San Bernardino ausgesetzer Zwitter-Junghund habe nur durch eine kostspielige "geschlechtsangleichende Operation" [...] vor der Euthanasie [...] gerettet" werden können.

Der von einem lokalen Veterinär als "männlicher Pseudohermaphrodit" diagnostizierte Hund hätte im Tierheim wegen "Infektionsgefahr und erhöhtem Krebsrisiko" eingeschläfert werden sollen. Als letzter Ausweg liess dann die Chefin des Tierheims auf eigene Kosten (und in bester Charité-Manier) einen auswärtigen Star-Hundechirurgen einfliegen, der dem armen Tier für $1'165 eine "geschlechtsangleichende Operation" verpasste. Solche "sehr seltenen Fälle" gäbe es laut dem Veterinär "auch bei Menschen", und zwar "etwa bei drei von 100'000".

Der Hund ist nun laut Bildunterschrift "männlich". An anderer Stelle im Artikel heisst es, er sei jetzt "ohne jegliche Reproduktionsorgane, gesund und bereit zur Adoption".

Soweit, so altbekannt (und zum Kotzen).

Ebenso, dass in der Schlagzeile des Artikels von einem "Transgenderhund" die Schreibe ist ...

Diese tierquälerischen Verstümmelungsveterinäre gehören hinter Gitter, genau gleich wie ihre GenitalabschneiderkollegInnen unter der KinderchirurgInnen auch.

Und auch die TransgendervereinnahmerInnen in den Medien und in der Politik würden bestimmt überall schnell andere Parolen schwingen, wenn statt der Zwitter mal sie selber zu 90% von Kind an ungewollten und verstümmelnden ZwangsOPs ausgesetzt wären ... wetten?!

Thursday 29 July 2010

"Das dritte Geschlecht" (2007) - KabelTV & YouTube

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Dieser in England produzierte Dokfilm lief glaub schon Anfang Jahr mal auf irgend 'nem Bezahlfernsehen, und ist aktuell wieder auf "Focus Gesundheit" (nächste & vorläufig glaub letzte Wiederholung Fr 30.7.10 um 01:40h), sowie nach Belieben auf dem Netz. Die qualitativ bessere Version auf Google-Video ist leider schon wieder weggeputzt, doch auf YouTube ist er aktuell noch zu gucken:
>>> Teil eins / zwei / drei / vier / fünf

Selber hab ich's bisher nie geschafft, aber Nella fand ihn gut und Ayvlis auf dem Hermiforum auch (im Gegensatz dort zur zitierten/kritisierten Ankündigung).

Die Doku zeigt (nebst glaub auch offensichtlich obligaten Medien-Velwechserungen im Quotenbereich "Geschlechteraberrationen") u.a. Interviews mit dem inzwischen verstorbenen Intersex-Aktivisten Max Beck (Memorial-Page), der am 26.10.96 in Boston mit dabei war an der ersten Zwitterdemo überhaupt gegen den AAP-Medizyner-Kongress, und einen Bericht darüber schrieb (englisch), u.v.a.m., das sich mit entsprechender Internet-Suche z.B. nach "Max Beck Intersex" leicht finden lässt.

Ebenfalls Bestandteil der Doku ist u.a. weiter das hier auf diesem Blog empfohlene Segment über den Fall eines kanadischen Kindes, das von den Medizynern gegen den Willen der Eltern bei einer "Untersuchung" gleich zwangskastriert wurde, was leider kein Einzelfall ist, sondern globale Medizynerpraxis, wie dieses Beispiel aus Deutschland beweist.

Monday 26 July 2010

Buch von Christiane Völling ab 25.8.10: "Mein Leben als Intersexuelle"

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Christiane Völling: »Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle.« Fackelträger Verlag, erscheint 25.08.2010In gut 4 Wochen erscheint am Mittwoch, den 25. August 2010 endlich das lang erwartete Buch von Christiane Völling im Handel:

Christiane Völling
Ich war Mann und Frau
Mein Leben als In­terse­xu­el­le

Fackelträger Verlag 2010
ISBN: 978-3-7716-4455-0

Parallel zur Veröffentlichung wird es auf ARTE eine 45-minütige Dokumentation über Christiane geben. Hipp, hipp!

Aus der Buch-Ankündigung auf der Verlagshomepage:

  • Zwangs­ste­ri­li­sa­ti­on und Ver­stüm­me­lung von Zwit­tern
  • Men­schen­rechts­ver­let­zung in der Bun­des­re­pu­blik
  • Ein­zig­ar­ti­ger Zi­vil­pro­zess bricht mit einem Tabu un­se­rer Ge­sell­schaft
  • Jeden Tag werden in Deutsch­land ein bis zwei in­terse­xu­el­le Kinder ge­bo­ren [...]

Es ist der erste Fall in Deutsch­land, der an die Öf­fent­lich­keit kommt. Chris­tia­ne Völ­ling war sowohl Mann als auch Frau, doch das erfuhr sie erst als 46-Jäh­ri­ge aus ihren Kran­ken­haus­ak­ten. Bis dahin hieß Chris­tia­ne Thomas. Denn was für Ärzte und Eltern nach der Geburt aussah wie ein Junge mit einem klei­nen Penis, ent­pupp­te sich später bei einer Blind­darm­ope­ra­ti­on als Mäd­chen mit in­tak­ter Ge­bär­mut­ter und Ei­er­stö­cken. Aber ihr ver­schwieg man dies, ohne ihr Wissen wurde ihre Weib­lich­keit dar­auf­hin her­aus­ope­riert. [...] ​2007 ver­klag­te sie den Arzt, der ihr das an­ge­tan hat. Der Pro­zess hat Si­gnal­wir­kung für die über 100 000 Be­trof­fe­nen, viele von ihnen mit ver­gleich­ba­ren Schick­sa­len. Chris­tia­ne Völ­lings schmerz­haf­ter Weg durch Kran­ken­häu­ser, Ämter und Ge­richts­sä­le zeigt die größte Ver­let­zung der Men­schen­rech­te, die sich die Bun­des­re­pu­blik immer noch täg­lich leis­tet. [...]

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info
- 1. Pressemitteilung
- Demoaufruf 1. Prozesstag
- Bericht 1. Prozesstag
- Pressespiegel 1. Prozesstag
- Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll
- Wegen Zwitterprozess: Druck auf Ärzte wächst
- Bericht und Pressespiegel 2. Prozesstag
- Christiane Völling: Der Kampf geht weiter
- Bericht provisorischer Entscheid OLG
- Bericht definitiver Entscheid OLG
- Pressespiegel definitiver Sieg vor OLG
- Christiane Völling: Verurteilter Chirurg will nicht zahlen!  
- Merkel & Co: Einladung zum Zwitterprozess!
- Zwitterprozess: Verurteilter Chirurg als Gutachter für Behandlungsfehler   
- "Schmerzensgeld-Prozess" - Sat1 NRW 19.5.09
- 3. Prozesstag 20.5.09: "Netzwerk DSD" fällt Chirurgen in den Rücken
- Zwitterprozess: 100'000 Euro plus Zinsen Entschädigung für genitale Zwangsoperation
- Christiane Völling: Zwangsoperateur gibt sich geschlagen und zahlt! 
> Pressemeldungen zum "Zwitterprozess"
> Internationale Artikelübersicht auf OII    

Thursday 15 July 2010

Vor heutigem Start von Caster Semenya: Britische Läuferinnen solidarisieren sich (XXII)

>>> Nachträge 1-2

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Vor dem weltweit im Fernsehen übertragenen Comeback von Mokgadi Caster Semenya an einem Wettkampf im finnischen Lappeenranta meldeten sich heute in englischsprachigen Medien zwei britische Sportgrössen zu Wort. Beide hatten sich im Verlauf des letzten Jahres schon mehrfach öffentlich für Caster eingesetzt und bewiesen erneut einen ausgeprägten Sinn für Anständigkeit und Sportgeist:

Jenny Meadows, die an den letztjährigen Weltmeisterschaften in Berlin hinter Caster Semenya Bronze geholt hatte, wird auf >>> metro.co.uk zitiert:

"Ich hoffe nur, Casters Rückkehr wird nicht zur Zirkusnummer gemacht und die Leute werden nicht versuchen, sie zu behandeln, als wäre sie etwas aus einer Freak Show."

"Das arme Mädchen muss emotional durch wirklich schwere zeiten gegangen sein. Ich denke, wir sollten nun einen Schlusstrich unter diese Angelegenheit ziehen, doch nicht alle meiner Mitathletinnen sind so grosszügig."

Die doppelte Olympiasiegerin und britische Sportlegende Dame Kelly Holmes, welche das unsägliche Vorgehen des Weltathletikverbandes IAAF schon im August letztes Jahr >>> öffentlich scharf verurteilte (englisch), pries Caster Semenya heute auf >>> uk.eurosport.yahoo.com als "echtes Talent" und gab weiter zu Protokoll:

"Es war offensichtlich eine grosse Schande, was ihr angetan wurde mit allem, aber sie kann hoffentlich an den Juniorweltmeisterschaften teilnehmen, das wäre toll."

Wir sagen Danke und drücken Caster Semenya alle Daumen!

Nachtrag 1: Laut diversen Medienberichten und Agenturmeldungen bestritt Caster Semenya das Rennen mühelos und gewann mit 2:04,22 sogar noch etwas schneller, als ihr Trainer angekündigt hatte. Kommenden Sonntag wird sie in Lapinlahti (Finnland) an einem weiteren Wettkampf teilnehmen.

Nachtrag 2: Lesenswerter englischer Hintergrundartikel über das Rennen von Anna Kessel auf >>> guardian.co.uk. Sowie 2 weitere von Martin Samuel in der Daily Mail, ein >>> Vorbericht mit Interviews mit Trainer Michael "Sponge" Seme und Manager Jukka Harkonen, sowie einer über das eigentliche Rennen >>> mit ausführlichem O-Ton von Caster Semenya.

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya 
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Tuesday 13 July 2010

http://www.google.com/search?q=dix+poppas

USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen öffentlich geoutetAktuelle Suche:

>>> http://www.google.com/search?q=dix+poppas 

Auch lustig:
>>> http://www.google.com/search?q=dix+poppas+mutilation
Ungefähr 56.000 Ergebnisse 2010-07-13

>>> Blogtipp + Kommentare (englisch)

Siehe auch:
- Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet

Continue reading...

"Ethikrat diskutiert über Intersexualität" - BR 25./27.6.10 + "Leben zwischen den Geschlechtern" - Dradio 24.6.10

>>> Nachträge

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Der Bayerische Rundfunk berichtete vom "Forum Bioethik" des Ethikrates am 23.6.10 in Berlin zum Thema "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern".

Nachtrag: Zudem hatte Dradio Wissen schon am 24.6.10 über die Diskussion berichtet (siehe auch unten).

Der gelungener Beitrag von Andrea Hensel im Beyerischen Rundfunk wurde gleich im Doppelpack ausgestrahlt.

Mit Interviewbeiträgen zu Wort kamen (in chronologischer Reihenfolge): Claudia Kreuzer, Hertha Richter-Appelt, Claudia Wiesemann (ohne Credit) und Lucie Veith.

Die ursprüngliche Anmoderation sowie der Eingangsbeitrag von Claudia Kreuzer wurden allerdings in der 2. Sendung durch eine neue Einleitung ersetzt. Beide Versionen sind online erhältlich, ebenso Ankündigung und eine etwas durchmischte Infoseite:

BR 25.6.10 --> 05:56-11:28
"Weder Frau noch Mann? Ethikrat diskutiert über Intersexualität"
>>> IQ - Wissenschaft und Forschung

(Ankündigung mit Downloadlink)
>>> mp3 zum runterladen oder anhören
(Mit zusätzlichem Eingangszitat von Claudia Kreuzer)

BR 27.6.10 --> 00:42-05:16
"Ethikrat diskutiert über Intersexualität"
>>> B5 aktuell - Aus Wissenschaft und Technik

(Beitrag zum live anhören mit neuer redaktioneller Einleitung)
>>> mp3 zum runterladen oder anhören

Weniger gelungen ist allerdings die zur IQ-Ethikrat-Sendung aufdatierte >>> Infopage zum Thema auf br-online. Zwar enthält sie viele gute Informationen, die noch vor 5 Jahren in Mainstreammedien so nicht Standard waren. Doch mit dem Zwischentitel "Grobe Fehler in der Vergangenheit" und dem darauf folgenden Abschnitt wird einmal mehr die Medizyner-Mär verbreitet, heute sei ja alles besser:

Wird heute ein Kind mit geschlechtlichen Besonderheiten geboren, hat es gute Chancen, menschenwürdig behandelt zu werden - sofern die Eltern an die richtigen Experten geraten.

Kein Wort davon, dass auch bei den empfohlenen "Netzwerk Intersexualität/DSD"- und "EuroDSD"-"ExpertInnen" medizinisch nicht notwendige Genitaloperationen an nicht zustimmungsfähigen Kindern nach wie vor die Regel sind!

Kein Wort, dass allein in Deutschland weiterhin JEDEN TAG mindestens 1 Kind irreversibel chirurgisch genitalverstümmelt wird!

Die Zwangsoperateure freut's ...

Nachtrag:

Für Dradio Wissen hatte Monika Ahrens schon am 24.6.10 berichtet. Im 8-minütigen Beitrag kamen Lucie Veith und Hertha Richter-Appelt zu Wort. 

dradio 24.6.10
"Biologie - Leben zwischen den Geschlechtern"
>>> Dradio Wissen - Kultur
(Seite zur Sendung inkl. Beitrag zum live anhören)
>>> mp3 zum runterladen und anhören

Leider hat Dradio die Prioritäten überhaupt nicht kapiert: In der Sendung gehts praktisch ausschliesslich um "Geschlechtskategorien", "Diskriminierung" "sexuelle Identität" und "Personenstandseintrag".

Zwar werden die Traumatisierungen durch das Medizyner-Schweigegebot gut verdeutlicht. Und immerhin wird kurz angetönt, dass auch "heute noch [...] intersexuelle Personen als Kleinkind operiert werden", und als Position von Intersexuelle Menschen e.V. wird kurz referiert: "Operationen erst ab dem 18. Lebensjahr [...], vorher sollte eine Operation nur stattfinden, wenn es lebensnotwendig ist." Und auf der Internetseite zur Sendung hat's gar noch einen Link auf die kritische Berichterstattung zum Ethikrat-Forum auf diesem Blog.

Bezüglich abschliessender praktischer Forderungen geht's dann aber in der Sendung selbst im Namen der "Intersexuellen" einmal mehr nur noch um "Personenstand", "Identität" und "Schända". Die zentrale Zwitter-Forderung "Recht auf körperliche Unversehrtheit" wird dagegen im ganzen Beitrag nicht ein einziges Mal erwähnt!

Es ist noch ein weiter Weg ...

(Dradio konnte es übrigens schon besser und brachte schon verschiedentlich sehr gute Beiträge mit O-Ton von Exponent_innen der Zwitterbewegung, z.B. 2005 mit der letztes Jahr verstorbenen >>> Katrin Ann Kunze oder 2006 mit >>> Elisabeth Müller. In den letzten 2 Jahren scheint es allerdings überhand zu nehmen, dass die BerichterstatterInnen wegen Tunnelblick durch die festgeleimte Genderbrille das eigentliche Kernproblem der andauernden chirurgischen Genitalverstümmelungen an Kleinkindern zusehends aus den Augen verlieren, vgl. z.B. die Kultursendung zur "Geschichte der Hermaphroditen" (29.4.09) oder der Bericht zum Deutschlandstart von XXY (25.6.08).)

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"

Siehe auch:
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Sunday 11 July 2010

Caster Semenya will Schadenersatz von Sportverbänden (XXI)

>>> Nachtrag

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionLaut einer >>> englischsprachigen Meldung auf businessweek.com vom 8.6.10 hat Geg Nott, Mitglied des Anwaltsteams von Mokgadi Caster Semenya in Südafrika, in einem ersten Schritt vor allem den südafrikanischen Sportverband ASA im Visier. Zwar will er zur Zeit von gerichtlichen Klagen (noch?) nichts wissen:

"Wir klagen nicht, aber wir überlegen, wie [Caster] am besten für die Rennen entschädigt werden kann, die sie auslassen musste. [...] Es wird für unsere Klientin und den Verband hilfreich sein, sicherzustellen, dass ihre entgangenen Gewinne ordnungsgemäss entschädigt werden."

Nott nannte das Verfahren gegen Caster Semenya "eine Travestie", die "nie wieder gegen ein menschliches Wesen wiederholt werden" dürfe.

In einer >>> heutigen Meldung der südafrikanischen Sunday Times wird Greg Nott zitiert, dass mögliche zivilrechtliche Forderungen sich nicht allein auf den südafrikanischen Athletikverband beschränken würden, sondern auch "andere Verbände" mit einbeziehen werden:

"Wir werden definitiv schauen, wie mögliche Verdienste entschädigt werden können, die [Caster Semenya] hätte erhalten können, während sie durch ASA oder welchen anderen Verband auch immer suspendiert war."

Die Zeit titelte darauf heute "Caster Semenya verklagt Südafrikas Verband", der Spiegel "Semenya will Geld".

Nachtrag: Ob ein Zusammenhang besteht mit dem heutigen ASA-Entscheid (englisch), Caster Semenya nicht unter die 42 AthletInnen aufzunehmen, die Südafrika in Nairobi ab dem 28. Juli an den Afrika-Meisterschaften vertreten werden, wurde nirgends angesprochen.

Als weitere Organisationen, von denen Caster Semenya Entschädigungen verlangen könnte, kommen nebst dem Athletikweltverband IAAF auch das südafrikanische Oympische Komitee Sascoc in Frage. Der südafrikanische Athletikverband und IAAF-Mitglied ASA hatte sich im Februar bei seinem Entscheid, Caster Semenya den Start an einem lokalen Rennen in Stellenbosch zu verweigern, auf eine offizielle IAAF-Weisung berufen. Das Olympische Komitee Sascoc war derjenige Verband gewesen, der entgegen dem ursprünglichen Ansinnen von ASA, Caster Semenya für lokale Rennen zuzulassen, ein absolutes Startverbot verhängt hatte, allerdings ebenfalls unter Berufung auf IAAF.

Kommentar: Bleibt zu hoffen, dass Caster Semenyas Anwaltsteam die unseligen Sportverbände auch für die dreiste Missachtung des Arztgeheimnisses sowie von Caster Semenyas Persönlichkeits- und ihrer sonstigen Menschenrechte gehörig zur Kasse bitten werden ...

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Tuesday 6 July 2010

UPDATE: Caster Semenya hat Starterlaubnis!!! (XX)

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!UPDATE: Laut einer Meldung auf >>> iol.co.za vom frühen Nachmittag, die sich auf eine Quelle "an hoher Stelle im Athletikweltverband IAAF" beruft, habe der Verband heute morgen beschlossen, Caster Semenya sei ab sofort wieder für alle Frauenwettkämpfe zugelassen!

Später am Nachmittag wurde eine entsprechende >>> IAAF-Medienmitteilung weltweit verbreitet: Der "Fall" sei "abgeschlossen". "Der IAAF akzeptiert die Schlussfolgerungen eines Gremiums meidzinischer Experten, dass sie ab sofort wieder an Wettkämpfen teilnehmen kann."

Ebenfalls weltweit verbreitet wurde fogender Kommentar von Caster Semenya: "Ich bin ausser mir vor Freude, wieder die Arena der Weltathletik betreten zu können, und freue mich auf die Teilnahme an Wettkämpfen, jetzt, wo alle Streitigkeiten hinter mir liegen."

Eine in der Zeit veröffentlichte, ausführliche dpa-Meldung versucht erneut, dem südafrikanischen Leichtathletikverband ASA die Schuld für das IAAF-Debakel in die Schuhe zu schieben. Weiter gibt's Zitate vom Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach sowie von IAAF-Experte Helmut Digel, wonach nun als nächster Schritt sowohl bei IAAF wie auch bei IOC "die Schaffung neuer Regularien in Bezug auf die Trans- und Intersexualität von Sportlern" anstünden (dieser Blog berichtete).

Wie The Guardian und der Sydney Morning Herald in den frühen Morgendstunden berichtet hatten, soll der Weltathletikverband IAAF  Mokgadi Caster Semenya "in wenigen Tagen die Starterlaubnis erteilen". Der IAAF hatte zunächst eine Entscheidung "bis Ende Juni" angekündigt, diesen Termin aber erneut verstreichen lassen.

Der Sydney Morning Herald erwartet, Caster Semenya werde entweder an den Juniorweltmeisterschaften in Kanada vom 19.-25. Juli antreten, oder aber bei den Commonwealth Spielen in Delhi (Indien) im Oktober. Weiter wärmt der Herald die Spekulationen wieder auf, der Entscheid des IAAF habe sich wegen einer "wahrscheinlichen Hormonbehandlung" Caster Semenyas so lange hingezogen. Beide Meldungen berufen sich auf die Londoner Zeitung Daily Telegraph, genauere Quellenangaben werden bisher nirgends genannt.

Wir hoffen das Beste und bleiben dran ...

Nachtrag: Inzwischen ist die (mit dem Herald identische) Meldung auch bei Telegraph.co.uk online.

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Sarah Gronert
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit 
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport: Der "Fall" Caster Semenya (I) 
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (II): "The Guardian" und "Freitag.de" propagieren Genitalverstümmelungen
- Der "Fall" Caster Semenya und die Medien (III): 4 Artikel von solidarischen Nicht-Zwittern
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV)
- Zwitter solidarisieren sich mit Caster Semenya (V)
- IAAF offeriert Caster Semenya "Gratis Genitaloperation" (VI) 
- Caster Semenya verklagt IAAF auf 120 Mio Dollar und ASA auf 18 Mio Dollar? (VII) 
- Caster Semenya wieder für Frauenwettkämpfe zugelassen? (VIII)
- Südafrikanisches Olympiakomitee: Absolutes Startverbot für Caster Semenya! (IX) 
- Caster Semenyas Anwälte gegen SASOC: "Sie wurde nicht disqualifiziert"! (X) 
- "Caster Semenya: Was macht eine Frau zur Frau?" - evangelisch.de, 4.2.10 
- "Geschlechtstests im Sport: Wer legt eigentlich fest, was als normal gilt?" - FAZ, 15.2.10
- Caster Semenya kündet offiziell Rückkehr an – IAAF verlangt Denkpause bis August (XI) 
- Caster Semenya: Anwälte stellen Ultimatum bis Montag und bereiten Klage vor (XII) 
- Caster Semenya verzichtet vorläufig auf Klage (XIII)
- Caster Semenya "unterzieht sich seit Januar medizinischer Behandlung" (XIV) 
- Caster Semenya "in Hormon-Behandlung" - IAAF-Entscheid bis Ende Juni? (XV)
- Sportprofessor: Athletikverbänden geht es ums Image, nicht um Fairness; Caster Semenyas Rechte werden unter den Teppich gekehrt (XVI)
- IAAF plant neues Geschlechter-Regelwerk auf 2011 – wegen Caster Semenya (XVII) 
- Caster Semenya: Startfreigabe angekündigt – dann Pressekonferenz abgesagt (XVIII)
- Heute 17:30 @ dradio: "Der Kampf um das Geschlecht" 
- Caster Semenya: IAAF-Entscheid erneut vertagt? (XIX) 
- UPDATE: Caster Semenya hat Starterlaubnis!!! (XX) 
- Caster Semenya will Schadenersatz von Sportverbänden (XXI)
- Alle Posts über Caster Semenya

Friday 2 July 2010

Pränatale Hormonbomben gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen" (US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen UPDATES 2)

Kann ein Zwitter Sünde sein?Es tut sich was in der wegweisenden US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Hormonzwangstherapien:

Am 18.6.10 berichtete mit dem >>> Time Magazine (englisch) erstmal ein Mainstreammedium kritisch über Dr. Maria I. News unkontrollierte Menschenversuche mit pränatalem Dexamethason. Im Artikel kommt unter anderen eine betroffene Mutter zu Wort, die von Dr. Maria I. New nach bekanntem Muster NICHT darüber aufgeklärt wurde, dass es sich um eine umstrittene Off-Label-Anwendung handelt. Sowie namhafte Mediziner, Psychologen und Bioethiker, die u.a. bestätigen, dass weder Maria I. New noch ihre KollegInnen weltweit wirklich wissen, was sie genau (an-)tun, und dass es bei den pränatalen Behandlungen (wie auch bei den kosmetischen Genitaloperationen an Kleinkindern) nicht darum geht, dem Kind zu helfen, sondern die Eltern vor "psychologischem Stress" zu bewahren.

Der Time-Artikel hält weiter fest, dass die Dexamethason-Zwangsbehandlungen entgegen aktuellen Leitlinien grösstenteils völlig unkontrolliert und ohne zentrale Auswertung erfolgen (wie bekanntlich z.B. auch in Deutschland). Sowie nicht zuletzt, dass die Menschenversuche nie, wie in Amerika eigentlich vorgeschrieben, von einem Ethikkomitee (Institutional Review Board IRB) genehmigt wurden (auch im Rest der Welt werden sie hauptsächlich als unkontrollierte Feldversuche durchgeführt – und obwohl in Deutschland der Endokrinologenverband APE ebenfalls zentrale Erfassung und Kontrolle der Anwendungen befürwortet, gibt es keinerlei Konsequenzen für frei experimentierende Medizyner, was die APE zwar kritisiert, aber trotzdem keine konkreten Schritte dagegen unternimmt).

Kurz darauf liess der US-Endokrinologenverband "Endocrine Society" in seiner Zeitschrift >>> "ENDO Daily" durchsickern, in einem am 21.6.10 vorgestellten Entwurf für die künftige Leitlinie werde ausdrücklich festgehalten, dass Dexamethason eine "experimentelle Prozedur" darstelle und nur noch im Rahmen IRB-kontrollierter Studien zulässig sei. Die Kehrseite: Als "sichere" Alternative propagiert (wie ebenfalls deutsche "Netzwerk Intesexualität"/"Euro-DSD"-Medizyner) auch die neue Leitlinie chirurgische Genitalverstümmelungen an Säuglingen: "Die Leitlinie [...] empfiehlt frühe, einstufige chirurgische Reparatur für schwer vermännlichte Mädchen."  Auch hier in beklemmender Übereinstimmung mit der aktuellen Deutschen Leitlinie ...

Als nächstes legten die Iniatiatorinnen der Kampagne, Ellen K. Feder und Alice Dreger, zusammen mit Anne Tamar-Mattis, Präsidentin der Zwitter-Lobbyorganisation "Advocates for Informed Choice (AIC)", in einem am 29.6.10 auf dem >>> "Bioethics Forum" des Hastings Center veröffentlichten Artikel noch einen drauf:

Wohl unter Berücksichtigung der im Zusammenhang mit dem Outing des US-Seriengenitalverstümmlers Prof. Dr. Dix P. Poppas gemachten Erfahrungen, dass die öffentliche Meinung viel stärker auf Meldungen reagiert, in denen es vordergründig um illegitime Eingriffe an "Mädchen" geht und erst in zweiter Linie um Menschenrechtsverletzungen an Zwittern, stellt der Beitrag die (nicht nur) von Maria I. New und Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg verschiedentlich in Publikationen propagierten "Vorteile" ins Zentrum, wonach die pränatalen Zwangsbehandlungen verhindern sollen, dass die betreffenden "Mädchen" später lesbisch werden oder durch allzu selbstbewusstes Verhalten "auffallen", oder gar noch durch eine "entsprechende" Berufswahl – sondern stattdessen hoffentlich verstärkt heiraten und in der traditionellen Mutterrolle aufgehen würden ... Alice Dreger vertiefte diese Kritik in einem gleichentags veröffentlichten >>> Folgepost auf Psychology Today.

Zwar kam es nicht zu einem vergleichbaren öffentlichen Entrüstungssturm wie bei Dr. Poppas' Vibrator-Experimenten an genital zwangsoperierten "Mädchen", doch die öffentliche Beachtung der Kampagne verstärkte sich trotzdem deutlich: Mehrere prominente Blogs griffen den Hastings-Artikel sowie Dregers Post auf Psychology Today auf, u.a. >>> Huffington Post und >>> Slog, gefolgt von >>> Nature, >>> The Village Voice, >>> Los Angeles Times, >>> Jezebel, >>> ScienceBlogs und einem offiziellen und ebenfalls sehr positiv zu bewertendem >>> Artikel von Newsweek, deren Wissenschaftautorin auch Maria I. New und ihre Arbeitgeberin Mount Sinai Hospital um eine Stellungsnahme bat, jedoch beide Male vertröstet wurde ...

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz ist die Situation betreffend unkontrollierte Dexamethason-Zwangsbehandlungen wie auf diesem Blog berichtet durchaus vergleichbar – inkl. einer "AGS-Eltern- und Patienteninitiative e.V.", welche entsprechend dem Vorbild der US-"Cares Foundation" ebenfalls mit den ZwangsbehandlerInnen eng zusammenarbeitet und mit diesen zusammen die experimentellen Zwangsbehandlungen wiederholt als "erprobt und sicher" vermarktet.

Bisher sahen ausserhalb der USA jedoch weder EthikerInnen, noch Medien oder PolitikerInnen irgendwelchen Handlungsbedarf, weshalb die Zwangsbehandlungen dort überall unwidersprochen weiterpraktiziert werden ... Wie lange noch?!

Fortsetzung folgt ...

Siehe auch:
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen "auf Verdacht hin"
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

"Wo das Maß versagt" - e-politik.de, 1.6.10

Menschenrechte auch für Zwitter!

Nach dem Tagesspiegel-Artikel vom 27.6.10 ein >>> weiterer Bericht, diesmal von Markus Rackow über das "Forum Bioethik" des Deutschen Ethikrates in Berlin vom 23.6.10.

Kommentar: Aufgeblasener, schlecht recherchierter und wichtigtuerischer Text, in dem nicht mal das Stichwort "Menschenrecht" drin vorkommt, dafür aber die obligate Medizynermär "Noch bis in die 90er Jahre wurden Säuglinge chirurgisch bearbeitet" (aber heute ist das ja alles gaaanz anders).

Dazu mit deutlichem Schwergewicht auf den offenbar persönlichen Obsessionen des Autors vom "Sieg der Ratio über den Biologismus" über "Grenzfälle wie Geschlechtsidentitätsstörungen" , "Michel Foucault" und "Liebesheirat" vs. "Vernunftehe" bis hin zu "Gender-Pluralismus" und weiteren "Fragen", die, wie der Autor selbst einräumt, an der Veranstaltung selbst "nicht mal thematisiert wurden".

Fazit: Tagesspiegel gegen e-politik – 1:0.

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"

Tuesday 29 June 2010

"Er, sie, es" - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.1.03

Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da! 

Als bisher einzige Zeitung brachte der Tagesspiegel unter dem Titel "Er, sie, es" (Titel inzwischen geändert, siehe Nachtrag 2) einen Artikel von Ulrike Baureithel zum "Forum Bioethik" des Deutschen Ethikrates vom 23.6.10.

Unter demselben diskreditierenden Titel war wie vermerkt schon am 15.1.03 in der FAZ  ein Artikel von Katrin Hummel erschienen um die seinerzeitigen Aktivist_innen Ernst Bilke und Michel Reiter.

Da es interessant ist zu vergleichen, >>> dokumentiere ich den FAZ-Artikel hier.

Kommentar:

Beide Artikel enthalten einige Ungereimtheiten und Schnitzer, was ärgerlich ist. Jedoch ist es m.E. wichtiger, dass das Tabu-Thema Menschenrechtsverletzungen an Zwittern überhaupt öffentlich aufs Tapet kommt, als dass von Anfang an jedes Detail stimmen müsste. Zudem sind auch JournalistInnen nur Menschen, die zunehmend unter (Termin-)Druck stehen, weshalb sie je länger desto häufiger unreflektiert abschreiben und rezyklieren (müssen), wo's nur irgendwie geht. Was aber eine allgemeine Erscheinung ist und nicht spezifisch für Artikel über Zwitter.

Trotzdem dünkt mich im direkten Vergleich zwischen diesen beiden Artikeln, die immerhin 7 Jahre auseinanderliegen, dass die in Mainstreammedien mögliche Kritik an den Menschenrechtsverbrechen an Zwittern inzwischen pointierter, konkreter und auch politischer wurde. Was an sich schon mal ein Fortschritt ist. Der jedoch nur möglich wurde durch durch Jahrzehnte langes Beackern der Öffentlichkeit durch verschiedene Aktivist_innen.

In dieser Beziehung kann sich die zunehmende Gehetztheit der JournalistInnen übrigens auch zu Gunsten der Zwitterbewegung auswirken – solange sie sich für eine kontinuierliche, gut dokumentierte Öffentlichkeitsarbeit nicht zu schade ist. Ansonsten kann der errungene Vorteil auch schnell wieder dahinschmelzen oder gar rückgängig gemacht werden – die Medizyner schlafen nicht ...

Ein Beispiel dafür ist, dass in die männliche Rolle zwangsoperierte Zwitter wie z.B. der in der FAZ portraitierte Ernst Bilke mittlerweile in der Öffentlichkeit seit längerem kein Thema mehr sind, obwohl sie nach wie vor genau so existieren und genauso leiden wie zwangskastrierte Menschen mit CAIS, und auch zunehmend von den Medizynern "produziert" werden ... (Und obwohl die Geschichte von Ernst Bilke z.B. in den Büchern von Ulla Fröhling und Claudia Lang sehr wohl öffentlich dokumentiert ist.)

>>> "Er, sie, es" - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.1.03 

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"

Monday 28 June 2010

Caster Semenya: IAAF-Entscheid erneut vertagt? (XIX)

>>> Nachtrag

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion

Allerallerspätestens "bis Ende Juni" wolle der Weltathletikverband IAAF seinen Entscheid im "Fall" Mokgadi Caster Semenya kommunizieren, hatte es von offizieller Seite vor wenigen Wochen am 10. Juni geheissen.

Das hiesse bis spätestens übermorgen Mittwoch. Schon sieht es aber danach aus, dass der IAAF stattdessen sein unwürdiges Spiel fortsetzen und einmal mehr klemmen will.

Laut einer südafrikanischen Meldung auf >>> citizen.co.za (englisch) habe IAAF-Pressesprecher Nick Davies gestern auf Anfrage verkündet, zuerst müsse noch eine "interne Sitzung" abgehalten werden, an der die "Ergebnisse des Geschlechtstests besprochen" werden müssten.

Soweit war der IAAF schon letztes Mal gewesen, als er am 10. Juni eine Pressekonferenz des südafrikanischen Sportministeriums platzen liess, weil der Weltverband noch keinen Entscheid hatte fällen können, da die Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen erst noch im Exekutivkomitee diskutiert werden müssten.

Bleibt zu hoffen, Caster Semenyas Anwälte lassen nicht locker und werden dem selbstherrlichen Verband die ihm zustehende Rechnung präsentieren ...

Nachtrag: Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet – auch am 1. Juli liegt nach wie vor kein Bescheid des IAAF vor. Laut dem südafrikanischen Medium sport24.co.za war zudem IAAF-Pressesprecher Nick Davies heute Donnerstag für eine Stellungnahme unerreichbar ...

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Sunday 27 June 2010

"Er, sie, es" - Tagesspiegel, 27.6.10

>>> Nachtrag: Kommentare auf dem Hermaphroditforum    >>> Nachtrag 2

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

Als bisher einziges kommerzielles Medium brachte der Tagesspiegel aus Berlin heute einen insgesamt >>> gelungenen Bericht von Ulrike Baureithel über das "Forum Bioethik" des Deutschen Ethikrates vom letzten Mittwoch, dem 23.6.10.

Der Titel des Artikels ist leider weder besonders originell noch neu noch gut. (U.a. wurde er bereits benutzt für einen Artikel von Katrin Hummel in der Frankfurter Allgemeinen vom 15.1.03., der darin mitportraitierte Michel Reiter merkte schon damals an: "[E]in Mensch wird nie ein Es sein; im Titel ist ein Diskredit enthalten und Sprachwissenschaftler sind gefordert, ethymologische Recherche der Pronomina es/ie/r (es, sie, er) zu betreiben.")

Im Gegensatz zur Pressemitteilung des Ethikrates zur Veranstaltung bringt der eigentliche Artikel aber Klartext: Bereits im Lead fällt das Wort "Zwangsoperationen", im ersten Abschnitt steht "Kastration", weiter unten ist die Rede von John Moneys "brutalen und entwürdigenden Experimente[n] an Kindern", die Forderung Überlebender nach einem Verbot der Genitalverstümmelungen wird ebenso erwähnt wie Konstanze Pletts Kritik an der Doppelmoral "unserer" Gesellschaft:

Die westliche Welt lamentiere über Genitalbeschneidung, und der Bundestag diskutiere ein Verbot, ohne wahrzunehmen, dass derlei tagtäglich auch hierzulande passiere.

Interessant auch der Vergleich der Rezensentin mit vorherigen Veranstaltungen des Deutschen Ethikrates:

Dass hinter jedem Einzelfall ein oft von Irrationalität und Leiden begleitetes Schicksal steht, erlebten vergangene Woche auch die deutschen Ethikräte, deren ansonsten akademisch dahin plätscherndes „Forum Bioethik“ beim Thema „Intersexualität – Leben zwischen den Geschlechtern“ plötzlich zu einer Konfrontationsarena zwischen dem Expertensystem und selbstbewussten Anwälten in eigener Sache wurde.

Natürlich stehen zwischendurch wiederholt Dinge drin, nun wirklich nicht hätten sein müssen, wenn etwa als zusätzlicher "Experte" ausgerechnet der unsägliche Sexologe und wohl unverbesserliche Verstümmelungsentschuldiger und -zulieferer Hartmut Bosinski zitiert wird. Auch werden einmal mehr unkritisch und unhinterfragt die beschönigten Zahlen und Statistiken des "Netzwerk DSD/Intersexualität" kolportiert: "Je nach Ausprägung und Zuordnung kommt auf 3000 bis 5000 Geburten ein Kind mit einem uneindeutigen Geschlecht, schätzen Experten." Dabei ist hinlänglich belegt, dass Medizyner diese nur nennen, wenn es um die Abwehr von Kritik geht, während sie bei der "Gewinnung" neuer Opfer 1:1000 veranschlagen.

Auch (ausgerechnet!) Magnus Hirschfeld und Judith Butler werden ebenfalls völlig unkritisch und unhinterfragt hinzugezogen, und so sicher wie das Amen in der Kirche kommt die Autorin zum Schluss wieder zurück auf das ihr selber offenbar viel bedeutende Thema der "Normalgesellschaft", die "auf ein binäres Schema fixiert" sei, obwohl sich an der Veranstaltung, wie sie offensichtlich etwas verwundert festhält, "der Streit um Behandlungspraktiken drehte".

Alles in allem nahm sie die Kritik der Überlebenden daran aber immerhin ernst genug, um ihr im Artikel Platz einzuräumen und dabei Klartext zu bringen. Dafür ein herzliches Danke!

>>> http://www.tagesspiegel.de/wissen/er-sie-es/1869792.html

>>> Nachtrag: Kommentare auf dem Hermaphroditforum

>>> Nachtrag 2: Der Titel wurde inzwischen online geändert zu "Zwischen den Geschlechtern". Auch der Lapsus "Verein interkultureller Menschen" wurde inzwischen berichtigt zu "Verein intersexueller Menschen".  

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern" 

Heute 17:30 @ dradio: "Der Kampf um das Geschlecht"

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

Sendung im Deutschlandradion von Jutta Heeß und Katrin Weber-Klüver mit dem Untertitel "Chancen und Schwierigkeiten inter- und transsexueller Athleten"

Aus der >>> Ankündigung auf dradio.de:

Eins wurde im Verlaufe der Diskussionen klar: Funktionäre und Verbände sowie Journalisten wissen nicht, wie sie mit intersexuellen Athleten umgehen sollen.

Für transsexuelle Sportler - also Menschen, die eine Geschlechtsumwandlung vollzogen haben - ist es hingegen etwas leichter: Sie dürfen offiziell bei Wettkämpfen des Geschlechts, das sie gewählt haben, teilnehmen.

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Friday 25 June 2010

Deutscher Ethikrat: Kein Handlungsbedarf bei Genitalverstümmelung an "Intersexuellen" (Forum Bioethik 23.6.10)

Der Deutsche Ethikrat veröffentlichte heute eine
>>> Pressemitteilung 06/2010 über die Veranstaltung vom vergangenen Mittwoch in Berlin.

2 Sätze daraus springen sogleich ins Auge (meine Hervorhebungen):

Der Umgang mit der Intersexualität berührt eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Lucie Veith und Claudia Kreuzer benannten die Probleme, mit denen sich intersexuelle Menschen konfrontiert sehen, und forderten im Namen des Vereins Intersexuelle Menschen e. V., ein Verbot von nicht lebens- oder gesundheitsnotwendigen Eingriffen ohne die informierte Einwilligung der Betroffenen Menschen zu erlassen [...].

Hört, hört!

Dafür ein fettes Dankeschön! Ebenso dafür, dass der Ethikrat die Veranstaltung transparent dokumentieren und dazu nebst den Audiomitschnitten auch die Wortprotokolle öffentlich zugänglich machen will.

Leider war's das dann auch schon mit den guten Nachrichten:

Statt sich umfassend und für die Rechte künftiger Zwitterkinder stark zu machen, bedient der Ethikrat im Rest der Pressemitteilung durchgehend LGB(T)-Eigenbedarf-Diskurse und -Forderungen wie z.B. "festgelegte Geschlechtsnormen [...] hinterfragen", "Diskussion über die gesellschaftliche Akzeptanz [...] anstoßen", "Recht auf [...] sexuelle Identität" bzw. "die Politik soll etwas gegen Diskriminierung unternehmen" und "die Gesellschaft ändern".

Das eigentliche, ethische und menschenrechtliche Kernproblem beim "Thema Intersexualität", nämlich die (auch) in Deutschen Kliniken ungebrochen weiterpraktizierten Genitalverstümmelungen an Kindern, mag der Ethikrat dagegen in der ganzen Pressemitteilung nirgends beim Namen nennen. Noch nicht einmal das Faktum, dass es sich um chirurgische Eingriffe an Genitalien von Kleinkindern handelt, findet irgendwo Erwähnung.

Stattdessen verwendet der Deutsche Ethikrat durchgehend diskret verklausulierte Beschönigungen wie "Geschlechtszuweisung", "medizinische Intervention", "geschlechtszuweisende Eingriffe" oder schlicht "medizinische[...] Versorgung".

Noch die plumpste Medizynerlüge darf nicht fehlen:

'Nun ja, früher mag es ja zwischendurch moglicherweise eventuell einmal "Probleme" gegeben haben – jetzt aber nicht mehr, heute ist längst alles wieder gut und überhaupt ganz anders!'

Durch die "zunehmende[...] Kritik an den früheren Behandlungsmaßstäben" sei nämlich "inzwischen auch die ethische Diskussion [...] konkreter und lebendiger geworden". Folglich kann es sich nur noch um kurze Zeit handeln, bis die versammelten ExpertInnen auch die letzte noch verbleibende "Frage, wie sich das Mitbestimmungsrecht minderjähriger Kinder konkret umsetzen lässt", erfolgreich gelöst haben. So dass in Deutschen Kinderchirurgien künftig Zwitterkinder nur noch 100% ethisch einwandfrei verstümmelt werden, worauf wir nun alle beruhigt nach Hause gehen können.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so operieren sie noch heute ...

Nicht ganz überrschend sieht der Deutsche Ethikrat im Anschluss an eine Plenarsitzung am Tag nach der Veranstaltung vorerst keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Immerhin will der Ethikrat aber "das Thema weiter beobachten und im Rahmen der Diskussion über das künftige Arbeitsprogramm darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang das Thema weiter bearbeitet werden soll."

Dieser Blog wird seinerseits den Ethikrat dabei im Auge behalten ...

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10
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Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10 
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- Amnesty Deutschland: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 

Thursday 10 June 2010

Caster Semenya: Startfreigabe angekündigt – dann Pressekonferenz abgesagt (XVIII)

>>> Nachträge 1-2

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Bisher letztes Kapitel im längst zur schlechten Gewohnheit gewordenen Medienspektakel um verschobene Termine und willkürliche Kehrtwenden:

Gestern hatte ein südafrikanischer Fernsehsender berichtet, der Weltathletikverband IAAF sei endlich zu einem verbindlichen Resultat gekommen, wonach Mokgadi Caster Semenya nach fast einem Jahr de facto Sperre wieder antreten dürfe, dies würde heute an einer Pressekonferenz unter Anwesenheit der Athletin, des südafrikanischen Sportministers Makhenkesi Stofile und IAAF-Präsident Lamine Diack offiziell bekannt gegeben.

Wie Sowetan berichtete, sei Caster laut einer anonymen Quelle aus ihrem Umfeld gestern vom Sportminister Stofile auf ihr Handy angerufen und mit der frohen Botschaft überrascht worden. Diese Meldung wurde von zahlreichen weiteren lokalen Medien aufgegriffen (u.a. Times Live, Pretoria News, ANC Youth League Pressemitteilung) und auch weltweit durch Agenturen und Medien verbreitet.

Weniger als 4 Stunden vor dem angekündigten Grossereignis dann der beinah schon obligate Rückzieher: Die Pressekonferenz wurde vom Sportministerium kurzerhand abgesagt. Gemäss einer Reuters-Agenturmeldung habe das Ministerium kiene Begründung angegeben, es sei auch nicht sicher, ob eventuell heute oder morgen eine substanzielle Stellungnahme folge oder nicht. Nach einem Artikel auf Times Live sei laut IAAF das "Verfahren immer noch nicht abgeschlossen und muss deshalb geheim bleiben".

Fazit: Das unwürdige Trauerspiel des Weltathletikverbandes IAAF auf Kosten von Caster Semenya geht weiter wie gehabt ...

Nachtrag 1: Inzwischen ist auch eine deutschspachige DPA-Meldung erschienen.

Nachtrag 2: Laut der Printausgabe der südafrikanischen Zeitung The Star vom 11.5. erklärte Caster Semenyas Anwalt Greg Nott, zwar habe das Mediziner-Team des IAAF inzwischen seine Untersuchungen abgeschlossen, diese müssten nun aber zuerst noch dem Exekutivkomitee vorgelegt werden, das sie zunächst noch offiziell absegnen müsse. Er sei aber zuversichtlich, dass dies in nahester Zukunft geschehe, und das das offizielle Resultat "nur positiv" sein könne. Gemäss einer Meldung des britischen Telegraph vom 10.5. hatte Caster Semenya bereits ein Statement vorbereitet: “Ich bin überglücklich, dass das Medizinische Team zur richtigen Entscheidung gelangt ist. Ich freue mich im Verlauf der kommenden Leichtathletiksaison wieder an Wettkämpfen teilzunehmen." Gemäss einem Bericht in der London Times vom 11.5. sagte Semenyas Trainer Michael "Sponge" Seme, Semenya laufe im Training 800 Meter nach wie vor unter 2 Minuten. Ein Kommentar der Süddeutschen Zeitung spart nicht an Kritik an Caster Semenyas "vermeintlichen Freunden" (gemeint sind wohl ihre Anwälte und das südafrikanische Sportministerium), hält aber abschliessend immerhin fest: "Die Hauptschuld daran, dass die intimste Privatsphäre Semenyas zu einem weltweiten Thema geworden ist, liegt bei der IAAF. Ihre mangelnde Weitsicht, ihre unsensible Art, den Fall zu moderieren, und ihre Unfähigkeit, ein Urteil zu fällen, zeigen, dass Institutionen des Sports mit Fällen überfordert sind, die über die einfachen Gesetze ihrer schönen Nebensache hinausweisen." 

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Wednesday 2 June 2010

IAAF plant neues Geschlechter-Regelwerk auf 2011 – wegen Caster Semenya (XVII)

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Michael "Sponge" Seme, der Trainer von Mokgadi Caster Semenya, hatte seit längerem öffentlich gesagt, ein Grund für die ungebührlich lange Dauer von Casters "Geschlechtstest" liege darin, dass der Weltathletikverband IAAF anhand ihres "Falles" neue Regeln ausarbeiten wolle, wer künftig zu Frauenwettkämpfen zugelassen werden soll und wer nicht.

Offensichtlich traf er damit voll ins Schwarze: Wie eine letzte Woche vorerst nur auf französisch, spanisch und portugiesisch veröffentlichte AFP-Agenturmeldung unter Berufung auf ein anonym bleibendes IAAF-Vorstandsmitglied berichtet, sei aktuell diesbezüglich ein Team an der Arbeit. Diese werde einen Vorbericht zu Handen der IAAF-Vorstandssitzung vom 7.-8. August in Kiew erstellen. Danach soll dieses neue Regelwerk an einer weiteren Sitzung im November abgesegnet werden und auf 1. Januar 2011 in Kraft treten. Über den möglichen Inhalt des neuen Regelwerks wurden keine Angaben gemacht.

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Tuesday 1 June 2010

"Amnesty engagiert sich für Menschenrechte von Intersexuellen" - FAZ.net, 31.5.10

Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> Post von Oliver Tolmein auf Biopolitik über die Vorstösse von Amnesty Schweiz und Amnesty Deutschland zu Gunsten von "Menschenrechte auch für Zwitter!" – leider mit einem ziemlich kontraproduktiven Ausrutscher zum Schluss ... Schade, schade ...

>>> Der Artikel auf faz.net/biopolitik

Thursday 20 May 2010

Sportprofessor: Athletikverbänden geht es ums Image, nicht um Fairness; Caster Semenyas Rechte werden unter den Teppich gekehrt (XVI)

>>> Nachtrag

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionTimothy "Tim" Noakes von der Universität Kapstadt (Südafrika), Mitbegründer des Sports Science Institute of South Africa und der Olympic Science Academy des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), redet Klartext und erregt damit weltweites Aufsehen.

Auftakt war ein Interview mit Tim Noakes in der südafrikanischen Sunday Times vom 15.5.10 (englisch), publiziert unter dem Titel "Caster 'ein Opfer von Image Management'". Darin führte er aus, seiner Meinung nach würden intersexuelle Athletinnen von Verbänden wie dem Internationalen Athletikverband IAAF und dem Olympischen Komitee IOC von Wettkämpfen ausgeschlossen, um das Image des Sports zu schützen, und nicht wegen bewiesener unfairer Vorteile der intersexuellen Athletinnen:

"Insgesamt 8 intersexuelle Frauen wurden bisher von Wettkämpfen ausgeschlossen – soviel ich weiss mit der Warnung, dass sie öffentlich blossgestellt würden, sollten sie es wagen, einen Wirbel daraus zu machen. Es sieht deshalb danach aus, dass es nicht um athletische Vorteile geht, sondern darum, die Olympischen Spiele [von intersexuellen Athletinnen,] von unerwünschten Verwicklungen freizuhalten. Das sendet die Botschaft aus, dass Frauen tun müssen, was Männer sagen, und wenn dabei acht Athletinnen geopfert werden müssen, so sei es, was ich beunruhigend finde."

"Meiner Ansicht nach sollte Caster Semenya rennen dürfen. Sie rennt nicht so schnell wie die Männer, und noch nicht einmal so schnell wie andere Frauen. Wenn sie jedoch 1:41 rennen würde [der Rekord für Männer], dann hätten wir ein Problem."

Tim Noakes kritisierte auch die Mokgadi Caster Semenya und anderen "verdächtigten Athletinnen" aufgezwungenen, willkürlichen Geschlechtstests:

"Es gibt keinen einzigen Test, der zeigen kann, ob jemand mehr männlich oder weiblich ist. Für mich ist es falsch, solchen Athletinnen Hormonbehandlungen aufzuzwingen [wie dies anscheinend bei Caster Semenya der Fall sein soll]. Ich glaube nicht, dass die acht früheren Athletinnen respektvoll behandelt wurden, und ich glaube, die südafrikanischen Sportchefs taten gut daran, dem IAAF gegenüber nicht klein beizugeben."

Weiter argumentierte Tim Noakes, im Sport seien manche genetische Besonderheiten gängig, und führte das Beispiel von Usain Bolt an, der zusammen mit Michael Phelps auch von anderen ExpertInnen oft als Beispiel für Sportler mit genetischen Besonderheiten angeführt wird.

Gestern 19.5.10 wurde diese Meldung u.a. auch vom der englischen Zeitung "Telegraph" sowie von der kanadischen "National Post" aufgegriffen. Dabei verschäfte Tim Noakes seine Kritik, indem er beifügte, Caster Semenyas Rechte würden "unter den Teppich gekehrt".

Gleichzeitig erschienen am 19.5.10 englischsprachige Meldungen, wonach die die englische Sprinterin Jenny Meadows sich mit Caster Semenya solidarisierte und nicht zum ersten Mal das ungebührlich lange Lavieren des IAAF kritisierte. Meadows gab weiter zu Protokoll, dass sie gegen Caster Semenya antreten würde, jedoch wisse sie von einigen anderen Weltklasse-Läuferinnen, dass diese bei einer Rückkehr von Caster Semenya planen, Wettkämpfe zu boykottieren (u.a. London Times, Times Südafrika, SkySports, UKPA-Agenturmeldung).

Heute 20.5.10 fanden die Zitate von Tim Noakes vereinzelt auch ihren Weg in deutschsprachige Pressemeldungen, etwa bei diePresse.com und bei dieStandard.at.

Gleichzeitig gab der südafrikanische Sportminister bekannt, die Entscheidung für Caster Semenyas Rückkehr werde innerhalb der nächsten 3 Wochen fallen, was aktuell auch als deutschsprachige SID-Agenturmeldung verbreitet wird.

Nachtrag: Der südafrikanische Läufer Oscar Pistirius solidarisierte sich in einem Interview auf Scotsman.com (englisch) ebenfalls mit Caster Semenya: "Das Schlimmste ist vorbei für sie, sie hat einen starken Charakter und ich bin sicher, sie wird es überstehen. [...] Es tut mir Leid für sie, wei dies alles gelaufen ist."

>>> Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung

>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!   
- Caster Semenya verzichtet vorläufig auf Klage (XIII)
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Tuesday 18 May 2010

Zwitter @ Nachtcafé Fr 21.5.10 22h SWR mit Diana Hartmann

>>> Videostream     >>> Kommentar von Nella (unten Nachtrag 2)    >>> Transkript

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!  

Am kommenden Freitag ist Diana Hartmann aus Hamburg zu Gast bei Wieland Backes in der beliebten Sendung Nachtcafé (Wiederholung: Sa 22.5.10 12:20h, sowie auch online auf http://www.swr.de/nachtcafe/). Diana ist den letzten Monaten schon mehrfach an die Öffentlichkeit getreten und betreibt das InterArchiv.

Laut der Ankündigung bei SWR steht die Sendung unter dem Titel "Ausserhalb der Norm", was in der Regel erstmal Befürchtungen um die leider nicht nur in den Medien üblichen, politisch verhängnisvollen Vermischungen / "Verwechslungen" aufkommen lässt. Trotzdem kann diesbezüglich Entwarnung gegeben werden, handelt es sich bei den übrigen 5 Gästen diesmal nicht um die "üblichen Verdächtigten".

Diana zu ihrem Auftritt:

"Meine  Motivation und mein Anliegen ist es, die nachfolgende/n Generation/en  von den OP-Tischen runter zu bekommen - und zwar noch in diesem Leben. Ich glaube, dass wir dieses Ziel nur mit Hilfe einer breiten Öffentlichkeit erreichen können."

Wir gratulieren und sind gespannt!

Nachtrag 1: Das >>> Video zur Sendung ist jetzt online! Die Beiträge von Diana Hartmann sind ab 08:14, 15:00 und 59:00.

Nachtrag 2 – Kommentar zur Sendung von Nella:

Diana redet Klartext und verwendet das Wort Zwangsoperationen. Schade nur, dass sie nicht expliziter erwähnt hat, dass im Gegensatz zu ihr die meisten Zwitter zwangsoperiert werden und ihr Leben lang psychisch und physisch darunter leiden.

Aber ansonsten finde ich, dass sie es toll gemacht hat, berührend und mutig. Es hat mich zu Tränen gerührt, wohl einerseits, weil ich selber ein Zwitter bin, aber auch, weil ich weiss, wie es ist, wenn man damit an die Medien geht, puh ...

Nachtrag 3: >>> Transkript zur Sendung 

Siehe auch:
- Zwitter @ Lesbenfrühlingstreffen 2010 - Workshop mit Diana Hartmann

Friday 14 May 2010

Caster Semenya "in Hormon-Behandlung" - IAAF-Entscheid bis Ende Juni? (XV)

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

Bereits im April kursierte ein Zitat des Vize des lokalen südafrikanischen Athletikverbandes ASA, Richard Stander, wonach Mokgadi Caster Semenya "sich seit Januar medizinischer Behandlung [unterziehe]" (dieser Blog berichtete).

Gestern schrieb nun der BBC-Sportjournalist Gordon Farquhar (englisch), Caster Semenya sei aktuell "in Hormonbehandlung", und berief sich dabei auf ungenannt bleibende "Quellen". Schon Ende März hatte Ross Tucker in "The Science of Sport" (english) gemutmasst, der internationale Leichtathletikverband IAAF könnte Caster Semenya zu einer medikamentösen Behandlung verknurrt haben, dies jedoch klar als theoretische Spekulation deklariert.

Heute gab nun IAAF-Präsient Ray Mali in mehreren Medien bekannt, der Entscheid, ob Semenya weiter starten dürfe, solle "bis Ende Juni" fallen.

Vor allem schweizer Medien peppten diese Meldung auf mit dem Zusatz, Caster Semenya befinde sich in einer "Therapie, deren Ziel es ist, die männlichen Hormone zu reduzieren", allerdings ohne Quellenangabe (z.B. Der Bund, aber auch Focus).

>>> Bitte unterschreibt die Petition an das IOC!

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan!  
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt" (IV) 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Wednesday 12 May 2010

"Intersexualität: «Ich bin kein ewiges Kind»" - WoZ 13.5.10

Die Zwitter Medien Offensive™ lässt grüssen!

>>> Gelungener Artikel von Bettina Dyttrich in der heutigen Ausgaber der schweizer WochenZeitung, u.a. mit Interviewpassagen mit dem französischen (Ex-)Zwitter-Aktivisten Vincent Guillot (entstanden wohl anlässlich der Diskussionsveranstaltung vom 4.4.10 in Zürich, wo Vincent zu Gast war).

Auch der Medizinethiker Jürg Streuli ist mit einem direkten Zitat vertreten, sowie die Begründerin der Elternselbsthilfe, Karin Plattner, mit einem abgeschriebenen. Nella ist immerhin im letzten Kasten erwähnt – boa! Chapeau!

>>> http://www.woz.ch/artikel/2010/nr19/leben/19292.html

(Gefunden via Intersex-News-Feed)

Siehe auch:
- Claire Nihoul-Fékété & Stephen Lortat-Jacob: Zwangsoperateure in Frankreich ohne nennenswerten Widerstand

Wednesday 5 May 2010

Schweiz: Weibliche Genitalverstümmelung soll absolut verboten werden - ausser bei 'westlichen Formen' (und an Zwittern) ...

Menschenrechte auch für Zwitter!

Laut einer >>> Pressemitteilung des schweizer Nationalrates und diversen Medienberichten (z.B. Radio DRS / SchweizMagazin / NZZ-Online) hat die Rechtskommission des Nationalrates beantragt, weibliche Genitalverstümmelung absolut zu verbieten. "Täter soll gemäss Antrag der Mehrheit der Kommission sein, wer die Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, unbrauchbar macht oder in anderer Weise schädigt." Dabei verschärfte die Rechtskommission die ursprüngliche Vorlage, die eingewilligte Beschneidungen an volljährigen Frauen von Strafe ausnehmen wollte. Die Rechtskommission folgte damit den Einwänden vieler Vernehmlassungsstellungnahmen (vgl. Bericht über die Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens - PDF, S. 10-13).

Straffrei bleiben sollen im neuen Gesetzesantrag auch bei Einwilligung Volljähriger lediglich noch "leichte[...] Eingriffe[...] wie Tätowierungen, Piercings oder gewisse[...] Schönheitsoperationen" (gemeint sind mit Letzterem wohl sog. "Designer Vaginas", sprich kosmetische Genitaloperationen wie Verkleinerung der inneren Schamlippen und/oder Entfernung der Klitorisvorhaut – Eingriffe, die frappant leichten Formen "afrikanischer Genitalverstümmelungen" vom Typ I und/oder Typ II nach WHO ähneln).

Amnesty Schweiz, Terre des Femmes Schweiz und Grüne Schweiz hatten 2009 verdankenswerterweise in der Vernehmlassung gefordert, auch Zwitter müssten vor verstümmelnden Zwangseingriffen geschützt werden. Leider trägt die Rechtskommission diesem Einwand auch im neuen Antrag offensichtlich nach wie vor keine Rechnung.

Kommentar:

Es ist unentschuldbar, dass die Rechtskommission des Nationalrates Zwitter offensichtlich nach wie vor als Menschen 2. Klasse ansieht, denen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung anscheinend nach Belieben kurzerhand abgesprochen bzw. vorenthalten werden soll. Erst recht, da diese heuchlerische Doppelmoral in der Vernehmlassung mehrfach explizit angesprochen und kritisiert wurde.

Es ist nach wie vor dringlich, dass auch die Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern explizit gesetzlich verboten werden, sei es im Rahmen des Gesetzesantrags gegen weibliche Genitalverstümmelung, sei es in eigenen, entsprechenden Paragrafen.

Beim auch von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org geforderten gesetzlichen Verbot kosmetischer Genitaloperationen an Kindern muss jedoch in jedem Fall klar gewährleistet bleiben, dass volljährige Zwitter die Möglichkeit haben, selber zu entscheiden, ob sie kosmetische Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes, Amnesty und Grüne gegen Zwangsoperationen an Zwittern 
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ... 
- Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung (aber die Zwitter operiert nur ruhig weiter, sind ja keine Frauen, äh, Menschen ...)
- Bundesärztekammer gegen genitale "Zwangsoperationen" – natürlich nur bei "Mädchen und Frauen" ... 

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