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Die Mediziner

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Saturday 5 February 2011

"Genitalverstümmelungen ethisch unbedenklich" - Prof. Dr. Christian Kind, Chefarzt Pädiatrie Kinderspital St. Gallen, Präsident Zentrale Ethikkommission SAMW

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>>> Infoseite zum Protest
>>> Offener Brief an das Ostschweizer Kinderspital
>>>
Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten"
>>>
Bericht einer Mutter über das Ostschweizer Kinderspital 

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Seit bald 20 Jahren stellen sich die Verantwortlichen der uneingewilligten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern taub gegenüber den Klagen der Betroffenen, operieren stur weiter auf Teufel komm raus und verhöhnen regelmässig gar noch die Opfer.

Aus aktuellem Anlass ein nicht ganz alltägliches, aber dennoch alles andere als untypisches Beispiel:

Prof. Dr. med. Christian Kind, Facharzt FMH für Pädiatrie / Schwerpunkt Neonatologie, ist ein einflussreicher Medizyner:

So ist der vielseitige Dr. Christian Kind einerseits als Akteur massgeblich beteiligt an (von überlebenden Betroffenen seit 20 Jahren heftig kritisierten) uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen GenitalOPs an Kindern – und kann sich und seinen KollegInnen andrerseits als "oberster Ethiker" gleichzeitig einen Persilschein ausstellen.

Denn wenig überraschend stuft Dr. Kind die chirurgischen Genitalverstümmelungen in den hiesigen Kinderspitälern im Namen der SAMW als ethisch unbedenklich ein, und vermag in seiner Funtion als Präsident der Zentralen Ethikkommission keinen Handlungsbedarf zu erkennen, wie er unlängst im Schweizer Radio DRS verkündete (Sendung "Kontext": "Wenn der Arzt das Geschlecht bestimmt", 2. Teil vom 21.10.10):

Prof. Dr. Christian Kind, Chefarzt Ostschweizer Kinderspital, Präsident SSP SGP, Präsident Zentrales Ethikkommittee (ZEK) Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW)[00:04:12] Christian Kind, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Swiss Pediatrics, und Chef der Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften:

"Es ist bei der Intersexualität sicher sehr komplex, weil sich hier viele verschiedene Unsicherheiten überlagern, dass hier die Ursachen sehr vielfältig und sehr komplex sind, und es wird entschieden darüber, wie sich später das Aussehen dieses Menschens im Genitalbereich, wie das sein wird, wie die sexuellen Funktionen sein werden. Es hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit, es hat aber auch Einfluss auf seine psychische Geschlechtsidentität und auf seine soziale Integration im weitesten Sinn hat es auch Einflüsse. Und es ist auch immer eine gewisse Unsicherheit dabei, wie dass sich diese Entscheide dann auswirken werden."

Es sind Erwachsene, die festlegen, welchem Geschlecht das Baby zugewiesen wird, ob es als Mädchen oder Junge aufwachsen soll. Es sind Erwachsene, die operative Geschlechtsanpassungen beschliessen und durchführen. (...)

[00:24:03] Jürg Streuli vom Bioethischen Institut der Universität Zürich:

"Es braucht viel Arbeit und auch Mut von einem Arzt oder einem Chirurgen, die operative Lösung den Eltern zu verweigern. Vielleicht braucht es hier sogar eine Rahmenbedingung, die den Ärzten diese Arbeit abnimmt."

Rahmenbedingungen schaffen könnte beispielsweise die Zentrale der Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, deren Richtlinien zwar nicht rechtlich bindend sind, bei Ärztinnen und Ärzten aber eine hohe Autorität besitzen. Beispiele sind die von der Ethikommission erlassenen Richtlinien zu Zwangsmassnahmen in Medizin, zur Betreuung von Menschen am Lebensende und zur Forschung an Menschen. Bis heute fehlen gesetzliche Regelungen beziehungweise entsprechende standesrechtliche Empfehlungen für den medizinischen Umgang mit Intersexualität. 

Doch Christian Kind, Präsident der Schweizer Kinderärzte und Chef der zentralen Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften kann kein Bedürfnis erkennen:

"Die zentrale Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften macht in der Tat Richtlinien zu ethischen Problemen, die, so wie wir das empfinden, für die Ärzteschaft von Wichtigkeit und von Belang sind, und richten uns dabei eigentlich nach dem, was wir für Signale aus der Ärzteschaft und aus der Öffentlichkeit bekommen. Und da muss ich Ihnen sagen, dass in unserer Wahrnehmung bis jetzt das Problem der Störung der Geschlechtsentwicklung nicht als so brennend und mit einem grossen Handlungsbedarf behaftet gesehen wird."

Zwar machen Betroffene und Mitstreiter zunehmend öffentlich Druck, doch werden sie von der Ärzteschaft als Einzelfiguren abgetan, deren Schicksal nicht repräsentativ ist.

[Christian Kind:] "Es scheint uns eher, dass es sich um Einzelproteste und eine sehr sehr kleine Gruppe zu handeln scheint und sich auch auf etwas Vergangenes bezieht."

Natürlich haben die Betroffenen Intersex-Aktivisten eine Behandlungsgeschichte, die in der Vergangenheit liegt. Aber Kinder und Jugendliche gehen auch kaum auf die Strasse. Und tatsächlich sind es nur wenige, die in der Öffentlichkeit über ihre Intersexualität sprechen. Doch daraus zu schliessen, ihre Traumatisierungen seien eine Ausnahme, ist spekulativ. Denn sowohl die Hamburger wie die Lübecker Studie zeigen, dass viele Intersexuelle noch nach Jahrzehnten sehr unglücklich sind über ihre Operationen und das Verhalten der Mediziner. In den Hamburger Befragungen hat sich zudem ergeben, dass traumatisierte Menschen den Kontakt zu Ärzten meiden, dass Mediziner also vermutlich zu den letzten gehören, die von den Nöten eines traumatisierten ehemaligen Patienten erfahren. Doch ein grosser Teil der Ärzteschaft tut sich schwer mit der Konfrontation.

Christian Kind von der zentralen Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften:

"Wo dass der Handlungsbedarf besteht, dass kann auch unterschiedlich empfunden werden und gibt es wahrscheinlich kaum objektive Massstäbe dafür, was jetzt da richtig ist, aber ich werde das zum Anlass nehmen, das etwas näher nochmals anzuschauen, ob wir auch so ein grosses Problem sehen können."

Politiker und Juristinnen jedenfalls sehen da mittlerweilen durchaus ein grosses Problem. Parlamentarische Anfragen in verschiedenen Kantonen sind hängig, Rechtsexperten zweifeln die Legitimität nicht lebensnotwendiger Operationen an Genitalien und Keimdrüsen von nicht urteilsfähigen Kindern und Jugendlichen an.

Meine 2 Cent:

Typischer Fall von Wolf im Schafspelz a.k.a. Genitalabschneider im "Ethiker"-Gewändchen. Wenig überraschend reagiert diese Spezies, wenn überhaupt, dann erst auf öffentlichen Druck.

Ob diese scheinbar plötzliche Bereitschaft, die Problematik eventuell doch nochmals zu überdenken, letztlich etwas anderes ist als die von den GenitalabschneiderInnen seit Jahr und Tag reflexartig abgespulten Lippenbekenntnisse, glaube ich allerdings erst, wenn ich es sehe ...

Fortsetzung folgt ...

>>> Infoseite zum Protest   >>> Der Offene Brief   >>> Pressemitteilung 2.2.11
>>>
Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" 
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:

- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist. Wir nehmen es dankbar an und lieben es. Es ist gesund und fröhlich und entwickelt sich prächtig."
- Schweiz: Amnesty International und Terre des Femmes fordern Strafbarkeit von Genitalverstümmelung auch bei Zwittern
- Stiftung Kinderschutz Schweiz: Bei Zwitterkindern "nicht notwendige operative Eingriffe dringend vermeiden"
- Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Kinderspital Zürich propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- Angeblich "keine Zwangsoperationen" in der Schweiz gemäss Prof. Primus Mullis (Inselspital Bern)
- Rita Gobet, Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen nur "ganz selten"
- Prof. Dr. Ricardo González (Kispi Zürich): "Noch etwas weiter experimentieren, vielleicht künftig bessere Resultate"
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung 
- "Neuere Operationstechniken beeinträchtigten die Orgasmus-Fähigkeit stärker als ältere"
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 3 February 2011

9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizynische Verbrechen an Zwittern

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Seit langen kritisiert dieser Blog die Komplizenschaft der Bundesregierung sowie des Bundestags mit den GenitalverstümmlerInnen in den Kinderkliniken, insbesondere das fehlende Eintreten der verantwortlichen PolitikerInnen für die Durchsetzung des Grund- und Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung auch für Kinder mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

Und ebenso die Untätigkeit und Komplizenschaft speziell des Bundestags-"Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe".

Umso erfreulicher, dass diese begründete Kritik nun in einer Anhörung im Bundestag durch die Menschenrechts-"Sachverständigen" Michael Krennerich (Nürnberger Menschenrechtszentrum) und Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) zumindest teilweise aufgenommen wurde!

Anlass dazu war eine öffentliche Anhörung des "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" am 19.1.11 (>>> Tagesordnung als PDF, 16 KB) zum
>>>
17/2840 - 9. Menschenrechtsbericht der Bundesregierung (PDF, 1.2 MB).

Dieser 9. Bericht (vollständiger Titel: "Neunter Bericht der Bundesregierung über ihre Menschenrechtspolitik in den auswärtigen Beziehungen und in anderen Politikbereichen") erwähnt "Intersexuelle" ganze 2 mal:

1) Auf S. 15 in "Teil A — Menschenrechte in Deutschland und in der gemeinsamen Justiz- und Innenpolitik der Europäischen Union" im Zusammenhang mit den Abschliessenden Bemerkungen des UN-Komitees CEDAW (dieser Blog berichtete):

In seinen abschließenden Bemerkungen fordert der Ausschuss die Bundesregierung auf, innerhalb von zwei Jahren einen schriftlichen Bericht zu Maßnahmen im Zusammenhang mit der vom Ausschuss geforderten Dialogaufnahme mit Nichtregierungsorganisationen von intersexuellen und transsexuellen Menschen [...] vorzulegen.

2) Sowie auf S. 43 in "Teil B — Menschenrechte in der Außen- und Entwicklungspolitik" im Zusammenhang mit den EU-"Leitlinien zu Menschenrechtsverteidigern" (in der üblichen vereinnahmenden Reihenfolge):

Unter schwedischer EU-Präsidentschaft im 2. Halbjahr 2009 wurde wegen ihrer besonderen Verletzbarkeit besonderes Augenmerk auf die Lage von [...] Menschenrechtsverteidigern [...] gelegt, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einsetzen.

(Ob und falls ja, wie sich die EU je konkret für "Menschenrechtsverteidiger von Intersexuellen" stark gemacht hätte, ist mir nicht bekannt. Jedoch kursieren aktuell Berichte von mindestens einem konkreten Fall in Deutschland, wonach eine Zwitter-Menschenrechtsverteidigerin wegen ihres öffentlichen Engagements in den Medien von einem quasi-öffentlichen Arbeitgeber die Kündigung erhielt und ihre Stelle verlor (!!!), und von weiteren Beispielen im deutschen Sprachraum, bei denen Zwitter-Menschenrechtsverteidiger_innen aus denselben Gründen am Arbeitsplatz unter Druck gesetzt wurden, wobei sich jedoch aufgrund entschlossenen Gegensteuerns zum Glück Schlimmeres abwenden liess ...)

Zumindest die 1. obige Erwähnung im Menschenrechtsbericht wurde nun anlässlich der erwähnten öffentliche Anhörung des "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" am 19.1.11 von 2 der geladenen Sachverständigen kritisch aufgenommen und bemängelt, nämlich von Dr. Michael Krennerich, Vorsitzender des Nürnberger Menschenrechtszentrum (NMRZ) sowie Mitarbeiter am Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik am Institut für politische Wissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie von Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin im Deutschen Institut für Menschenrechte.

Wenig überraschend ist diese Kritik der beiden Sachverständigen auf der >>> Bundestags-Homepage zur Anhörung (mit Videomitschnitt) direkt nirgends angeführt, sondern es muss dazu der ganze Videomitschnitt visioniert werden (Relevante Stellen: 00:24:00 und 00:52:00, danke an Intersexuelle Menschen e.V. für den Hinweis) – ein Trick, den bekanntlich auch der Ethikrat gern praktiziert.

Zwar ist eine >>> schriftliche Stellungnahme von Dr. Michael Krennerich (PDF, 160 KB) immerhin auf der Bundestagshomepage verfügbar, diese findet sich aber nirgends direkt verlinkt, sondern ist nur via Bundestags-Suchmaschine auffindbar.

Deshalb nachfolgend von Nella angefertigte Transkripte der relevanten Aussagen:

Dr. Michael Krennerich (Nürnberger Menschenrechtszentrum) [meine Hervorhebung]:
Es ist sehr schön, dass Sie NGO's um eine Stellungnahme bitten, zumal ich bei dem vorliegenden Bericht den Eindruck habe, dass die Empfehlungen aus der letzten öffentlichen Anhörung durchaus aufgegriffen wurden in dem Bericht. (...)
Der Menschenrechtsbericht ist wichtig, er ist informativ und kompakt und ist vielleicht der Beste der bisherigen Menschenrechtsberichte. (...)
Wichtig ist schliesslich, dass der Bericht ein Aktionsplan für Menschenrechte enthält. Soweit zum allgemeinen Lob. Nun zur Detailkritik. (...)
[00:24:00, PDF S. 4] Ausserdem kommen im Bereich sozialer Menschenrechte wichtige Probleme innerhalb Deutschlands nicht zur Sprache, so etwa Probleme von Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Krankenversicherung oder ohne regulären Aufenthaltsstatus, Probleme des Schulbesuchs von Kindern ohne regulären Aufenthaltsstatus, schwerwiegende medizinische Eingriffe gegenüber intersexuellen Menschen - wichtiges Thema. Auch die menschenrechtliche Lage der Roma oder auch Probleme bei der Umsetzung des Rechts auf Wohnen.

Im PDF wird diese Kritik von Dr. Michael Krennerich zwei weitere Male bekräftigt (S. 11 und S. 13); auf S. 10 erwähnt er zudem die in den CEDAW-Abschlussbemerkungen geforderte "Dialogaufnahme mit NGOs von [...] intersexuellen Menschen".

Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) [meine Hervorhebung]:
[00:52:00 ] Ein Themenbereich, der nur ganz kurz aufscheint, aus unserer Sicht aber in unzureichender Weise, ist die Menschenrechtssituation von intersexuellen Menschen. Der Bericht erwähnt lediglich, dass die Bundesregierung an den CEDAW-Ausschuss darüber berichten muss, wie sie in den Dialog mit dieser Menschengruppe eingetreten ist. Es wird aber aus dem Bericht nicht deutlich, wie die Bundesregierung hier vorgehen will und vor allem auch, welches Ressort hierfür federführend sein soll. Und aus unserer Sicht ist das längst überfällig, denn es geht um die Situation einer Gruppe von Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbar ist, bei der aber erhebliche menschenrechtliche Probleme bestehen. Und hierüber muss sich die Regierung, muss sich auch der Bundestag Gewissheit und Wissen verschaffen.

Für diese klaren und deutlichen Aussagen im Namen dieses Blogs an Dr. Michael Krennerich und Prof. Dr. Beate Rudolf ein ganz herzliches Danke!!!

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

PS: Leider ist bisher nicht abzusehen, dass diese engagierten Worte bei den AdressatInnen auf fruchtbaren Boden gefallen wären – im Gegenteil:

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Tuesday 30 November 2010

Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"

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>>> Nachtrag 8.4.11: Artikel in der taz zur GenitalabschneiderInnen-Jubelfeier
>>>
Bundestagsforum: Überlegungen zu einem besseren Petitionstext

Ausgeliefert!

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch im "Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin" des Landes Bremen.

Die "Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie" im "Klinikum Bremen-Mitte" bewirbt öffentlich eine Vielzahl medizinisch nicht notwendiger, irreversibler kosmetischer Genitaloperationen und sonstiger Zwangseingriffe an Kleinkindern unter verschiedenen Diagnosen wie z.B. "Hypospadie", "Epispadie", "AGS/CAH", "Hodenhochstand", "Intersexualität" usw.

Beim serienmässigen Verstümmeln eifrig mit dabei: Die endokrinologische "Spezialambulanz" der "Prof.-Hess-Kinderklinik", beheimatet ebenfalls im "Klinikum Bremen-Mitte".

"Innovative" Verstümmelungsmethoden haben in der Hansestadt Tradition, die nach wie vor ungebrochen öffentlich verherrlicht wird z.B. am GenitalabschneiderInnen-Jubiläumstreffen "Fritz-Rehbein-Symposium 2011".

Die politische Diskussion über "Intersexualität" hat inzwischen zwar auch Bremen erreicht – kosmetische Genitaloperationen und die KinderverstümmlerInnen vor der eigenen Haustüre werden dabei allerdings bequemerweise einmal mehr von vornherein ausgeklammert ...

Serienmässige Genitalverstümmelungen im "Klinikum Bremen-Mitte"

Laut Homepage bietet das "Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin" das "ganze Programm": In der "Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie" unter "Fehlbildungen und Erkrankungen im Kindesalter" >>> "Urogenitaltrakt" u.a. folgende kosmetischen Zwangsoperationen an:

• Genitale
      • Hypospadie
      • Epispadie
      • Intersexuelles Genitale

• Männliche Geschlechtsorgane
      • Retentio testis, Hodenhochstand, Bauchhoden

Wo die KinderchirurgInnen wüten, sind in der Regel auch die EndokrinologInnen nicht weit – so auch in Bremen-Mitte:

Die Bremer "Prof.-Hess-Kinderklinik" bietet unter "Klinisches Profil" >>> "Spezialambulanzen" >>> "Endokrinologie" u.a. folgende "Behandlungen" an:

Störungen der Nebennieren wie adrenogenitales Syndrom (AGS) [...], Intersexualität und Störungen der Geschlechtsdrüsen


Tradition & Gegenwart: GenitalabschneiderInnen-Jubelfeier 2011

Der berühmte Bremer Kinderchirurg und Göttiger Professor Dr. Fritz Rehbein (1911-1999) betätigte sich ebenfalls als abenteuerlicher Experimentator, dessen Verstümmelungstechniken von ZwangsoperateurInnen bis nach Australien begierig aufgegriffen wurden (vgl.: Ian S. Reid: "Submucous resection of the vagina in an intersex patient").

Das "Fritz-Rehbein-Symposium 2011" in Bremen vom 8.-9. April 2011 zu Rehbeins 100. Geburtstag steht unter dem Motto "Alte und neue Herausforderungen in der Kinderchirurgie – 100 Jahre Kinderchirurgie in Bremen – 60 Jahre Kinderchirurgische Klinik am Standort Mitte" und bietet ein "Schwerpunktthema Kinderurologie" – wohl auch sonst einmal mehr Anlass für die üblichen TäterInnen, gemütlich unter ihresgleichen über neueste Genitalverstümmelungstechniken an wehrlosen Kindern zu schwadronieren.

Organisiert wird das GenitalabschneiderInnen-Treffen von der Bremer "Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie" in Zusammenarbeit u.a. mit dem "Akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen". Tagungspräsident ist der Bremer Klinikdirektor Prof. Dr. med. Christian Lorenz, als Referent ist u.a. der berüchtigte Göttinger Seriengenitalabschneider Prof. Dr. med. Rolf-Hermann Ringert geladen.

"Politische Diskussion über Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre? – Wäre ja noch schöner!"

Während Bremen sich gegen aussen als "tolerant" und "anders" gibt, werden Kinder mit "auffälligen" Geschlechtsorganen auch im Land Freie Hansestadt Bremen weiterhin systematisch verstümmelnden kosmetischen Genitaloperationen und weiteren medizinisch nicht notwendigen Zwangseingriffen unterworfen.

14 Jahre nach Gründung der Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG) mit seinerzeitigem Sitz in Bremen, dem Startschuss der deutschsprachigen Zwitterbewegungen zur Beendigung der Zwangsoperationen, führte im April 2010 mit den Bremer Grünen immerhin zum ersten mal eine politische Partei im Stadtstaat eine öffentliche Veranstaltung zum Thema durch (dieser Blog berichtete: eins / zwei).

Nach allem, was bisher öffentlich bekannt wurde, blieben leider die andauernden serienmässigen Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre aber auch bei dieser Diskussionsveranstaltung unter Mitwirkung von Intersexuelle Menschen e.V. und AGGPG-Gründungsmitglied Michel Reiter einmal mehr aussen vor.

Auch wollen die Bremer Grünen zumindest bisher konkret gegen die VerstümmlerInnen in ihrer Mitte weiterhin lieber nichts unternehmen – ausser Vereinnahmung auf Kosten wehrloser Kinder.

Die TäterInnen & ihre HelfershelferInnen freuts ...

>>> Nachtrag 8.4.11: Artikel in der taz zur GenitalabschneiderInnen-Jubelfeier: Gesundheits-Staatsrat Schulte-Sasse leugnet öffentlich Genitalverstümmelungen in Bremen

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen 

>>> Kommentar von Nella zur Bundestagspetition 
>>> Überlegungen zu einem besseren Petitionstext 
>>> Diskussion über Gesetzesentwurf auf dem Hermaphroditforum

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen öffentlich geoutet
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)

Tuesday 16 November 2010

"11th EMBL/EMBO": Unethische ForscherInnen als Zulieferer der GenitalabschneiderInnen - und umgekehrt ...

>>> Nachtrag: "CGC / EMBL: Geschlechterforschung ohne Ethik?" - Pressemitteilung 17.11.

Friedliche Mahnwache der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vor der '11th EMBL/EMBO Science and Society Conference: The Difference between the Sexes – From Biology to Behaviour', 06.11.2010Friedliche Mahnwache vor der "11th EMBL/EMBO Conference", 06.11.2010

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>>> Infoseite zu den Protesten    >>> Offener Brief "APE-AGPD" 5.11. 
>>> Offener Brief "11th EMBL/EMBO", 6.11.10 (englisch)    >>> Pressemitteilung 3.11.
>>>
"STOP Genitalverstümmelung als 'Rohmaterial' für die Geschlechterforschung!"  

INHALT:
1) EMBL/EMBO will Kritik an unethischem Kongress verbieten
2) Friedliche Mahnwache und begründete Kritik (Offener Brief dt.)
3) "Raus! Raus! Raus!"
4) Presseschau: EMBL/EMBO lügen

Entgegen den Drohungen von Ralph Martens, Administrativdirektor des "European Molecular Biology Laboratory (EMBL)" in Heidelberg, erreichten wir den vorgesehenen Ort für die friedliche Mahnwache unbehelligt und stellten uns sogleich mit unseren Schildern und T-Shirts auf, um gegen die unreflektierte Ausbeutung der täglichen Genitalverstümmelungen und anderen medizynischen Verbrechen als "Rohmaterial" der im "EMBL Advanced Training Centre (ATC)" tagenden GeschlechterforscherInnen zu protestieren und der realen Opfer dieser "wertfreien Wissenschaft" zu gedenken.

Das von Herrn Martens für die "11th EMBL/EMBO" angedrohte martialische Polizeiaufgebot entpuppte sich als ein Streifenwagen mit zwei uniformierten Beamtinnen, die umgehend ausstiegen und auf uns zukamen. Doch statt uns unverzüglich in Handschellen zu legen und vom Platz zu zerren, bestätigten sie uns freundlich, dass wir die beim Bürgeramt der Stadt Heidelberg ordnungsgemäss angemeldete friedliche Mahnwache durchführen dürfen.

Die einzigen unfriedlichen Momente während unserer ganzen Aktion kamen denn bezeichnenderweise ausschliesslich von Seiten der Verantwortlichen der "11th EMBL/EMBO" selbst ...

Die "11th EMBL/EMBO Science and Society Conference: The Difference between the Sexes – From Biology to Behaviour" wird vom "EMBL" gemeinsam mit der benachbarten "Europäische Organisation für Molekularbiologie (EMBO)"  ausgerichtet.

1) EMBL/EMBO will Kritik an unethischem Kongress verbieten

Schon 2 Tage vor der Mahnwache hatte EMBL-Administrativdirektor Ralph Martens bei einer telefonischen Kontaktaufnahme Zwischengeschlecht.org die Kundgebung kurzerhand verbieten wollen mit der Begründung, das gesamte EMBL/EMBO-Gelände sei "internationales Gebiet" mit "Immunität" und "Privilegien", weshalb die Stadt Heidelberg gar nicht berechtigt sei, eine Bewilligung für unsere friedliche Mahnwache auszustellen. Gleichzeitig unterstellte Herr Martens Zwischengeschlecht.org, wir wären "Steinewerfer".

Falls wir die Mahnwache trotzdem durchführen wollten, dürften wir das laut Herr Martens allerhöchstens an einer Strassenkreuzung im Wald einen halben Kilometer vom EMBL entfernt, wo die Jurisdiktion der Stadt Heidelberg ende. Falls wir wie geplant die Mahnwache trotzdem wie bewilligt in Sichtweite des EMBL Advanced Training Centre (ATC) durchführen würden, worin die kritisierte Tagung stattfand, sei die Polizei verständigt und Bereitschaftseinheiten würden eingreifen, ihm sei das egal, er werde am Samstag sowieso nicht anwesend sein.

EMBL-Programmleiter Halldór Stefánsson, an den uns Herr Martens in der Folge verwies, hatte Zwischengeschlecht.org die Mahnwache ebenfalls auszureden versucht, wenn auch ohne Drohungen mit Bereitschaftseinheiten. Laut Herr Stefánsson hätten wir die Mahnwache am falschen Ort geplant und würden in unserem eigenen Interesse besser davon absehen, die "11th EMBL/EMBO"-Konferenz hätte nichts mit den OPs an Kindern zu tun, und so abgelegen würde uns eh niemand bemerken.

Laut Herr Stefánsson sollten wir uns deshalb besser an der Tagung als Teilnehmer_innen anmelden und als "Bürger" in der Diskussion unser Anliegen einbringen – wozu wir uns sowohl mündlich wie auch in einer persönlichen E-Mail (englisch) sowie im Offenen Brief durchaus bereit erklärten – aber eben nur im Anschluss an die friedliche Mahnwache zum Gedenken der zahllosen realen Opfer der Geschlechterwissenschaften, deren verschiedene Sparten an der "11th EMBL/EMBO" versammelt sind.

2) Friedliche Mahnwache und begründete Kritik

Und unsere Mahnwache führten wir dann auch durch, und zwar allen Drohungen im Vorfeld und allen misstrauischen Blicken aus dem "EMBL Advanced Training Centre (ATC)" zum Trotz wie angekündigt (und für Aktionen von Zwischengeschlecht.org üblich) friedlich. Und noch dazu verstärkt durch eine lokale Solidelegation, die sich auch durch den weiten Weg zum in den Wäldern vor Heidelberg tatsächlich eher abgelegenen Standort der EMBL nicht hatte abschrecken lassen. Dafür ein fettes Dankeschön!

Wie bei anderen Protesten (so auch tags zuvor in Augsburg anlässlich der EndokrinologInnentagung "APE-AGPD 2010") präsentierte die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org einen >>> Offenen Brief (englisch), in dem die Kritikpunkte noch einmal festgehalten wurden. Darin steht eingangs:

"Die Geschichte der Geschlechterforschung in all ihren Disziplinen (Biologie, Endokrinologie, Genetik, Sexologie und Gender Studies) ist untrennbar verbunden mit der Geschichte der medizinischen Verbrechen an Zwittern. Diese andauernden medizinischen Verbrechen, die seit den 1950ern systematisch an wehrlosen Kindern verübt werden, sind wohl eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen in westlichen Gesellschaften seit dem 2. Weltkrieg."

Weiter wird im Offenen Brief dargelegt, wie die Geschlechterforschung massgeblich dazu beitrug, dass sich die gesellschaftliche Situation der Zwitter seit Beginn der Moderne dramatisch verschlechterte:

Während des Mittelalters bis in die Neuzeit waren Zwitter nicht nur juristisch anerkannt und wuchsen mit unversehrten Körpern auf, sondern hatten das einzigartige Privileg, als Erwachsene selber darüber entscheiden zu dürfen, ob sie als Männer oder als Frauen leben wollten. Erst im 19. Jahrhundert wurde ihnen dieses Privileg aberkannt im Namen der Wissenschaft, die sich seither und bis auf den heutigen Tag anmasst, besser als die Betroffenen selbst darüber entscheiden zu können, welches ihr "wahres Geschlecht" sei. Seit den 1950ern setzt die Medizin diese selbstherrlichen "Entscheidungen" systematisch chirurgisch durch, so dass heute Zwitter als Spezies ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausgelöscht sind. Heute noch werden nach Erhebungen der GenitalabschneiderInnen selbst 90% aller Zwitter im Kindesalter ohne medizinische Notwendigkeit durchschnittlich mehrfach irreversibel genitalverstümmelt.

Die Geschlechterforschung und ihre Disziplinen sind in einer für Zwitter verhängnisvollen Wechselwirkung mit der Medizin bis heute als Mittäterin massgeblich an den Verstümmelungen mitbeteiligt:

Von Anfang an benutzten GeschlechterforscherInnen "wissenschaftliche Berichte" über Zwittergenitalverstümmelungen als Grundlage und Datenmaterial zur Entwicklung und Verfeinerung ihrer "wissenschaftlichen Theorien", während andererseits die Medizyner diese Theorien bis heute zur Rechtfertigung und Fortführung der laufend "verbesserten" Verstümmelungen benutzen, worauf die Geschlechterforschung diese "neuen Erkenntnisse" wiederum benutzt zur Weiterführung ihrer Theorien, usw. usf. – und wenn sie nicht gestorben sind, so verstümmeln und forschen sie noch heute ...

Der Offene Brief nennt Namen auch heute noch angesehener ForscherInnen, deren Beteiligung an der Durchsetzung der Zwitterverstümmelungen in ihren geschönten heutigen Biographien wohl kaum zufällig regelmässig und durchgehend ausgelassen wird. Während gleichzeitig sogar "kritische" zeitgenössische GeschlechterforscherInnen noch für die abscheulichsten Verstümmler in ihren Publikationen nur verständnisvolle Worte und obendrein noch Lob übrig haben, wie z.B. die am "11th EMBL/EMBO" über "Nature vs. Nature" referierende Anne Fausto-Sterling betreffend dem "Vater der modernen Urologie" Hugh Hampton Young, der in den 30er Jahren die VerstümmelungsOPs an Zwittern zur Serienreife brachte.

Während hauptsächlich an die Adresse der Gender Studies von überlebenden Zwangsoperierten und solidarischen Nicht-Zwittern im neuen Jahrtausend erstmals begründete Kritik (vgl. Koyama/Weasel 2003) und auch Forderungen gerichtet wurden (welche mittlerweile zum Teil auch aufgegriffen werden, vgl. z.B. Dietze 2006 oder Janssen 2009), ist solche Kritik und vor allem kritische Rezeption davon in Bezug auf die naturwissenschaftlichen Disziplinen nach wie vor kaum existent. Auch das Programm der "11th EMBL/EMBO" lässt nirgends erkennen, dass die gravierenden ethischen und menschenrechtlichen Implikationen dieser über 100 Jahre ungebrochen andauernden Komplizen- und Mittäterschaft mit den systematischen medizinischen Verbrechen an Zwittern angemessen angesprochen würden.

Aus diesen Gründen hielt die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org im Offenen Brief abschliessend fest, könne sie nicht ohne Weiteres an einer solchen wissenschaftlichen Tagung teilnehmen, bekräftigte aber erneut die Bereitschaft, sich im Anschluss an die Mahnwache einer kritischen Diskussion zu stellen, sofern dies von Seiten der Konferenz gewünscht sei.

3) "Raus! Raus! Raus!"

Nachdem wir vor Ort noch rasch den Umschlag angeschrieben und den unterschriebenen Brief eingetütet hatten, machten wir uns schliesslich auf den Weg, um wie angekündigt den Offenen Brief an den EMBL-Programmleiter Halldór Stefánsson und die ReferentInnen und BesucherInnen der Tagung wie üblich am Empfang persönlich zu überreichen.

Vor lauter Aufregung steuerte Nella die erstbeste Tür des "EMBL Advanced Training Centre (ATC)" an, und wir landeten in der Folge in einem offenbar für die Kaffeepause gerüsteten Foyer, worin wir auf zwei Herren an einem Stehtischchen trafen, bei denen wir uns nach dem Empfang erkundigten.

Einer der beiden, ein Herr, der sich nicht vorstellte, aber dem EMBL-Administrativdirektor Ralph Martens verblüffend ähnlich sah, begann bei unserem Anblick wie aus der Pistole geschossen cholerische Lautfolgen abzusondern, in denen das Wort "Raus!" einen besonderen Stellenwert einnahm. Für einen Moment waren wir froh, dass die beiden freundlichen Beamtinnen uns unauffällig gefolgt waren.

Als der Herr schliesslich für einen kurzen Moment Luft holte, wiesen wir darauf hin, dass wir lediglich den Offenen Brief zu Handen von EMBL-Programmleiter Halldór Stefánsson und weitere Kopien an die ReferentInnen und BesucherInnen der Konferenz überreichen wollten. Doch auch davon wollte der Herr nichts wissen; erst als wir uns in der Folge wieder nach dem Empfang erkundigten, hiess er uns alles auf einem Tischchen an Ort und Stelle abzulegen, was wir dann taten. Als derweil der zweite anwesende Herr uns sagte, wir müssten aber nun wieder gehen, draussen dürften wir sein, aber drinnen nicht, herrschte ihn der erste sogleich an, er solle nicht mit uns reden.

Nachdem wir so unsere Offenen Briefe deponiert hatten, wandten wir uns wieder dem Ausgang zu, um unsere friedliche Mahnwache fortzuführen, flankiert von den beiden Beamtinnen und eingedeckt mit einer weiteren lautstarken Tirade des Herrn, der trotz eine gewissen optischen Ähnlichkeit unmöglich EMBL-Administrativdirektor Ralph Martens sein konnte, hatte doch Herr Martens seinerzeit deutlich erklärt, am Samstag während des Kongresses nicht persönlich vor Ort anwesend zu sein.

4) Presseschau: EMBL/EMBO lügen

Zwar hatte uns EMBL-Programmleiter Halldór Stefánsson versichert, ethische und menschenrechtliche Aspekte der in der Geschlechterforschung allgegenwärtigen Zwangsbehandlungen an Zwittern würden an der "11th EMBL/EMBO" durchaus angemessen behandelt, obwohl im offiziellen Kongressprogramm weit und breit nichts davon zu finden ist. Zumindest in den zwei auffindbaren Medienberichten zum Kongress war davon allerdings wenig auszumachen – vielmehr wurden von Seiten EMBL-EMBO anscheinend erst noch handfeste Unwahrheiten verbreitet.

Im >>> FAZ-Artikel "Frau & Mann: Was trennt die Geschlechter?" vom 12.11. wurde zwar eingangs angesprochen, dass es sich beim Thema um ein "Politikum" handle – "ein Konfliktstoff auf allen Ebenen von der Erziehung und Bildung bis zur Medizin" -, und der bis heute so eng mit den Zwitter-Zwangsbehandlungen verbundene "wissenschaftliche Streit" um "Nature vs. Nurture" zieht sich wie ein roter Faden durch den Artikel bis zum Schlussabschnitt:

Die entscheidende Frage freilich lautet: Sind auch die Geschlechtsunterschiede beim Menschen Ausdruck sexueller Selektion? Durchaus, wenn auch wohl etwas weniger ausgeprägt, lautete die etwas fade Antwort der Biologen. Die amerikanische Geschlechterforscherin Anne Fausto-Sterling von der Brown University, selbst Biologin, gab sich überzeugt, dass die "rosa und blauen Sphären" in unserer Gesellschaft nicht absolut vorbestimmt sind. Sexuelle Prägung lebe von einer nachgeordneten Dynamik. "Ausgangspunkt ist eine Art Lustzentrum, das im ersten Jahr, wenn sich das Gehirn der Kinder entwickelt, durch die Geschlechtshormone, aber eben auch durch die Handlungsstereotypen der Eltern angeregt wird." Rollenbilder setzten sich so fest, aber auch handfeste biologische Unterschiede im Gehirn und im Verhalten. Am Ende war man sich in einem einig: Das Y-Chromosom ist nicht der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau.

Falls jedoch die heute in Deutschland (auch am Universitätsklinikum Heidelberg!) weiterhin TÄGLICH praktizierten Genitalverstümmelungen und sonstigen Zwangsbehandlungen als Voraussetzung und "humanexperimenteller Hintergrund" dieser Theorien von der "nachgeordneten Dynamik" usw. während des Kongresses tatsächlich angesprochen wurden, so war das zumindest dem FAZ-Berichterstatter Joachim Müller-Jung gänzlich entgangen.

Der gleichentags publizierte >>> Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" vom 12.11. stellt ebenfalls durchgängig die Frage nach "Nature vs. Nurture": "Repräsentieren Frauen und Männer tatsächlich zwei verschiedene Typen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Zielen und Eigenschaften? Oder ist es doch "nur" die Erziehung, die uns zu dem macht, was wir sind?"

Und erwähnt immerhin unsere Mahnwache:

Das Thema sorgte übrigens schon im Vorfeld der Konferenz für erregte Gemüter: Die Menschenrechtsorganisation "Zwischengeschlecht.org" kündigte eine friedliche Mahnwache vor dem Konferenzgebäude als Protest gegen "medizinische Verbrechen an Zwittern" an.

Peinlicherweise schein die Verfasserin Yvonne Kaul an der Tagung selbst aber irgendwie nicht einmal mitbekommen zu haben, dass es um "Intersexuelle" geht, sondern schreibt konsequent von "Transsexuellen":

Heiß diskutiert wurden Schicksale von transsexuellen Menschen, die mit physiologischen Missbildungen auf die Welt kommen: Mädchen mit einem Mini-Penis oder Jungen mit einem Y-Chromosom, bei denen aber die männlichen Geschlechtsorgane nicht ausreifen. Sie sehen äußerlich weiblich aus, haben aber keinen Uterus und keine Eierstöcke. Sollten solche transsexuellen Fälle klinisch behandelt werden? Die meisten Eltern entscheiden sich für einen chirurgischen Eingriff bei diesen Babys, nicht immer aber erweist sich ihre Entscheidung als richtig.

Berühmt wurde der Fall eines Jungen, der mit weiblichen XX-Chromosomen auf die Welt kam, dessen Geschlechtsorgane jedoch männlich waren. Das Baby wurde operiert und als Mädchen erzogen, wuchs aber zu einem unglücklichen Erwachsenen mit einem weiblichen Körper und männlicher Identität heran.

Nur noch vermuten lässt sich, es habe sich beim "berühmten Fall" wohl um Moneys skrupelloses "Zwilligsexperiment" gehandelt, das Money allerdings an "normalen Jungen" durchführte bzw. durchführen liess. Ob der "ewige Lapsus" der "Verwechslung" von "intersexuell" mit "transsexuell" letztlich auf das Konto der Autorin, ihrer Redaktion oder allenfalls gar auf ungenügende Differenzierung am Kongress selbst zurückzuführen ist, lässt sich im Nachhinein nicht ohne Weiteres abschliessend feststellen.

Zumindest naheliegend scheint jedoch, dass folgende Aussage im Artikel wohl von Seiten EMBL/EMBO verbreitet wurde:

Die Einladung zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion schlugen die Demonstranten jedoch aus.

Obwohl nachweislich sowohl im Offenen Brief wie auch in allen unseren weiteren Kommunikationen klar das Gegenteil festgehalten ist ...

Es ist noch ein weiter Weg ...

>>> Infoseite zu den Protesten    >>> Offener Brief "APE-AGPD" 5.11. 
>>>
Offener Brief "11th EMBL/EMBO", 6.11.10 (englisch)    >>> Pressemitteilung 3.11.
>>> 
"Cornelia Goethe Colloquien": Geschlechterforschung ohne Ethik?" - 17.11.
>>>
"STOP Genitalverstümmelung als 'Rohmaterial' für die Geschlechterforschung!" 

Siehe auch:

- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Saturday 6 November 2010

Friedlicher Protest in Augsburg gestern / EMBL-Direktor droht mit Polizei in Heidelberg heute

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Protest zur APE-AGPD 2010, Augsburg 5.11.10

>>> Infoseite zu den Protesten    >>> Der Offene Brief    >>> Pressemitteilung 3.11.10

So hatten es sich die EndokrinologInnen wohl nicht ganz vorgestellt: Gleich beim Eingang zu ihrem diesjährigen Städteausflug, ähm, zu ihrer Jahrestagung "APE-AGPD 2010" in Augsburg hatten sich unter bewegtem Herbsthimmel Mitglieder und Sympathisant_innen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org postiert, bewaffnet mit Flugblättern und flankiert von farbigen Plakaten und Transparenten. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Die Stimmung war prächtig und die Flugblätter fanden reissenden Absatz (wir mussten zwischendurch gar notfallmässig welche nachdrucken), und natürlich überreichten wir auch wieder einen Offenen Brief, in dem wir Menschenrechtsverletzungen der APE und ihrer "AG DSD" auflisteten und sie um Besserung ersuchten. Viele TagungsteilnehmerInnen waren offensichtlich schon vorinformiert über unser Anliegen, mehrere stimmten uns sogar offen zu. Der Protest verlief wie gewohnt und angekündigt friedlich.

Für die heutige Mahnwache in Heidelberg stehen die Zeichen hingegen auf Sturm: Die Verantwortlichen zeigten wenig Verständnis dafür, dass wir dort anlässlich der "11th EMBL/EMBO Science and Society Conference: The Difference between the Sexes – From Biology to Behaviour" der zahllosen Menschen gedenken wollen, die als Versuchskaninchen für die Geschlechterforschung Opfer medizynischer Verbrechen wurden.

Obwohl die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org die friedliche Mahnwache beim Bürgeramt der Stadt Heidelberg ordnungsgemäss anmeldete, will EMBL-Administrativdirektor Ralph Martens diese auf keinen Fall dulden und drohte uns bei Durchführung mit der Polizei ...

EMBL-Programmleiter Halldór Stefánsson, an den Herr Martens Zwischengeschlecht.org in der Folge verwies, will zwar auch keine Mahnwache, reagierte aber immerhin weniger martialisch.

Schaun wer mal ...

>>> Infoseite zu den Protesten   
>>>
Offener Brief "APE-AGPD"  
>>> Pressemitteilung 3.11.10 

Saturday 30 October 2010

"Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" - Medizynerverbände DGKJ/APE/DGE: AWMF-Verstümmlerleitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH)" (2010)

>>> Aktion & Offener Brief zur "APE-AGPD 2010", Augsburg 5.11.10

Dieselben Genitalabschneider-Standesorganisationen, die schon für die ethisch fragwürdige und dafür verschiedentlich öffentlich kritisierte AWMF-Verstümmlerleitlinie 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung" verantwortlich zeichen, nämlich die "Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ)", die "Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE)" und die "Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)", lassen in ihrer neuesten, im Januar 2010 in Kraft gesetzten Leitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom" ihre Maske fallen und verzichten kurzerhand auf jegliche ethischen Einwände oder sonstige Bedenken. Sondern fordern unverfroren medizinisch nicht notwendige, menschenrechtswidrige "Genitalkorrekturoperationen" an Kleinstkindern "auf Teufel komm raus".

Auch betreffend der unethischen pränatalen Dexamethason-Zwangstherapien haben die Medizynerverbände laut der vorliegenden Leitlinie immer noch nichts dazu gelernt.

Wiederum dieselben Genitalabschneider-Verbände haben zudem auf Januar 2011 eine weitere AWMF-Verstümmler-Leitlinie 027/029 "Hypospadie" angekündigt – das nächste ethische und menschenrechtliche Medizyner-Totalversagen scheint vorprogrammiert ...

Während die "DSD"-Leitlinie 027/022 noch den äusserlichen Schein zu wahren versuchte, indem Ethikgrundsätze erwähnt wurden (wenn auch nur als Feigenblatt zum Weiterverstümmeln), und zum ersten Mal auch Eltern-Selbsthilfegruppen mit zum Teil (auch) emanzipatorischen Ansprüchen konsultiert wurden und Bemerkungen beisteuern konnten, verzichtet die >>> neue AWMF-Verstümmlerleitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom" von vornherein auf solchen Schnickschnack.

Sondern propagiert für Kinder mit "CAH/AGS" medizinisch nicht notwendige Genitalverstümmelungen im Säuglingsalter ohne Wenn und Aber als kommentarlose Selbstverständlichkeit – obwohl für die angebliche "Wirksamkeit" der verstümmelnden Zwangsoperationen nach wie vor keine klinischen Beweise vorliegen (fehlende Evidenz), und auch die vorliegende Leitlinie auf der untersten Entwicklungsstufe 1 steht:

Operative Therapie

Genitalkorrekturoperationen durch erfahrene Kinderchirurgen/-urologen/-gynäkologen. Die chirurgische Korrektur umfasst die Klitorisreduktionsplastik unter Schonung des Gefäß-Nervenbündels, die Labienplastik und die Vaginalerweiterungsplastik. In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt.

Damit stellen die Genitalabschneider einmal mehr klar, dass sie ungehemmt und rücksichtslos weiterverstümmeln, und dass all ihre schönen, gegenteiligen Lippenbekenntnisse lediglich Fassade und Ablenkungsmanöver darstellen, um berechtigte und begründete Kritik und Bedenken zum Verstummen zu bringen.

So behauptete z.B. der APE-Endokrinologe Prof. Gernot Sinnecker ("Netzwerk DSD/Intersexualität") als Reaktion auf öffentliche Kritik von Zwischengeschlecht.org im Namen der DGKJ vor wenigen Wochen unverfroren:

„Heute“, sagt Sinnecker, „steht die Selbstbestimmung des Kindes an oberster Stelle.“ Man habe ein Ethik-Papier verabschiedet, gemeinsam mit Ärzten, Psychologen und Betroffenen. „Jede Operation, die vermeidbar ist, wird verschoben auf den Zeitpunkt, an dem Betroffene selbst entscheiden können.“ Lediglich medizinisch notwendige Eingriffe würden vorgenommen.

Wie's mit diesen schönen Lügen in der Realität aussieht, offenbart z.B. die vorliegende Verstümmler-Leitlinie 027/042 ...

Ebenfalls noch nicht wirklich dazugelernt haben die verantwortlichen Medizyner und ihre Verbände betreffend der von namhaften EthikerInnen wiederholt kritisierten pränatalen Dexamethason-Hormonzwangsbehandlungen. Zwar hält die Leitlinie hier immerhin fest, dass es sich dabei (wie übrigens auch bei den Genital-ZwangsOPs) "nach wie vor [um] eine experimentelle Therapie" handelt, die nur "im Rahmen kontrollierter Studien durchgeführt werden [sollte]".

Zwar beklagt sich der erstgenannte Autor der Leitlinie, Prof. Dr. H.G. Dörr, Kinder- und Jugendklinik der Universität Erlangen, an anderer Stelle selber über die Unverbindlichkeit der Erfassungsanforderungen, sowie dass sich seit deren Einführung im Jahr 1990 nach wie vor die wenigsten Medizyner sich um solche Kinkerlitzchen bekümmern:

Das Ausfüllen der Fragebögen erfolgt auf freiwilliger Basis. [...] Leider muss man somit feststellen, dass die Fragebögen nahezu nie komplett ausgefüllt zurückgeschickt werden [...]. Aufgrund der derzeit bestehenden Strukturen besteht jedoch keine Möglichkeit, gezielt nach den fehlenden Daten nachzufragen.[...] Man muss allerdings davon ausgehen, dass die dokumentierten Fälle in der Datenbank nur einen Teil der tatsächlich pränatal behandelten Fälle in Deutschland darstellen. Zum Beispiel wurden für das Jahr 1999 nur 2 Fälle und für das Jahr 2000 überhaupt kein Fall dokumentiert.

Trotzdem belässt es die von Prof. Dr. H.-G. Dörr mitverantwortete AWMF-Leitlinie 027/042 es wie gehabt bei unverbindlichen Empfehlungen ("sollte") – und lässt eigenmächtig "experimentierende" Medizyner dies weiterhin unkontrolliert tun, ohne dass sie für ihre menschenrechtswidrigen Humanexperimente je irgendwelchen Konsequenzen zu vergegenwärtigen hätten:

Pränatale Therapie

Die pränatale AGS-Therapie ist nach wie vor eine experimentelle Therapie. Sie sollte im Rahmen kontrollierter Studien durchgeführt werden (zentrale Datenerfassung für die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie über Prof. Dr. H.G. Dörr, Kinder- und Jugendklinik der Universität Erlangen).

Fakt bleibt, solche unkontrollierten Menschenversuche verstossen seit den Nürnberger Tribunalen gegen eine ganze Reihe von Vorschriften, Gesetzen und internationalen Abkommen. Was die Genitalabschneider und ihre Organsiationen DGKJ, APE und DGE offensichtlich unverändert vorsätzlich missachten ...

Verbindlich geregelter Zugang zu psychologischer und sozialpädagogischer Unterstützung ist auch in der neuen Leitlinie kein Thema, geschweige denn die von allen Betroffenen einhellig immer wieder betonte Wichtigkeit von Zugang zu Peer Support (Selbsthilfegruppen). Zwar erwähnt die Leitlinie im letzten Satz:

"Wichtig ist, dass sich das behandelnde Team der potentiellen psychologischen Problematik bewusst ist und für die Bearbeitung der Probleme ein hierin erfahrener Psychologe zur Verfügung steht."

Dies bezieht sich aber laut Leitlinie ausschliesslich auf die "Transition in die Erwachsenenmedizin und Prognose" bzw. auf "Probleme mit der Geschlechtsidentität", sprich erst ab der Pubertät. Und mutet zudem stark zynisch an, da interne Erhebungen der APE sowie Äusserungen Verantwortlicher in den "Grossen Behandlungszentren" seit Jahren klarstellen, dass adäquate psychologische Unterstützung nach wie vor faktisch inexistent ist (von adäquater sozialpädagogischer Unterstützung und garantiertem Zugang zu Peer Support ganz zu schweigen).

Dass dieselben Genitalabschneider-Standesverbände auf Anfang 2011 weiter eine >>> neue AWMF-Leitline 027-029 "Hypospadie" in Aussicht stellen, lässt wiederum das Schlimmste befürchten ...

Fazit: Freiwillig werden sie auch weiterhin nicht mit dem Verstümmeln aufhören ...

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung 
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation"  – Dr. med. Jörg Woweries
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Proteste gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken (DGKJ 2010)
- Nov. 2010: Proteste gegen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken und als "Rohmaterial" für die Geschlechterforschung (APE-AGPD 2010, 11th EMBL/EMBO)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Saturday 16 October 2010

Zwitterhund genitalverstümmelt zum Zweiten

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!In vielfacher Hinsicht haben es Hunde besser als Zwitterkinder: Bei Hunden setzt der Gesetzgeber manchmal Grenzen, wenn ihre Besitzer sie chirurgisch verstümmeln wollen (z.B. Coupierverbot, d.h. der Schwanz darf nicht aus kosmetischen Gründen verkürzt werden), Tierquäler werden auch sonst bestraft. Bei Kindergenitalien sieht's bis heute anders aus, dort darf täglich straflos "coupiert" werden – und es wird auch, allen Medizynerschutzbehauptungen zum Trotz ...

Doch auch bei Hunden mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen kommen Genitalverstümmelungen anscheinend mehr und mehr in Mode – zumindest häufen sich entsprechende Medienmeldungen: Nach der Genitalverstümmelung eines wehrlosen Hundes in Kalifornien letzten Juli (dieser Blog berichtete) macht aktuell ein ähnliches Schicksal eines Bullterriermischlings "Georgie" aus England auch in deutschsprachigen Agenturmeldungen die Runde:   >>> dpa    >>> sda    >>> apa 

Einzig der österreichische "Kurier" leistet sich wenigstens einen kritischen Untertitel:

"Tierschutz oder -quälerei? In Großbritannien wurde ein Hund mit beiderlei Geschlechtsmerkmalen operiert, weil ihn niemand haben wollte."

Ansonsten wird ausnahmslos grobfahrlässig die Version der GenitalabschneiderInnen kolportiert, inkl. "Gender-Blabla":

Zwitter-Tier: Hund bekommt Geschlechtsumwandlung

Auch ein Hund hat das Recht, ein Weibchen zu sein: Bullterrier-Mischling "Georgie", als Zwitter im britischen Manchester geboren und seitdem ins Tierheim abgeschoben, hat eine Geschlechtsumwandlung bekommen. Tierärzte haben Georgie zu einer richtigen Hundefrau gemacht.

"Georgie" hatte zwar eine Vagina, aber auch einen zurückgebildeten Penis - eine äußerst seltene Konstellation. Die männlichen Geschlechtsmerkmale seien entfernt worden, sagte Lisa Graham, Managerin des Manchester Dogs Home. Allen Tierheimbesuchern habe "Georgie" gefallen, aber keiner habe sie haben wollen, weil sie ein Zwitter war.

Jetzt hofft Lisa Graham, schon in den nächsten Tagen einen Hundefreund als neues Herrchen für die Hundedame zu finden. "Wir haben Anfragen aus dem ganzen Land", sagte Graham. Georgie sei schon "eine richtige Lady" und klimpere mit den Wimpern, hieß es.

Dieser Blog sagt: Pfui!

Diese tierquälerischen Verstümmelungsveterinäre gehören hinter Gitter, genau gleich wie ihre GenitalabschneiderkollegInnen unter der KinderchirurgInnen auch.

Siehe auch:
- Kalifornien: Zwitter-Hund durch Genitalverstümmelungs-OP "gerettet"

Tuesday 12 October 2010

Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung (Eckhard Korsch, Vortrag APE 2006)

Ah, ein Zwitter! Da müssen wir gleich ein paar lebenserhaltende Massnahmen... öhm... - ABSCHNEIDEN!!!

Seit langem fordern offizielle Leitlinien eigentlich verbindlich, "Diagnostik und Langzeit-Behandlung von DSD/Intersex-Patienten" müsse von den berühmten sogenannten "erfahrenen multidisplinären Teams" durchgeführt werden, denen auch PsychologInnen und SozialpädagogInnen angehören (sog. psychosoziale Unterstützung).

(Statt dass "wie früher" ausgerechnet die EndokrinologInnen und KinderchirurgInnen allein und nach eigenem Gutdünken auf die oft überforderten Eltern losgelassen werden.)

Ebensolange ist es ein offenes Geheimnis, dass die behandelnden Medizyner vornehm gesagt auf ihre eigenen Leitlinien pfeifen: Noch 2009 war nicht mal in Deutschlands "grösstem multidisziplinären Behandlungszentrum" in Lübeck einE PsychologIn zur Betreuung fest angestellt, geschweige denn einE SozialpädagogIn. Wäre ja noch schöner! Hat's ja eh niemand gemerkt ...

Ab und zu gibt's zwar Ausnahmeerscheinungen, die unter den KollegInnen auch kritische Zwischentöne einbringen, indem sie Missstände offen ansprechen und auf die Einhaltung medizinischer Standards pochen. (Ja, auch das gibt es unter den Medizynern.) So auch betreffend dem Medizyner-Märchen der "erfahrenen multidisplinären Teams".

Leider reden diese Ausnahmen mit unschöner Regelmässigkeit in den Wind, stossen Apelle ehrlicher Mediziner unter Medizynern auf keinerlei Resonanz. (Ein weiterer Rufer in der endokrinologischen Wüste ist etwa Prof. Dr. med. Helmuth G. Dörr. Dass das Brechen von Standestabus mitunter drastische Folgen nach sich ziehen kann, beweist das an --> Dr. med. Hartmut Hanauske-Abel statuierte Exempel.)

Betreffend der eingangs erwähnten Nichteinhaltung der Leitlinien-Forderung nach "erfahrenen multidisziplinären Teams" kam etwa am Jahreskongress 2006 der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE) der Endokrinologe Dr. med. Eckhard Korsch vom Kinderkrankenhaus Amsterdamerstrasse in Köln, Co-Autor der aktuellen AWMF-Leitlinie, in einem >>> bemerkenswerten Vortrag "Überlegungen zur praktischen Umsetzung des DSD-Consensus-Statements" (PDF) auf den --> Folien 11-17 explizit auf diese Missachtung der Leitlinien zu sprechen und konstatierte auf --> Folie 14 trocken:

Realität sieht anders aus:
– Kliniken behalten Kinder aus ökonomischen Interessen
– Kaum ein Zentrum vermag ein Multidisziplinäres Team bereitzustellen
Vortrag APE 2006 --> Folie 14 (PDF)

Und zitiert auf Folie 16 interne "Umfragen" unter Standesorganisationen aus dem Jahre 2005, die zu folgenden Resultaten kommen:

  • Beratung der Eltern über das weitere Vorgehen durch EndokrinologInnen und KinderchirurgInnen 35-64% (O-Ton Umfrage: "interdisziplinäre[s] Team (Pädiatr. Endokrinologe + Operateur)" – wer merkt's?)

  • Beratung der Eltern über das weitere Vorgehen durch EndokrinologInnen: 36-55%

  • Beratung der Eltern über das weitere Vorgehen durch "Kinderpsychiater/-Psychologen/Sexologen": 0-10%

Auf gut Deutsch: Betreuung und Beratung der Eltern durch adäquat geschulte PsychologInnen = Null.

Eltern haben oft traumatische Momente zu bewältigen, sowie z.T. "heikle Situationen" mit Verwandten und Bekannten, manche können dabei von kundiger Unterstützung profitieren. (Kinderpsychiater, Kinderpsychologen und Sexologen sind dabei allerdings von Anfang an definitiv am falschen Platz ...)

Betreuung, Beratung und Unterstützung der Eltern durch SozialpädagogInnen = Null.

Später kann es zu den oft beschworenen "berühmten" Konflikten in Kindergarten und Schule kommen, bei denen sich nicht alle Eltern und Kinder allein durchsetzen können, weshalb in diesen Fällen kompetente Hilfe zur Verfügung stehen muss. (Ein Gebiet, auf dem KinderchirurgInnen und EndokrinologInnen fraglos Null Kompetenz mitbringen.)

(Unter "kompetenter Hilfe" wäre zudem auch Peer Support unerlässlich, d.h. Kontakt zu anderen Betroffenen und Eltern sowie deren Organisationen, doch davon wollen die Medizyner bzw. ihre Leitlinien bekanntlich nichts wissen.)

Stattdessen "Verstümmeln auf Teufel komm raus".

Offensichtlich pfeifen Spitäler und "multidisziplinären Behandlungszentren" gross und klein allesamt auf kompetente Betreuung und Beratung, und wollen stattdessen alle stets nur das eine:

Ihre OP-Sääle maximal auslasten mit medizinisch nicht notwendigen, "kosmetischen" "Genitalkorrekturen" und Kastrationen (was in der Regel  durch die anschliessenden "Hormonersatztherapien" auch der Endokrinologie gute Auslastung beschert).

Seit langem beklagen kritische Überlebende, dieses "Verstümmeln auf Teufel komm raus" statt adäquater Unterstützung geschehe nicht zuletzt auch aus handfesten finanziellen Motiven der davon profitierenden Medizynerfraktionen.

Auf Folie 13 (!) bricht Dr. Korsch ein langgehegtes Tabu und nennt eine konkrete Zahl aus der täglichen Praxis:

Die Realität sieht anders aus: – Kliniken behalten Kinder aus ökonomischen Interessen: Beispiel: AGS und „Plastische Rekonstruktion der Vulva“ ERLÖS € 8175,12Vortrag APE 2006 --> Folie 13 (PDF)

Kommentar: Dass die "Behandlung" auch in den grossen "multidisziplinären Behandlungszentren" in erster Linie darauf abzielt, mit möglichst vielen OPs "ökonomische Interessen" zu mehren, statt Eltern und Kinder adäquat zu unterstützen, belegen u.a.:

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation"  – Dr. med. Jörg Woweries
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- AWMF-Leitlinie: Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Genitalverstümmler
- Tagung RECHTE VON KINDERN IN MEDIZIN UND FORSCHUNG, Göttingen
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday 27 September 2010

DGKJ/DGKCH: Erste Antwort auf Offenen Brief

"DGKJ 2010": 1. Demo Potsdam-Babelsberg, 16.9.10

>>> Offener Brief an die "DGKJ 2010" 18.09.2010
>>>
"DGKJ 2010": Infoseite zu den Protesten

Am letzten Freitag erreichte uns vorab per Email eine >>> erste Antwort (PDF 572 KB) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Der grösste Teil des Schreibens sind Zitate aus den "Ethischen Grundsätzen und Empfehlungen", deren mangelnde Einhaltung sowohl in den aktuellen AWMF-Leitlinien wie auch in der täglichen Praxis der Offene Brief feststellte. Ohne weiter auf diese Feststellungen einzugehen, führt das Antwortschreiben dazu aus:

Die DGKJ und die DGKCH sehen diese Empfehlungen als Grundlage ärztlichen Handelns im Zusammenhang mit dem Umgang mit Besonderheiten der Sexualentwicklung an und gehen davon aus, dass die AWMF-Leitlinien zu Störungen der Geschlechtsentwicklung nicht im Widerspruch zu diesen Empfehlungen stehen. Um Missverständnisse auszuräumen und Formulierungen möglicherweise noch weiter zu präzisieren, werden wir Ihren Offenen Brief an die zuständige Leitlinienkommission weiterleiten mit der Bitte, Ihre Anmerkungen bei der nächsten Überarbeitung der Leitlinien zu berücksichtigen. 

Aus Nellas Antwort dazu von gestern Sonntag im Namen von Zwischengeschlecht.org:

Vielen Dank für Ihre umgehende Antwort! Gerne erwarten wir die Rückmeldung Ihrer Leitlinienkommission.

Die von Ihnen aufgeführten "Ethischen Grundsätze und Empfehlungen" sind  uns bestens bekannt; nicht umsonst behandelten wir sie auch ausführlich im Offenen Brief. Darin führen wir auch aus, weshalb nicht nur wir in Sorge darüber sind, dass die "Grundsätze und Empfehlungen" einerseits in den aktuellen Leitlinien, andererseits aber auch in der generellen medizinischen Praxis zur Zeit noch nicht umfassend beherzigt werden. Zumindest letzterer Aspekt wäre unseres Erachtens nach auch für die DGKJ und die DGKCH als solche von allgemeinem Interesse.

Fortsetzung folgt ...

>>> Offener Brief an die "DGKJ 2010" 18.09.2010
>>>
"DGKJ 2010": Infoseite zu den Protesten

Siehe auch:
- "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD": Zwangsoperationen klar unzulässig (Dr.med. Jörg Woweries)
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Wednesday 22 September 2010

Serienverstümmler Prof. Dr. Ricardo González (Kispi Zürich): "Noch etwas weiter experimentieren, vielleicht künftig bessere Resultate"

Allen schönen offiziellen Dementis von Spitälern, Standesorganisationen usw. zum Trotz (Bsp. eins / zwei / drei):
Es wird munter weiterverstümmelt in den Kinderkliniken.

Womit die VerstümmlerInnen selbst "unter sich" und in ihren peer-reviewed (= von ihren StandesgenossInnen geprüften) "Fachzeitschriften" nach wie vor und stets aufs Neue unverhohlen rumprahlen.

Und dabei bisweilen kaum damit zurückhalten können, wie offensichtlich unverbesserlich "experimentierfreudig" sie sind ...

So zum Beispiel Prof. Dr. Ricardo González, aktuell Leitender Arzt Urologie in der Chirurgischen Klinik des Kinderspitals Zürich, in einer Publikation zusammen mit Dr. Lisandro Piaggio, einem vorherigen Untergebenen González' am A.I. DuPont Hospital / Thomas Jefferson University in Wilmington (USA):

Deutsche Übersetzung:
Zusammenfassung: Obwohl die Resultate für chirurgische Eingriffe bei CAH [= u.a. "Klitorisverkürzung"] weniger als zufriedenstellend sind, wenn Erwachsene evaluiert werden, die als Kinder operiert wurden, beinhalten alle vorliegenden Berichte Patienten, die vor vielen Jahren mit einer Vielzahl von Techniken operiert worden waren. Statt die Anstrengungen aufzugeben, diese Fehlbildung frühzeitig zu reparieren, bevorzugen wir die weitere Entwicklung verfeinerter chirurgischer Techniken, die in der Zukunft bessere Resultate ergeben mögen.

Original:
Summary: Although results for surgery for congenital adrenal hyperplasia have been less than satisfactory when adults who had surgery in childhood are evaluated, all present reports include patients operated on using a variety of techniques many years ago. Rather than abandoning the efforts to repair this malformation early, we favor the continued development of more refined surgical techniques that may yield better results in the future.

Quelle:
González, Ricardo; Piaggio, Lisandro A: "Ambiguous genitalia"
In: Current Opinion in Urology, July 2006 - Volume 16 - Issue 4 - p 273-276, doi: 10.1097/01.mou.0000232049.89589.30
http://journals.lww.com/co-urology/Abstract/2006/07000/Ambiguous_genitalia.14.aspx 

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in Deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Kinderspital Zürich propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- Rita Gobet, Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen nur "ganz selten"
- "Neuere Operationstechniken beeinträchtigten die Orgasmus-Fähigkeit stärker als ältere"
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- John Money & Co. - Der Mythos vom Einzeltäter
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10
- Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!

Sunday 22 August 2010

Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern

Kantonsspital Luzern, 22.8.2010 (Bild: Ärger)

Menschenrechte auch für Zwitter!

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden

Wie in Basel, Bern, Lausanne, Genf, St. Gallen und Zürich werden die Zwangsbehandlungen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen auch im Kinderspital Luzern experimentell durchgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Offensichtlich sind es in auch Luzern nicht wenige. PD Dr. med. Marcus-G. Schwöbel, Chefarzt der Kinderchirurgie im Kantonsspital Luzern, nannte vor 2 1/2 Jahren die Zahl von "rund 50 geschlechtszuweisenden Behandlungen", an denen er bisher "beteiligt" gewesen sei. (Tages-Anzeiger 05.02.2008)

Eltern von Kindern, die an einem intersexuellen Genitale leiden, stehen vor einem Dilemma. Sie fragen sich, ob ihr Kind nun ein Bub oder ein Mädchen ist, und wollen ihrem Kind die Möglichkeit geben, eine bestimmte Richtung zu leben. Die Idee unserer Chirurgie ist, dass wir versuchen, dem Kind die äusseren Formen zu geben, die seiner Geschlechtsidentität am besten entsprechen. (Schweizer Familie 24.02.2005)

In der Regel [sind die Kinder bei diesen Eingriffen] etwa zwei Jahre alt. Bis Mitte der Neunzigerjahre war es üblich, noch früher zu operieren, da man Fälle von Intersexualität als Notfälle betrachtete. (Schweizer Familie 24.02.2005)

Kurz, für Dr. Schwöbel sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit 'uneindeutigen' Genitalien schlicht "der in Anführungszeichen normale Weg". (Rundschau 19.12.2007)

Weil die Gesellschaft so gebaut ist und weil jetzt aus der Evolution raus auch schon bei Wenigzellern ganz klar eine Geschlechtsbestimmung vorhanden ist. Bei Würmern, bei Fliegen, bei Mücken haben sie auch schon ganz klar Männchen und Weibchen und sie haben die sexuelle Fortpflanzung [...]. (Rundschau 19.12.2007)

Das sind Menschen, die mit zwei Möglichkeiten auf die Welt kommen. Und man entscheidet sich dann für die Möglichkeit, von der wir meinen, dass sie für den Menschen am Adäquatesten ist. (Rundschau 19.12.2007)

Die betroffenen Menschen selbst haben bei dieser "grossen Entscheidung" (Rundschau 19.12.2007) im Kinderspital Luzern allerdings bisher kein Mitbestimmungsrecht ...

Zwar deutete Dr. Schwöbel 2008 an, aufgrund juristischen Drucks allenfalls eine Änderung dieser menschenrechtswidrigen Praxis in Betracht zu ziehen:

Sollte der Chirurg in Köln für den Eingriff, den er vor 30 Jahren durchführte, verurteilt werden, oder setzt sich die Auffassung von Rechtsprofessorin Büchler durch, müsste die Indikation zu geschlechtsanpassenden Eingriffen neu überdacht werden. (Tages-Anzeiger 05.02.2008)

Der angesprochene Kölner Chirurg wurde inzwischen letztinstanzlich verurteilt.

Trotzdem blieb die Praxis im Kinderspital Luzern bisher unverändert, sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern etwa bei "Störungen der Genitalentwicklung und der Geschlechtsdifferenzierung" oder "Hypospadie" nach wie vor im Angebot ...

>>> Offener Brief an das Kinderspital Luzern, 22.8.2010

>>> Pressemitteilung vom 19.8.2010
>>>
"Demonstration vor dem Luzerner Kantonsspital" - zisch.ch, 22.8.10
>>>
"Der Zwang zum Geschlecht" - Zentralschweiz am Sonntag, 22.8.10

>>> Überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken


Siehe auch:
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty International gegen Zwangsoperationen
- "Der Beschneidungsskandal": Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Beschneidungsexpertin: Zwangsoperationen an Zwittern = Genitalverstümmelung Typ IV
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Terre des Femmes: Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen

Friday 20 August 2010

Caster Semenya startet am Sonntag in Berlin – IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen (XXIV)

Protest vor dem IOC Hauptsitz in Lausanne, 19.11.09 (Bild: Ärger)

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionMit als Zwitter verdächtigten Athletinnen machen die internationalen Sportverbände kurzen Prozess: "Intersexuelle", "Hermaphroditen" (und alle, die das Internationale Olympische Komitee IOC, der Weltathletikverband IAAF und ihre Teilverbände dafür halten) werden genötigt, stillschweigend ihren Rücktritt zu geben.

Wer sich diesen intransparenten und willkürlichen "Fall-zu-Fall"-Entscheiden nicht widerspruchslos fügt, wird durch gezielte "Indiskretionen" den Medien zum Frass vorgeworfen und ohne ordentliches Verfahren von weiteren Starts ausgeschlossen.

Der südafrikanische Sportprofessor Timothy Noakes im Mai dieses Jahres:

"Insgesamt 8 intersexuelle Frauen wurden bisher von Wettkämpfen ausgeschlossen – soviel ich weiss mit der Warnung, dass sie öffentlich blossgestellt würden, sollten sie es wagen, einen Wirbel daraus zu machen."

Die Medizinethikerin Claudia Wiesemann (Göttingen) im Anschluss an die WM 2009:

"Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) streut Gerüchte, die Siegerin des 800-m-Laufs der Frauen, Caster Semenya, bei der Leichtathletik-WM in Berlin "sei vielleicht gar keine Frau", sie "sei vielleicht ein Mann". Damit ruiniert der Verband leichtfertig ein Sportlerleben. [...] Die IAAF müsste solche jungen Menschen eigentlich vor den Folgen einer weltweiten Stigmatisierung schützen."
 

Diskriminierung von Zwittern im Sport

Wie die Minderheit der publik gewordenen Fälle "verdächtigter" Athletinnen zeigt, treiben IOC und IAAF ihr unfaires und entwürdigendes Spiel seit Jahrzehnten:

  • María José Martínez-Patiño: 1985 zu Unrecht ausgeschlossen und alle Medaillen aberkannt, erst nach langjährigem Gerichtsverfahren rehabilitiert – zu spät für eine weitere Sportkarriere.
     
  • Santhi Soundarajan: 2006 nach in einem intransparenten Verfahren ausgeschlossen und Medaillen aberkannt, bis heute unrehabilitiert – die indischen Sportverbände liessen sie schmählich im Stich, das IOC drückt sich bis heute vor jeglicher Verantwortung.
     
  • Sarah Gronert: Die aufstrebende Tennisspielerin wurde von anderen Spielerinnen gemobbt, bis sie 2008 ihre Karriere vorübergehend unterbrach – ohne dass die Verbände sie aktiv gegen diese Diskriminierung geschützt hätten.
     
  • Caster Semenya: Hätte sich nicht der südafrikanische Sportverband und die Südafrikanische Regierung entschlossen hinter sie gestellt, und wäre sie nicht umgehend von einem internationalen Anwaltsteam umsonst unterstützt worden, hätte sie fraglos mehr als "nur" ihre Würde und ein Jahr ihres Lebens verloren.


Im Westen werden die meisten Zwitter schon als Kinder chirurgisch verstümmelt

Es ist kein Zufall, dass vor allem Athletinnen aus der "3. Welt" den Sportverbänden ins Visier geraten: In der "westlichen Welt" werden Zwitter (und was die Ärzte dafür halten) in der Regel als Kleinkinder durch kometische Genitaloperationen zu "richtigen" Mädchen und Jungen "gemacht" – was die Betroffenen seit bald zwei Jahrzehnten öffentlich als "Genitalverstümmelung" anklagen.

Die Parallelen der chirurgischen Genitalverstümmelungen an Zwittern in westlichen Kinderkliniken zur weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika werden seit Jahren auch von internationalen Menschenrechtsorganisationen, Frauenorganisationen, JuristInnen und wissenschaftlichen ExpertInnen unterstrichen.

Laut den BMBF-finanzierten Hamburger und Lübecker Evaluationsstudien von 2007 und 2008 sind im deutschsprachigen Raum über 90% (!) aller jugendlichen und erwachsenen Zwitter genital zwangsoperiert, fast die Hälfte davon (!) gar mehrfach (PDF -> S. 3 "Beschreibung des Samples").

Es ist aktuell das erklärte Ziel der Sportverbände, als Zwitter verdächtigten Athletinnen, die das Glück hatten, unverstümmelt aufzuwachsen, solche menschenrechtswidigen Operationen nachträglich aufzuzwingen, sofern sie nicht ausgeschlossen werden wollen.

IOC und IAAF: Immer noch nichts gelernt

Bis heute hat der Weltathletikverband IAAF auch im "Fall" von Caster Semenya nichts unternommen, das durch seine "Indiskretionen" ausgelöste menschliche Leid zu sühnen. Hartnäckig halten sich vom IAAF unbestrittene Gerüchte, Caster Semenya habe ihre Wiederzulassung mit einer hormonellen Zwangs"therapie" erkaufen müssen. Und das IOC stellt sich weiterhin gegen Gerechtigkeit für Santhi Soundarajan.

Zwar wollen IOC und IAAF beide ihre Regeln für die Teilnahme von intersexuellen (und als solchen verdächtigten) Athletinnen auf 2011 neu überarbeiten.

Statt die Zwitter und Ihre Organisationen dabei angemessen miteinzubeziehen, verweigern IOC und IAAF bis heute jeglichen Dialog

Statt sich jedoch künftig um mehr Fairness und Transparenz zu bemühen, setzen IOC und IAAF auf Drohungen und medizinisch nicht notwendige Zwangseingriffe.

Ein Zitat von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist vom Januar 2010 nach einem von IOC, IAAF und FIFA gesponsorten Mediziner-Symposium spricht diesbezüglich Bände:

Unter den zentralen Schlussfolgerungen befindet sich ein Vorschlag, Gesundheitszentren einzurichten, worin Experten Atheletinnen mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung" diagnostizieren und behandeln würden. In den meisten Fällen, sagte Ljungqvist, würden diese Behandlung benötigen wie Operationen und Hormontherapie.

Noch deutlicher wurde die IOC-Expertin Maria I. New (gegen die inzwischen Untersuchungen der US-Arzneimittelbehörde FDA und der US-Überwachungsstelle für medizinische Humanexperimente OHRP laufen):

"Diejenigen, welche in die Behandlung einwilligen, werden eine Starterlaubnis erhalten. Diejenigen, die eine Behandlung auf einer Fall-zu-Fall-Basis verweigern, werden keine Starterlaubnis erhalten."

So assoziieren sich die internationalen Sportverbände IOC, IAAF und FIFA ausgerechnet mit ZwangsbehandlerInnen, die seit Jahr und Tag international in der Kritik stehen wegen menschenrechtswidrigen GenitalOPs und illegitimer Humanforschung unter Umgehung von gesetzlich geforderten, unabhängigen Ethikkomitees.

22.8.2010: Protest gegen Genitalverstümmelungen

Wenn Caster Semenya am kommenden Sonntag, den 22.8.10 am 69. Internationalen Stadionfest ISTAF im Berliner Olympiastadion ihr erst 3. Rennen läuft seit ihrem Weltmeisterschaftssieg ebendort 2009 und dem nachliessenden, 11-monatigen und unwürdigen IAAF-"Geschlechterverfahren", ist ihr die weltweite Solidarität von Zwittern und ihren Organisationen gewiss.

In der Schweiz wird die Menschenrechtsorganisation Zwischengeschlecht.org gleichentags zum 3. Mal einen friedlichen Protest vor einer Genitalverstümmler-Kinderklinik durchführen.
 

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya 
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Saturday 31 July 2010

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken - eine Genealogie

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

«Ah, ein Zwitter! Da müssen wir gleich ein paar lebenserhaltende Massnahmen ... öhm ... ABSCHNEIDEN!!!»

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

John Money & Co. - der Mythos vom Einzeltäter 


Kann ein Zwitter Sünde sein?       INHALT

      1.  John Money als Sündenbock heutiger
           SeriengenitalverstümmlerInnen
      2.  Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken
           – eine Genealogie der TäterInnen
      3.  "Eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte"
     

1. John Money als Sündenbock heutiger SeriengenitalverstümmlerInnen

Zur Untermauerung ihrer >>> Medizyner-Märchenpropaganda, in heutigen Kinderkliniken seien chirurgische Genitalverstümmelungen längst passé, bemühen heutige ZwangsoperateurInnen & Konsorten regelmässig den Namen eines 2006 verstorbenen Vorzeige-Sündenbockes.

Im >>> "Infobrief 02/10" (PDF --> S. 7) des Deutschen Ethikrates liest sich das dann beispielsweise so:

Kritisch betrachtete Richter-Appelt die früheren Behandlungsmaßstäbe, die besonders durch den amerikanischen Psychologen John Money in den 1950er-Jahren geprägt worden waren. Money hatte die These vertreten, dass [...] man intersexuellen Kindern [...] mit einer operativen Angleichung der Genitalien [...] ein eindeutiges Geschlecht klar zuweisen könne.
Ethikrat "Infobrief 02/10" (PDF --> S. 7)

Keine Frage, der noch 2002 in Berlin von der "Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS)" passend mit der "Magnus-Hirschfeld-Medaille" ausgezeichnete Vorzeige-Sexologe John Money (1921-2006) war ein unbarmherziger, gewissenlos agierender Serientäter, der mit seinen unmenschlichen "Zwillingsexperimenten" grosses Leid über zahllose Menschen brachte und seine pseudowissenschaftliche Theorie zur Rechtfertigung der systematischen Genitalverstümmelungen von Kleinkindern mit "uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen" bis zu seinem Tode ungebrochen weltweit propagierte.

Seit langen Jahren fordern zwangsoperierte Zwitter öffentlich die kritische Aufarbeitung von John Moneys medizinischen Verbrechen. Wenn die heutigen Täterinnen mittlerweile öfter John Moneys Namen nennen, ist ihr Anliegen allerdings ein anderes: Die MedizynerInnen benutzen den Verstorbenen vielmehr als Vorzeige-Sündenbock und Bauernopfer, um die durch vermehrte Medienberichte über überlebende Zwangsoperierte geweckte, kritische öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken und zu binden – und gleichzeitig den Deckel auf dem eigentlichen Problem der auch in Deutschland fortdauernden, systematischen Genitalverstümmelungen an Kleinkindern zu halten.
 

2. Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken
    – eine Genealogie der TäterInnen

Auch Im Ethikrat Infobrief 02/10 (PDF --> S. 7) wurde der Verbrecher John Money von der "Netzwerk Intersexualität/DSD"-"Expertin" Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt konsequent als überholter Einzeltäter dargestellt.

Tasache ist jedoch, dass die in westlichen Kinderkliniken nach wie vor gängige Praxis der chirurgischen Genitalverstümmelungen ihre Wurzeln in mehreren medizynischen Disziplinen hat und weder mit John Money begann, noch mit ihm endete:

Sinti- und Roma-Zwillinge
als Versuchskaninchen in Auschwitz.

Sogar John Money's berüchtigtstes "Zwillingsexperiment" wurde von Josef Mengele (1911-1979) vorweggenommen, der in Auschwitz bereits damit experimentierte, bei Zwillingen das "Geschlecht" chirurgisch zu "ändern" (vgl. Edwin Black: War against the Weak, S. 358, 494).

Zur Serienreife gebracht waren entsprechende chirurgische Techniken aber schon in den 1920er und 1930er-Jahren durch den "Vater der Urologie" Hugh Hampton Young (1875-1945) von der Johns Hopkins University in Baltimore (USA), wo nach dem 2. Weltkrieg dann u.a. Lawson Wilkins (siehe unten) und Money "wirkten" (und wo nochmals später wohl nicht ganz zufällig Judith Butler ihre erste Professur erhielt).

Hugh Hampton Young wiederum hatte zuvor mit ziemlicher Sicherheit die chirurgischen "Geschlechtsumwandlungs-experimente" im Umfeld von Magnus Hirschfeld (1868-1935) genauer verfolgt und zitierte diesen in seinem 1937 publizierten "Standardwerk", das von seinen Nachfolgern an der "Johns Hopkins University School of Medicine" bis 1971 in überarbeiteter Form neu aufgelegt wurde, inkl. Hirschfeld-Verweis (vgl. Hugh Hampton Young: Genital Abnormalities, Hermaphrodites & Related Veneral Diseases, S. 19f., 1937; Howard W. Jones / William Wallace Scott: Hermaphroditism, Genital Abnormalies and Related Endocrine Disorders. Second Edition, S. 7, 1971).

Der historische Ursprung westlicher serienmässiger Genitalverstümmelungs- "Experimente" dürfte jedoch in der Gynäkologie liegen:

1825 beschrieb ein von Carl Ferdinand von Graefe (1887-1840) verbürgter, anonymer Bericht über eine erfolgreiche "Heilung eines vieljährigen Blödsinnes, durch Ausrottung der Clitoris" bei einem 14-jährigen Mädchen; von Graefe hatte auch die "Operation" durchgeführt. (Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung, 2002, S. 107ff.)

Im 1831 erschienenen Handbuch der Chirurgie, herausgegeben vom damaligen Direktor der Chirurgischen Kliniken der Charité, Johann Nepomuk Rust (1775-1840), wird ein "übergrosser Kitzler" bei "jungen Mädchen" indirekt als legitime Indikation zum "wegschneiden" angeführt. (Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung, 2002)

In den 1840ern führte James Marion Sims (1813-1883), der "Vater der Gynäkologie", zahllose "chirurgischen Experimente" an schwarzen Sklavinnen durch, ohne Betäubung, oft mit tödlichem Ausgang, bis zu 30 "Experimente" an derselben Person. (Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung, 2002, S. 113)

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurden in Europa und Nordamerika uneingewilligte chirurgische Klitorisamputationen ("Klitoridektomie") und weitere chirurgische Beschneidungen an Frauen vielfach propagiert und durchgeführt als "Heilmittel" gegen "Masturbation", "Lesbianismus", "Vaginismus", "Hysterie" und "Manien", u.a. in den 1860ern vom englischen Gynäkologen Isaac Baker Brown (1811–1873) sowie vom Wiener Gynäkologen Gustav Braun (1829-1911). (Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung, 2002, S. 91ff., S. 116ff.)

1875 amputierte ein Dr. Berendes in Deutschland einem 4-jährigen "Mädchen [...] auf Wunsch der Eltern [...] die angeblich hypertrophische Clitoris". (Franz Ludwig von Neugebauer: Hermaphroditismus beim Menschen, 1908, S. 282)

Im zwischen 1874 und 1896 in vier Auflagen erscheinenen Lehrbuch Die operative Gynäkologie propagierte der "Begründer der operativen Gynäkologie in Deutschland" und Mitherausgeber Alfred Hegar (1830-1914) "Abtragung der Clitoris. Clitoridectomia" u.a. bei "gewohnheitsmässiger Onanie", "Nymphomanie" sowie bei als "Raçeneigentümlichkeit" angeborener Vergrösserung. (Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung, 2002, 128ff.)

1892 "schnitt" Henri Albert Hartmann (1860-1952) in Paris "bei einem 7jähr. Mädchen, welches hartnäckig masturbierte, auf Wunsch der Mutter hin die hypertrophische Klitoris ab". (Franz Ludwig von Neugebauer: Hermaphroditismus beim Menschen, 1908, S. 234)

Ein weiterer bekannter Propagandist und Täter von Klitorisamputationen war in den 1890ern der amerikanische Gynäkologe A. J. Bloch aus New Orleans (John Duffy: "Clitoridectomy").

In Deutschland wurde die chirurgische Klitorisamputation bei "jugendlichen weiblichen Individuen" von der Medizynerin Maria Pütz noch 1923 in einer Dissertation offensiv propagiert.

Der prominente Nazi-Medizyner Hans Christian Naujoks (1892-1959) führte 1934 in Köln erstmals eine kosmetische Genitalamputation "mit Stumpfbildung" an einem Zwitter durch (Dominik Leitsch: "Die Intersexualität – Diagnostik und Therapie aus kinderchirurgischer Sicht”, Dissertation 1996, S. 47), kombiniert mit einer experimentellen hormonellen Fertilisierungsbehandlung; nach 1945 war Prof. Dr. Naujoks u.a. Präsident der heute noch Zwitter-Genitalverstümmelungen propagierenden Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie Träger des Großen Verdienstkreuzes der BRD.

Die Grundlagenarbeit zur "kontrollierten" Herbeiführung der Pubertät durch synthetisierte "Geschlechtshormone" bei kastrierten Zwittern hatte in den 1930ern und 1940ern in Nazideutschland Adolf Butenandt (1903-1995) geleistet, der spätere Präsident der Max Planck Gesellschaft, dessen Sohn Otfried Butenandt eine medizynische Karriere einschlug und bis in die späten 1990er Jahren in München Zwitter zwangsbehandelte (darunter auch Michel Reiter).

Adolf Butenandt versuchte in den 1930ern nebst "männlichen" und "weiblichen" Hormonen auch ein "Zwitterhormon" zu isolieren (Adolf Butenandt: "Chemische Konstitution und physiologische Wirkung bei Keindrüsenhormonen: die Herstellung eines bisexuellen Prägungsstoffes", in: Forschungen und Fortschitte Nr. 12, 1936, siehe auch: Jean Paul Gaudillière: "La fabrique moléculaire de genre", in: Löwy/Rouch: La distinction entre sexe et genre, S. 68). Butenandt Sr. betrieb dazu in Berlin noch in den 1940ern Forschungen "bei Hermaphroditen – sowohl bei Tieren als auch bei Menschen" (Jean Paul Gaudillière: "Biochemie und Industrie", in: Schnieder/Trunk (Hrsg.): Adolf Butenandt und die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, S. 213; Hans Friedrich-Freksa, Adolf Butenandt: "Experimentelle Beiträge zur Frage nach der Möglichkeit des Vorkommens bisexuell wirksamer Hormone bei Zwittern", in: Biologisches Zentralblatt Nr. 62, 1942).

Der nach dem 2. Weltkrieg im Johns Hopkins Spital als Leiter der Endokrinologie tätige Lawson Wilkins (1894-1963), der "Vater der pädiatrischen Endokrinologie", muss als der eigentliche "Erfinder" der serienmässigen chirurgischen Genitalverstümmelungen an Kleinkindern angesprochen werden, die er dort 1950 einführte (vgl. Alison Redick: American History XY, S. 238) – nicht zuletzt, weil erwachsene Zwitter (worüber schon Hugh H. Young klagte) sich regelmässig gegen die "Behandlungen" sträubten (vgl. Elizabeth Reis: Bodies in Doubt, S. 113).

Der schweizer Endokrinologe Andrea Prader (1919-2001), Erfinder der "Prader-Skala" und späterer Direktor des Kinderspitals Zürich, hospitierte 1950 bei Wilkins und trug wesentlich bei zur Etablierung der systematischen frühkindlichen Verstümmelungen in Europa (vgl. Ulrike Klöppel: XX0XY ungelöst, S. 348).

Experimentelle Vorarbeit für Butenandt, Wilkins und Prader hatte in den 1920ern der Österreicher Eugen Steinach (1861-1944) geleistet durch chirurgische Tier- und Menschenexperimente mit Hoden- und Eierstocktransplantationen, u.a. auch zwecks "Heilung" von Homosexualität. Steinach wurde dabei praktisch und publizistisch unterstützt von Magnus Hirschfeld (1868-1935), seinerseits Anhänger der Eugenik sowie Mitglied in der "Gesellschaft für Rassenhygiene".

In Amerika hatte der Gefängnischirurg Leo Stanley (1886-1976) von 1913-1951 im Gefängnis San Quentin zahllose ähnliche Menschenexperimente an Insassen praktiziert, ebenso "eugenische Experimente" und Zwangssterilisationen.

1944 experimentierte der dänische SS-Medizyner Carl Værnet (1893-1965) im KZ Buchenwald mit einer chirurgisch-mechanischen Depotabgabe von Testosteron, quasi die experimentelle Synthese der Forschungen von Steinach und Butenandt (Davidsen-Nielsen/Høiby/Danielsen/Rubin: Carl Værnet, S. 183f.).

"Zwillingsexperimente" à la John Money waren seit dem 19. Jahrhundert das Steckenpferd organisierter EugenikerInnen nicht nur in der deutschen "Gesellschaft für Rassenhygiene", sondern in der gesamten "westlichen Zivilisation". "Eugenische Forschungen" zwecks besserer Erkennung sowie anschliessender Vernichtung von Zwittern, bei schon Geborenen durch hormonelle und chirurgische Verstümmelungen sowie in Deutschland ab 1972 auch pränatal durch Abtreibungsindikationen (vgl. Ulrike Klöppel: XX0XY ungelöst, S. 470), wurden von (NS-)Medizynern auch nach dem 2. Weltkrieg ungebrochen weitergeführt.

Oft mit Hilfe altbewährter NS-Seilschaften: Hormonforscher Adolf Butenandt war nach 1945 beispielsweise auch treibende Kraft hinter der Rehabilitation seines verehrten Kollegen, Nazi-Eugenikers und Mengele-Doktorvaters Otmar Freiherr von Verschuer (1896-1969), der (wie auch seine Kollegen in Amerika) sein Fach nach 1945 einfach flugs von "Eugenik" zu "Genetik" umbenannte und unbeirrbar und ungehindert weiter"forschte", u.a. über "Pseudohermaphroditismus als eigenständige pathologische Erbanlage" bzw. "Genetische Grundlagen der Sexualkonstitution" (1956).

Sowohl in Amerika (u.a. beim CIA) wie auch in Deutschlands Medizynerkaste nach 1945 konnten bekanntlich praktisch alle einschlägigen Nazi-Medizyner ihre nur kurz unterbrochene Karriere mehr oder weniger nahtlos weiterführen. Nicht einmal Josef Mengele (1911-1979) wurde nach dem Krieg je zur Rechenschaft gezogen.

 

3. "Eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte"

Die Rolle all dieser honorigen (Nazi-)Medizyner bei der Etablierung der systematischen menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen an Zwittern wird auch heute noch im öffentlichen Diskurs wie auch in offiziellen Biographien regelmässig ausgeklammert – sogar dort, wo sie (wie z.B. bei Adolf Butenandt, Hugh Hampton Young, Lawson Wilkins und Andrea Prader) wohldokumentierter und zentraler Bestandteil ihrer akademischen Karriere sind.

Offensichtlich will sich keinE akademischeR ForscherIn die Finger verbrennen mit einer systematischen Aufarbeitung der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken, obwohl – oder eben weil – sie "zu den dunkelsten Kapiteln der Medizingeschichte" zählen (Apotheken-Umschau 1.6.2011, S. 3), und zwar gleich im doppelten Sinn

Stattdessen wird im öffentlichen Diskurs ungebrochen der Mythos vom Einzeltäter John Money hochgehalten (vgl. das eingangs vom Deutschen Ethikrat zitierte Beispiel), und von den Medizyner-LeugnerInnen werden die heute noch täglich an Zwittern begangenen medizinischen Verbrechen – sofern sie überhaupt eingeräumt werden–, nach bekanntem Muster bequemerweise stets zeitlich und personell streng beschränkt auf das Wirken John Moneys.

Während gleichzeitig auf politischer Ebenen John Moneys alter und neuer "Gender"-Fanclub (inkl. Judith Butler und Alice Schwarzer) mehr und mehr öffentlich verkündet, Moneys Name sei zu Unrecht zum Synonym seiner medizynischen Verbrechen an Zwittern geworden, eigentlich habe Money nämlich recht gehabt und sei so schlimm auch gar nicht gewesen, und überhaupt, statt dauernd über körperliche Unversehrtheit und die täglichen Genitalverstümmelungen sollten wir jetzt doch gescheiter alle zusammen mal über die wirklich zentralen Dinge im Leben privilegierter Nicht-Verstümmelter reden wie z.B. über Geschlechtsidentität, Geschlechtsidentität, Personenstand, Personenstand, sexuelle Identität, sexuelle Identität und, äh, sexuelle Identität.

Die SeriengenitalverstümmlerInnen dankenund operieren unkontrolliert weiter ...
 

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)
>>>
BMBF-Studie mit 434 Proband_innen (2009)

 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen
 
Siehe auch:

- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in Deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Krebslüge und Zwangskastrationen an Zwittern
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Ulrichs-Hirschfeld-Money-Butler
- "Who killed David Reimer?"
- David Reimer: Klage gegen John Money – erfolglos wegen Verjährung
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10
- Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Wednesday 28 July 2010

DSM-V: "massiver Beitrag zur Entpathologisierung von Intersexuellen"?

>>> Nachträge 1-2

Dies behauptet zumindest ein interessanter >>> Blogpost auf BadHairDays.

Auf dem Hermaphroditforum sehen die meisten Zwitter das mit der >>> "DSM-V-Anleitung"*) allerdings etwas anders.

Ebenso dieser Blog (--> Kommentare).

*) DSM-V: Aktuell läuft eine Revision des "DSM-Diagnosemanuals", herausgegeben von der US-Psychiatrie-Standesorganisation "American Psychiatric Association APA". (Salopp gesagt: DSM ist quasi die ICD der PsychiaterInnen.)

Strategische Vorgabe: Der vorgesehene Sprung von aktuell: Version DSM-"römisch 4" (IV), zu neu: Version DSM-"römisch 5" (V), soll der Zunft neue Pfründe bescheren.

Geplantes Vorgehen: Die bisher psychiatrisch noch kaum gemolkenen "Patientenstämme" der Zwitter anzapfen. Weltweit versuchen zur Zeit Psychiatrie-Standesorganisationen den Fuss in die "Behandlung" zu kriegen und werben aktiv dafür.

Missionsziel: Ab 2013 sollen mit DSM-V künftig möglichst viele überlebende Zwitter zusätzlich zu den chirurgischen Verstümmelungen neu auch noch zwangspsychiatrisch "behandelt" werden.

>>> Meine 2 Cent (in 2 Teilen) + Nachtrag 1

Nachtrag 2: Auch aus anderen Bereichen wird befürchtet, DSM-V diene in erster Line der Profitmaximierung von Psychiatrie und Pharma, vgl. diese englische Zusammenstellung der amerikanischen "Alliance for Human Research Protection AHRP".

Siehe auch:
- Das "Schwule Ehepaar aus Malawi": Beispiel für Vereinnahmungskaskaden?
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- "Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – 'kein Handlungsbedarf' bei Genitalverstümmelungen?!" - 15.7.10
- Schon wieder: "Stern" verbreitet Medizyner-Märchen (Teil 2)
- Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" (Prof. Dr. Susanne Baer, Prof. Dr. Nina Dethloff)
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Sunday 25 July 2010

Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"

Es ist die zur Zeit wohl erfolgreichste Propaganda-Lüge der SeriengenitalverstümmlerInnen: "Ja, früher mag es vielleicht schlimm gewesen sein – aber heute ist längst alles gaaanz anders."

Seit Jahr und Tag verkünden die ZwangsoperateurInnen & Co. dieses Märchen einstimmig stets aufs neue – und die Medien und PolitikerInnen usw. (auch so genannt "kritische") plappern es bis heute jedes Mal unhinterfragt bis sichtlich erleichtert nach, siehe aktuell z.B. >>> Ethikrat Infobrief 02/10 (PDF --> S. 7):

Kritisch betrachtete Richter-Appelt die früheren Behandlungsmaßstäbe, die besonders durch den amerikanischen Psychologen John Money in den 1950er-Jahren geprägt worden waren.

(Herta Richter-Appelt ist hauptberuflich Professorin am GenitalabschneiderInnen- "Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)". Beim Ethikrat trat sie auf als Vertreterin des "Netzwerk DSD/Intersexualität" der ZwangsoperateurInnen.)

Fazit: Und wenn sie nicht gestorben sind, so operieren / vertuschen sie noch heute ...

 
Tatsache ist:
Es gibt keinerlei Beweise, welche diese Lieblingsthese der in die öffentliche Kritik geratenen SerienverstümmlerInnen von der "heute ganz anderen Behandlung" belegen – im Gegenteil:

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)
>>>
Präsentation BMBF-Studie mit 434 Proband_innen (2009)

 
Noch die (frisierten) eigenen Studien der GenitalabschneiderInnen & Co. bestätigen selbst (PDF 2.3 Mb -> S. 3 "Beschreibung des Samples"):

  • HEUTE NOCH sind mehr als die Hälfte aller "Intersexuellen" Kinder bis 3 Jahre genitalverstümmelt, jedes 5. Kleinkind gar mehrfach.

  • Von den über 4-jährigen Zwittern sind durchgehend mindestens 87% verstümmelt.

  • Über ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen sind mehrfach verstümmelt.

  • Bei den Erwachsenen sind es gar fast die Hälfte.
     

Nach wie vor wird allein in Deutschlands Kinderkliniken JEDEN TAG mindestens 1 wehrloses Kind irreversibel chirurgisch genitalverstümmelt.

Sowie in Österreich und in der Schweiz JEDE WOCHE zusätzlich JE 1 weiteres.
 

Trotzdem behaupten die VerstümmlerInnen & Co. nicht nur vom "Netzwerk Intersexualität/DSD" bzw. "EuroDSD" mittlerweile einfach frech, heutzutage würden sie angeblich schon lange "keine Zwangsoperationen mehr" durchführen, das "alte Behandlungsparadigma nach John Money" wäre längst Vergangenheit, und sie würden auch "keine Zwangskastrationen mehr" praktizieren.

Gleichzeitig lehnen dieselben MedizynerInnen weiterhin nur schon ein Moratorium für kosmetische Genitaloperationen vor kategorisch ab, ebenso jegliches Monitoring.

Ja, laut den SeriengenitalverstümmlerInnen sollen angeblich noch nicht einmal exakte Zahlen darüber existieren, wie oft solche GenitalOPs in den Kinderkliniken stattfinden.

Alles aus ziemlich durchsichtigen Gründen.

Und in der Gewissheit, dass sie als TäterInnen kaum je für ihre Jahrzehnte andauernden medizinischen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.

Weil von den verantwortlichen PolitikerInnen, EthikerInnen usw. nach wie vor offiziell niemand etwas gemerkt haben will.

Wie lange noch?!

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Genitalverstümmelung an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Krebslüge und Zwangskastrationen an Zwittern
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken
- Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org zum "Forum Bioethik" 23.6.10
- Anliegen an den Deutschen Ethikrat 23.6.10

Sunday 18 July 2010

Wegen Caster Semenya: IOC plant neue "Intersex-Regeln", Konferenz im Oktober (XXIII)

Nachtrag: Caster gewann auch das heutige 2. Rennen mit 2:02,41!

IOC IAAF: Intersex - Guilty by SuspicionNun ist es offiziell: Laut einem in Südafrika publizierten Bericht der >>> London Times (englisch) mit dem sinngemässen Titel "IOC will weitere Intersex Dramen abwenden" arbeitet das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach Aussagen von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist derzeit an neuen Richtlinien und will dazu im Oktober eine (weitere) Konferenz abhalten. Gleichzeitig rief er Grossbritannien dazu auf, ein "Global Intersex Centre" aufzubauen. 

Weitere Angaben über die neuen Richtlinien oder über die geplanten "Globalen Intersex Zentren" machte Ljungqvist keine; stattdessen "fachsimpelte" er noch etwas über "hohe Testosteronwerte" (eine der öffentlich kolportierten "Indiskretionen" betreffend Caster Semenya):

"Es kommt darauf an, ob Rezeptoren vorhanden sind, die auf das Testosteron ansprechen. Eine der häufigsten Intersex-Störungen ist das Androgen Insensitivitäts Syndrom. Diese Frauen haben keine Rezeptoren. Das heisst, sie könnten sich nicht einmal mit Testosteron dopen, so dass man ironischerweise sagen könnte, sie seien die weiblichsten Geschöpfe, die man überhaupt treffen kann."

Die Aussagen Arne Ljungqvists betreffend neuen Richtlinien und "Globales Intersex Zentrum" sind wohl einerseits im Zusammenhang mit früheren Aussagen von Sebastian Coe zu würdigen, IAAF Vize-Präsident und Vorsitzender des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in London 2012. Lord Coe hatte schon letzten Herbst öffentlich neue Befugnisse für die Sportverbände gefordert (englisch), damit sie künftig "verdächtige" Athletinnen aufgrund "vorläufiger Ergebnisse" präventiv ausschliessen können (Zwischengeschlecht.org berichtete).

Andrerseits wurden "Globale Intersex Zentren" als solche bereits im Anschluss an ein von IOC, IAAF und FIFA gemeinsam organisiertes Medizynersymposium in Miami im Januar 2010 angekündigt. Seinerzeit hatte Arne Ljungqvist dazu ausgeführt:

Unter den zentralen Schlussfolgerungen befindet sich ein Vorschlag, Gesundheitszentren einzurichten, worin Experten Atheletinnen mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung" diagnostizieren und behandeln würden. In den meisten Fällen, sagte Ljungqvist, würden diese Behandlung benötigen wie Operationen und Hormontherapie.

Die mittlerweile wegen unkontrollierten pränatalen Dexamethason-Zwangsbehandlungen ins Kreuzfeuer geratene Medizynerin Maria I. New hatte dazu weiter präzisiert:

Sportverbände würden Fotografien von Athletinnen zu Experinnen wie sie selbst übermitteln. Wenn der Experte denke, die Athletin hätte möglicherweise eine Störung der sexuellen Entwicklung, würde der Experte weitere Tests anordnen und eine Behandlung vorschlagen.

"Diejenigen, welche in die Behandlung einwilligen, werden eine Starterlaubnis erhalten", sagte Dr. Maria New, eine Panelteilnehmerin. "Diejenigen, die eine Behandlung auf einer Fall-zu-Fall-Basis verweigern, werden keine Starterlaubnis erhalten."

Auch der Weltathletikverband IAAF plant bekanntlich neue "Geschlechterregeln", ein erster Entwurf wird an der IAAF-Vorstandssitzung vom 7.-8. August in Kiew debattiert, im November soll dann die endgültige Fassung abgesegnet werden und die neuen Regeln auf 2011 in Kraft treten (dieser Blog berichtete).

>>> Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya 
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Thursday 15 July 2010

"Intersexuelle enttäuscht vom Ethikrat – 'kein Handlungsbedarf' bei Genitalverstümmelungen?!" - Pressemitteilung 15.7.10

Seit 14 Jahren gibt es als Reaktion auf die öffentlichen Klagen überlebender Erwachsener alle Jahre wieder ExpertInnenrunden, Anhörungen, Foren, Publikationen, Absichtserklärungen, Versprechungen, Vertröstungen – während die Täter unbehelligt weiterverstümmeln.

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org vom 15.7.10

Monday 12 July 2010

"EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller kosmetischen Genitaloperationen in Kinderkliniken

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Wie oft chirurgische Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken durchgeführt werden, gehört zu den bestgehütetsten Medizynergeheimnissen.

Organisationen überlebender Zwitter rechnen mit kosmetischen Genitaloperationen in Kinderspitälern an über jedem 1000. Kind bzw. mit gegen 100'000 Opfern von meist mehrfachen, medizinisch nicht notwendigen, nicht-eingewilligten GenitalOPs allein in der Bundesrepublik.

58% aller Kinder von 0-3 Jahren sind zwangsoperiert. 87% aller Kinder von 4-12 Jahren sind zwangsoperiert. 91% aller Jugendlichen sind zwangsoperiert. 90% aller Erwachsenen sind zwangsoperiert. (BMBF-Studie mit 434 Proband_innen, 2009)
>>>
BMBF-Studie mit 434 Proband_innen (2009)

Wie die Medizyner (siehe Abbildung oben) selber zugeben, werden HEUTE NOCH Kinder mit "auffälligen" Geschlechtsmerkmalen durchscnittlich gleich mehrfach zwangsoperiert. Auf den erste, gerne als "einzeitig" verkauften Eingriff im Kleinkindesalter folgen später mit unschöner Regelmässigkeit "Nachbesserungen".

Bereits Säuglinge werden HEUTE NOCH unverändert zu fast 60% genital zwangsoperiert. Ältere Kinder sowie Jugendliche und Erwachsene sind dann zu 87%-91% (!!!) genital zwangsoperiert, von den Erwachsenen mehr als die Hälfte der Zwangsoperierten mehrfach, davon wiederum die Hälfte mindestens dreifach!

Oberhalb von >2 wird wohlweislich nicht mehr weiter aufgeschlüsselt: Oft muss nämlich mehr als ein Dutzend Mal "nachgebessert" werden, Selbsthilfegruppen berichten von Überlebenden, die als Kind 16 Zwangsoperationen durchmachen mussten!

Zwitterorganisationen gehen deshalb aus von fünf chirurgischen Genitalverstümmelungen JEDEN TAG in den USA, einer Verstümmelung JEDEN TAG in Deutschland und JE einer Verstümmelung JEDE WOCHE in Österreich und in der Schweiz.

Die Zwangsoperateure ihrerseits nennen ziemlich verschiedene Zahlen – je nach Bedarf:

• Wo die Medizyner für kosmetische GenitalOPs neue "PatientInnen" suchen, trifft's laut Lehrbuch jedes 1000. Neugeborene. Entsprechend werden Zahlen genannt von "80'000 bis 120'000 Intersexuellen" in Deutschland.

• Bei kritischen Fragen zu den Folgen der Genitalverstümmelungen sind's andrerseits plötzlich nur noch 1:5000–1:10'000 "schwere Fälle" bzw. "8.000 bis 10.000 Intersexuelle" in Deutschland; diese Zahlen gab auch die Bundesregierung zu Protokoll, unter Berufung auf die Zwangsoperateure & Co. des bundesfinanzierten "Netzwerk Intersexualität/DSD" (heute "EuroDSD").

Netzwerk DSD/Intersexualität und EuroDSD-Chef Prof. Dr. Olaf HiortAuch in einem ZDF-Interview vom 4.11.09 bei "Abenteuer Forschung" gab folgerichtig  >>> "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort zu Protokoll:

[...] Leichtere Fehlbildungen des Genitale sind relativ häufig, da mit dem Überleben des Menschen vereinbar. Hierzu gehört zum Beispiel die Hypospadie, eine Fehlöffnung der Harnröhre beim Jungen. Eine schwerwiegendere Abweichung der Geschlechtsentwicklung ist seltener und kommt wahrscheinlich auf etwa 1:5000 bis 1:10.000 Geburten vor. [...]"

Welche Zahlen genau unter "relativ häufig" für die "Leichtere[n] Fehlbildungen" zu verstehen sind, darüber schwiegt sich Prof. Dr. Hiort vornehm aus ...

Englischsprachige Urologen gehen allein für das von Hiort angegebene "Beispiel [...] Hypospadie" aus von Raten von "1:300", vgl. u.a. C. A. Sheldon und J. W. Duckett, Pediatric Clinics of North America, 34(5), S. 1559-72, oder Laurence S. Baskin und M. B. Ebbers, Journal of Pediatric Surgery 41(3), S. 463-67 (zitiert nach: Katrina Karkazis: "Fixing Sex", 2008, S. 143f).

Das aktuelle Medizynerhandbuch von 2008, "Kinderchirurgie. Basiswissen und Praxis", Hrsg. v. Martina Heinrich und Kathrin Schäfer, nennt für "Hypospadie" gar die lukrative Zahl von "zwischen 4,7 und 8 auf 1000 männliche Lebendgeburten" (S. 192) – d.h. von 1:212 bis 1:125 ...

Ausgeliefert!

Wie eine aktuelle Recherche in Baden-Württemberg einmal mehr bestätigt, werden noch 2010 auch bei den so genannten "Leichtere[n] Fehlbildungen" unverändert systematisch kosmetische GenitalOPs verordnet – an Kleinkindern, ohne medizinische Notwendigkeit, genau gleich wie bei den so genannten "schwerwiegendere[n] Abweichungen", und trotz erschreckender Komplikations- und "Nachbesserungs-OP"-Raten.

Bei den von den untersuchten Kinderkliniken öffentlich angepriesenen kosmetischen Genitaloperationen fand sich u.a. genau die von Olaf Hiort als stellvertretendes Beispiel erwähnte Diagnose "Hypospadie".

Dass "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort selbst öffentlich zu Protokoll gibt, dass diese "leichteren" Verstümmelungen "relativ häufig" vorkommen, und die "schweren Fälle" dann noch dazu zu addieren sind, bestätigt einmal mehr:

Die häufig genannte Zahl von 1:2000 Opfern von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern ist eher noch tief gegriffen und schliesst nicht alle Genitalverstümmelungen ein, realistischer ist wohl mehr als 1:1000.

(Zum Beispiel die Intersex Society of North America ISNA geht davon aus, dass auf 1000 Geburten 1-2 Kinder kosmetisch genitaloperiert werden.)

Auch die Raten von 1 Verstümmelung JEDEN TAG in Deutschland, plus JE 1 Verstümmelung JEDE WOCHE in Österreich und in der Schweiz sind damit wohl eher zu niedrig angesetzt.

Und Kinderverstümmler-Chef Olaf Hiort fühlt sich sicher genug, das verklausuliert einmal mehr öffentlich herauszuposaunen.

Will's offiziell ja nach wie vor niemand gemerkt haben.

Wie lange noch?!

>>>
Olaf Hiort: "Genitalverstümmelung der übliche Weg - wegen den Eltern"
>>> Olaf Hiort: "Erwachsene Betroffene haben kein Recht zu kritisieren"
>>> Olaf Hiort: "Genitalverstümmelungen durchaus im Interesse der Betroffenen"
>>> Olaf Hiort: "Keine Qualitätskontrollen bei Genitalverstümmelungen"

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- alle Posts zu Olaf Hiort
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- "Verunsicherung und Ängste": Kommentare zur Kritik am "Netzwerk Intersexualität" / "Euro-DSD"
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wie können die Täter gestoppt werden? 
- Anliegen an den Deutschen Ethikrat 23.6.10 
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Wednesday 30 June 2010

Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)

>>> "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" (I)
>>>
Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität"

Bald seit Jahrzehnten beschweren sich zwangsoperierte Zwitter darüber, dass sie in der Öffentlichkeit und insbesondere in der Politik von anderen Interessegruppen für deren eigene Anliegen als Mittel zum Zweck missbraucht und instrumentalisiert werden. Seit mehr als 13 Jahren kritisieren auch solidarische Nicht-Zwitter diese Vereinnahmungen u.a. als "Kolonialisierungskaskaden".

Diese Vereinnahmungen tragen dazu bei, dass die Hauptforderung der Zwitterbewegung, nämlich die schnellstmögliche Beendigung der chirurgischen Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern und sonstigen medizinisch nicht notwendigen Eingriffe ohne die Informierte Zustimmung der Betroffenen, in der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet und unsichtbar gemacht werden, ebenso wie überhaupt die Existenz und die Leiden der Zwangsoperierten selbst – während gleichzeitig dauernd über Zwitter geredet wird und in der Öffentlichkeit das Gefühl vorherrscht, es "werde ja etwas getan".

Das einzige, was aber real "getan wird", ist, dass die Beendigung der Genitalverstümmelungen unnötig hinausgezögert wird.

Die VereinnahmerInnen selbst kümmert das alles offensichtlich herzlich wenig. Unverfroren behaupten sie die ganze Zeit noch, SIE würden ja etwas für das Wohlergehen der leidenden Zwitter tun! (Vgl. z.B. die aktuelle CSD-Pressemitteilung.)

So auch die altbekannten Figuren im Bundestag. Im Zeitraum vom 26.11.09-3.2.10 hatten sie dafür gesorgt, dass in 12 offiziellen Bundestagsdokumenten der Begriff "intersexuell" für die Anliegen anderer Interessengruppen missbraucht wurde (meist die der VereinnahmerInnen selber).

Und immer noch vereinnahmen sie offensichtlich unbeirrbar weiter: Seit dem 4.2.10 bis heute 30.6.10 wurden Zwitter bereits in weiteren 17 offiziellen Bundestagsdokumenten missbraucht, wie eine Bundestags-Onlinesuche belegt

Sprich, in den letzten 7 Monaten wurden "Intersexuelle" in total 29 Bundestagsdokumenten für politische Forderungen Dritter verheizt.

Der politische Schaden, der damit angerichet wird, ist immens.

Konkret sorgten die VereinnahmerInnen in den letzten 7 Monaten dafür, dass im Durchschnitt  JEDE WOCHE ein neues Bundestagsdokument publiziert wurde, in dem Zwitter zwar erwähnt werden und politische Forderungen im Namen der Zwitter aufgestellt werden – KEIN EINZIGES MAL ging es dabei konkret um die Beendigung der Genitalverstümmelungen – sondern im Gegenteil wurden Zwitter dabei JEDESMAL für Anliegen anderer vereinnahmt und missbraucht! 

Im selben Zeitraum wurden in Deutschland über 200 Zwitterkinder irreparabel genitalverstümmelt!!

Und JEDEN TAG wird ein weiteres Kind genital zwangsoperiert!!!

Und die ganze Zeit lenken die VereinnahmerInnen die öffentliche Wahrnehmung und den politischen Diskurs – weg vom Kampf der Zwitter gegen die Genitalverstümmelungen, und hin auf ihr eigennütziges politisches Süppchen ...

Und tragen so aktiv dazu bei, dass die Genitalverstümmelungen an wehrlosen Zwitterkindern unnötig andauern. Die Zwangsoperateure und ihre Helfershelfer und Zulieferer freut's.

Die versammelten Zwitter-VereinnahmerInnen im Bundestag usw. machen sich so zu MittäterInnen und sollten auch als solche behandelt werden.

Würden schon ein paar wenige von ihnen zur Abwechslung mal an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Parolen – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" (I)
>>>
Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Siehe auch:
- Historischer überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- Warum Zwitterforderungen, worin es um "sexuelle Identität" geht statt um "Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung", keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung 
- Du sollst nicht die Leiden der Zwitter als Aufhänger und 'Material' für deine eigenen Forderungen und Kämpfe benutzen! 
- "Intersexualität" = "sexuelle Identität und Lebensweise"??! – Grüne VereinnahmerInnen immer noch nichts gelernt 
- Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" 
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002
- Geschlecht: Zwangsoperiert 
- Liminalis: Aus Transschändrien nix neues
- "Who killed David Reimer?"
- "Intersexualität" = sexuelle Orientierung?!
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- Zwitter als Kanonenfutter für die Transgenderagenda?
- Heinz-Jürgen Voß in "Liminalis" 3 (2009) – Zwitter-Vereinnahmung wie gehabt ... 
- QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ  
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität" 
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Mit der Hoffnung im Herzen 

Monday 21 June 2010

Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Tübingen 6.10.11: Protest gegen Live Genitalverstümmelungen
>>> Nachtrag: Diakoniekrankenhaus/Frauenarztpraxis Mannheim
>>> Nachtrag:
Kommentar von Nella im Hermaphroditforum

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!kwhal hat in einem >>> Thread im Hermaphroditforum allein in Baden-Württemberg mindestens 9 Kliniken recherchiert, in denen ethisch, moralisch und menschlich gestörte Medizyner serienmässig wehrlose Kinder genital verstümmeln und mit ihren massiven Menschenrechtsverletzungen noch öffentlich prahlen.

Die meisten vermarkten aggressiv eine Vielzahl von medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Zwangseingriffen an Kleinkindern unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie etwa "Hypospadie", "Epispadie", "AGS/CAH", "AIS", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Swyer", "Turner", etc.

Unter den angebotenen kosmetischen Verstümmelungspraktiken: "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen von Neovaginas", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Und das alles wie gesagt an wehrlosen Kleinkindern!

Nachfolgend eine kommentierte (Teil-)Zusammenfassung, ergänzt um einige (z.T. altbekannte) Namen der verantwortlichen TäterInnen. Der Hauptlink verweist jeweils auf die entsprechende Einzelrecherche inkl. weiterführenden Quellenlinks und zusätzlichen Zitaten:

>>> Universitätsklinikum Heidelberg: Möglicherweise der grösste lokale Anbieter von genitalen Zwangsoperationen, brüstet sich mit breit gefächertem Angebot (dieser Blog berichtete). Propagiert offensiv medizinisch nicht notwendige Eingriffe inkl. Zwangskastrationen: "Die Operation ist in den allermeisten Fällen des Intersex notwendig. (...) Bei Jungen mit einer Gebärmutter wird diese üblicherweise entfernt. Eine Vagina kann, wenn sie allzu groß ist, in der gleichen Sitzung ebenfalls entfernt werden. Obwohl andere gonadale rudimentäre Strukturen meistens keine Probleme verursachen, werden diese ebenfalls mit entfernt, da sie keine spezifischen Funktionen haben." Chefarzt: PD Dr. Stefan Holland-Cunz (weitere). Partner des Genitalverstümmler-Dachverbands "Netzwerk DSD/Intersexualität".

Nachtrag: Aus einem ansonsten eher durchmischt geschriebenen Artikel in der Südeutschen Zeitung vom 22.11.09: "Als die Eltern ihr Kind in die Uniklinik Heidelberg bringen, rückt der Professor gleich mit einer ganzen Schar von Assistenzärzten und Studenten an. In dem kleinen Untersuchungsraum drängen sich 15 Menschen in weißen Kitteln um das nackte, heulende Kind. [...] Die Ärzte raten den Eltern, dass sie dringend etwas unternehmen müssen. Als Lena 15 Monate alt ist, lassen sie die Klitoris verkürzen. Doch trotz Ballettunterricht, rosa Kleidchen und Barbiepuppen wird Lena kein normales Mädchen."

>>> Universitätsmedizin Mannheim: Ableger des Universitätsklinikums Heidelberg, ebenfalls mit breitem Spektrum. Führt kosmetische Genitaloperationen am liebsten an Kindern "um das erste Lebensjahr herum" durch. Chefarzt: Prof. Dr. Lucas Wessel (früher Lübeck, langjähriger Propagandist von Genitalverstümmelungen, dieser Blog berichteteweitere). Partner des Genitalverstümmler-Dachverbands "Netzwerk DSD/Intersexualität".

Nachtrag: >>> Diakoniekrankenhaus Mannheim / Frauenarztpraxis-Mannheim: Mindestens bis 2005 wurden unter der Rubrik "Sexualmedizin" >>> "Fehlbildungen der Geschlechtsorgane" auch in der Frauenklinik des "Diakoniekrankenhaus Mannheim" chirurgische Genitalverstümmelungen an Kindern angepriesen und durchgeführt: "Fetale Fehlbildungen der Frau mit Vermännlichung [...] sowie Verlagerung der Hoden können ein schweres Handicap darstellen, die eine operative und hormonelle Korrektur erfordern." Ebenso Zwangskastrationen an Jugendlichen und jungen Erwachsenen: "Frauen mit weiblichem Körperbild und in den Leisten liegenden Hoden, also genetische Männer, werden in der Regel bis zum 25. Lebensjahr operiert, wobei die Hoden entfernt, die Scheide, falls erforderlich verlängert wird und eine Östrogensubstitution angeschlossen wird." (Passenderweise in derselben Rubrik weiter im Angebot: "Korrekturen"zu großen oder ungleichförmigen Schamlippen".) Chefarzt: Prof. Dr. Wolf Eicher (Quelle) – verstümmelt mittlerweile selbstständig mit demselben Angebotskatalog in der "Frauenarztpraxis-Mannheim". (Gefunden via Living Intersex?!, dort zitierte frühere Version der Diakonie-Homepage --> Rubrik "Intersexualität".)

>>> Universitätsklinik Tübingen: Wiederum breites Spektrum, wohl die ambitionierteste Verstümmler- und Kastrationsklinik. "Die Kinderurologie stellt in der Abteilung Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Tübingen einen der zentralen Schwerpunkte dar. [...] Die meisten Kinder, die wir in unseren kinderurologischen Sprechstunden betreuen, sind Klein- und Schulkinder."  Chefarzt: PD Dr. Philipp Szavay. Die Universitätsklinik Tübingen organsiert zudem alle 2 Jahre ein >>> "Symposium Rekonstruktive Urologie"  (PDF) mit "Live-Operationen" durch ranghohe Tübinger Medizyner und weitere Serienverstümmler aus dem nahen In- und Ausland. Live-Operateure 2009: Prof. Dr. K.-D. Sievert (Stv. Direktor Urologie), Dr. J. Seibold (Oberarzt Urologie), Prof. Dr. Christian Radmayr (Innsbruck) (weitere, PDF).

>>> Universitätsfrauenklinik Tübingen: Operieren zwar laut Eigenwerbung bevorzugt erst ab 16 Jahren, Spezialität Neovaginas, sind aber offensichtlich unverbesserliche ZwangskastratorInnen und PropagandistInnen der "Krebslüge": "Der Leistenhoden wird in vielen Fällen entfernt, das er ein 30%iges malignes Entartungsrisiko besitzt, d.h. in 30% der Fälle zu einem Tumor entartet. [...] Wenn ein Karyotyp mit einem Y-Chromosom bekannt ist, ist in jedem Fall die prophylaktische Entfernung der Gonaden vorzunehmen."  Oberärztin: Dr. Sarah Bruckner.

Weitere Kliniken in B-W mit Genitalverstümmelungen im Angebot befinden sich in:

>>> Stuttgart, Karlsruhe, Pforzheim           >>> Freiburg, Ulm 

Kommentar:

Ich darf gar nicht daran denken, wieviele wehrlose Kinder diesen üblen Serienverstümmlern schon zum Opfer fielen – und weiterhin fallen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr ...

Fettes Dankeschön an kwahl für diese kundige Recherche, die bestimmt nicht immer leicht fiel! Es braucht Nerven, sich mit der Präsenz und dem "Wirken" dieser Medizyner auseinanderzusetzen, die sich aufführen, als hätten sie weder ein Gewissen, noch je etwas von Ethik oder Menschenrechten gehört. Trotzdem bzw. gerade deshalb wären vertiefende Nachforschungen sowie lokale Recherchen auch in anderen Regionen wichtig und sehr zu begrüssen, die Machenschaften der Verstümmler gehören an die Öffentlichkeit!

Die Zeit wird kommen, wo diese Serienverstümmler dorthin "befördert" werden, wo sie hingehören, nämlich hinter Schloss und Riegel.

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Nachtrag: Kommentar von Nella im Hermaphroditforum

Siehe auch:
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- "Krebsgefahr!" - Teamwork zwischen Endokrinologen und Chirurgen im Kinderspital Zürich 
- Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen angeblich nur "ganz selten" 
- Zürcher Kinderspital propagiert Zwangskastrationen an Kindern 
- Inselspital Bern: Angeblich "keine Zwangsoperationen"
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- "Netzwerk DSD"/"Euro DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 
- "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD": Zwangsoperationen klar unzulässig (Dr.med. Jörg Woweries)
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen öffentlich geoutet
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert 

Saturday 19 June 2010

USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen öffentlich geoutet

>>> Nachtrag: Facebook-Gruppe "End Female Genital Mutilation at Cornell University"

Realexistierender Genitalabschneider beim Anblick eines potentiellen Opfers ...

Dr. Dix P. Poppas vom Weill Cornell Universitätsspital in New York City ist einer der profiliertesten Seriengenitalverstümmler der USA. Die der deutschen "AGS Eltern- und Patienteninitiative e.V." vergleichbare, berüchtigte "CARES-Foundation", bei der er zusätzlich im Verwaltungsrat sitzt, ehrte ihn am 28.3.2009 offiziell "für seine Beiträge und seinen Einsatz für CARES und die CAH-Community".

Prof. Poppas' Spezialität: Die chirurgische "Klitorisreduktion" nach dem Motto "Was zu gross ist, bestimme ich!" als umfassendes, wenn auch unbeaufsichtigtes Humanexperiment.

Dr. Poppas schnippelt nicht nur zurecht, sondern "testet" seine angeblich besonders "nervenschonende" Verstümmelungsmethode anschliessend an seinen Patient_innen im Kleinkindesalter, indem er ihnen nach der "Operation" ab dem Alter von 5 Jahren 1x jährlich u.a. mittels Fingernägeln, Wattestäbchen und Vibratoren die Durchblutung und die Empfindlichkeit der "wiederhergestellten Klitoris" "prüft", worüber er seit Jahren belastendes Material publiziert (PDF) – und niemand von seinen sauberen MedizynerkollegInnen weltweit will irgendetwas bemerkt haben!

Kosmetische Genitaloperationen ausser Kontrolle

Den Eltern der verstümmelten Pastient_innen verkauft Prof. Dr. Dix P. Poppas seine menschenrechtswidrigen chirurgischen Menschenexperimente als erprobte Behandlung (wie deutsche, schweizer und österreichische Genitalabschneider auch). Für seine Publikationen hat der saubere Genitalverstümmelungsforscher Dr. Poppas zwar eine Bewilligung des Institutional Review Board (IRB) der US-amerikanischen Bewilligungsstelle für Humanexperimende, dem Office for Human Research Protections (OHRP) – jedoch nur als "retrospektive Aktenstudie". Die diese "Behandlungsakten" erst produzierenden, eigenen Menschenversuche meldete er jedoch wohlweislich nicht. Auch dies wollte kein einziger Medizynerkollege weltweit gemerkt haben, geschweige den das OHRP, oder ein Ethikkomitee.

Fazit: Business as usual – wie auch in zahllosen europäischen Kliniken, wo das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung von Zwitterkindern TÄGLICH von gewissenlosen Medizynern buchstäblich beschnitten, zerfetzt und anschliessend die Überreste in den Müll getreten werden. Das heisst, zumindest bis letzten Mittwoch, den 16.6.2010.

BioethikerInnen proben den Aufstand

An diesem Tag publizierten nämlich die Ethikerinnen Alice Dreger und Ellen K. Feder (beide auch aktiv in der wegweisenden Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangstherapien) im >>> Bioethics Forum (englisch) des Hastings Center einige kritische Fragen und Kommentare zum unbehelligten "Wirken" des offensichtlich ethisch, moralisch und menschlich schwer gestörten Seriengenitalverstümmlers, gefolgt von einem Follow-Up-Post Dregers auf >>> Psychology Today.

Seit da ist die Katze aus dem Sack, und täglich erscheinen weitere Artikel in verschiedensten englischsprachigen Onlinemedien. Eines ist allen gemeinsam: Sie verzichten (im Gegensatz zum Beispiel des Deutschen Ethikrates oder QueerGrün Berlin) auf jegliche TäterInnensprache, sondern nennen den Tatbestand beim Namen: Genitalverstümmelung! Einige empfehlenswerte Beispiele (mehr):

"Wie gross darf eine Klitoris sein?" (ScienceBlogs.com)
"Weibliche Genitalverstümmelung an der Cornell University" (theStranger.com)
"Doktor verstümmelt kleinen Mädchen die Genitalien: Grosse Zeitschrift veröffentlicht es als Forschung!" (gaia-health.com)
"Cornell Univerity genehmigt Genitalverstümmelung von Kindern" (feministing.com)
"Vor allem schade nicht" (thefword.org.uk)
"Cornell Chirurg benutzt Vibrator um 6-Jährige zu stimulieren" (jezebel.com)
"Genitaverstümmelung am Cornell Medical Center" (carnivaloftherandom.tumblr.com)

Kommentar:

Wir sagen hipp, hipp und allen Beteiligten von ganzem Herzen Danke!

Der 16.6.2010 wird in die Geschichte eingehen als grosser Tag im mittlerweile 17 Jahre dauernden Kampf verstümmelter Zwitter gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern und sonstige, medizinisch nicht notwendige, menschenrechtswidrige Humanexperimente an Zwittern.

Bleibt zu hoffen, dass der saubere Dr. Poppas gelegentlich dort landet, wo er und seinesgleichen korrekterweise hingehören, nämlich hinter Schloss und Riegel.

Genitalabschneider, wir kriegen euch! Zwangsoperateure, passt bloss auf!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Nachtrag: Facebook-Gruppe "End Female Genital Mutilation at Cornell University"

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Zwangskastrationen an "Intersexuellen": "Keine Mutanten züchten"
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Deutscher Ethikrat: Kein Handlungsbedarf bei Genitalverstümmelungen an "Intersexuellen" 
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen

Thursday 17 June 2010

"Intersex-Operationen" im Universitätsspital Assiut, Mittelägypten

To End Forced Genital Surgeries Now!Regelmässig werden in Afrika und Asien Berichte publiziert, in denen Medizyner absolut unreflektiert uneingewilligte Genitaloperationen an wehrlosen Zwitterkindern abfeiern, wie es sich "westliche" Medizyner selten mehr getrauen, wohl weil es (noch) kaum öffentlichen Widerspruch von den Opfern ihrer "medizynischen Heldentaten" gibt.

Auf der Homepage der ägyptischen Tageszeitung Al-Masry Al-Youm ist ein >>> aktueller Bericht (englisch) online mit anzüglichem Titel (etwa: "Unter dem Rock: Intersex-Operationen in Assiut").

Darin prahlen drei Zwangsoperateure stolz mit ihren medizynischen Verbrechen; allein seit 2000 hätten sie "über 25 lokale Intersex-Operationen durchgeführt" (vorher wurden die Kinder jeweils nach Kairo zur Verstümmelung überwiesen).

Die drei interviewten Medizyner, Dr. Mustafa el-Sonbaty (Bild), Chef für kosmetische Chirurgie am Assiut Universitätsspital mit "15-jähriger Erfahrung" im Kinderverstümmeln und "15 Intersex-Operationen" auf den Kerbholz allein seit 2000, Dr. Abdel Moneim el-Haggagy, Urologe und "Pionier von Intersex-Operationen" ebendort, und Dr. Tarek el-Gammal, "Chef rekonstruktive Mikrochirurgie" gleichenorts, stellen sich zudem noch als besonders "fortschrittlich" dar. Ihre Aussagen im Artikel wimmeln von herablassenden Bemerkungen über die "extrem konservative Landbevölkerung", die wegen "Unwissenheit" und "Inzucht" eine "überproportional hohe Rate von Intersex-Kindern" aufweise. Ebenfalls zur Rate beitragende Allgemeinpraktiker und Apotheker, die ihre Patientinnen ungenügend aufklären bzw. Schwangeren unbesehen röntgen oder "potentiell schädliche Medikamente"  wie "gewisse Antibiotika" verordnen, werden hingegen nicht weiter wertend dargestellt.

Das Steckenpferd der "fortschrittlichen" Medizyner sind offensichtlich "komplexe, 12 Stunden dauernde" vermännlichende Genital-Ops, wobei "Gewebe vom Arm" verwendet werde, um den "fehlenden Teil des männlichen Glieds wiederherzustellen und mit den Nerven zu verbinden. Nach der OP bleiben sie vier bis fünf Tage auf der Intensivstation, während dieser Zeit durchläuft der Patient einen 'Maskulinisierungsprozess', der einen Haarschnitt sowie einen Kleiderwechsel beinhaltet."

Laut Dr. Tarek el-Gammal (Bild) sind sie "überglücklich nach der Operation. Sie sind erleichtert, dass ihre Probleme vorbei sind."

Auch die Familien seien jeweils "durchaus zufrieden, dass ihre 'Tochter' über Nacht in einen Sohn umgewandelt wurde". Dr. Mustafa el-Sonbaty: "Ich hatte einen Vater, der war so glücklich, dass er mir die Wangen küsste, bis sie beinah abfielen."

Problematischer für die "fortschrittlicheren" Medizyner ist die Kooperation mit Familien von "weiblichen Pseudohermaphroditen", geschweige denn mit diesen selber: Wegen "Scham" und "sozialem Stigma" würden nur wenige bei ihnen vorstellig, und alle Betroffenen, mit denen es Dr. Abdel Moneim el-Haggay bisher zu tun hatte, hätten Operationen durchwegs abgelehnt, obwohl es sich dabei "nur um einen simplen chirurgischen Eingriff gehandelt hätte, um die Klitoris auf eine normale Grösse zu reduzieren".

Vielfach würden Zwitter auch von den Familien als Frauen deklariert und der rituellen Genitalverstümmelung unterzogen, bevor die Medizyner sie zu Gesicht bekämen, wobei ihnen "der entstellte Penis kurzerhand abgeschnitten wird". Dass auch sie wehrlose Kinder ungefagt verstümmeln, fällt den sauberen Medizynern nicht auf.

Während die Medizyner bei Zwitterkindern uneingewilligte Genitaloperationen für unabdingbar halten, weigern sie sich, in Ägypten an sich legale OPs bei Transsexuellen durchzuführen, die solche wünschen.

Dr. Mustafa el-Sonbaty: "Wie könnte ich bei einem solchen sündhaften Verbrechen mitschuldig machen? Den Körper eines Mannes zu verändern, um ihn seinem psychologischen Problem anzupassen ist eine Sünde, da wir verändern würden, was Gott geschaffen hat."

Dass auch Zwitter so auf die Welt kommen, wie Gott sie geschaffen hat, und dass er bei seinen "rein medizinischen Eingriffen" an wehrlosen Zwitterkindern erst noch das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen sträflich mit Füssen tritt, ist für den "fortschrittlichen" Medizyner kein Thema – wie bei seinen "westlichen" VerstümmlerkollegInnen bekanntlich auch ...

Es ist noch ein weiter Weg ...

Nachtrag: Hintergründe dazu, wie Dr. el-Sonbatys zu seiner letzten Aussage kommt, findet sich in diesem Kommentar von Anne. Danke!

Siehe auch:
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Tuesday 15 June 2010

Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Nachtrag: Diskussion auf dem Hermaphroditforum
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>>
"Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
>>> Audioprotokolle --> zu unterst     >>> Beitrag von Konstanze Plett (mp3, 19,3MB)
>>>
Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik  

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Am 23.6.10 organisiert der Deutsche Ethikrat ein "Forum Bioethik" unter dem Titel "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern".

Seit 14 Jahren kämpfen deutschsprachige organiserte Zwitter gegen kosmetische Genitaloperationen an Zwitterkindern und für die Durchsetzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter. Diese Forderungen stehen nicht zufällig an der Spitze aller Forderungslisten (nicht nur) deutschsprachiger Zwitterorganisationen.

Seit bald 2 Jahren wird der Ethikrat u.a. von Daniela Truffer von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org kontinuierlich über die massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern informiert und zum Handeln aufgefordert (Beispiel 1 / Beispiel 2 / Beispiel 3) – bisher erfolglos. 

Deshalb ist die Tatsache, dass der Ethikrat nun zumindest eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema ankündigt, erst einmal positiv zu bewerten und schürt neue Hoffnungen. Hat es der Ethikrat nun endlich begriffen und will auch entsprechend handeln?

Leider lässt die Ankündigung zur Veranstaltung wenig Gutes erwarten:

Statt endlich den 14 Jahre langen Kampf organiserter deutschsprachiger Zwitter gegen die klar unethischen sowie menschenrechtswidrigen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Zwitterkindern ins Zentrum zu stellen, hält es der Ethikrat offensichtlich einmal mehr mit den Zwangsoperateuren und VereinnahmerInnen.

Statt endlich energisch die massiven Verstösse gegen das elementare Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung durch die genitalen Zwangsoperationen und sonstigen, medizinisch nicht notwendigen Zwangseingriffe unmissverständlich zu benennen und die Forderung nach einem konkreten gesetzlichen Verbot dieser Verstümmelungen zumindest zu erwähnen, geht es dem Ethikrat konkret politisch einmal mehr lediglich um "das Personenstandsrecht, das Namensrecht sowie das Ehe- und Lebenspartnerschaftsrecht", um "sexuelle Identität", "Diskriminierung" und "festgelegte Geschlechtsnormen".

Das eigentliche Hauptthema, nämlich die massiven Verstösse gegen körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung, taucht in der Ankündigung lediglich als Untereventualität in Form einer absurden Frage auf: "Wie verhalten sich korrigierende oder angleichende Eingriffe im Kindesalter mit entsprechenden lebenslangen Folgen für die Betroffenen zum Recht auf physische und psychische Unversehrtheit und Selbstbestimmung?"

Dies ist TäterInnensprache"korrigierende oder angleichende Eingriffe" werden von zwangsoperierten Zwittern seit jeher als genitale Zwangsoperationen, Genitalverstümmelungen, Zwangskastrationen und medizinische Folter beschrieben, und die beschönigende und verharmlosende Medizynerterminologie wird seit langem kritisiert. Eine neutrale, aber trotzdem nicht bescönigende Bezeichnung ist "kosmetische Genitaloperationen an Kindern".

Und wer – wie offensichtlich (nicht nur) der bundesfinanzierte Deutsche Ethikrat – zuerst noch lange diskutieren will, ob die fraglos unethischen, menschenrechtswidrigen, medizinisch nicht notwendigen, nicht-eingewilligten, sogar von den Medizynern selbst als kosmetisch und experimentell deklarierten Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern eventuell möglicherweise gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstossen oder vielleicht etwa doch nicht, zeigt unmissverständlich, auf welcher Seite er letztlich steht: nämlich NICHT auf der Seite der um ihr Recht kämpfenden zwangsoperierten Zwitter, sondern auf der Seite der Zwangsoperateure und ihrer Helfershelfer. 

Auch die risikoreichen pränatalen Dexamethason-Zwangsbehandlungen auf blossen "Verdacht" hin, deren gravierenden Folgen auch zahllose Nicht-Zwitter-Kinder zum Opfer fallen, sind der Ankündigung des Ethikrates keine Erwähnung wert – obwohl diese von den Medizynern (wie auch die Genitalverstümmelungen und sonstigen Hormonzwangstherapien) seit Jahrzehnten permanent experimentell und ohne jegliche Evidenz durchgeführt werden und deshalb unlängst von namhaften BioethikerInnen unmissverständlich kritisiert wurden (allerdings bisher lediglich in den USA – in Deutschland herrscht hierzu unter BioethikerInnen nach wie vor das Schweigen der MittäterInnen).

Ebenfalls typisch: Auch der aktuelle Gesetzesentwurf gegen weibliche Genitalverstümmelung wird in der Ankündigung des Ethikrates gar nicht erst angesprochen, ebenso wenig wie die Parallelen zwischen weiblicher Genitalverstümmelung und der Genitalverstümmelung an Zwittern, geschweige denn, dass die rassistisch motivierte Unterschlagung der Genitalverstümmelungen an Zwittern kritisiert würde – stattdessen stehen in der Ankündigung die zwittervereinnahmenden Gesetzesanträge zu "Sexuelle Identität" prominent im Zentrum ...

Würden von den ehrenwerten Mitgliedern des Ethikrats mal nur schon ein paar an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Prioritäten – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Nachtrag: Diskussion auf dem Hermaphroditforum

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org vom 22.6.2010

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10

>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10

>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10

--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- Aufforderung um Unterstützung an Deutschen Ethikrat
- Deutscher Ethikrat reiht sich ein unter die MittäterInnen 
- Erneute Anfrage um Unterstützung an Deutschen Ethikrat 
- Weitere Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Milton Diamond fordert gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD": Zwangsoperationen klar unzulässig (Dr.med. Jörg Woweries)
- "Netzwerk DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
-
IMeV: Katzbuckeln gegenüber den Medizynern und den verantwortlichen PolitikerInnen
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)

Wednesday 21 April 2010

Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" (Prof. Dr. Susanne Baer, Prof. Dr. Nina Dethloff)

>>> Nachträge 1-9

Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungHeute 21.4.10 findet um 12h im Bundestag eine >>> öffentliche Anhörung statt zu den erneuten Anträgen um Aufnahme von "sexuelle Identität" ins Grundgesetz. Insgesamt 9 JuristInnen werden dazu Stellungnahmen abgeben. Nachtrag 1: Alle haben inzwischen ihre Position schriftlich auf der Bundestagshomepage zugänglich gemacht.

Ob BefürworterInnen oder GegnerInnen, eines ist (Nachtrag 2: mit einer einzigen Ausnahme) allen gemeinsam:

Alle verwenden sie (u.a. entsprechend den Anträgen) den Begriff "Intersexuell", und alle verwenden sie ihn (wie auch die Anträge) vereinnahmend bzw. missbräuchlich.

Am schlimmsten treiben's dabei 2 "fortschrittliche" Befürworterinnen aus dem "Gender"- bzw. "Familien"-Umfeld:

Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M., Direktorin GenderKompetenzZentrum, Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt Universität zu Berlin, sowie Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Nina Dethloff, LL.M., Direktorin Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Nachtrag 3: Eine besondere Erwähnung verdient weiter >>> Prof. Dr. Bernd Grzeszick (PDF), LL.M., Direktor Institut für Staatsrecht, Verfassungslehre und Rechtsphilopsphie der Ruprecht-Karls-Univerität Mannheim, der es tatsächlich schafft, unter dem Zwischentitel "b) weitere Formen des Zusammenlebens"  "Intersexuelle" (als obligates Anhängsel von "Transgender") mit Polygamie in Zusammenhang zu bringen, und so deutlich illustriert, welch immensen politischen Schaden die Jahrzente langen LGBT-Vereinnahmungen anrichten.

Ausser Baer und Dethloff beschränken sich die übrigen JuristInnen zumeist darauf, den Begriff "Intersexuell" 1–2x als Zitat aus den vereinnahmenden Antragstexten zu übernehmen (Nachtrag 4 – Ausnahmen: Prof Dr. Winfried Kluth bringts auf 4 obligate Anhängsel unter "Personengruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgenden [sic!], transsexuellen und intersexuellen Menschen", während Prof. Dr. Ute Sacksofsky als einzige ganz ohne "Intersexuelle" auskommt – es ginge also doch!).

Prof. Dr. Susanne Baer und Prof. Dr. Nina Dethloff wollen sich offensichtlich zusätzlich als grossartige Expertinnen profilieren.

Beide beweisen dabei letztlich vor allem eines: Dass sie von der Sache, nämlich von den konkreten und realen Problemen und Leiden der realen Zwitter, nichts kapiert haben (wollen), sondern einzig und allein auf Vereinnahmung aus sind.

Dabei gehen Prof. Dr. Susanne Baer und Prof. Dr. Nina Dethloff beide mit einer Arroganz vor, die schon von weiten zeigt, dass beide sich ihres Privilegs als Nicht-Zwitter auch nicht ansatzweise bewusst sind (bzw. nicht sein wollen) – nämlich, im Gegensatz zu den allermeisten Zwittern, sich in ihrem ganzen Leben noch nie um die Unversehrtheit ihrer Geschlechtsteile gefürchtet haben zu müssen:

Beide klammern sie die eigentliche Problematik der genitalen Zwangsoperationen und sonstigen uneingewilligten, kosmetischen Zwangsbehandlungen letztlich konsequent aus.

Ebenso verschweigen beide Rechtsprofessorinnen die grundlegende juristische Problematik mangelnder rechtlicher Mittel der Zwangsoperierten wegen der aktuell geltenden Verjährungsfristen.

Der Ausgang dieses Vereinnahmungs-Wettkampfs:

Mit 11 : 5  gewinnt Prof. Dr. Nina Dethloff gegen Prof. Dr. Susanne Baer nicht nur nach der Anzahl der missbräuchlichen Verwendungen des Begriffs "Intersexuell", sondern auch qualitativ in Sachen mutwilliger Ausblendung, Verdrehung und Vereinnahmung der konkreten Anliegen und Forderungen der Zwitter. Prof. Dr. Susanne Baer gewinnt dafür den Spezialpreis für besonders kreative Beschönigungen von medizynischen Verbrechen.

Die Herz- und Mitleidlosigkeit, mit der beide Professorinnen dabei zur Sache gehen, steht der mancher Zwangsoperateure wohl kaum nach.

Die Verdrehungen der beiden "Wissenschaftlerinnen" im einzelnen, jedoch ohne die Fussnoten (WARNUNG):

>>> Prof. Dr. Susanne Baer (PDF), LL.M., Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin [Direktorin GenderKompetenzZentrum]:

Intersexuelle – kurz gefasst: Menschen, die geschlechtsuneindeutig geboren werden - haben erst vor wenigen Jahren den Mut finden können, ihre Erfahrungen öffentlich zu thematisieren. Sie sind u.a. im Rahmen ihrer medizinischen Versorgung und auch sozial gravierenden Demütigungen, Ausgrenzungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Die Möglichkeit, die eigene Identität zu leben und nicht an eine traditionelle Vorstellung von einem Geschlecht angepasst zu werden, besteht bislang nicht.

[...] Das ganz überwiegende Schweigen der Kommentar- und sonstigen Fachliteratur zu diesem Thema und zur Intersexualität trägt zur Benachteiligung der Betroffenen bei: Sie scheuen den Weg zum Gericht, denn die Grundrechte meinen sie bislang ausdrücklich nicht mit. 

[...] [„sexuelle Identität“] benennt nicht nur Hetero-, Homo- und Bisexualität („sexuelle Orientierungen“), sondern auch transgender- und transsexuelle sowie intersexuelle Lebensweisen.

Kommentar: Dass der medizynische Bereich überhaupt irgendwie angesprochen wird, wäre ja prinzipiell schon mal positiv. Die Formulierung "im Rahmen ihrer medizinischen Versorgung [...] gravierenden Demütigungen, Ausgrenzungen und Benachteiligungen ausgesetzt [zu sein]" als anscheinend euphemistische Umschreibung von Genitalverstümmelungen, Kastrationen, Zwangshormon"therapien" usw. erfreut jedoch wohl ausschliesslich Medizynerverbrecher und Konsorten. "[I]ntersexuelle Lebensweisen" ist zudem schon als Begriff einfach nur zum Lachen, vergleichbar etwa mit dem Insiderwitz "Nennen sie mir 3 intersexuelle Sexpraktiken", aber von Prof. Dr. Susanne Baer offensichtlich bitter ernst gemeint (oder etwa auch nur wieder eine euphemistische Umschreibung für "von klein an medizinischer Folter ausgesetzt sein"?). Damit zeigt sich in Verbindung mit dem oben erwähnten Statement von Prof. Dr. Bernd Grzeszick einmal mehr und schon wieder der immense realpolitsche Schaden durch vereinnahmenden Etikettenschwindel a.k.a. "bei LGBT mitgemeint". 

>>>
Prof. Dr. Nina Dethloff (PDF), LL.M ., Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Intersexuelle, d.h. Personen, deren Geschlechtsmerkmale weder eindeutig weiblich noch männlich sind, kritisieren vor allem die Möglichkeiten, die für eine Eintragung des Geschlechts in die Geburtsurkunde bestehen13. De lege lata kann als Geschlechtsbezeichnung in die Geburtsurkunde lediglich „männlich“ oder „weiblich“ eingetragen werden14. Dies soll jedenfalls gelten, soweit die Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht möglich ist, d.h. wenn die Geschlechtsorgane nicht gleichwertig männlich und weiblich sind15. Das LG München I hat die Ansicht vertreten, aus den Grundrechten lasse sich kein Anspruch auf Anerkennung eines weiteren Geschlechts neben männlich und weiblich herleiten: In Art. 3 II 1 GG gehe die deutsche Verfassung von einem bipolaren Geschlechtsbegriff aus, der auch dem Diskriminierungsverbot des Art. 3 III 1 GG zugrunde liege16. Die Betroffenen sind hingegen der Auffassung, der für Intersexuelle oder Transgender bestehende Zwang zur Geschlechtszuordnung und –kategorisierung stelle eine Diskriminierung dar und streben einen bei der Geburt provisorischen Geschlechtseintrag17 bzw. die Option, als Geschlecht „Zwitter“ eintragen lassen zu können, an18.

[...] Das Kriterium der „sexuellen Identität“, wie es auch schon im AGG verwendet wird, ist zudem hinreichend weit gefasst, um einen umfassenden Schutz vor Diskriminierungen zu gewährleisten. Es ist dem Kriterium der „sexuellen Orientierung bzw. Ausrichtung“ vorzuziehen, da diese insbesondere Diskriminierungen von Intersexuellen nicht erfassen.

[...] Bestehende Unsicherheiten über die Höhe des verfassungsrechtlichen Schutzniveaus unter Anwendung des allgemeinen Gleichheitssatzes würden beseitigt und die maßgeblich durch die Rechtsprechung des BVerfG bewirkte Verbesserung der Rechtsstellung von Homosexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen ausdrücklich verfassungsrechtlich abgesichert.

Kommentar: Dass hier die Medizyner und ihre Verbrechen an wehrlosen Zwitterkindern von Anfang bis zum Schluss konsequent unter den Tisch fallen, während stattdessen der Nebenschauplatz Geburtsurkunde ausgewalzt wird, kann in diesem Fall nachweislich nicht mehr mit Unwissenheit entschuldigt werden, da sich Prof. Dr. Dethloff explizit auf die Forderungsliste von Intersexuelle Menschen e.V. beruft (Fussnote 17). Dort steht aber unter Punkt 1 unmissverständlich die Beendigung der kosmetischen Zwangsbehandlungen, während der Personenstand erst unter dem 5. und letzten Punkt auftaucht. Dass Prof. Dr. Nina Dethloff stattdessen ausschliesslich darauf herumreitet (und dabei vereinnahmenderweise gleich "Trangsender" noch mit reinverwurstet) und sich auch sonst auf – wie sie selber sagt schon im AGG verbotene – "Diskriminierungen" sowie gar auf rein fiktive "Rechtsprechung des BVerfG" versteigt, verweist deutlich auf die altbekannte Masche der Zwitter-VereinnahmerInnen: Hauptsache bei LGBT "mitgemeint" und dadurch einmal mehr unsichtbar gemacht – während die Zwangsoperateure ungehindert weiterverstümmeln.

Nachtrag 5: Inzwischen liegt auch eine Medienmmitteilung des Bundestags zur Anhörung vor, die in gleich 2-facher Ausfertigung zum (wenig überraschenden) Schluss kommt: >>> Deutscher Bundestag: Skepsis bei Sachverständigen bzw. >>> Deutscher Bundestag: Mehrheit der Experten gegen Grundgesetzänderung zum Schutz der sexuellen Identität. "Intersexuelle" sind darin wie üblich bloss als obligates Anhängsel "mitgemeint". Weiter gibt es eine Medienmitteilung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD): >>> Gute Argumente für Ergänzug der Verfassung – Gegner wollen weiter diskriminieren. Auch hier sind "Intersexuelle" bloss das "mitgemeinte" obligate Schlusslicht. In einer Medienmitteilung des LSVD im Vorfeld der Anhörung >>> Lesben und Schwule in die Verfassung! ist nur die Rede vom "gleichberechtigten Schutz von Lesben, Schwulen und Transgender", "Intersexuelle" sind nur stillschweigend mitgemeint. In der >>> Pressemitteilung der Grünen sind "Intersexuelle" in einem Zitat von Volker Beck wieder als obligates, kommentarloses Schlusslicht "mitgemeint", einmal mehr geht es ausschliesslich um die "Diskriminierungen", denen sie ausgesetzt seien, kein Wort zu menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen usw. Kommentar überflüssig.

Nachtrag 6: Der LSVD hat ebenfalls eine >>> offizielle Stellungnahme zur Anhörung veröffentlicht (PDF ) >>> Anhang 1 (PDF) >>> Anhang 2 (PDF), verfasst von Martin Bruns, Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof a.D. Bezeichnenderweise geht es in der LSVD-Stellungnahme AUSCHLIESSLICH um die Rechte der "Schwulen" (14x), "Homosexuellen" (11x), "Lesben" (11x) sowie "Transgender" (1x); "Intersexuelle" kommen darin gar nicht erst vor. Kommentar überflüssig.

Nachtrag 7: Die bisher einzige Pressemeldung über die Anhörung, worin auch "Intersexuelle" erwähnt sind (als obligates Anhängsel – wie könnte es auch anders sein?), stammt aus "Die Welt" und trägt den verheissungsvollen Titel: >>> "Sexuelle Identität" darf kein Feigenblatt für Pädophile sein. Vielen Dank auch, liebe VereinnahmerInnen.

Nachtrag 8: >>> Interessanter Post zur Anhörung von Oliver Tolmein auf faz.net 

Nachtrag 9: >>> Diskussion zum Post auf dem Hermaphroditforum

Fazit: Und während sie alle so schön reden und reden, nach Kräften vereinnahmen und ihre Sitzungsgelder einstreichen, werden weiterhin TÄGLICH WEHRLOSE ZWITTERKINDER GENITALVERSTÜMMELT.

Wetten – wenn von diesen JuristInnen und den übrigen VereinnahmerInnen und MittäterInnen bei Grüne, SPD, Linke usw. nur schon ein paar selber mal etwas genital zwangsoperiert würden, würden sie ziemlich plötzlich ganz anders argumentieren?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Siehe auch:
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!"
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert 
- Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Bundesrat: Kein Schutz "sexueller Identität" im Grundgesetz – VereinnahmerInnen machen unbeirrt weiter wie gehabt 
- SPD: Zwitter vereinnahmender Gesetzesentwurf eingereicht 
- Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen: Yogyakarta untaugliches Instrument
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Mit der Hoffnung im Herzen

Tuesday 20 April 2010

Hamburg 21.4.10: Zwitter als Kanonenfutter für die Queer Theory ...

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung"Auch wenn [sie] die besten Absichten hegen, untergraben fehlendes Bewusstsein für und die fehlende Beachtung der Realitäten von Intersexuellen die adäquate Darstellung des Themas. Dabei werden unbeabsichtigt die Nicht-Sichtbarkeit und die Objektivierung der Intersexuellen perpetuiert." (Emi Koyama / Lisa Weasel)

An der Universität Hamburg findet am kommenden Mittwoch um 19h mal wieder ein Zwitter vereinnahmender Vortrag statt (zumindest lässt die >>> offizielle Ankündigung deutlich darauf schliessen). Referentin ist Fabienne Imlinger, Promovendin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Beides sind Institutionen, an denen regelmässig wehrlose Zwitterkinder genitalverstümmelt werden.

Meine 2 Cent:

Wer die Leiden der Zwitter aufs Tapet bringt, nur um sie als Kanonenfutter zur "Dekonstruktion von Geschlecht" zu benutzen oder zur Kritik an "hegemonialen Strategien", und nicht gleichzeitig zumindest konkrete und gewichtige Beiträge leistet zum Kampf der Zwangsoperierten um Beendigung der auch vor euren eigenen Haustüren nach wie vor täglich begangenen kosmetischen Genitalverstümmelungen an Zwittern (allein in Deutschland wird JEDEN TAG mindestens ein wehrloses Zwitterkind genital zwangsoperiert – auch am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, auch an der Kinderchirurgischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München!) bzw. nicht konkret seinen Teil dazu beiträgt, die Zwangsoperateure endlich zur Rechenschaft zu ziehen, ist einE HeuchlerIn und macht sich zum/zur MittäterIn.

Zwitter und progressive LGB(T)s kritisieren diese Vereinnahmung schon lange.

Informiert euch und macht es künftig besser!

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Saturday 17 April 2010

"EthikerInnen als MittäterInnen": Alice Dreger über pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen und andere Menschenversuche

>>> Ethikrat: "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!

Menschenrechte auch für Zwitter!Die Bioethikerin Alice Dreger, zusammen mit Hilde Lindemann und Ellen Feder treibende Kraft hinter der US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen, spannt in einem >>> lesenswerten persönlichen Blogpost (englisch) einen weiten Bogen: Ausgehend von den Suffragetten (FrauenrechtlerInnen, die in Amerika und England in einem über 40-jährigen Kampf das Frauenstimmrecht erstritten) über Rosa Parks (eine schwarze Frau, die sich 1955 weigerte, ihren für Weisse reservierten Busplatz freizugeben; das anschliessend gegen sie angestrengte Gerichtverfahren war ein Auslöser der schwarzen Bürgerrechtsbewegung), ihre Vorgängerin Claudette Colvin sowie das sog. Tuskegee Experiment (staatliches uneingewilligtes Menschenexperiment über unbehandelte Syphilis an 399 infizierten armen Schwarzen in Amerika 1932-1972, die auch nach der Entdeckung von Penicillin nicht behandelt, sondern lediglich weiter "studiert" wurden, und dessen öffentliches Bekanntwerden einen Skandal hervorrief, der das Experiment umgehend beendete und den Grundstein bildete zur Etablierung der heutigen US-Bioethik sowie der "US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen") bis hin zu den (nicht nur in Amerika immer noch andauernden) experimentellen Dexamethason-Zwangsbehandlungen und den Widerständen gegen die aktuelle Kampagne dazu.

Dabei spart Alice Dreger auch nicht mit kritischen Beobachtungen über ihre eigene Zunft: So berichtet sie über die Schwierigkeiten, die ihr gemacht wurden, als sie zusammen mit Hilde Lindemann und Ellen Feder einen Artikel zum Thema pränatales Dexamethason veröffentlichte im Bioethics Forum (englisch) des angesehenen Hastings Center, einer "unabhängigen" Forschungsstiftung zu bioethischen Fragen – ganz im Gegensatz zu 25 anderen Artikeln, die Alice Dreger dort schon publizierte (allerdings zu theoretischen Fragestellungen ohne direkte konkrete Relevanz). Und wie ihr auch sonst Dritte hauptsächlich raten, doch besser mal ein paar Gänge runterzuschalten, als sie zusammen mit Hilde Lindemann und Ellen Feder eine Nachfolgekampagne gegen bekanntlich (ebenfalls nicht nur in Amerika) nach dem selben Muster unkontrolliert experimentierende Zwangsoperateure erwägt; stattdessen solle sie gescheiter "Konsensgespräche" mit den Zwangsoperateuren suchen.

(Phrasen, wie wir von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org sie ähnlich ebenfalls regelmässig zu hören bekommen, so z.B. von der XY-Elterngruppe anlässlich unserer öffentlichen Kritik einer Tagung von Medizynern des "Netzerk DSD/Intersexualität". Witzig ein Kommentar von Alice Dregers Mann Aron zum Thema "Konsensgespräche" mit Zwangsoperateuren: "Mit Chirurgen reden, die solche Dinge tun, ist wie mit der Taliban reden.")

Treffsicher auch Alice Dregers Bobachtungen zur Betriebsblindheit der BioethikerInnen, und wie sie dadurch schnell mal zu MittäterInnen werden können:

Aber Dex zwang mich, etwas unglaublich unangenehmes zu erkennen, nämlich, dass es bei der Bioethik nicht um soziale Gerechtigkeit geht. Es ist ein einziges, grosses Selbstbeschäftigungsspiel. In Tat und Wahrheit steht die Bioethik der sozialen Gerechtigkeit oft im Weg, indem sie die Öffentlichkeit glauben lässt, jemand würde tatsächlich etwas gegen Ungerechtigkeit in der Medizin tun. Indem sie öffentliche Gelder aufsaugt, die eigentlich dazu verwendet werden könnten, die Medizin sicherer zu machen für Menschen, die beim jetzigen Stand der Dinge durch sie gefährdet sind.

Die Wahrheit ist, die meisten BioethikerInnen wollen einfach durch den Tag kommen und ihre Karriere verfolgen, ohne dabei in irgendwelche realen ethischen Verwicklungen verstrickt zu werden. Sie wollen einfach tun, wofür sie belohnt werden: Publikationen verfassen und Forschungsbeiträge einstreichen um interessante Fragen stellen zu können.

Sie haben grosse Ähnlichkeit mit den Medizinern der Tuskegee Syphilis Studie: fleissig taten sie, wofür sie belohnt werden, und sammelten dabei Forschungsgelder und Publikationen. Die an der Tuskegee Studie beteiligten Mediziner wurden nicht belohnt für gesündere Ergebnisse. Und die BioethikerInnen werden nicht belohnt für ethischere Ergebnisse. Und Menschen sind Säugetiere. Sie tun, wofür sie belohnt werden.

Sie können sich sicherlich nicht vorstellen, sich über etwas aufzuregen, bei dem es nicht um ihre eigenen Identitäten geht.

Danke!

>>> http://www.alicedreger.com/Rosa.html

Siehe auch:
- Ethikrat: "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!
- Schweiz: Unkontrollierte Humanexperimente sollen weiterhin ungeregelt bleiben 
- "Netzwerk DSD"/"Euro DSD": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure 
- "Verunsicherung und Ängste": Reaktionen und Kommentare zur Kritik am "Netzwerk Intersexualität" / "Euro-DSD"
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen "auf Verdacht hin"
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen öffentlich geoutet

Saturday 3 April 2010

Claire Nihoul-Fékété & Stephen Lortat-Jacob: Zwangsoperateure in Frankreich ohne nennenswerten Widerstand

Ausgeliefert!Ostersonntag 4.4.10 19h zeigt das "Les Complices" in Zürich einen Film über "sechs transsexuelle, intersexuelle und genderqueere Menschen in Frankreich" mit anschliessender "Diskussion über inter- und transsexuelle Politiken in Frankreich und der Schweiz" (>>> mehr hier + Nachtrag am Schluss dieses Posts). Zur Einstimmung einige Hintergrundinfos:

Das Aushängeschild der Zwangsoperateure im Ursprungsland der Aufklärung und der modernen Menschenrechte heisst Prof. Claire Nihoul-Fékété, "Chefin pädiatrische viszerale Chirurgie im Necker Spital für kranke Kinder (Paris)".

Die offensichtlich unbeirrbare Serienverstümmlerin wehrloser Zwitterkinder mit Jahrzehnte langer Praxis brüstet sich – nebst in "wissenschaftlichen" Publikationen – in Frankreich auch in Interviews öffentlich ihrer medizynischen Verbrechen mit ungeschminkt menschenverachtender Arroganz, die sich in der Schweiz, aber auch in Deutschland oder Amerika wohl längst kein Medizyner mehr öffentlich zur Schau zu stellen getrauen würde.

Claire Nihoul-Fékété referierte auch schon in Deutschland, z.B. am Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie DGE vom 7.3.2001 in Magdeburg, wo sie neueste Verstümmelungstechniken präsentierte (siehe unten), was u.a. von Georg Klauda unter dem Untertitel "Ein blutiges Geschäft" unmissverständlich öffentlich kritisiert wurde (ein 2. Kongress am 24.3.2001 an der Charité Berlin konnte wegen einer Demonstration gar nur noch unter Polizeischutz stattfinden – das waren noch Zeiten!).

Wie die Serienverstümmlerin Prof. Annette Grüters-Kieslich, "Leiterin des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin von der Charité in Berlin" und Verantwortliche des "Studienzentrum Berlin" im "Netzwerk Intersexualität/DSD" zudem anlässlich des "Fachgesprächs" der Grünen im Bundestag vom 27.5.2009 verriet, lassen sie Claire Nihoul-Fékété zwecks Genitalverstümmelung von "AGS-Mädchen" jeweils nach Berlin an die Charité einfliegen – ein Faktum, das meines Wissens nach sonst in keinen öffentlich zugänglichen Quellen je bekanntgemacht wurde. (Wen wundert's?)

Immerhin öffentlich zugänglich, aber trotzdem nur wenig bekannt ist Claire Nihoul-Fékétés Funktion im Beirat des "Netzwerk Intersexualität/DSD".

Der wohl als Fékétés Nachfolger positionierte Dr. Stephen Lortat-Jacob, Kinderchirurg im selben Kinderverstümmelungsetablissement "Necker Spital für kranke Kinder (Paris)", profiliert sich mit vergleichbar menschenverachtenden Parolen.

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Bisher konten diese überdurchschnittlich üblen Seriengenitalabschneider in Frankreich ihr Unwesen offensichtlich praktisch unbehelligt treiben. Zwar gibt es mittlerweile eine gute Handvoll organisierte Zwitter, die z.T laut Eigendarstellung "für die Menschenrechte der Intersexuellen kämpfen".

Bis heute scheint sich dieser "Kampf" aber offenbar darauf zu beschränken, sporadisch ein paar kritische öffentliche Worte zu genitalen Zwangsoperationen im allgemeinen äussern, oder im Extremfall gar einen Leserbrief zu verfassen gegen besonders unverfrorene Diffamierungen von "Madame Fékété". Zu konkreten Kampagnen scheint es jedoch kaum gereicht zu haben, geschweige denn zu politischen und/oder juristischen Vorstössen.

Und ist ausnahmsweise trotzdem mal irgendeine konkrete Aktion verlinkt, so geht es dabei entweder um "Intersexuelle" bloss dem Namen nach, praktisch aber ausschliesslich Anliegen von Transsexuellen/Transgendern und/oder abstrakt gegen das böse "Zweigeschlechtersystem" (so übrigens auch zumindest im Trailer zum Film im "Les Complices") – oder aber es handelt sich (Überraschung!) um eine Demo von Zwischengeschlecht.org, die womöglich kurzerhand annektiert wird.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Nachfolgend einige aktuelle Kostproben der offensichtlich ethisch, moralisch und menschlich gestörten SeriengenitalverstümmlerInnen Prof. Claire Nihoul-Fékété und Dr. Stephen Lortat-Jacob (WARNUNG!), gefolgt vom einigen Beispielen zum "Kampf um die Menschenrechte der Intersexuellen" in Frankreich:

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Sunday 31 January 2010

"Tag der seltenen Krankheiten"-Symposium 26.2.10 Hannover: Wem der Schuh passt ...

Solidarität mit Zwittern statt Vereinnahmung!

Am 28. Februar ist scheints der offizielle "Rare Disease Day" ("Tag der seltenen Erkrankungen"). Dazu gibt's 2 Tage zuvor am 26.2. in der Medizinischen Hochschule Hannover ein Symposium, veranstaltet von Orphanet Deutschland / Institut für Humangenetik. Der >>> Flyer dazu (PDF) wurde auch von der Selbsthilfegruppe XY-Frauen kommentarlos rundgemailt, wohl wegen folgendem Programmpunkt (in der üblichen, scheinbar gottgegeben Reihenfolge):

16.10 –16.30 Uhr
Transidentität und Intersexualität aus Sicht der Patienten
Andrea T. Ottmer (Dt. Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. [DGTI]) 

Wem der Schuh passt ...

Saturday 30 January 2010

Georg Klauda über Knut Werner-Rosen ("Netzwerk DSD/Intersexualität"), Psychologen als Windfahnen und "Serienverstümmlerin" Annette Grüters-Kieslich (Charité)

Menschenrechte auch für Zwitter!

In einem >>> Vortrag vom 5.6.2002 an der Freien Universität Berlin zum Themenabend "Medizin und Verbrechen" im Rahmen der Reihe >>> "Beiträge zur Biotechnologie- und Medizinkritik" kritisierte Georg Klauda explizit den Berliner Psychotherapeuten und heutiges "Netzwerk DSD"-Mitglied Knut Werner-Rosen sowie die langjährige Chefin der Kinderendokrinologie in der Charité, Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich.

Knut Werner-Rosen fungiert seit längerem als öffentliches Aushängeschild des sog. "Berliner Modells", dass nebst der (offensichtlich nach wie vor als vorrangig betrachteten) endokrinologischen und chirurgischen "Betreuung" von Anfang an auch psychologischen Support für Eltern und zwischengeschlechtliche Kinder vorsieht – prinzipiell erstmal etwas Positives.

Dennoch geriet und gerät Knut Werner-Rosen immer wieder in die (berechtigte) Kritik von Zwittern und solidarischen Nicht-Zwittern, da auch er offensichtlich prinzipell zuerst mal auf seiner eigenen Seite steht und, wo es aus der Perspektive seines Einkommens vorteilhafter erscheint, als Opportunist auch Zwangsoperationen befürwortet und mitträgt und sich so zum Mittäter macht.

Nachfolgend die Werner-Rosen und Annette Grüters betreffenden Abschnitte aus Georg Klaudas auch sonst lesenswertem Vortrag:

[...] Als repräsentativ [für die Psychiatrisierung der Hermaphroditen] kann dabei auch das Auftreten des Psychotherapeuten Knut Werner-Rosen bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur "Situation intersexueller Menschen" gelten, das am 27. Februar diesen Jahres stattfand. Seit einigen Jahren arbeitet der Seelenklempner Werner-Rosen mit der Serienverstümmlerin Prof. Annette Grüters an der Virchow-Klinik [Charité] zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, den Eltern des verstümmelten Kindes eine Gehirnwäsche zu verpassen: Sie sollen die Behandlung und das neue Geschlecht ihres Kindes unter keinen Umständen in Zweifel ziehen. Trotzdem interessierte sich Werner-Rosen auf dem Fachgespräch nicht im geringsten für die Frage, ob medizinische Eingriffe nun notwendig seien oder nicht. Vielmehr ging es ihm an diesem Tag allein darum, die psychotherapeutische Behandlung künftig regulär bei den Krankenkassen abrechnen zu können, ob mit oder ohne Verstümmelung.

Das Thema seines Vortrags "Kann die Gesellschaft Intersexualität verkraften?" begann er deshalb mit dem ungeheuerlichen Satz, das Verkraften beginne ja schon damit, dass er durch die Teilnahme an diesem Fachgespräch auf 300 Euro Honorar verzichte. Kein Zweifel: So jemand wie Werner-Rosen wird auch nach der Abschaffung der Zwangsverstümmelungen an Hermaphroditen sein Geschäft machen.

Verquere Verbindungen

Werner-Rosen steht dabei in Verbindung zu dem Studiengang Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin, an dessen Praxistag er den Studierenden sein Berufsfeld vorstellte. Unübersehbar gibt es auch sonst eine enge Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Gender-DekonstrukteurInnen in der Sexualmedizin und der nicht minder professionalisierten Variante derselben Spezies in den Kulturwissenschaften. Beide Sparten des Betriebs sind nicht nur in einem Studiengang vereinigt, sondern stützen sich auch inhaltlich gleichermaßen auf radikalkonstruktivistische Prämissen, nämlich auf die Behauptung, dass Menschen bei Geburt ein "unbeschriebenes Blatt" seien, denen man nach Belieben und chirurgischer Machbarkeit eine Männer- oder Frauenrolle zuweisen könne. [...]

Weitere von Georg Klauda im vorliegenden Vortrag angeschnittene Themen sind die entwürdigende Praxis der wiederholten medizinischen Zurschaustellung von Zwitterkindern inkl. Genitalaufnahmen; wie mit dem bundesfinanzierten "Netzwerk DSD/Intersexualität" der Bock zum Gärtner gemacht wurde, indem ausgerechnet die Zwangsoperateure & Co. zum Beurteilen (bzw. Vertuschen) der von ihnen angerichteten Schäden hinzugezogen wurden; das Positivbeispiel der geläuterten Medizinerin Prof. Ursula Kuhnle; das Negativbeispiel Heino Meyer-Bahlburg; die u.a. von Prof. Helmuth-Günther Dörr propagierten unethischen pränatalen Dexamethason-Therapien und ihre Nebenwirkungen; und "warum alle zuschauen, während in den Kliniken vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert wird", u.a.m.

>>> Ganzer Vortrag    >>> Georg Klauda über Instrumentalisierung 

Monday 25 January 2010

Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Meine 2 Cent:

1) Die Kinderchirurgen führen das Skalpell, sie verursachen die Schäden unmittelbar und persönlich.

Auch wenn sie dies möglicherweise guten Glaubens tun, stehen sie trotzdem in der Verantwortung, erst recht, wenn die Eingriffe seit langem experimentell erfolgen, d.h. ohne dass je klinisch getestet wurde, ob sie für die Operierten überhaupt eine Verbesserung bringen, und wie es mit den Nebenwirkungen ausschaut. Und nochmals erst recht, wenn schon so viele Fälle unzufriedener Erwachsener publik sind, auch in offiziellen Studien.

Da sie zumeist Kleinkinder zwangsoperieren, schützen die Verjährungsfristen die Zwangsoperateure perfiderweise meist vor gerichtlicher Verfolgung. Schon viele betrogenen Eltern und erwachsene geschädigte Zwitter haben versucht, einen Zwangsoperateur vor Gericht zu bringen – erfolglos. Erst 2007 gelang es Christiane Völling als erster – und immer noch einziger! –  praktisch in letzter Minute vor Eintritt  der absoluten Verjährung ihren früheren Chirurgen anzuzeigen und ihn in einem dreijährigen Verfahren über zwei Instanzen erfolgreich auf 100'000.-- Euro Schmerzensgeld zu verklagen. Wäre Christiane wie die meisten Zwitter schon als Kleinkind operiert worden, wäre auch ihr Zwangsoperateur ungestraft davongekommen.

Chirurgen, die jahrzehntelang Zwitter systematisch zwangsoperieren, ohne jegliche Evidenz, auch nach über 50 Jahren noch, ja, ohne sich überhaupt je glaubwürdig um Evidenz zu bemühen, sind offensichtlich gewissenlose Serientäter, sowohl als Individuen wie auch als Kaste, und gehören gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

Stammvater der heutigen Zwangsoperauteure ist der US-Urologe Hugh Hampton Young (Johns Hopkins University, Baltimore), der in den 1920er und 1930er Jahren die Verstümmelungstechniken zur Serienreife brachte und damit eine der Voraussetzungen zur systematischen Kleinkinderverstümmelung ab 1950 schuf.
 
2) Die Endokrinologen koordinieren die Zwangsbehandlungen, liefern die Vorgaben für die Zwangsoperateure und sind zu über 90% (in einem Drittel davon zusammen mit einem Kinderchirurgen) diejenigen, welche meist überforderten Eltern die Verstümmelungen und sonstigen medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen aufdrängen.

Obwohl sie sich bei den Verstümmelungen selber die Finger direkt nicht schmutzig machen, pfeifen auch sie seit über 50 Jahren auf jegliche Evidenz, genau gleich wie die Zwangsoperateure, mit denen sie ebensolange eng zusammenarbeiten. Die Endokrinologen sind deshalb als Individuen wie auch als Kaste genau gleich offensichtlich gewissenlose Serientäter, und gehören genau gleich gerichtlich bestraft, solange sie noch weiter wehrlose Kinder zwangsoperieren lassen statt aktiv zur Wiedergutmachung beizutragen.

Leider konnte bisher noch kein einziger Endokrinologe gerichtlich belangt werden (auch bei Christiane Völlings Prozess konnte wegen Verjährung ausser dem Chirurgen niemand mehr belangt werden).

Historisch war es der US-Endokrinologe Lawson Wilkins (Baltimore University Hospital), der 1950 die systematischen Genitalverstümmelungen an Kleinkindern "erfunden" hatte bzw. in die klinische Praxis einführte. Prominente europäische Endokrinologen wie z.B. Andrea von Prader (Kinderspital Zürich) und Jürgen Bierich (Universitätsklinik Hamburg / Kinderklinik Tübingen) arbeiteten eng mit Wilkins zusammen und waren massgeblich an der weltweiten Durchsetzung der systematischen Kleinkinderverstümmelungen beteiligt.

3) Psychologen und Psychiater sind in der Regel erstmal vergleichsweise nur am Rande an den Zwangsoperationen mitbeteiligt.

In den meisten mir bekannten Fällen denke ich, oft überforderte Eltern und jungen Zwittern fahren deutlich besser, wenn sie nach der Geburt von kompetenten Psychologen oder notfalls Psychiatern beraten (als wenn sie, was leider immer noch die Regel ist, Endokrinologen und Kinderchirurgen in die Hände fallen):

Das künftige Gehalt der Psychologen im weiteren Verlauf ist nämlich (im Gegensatz zu den Kinderchirurgen und Endokrinologen) nicht zwingend davon abhängig, ob das Kleinkind auch möglichst bald zwangsoperiert wird. Wohl kaum zufällig kommen zumindest ansatzweise solidarische Stimmen, sofern es sowas unter praktizierenden Medizinern überhaupt gibt, noch am ehesten aus den Reihen der Psychologen und Psychiater.

Allerdings gilt sinngemäss auch das Umgekehrte, nämlich dass für Psychologen und Psychiater eine Zwangsoperation ebenfalls nicht zwingend finanziell unattraktiv ist. Wohl kaum zufällig wird mehreren seit längerem vorgeworfen, Windfahnen zu sein, und den Psychologen und Psychiatern als Kaste, seit mehr als 50 Jahren je nach politischer Grosswetterlage immer mal wieder den Endokrinologen und Zwangsoperateuren praktisch zuzuarbeiten (sowie auch theoretisch, siehe unten).

(Womöglich ein und dieselben Personen, die vorher noch Verständnis für die Leiden der Zwangsoperierten zeigten, und ev. auch später wieder zeigen wird – und manche Zwitter, die sich hüten würden, auf einen offensichtliche Kollegen der Zwangoperateure und Endokrinologen hereinzufallen, kriechen solchen Windfahnen trotzdem immer wieder auf den Leim).

Von Fall zu Fall müssen Psychiater und Psychologen wo nötig jedesmal zur Rechenschaft gezogen werden – moralisch, öffentlich und wo nötig auch gerichtlich, und als Kaste haben sie ebenfalls einen Teil zur Wiedergutmachung beizutragen.

Bisher wurde leider noch nie ein fehlbarer Psychologe oder Psychiater angeklagt, obwohl es auch unter ihnen offensichtlich gewissenlose Serientäter gibt – vor Gericht gehen sie im Gegenteil noch als "Sachverständige" ein- und aus, wobei sie oft gar Zwangsoperierten zum Schaden noch den Spott nachliefern.

Fälschlicherweise wird heute meist der neuseeländische Psychologe, Geschlechtertheoretiker und Sexologe John Money (Johns Hopkins University Hospital, Baltimore) öffentlich als Alleinverantwortlicher für die Praxis der Verstümmelungen im Kleinkindesalter vorgeschoben. "Erfunden" wurde diese Praxis jedoch 1050 vom Endokrinologen Lawson Wilkins (siehe oben). Tatsächlich lieferte Money 1955 mit seiner berühmten "Optimal Gender Policy" den theoretischen Überbau für die systematischen Kleinkinderverstümmelungen – jedoch erst nachträglich, als diese schon 5 Jahre klinische Praxis waren.

4) Die Politiker hätten in Europa als Verantwortliche für Spitäler usw. erst recht die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die (ansonsten autonome) Ärztezunft sich an übergeordnete Spielregeln hält wie z.B. Verfassung, Menschenrechte, ratifizierte (UN-)Abkommen und -Pakte zum Schutze der Kinder, benachteiligter Geschlechter, usw. Hierbei haben sie seit Jahrzehnten schmählich versagt.

Schlimmer noch, jedesmal wenn die Leiden der Opfer vor ihnen laut wurden, hielten sie zuerst ihre Ohren zu und mehrten anschliessend die Leiden gar noch mit Spott und Medizynersprüchen, vgl. z.B. diverse Antworten der Bundesregierung auf Kleine Anfragen der letzten 15 Jahre belegen.

Auch wenn angesichts dessen, womit speziell Politiker sonst noch allem straflos davonkommen, hier wohl am wenigsten Hoffnung auf Erfolg besteht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen: auch die Politiker sind sowohl als Individuen wie auch als Kaste gewissenlose Serientäter gehören für ihr alles andere als unerhebliches Verschulden zur Rechenschaft gezogen und bestraft, und der Staat als Brötchengeber der Zwangsoperateure & Co. hat einen angemessenen Teil an Wiedergutmachung zu leisten.

5) Eltern, die ihre Kinder zwangsoperieren lassen, sind in der Regel erst selbst mal Opfer der Zwangsoperateure & Konsorten. Die erst hinterher erfahren, dass sie belogen wurden, oder dass ihnen zumindest nicht die ganze Wahrheit erzählt wurde.

Wohl die meisten Eltern, wenn sie von Anfang an wüssten, was sie ihren Kindern letztlich antun, hätten es nie so weit kommen lassen, und hätten heute ein besseres Verhältnis zu ihren Kindern. So viele Eltern werden sich erst hinterher bewusst, worin genau sie da letztlich "einwilligten", und bereuen es hinterher ehrlich.

Doch es gibt auch Ausnahmen – wie z.B. diejenigen Eltern, die erst vor kurzem ihr erst wenige Monate altes Kind unbedingt kastrieren lassen wollen, obwohl noch nicht mal eine Diagnose feststand, und als das erste Spital sich gar weigerte, suchten sie einfach eines mit weniger Skrupeln und liessen dort ihr Kind kastrieren noch bevor es ein Jahr alt war.

Solchen und anderen verantwortungslosen Eltern gehört eindringlich ins Gewissen geredet (und nicht einfach weggeschaut wie es mitunter auch in "medizynunabhängigen" Selbsthilfegruppen geschieht), über die Existenz solcher Fälle muss öffentlich aufgeklärt und unmissverständlich daran Kritik geübt werden. (Ebenso, wenn medizynergesteuerte "Eltern- und Patienteninitiativen" öffentlich Zwangseingriffe propagieren und verharmlosen.) Ansonsten brauchen aber auch diese Eltern erstmal Hilfe. Stellen sie sich aber taub und zwingen trotzdem ihrem Kind unbeirrbar weitere Zwangseingriffe auf, werden auch sie zu Wiederholungstätern.

Zur Rechenschaft gezogen gehören jedoch auch hier zunächst mal all die gewissenlosen Serientäter, die verzweifelten Eltern immer noch als Lösung anbieten, ihr eigenes Kind verstümmeln zu lassen.

NB: Diese Liste ist nicht vollständig. Seit langem sind z.B. auch Genetiker an den Verstümmelungen mitbeiteiligt (auch historisch: der deutsche Genetiker Richard Goldschmidt hatte in den 1920er Jahren den Terminus "Intersex" geprägt). Ebenso weitere medizinische, wissenschaftliche und politische Instanzen, Standesorganisationen und Interessensgruppen ...

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken - eine Genealogie der TäterInnen
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

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