Zwischengeschlecht.info

To content | To menu | To search

Die anderen

Entries feed - Comments feed

Wednesday 24 November 2010

Online-Unterstützung gefragt für Advocates for Informed Choice (AIC)!

Gratuliere, es ist sein Zwitter!

Die US-Lobbyorganisation AIC ist Finalistin in einem Spendenwettbewerb und fragt um eure Stimme!

AIC setzt sich ein für die Beendigung der kosmetischen Genitaloperationen an Kindern. Zwischengeschlecht.info berichtete schon verschiedentlich über ihre Aktivitäten, Nella war Mitunterzeichner_in des von AIC initiierten Unterstützungsbriefes von Betroffenen (englisch) im Zusammenhang mit der US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen.

Falls AIC zu den 3 mit den meisten Stimmen gehört, erhalten sie eine namhafte Spende.

Dieser Blog ruft alle auf, AIC ihre Stimme zu geben! Nach der Stimmabgabe muss eine gültige Emailadresse angegeben und auf eine Bestätigungsmail geantwortet werden, danach muss noch das Nutzerkonto abgespeichert werden. Das Prozedere dauert gut 5 Minuten.

>>> Link zum Abstimmen (--> "Vote"-Button rechts oben)
>>> AIC-Homepage mit mehr Infos (englisch)
 

Danke für eure Unterstützung! 

Tuesday 23 November 2010

Intersexuelle Menschen e.V. reicht Schattenbericht zum UN-Sozialpakt ein (CESCR 2010)

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Mahnwache UNO Genf 26.1.09 (CEDAW #43)

>>> Nachtrag 30.11.

Human Rights For Hermaphrodites Too!>>> Download auf intersex.schattenbericht.org

Wie >>> "Unser Politikblog" berichtete, hat Intersexuelle Menschen e.V. nach dem CEDAW-Schattenbericht 2008 dieses Jahr einen weiteren UN-Parallelbericht erstellt zum "Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESCR)".

Inoffiziellen Berichten zufolge wurde der Schattenbericht heute in Genf an der Pre-Session überreicht und wird im Mai 2011 zusammen mit dem 5. Staatenbericht der Bundesrepublik an der 46. Session des UN-Ausschusses CESCR behandelt werden. Der Parallelbericht liegt inzwischen inkl. Fallberichten auch auf Deutsch vor und kann auf >>> intersex.schattenbericht.org als PDF heruntergeladen werden, ebendort ist auch das Executive Summary online einsehbar.

(intersex.schattenbericht.org wird zur Verfügung gestellt von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org. Allein in den letzten 5 Monaten verzeichnete der CEDAW-Schattenbericht ebendort über 1500 Downloads.)

Der CESCR-Schattenbericht listet auf 39 Seiten verschiedene Menschenrechtsverletzungen an "Intersexuellen" (nicht nur) in der BRD auf, darunter "Genitalverstümmelung", "Kastrationen", "Genitalamputation", "uneingewilligte Menschenversuche", "fehlende informierte Zustimmung durch Betroffene", "unrechtmäßige Zustimmung durch Eltern", "Off-Label Use von Medikamenten", "paradoxe Hormontherapien", "veraltete medizinische Literaur", "bewusst falsche / ungenügende Behandlungsdokumentation", "Verletzung der staatlichen Schutzpflicht", "Diskriminierung beim Abschluss von Krankenversicherungen" und "Diskriminierung beim Grad der Behinderung".

Kommentar:

Der vorliegende CESCR-Parallelbericht stellt (wie schon der CEDAW-Schattenbericht) fraglos einen weiteren wichtigen Meilenstein dar im Kampf gegen die Genitalverstümmelungen und zur Einforderung der Menschenrechte auch für Zwitter, und der Stellenwert seiner Einreichung kann kaum hoch genug angesetzt werden.

Trotzdem weist er einige Mängel auf – die wohl nicht zuletzt der intransparenten Geheimhaltungspolitik und Selbstbezogenheit von Intersexuelle Menschen e.V. geschuldet sind: Wäre der Parallelbericht vor Einreichung z.B. auf dem IMeV-Vereinsforum offen zur Diskussion gestellt worden, wäre er höchstwahrscheinlich in einigen Punkten besser und angemessener ausgefallen.

Nicht zum ersten Mal liegt das Problem weniger bei dem, was erwähnt wird, sondern vielmehr bei den Dingen, die nicht erwähnt, sondern ausgelassen werden, sowie zum Teil auch in der streckenweise sehr subjektiven Gewichtung des Dargestellten:

Einmal mehr werden z.B. die fragwürdigen pränatalen Dexamethason-Zwangstherapien gar nicht erst angesprochen, ebensowenig die diesjährige, nicht minder problematische AGS-Leitlinie.

Scheinbar kritiklos wird die (aktuelle) medizinische Definition von "Intersexualität" übernommen, um den eigenen Arbeitsbereich festzulegen, statt generell kosmetische GenitalOPs an Kindern aufs Korn zu nehmen. Entsprechend werden die im klinischen Alltag vergleichsweise sehr häufigen Genitalverstümmelungen a.k.a. kosmetischen "Genitalkorrekturoperationen" an Kindern mit "Hypospadie" konkret einmal mehr aussen vor gelassen.

Überhaupt werden die Genitalverstümmelungen im Schattenbericht einmal mehr schon fast als Randerscheinung betrachtet und entsprechend knapp abgehandelt – getreu dem Blick durch die "CAIS-Brille" werden stattdessen vielmehr die Kastrationen und "paradoxen Hormontherapien" seitenweise und detailliert ausgebreitet. Unter dem Inhaltspunkt "Irreversible Genital-Ops an Minderjährigen und Erwachsenen" (S. 24) werden z.B. 10 Punkte aufgelistet, davon betreffen allein die ersten 4 (!) "Kastrationen", während OPs an "Klitoris/Penis-Amputation" erst an 5. Stelle sowie "Anlegen von Neovaginen und Neopenissen für Babies" erst an 6. Stelle ein einziges Mal genannt werden.

Ein Verein, der wie Intersexuelle Menschen e.V. für sich in Anspruch nimmt, alle Zwitter zu repräsentieren, deren elementare Menschenrechte mit Füssen getreten werden, müsste hier endlich etwas mehr von der steten Beschränkung des Blickwinkels auf die eigene, persönlichen "Besonderheitsperspektive" wegkommen, hin zu einer angemessenen und realitätsentsprechenden Würdigung aller Menschenrechtsverletzungen gegen die körperliche Unversehrtheit an Kindern und Erwachsenen mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen.

Als verhängnisvoller Bumerang könnte sich zudem erweisen, dass der Schattenbericht bei der Würdigung der mangelnden Durchsetzung der Schutzpflichten gegenüber den verstümmelten Kindern durch den Staat und insbesondere die Bundesregierung offensichtlich auf dem Stand des CEDAW-Schattenberichts von 2008 verharrt und einfach beleglos (und tatsachenwidrig) behauptet, staatlicherseits hätte es seit 2007 keine Äusserungen zum Thema mehr gegeben (von den insgesamt 7 Vorstössen im Bundestag bis und mit 2009 werden gerade mal 2 erwähnt, der letzte davon von 2007), geschweige denn Kontaktaufnahmen.

Solche Vogel-Strauss-Politik ist besonders verhängnisvoll von einem Verein, der wie IMeV seit Jahren mit staatlichen und medizynischen RepräsentantInnen in undurchsichtigen Geheimverhandlungen durch den Dienstboteneingang u.a. "auf Ministerebene" vor sich hermauschelt (-->), ohne je Öffentlichkeit über die Verhandlungen herzustellen, geschweige denn mit konkreten Forderungen aufzuwarten oder nur schon auf konkreten Resultaten zu bestehen.

Dieses intransparente und politisch zahnlose Vorgehen wird es der Bundesregierung leicht machen, sich weiter auf Kosten der täglich verstümmelten Kinder zu profilieren, und zwar sowohl im unmittelbar anstehenden CEDAW-Zwischenbericht wie auch im Bezug auf den vorliegenden ICESCR-Parallelbericht:

Schliesslich kann die Bundesrepublik mit gutem Gewissen behaupten, sehr wohl mit Intersexuelle Menschen e.V. in kontinuierlichen Verhandlungen zu sein, war der Verein doch u.a. offiziell zu Gast beim Bundestags-"Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe", beim bundesfinanzierten Deutschen Ethikrat (vgl. a. S. 14), bei der "Leiterin des Antidiskriminierungsstelle des Bundes", usw.

Weiter wird die Bundesregierung mit gutem Gewissen auf die (bezüglich des Kernproblems der weiterhin täglich in Kinderkliniken durchgeführten Genitalverstümmelungen ebenso folgenlosen) Anhörungen auf Länderebene unter IMeV-Beteiligung verweisen können. Sowie auf die zahllosen diesjährigen Vorgänge im Bundestag, wo ja angeblich stets "was für die Intersexuellen unternommen" werde, während tatsächlich bloss Zwitter permanent als Kanonenfutter für LGB(T) instrumentalisiert werden (wohlbemerkt noch mit dem Segen von IMeV, vgl. Schattenbericht S. 13, wobei der Verein sich auch sonst stets kritiklos hinter den letztlich verantwortlichen LSVD stellt).

(Auch die Medizyner können sich bei Bedarf übrigens nach wie vor auf "gute Zusammenarbeit" mit Intersexuelle Menschen e.V./XY-Frauen berufen, ist doch die XY-Elterngruppe u.a. regelmässig zu Gast bei den APE/AGPD-Jahrestagungen, ja nimmt die "Netzwerk"/"EuroDSD"-Medizyner gar noch gegen Kritik bedingungslos in Schutz, und steht auch sonst mit dem "Netzwerk Intersexualität/DSD" in offensichtlich kritikloser Verbindung, wie auch ImeV die "DSD"-Medizyner bisher nie öffentlich kristisierte und ebenso wie die XY-Elterngruppe offensichtlich nach wie vor auch mit der Hamburger "Forschergruppe Intersexualität" kritiklos zusammenarbeiten.)

Fazit: Auch obige begründete Kritik ändert nichts daran, dass die Einreichung des CESCR-Schattenberichts einen Meilenstein darstellt. Und dass auch ein nicht perfekter Parallelbericht immer noch besser ist als gar keiner.

Noch der beste Schattenbericht allein wird jedoch ohne zusätzlichen politischen Druck kaum etwas Konkretes bewirken können. Und politisch unverantwortliches, intransparentes (Folge-)Handeln kann im schlimmsten Fall Erreichtes schnell mal rückgängig machen – oder gar ins Gegenteil verkehren ...

Allein in Deutschen Kinderkliniken wird JEDEN TAG mindestestens 1 wehrloses Kind experimentell genitalverstümmelt, sowie in Österreich und in der Schweiz JEDE WOCHE nochmals JE 1 weiteres.

Wie lange noch?!

Nachtrag 30.11.10: Inzwischen ist auf dem IMeV-Forum ein Bericht der Co-Autor_innen Sarah und Volker Hassel-Reusing nachgetragen zur Einreichung des Schattenberichts in Genf.

Siehe auch:
- intersex.schattenbericht.org
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW im Bundestag: Nach bekanntem Muster
- Historischer überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelungen in Kinderspitälern
- Machtspiele, Mobbing, Intrigen: Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)
- Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ...
- Deutscher Ethikrat: "kein Handlungsbedarf" bei Genitalverstümmelung?!

Tuesday 2 November 2010

Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg: Zwitterfilme? Ja, gerne! Zwitter-Vereinnahmung? Nein, danke!

Aktualitätshalber leider mit Verspätung:

Die "Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg / International Queer Film Festival" zeigten letzte Woche auf Initiative von MERSI Hamburg 3 Zwitterfilme.

Nämlich als lokale Premiere "El último verano de la Boyita" (2009) von Julia Solomonoff (eins / zwei), den "neuen Zwitter-Spielfilm aus Argentinien", thematisch scheints quasi ein inoffizielles Sequel zu "XXY" von Lucía Puenzo: Zeigte letzterer ein "Mädchen", das u.a. auch im Stehen pinkeln kann, geht es diesmal um einen menstruierenden "Jungen", der stimmigerweise als Jockey Pferderennen bestreitet – eine der wenigen Sportarten, wo Frauen gegenüber Männern  biologische Vorteile haben. (Ob "El último verano de la Boyita" ebenso überzeugend ist wie "XXY", kann ich aktuell nicht beurteilen.)

Sowie die seltener gezeigten englischsprachigen Kurzdokus "One in 2000" (2007) von Ajae Clearway (eins / zwei / drei) und "Gender Trouble" (2002) von Roz Mortimer (eins / zwei). Anlässlich der Vorführung der Kurzdokus gab's zusätzlich ein Publikumsgespräch mit Lucie Veith von Intersexuelle Menschen e.V.

Soweit, so positiv und verdankenswert!

Leider wollen die Verantwortlichen des Festivals aber offensichtlich mal wieder gar nicht kapiert haben, worum's beim Thema "Intersex" überhaupt geht. Sondern betreiben stattdessen munter die altbekannte schädliche Vereinnahmung, indem sie "Intersex" öffentlich als Untergruppe von "Queer" deklarieren und mit "Transgender" in eine Reihe setzen:

Katja Briesemeister von den LSF:

„Die Filmtage sind MEHR als lesbisch und schwul. Das wollen wir nun auch noch klarer nach außen vertreten: Online, im Programmheft und bei anderen Gelegenheiten machen wir deutlich, dass auch transgender, intersex, kurz: queere Filmbeiträge aller Couleur einen Platz in unserem Festival haben. [...] Filme, die mehr als lesbisch, schwul oder eben transgender sind, nämlich auch intersex, queer, …! (lsf-hamburg.de, blu.fm)

Kommentar: Falls diese politische Vereinnahmung vielleicht auch "nur" aus Unwissenheit und Recherchierfaulheit geschah und gar nicht "böse gemeint" war, ist sie nichts destotrotz für den politischen Kampf der Zwitter um körperliche Unversehrtheit sehr schädlich, zumal zu befürchten ist, dass die oben zitierte, verschiedentliche öffentliche Äusserung kein einmaliger Ausrutscher war. Wenig überraschend kommen solche Vereinnahmungen auch regelmässig von vergleichsweise privilegierten Gruppen und Personen, die (im Gegensatz zu den bekanntlich zu 90% zwangsoperierten Zwittern) selber nie um die Unversehrtheit ihrer Genitalien fürchten mussten, geschweige denn durch deren meist wiederholte Verstümmelung von Klein an massiv traumatisiert wurden.

Umso bedenklicher, dass auch MERSI Hamburg und Intersexuelle Menschen e.V. als am Festival Mitbeiteiligte allem Anschein an nichts bemerkt haben wollen, geschweige denn sich veranlasst sahen, öffentlich Gegensteuer zu geben!

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Wie Dr. Magnus Hirschfeld einen Zwitter zwangsoperiert, um mit dem Erlös das "Institut für Sexualwissenschaft" zu finanzieren
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002 (Georg Klauda)
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Genitalverstümmelungen an Zwittern als "Nebenwiderspruch" des Zweigeschlechtersystems? (Von der Frauenbewegung lernen 2)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Zwitter-Vereinnahmung im Zusammenhang mit Amnesty-Petition - Sündikat gibt Gegensteuer!

Saturday 23 October 2010

Activist Trauma Support

Geschlecht: ZwangsoperiertIn Unterschied etwa zu GlobalisierungsgegnerInnen oder FriedensaktivistInnen sind die meisten Zwitter von von klein an stark traumatisiert. Deshalb kann für Zwangsoperierte jeder Akt der Auflehnung gegen ihre früheren PeinigerInnen die Gefahr einer (Re-)Traumatisierung beinhalten. Erst recht potentielle direkte Konfrontationen beispielsweise durch Teilnahme an einem öffentlichen Protest. Die meisten Zwitter bleiben kaum zufällig prinzipiell am liebsten gut versteckt und wollen keinesfalls, dass ihre persönliche Existenz und Geschichte als solche überhaupt öffentlich wahrgenommen wird, wurden ihnen doch Schweigegebote und Bloss-nichts-merken-Lassen oft von Anfang an krass eingetrichtert bis buchstäblich in den Körper geschnitten.

GlobalisierungsgegnerInnen etc. werden demgegenüber oft zum ersten Mal überhaupt traumatisiert, wenn sie im Zusammenhang mit einer Aktion Opfer von massiver körperlicher Gewalt werden oder zusehen müssen, wie andere neben ihnen verletzt werden, und haben prinzipiell weniger Angst, sich öffentlich zu zeigen, ja, sind manchmal gar erstaunt, wenn das auch für sie soziale Folgen haben kann (z.B. am Arbeitsplatz).

Aus diesen Gründen braucht es für traumatisierte Zwitter ein Vielfaches von Mut, um überhaupt physisch und öffentlich gegen die VerstümmlerInnen Stellung zu beziehen.

Und ist es m.E. doppelt wichtig, dass Zwitter-Proteste unbedingt friedlich und explizit auf Vermeidung physischer Konfrontationen angelegt sind, weil die Konfrontation auf der ideellen Ebene für Zwangsoperierte schon problematisch genug ist.

(Ohnehin ist m.E. das Mittel der gewaltfreien Aktion nach dem Vorbild der "klassischen" sozialen Bewegungen im Kampf gegen die Zwangsoperateure und für "Menschenrechte auch für Zwitter!" letztlich am wirkungsvollsten).

Ebenso müsste eine Unterstützung für Zwitter beim Bewältigen drohender "Nebeneffekte" des friedlichen Einstehens für die eigenen Rechte und gegen die GenitalabschneiderInnen auch anders aussehen als bei entsprechenden Selbsthilfegruppen für "herkömmliche Polit-AktivistInnen".

Trotzdem kann m.E. ein "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" auf die noch junge Tradition "herkömmlicher" AktivistInnen Trauma Selbsthilfe auch für Zwitter-Aktivist_innen interessant sein:

Die Bilder zeigen die Bergung des Globalisierungskritikers Martin Shaw, der 2003 bei einer G8-Blockadeaktion über 20 Meter in die Tiefe stürzte, als ein Polizeibeamter kurzerhand das Seil durchschnitt, an dem er knapp unterhalb der Brücke hing. Martin Shaw überlebte den Sturz in den seichten Fluss wie durch ein Wunder mit zerschmettertem Fuss, zerschmetterter Hüfte und einer Rückgratverletzung. Und konnte wie durch ein weiteres Wunder nach mehr als einem halben Jahr schliesslich wieder stehen und laufen. Seine seelischen Verletzungen heilten jedoch bedeutend langsamer. Ebenso bei seiner Kollegin Gesine Wenzel, die auf der anderen Seite der Brücke von HelferInnen im letzten Moment noch am durchgeschnittenen Seil gehalten werden konnte. Beide brauchten lange, bis sie sich eingestehen konnten, dass sie dieses Erlebnis nicht "einfach so" verarbeiten konnten. Und mussten die Erfahrung machen, dass ihre persönliche Umgebung zum Teil ebenfalls überfordert war, gerade, als sie die Unterstützung am nötigsten gehabt hätten, und nicht verstehen konnte, warum sie "nicht endlich einfach weitermachten".

U.a. dieser konkrete Vorfall war der Anlass zur Gründung des englischen Gruppe Activist Trauma Support. Auf deren Homepage gibt's viele nützliche Informationen "auch für den alltäglichen Wahnsinn" (Nella), z.B. ein kritischer Artikel über Risiken und Nebenwirkungen der Psycho-Industrie für Trauma-Hilfesuchende (englisch), persönliche Geschichten (englisch), Links auf ähnliche Gruppen sowie ein Infoflugblatt auf Deutsch (PDF).

Mit Out Of Action gibt es inzwischen in Berlin auch eine deutschsprachige Gruppe; am potentiell interessantesten für Zwitteraktivist_innen fand ich auf dieser Homepage die Diskussionsprotokolle "Traumatisierung und Widerstand" und "Trauma zur Waffe machen?" einer Veranstaltungsreihe.

Siehe auch:
- Menschenrechtsverbrechen: Wer schweigt, macht sich mitschuldig 
- "Was wollt ihr?" - "Gerechtigkeit!" - "Wann wollt ihr sie?" - "Jetzt!"
- Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen (1)
- 16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10
- "Monsanto – mit Gift und Genen"   
- 30 Jahre Irren-Offensive
- "Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- "Sexueller Missbrauch": Justizministerin fordert Entschädigungen auch "in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist"
- Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt" - Südwest Presse, 20.2.10
- "Give Peace a Chance" – Stop Genozid

Saturday 16 October 2010

30 Jahre Irren-Offensive

Zwitter sind nicht die einzigen, die sich seit längerem gegen ZwangsbehandlerInnen wehren, sowie gegen KomplizInnen u.a. in der Politik. Aus aktuellem Anlass ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Heute Abend feiert die Irren-Offensive mit einer Soliparty ihr 30-jähriges Bestehen (Hintergrundartikel auf Indymedia / Wikipedia-Eintrag). Dieser Blog gratuliert ganz herzlich und wünscht weiterhin viel Kraft!

Eigentlich ist es ja sehr bedenklich, dass es auch nach 30 Jahren eine solche Organisation immer noch braucht – und zwar mehr denn je: Seit der Ratifizierung des UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) am 1.1.09 wäre die Zwangspsychiatrie in Deutschland eigentlich illegal (daher das seither verwandte, oben abgebildete Logo).

Mit dem Monitoring für die Umsetzung des Abkommens beauftragte die Bundesregierung übrigens das "Deutsche Institut für Menschenrechte" – welches, statt seiner Aufgabe nachzukommen, sich flugs auf die Seite der ZwangsbehandlerInnen schlug, und anstelle der Opfer und ihrer Organsiationen flugs die TäterInnen der "Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)" als "Betroffenenorganisation" zu Konsultationen einlud (vgl. auch der von der Bundesregierung initiierte "Runde Tisch" betreffend sexualierter Gewalt an Kindern, wo ebenfalls lediglich die TäterInnen-Organisationen eingeladen sind). Die Irren-Offensive kritisiert dies seit längerem und protestierte mehrfach, auch direkt vor dem von ihnen umbenannten "Deutschen Institut für Regierungsgefälligkeiten" (siehe Bild unten).

Ebenso führt die Irren-Offensive seit nunmehr 16 Jahren jeden Frühling den sogenannten "T4-Umzug" durch, um an die Opfer der "Euthanasie", die für "geistig Behinderte" noch bis 1949 fortgeführt wurde, zu erinnern (dieser Blog berichtete).

Bezeichnend auch, dass der Kampf gegen die Zwangspsychiatrie für LGB- und queere Gruppen, die sonst stets "Intersektionalität" predigen, seit ihrer eigenen Entlassung aus der Psychiatrie in den 1970ern offensichtlich kein Thema mehr ist, da es nicht (mehr) um ihren eigenen Bauchnabel geht ...

30.6.2010: Kundgebung vor dem "Deutschen Institut für Regierungsgefälligkeiten" (a.k.a. "Deutsches Institut für Menschenrechte").

Siehe auch:
- 16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10
- "Monsanto – mit Gift und Genen"   
- Menschenrechtsverbrechen: Wer schweigt, macht sich mitschuldig 
- "Was wollt ihr?" - "Gerechtigkeit!" - "Wann wollt ihr sie?" - "Jetzt!"
- Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen (1)
- "Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- "Sexueller Missbrauch": Justizministerin fordert Entschädigungen auch "in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist"
- Prozesse wegen sexuellem Kindesmissbrauch: "Die Lawine rollt" - Südwest Presse, 20.2.10
- "Give Peace a Chance" – Stop Genozid 

Saturday 2 October 2010

Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Christiane Völling: »Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle.« Fackelträger Verlag, erscheint 25.08.2010Bemerkenswertes "Detail" zu Christiane Völlings Prozess:

Wenn die einen und die anderen der hier (-->) erwähnten Gruppen und Organisationen die Wichtigkeit der Unterstützung konkreter juristischer Kämpfe bewusst wäre, und hätten diese Organisationen gar von ihren jährlichen Beiträgen und Subventionen jeweils etwas dafür zur Seite gelegt oder wären zumindest bereit, nötigenfalls rasch aktiv Spenden sammeln, hätte Christianes Zwangsoperateur 250'000 Euro Schadenersatz hinblättern müssen statt "nur" 100'000.–.

Wie Christiane nämlich in ihrem gelungenen Buch auf S. 163f. beschreibt, hatte ihr Anwalt Georg Groth ihr ursprünglich geraten, Prof. Dr. L. auf 250'000.– zu verklagen, was sie schlussendlich vom Landgericht wohl auch bekommen hätte.

Leider konnte sie aber Prof. Dr. L. nicht auf 250'000.– verklagen, da es ihr nirgends möglich war, das für die höhere Streitsumme zusätzlich notwendige Geld zu leihen zwecks Hinterlegung beim Gericht als Voraussetzung für die Klageeinreichung.

Aus diesem Grund verklagte sie Prof. Dr. L. schliesslich nur auf 100'000.–.

Die dazu notwendige (niedrigere) Kaution schoss ihr Anwalt Groth aus eigener Tasche vor.

Andernfalls wäre auch Christianes Zwangsoperateur gratis und ungeschoren davongekommen – wegen Verjährung.

Wie bisher alle anderen Genitalverstümmler vor und nach ihm ...

Siehe auch:
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- "Tabu Intersexualität" - Dokfilm u.a. über Christiane, Arte 8.10.10
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Thursday 16 September 2010

16.09.10 - Buchpremiere mit Christiane Völling

Gleichentags wie der erste Protest in Potsdam ist angekündigt:

Christiane Völling: »Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle.« Fackelträger Verlag, erscheint 25.08.2010[Düsseldorf]: Buchpremiere mit Christiane Völling

Christiane Völling, die als erster (und immer noch einziger) Zwitter ihren ehemaligen Chirurgen vor Gericht brachte und auch noch gegen ihn gewann, liest in Köln aus ihrem Buch „Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“, mit anschliessendem Gespräch und Diskussion. Ebenfalls anwesend: Buch-Co-Autorin Britta Dombrowe, die soeben einem Dok-Film zum Thema fertigstellte (Erstausstrahlung: ARTE 08.10.2010, 20:40 Uhr).
--> Frauenbuchladen „Buch am Dreieck“, 19:30 Uhr.

Buchbesprechung von Nella:
Christiane Völling: "Wie beginnt man den Rest seines Lebens?" Die Biografie einer Überlebenden

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- "Die Bielefelderin Britta Dombrowe über ihren Arte-Film zur Intersexualität" - Neue Westfälische, 2.10.10
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info

16.9.10 - Berlin: Fachgespräch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)

Gleichentags wie der erste Protest in Potsdam ist angekündigt:

Ein weiteres der immer wieder beliebten "Fachgespräche", an denen die Genitalverstümmelungen an Zwittern jeweils (auch) irgendwie "(mit)gemeint" sind, diesmal in einem Workshop Nr. 6 „Geschlechtsausdruck, geschlechtliche Identität, Zwei-Geschlechter-Ordnung: Diskriminierung von Trans*, Inter* und schwul-lesbisch-bi lebenden Menschen“.
--> Anmeldung und Programm: http://www.ads-fachtagung.de/

Intersexuelle Menschen e.V. wird dort eine schriftliche Note „Diskriminierungen im Leben von intersexuellen Menschen“ übergeben.

Ob sich daraus eine konkrete Praxis gegen die GenitalabschneiderInnen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zumindest bisher dienten solche Veranstaltungen hauptsächlich als Feigenblatt, wenn verantwortliche PolitikerInnen sich später öffentlich herauslügen wollen, eigentlich würden sie im Gegenteil ja etwas für die Menschenrechte der Zwitter tun:

Bezeichnenderweise waren mehrere der am aktuellen „Fachgespräch“ Beteiligten bereits an einer ähnlichen Veranstaltung des Berliner Senats vom November 2004 mit von der Partie – auf welche vom heutigen Berliner Senat nach bewährtem Muster in der u.a. im Flugblatt zu den Protesten und auf Indymedia bereits erwähnten Drucksache 16/14436 vom 17.06.2010 auf S. 2 abschließend „verwiesen wird“ ...

Siehe auch:
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- Intersexuelle Menschen e.V.: Katzbuckeln gegenüber den Medizynern und den verantwortlichen PolitikerInnen
- Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 
- John Money & Co. - Der Mythos vom Einzeltäter
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Hamburg: Bürgerschaft will Zwitter stärken – Zwangsoperationen ausgeklammert
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)
- 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ... 

Thursday 9 September 2010

Neues IMeV-"Forum für intersexuellen Aktivismus"

>>> Nachtrag

Menschenrechte auch für Zwitter!

>>> http://www.intersexuelle-menschen.net/IMEVForum/

Intersexuelle Menschen e.V. hat auf der Vereinshomepage ein neues Forum aufgeschaltet mit dem verheissungsvollen Untertitel "Dies ist ein Forum für intersexuellen Aktivismus." 

Noch ist kaum was los – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden ...

Im öffentlichen Bereich mittlerweile immerhin ein gelungener Startschuss mit der Dokumentation eines Redebeitrags von Lucie Veith an einem "Bundesarbeitskreis (BAK) der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di" wohl vom 22.8.2010 (und nicht 2009 wie angegeben), der inhaltlich wiederholt Klartext bringt.

Über den Kontext des Beitrags liesse sich möglicherweise diskutieren – es gibt bei Verdi z.B. einen "Bundesarbeitskreis Behindertenpolitik/Schwerbehindertenvertretungen (BAK)", unter demselben Kürzel firmiert aber auch der "Bundesarbeitskreis Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender" ...

Nachtrag: Dass auch über 2 Monate später immer noch gleich wenig los ist auf dem Forum, könnte auch damit zusammenhängen, dass seit dem Start des Forums Vereinsmitglieder, die nicht dem "inneren Kreis" der kritiklosen Lucie-Veith-Beifallsbrigade angehören, nach erfolgter Anmeldung einfach ihre Passwörter nie erhalten ...

Siehe auch:
- Machtspiele, Mobbing, Intrigen: Mein Rücktritt als 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)
- Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ...
- Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert Untätigkeit des Ethikrates

Wednesday 14 July 2010

Intersexuelle Menschen e.V. kritisiert Untätigkeit des Ethikrates

Schon im Vorfeld des "Forum Bioethik" vom 23.6.10 hatte sich abgezeichnet, dass der Ethikrat wohl kaum an konkreten Taten interessiert sei. Am 24.6.10 beschloss er dann auch tatsächlich an einer Plenarsitzung, mit der Diskussionveranstaltung habe der Deutsche Ethikrat seine Schuldigkeit getan, und sehe vorderhand keinen weiteren Handlungsbedarf.
Die Medizyner operieren dankend weiter ...

Auch IMeV hatte sich offensichtlich etwas mehr erhofft und gab gestern auf der Vereinshomepage offiziell bekannt:

Der Vorstand des Vereins Intersexuelle Menschen e.V. hat sich schriftlich beim Deutschen Ethikrat für die Veranstaltung bedankt und ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass es den Vortragenenen offenbar nicht gelungen ist, die Dringlichkeit der Belange deutlich zu machen.

Hört, hört!

Gleichzeitig hat der Vorstand eine Anhörung beantragt. Der Verein Intersexuelle Menschen scheut eine öffentliche Auseinandersetzung mit Vertretern der Medizin nicht!

Hört, hört!

Meine 2 Cent: Ethikdiskussionen über Genitalverstümmelungen ohne praktische Konsequenzen sind unethisch. Anhörungen gab's schon mehr als genug. Dieser Blog wünscht sich künftig mehr Taten als Reden!

Wir bleiben gespannt ...

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik" 23.6.10
>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert

Tuesday 13 July 2010

Fetaldex.org Updates

Menschenrechte auch für Zwitter!

Fetaldex.org, die englischsprachige Seite der US-Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen, erhielt soeben ein Update:

U.a. wurde der Text auf der Eingansseite überarbeitet und erweitert, es hat neu einen Link auf Alice Dregers FAQ für Medienschaffende zum Thema, und die Updates-Seite erhielt 11 neue Einträge, der letzte datierend vom 7.7.10. Yip, yip!

Siehe auch:
- USA: Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen 
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Pränatale Hormonbomben gegen "lesbische oder zu selbstbewusste Mädchen" 
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken

Wednesday 30 June 2010

"Für die Kinder kämpfen wir" - Michel Reiter, 1997

Gratuliere, es ist sein Zwitter!

Ein berührendes Gedicht von Michel Reiter, das mit ergreifender Deutlichkeit festhält, was scheints immer mal wieder etwas in Vergessenheit zu geraten droht:

Wir kämpfen für die Kinder
damit sie eine Zukunft haben

>>> Für die Kinder kämpfen wir                     Danke!

Friday 25 June 2010

"Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08

Zum "Welttag gegen Genitalverstümmelung" 2008 brachte die Zeitschrift der Deutschen Sektion von Amnesty International einen gelungen Gastkommentar der Bremer Rechtsprofessorin Konstanze Plett. Der letzte Abschnitt geht spezifisch auf die Genitalverstümmelungen an Zwittern ein und bringt Klartext:

Vor allem darf nicht der Eindruck entstehen, »der Westen« wolle in anderen Teilen der Welt etwas durchsetzen, was er selbst nicht beachtet. Ich denke dabei an etwas, das in der westlichen Kultur seinen Ursprung hat und seit Ende der fünfziger Jahre praktiziert wird, nämlich die Genitalverstümmelung intersexuell geborener Kinder, deren mehrdeutige Geschlechtsorgane mit dem Skalpell manipuliert werden, damit sie einem nur von den Erwachsenen angenommenen Idealbild weiblicher oder männlicher Genitalien entsprechen. Nur wenn »zu Hause« dieselben Maßstäbe gelten wie andernorts, ist der Einsatz für die Menschenrechte glaubhaft.

Ein herzliches Dankeschön an Konstanze Plett und Amnesty Deutschland für diese klaren, solidarischen Worte!

>>> Der ganze Artikel auf Schattenblick.net

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Aufruf zur Solidarität
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Intersex-Schattenbericht online und als Download

Sunday 20 June 2010

Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker

Die Menschenrechtsexpertin Marion Böker hat auf ihrer Kalenderseite (--> Eintrag zum 23.6.10) beim Hinweis auf die Ethikrat-Veranstaltung vom nächsten Mittwoch in Berlin folgende solidarische Anmerkung publiziert:

Im Zuge dieser Debatte im Ethikrat ist darauf hinzuweisen, dass die Bundesregierung Genitalverstümmelungen bzw. kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen (sogenannte Zwitter / Hermaphroditen / Intersexuelle) in der ganzen Diskussion nicht mitaufgenommen hat. Es geht dabei um massive Verstöße gegen körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Trotz der CEDAW-Sitzung 2/2010 und dem CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern, die durch die Beschneidungen mehrheitlich zu "eindeutigen Frauen" zurechtgestutzt werden sollen, sowie mit der anschließenden Rüge des CEDAW-Ausschusses an die Bundesregierung, hat die Bundesregierung noch nicht gehandelt.

Hier finden Sie den CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern [PDF]

Wir sagen Dankeschön! Und hoffen, dass sich noch mehr solidarische Nicht-Zwitter tatkräftig dafür einsetzen werden, dass das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Zwitterkinder durchgesetzt wird – von selbst wird das leider nicht kommen ...

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Aufruf zur Solidarität
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Intersex-Schattenbericht online und als Download 

Friday 18 June 2010

1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V. möchte diesem Blog mal wieder das Kommentieren verbieten ...

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!An und für sich nichts Neues, aber weil's zur Abwechslung so schön öffentlich geschieht:

>>> http://zwitterforum.ath.cx/index.php/topic,1615.0.html
(--> Posts von Lucie Veith v. 16. Juni 07:43:57 / 17. Juni 06:14:48 /
19. Juni 2010, 18:20:01)

Siehe auch:
- IMeV: Katzbuckeln gegenüber den Medizynern und den verantwortlichen PolitikerInnen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht - und Intersexuelle Menschen e.V. sich nicht wehrt
- IMeV / XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Hamburg: Bürgerschaft will Zwitter stärken – Zwangsoperationen ausgeklammert
Bundestag / CEDAW: "Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" will nix kapiert haben – Intersexuelle Menschen e.V. guckt zu und schweigt
- Intersexuelle Menschen e.V. informiert (nicht)

Saturday 12 June 2010

Berichterstattung über das "Schwule Ehepaar aus Malawi": Beispiel für Vereinnahmungskaskaden?

Solidarität mit Zwittern statt VereinnahmungGeorg Klauda hat in seinem bahnbrechenden Vortrag "Fürsorgliche Belagerung" vom 31.10.2002 von "Kolonialisierungskaskaden" gesprochen, deren Opfer die Zwitter würden:

Durch die Queer- und Transgender-Modelle entstehen darüber hinaus Kolonialisierungskaskaden: Lesben und Schwule kolonialisieren Transsexuelle, und diese wiederum kolonialisieren Hermaphroditen. So haben etwa in der Berliner Partyszene die Tunten den Begriff Transgender für sich okkupiert und verneinen damit die Differenz, die zwischen ihnen besteht und Leuten, die die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass ihre Einbildungskraft ihnen die Zugehörigkeit zu einem anderen Körper aufgibt als den, den sie besitzen. Gleichzeitig beginnen Transsexuelle für Hermaphroditen zu sprechen, sich unter Umständen sogar selbst als intersexuell zu bezeichnen. Aber damit verleugnen sie die Tatsache, dass genau die Operationen, die ihnen den Geschlechtsübergang erleichtern sollen, unter Umständen an der Verstümmelung von Hermaphroditen entwickelt wurden. Und vergessen Lesben und Schwule, wenn sie die Konstruiertheit von Geschlecht hervorheben, nicht allzu leicht, dass diese Formulierung für Hermaphroditen einen bitteren Beigeschmack hat? Denn an ihnen wurde versucht, ein Geschlecht zu konstruieren, und das mit katastrophalem Ausgang.

Auch der (Ex-)Zwitter-Aktivist Vincent Guillot sagte an einer Diskussionsveranstaltung in Zürich vom 4.4.10 sinngemäss:

"Die Befreiung der Schwulen und Lesben wurde auf Kosten der Transsexuellen erkauft, und die Befreiung der Transsexuellen wird mit der Psychiatrisierung der Intersexuellen erkauft werden [bei DSM-V werden ja Zwitter klar verstärkt psychiatrisiert – die Psychiater bauen schon mal vor], und die Befreiung der Zwitter wird höchstwahrscheinlich auf Kosten einer weiteren Gruppe erfolgen [was Vincent durch ein "ganzheitliches Befreiungsmodell" verhindern will, ohne das jedoch konkretisieren zu können, ebensowenig, wie er damit die Zwangsoperationen und sonstigen medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen an Zwittern innert nützlicher Frist abschaffen will]." (Vgl. dazu auch den Nachtrag im Kommentar hier.)

Jedoch ging schon die Entstehung der 1. Schwulenbewegung letztlich auf Kosten der Zwitter, bzw. trug bei zu den späteren menschenrechtswidrigen, medizynischen und psychiatrischen Zwangspraktiken, unter denen Zwitter heute noch leiden (vgl. z.B. Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld), was das Ganze noch einmal komplizierter macht.

Zumindest die aktuelle Medienberichterstattung über den "Fall" von Tiwonge "Aunty Tiwo" Chimbalanga und Steven Monjeza, die in Malawi wegen "Sodomie" zu 14 Monaten Zwangsarbeit verurteilt wurden, weil sie eine Heiratszeremonie durchgeführt hatten, kann jedoch durchaus im Bezugsrahmen der Vereinnahmungskaskade betrachtet werden, wie sie oben von Georg Klauda und Vincent Guillot umrissen wurde:

LGB(T)-Aktivistinnen weltweit hatten diesen "Fall" aufgegriffen und berichteten über das skandalöse Urteil gegen das "schwule Ehepaar". Dank grossem internationalem Druck (auch Madonna hatte eine Unterschriftensammlung veranstaltet, der US-Präsident Barack Obama sprach sich gegen das Urteil aus) wurden die beiden zum Glück schliesslich begnadigt. Soweit, so positiv, und dafür allen Beteiligten ein herzliches Danke.

Negativ ist hingegen, wie LGB(T)-Organisationen und -Medien die beiden unhinterfragt und unbeirrbar als "schwules Ehepaar" beschrieben und annektierten, selbst als schon lange klar war, dass dies wohl so nicht zutreffen kann, und nachdem die Organsisationen und Medien mehrfach auf diesen Lapsus aufmerksam gemacht wurden (worauf auch solidarische kritische Kommentare auf diesem Blog hinwiesen). Weil erstens versteht sich Aunty Tiwo offensichtlich als Frau und ebenso wie Steven NICHT als "schwuler Mann". Weiter gibt es verschiedene Berichte, wonach Aunty Tiwo wahrscheinlich Intersexuell ist (sie habe Monatsblutungen und ihr Penis schaue "nicht normal" aus – vgl. die erwähnten Kommentare sowie einen bei BadHairDays übersetzten Artikel aus der NY-Times). Trotz mehrfachen Hinweisen darauf zeigten sich praktisch alle LGB-Organsisationen und -Medien weitgehend unbeirrbar, und wo sie diese Hinweise überhaupt konkret zur Kenntnis nahmen, neigten sie in der Regel zu paternalistischen Verschlimmbesserungen und Zurechtweisungen, so scheints u.a. Queer.de, MERSI-Amnesty und Queeramnesty, Volker Beck/Grüne.

Zu Recht wurden diese (und andere) LGB-Organisationen und -Medien deshalb vor allem von Trans*-Aktivist_innen kritisiert, die sich solche Unterschlagungen/Vereinnahmungen durch LGB auch sonst gewohnt sind.

Leider machten die allermeisten dieser Kritiken entsprechend der Logik der Vereinnahmungskaskade (oder einfach schlicht aus Unwissenheit?) den gleichen Fehler "gegen unten", indem sie Aunty Tiwo kurzerhand im Namen von "T" als "Transgender" reklamierten, und die Hinweise auf Intersexualität zwar z.T. kurz erwähnten, schlussendlich dann aber schlicht beiseite liessen (und so nebenbei z.T. auch zu vergessen schienen, dass das "T" eigentlich und ursprünglich (zumindest auch) für Transsexuelle steht), vgl. z.B. pamshouseblend.com, huffingtonpost.com, guardian.co.uk, news.pinkpaper.com (vgl. dort auch kritische Kommentare).

(NB: Ob Aunty Tiwo nun wirklich intersexuell ist oder Transgender oder was sonst, weiss ich ehrlich gesagt auch nicht, weil ich schlicht keine verlässlichen Infos darüber habe, doch ich denke, dass sie und Steven NICHT "homosexuell" sind, dürfte anhand des wenigen Bekannten klar genug sein, dass die betreffenden LGB-Organisationen und Medien hätten zumindest seriös darauf eingehen müssen. Meine Kritk in diesem Post richtet sich ausschliesslich an die LGB(T)-Berichterstattung über diesen "Fall" bzw. dessen öffentliche Handhabung. Obwohl, worauf schon BadHairDays hinwies, die Vereinnahmung in diesem Fall ausnahmsweise für die direkt betroffenen etwas Gutes bewirkte, nämlich, dass Aunty Tiwo und Steven begnadigt wurden.)

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Kritische Kommentare zum "Fall" auf diesem Blog

Tuesday 8 June 2010

Positionspapier Bündnis 90/Die Grünen + Fachgespräch QueerGrün Berlin, 8.6.10: Am konkreten Problem vorbei

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat unlängst ein Positionspapier "Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" veröffentlicht, das leider das eigentliche Problem der Verletzung des Grund- und Menschenrechts auf körperlichen Unversehrtheit einmal mehr aussen vor lässt.

Auch konkret lassen die Bundes-Grünen genitalverstümmelte Zwitter weiterhin im Regen stehen:

Statt wie von der Zwitterbewegung seit 14 Jahren gefordert endlich einmal konkrete Vorstösse gegen die SeriengenitalabscheiderInnen in deutschen Spitälen zu unternehmen, starten die Grünen lieber die x-te chancenlose Initiative zu einer Änderung des Personenstandsrechts – bekanntlich eine Hauptforderung von Transsexuellen/Transgendern, und NICHT von Zwittern – während die SerientäterInnen weiterhin ungehindert im Akkord wehrlose Zwitterkinder verstümmeln ...

Schlimmer noch, das Positionspapier macht sprachlich und in der Sache wiederholt gemeinsame Sache mit den TäterInnen (mehr zum Positionspapier siehe unten "Kommentar").

Gleichzeitig lädt heute die Landesarbeitsgruppe QueerGrün Berlin unter dem Titel: "Kontrollierte Körper und beschädigte Psychen: Menschenrechtsverletzungen der Medizin an Intersexuellen und Trans*" wieder einmal zu einem "Fachgespräch" (die entsprechende Ankündigung ist zu unterst vollständig dokumentiert).

Leider scheint dabei auch QueerGrün nicht zum ersten Mal primär die Problematik und Sichtweise der Transsexuellen im Blickfeld zu haben. Zumindest die Ankündigung zielt ebenfalls in leider altbekannter Weise am eigentlichen Problem der Zwitter vorbei:

Die massivsten Grund- und Menschenrechtsverletzungen an den "Intersexuellen" werden (im Gegensatz zur den Forderungen der Tanssexuellen/Transgender) laut Ankündigung leider, leider wieder mal von vornherein bagatellisiert – und nach bekanntem Muster instrumentalisiert zu Gunsten einer erhöhten Sichtbarmachung der in Wahrheit auf einer anderen Ebene gelagerten Grundrechtsverletzungen von Transsexuellen:

Dies beginnt schon im Titel, wo die massiven körperlichen Schäden durch die heute noch möglichst flächendeckend durchgeführten Genitalverstümmelungen an wehrlosen Zwitterkindern verniedlicht werden, indem deren Körper nach dem Verständnis von QueerGrün Berlin nicht etwa "beschädigt" werden, sondern lediglich "kontrolliert" (im Gegensatz zur Psyche/Identität, dem Hauptthema der Transsexuellen).

Dieselbe Tendenz setzt sich in der Ankündigung dann auch im Kleingedrucken konsequent fort: Statt Klartext zu reden über Genitalverstümmelungen, Zwangskastrationen, genitale Zwangsoperationen oder nur schon von kosmetischen Genitaloperationen an Zwitterkindern, ist in Bezug auf die Zwitter lediglich die Rede von "sogenannte „geschlechtsangleichende Operationen“ [...], um dem Kind ein „eindeutig“ männliches oder weibliches Geschlecht zuzuweisen". Dies ist TäterInnensprache! Zwangsoperierte Zwitter wehren sich seit Jahrzehnten gegen diesen sprachliche Verschleierung und Beschönigung!

Doch es kommt noch übler: Bei den "Trans*-Menschen" ist nebst der von diesen bevorzugten Sprachregelung, nämlich "„geschlechtsangleichende“ Maßnahmen" dann demgegenüber zusätzlich noch explizit die Rede von "Zwangskastration"! Dies ist nicht nur eine Verdrehung der Tatsachen, sondern eine schamlose Vereinnahmung und Verniedlichung der medizynischen Verbrechen an Zwittern!

Denn es verdeckt den realen Unterschied zwischen Zwangskastrationen, wie sie einerseits wehrlosen Zwittern gewaltsam oder mit Lügen von einer angeblich direkt lebensbedrohenden "generellen Krebsgefahr" aufgezwungen werden, ohne dass diese eine Möglichkeit hätten, sich dagegen zu wehren oder abzulehnen, und andrerseits dem Kastrationszwang, wie ihm Transsexuelle/Transgender mit eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen ausgesetzt sind, die eine Änderung des Personenstandseintrags wollen, ohne dass sie deshalb gewaltsam oder durch hinterlistische Täuschung gezwungen würden. Diese Verdrehung entspricht sinngemäss etwa einer Gleichsetzung/"Verwechslung" von Nötigung ("Geld oder Leben!") mit Mord aus dem Hinterhalt.

In dieselbe Kerbe haut auch das von QueerGrün als Ankündigung verwendete Piktogramm:

Hier ist klar ein erwachsener Mensch abgebildet, es steht also wiederum für Transsexuelle oder Transgender – Zwitter, die in der Regel nach wie vor als Kleinkinder vor dem 2. Lebensjar von den Medizynern verstümmelt werden, bleiben einmal mehr aussen vor.

Wörter, Symbole und Zeichen schaffen Tatsachen, wer sie unsachgemäss benutzt oder gar mutwillig für eigene Zwecke verdreht, macht sich zur MittäterIn!

Aus diesen Gründen, und weil Vereinnahmung und Instrumentalisierung von Zwittern durch LGBT inkl. "Trans*-Menschen" leider eine Jahrzehnte alte, unwürdige Tradition hat, die bisher von beiden Seiten noch nicht wirklich aufgearbeitet wurde, sollten die massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern besser nicht im selben Atemzug bzw. an derselben Veranstaltung mit Transgender/Transsexuellen behandelt werden. Wer dies trotzdem tut, sollte sich der Gefahr bewusst sein und entsprechende Vorsicht an den Tag legen – ausser, die Betreffenden nehmen die Fortsetzung der Zwittervereinnahmung entweder mutwillig in Kauf, oder haben es gar von vornherein darauf abgesehen.

Kommentar:

An und für sich ist es ja prinzipiell positiv, dass QueerGrün wie auch die Mutterpartei sich gegen Menschenrechtsverletzungen an Zwittern positionieren wollen.

Die vorliegende Veranstaltungsankündigung lässt jedoch leider nicht zum ersten Mal betreffend der oben angesprochenen Kritikpunkte jegliche notwendige Sensibilität vermissen, und auch die geladenen Expert_innen haben sich leider diesbezüglich zumindest bisher nicht gerade durch analytische Trennschärfe hervorgetan (geschweige denn durch realpolitisch durchsetzbare, klare Positionen und Forderungen, etwa indem sie sich aktiv für ein Verbot der Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern einsetzen würden).

Bezeichnenderweise kommt das von allen Zwitterorganisationen in ihren Forderungslisten nicht zufällig an erster Stelle angeführte, zentrale Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung im ganzen QueerGrün-Ankündigungstext nicht ein einziges Mal vor!

Obwohl u.a. Amnesty Schweiz und Amnesty Deutschland, aber auch Terre des Femmes Schweiz erst gerade bewiesen, dass es auch anders geht – nämlich mit Klartext, auf den Punkt gebracht und erst noch ohne Vereinnahmung! Ebenso die schweizer Grünen.

Nur die deutschen Grünen haben bisher trotz bald Jahrzehnte langem Gerede noch nichts konkretes zur Durchsetzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter auf die Reihe gekriegt – sondern zumindest bisher stattdessen stets bloss Vereinnahmung pur! (eins / zwei / drei / vier / fünf / sechs)

Auch das 4-seitige Positionspapier der Bundes-Grünen "Jenseits des Geschlechts: Menschenrechte Intersexueller gewährleisten" mit Datum vom 6. Mai 2010 zielt einmal mehr am eigentlichen Problem vorbei und hofiert letztlich gar zum Teil einmal mehr die Zwangsoperateure (etwa, in dem es auf S. 2 unbesehen und unhinterfragt deren je nach Bedarf beschönigte Zahlen und Statistiken übernimmt). Auf S. 3 wird gar unterstellt, zwangsoperierte Zwitterkinder (in der Regel unter 2-jährig!) wären zumindest "bedingt einwilligungsfähig". Weiter ist die Rede von "sexuelle Funktionsfähigkeit", ohne dass eben der deren Infragestellung durch Verminderung/Verlust des sexuellen Empfindens durch die Verstümmelungen je angesprochen wird (viele Zwangsoperierte spüren nichts mehr oder nur noch Schmerzen). Das ist einmal mehr unhinterfagt übernommene TäterInnensprache der SerienverstümmlerInnen vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "EuroDSD"!

Das den Zwittern nach wie vor vorenthaltene, zentrale Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit kommt im ganzen Positionspapier immer noch kein einziges Mal vor!

Statt endlich entschlossen gegen die Medizyner-Verbrecher vorzugehen und ihnen endlich, endlich das Verstümmeln wehrloser Kinder gesetzlich zu verbieten (z.B. entsprechend dem aktuellen Gesetzesentwurf gegen weibliche Genitalverstümmelung), geht es den Grünen auf S. 4 in ihrer konkreten politischen Arbeit aktuell dann folgerichtig einmal mehr lediglich um das Lieblingskind der Transsexuellen und Transgender, nämlich ausschliesslich um das Personenstandsgesetz. Während gleichzeitig wherlose Zwitterkinder genitalverstümmelt und kastriert werden – allein in deutschen Spitälern etwa JEDEN TAG EINES!!!

Fazit: Es wäre ja wirklich sehr schön und eine Riesenfreude, falls sich das alles anlässlich dieses x-ten "Fachgesprächs" der Grünen endlich ändern würde – aber ehrlich gesagt halt ich bis dahin die Luft nicht an ...

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" 
- "Netzwerk DSD/Intersexualität" / "Euro-DSD": Lübecker Zwitterstudie frisiert 

Nachfolgend dokumentieren wir die oben kritisierte Veranstaltungseinladung:

Continue reading...

Tuesday 1 June 2010

"Theoretisch intersexuell" - Joke Janssen, 2006/2008

Texte innerhalb der Gender- und Queer Studies, die sich selbstkritisch mit der Vereinnahmung von Zwittern durch die eigene Zunft beschäftigen, haben immer noch Seltenheitswert. Umso erfreulicher, auf ein weiteres Beispiel zu stossen!

Der vorliegende Text von Joke Janssen wurde publiziert im von der Hamburger AG Queerstudies herausgegebenen Sammelband "Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen" (Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009). Der vollständige Titel des Beitrags lautet "Theoretisch intersexuell. Wie intersexuelle Menschen zwischen den Zeilen bleiben." (S. 165-184).

>>> Ältere Fassung von 2006 als PDF im InterArchiv

Der Artikel greift die Kritik auf, dass Gender- und Queer Studies Zwitter zwar gerne behandeln, jedoch meist nur als Mittel zum eigenen Zweck, d.h. Dekonstruktion von Geschlecht bzw. Kritik am Zweigeschlechtersystem, jedoch ohne angemessene Berücksichtigung der Lebensrealitäten und Kämpfe der meist zwangsoperierten Zwitter selber, geschweige denn ohne je praktisch einen solidarischen Beitrag zum Kampf der Zwitter gegen die Zwangsoperateure zu leisten (obwohl diese Verbrecher meist in genau denselben akademischen Intstitutionen "tätig" sind wie die ach so "kritischen" Gender-WissenschaftlerInnen selber).

Joke Jansen greift dabei auf drei exemplarische, (selbst)kritische Texte zurück, die in diesem Blog schon öfters gewürdigt wurden:

  • Antke Engel: "Eene meene meck, und du bist weck." (Hamburger Frauenzeitung, 1997)
  • Emi Koyama / Lisa Weasel:
 "Von der sozialen Konstruktion zu sozialer Gerechtigkeit. Wie wir unsere Lehre zu Intersex verändern." (2002, auf Deutsch in: Die Philosophin, 2003)
  • Gabriele Dietze: "The Cutting Edge of Gender Studies. Die Geburt der Kategorie Gender aus dem Geist des Skalpells" 
a.k.a "Schnittpunkte. Gender Studies und Hermaphroditismus" 
(In: Dietze / Hark (Hg.): "Gender kontrovers, 2006)

Joke Janssen untersucht in der erweiterten Buchfassung dann 4 Texte, denen innerhalb der Gender Studies "sehr viel Bedeutung beigemessen wird" (S. 166) darauf, inwiefern sie die in den obigen Texten angeführten Kritikpunkte berücksichtigen oder nicht. Dabei handelt es sich um:

  • Michel Foucault: "Das wahre Geschlecht" (die Einleitung zu den Tagebüchern von Herculine Barbin, auf Deutsch 1998)
  • Judith Butler: "Foucault, Herculine und die Politik der sexuellen Diskontinuität" [In: "Das Unbehagen der Geschlechter" S. 142-165, auf Deutsch 1991]
  • Anne Fausto-Sterling: "The Five Sexes" (1993)
  • Gabriele Dietze: "Allegorien der Heterosexualität. Intersexualität und Zweigeschlechtlichkeit – eine Herausforderung an die Kategorie Gender?" (2003)

Einleitend wird in einem Überblick zunächst konstatiert, dass der den meisten Zwitter-Aktivist_innen (im Gegensatz zu VertreterInnen von Queer- und Gender Studies) in erster Linie um "ethische Fragen nach dem Recht auf körperliche Unversehrtheit" (S. 169) geht, sowie in der Buchfassung, dass sich die Zwitterbewegung vielfach ausdrücklich "entgegen queeren Lebens- und Identitätsentwürfen [positioniert]" (S. 170).

Folgerichtig (und wenig überraschend) kommt Joke Janssen in der weiteren Analyse zum Schluss, dass alle 4 untersuchten Texte Intersexuelle selbst bzw. ihre eigenen Zeugnisse und Geschichten weitgehend ausser Acht lassen, sondern dass vielmehr die altbekannte "Instrumentalisierung von Intersexuellen im Text" (S. 171) die Regel ist, wobei sich lediglich "das ‹Schreckensbild› sexueller ‹Transgressionen› [...] hier zu einer romantischen Vorstellung von Geschlechtergrenzgänger_Innen [verschiebt]" (S. 171).

Ebenso werden Zwitter einer "Mystifizierung" als "[r]ätselhafte Gestalten" (S. 172) unterworfen: "Auf diese Weise wird das alltägliche Leben intersexueller Menschen verklärt und / oder erotisiert." (S. 173). Generell sei "hegemoniales Schreiben" (S. 174) über Intersexuelle als "Andere" vorherrschend. "Intersexualität wird zum «Qualifizierungsobjekt» der Geschelchterforschung, [wird] entkörpert und [...] [dient] als Metakritik der Zweigeschlechtlichkeit" (S. 178).

Kritisert wird weiter der Gebrauch der "Fallgeschichte John/Joan" als "Platzhalter" der Geschlechterforschung (S. 176), bzw. die "unproduktive Fokussierung" der Genderstudies auf diesen einzelnen Fall unter Auslassung der täglichen Genitalvesrtümmelungen an Zwittern (im Gegensatz zum "«biologisch männlichen»" David Reimer a.k.a. "John"), wofür möglicherweise "hegemoniale sexistische Vorannahmen" verantwortlich seien (S. 177).

(Leider unterlässt es der Artikel, gleichzeitig festzuhalten, dass dieses infame, tragisch verlaufene "Zwillingsexperiment" von John Money, das von diesem als "Beweis" für die Zwangsbehandlungen an Zwittern verbraten wurde, und das er auch nie zurücknahm und das von der akademischen Gemeinschaft bisher auch noch nie angemessen kritisiert wurde als das, was es letztlich ist, nämlich ein krasses Menschenrechtsverbrechen, und dass dieses Verbrechen als solches aus einer Menschenrechtsperspektive solange weiter angeführt und kritisiert werden muss, bis endlich die Gerechtigkeit siegt, soweit das überhaupt noch möglich ist – auch wenn einige "GenderwissenschaftlerInnen" es stattdessen lieber gleich ganz unter dem Tisch haben, oder gar noch – wie schon John Money selber – gleich noch anderen die Verantwortung für den Tod von David Reimer in die Schuhe schieben möchten.)

Abschliessend hält Joke Janssen in der erweiterten Buchfassung von 2008 fest (S. 179-181):

Bei Intersexualität geht es um Körper, denen die Chance auf eine Zukunft abgesprochen wird, insofern haben Theoretiker_Innen, die Intersexualität in ihre Texte einbeziehen, eine Verantwortung gegenüber dem, was sie be / schreiben. Den Text von der Körperlichkeit zu befreien, bedeutet ein unverantwortliches Verhandeln dessen, was die Theorie untermauern soll. [...] Dieser Akt der Aneignung des Anderen [durch Objektivierung über das Absprechen von Individualität] und das damit verbundene Versagen von Selbstbestimmung wurde schon ausführlich von Kritiker_Innen eines weißen hegemonialen Feminismus und seinen Rassismen [...] beschrieben [...]

Die politischen Forderungen nach körperlicher Selbstbestimmung einer breit angelegten Medizinkritik oder einer Kritik der Zweigeschlechtlichkeit, welche die Individuen nicht aus dem Fokus verliert, finden sich ich den von mir gewählten gendertheoretischen Texten nicht wieder. Im Gegenteil lässt sich durchaus sagen, dass Intersexualität nur als abstrakt bleibende Widerlegung des Prinzips Zweigeschlechtlichkeit Eingang in die von mir kritisierten Texte findet. [...]

Eine theoretische Behandlung von Intersexualität, welche die Forderungen von Aktivist_innen nicht mitdenkt, schafft eine textuelle Wirklichkeit, in der eine «Gruppe» eine andere repräsentieren kann und Individuen bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um an Diskursen teilnehmen zu können. [...] Eine Instrumentalisierung von Intersexualität, wie ich sie oben dargestellt habe, kann deshalb hinterfragt und vermieden werden

Soweit die Theorie. Dafür schon mal ein fettes Dankeschön!

Der nächste logische Schritt wäre nun eine aktive und tatkräftige Solidarisierung mit den Zwittern in ihrem Kampf um die schnellstmögliche Beendigung der genitalen Zwangsoperationen und sonstigen uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen Zwangsbehandlungen. Damit sieht's allerdings leider aktuell nicht nur an der Uni Hamburg bisher nach wie vor erstmal düster aus ...

>>> Ältere Fassung des Texts von Joke Janssen von 2006 als PDF im InterArchiv

Siehe auch:
- Genitalverstümmelung & Gendertheorie: Hirschfeld-Money-Butler
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung

Tuesday 25 May 2010

"Ettlich Sind Bederlay Geslechts" - Ausstellung von Ins Kromminga in Bremen

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Ins A. Kromminga stellt aus in der Galerie Herold in Bremen (noch bis am 30.5.).

>>> offizielle Ankündigung

Eine >>> Besprechung in der taz kommentiert wohlwollend, wie wenig aktionistisch die Ausstellung daherkomme. (Als Kontrast hierzu ein >>> englischsprachiger Artikel anlässlich einer Ausstellung vom letzten Jahr in Delhi.)

Auf Ins' neuer Homepage >>> Abject.de hat's zudem eine >>> Galerie mit aktuellen Werken.

Meine 2 Cent: Dass auch Künstler_innen leben müssen, leuchtet ein. Persönlich find ich's trotzdem zuallermindest diskussionswürdig, wie Ins bei der aktuellen Ausstellung primär "Mythologisches" in den Vordergrund stellt, zumal scheinbar unreflektiert und in einer Form, die zumindest mich fatal an seinerzeitige (Fake-)Zwitter erinnert, wie sie einst als sogenannte >>> "Half-and-Half" bei jeder gut sortierten Freakshow dazugehörten:

  
Links ein zeitgenössisches Sideshow-Beispiel,
rechts das titelgebende Bild der Ausstellung © Ins Kromminga.
(zum Vergrössern jeweils reinklicken)

Denn bekanntlich kann Ins Kromminga auch anders:

"PRADER™: Genital Fashion* since 1957.
*Fashion, Design, experimental, cosmetic plastic surgery."

© Ins Kromminga 2009

(Andrea Prader hiess der schweizer Endokrinologe, der 1950 bei John Moneys Einflüsterer Lawson Wilkins im berüchtigten Johns Hopkins Hospital lernte und 1957 eine Habilitation zum Thema verfasste; von ihm stammt die berühmt-berüchtigte "Prader-Skala".)

Sunday 23 May 2010

Onlinepetition medizinische Versorgung für Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung auf Kasse

Nicht nur Zwitter sind damit konfrontiert, dass Krankenkassen sich rundheraus weigern, für die Folgen von Genitalverstümmelungen aufzukommen, z.B. für adäquate Ersatzhormone nach Zwangskastrationen, psychologische Behandlungen wegen der Traumatisierungen, oder dass sie versuchen, Zwitter, die mit ihrer Zwangszuweisung nicht zufrieden sind, in eine Transsexuellenlaufbahn zu zwingen um die Verstümmelungen nicht als Fehlbehandlung anerkennen zu müssen.

Auch bei Betroffenen von weiblicher Genitalverstümmelung wollen die Kassen oft nicht für Behandlungen aufkommen. Hier mit der Ausrede, es gäbe im ICD-Behandlungsschlüssel nunmal keine entsprechende Diagnose.

Terre des Femmes und das Familienplanungszentrum Balance haben deshalb eine Petition an den Bundesgesundheitsminister gestartet, um hier für Abhilfe zu sorgen.

>>> Die Petition kann auch online unterschrieben werden! Danke!

Saturday 22 May 2010

Zwitter @ Lesbenfrühlingstreffen 2010 - Workshop mit Diana Hartmann

Gestern war sie zu Gast in der Sendung Nachtcafé (neu:
>>>
Videolink, Kommentar & Transkript) – heute hält Diana Hartmann einen 3-teiligen Workshop zum Thema am diesjährigen >>> Lesbenfrühlingstreffen im Hamburg:

Intersexualität – Krankenaktenzeichen xx xox xxy ungelöst, das Leben zwischen den anerkannten Geschlechtern

1. Was ist Intersexualität – eine Stunde der Aufklärung
2. Intersexuelle in der Geschichte damals und heute
3. Menschenrechte auch für Zwitter 

Der Workshop findet statt im Themenblock "Tabus in der Lesbenszene", in einem weiteren Workshop dieser Rubrik geht es übrigens um "Bärtige und haarige Frauen".

Kommentar: Zwitter sind Menschen wie alle anderen auch. Sie fühlen sich als (eher) Frauen, als (eher) Männer, als etwas dazwischen oder nochmals anders. (Manche Zwitter fühlen sich gar ausdrücklich als Zwitter – als weibliche Zwitter, als männliche Zwitter, oder einfach "nur" als Zwitter.) Ungeachtet dessen stehen die einen Zwitter auf Frauen, die anderen auf Männer, auf beide, (auch) auf Zwitter – usw. 

Ob zwangsoperiert oder nicht: Sowohl in der Hetero- wie auch in der Lesben- und Schwulenszene beklagen sich manche Zwitter darüber, dass sie von den "reinrassigen" Frauen und Männern wegen ihrer körperlichen Besonderheiten ausgegrenzt werden – auch sexuell und in der Liebe.

Umso schöner, dass das Lesbenpfingsttreffen 2010 mit diesem Workshop von Diana Hartmann einen aktiven Beitrag leistet für mehr Toleranz, gegen das Zwitter-Tabu und gegen Stigmatisierung. Dafür von diesem Blog ein ganz herzliches Danke!

Siehe auch:
- Mit der Hoffnung im Herzen
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung 

Saturday 15 May 2010

"Dürfen Missbrauchsopfer stören?" - Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Die Aktion in der Süddeutschen, 14.5.10

Seit Jahren beklagen sich Betroffene von sexualisierter Gewalt ebenso wie zwangsoperierte Zwitter, dass an "Fachtagungen" usw. immer noch über sie statt mit ihnen gesprochen wird. Norbert Denef vom >>> "NetzwerkB" für Betroffene von Sexualisierter Gewalt zeigte gestern, dass es darüber hinaus wirksamere Möglichkeiten gibt, um den TäterInnen die "internen Diskussionen" unter Ausschluss der Opfer zu vermiesen.
>>> Video Brisant, 14.5.10
>>> Video ARD Tagesschau, 14.5.10

"Ich will stören"

Seither ist der Kampf gegen das Schweigen der Kirche zu Denefs Mission geworden. Er hat das NetzwerkB, das Netzwerk Betroffener, gegründet. Er hat verstanden, dass nur die Öffentlichkeit den Druck erzeugt, der die Kirche zum Umlenken und Umdenken bringen kann. Von allein, da ist er überzeugt, handelt sie nicht.

Und Denef hat verstanden, wie man die Öffentlichkeit nutzt.

Die Veranstaltung beim Kirchentag ist sein Podium - auch wenn man ihn nicht eingeladen hat. (Spiegel Online, 14.5.10, mit cooler Fotostrecke)

Das Mittel seiner Wahl ist keineswegs neu (und noch die harmlosere Variante), sondern gehört seit eh und je zum bewährten Repertoire sozialer Bewegungen. Und obwohl prompt einmal mehr Kritik über das "unbotmässige Opfer" laut wird (ein typisches Beispiel inkl. Repliken von anderen Betroffenen siehe hier), gibt ihm der >>> phänomenale Medienerfolg einmal mehr Recht.

Die Betroffenen von sexualisierter Gewalt brauchten in Deutschland geschätzte 30 Jahre, bis sie soweit waren, dass sie nicht nur das Schweigegebot überwanden und stattdessen den TäterInnen lautstark entgegentraten, sondern nun auch die bewährten Methoden der Gewaltfreien Aktion systematisch in Anspruch zu nehmen beginnen – weil bloss klagen und höflich fragen allein eben nicht zum Erfolg führt.

Wie lange werden die Zwitter brauchen?

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Tuesday 4 May 2010

16. "Aktion T4"-Gedenkdemo, Berlin 2.5.10

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

In Berlin fand am letzten Sonntag zum 16. Mal (!) der T4-Umzug statt, beginnend mit einer Kundgebung an der Gedenktafel an der ehemaligen Tiergartenstrasse 4 (siehe Bildausschnitt oben), dem damaligen Standort der "Euthanasie"-Mord-Zentrale.

Berichte und Fotos dazu auf >>> de.indymedia.org und >>> freedom-of-thought.de.

Einige Ausschnitte aus der Ansprache am Schluss des Umzugs und aus dem Flyer:

"Wir gedenken heute der Opfer eines unmenschlichen Aktes. An seiner Ausführung waren vor allem auch Mediziner beteiligt. Es war ein grausamer Massenmord, der gegen Menschen ausgeführt wurde. Man hat sie zuerst ihrer Freiheit, ihrer Würde und ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt und sie dann als „Entartete“ bezeichnet und umgebracht. [...]

Inzwischen vergingen 70 Jahre. [...] Heute heißt, es es sei „Frieden“… [...]

Die Psychiatrie-Erfahrenen berichten da etwas ganz anderes. Sie berichten über Gewalt, über Verletzung von elementaren Menschenrechten, dass ihre Würde und das Recht auf Selbstbestimmung für die heutigen Psychiater, genauso wie damals, keine Rolle spielen. [...]"

"[...] Wir wollen der Opfer der medizinischen Massenmorde gedenken [...] von 1939-1949 [...].

Beschämender Weise sind selbst heute die Funktionsträger der BRD nicht bereit, auf den Nazi-Euphemismus „Euthanasie“ zu verzichten, wenn sie dem medizinischen Massenmord und diesem immer nur in einem Zeitfenster von 1939-1945 „gedenken“ und diesen so benennen. (1) Tatsächlich hatte das Morden mit einem selbst herbeigewünschten Tod nicht das Geringste zu tun, sondern war eine systematische ärztliche Mordaktion und muss auch so benannt werden.

Das Datum unseres Umzuges wurde gewählt als Erinnerung an die Verkündung des Urteils des Foucault-Tribunals am 02. Mai 1995 in Berlin:

„Wir stellen fest, daß die Psychiatrie, die nicht bereit ist, Zwang und Gewalt aufzugeben, sich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat: der vorsätzlichen Zerstörung von Würde, Freiheit und Leben. ... “ (2)"

Monday 29 March 2010

LSVD und Zwittersolidarität: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück?

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) kann für sich in Anspruch nehmen, die erste deutschsprachige LGB-Organisation zu sein, die Zwitter konkret politisch unterstützte:

2009 verabschiedete die Verbandstagung einstimmig (!) u.a. einen sensationellen Wahlprüfstein "9. Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen bekämpfen!", der Klartext brachte und Zwitter für einmal nicht vereinnahmte, sondern explizit den "erheblichen Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde" durch kosmetische Genitaloperationen und weitere "Zwangsbehandlungen" anprangerte. Mit eindeutigem Ergebnis: In den Antworten sprachen sich darauf 4 von 5 Bundestagsparteien gegen genitale Zwangsoperationen aus!

(Ok, zwar lediglich unverbindlich als papierenes Wahlversprechen, was aber im Vergleich zum sonstigen Schweigen oder gar aktiver Unterstützung der Zwangsoperateure durch die allermeisten Parteien schon mal eine gute Falle machte.)

Das solidarische Eintreten des LSVD machte eine kurze Zeit gar Schule: So schrieb sich z.B. der CSD Konstanz und Kreuzlingen 2009 ebenfalls auf die Fahnen, "Selbstbestimmung" und "das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit auch intersexuellen Menschen nicht mehr länger zu verweigern".

Leider, leider scheint dieses vorbildliche solidarische Eintreten des LSVD für die nach wie vor fehlenden, elementarsten Menschenrechte auch für Zwitter im neuen Jahr längst Schnee von gestern zu sein, und im Gegenteil die altbekannte Vereinnahmung wieder Trumpf:

Schon im Herbst 2009 wurden im Rahmen der Standesinitiative zur Aufnahme von "sexuelle Identität" ins Grundgesetz die Zwitter wieder als blosses Mittel zum Zweck verbraten, unter Missachtung ihrer eigenen, spezifischen Anliegen. Zwar ging da zunächst die vereinnahmenden Statements von den Galionsfiguren der Standesinitiative aus, nämlich den schwulen Bürgermeistern der einreichenden Stadtstaaten (die gleichzeitig zulassen, dass in ihren Spitälern nach wie vor serienweise Zwitterkinder genitalverstümmelt werden!).

Nach der politischen Niederlage der Standesinitiative konterten LSVD, Grüne und SPD mit einem Gesetzesentwurf zu Handen des Bundestags, gekoppelt mit einer 2010 gestarteten Petition, die auch vom LSVD vorbehaltslos unterstützt wurde.

Allen drei Vorstössen gemeinsam: Ein Zwitter vereinnahmender Grundsatztext, in dem die Leiden Zwangsoperierten nach altbekanntem Muster einmal mehr bagatellisiert, hintenangestellt, "mitgemeint" und als blosses Kanonenfutter für LGB(T)-Anliegen instrumentalisiert werden! Und aus dem ganzen deutschen LGB(T)-Spektrum nicht ein einziges kritisches Wort dazu!

Auch wenn LGB(T) zur Zeit nicht nur in Deutschland politisch ein rauher Wind ins Gesicht bläst – deshalb einfach die Nächstschwächeren für die eigenen Anliegen auszubeuten, kann doch die Antwort darauf nicht sein!

Erst recht nicht, so lange WEITERHIN TÄGLICH WEHRLOSE ZWITTERKINDER GENITALVERSTÜMMELT WERDEN!

Zum Vergleich: In der Schweiz wurde der vereinnahmende Petitionstext prompt nur leicht abgewandelt, um eine – in der Sache völlig andere – Amnesty-Petition zu bewerben. Erfreulicherweise gab's in diesem Fall jedoch von einer Queer-Interessengruppe solidarische und deutliche Worte gegen die Zwitter-Instrumentalisierung – es geht eben doch!

Warum also nicht auch beim LSVD?

Würden von den versammelten VereinnahmerInnen in Grünen und SPD (und anscheinend auch LSVD) nur schon ein paar wenige mal an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genital zwangsoperiert, hätten sie bestimmt ziemlich schnell (wieder) andere Parolen – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

Thursday 25 March 2010

"Sexueller Missbrauch": Justizministerin fordert Entschädigungen auch "in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist"

>>> Petition „Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben“

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

Wie immer, wenn ein Thema die Schlagzeilen beherrscht, versuchen sich auch die PolitikerInnen eine Scheibe abzuschneiden. So auch in der gegenwärtigen Debatte um sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Wieviel von den schönen Absichtsbekundungen dann auch verwirklicht wird, bleibt abzuwarten.

Traurig genug, dass am lautstark geforderten "runden Tisch der Bundesregierung" nach wie vor nicht klar ist, ob dort auch die Betroffenen nur schon angehört werden. (Zum "runden Tisch" vgl. weiter die heutige Pressemitteilung der Deutschen Kinderhilfe e.V.)

Trotzdem ist's fürs erste erfreulich, dass z.B. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sich immerhin schon mal verbal-öffentlich für die Opfer sexualisierter Gewalt einsetzen. So z.B. am 9.3. in der Süddeutschen Zeitung:

[...] Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die katholische Kirche auf, die Aufklärung von Missbrauchsfällen konsequenter anzugehen als bisher. "Es braucht ein klares Signal an die Opfer, wie zum Beispiel das Gespräch über freiwillige Wiedergutmachungen in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist."

Dies wäre "ein Stück Gerechtigkeit, auch wenn sich das erlittene Unrecht materiell nicht aufwiegen lässt", sagte Leutheusser-Schnarrenberger [...]. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Fälle zugegeben werden, die sich nicht länger bestreiten lassen, fügte die Ministerin hinzu.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, eine praktizierende Katholikin, appelliert an ihre Kirche, Opfer zu entschädigen, richtet ihren Appell aber auch an Träger weltlicher Einrichtungen wie etwa die Odenwaldschule, wo es ebenfalls Missbrauchsfälle gab. "Überall dort, wo systematischer Missbrauch über längere Zeit vertuscht wurde, muss Aufklärung geschaffen werden, damit sich das nicht wiederholt." Eine symbolische Entschädigung "wäre ein angemessenes Angebot an die Opfer von damals", sagte sie [...].

Prompt wurde dies auch auf Spiegel Online aufgegriffen, wobei auch weitergehende Forderungen nach Verlängerung/Aufhebung der Verjährung formuliert wurden (wie Norbert Denef diese seit Jahren zunächst erfolglos im Bundestag und nun vor dem Europäischen Menschengerichtshof fordert >>> Petition):

"Entschädigungsansprüche verjähren zu schnell"

Vermehrt wurden in FDP und Union Stimmen laut, die eine Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfristen fordern. Für eine entsprechende Änderung sprachen sich Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sowie der FDP-Politiker Max Stadler aus. Stadler sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren für Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadenersatz sei deutlich zu kurz. Der FDP-Rechtsexperte Hartfrid Wolff will die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche daher auf 30 Jahre anheben. Unionsfraktionsvize Günter Krings sprach sich ebenfalls für längere zivilrechtliche Fristen bei Missbrauch aus. "Entschädigungsansprüche der Opfer laufen heute in der Regel ins Leere, weil sie zu schnell verjähren", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele Betroffene fänden erst nach Jahren oder Jahrzehnten die Kraft, sich zu offenbaren. "Eine Verzehnfachung der Verjährungsfrist auf 30 Jahre würde in den allermeisten Fällen Abhilfe schaffen."

Dito auch im Stern:

Vor allem Mitglieder der christlichen Parteien fordern zudem schärfere Gesetze, um künftig auch in jahrzehnte-alten Missbrauchsfällen die Täter bestrafen zu können. [...] Der FDP-Rechtsexperte Hartfrid Wolff will die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche daher auf 30 Jahre anheben.

[...] Viele Opfer seien erst nach vielen Jahren in der Lage, sich mit ihrem Leid auseinanderzusetzen, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. CSU-Chef Horst Seehofer und seine Justizministerin Beate Merk sprachen sich wie Wolff für eine längere Verjährungsfrist von mindestens 30 Jahren aus. Bislang liegt die Frist bei 10 Jahren, in besonders schweren Fällen bei 20 Jahren - gerechnet vom 18. Geburtstag des Opfers an.

Laut der ARD-Tagesschau sprach sich auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) für verlängerte Verjährungsfristen aus. Einzig Grünen-Chef Cem Özdemir will davon nichts wissen.

Wenig überraschend hält laut einer epd-Pressemeldung die katholische Kirche nichts von Entschädigungen:

Der Beauftragte für Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, Stephan Ackermann, geht nicht davon aus, dass die Missbrauchsopfer finanzielle Entschädigung verlangen. "Sie wollen über ihr Schicksal sprechen", sagte der Trierer Bischof [...].

Betroffene sind da offensichtlich anderer Meinung (werden aber leider nach wie vor weniger öffentlich wahrgenommen), wie folgender Offener Brief von Helmut Jacob beweist:

Wollen Sie auch nur noch ein bisschen Glaubwürdigkeit zurück erobern, so richten Sie gemeinsam mit der Evangelischen Kirche umgehend einen Opferfonds ein, aus dem dringende soziale und therapeutische Maßnahmen bezahlt werden. [...]

Bleibt abzuwarten, wieviele konkrete Taten den obigen schönen Worten der PolitikerInnen folgen werden ...

>>> Petition „Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben“

>>> Pressemitteilung Deutsche Kinderhilfe e.V. zum Runden Tisch

>>> Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Wednesday 17 March 2010

Do 18.3.10: Politischer Vorstoss betreffend kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Inselspital Bern

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009 (Bild: Ärger)

Update 18.3: Neben Kantonsrätin Margreth Schär wurde von TeleBärn auch Daniela "Nella" Truffer interviewt. Für das Inselspital war nur mehr der Pressesprecher erhältlich ...

>>> Interpellationstext als PDF
>>> Beitrag auf TeleBärn 18.3.

Was 99% der Zwitter erlebt haben, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ‘s durchgeführt wurden.

Im Inselspital Bern werden schweizweit wohl am meisten Kinder mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen kosmetischen Genitaloperationen und weiteren medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Behandlungen unterzogen.

Da die Wirksamkeit dieser Eingriffe nie klinisch getestet wurde und auch die in der Medizin sonst üblichen Nachkontrollen bisher stets unterbleiben, handelt es sich um unkontrollierte Menschenversuche. Überforderten Eltern werden diese trotzdem regelmässig als erprobt und sicher verkauft.

Solche kosmetischen Genitaloperationen werden auch im Inselspital seit über 50 Jahren an Zwitterkindern systematisch durchgeführt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Qualitätssicherung und ohne jegliches Monitoring. Offiziell wird nicht einmal bekannt gegeben, wie viele und welche Eingriffe wo stattfinden.

Auch auf einen Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vom 16. August 2009 blieb das Inselspital bisher jegliche Antwort schuldig.

Zwischengeschlecht.org freut sich deshalb sehr, dass morgen Donnerstag, den 18. März 2010, im Kantonsrat Bern ein politischer Vorstoss zugunsten von Zwittern gemacht wird.

Margreth Schär (SP) und Corinne Schärer (Grüne) werden eine Interpellation zum Thema "Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit 'uneindeutigen' körperlichen Geschlechtsmerkmalen" einreichen und der Regierung Fragen stellen über die Art und den Umfang solcher Zwangseingriffe an Kindern im Kanton Bern und wie die Regierung diese beurteilt.

Der 18. März wird ein wichtiger Tag für alle Zwischengeschlechtlichen und für alle, die sie in ihrem Kampf um Selbstbestimmung unterstützen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Zwangsoperationen an Kindern und "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.  

Siehe auch:
- TeleBärn, 18.3.10: "Zwangsoperiert wird schon lange nicht mehr" - Inselspital lügt wie gehabt ...
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital
- Offener Brief an das Inselspital Bern (PDF)
- Pressespiegel Aktion & Offener Brief Insel 16.8.09  
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 6.7.08
- Basel-Stadt: Politischer Vorstoss gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern!
- Mo 26.10.09: Intersex Awareness Day - Historischer politischer Vorstoss in Zürich gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern
- Milton Diamond fordert gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern

Tuesday 16 March 2010

Vom Mut der Opfer sexualisierter Gewalt lernen

Norbert Denef auf cnn.com    >>> Petition

Seit dem letzten "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" zum Thema sexualisierte Gewalt auf diesem Blog vor gut 3 Wochen hat sich vieles getan: Dutzende weitere Opfer meldeten sich zu Wort, die Polizei führte Razzien durch, das Thema ist in den Medien nach wie vor sehr präsent, und zwar nicht mehr nur in Bezug auf kirchliche Institutionen.

Aus Sicht der Zwitterbewegung m.E. besonders interessant auch, wie sich die Opfer zu organisieren beginnen, und mit welchen faktischen und psychischen Realitäten sie dabei zusätzlich zu kämpfen haben.

Norbert Denef kämpft seit Jahren aktiv gegen das Fortdauern und die faktische Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt an Kindern, und begleitet und kommentiert das aktuelle Geschehen auf seiner exzellenten Homepage. In den letzten Wochen geht es dort nun auch in den Kommentaren zusehends ab. Zwei Beispiele:

Auch Opfer von sexualisierter Gewalt haben damit zu kämpfen, dass Organisationen, die Fördergelder erhalten, um sich für die sie einzusetzen, dies meist lange nicht so öffentlich und nachdrücklich tun, wie es nötig wäre, um die Gunst der Stunde effektiv zu nützen. Ein offener Brief an einschlägige Organisationen und die daraus resultierende Diskussion unterstreichen dies.

Auch Opfer von sexualisierter Gewalt sind stark traumatisiert und haben ein Leben lang insbesondere auch unter dem Schweigegebot der Täter zu leiden. Oft genug verunmöglicht ihnen das, konsequent gegen die Täter aufzutreten, oder gar öffentlich gegen diese vorzugehen. Es gibt zudem einen ganzen Zweig von (Täter-)Psychologen, der seine vornehmliche Aufgabe darin sieht, die Opfer zu möglichst rascher "Vergebung" zu bewegen – und sie dadurch gleich nochmals mundtot zu machen. Dies ist gegenstand einer Kommentar-Diskussion, die eigentlich zu einem ganz anderen (ebenfalls interessanten) Thema begann (die "Vergebungs"-Diskussion startet hier). Interessant auch die Diskussion um das Vorhaben, einen starken Verein gründen zu wollen, der sich konsequent für die Belange der Opfer stark macht.

>>> Unterschreibt die Petition zur Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht!

Siehe auch:
- Prozesse wegen sexualisierter Gewalt an Kindern: "Die Lawine rollt"
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus"   

Tuesday 9 March 2010

"Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht" - öffentliche Diskussion, Bremen 14.4.10 20h

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Ort: "belladonna", Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V., Sonnenstraße 8 , 28203 Bremen

Von Michel Reiter auf auf seiner Homepage und im Hermaphroditforum gepostete Ankündigung:

Talkrunde
[...]

Weder Frau noch Mann
Intersexuelle Menschen zwischen Medizin und Menschenrecht

in Kooperation mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bremen

Die Existenz von Menschen, die sich biologisch nicht eindeutig in die Kategorie „Frau“ oder „Mann“ einordnen lassen, wird in der Öffentlichkeit meist gar nicht wahrgenommen. So genannte Intersexuelle, Hermaphroditen oder auch Zwitter werden schon als Kleinkinder medikamentös oder operativ behandelt mit dem Ziel, ihnen ein „eindeutiges“ Geschlecht zuzuweisen. Meist geschieht das, bevor sie alt genug sind mitzuentscheiden. Sie geraten in die Mühlen der Medizin und leiden unter den Folgen der Behandlung oft ihr ganzes Leben lang. Der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung führt häufig zu Depressionen, nicht selten auch zu Suiziden. Angehörige werden häufig nicht umfassend aufgeklärt und beraten. Sie fühlen sich massiv unter Druck gesetzt.
„Warum und wieso kann es nicht einfach akzeptiert werden, dass es ein `drittes Geschlecht´ gibt? Es ist die unbeschreibliche Ohnmacht, die einen überfällt wenn man einmal mehr als NICHT EXISTENT bezeichnet wird.“ (Auszug aus einem online-Tagebuch eines Betroffenen).

Impulsreferat von Michel Reiter: „Hermaphroditen: das unaussprechlich Reale?“
Er kämpft seit Jahren für die Anerkennung einer dritten Geschlechterkategorie in Deutschland.

In der Talkrunde:
Lucie Veith, Gruppe Intersexueller Menschen e.V., Hamburg
Prof. Dr. Konstanze Plett, Professorin für Rechtswissenschaften und Gender Law, Universität Bremen
Moderation: Björn Fecker, MdBB, stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die Diskussionsveranstaltung ist für Frauen und Männer

Kommentar: Die Formulierung "Für Frauen und Männer"  ist, wie schon im Hermaphroditforum festgehalten wurde, Standard bei vielen Frauenprojekten, wenn zu einer Veranstaltung nicht ausschliesslich Frauen zugelassen sind, und folglich nicht böse gemeint, wenn auch im vorliegenden Fall zumindest formell unsensibel. Nachtrag: Auf der Homepage des Veranstaltungsortes wurde die Formulierung nun abgeändert zu "für alle Interessierten offen". Danke!

In der Sache selbst scheint diese Veranstaltung, in löblichem Gegensatz z.B. zum sog. "Fachgespräch" der Bundestags-Grünen vom letzten Jahr, endlich gewillt, die Leiden der Zwangsoperierten Ernst zu nehmen und auf sie zu hören. Danke! Bleibt zu hoffen, dass als nächster Schritt konkrete politische Aktionen folgen, um die kosmetischen Zwangseingriffe endlich zu stoppen!

Allein in Deutschland wird etwa JEDEN TAG ein Zwitterkind genitalverstümmelt, in der Schweiz und in Österreich etwa JEDE WOCHE JE EINES! Wie lange noch?

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000
- Rede 5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008 
- Weg weisende Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen
- Euro-DSD: Lübecker Zwitterstudie frisiert
- Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- Intersexuelle Menschen e.V. distanziert sich stillschweigend vom "Netzwerk DSD" 
- Netzwerk DSD/Intersexualität und wir Intersexuellen - Mitsprache geht anders
- Wie das "Netzwerk DSD" die "Lübecker Studie" frisiert
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert

Thursday 4 March 2010

OII-Petition gegen Diskriminierung von Zwittern durch das Internationale Olymische Komitee (IOC)

>>> Caster Semenya and Discrimination of "Hermaphrodites" in Sports
>>> IOC/IAAF/FIFA: Mandatory Gender Tests, Surgery for Intersexed Athletes
>>> "Hermaphrodites" in sports: IOC and IAAF deny responsibility
>>> Open Letter to IOC      >>> IOC's (Non-)Answer     >>> Stop Genital Surgery

IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!Organisation Intersex International (OII) hat eine unterstützenswerte >>> Online-Petition an das Internationale Olympische Komitee aufgeschaltet, verfasst von Hida Viloria, worin gefordert wird:

1. Das IOC soll seine Forderungen zurücknehmen, wonach zwischengeschlechtliche Sportlerinnen ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") diagnostizieren und "behandeln" lassen müssen [dieser Blog berichtete].

2. Das IOC soll den erwähnten Athletinnen, bekannt als zwischengeschlechtliche Frauen ("intersex women"), erlauben als Frauen an Wettkämpfen teilzunehmen, ohne ihre körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") zuerst diagnostizieren und "behandeln" lassen zu müssen.

3. Das IOC, die Presse und Mediziner sollen diese Frauen mit körperlichen Besonderheiten ("intersex variations") als "Intersex Frauen" bezeichnen, und nicht als "Frauen mit einer Störung der geschlechtlichen Entwicklung".

Kommentar: Nach dem unterstützenden Statement vom 17.2.10 (siehe hier --> 7) zur Kampagne gegen Dexamethason-Zwangsbehandlungen ergreift die Organisation Intersex International (OII) nun schon zum 2. Mal im neuen Jahr konkrete Schritte gegen ZwangsbehandlerInnen von Zwittern und ihre Handlanger und Helfershelfer (statt der sonst eher üblichen Aktivitäten betreffend "internen Grabenkämpfen" sowie zu den Themenkreisen "Identität" und "(Trans-)Gender").
Wir gratulieren!
Und fordern alle auf: >>> Unterschreibt auch!

Siehe auch:
- Zwitter im Sport: IOC und IAAF leugnen Verantwortung
- Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit

Kampagne gegen pränatale Dexamethason-Zwangsbehandlungen: Weitere Antworten auf Offene Briefe

Menschenrechte auch für Zwitter!

Heute wurden auf fetaldex.org/updates neue Antworten auf Offene Briefe der Kampagne veröffentlicht von der US-Überwachungsstelle für medizinische Experimente mit Menschen und der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society. Links und Zusammenfassungen:
UPDATES >>> 7) 2010: Kampagne gegen Dexamethason und Dr. Maria I. New's unkontrollierte Menschenversuche

- page 2 of 6 -