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Die anderen

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Friday 22 February 2008

Zwitter als Kampfflieger! Wenn das der Führer wüsste ...

Und auch als der Führer schon lange tot war, durfte es immer noch niemand erfahren, zahlte der 18-fache Luftkampfsieger Dietrich "Dieter" Weinitschke (1920-2008) lieber jahrelang einer Erpresserin Lösegeld, damit sein wahres Geschlecht nicht bekannt würde. Erst nach seinem Tod sollte es die Öffentlichkeit erfahren ...

Heisst's zumindest in diesem etwas schwammigen & reisserischen Tagesspiegel-Nachruf.

Typisch, wie im Tagesspiegel einmal mehr die Zwangsoperationsproblematik ausgelassen – und im Gegenteil suggeriert wird, mit der heutigen Medizin inkl. Zwangszuweisung wäre der ehemalige "Eismeerjäger" besser gefahren:

Damals kannte die Medizin noch keine Hormonbehandlung, und in ihren Lehrbüchern stand nichts über Intersexualität.

Typisch auch der Rückgriff auf die "zwittrige Seele", während die körperliche Befindlichkeit durch die Umschreibung "bei diesem Chromosomensatz" und "vom Knochenbau ein Mann, mit schönen Frauenbeinen, leichtem Brustansatz" lediglich vage angedeutet wird. Immerhin wird der Verstorbene auf die Frage, "ob er denn lieber eine Frau geworden wäre", wie folgt zitiert: „Ich bin beides!“

Schluck, was werden nun all seine Fliegerfreunde und Bewunderer sagen?! Geschweige denn ihm via Email-Link schreiben (anschliessend ins Foto klicken)? Oder die KollegInnen der Vereinigung Gartenbauschule Berlin e.V., wo er Vorsitzender und Ehrenmitglied war?

Fazit: Es gibt mehr Zwitter als du denkst!


Auf ebay vorgestern für Euro 42,50 versteigert: "Motiv: Jagdflieger Dieter Weinitschke. 19 bestätigte Abschüsse [sonst heisst's überall 18] vor seinem Jagdflugzeug! Flugzeugführerabzeichen, Frontflugspange und EK 1. Klasse sichtbar."

Nachtrag: Wie z.B. ein Kommentar des Verwandten Peter Weinitschke vom 24.02.2008 unter dem Tagespiegel-Nachruf zeigt, hätten wohl viele seiner Bekannten mit Dietrich Weinitschkes wirklichem Geschlecht gar keine Probleme gehabt ...

Sunday 17 February 2008

"Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?"

Seit 1996 protestierte Michel Reiter immer wieder dagegen, dass Initiativen gegen rituelle Genitalverstümmelungen an Frauen seltsamerweise Zwangsoperationen an Zwischengeschlechtlichen stets kategorisch ausklammerten -- aus offensichtlichen Gründen.

"Die Zusammenarbeit mit Anti-FGM-Aktivisten ist schlechter als mit allen anderen Gruppen, sogar schlechter als mit Ärzten." (pers. Mitteilung von Cheryl Chase, GründerIn der Intersex Society of North America (ISNA) an Michel Reiter)

Heute noch ist dieses Thema ein 'blinder Fleck' bei FeministInnen. Einzige Ausnahme dieser beschämenden Regel war Antke Engel, die sich 1997 in einem Artikel mit Michels Anliegen solidarisierte -- ihre Kritik verhallte bezeichnenderweise ungehört. Nachtrag: 2003 schloss zwar immerhin die internationale "Beschneidungs-Expertin" Hanny Lightfoot-Klein die Zwangsoperationen in ihre 3. Buchveröffentlichung "Der Beschneidungsskandal" mit ein (Rezension hier, ebenfalls über Marion Hulverscheidts Buch über 'medizinische Beschneidungen' an Frauen in Europa im 19. Jahrhundert).

Schon 1998 hatte Michel Reiter zudem rituelle Genitalverstümmelungen und genitale Zwangsoperationen gemeinsam mit "Genitale[n] 'Korrekturen' an Frauen als Schönheitsmaßnahme" in einen weiteren Zusammenhang gestellt.

Auch heute noch haben Blog-Artikel von Nicht-Zwischengeschlechtlichen, die solche Zusammenhänge thematisieren, Seltenheitswert. Umso schöner, auf eine weitere Ausnahme zu stossen (aus der auch der Titel dieses Posts stammt):

http://meguenther-ernaehrungsberatung.de/index.php?url=archives/78-Verstuemmelnde-Operationen.html

Danke!

Friday 15 February 2008

Wir sind alle anders


heute war eine liebe karte mit büchergutschein in meinem briefkasten. vor ein paar wochen war ich beim jugendheim schenkung dapples in zürich zu besuch und durfte dort anlässlich einer projektwoche zu sexualität über intersexualität erzählen.

die schenkung dapples ist ein offenes erziehungsheim für "verhaltensauffällige" jugendliche. ich sass also fünf 'schweren' jungs und zwei sozialarbeiterInnen gegenüber und erzählte frisch von der leber über 'intersexualität', zum beispiel über - ahem die entsprechung zwischen hodensack und äusseren schamlippen, über chromosome und hormone oder was es bedeutet, wenn man 'da unten' nichts mehr spürt, wie es einigen zwischengeschlechtlichen geht, die ich kenne.

die jungen männer waren aufmerksam und interessiert, schauten mich offen und neugierig an. es war eine sehr gute atmosphäre, getragen von gegenseitigem respekt. ich fühlte mich sehr wohl in dieser runde und konnte deshalb auch ehrlich und offen sein, was auch geschätzt wurde.

nicht zum ersten mal dachte ich: die medizyner als vertreter des bipolaren geschlechtersystems sind einfach feige und gehen - auf unsere kosten - den weg des geringsten widerstandes. die menschen, vor allem kinder und jugendliche, gehen viel offener mit 'intersexualität' um, als uns die 'experten' weis machen wollen! denn anderssein ist in unserer heutigen gesellschaft, die sich immer mehr der konformität verschreibt (arbeiten, konsumieren, hirn und herz ausschalten), für immer mehr menschen ein thema.

was den medizynern nicht in den kopf will, war für die jungs der schenkung dapples selbstverständlich: dass ein zwischengeschlechtlicher mensch selber über seinen körper bestimmen darf! und dass es voll scheisse ist, wenn man durch diese elende behandlung keine freude mehr am sex haben kann!

würden die erwachsenen kinder und jugendlichen mehr respektieren und ernst nehmen, dann hätten sie vielleicht auch mit uns zwittern nicht so ein problem respektive kämen nicht auf die idee, gegen unsere einwilligung unsere körper und seelen zu verändern.

danke und alles gute euch!

nella

Thursday 14 February 2008

Half Jack

interessanter, gut dokumentierter clip (auf englisch):


in d ist's übrigens ca. 1 kind jeden tag, und in ch etwa 1 jede woche.

... zufällig gefunden auf einem transblog beim googeln nach "intersexualität" -- und siehe da, kitty war auch schon dort ;-)

--> 5 weitere clips, u.a. über david reimer

Thursday 7 February 2008

Sieg für Christiane Völling!!!



Christiane und ihr Anwalt Georg Groth, 6.2.08

Strahlende Gesichter, klingelnde Handys, endlose Interviews -- ein grosser Tag für alle Zwischengeschlechtlichen! Erst recht für Christiane Völling und die wenigen Unentwegten, die sich gestern früh im Landgericht Köln eingefunden hatten, ihr solidarisch beizustehen. Und immer wieder ungläubiges Staunen, Es-gar-noch-nicht-richtig-fassen-können.


Die Kamerateams beginnen Christiane und die UnterstützerInnen zu umschwärmen.

Auch wenn die Höhe des zu zahlenden Schmerzensgeldes noch in einem Schlussurteil festgelegt wird, das Wesentliche hielt Richter Dietmar Reiprich gleich zu Beginn fest: "Die Klage ist dem Grunde nach gerechtfertigt." (>> vollständiges Gerichtsurteil)

JA!

Weniger Spass hatte der Anwalt der Gegenseite, der erst verspätet in den Saal platzte, als die Urteilsverkündung bereits in vollem Gange war. Kein Spass auch für all die unbeirrbaren Mediziner, die hofften, nach dem Prozess nach ihrem (für sie) "bewährten" Schema F einfach weiterschnibbeln zu können: Zwitter? Na, dann erstmal die inneren Geschlechtsorgane raus! Ganz egal, ob diese gesund sind oder krank, männlich, weiblich oder gemischtgeschlechtlich, Hauptsache raus + Zwangsgeschlechtszuweisung, nach unserem Gusto selbstverständlich, Punkt, der/die/das Nächste. Bleibt zu hoffen, dass der selbstherrliche Chirurg (seine Mittäter konnten aus Verjährungsgründen leider nicht mehr mitbelangt werden) empfindlich tief in die Tasche greifen muss, was sich dann bei seinen Kollegen und Kolleginnen von selbst herumsprechen wird.

Dabei hatte die Gegenseite wenig unversucht gelassen, Christiane zu verunglimpfen, "therapeutische Gründe" vorzuschieben, die Verantwortung auf andere abzuschieben, Tatsachen zu verdrehen, und fand sich dabei tatkräftig unterstützt durch die (wie so oft) zu einem Grossteil "verloren gegangenen" bzw. "nicht mehr auffindbaren" medizinischen Akten -- im Gegensatz zu nachträglich erstellten, für sie (wie so oft) wesentlich günstigeren Dokumenten.


Die RichterInnen betreten den Saal. In der Mitte der Vorsitzende Dietmar Reipisch.

Doch das Gericht hatte offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht, sich kompetent in die Materie eingearbeit und zerpflückte die vorgeschobenen Einwände souverän: "Der Kläger hat in die Operation durch den Beklagten nicht wirksam eingewilligt."

JA!

Dass der unbeirrbare Mediziner höchstwahrscheinlich in die Berufung gehen wird, tut dem ganzen keinen Abbruch: Ein wichtiger Nebenpunkt dieses Prozesses ist, dass dabei erstmals die Leiden und die unsägliche, an Greueltaten aus dem 3. Reich und anderen unmenschlichen Regimen gemahnende Situation nahezu aller Zwischengschlechtlichen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dabei kann jeder weitere Prozess nur weiterhelfen, auch eine etwaige Berufungsverhandlung, ebenso wie die hoffentlich noch folgenden Anklagen weiterer Zwischengeschlechtlicher.

Hierzu ist positiv zu vermelden, dass zumindest in Deutschland nahezu alle Pressemeldungen berücksichtigten, dass es sich beim vorliegenden "Zwitter-Prozess" nicht bloss um einen individuellen Einzelfall, sondern um ein grundsätzliches Verfahren handelt. Am ausgewogensten und ausführlichsten war einmal mehr die Agenturmeldung der Associated Press, nachzulesen z.B. hier:

Des Zwitters Sieg (Stern)

Gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie gewisse Medien den Unterschied zwischen (falsch) "Geschlechtsumwandlung" und (korrekt) "Geschlechtszwangszuweisung" immer noch nicht kapiert haben, und somit der Vertuschungstaktik der Mediziner in die Arme arbeiten. Bezeichnend auch, dass sich der letzte Satz der Agenturmeldung beim Stern nicht findet, im Gegensatz z.B. zur Basler Zeitung (die ebenfalls auf "Geschlechtsumwandlung im Titel nicht verzichten kann :-( ):

Die 48-Jährige selbst hat in den nächsten Monaten noch viel vor: Seit 18 Monaten versucht sie nach eigenem Bekunden bereits ihren männlichen Vornamen auch offiziell in Christiane umzuwandeln. «Noch bin ich gegen verschlossene Türen gerannt, aber ich gebe nicht auf - jetzt erst recht nicht.»

Sehr erfreulich auch, dass das Urteil jetzt schon politische Konsequenzen zu zeigen beginnt, wie z.B. in der folgen Pressemeldung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Umgang mit Intersexuellen prüfen

Sehr guter Bericht auch vom WDR:

Klägerin siegt im "Zwitterprozess"-- "Das tut so gut für die Seele" (WDR-Panorama)

Dito im Kölner Stadt-Anzeiger:

Etappensieg auf langem Leidensweg
(Kölner Stadt-Anzeiger)

Im direkten Vergleich mit der ap-Meldung und zu WDR und KStA abfallend die KollegInnen von der Deutschen Depeschenagentur und vom Deutschen Depeschendienst (nachfolgender erster Titel ein Beispiel für eine weitere beliebte Ablenkungsschiene: es wird versucht, den Konflikt scheinbar auf eine Auseinandersetzung innerhalb der Medizinerhierarchie zu reduzieren nach dem Motto "Untergebene gegen Chef", obwohl Christiane als Patientin und Zwischengeschlechtliche klagt und nicht als "Kankenpflegerin". :-( ):

Kölner "Zwitterprozess": Krankenpflegerin siegt gegen Chirurgen (Der Westen)

Nachtrag: Der Westen legte zudem einen Artikel nach, der ein sehr zwiespältiges Gefühl hinterlässt. Einmal mehr wird offensichtlich versucht, den Unterschied zwischen Trans*menschen und Zwischengeschlechtlichen zu verwischen:

Nicht Fisch, nicht Fleisch ... (Der Westen)

Dass es titelmässig auch korrekt geht, demonstriert die FAZ, deren Artikel ebenfalls auf der dpa-Meldung basiert :-) :

Intersexualität: Chirurg muss für Entfernung von Geschlechtsorganen zahlen (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Beim Titel der folgenden ddp-Meldung hattens die zuständigen RedaktorInnen ebenfalls gerafft. :-) :

Intersexuelle Frau mit Schmerzensgeldklage erfolgreich  (PR inside)

Noch n besserer Titel der selben ddp-Meldung auf koeln.de (na bitte, geht doch :-) ):

Intersexuelle Frau bekommt Schmerzensgeld nach Entfernung ihrer Geschlechtsteile (koeln.de)

Ein weiterer Artikel aus der lokalen Zeitung Express (etwas abfallend im Vergleich zu den Artikeln im selben Blatt vor -- eins / zwei -- und nach dem 1. Prozesstag):

Kölner Zwitterprozess: Christiane/Thomas kriegt Schmerzensgeld (Express)

In einigen Blättern gabs übrigens schon tags zuvor eine Ankündigung:

Intersexuelle Christiane will Gerechtigkeit (Aachener Zeitung)

Dito bereits 3 Tage vor dem Prozess (einmla mehr mit der Spital-Hierarchie-Ablenkungs-Schiene :-( ):

Pflegerin verklagt Chirurg: Urteil im «Zwitterprozess» möglich (Aachener Zeitung)

[Dass ein adäquater Titel keine Hexerei wäre, machte demgegenüber z.B. die HAZ schon nach dem ersten Prozesstag klar:

Intersexuelle Frau klagt wegen Entfernung ihrer Geschlechtsorgane
(Hannoversche Allgemeine Zeitung)]

Auch die Agentur Agence France-Presse machte eine kurze Meldung über den 2. Prozesstag, die jedoch der Tragweite des Urteils kaum gerecht wird (immerhin ist hier der Titel korrekt):

Intersexuelle setzt sich mit Zivilklage gegen Chirurg durch (afp.google.com)

war  nachtrag: Offensichtlich war die afp-meldung bei google stark gekürzt! (Wie auch die ap-meldung z.B. bei Stern, siehe oben.) In "Die Welt" fand ich nun eine längere Version, da sieht's (abgesehen vom irreführenden Titel, Variante "Geschlechtsumwandlung" :-( ) doch schon wesentlich besser aus. Besonders gefallen hatte uns latürnich der bei afp.google weggekürzte, u.a. in der Welt aber enthaltene letzte Satz:

Am Rande des Prozesses forderte eine kleine Gruppe von Demonstranten mehr Rechte für Intersexuelle. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Menschenrechte auch für Zwitter".

Arzt machte Frau illegal zum Mann (Die Welt)

Dieselbe Agenturmeldung ebenfalls ungekürzt und mit adäquatem Titel :-) :

Intersexuelle setzt sich mit Zivilklage gegen Chirurg durch
(123recht.net)

Eher sosolala ein Artikel in der Auslandzeitung Amerika-Woche (inkl. unpassendem Titel :-( ):

Krankenplegerin siegte im "Zwitterprozess" gegen Chirurgen
(Amerika Woche)

Dito von der Bild-Zeitung (einmal mehr auf der Umwandlungs-Schiene sowie unter Ausklammerung der prinzipiellen Problematik :-( ):

Klinik-Pfusch: Arzt machte SIE zum MANN (Bild)

Auch weniger toll der Glossar-Kasten zum Artikel. Einmal mehr wird als Anlaufstelle für Betroffene allein (ausgerechnet) die dgti genannt, Selbsthilfeorganisationen von Betroffenen hingegen vornehm verschwiegen. Typisch! :-(

Das sind Intersexuelle (Bild)

In der Süddeutschen hinterlässt die Berichterstattung einen sehr zwiespältigen Eindruck: Während der Artikel nicht schlecht gemacht ist, ist der Titel definitiv unter aller Sau, wenn nicht das Schlusslicht überhaupt. :-( Nix kapiert, sechs, nachsitzen, setzen!

Erzwungenes Leben in der falschen Haut: Gerichtsprozess um Transsexualität (Süddeutsche Zeitung)

Das Schlusslicht unter den Agenturmeldungen bildet klar die Schweizerische Depeschenagentur: Hier wird immer noch versucht, den Prozess als individuellen Einzelfall darzustellen, die eigentliche Tragweite wird konsequent zu leugnen versucht Immerhin stimmt in folgendem Beispiel der Titel, doch ansonsten: Pfui, nachsitzen, setzen!

Intersexuelle klagt erfolgreich gegen Chirurg (nachrichten.ch)

Dass nicht nur viele RedaktorInnen, sondern auch "Otto NormalverbraucherInnen" nach wie vor ein riesiges Informationsdefizit betreffend Zwangsoperationen usw. haben, illustrieren die teilweise sehr "geistreichen" Kommentare hier:

Sieg für Kläger(in) im Kölner Zwitterprozess  (shortnews.de)

Speziell gefreut haben wir uns hingegen über folgenden Link (und das ist nicht ironisch gemeint):

Intersexuelle gewinnt Prozess (gay.ch)

Auch The Gay Dissenter bloggte über Christianes Sieg:

Der Kölner Zwitterfall


Allen Bemühungen z.B. von sda und SZ zum Trotz: Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen! 2008 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem Zwischengeschlechtliche -- nach Jahrzente währendem, zunächst erfolglosem Kampf -- endlich erfolgreich begannen, ihre Menschenrechte einzuklagen!

Danke, Christiane!

Nella & Seelenlos

--> Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll

--> Christianes Geschichte in ihren eigenen Worten

--> Praktische Solidarität mit Christiane Völling

Tuesday 5 February 2008

Zwitter-Shirts zum selber machen (lassen)


1A Blickfang: Nella mit Shirt am 2. interdisziplinären Forum, 30.1.08

Da wir mehrfach gefragt wurden, wo's denn unsere schicken Shirts zu kaufen gäbe, hier nochmals wie's geht:
http://blog.zwischengeschlecht.info/public/K_ln_shirts_06_02_07.pdf

--> Obiges pdf bietet aktuell 6 verschiedene Slogans (weitere Vorschläge gefragt!), die nach Bedarf gewählt werden können. Das Dokument hat die Grösse A4, die hohe Auflösung erlaubt aber problemloses aufblasen auf A3, damit der Aufdruck gross genug wird. Auch in deiner Nähe gibts bestimmt einen Kopierladen, der bezahlbaren Shirt-Druck anbietet, meist mit sehr kurzen Wartezeiten (ca. 1h)! Denk dran, das zu bedruckende Shirt gross genug zu wählen, um wenn nötig draussen auch einen Pullover oder eine Jacke darunter tragen zu können.

Tuesday 29 January 2008

Flugblatt zur Demo Köln 6.2.08 08:30h

Pünktlich zum "Interdisziplinären Forum zur Intersexualität" morgen in Hamburg: Das Flugblatt des Vereins "Intersexuelle Menschen e.V." zur Demo eine Woche später am Mittwoch 06.02.2008 um 08:30h vor dem Landgericht in Köln!

Als pdf zum downloaden, lesen, zu Hause oder im Kopierladen ausdrucken, verteilen, auflegen ... Dank an alle, die sich für Christiane und gegen Zwangsoperationen einsetzen!

Nella & Seelenlos


http://blog.zwischengeschlecht.info/public/Flugi_Koeln_6-2-08.pdf


Ausschnitte aus dem Flugi-Text:


Lebenslanges Leiden an genitalen Zwangsoperationen

Jedes 2000. Kind wird als Intersex geboren, d.h. es weist Merkmale beider Geschlechter auf. Diese Kinder werden in der Regel vor dem 2. Lebensjahr ohne ihre Einwilligung an ihren uneindeutigen Genitalien zwangsoperiert und danach systematisch angelogen. Die meisten tragen massive psychische und physische Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang leiden. [...]


Warum Christiane Völling vor Gericht geht

[...] Erst mit 16 entdeckten die Ärzte, dass Christiane kein biologischer Mann ist. Sie wurde darauf  gedemütigt, angelogen und unter Druck gesetzt. Ihre gesunden Eierstöcke und Gebärmutter wurden ohne ihre Einwilligung entfernt. [...] Hätten die Ärzte mit Christiane geredet statt sie zu operieren, dann könnte sie heute glücklich sein und sogar Kinder bekommen. Der Chirurg, der mit seinem Skalpell ohne lange zu zögern Christianes Körper unwiderruflich verstümmelt hat, steht nun wegen Körperverletzung vor Gericht.
--> Christianes Geschichte in ihren eigenen Worten


Schikanen nach Strafanzeige

Christiane Völling fordert nicht nur Gerechtigkeit für das an ihr begangene Unrecht, sondern will auch die ihr mittels Skalpell aufgezwungene männliche Rolle für immer ablegen und gemäss ihrem biologischen Geschlecht als Frau leben. Sie beantragte deshalb unabhängig von der Strafanzeige gegen ihren Operateur a) beim Amtsgericht Kleve eine Personenstands- und Vornamensänderung und stellte b) beim MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) einen Antrag für die chirurgische Wiederherstellung ihres Geburtsgeschlechts. Theoretisch in beiden Fällen eine Formsache. Beide Anliegen stossen jedoch bei den zuständigen Behörden auf vehementen Widerstand. [...]
--> ausführlicher Bericht dazu


Zwischengeschlechtliche wehren sich!

Die Tabuisierung von zwischengeschlechtlichen Menschen hat das Leben der Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst und sie in die Isolation getrieben. Betroffene lassen sich jedoch nicht mehr den Mund verbieten und werden sich auch in Zukunft schützend vor zwischengeschlechtliche Kinder und Erwachsene stellen. Die Gesellschaft soll aufgeklärt werden, damit ein unverkrampfter Umgang mit Zwischengeschlechtlichkeit entstehen kann. Zwischengeschlechtliche fordern, dass geschlechtszuweisende Operationen nur im Einverständnis der betroffenen Person durchgeführt werden dürfen und fordern damit nichts anderes als das Recht eines jeden Menschen auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde.

[...]

Tuesday 22 January 2008

BILD: "Chirurg von Zwangsoperierten entführt!"

Sei mehr als nur Zeuge ...

Neu in der Blogroll

Homepage von Karim Merah "Dusty"

"Ich bin am 27.03.1951 in einem kleinen Nest in der Oberlausitz als "Hermaphrodit" zur Welt gekommen.Als Junge geboren und als Mädchen aufgewachsen. Man gab mir den Namen: Karin..."

geht hin und sagt hallo im gästebuch ...

Sunday 20 January 2008

Gender für Zwitter


Geschlechtsidentität:

o männlich
o weiblich
x zwangsoperiert

Friday 18 January 2008

guerilla marketing für zwangsoperierte

... die nicht länger aussen vor bleiben wollen:

nur wer selber schweigt, kann totgeschwiegen werden!

wer laut und unbequem genug ist, wird gehört!

UND WIE!!!

Provokation als die Waffe der Schwachen

http://de.wikipedia.org/wiki/Polemik
http://de.wikipedia.org/wiki/Provokation

siehe auch: sloganworkshop köln 6.2.

Thursday 17 January 2008

TV-Tipp: Zwitter Elisabeth Müller im MDR Fr 18.1. 22:45 h / So 20.1. 14:00


Elisabeth an der Zwitter-Demo, Köln 12.12.07 (Bild: Katrin Ann Kunze)

Der Spiegel nannte sie "Hermaphrodit Müller", sie selber nennt sich auch Zwitter Eli. Sie ist aktives Mitglied im Verein Intersexuelle Menschen e.V., Gründungsmitglied bei den XY-Frauen und setzt sich seit langem für die Belange von zwischengeschlechtlichen Menschen ein. Zusammen mit Michel Reiter trat sie im Film "Das verordnete Geschlecht" auf. Sie ist heute noch eine eingagierte Kämpferin für ein optionales "Drittes Geschlecht" für Zwischengeschlechtliche.

Elisabeth Müller ist morgen Freitag von 22:45 bis 24:00 Uhr in der Sendung "Unter uns" zu Gast und erzählt darüber, wie es sich als Hermaphrodit lebt. Wiederholung So 14:00 bis 15:15.

Elisabeth im Deutschlandradio

Das verordnete Geschlecht

MDR Homepage zur Sendung: Seite über Elisabeth

Nachtrag: Podcast der Sendung zum anhören und herunterladen --> http://www.mdr.de/unter-uns/podcast/

Tuesday 15 January 2008

Demo Landgericht Köln 6.2. 8:30 Uhr!



Foto: Katrin Ann Kunze

Nach langem Hin und Her steht der Termin nun endlich fest. Der Gerichtstermin ist um 9:00 Uhr, wir treffen uns alle eine halbe Stunde vorher vor dem Landgericht zur Demo!

Der Gerichtstermin wird sehr wahrscheinlich nur kurz dauern. Entweder kommt es zu einer Urteilsverkündung (hoffentlich zugunsten von Christiane!) oder der Richter verfügt eine Beweisanordnung oder eine Aufforderung zu weiterer Einlassung der Parteien. Anschliessend demonstrieren wir weiter vor dem Landgericht.

Der Termin ist noch früher angesetzt als letztes Mal. Kommt trotzdem zahlreich, steht uns solidarisch zur Seite und demonstriert für die Menschenrechte, unterstützt uns in unserem Kampf gegen genitale Zwangsoperationen!

Alle sind willkommen! Kommt dunkel gekleidet. Kein Pink, kein Lila!

Landgericht Köln
Luxemburger Strasse 101
50939 Köln

Mehr im Forum für intersexuelle Menschen

Monday 14 January 2008

Aufruf zur Mitarbeit

http://www.intersex-menschen-xyfrauen.de/phpBB2/viewtopic.php?p=987

[leider hatte ich nicht bedacht, dass der obige link nur für registrierte forenbenutzerInnen zugänglich ist. für alle, die aufgelaufen sind, sorry, war latürnich nicht die idee. der erste teil meines posts dort ist eine rekapitulation/einschätzung, wie es zu unserer wikipedia-kritik kam (eins), wie darauf eine diskussion darüber entstand (zwei / drei), die wiederum zu einer konkreten diskussion zum wikipedia-eintrag "drittes geschlecht" führte (vier, ab "Die Wikipedia kann nicht _nur_ euren Standpunkt einnehmen ...), gefolgt von folgenden neuen abschnitten:]

WORUM ES GEHT

betreffend der überfälligen änderung des wiki-eintrags "das dritte geschlecht" redet [wiki-mitarbeiter] franz sich damit heraus, dass die verwendung des begriffs durch schwule z.b. seit 1904 belegt ist, eine frühere verwendung als synonym für zwitter jedoch nicht (auch wenn er immerhin einräumt, dass "es logischer erscheint Intersexuelle als drittes Geschlecht zu bezeichnen").

es liegt also an uns, den beweis/beleg zu liefern. gelingt uns das, haben wir die änderung durch (obwohl dann noch um jedes detail zu streiten sein wird). bringen wir keinen beweis, bleibt abgesehen von ev. detailänderungen alles wies ist. ES LIEGT AN UNS!

sein standpunkt, ohne nachweis keine änderung, ist leider absolut legitim und nachvollziehbar. dass es an uns liegt ihm den nachweis zu erbringen, da wir die änderung wollen, ist leider ebenfalls legitim.

AUFRUF ZUR MITARBEIT!

leider fällt mir bisher keine belegstelle ein. vielleicht aber jemandem von euch? ev. aus dem umfeld preussisches landgesetz, aus der barbin-bio? bitte strengt eure grauen zellen an!

auch für mit bestimmtheit auf uns zukommende zig weitere ähnliche fälle wäre es prinzipiell wichtig, zu versuchen, zeugnisse zusammenzutragen, generell DIE EIGENE GESCHICHTE AUFZUARBEITEN UND DIE ERGEBNISSE ÖFFENTLICH ZUGÄNGLICH ZU MACHEN!

die unsichtbarmachung der zwischengeschlechtlichen in der öffentlichkeit konnte nur so lange aufrecht erhalten werden, weil die zwischengeschlechtlichen bisher in der öffentlichkeit schweigen. ich weiss, es ist für praktisch alle von euch aus naheliegenden gründen noch viel schwieriger, im rampenlicht zu stehen, als für die meisten "normalen". trotzdem, michel reiter war ein anfang, der prozess von christiane ist eine aktuelle chance, zwitter-anliegen zu transportieren.

doch dies darf nicht das ende sein! weitere prozesse/anklagen müssen folgen. für mich als relativ aussenstehenden ist es nur sehr schwer verständlich, dass es nicht längst klagen hagelt, wo konstanze plett doch schon 2001 festhielt, dass eltern zur einwilligung zur kastration gar nicht befugt sind und deshalb nach §1631c BGB JEDE KASTRATION VON MINDERJÄHRIGEN ILLEGAL WAR/IST!

natürlich weiss ich aus eigener erfahrung nur zu gut, dass prozesse gegen mächtige alles andere als einfach sind, dass blinder glaube an die gerechtigkeit der justiz höchst selten belohnt wird, im gegenteil. es braucht dehalb dringend unterstützung der prozesswilligen z.b. durch den verein, ideell, durch vermittlung von anwälten, aber auch finanziell. es braucht öffentlichkeitsarbeit, wir müssen eine schlagkräftige lobby bilden, es braucht politische vorstösse! kurz, die ganze heilige dreifaltigkeit: es braucht druck auf der strasse [und im alltag], es braucht druck in den medien, es braucht druck in der politik! nur so könnt ihr öffentlich respekt einklagen und auch kriegen! so scheisse es ist, in dieser welt ist nichts umsonst, von nix kommt nix!

ES LIEGT AN ALLEN! ES GIBT VIEL ZU TUN, PACKEN WIRS AN!

und wenn wir dabei sind: habt ihr alle schon für christiane gespendet?

nichts für ungut    seelenlos

Wednesday 9 January 2008

Termine & Updates



Photo: Lutz Burkhardt


2. Zwitter Demo Landgericht Köln Mi 6.2.08

Wie Christiane Völling mitteilt, weiss sie momentan die genaue Uhrzeit und den Saal des 2. Prozesstages noch nicht. Wir hoffen, demnächst genaueres zu wissen, und werden dann die Details der Demo so schnell wie möglich organisieren und bekannt geben. Es wird wiederum ein Flugblatt geben, das diesmal etwas früher zum Download zur Verfügung stehen wird. Wer's noch nicht getan hat, soll sich schon mal den Tag fett im Kalender anstreichen und nach Möglichkeit den Weg nach Köln vorplanen. Alternativ wären je nach Lust und Laune auch zeitgleiche Aktionen in anderen Städten gefragt, falls ihr (auch sonst) Ideen habt, bitte melden! Solidarität ist gefragt! (Auch finanziell!)


2. Interdisziplinäres Forum zur Intersexualität (ähm, DSD), Hamburg Mi 30.1.08

Obwohl vom Netzwerk organisiert, bietet der Anlass ein interessantes Programm, und ist mit 30 Mäusen Eintritt (Studis 15.--) auch für Normalverbraucher zugänglich. Mit Richter-Appelt, Konstanze Plett und Milton Diamond (!!!) ist der fortschrittliche Flügel Nicht-Betroffener Fachleute prominent vertreten und hoffentlich tonangebend! Wiederum sollen auch Betroffene zu Wort kommen. Zudem ist als Abschluss eine Podiumsdiskussion vorgesehen, an der wiederum auch Betroffene und Angehörige zu Wort kommen sollen. (Wo dann die Aufgeschlosseneren wohl definitiv unter sich sein werden, da die "Experten" des Mediziner-Flügels gemäss seit Jahren bewährter Hasenfuss-Taktik spätestens dann reissaus nehmen.) Da der Anlass genau eine Woche vor dem 2. Prozesstag von Christiane Völling stattfindet, werdet ihr uns (und hoffentlich viele andere auch!) dort u.a. beim Flugi-Verteilen antreffen ...


Diskussion über Wikipedia, Geschlecht "Zwitter" vs. gar kein Geschlecht, Instrumentalisierung usw.

In den Kommentaren zu «Die Rede von der "psychischen Intersexualität"» hat sich in den letzten Wochen eine  Diskussion mit mehreren ausführlichen und substanziellen Beiträgen entwickelt, mit einem relevanten Post auch auf dem GenderFreeBlog. Aktuell läuft in den Kommentaren mehr als an hier auf der Startseite! Viele der behandelten Themen werden sicher früher oder später in eigenen Posts wieder aufgegriffen werden, bis es soweit ist, können sie dort schon brandaktuell gelesen und weiterdiskutiert werden. Danke an alle, die bisher mitmischten!


XXY = Klinefelter -- oder eben doch nicht oder was?!

Der Post zum Spielfilm "XXY" der argentinischen Regisseurin Lucía Puenzo hat dank einigen Hinweisen und Forenbeiträgen einen ausführlichen Nachtrag erhalten. Wer nur die ursprüngliche Version kannte, ist eingeladen, nochmals reinzugucken.


Bücher über "Intersexualität"

Ein weiteres Projekt von uns ist die Erstellung einer möglichst vollständigen Liste und Bibliothek aller (zumindest teil-)relevanten Bücher zum Thema. Eben hab ich bei Ktty XY wieder was entdeckt, das ich noch nicht kannte. Und nicht nur dort: Bekanntlich hatten wir ja die (alte!) genderwunderland.de Seite wegen der Verwendung des Zwitter-Logos kritisiert, da es dort nur am Rande um Zwitter geht (was wir natürlich aufrecht erhalten). Die Seite hat inzwischen anscheinend den Besitzer und den gesamten Inhalt gewechstelt, die ursprüngliche Seite ist nur dank archive.org trotzdem nicht verloren gegangen. Immerhin sei aber zugestanden, dass die Sparte "Bücher über Intersexualität" ebendort (im Gegensatz zu etwa der deshalb ebenfalls kritisierten Seite mehr-geschlechter.de) auch tatsächlich solche enthält, und noch dazu mehr als bloss die üblichen Verdächtigen (d.h. die 2 obligaten Sachbücher, den obligaten Roman, der Zwischengeschlecht im Titel trägt, aber nur als Nebenhandlung bringt und das Buch, das nur zum kleinsten Teil von Foucault selber stammt). Ich hab auf alle Fälle grad nochmals die eine und andre Onlinebestellung aufgegeben. Falls jemand von euch sich auch für welche interessiert und nicht auf Anhieb fündig wird, die Tipps dort, wie mensch vergriffene Bücher möglichst günstig finden kann, sind ebenfalls empfehlenswert. Zum Schluss ne Kleinanzeige in eigener Sache: Wenn wer deutsche Übersetzung John Colapinto: "Der Junge, der als Mädchen aufwuchs", das Suhramp-TB Michel Serres: "Der Hermaphrodit" oder die Schinegger-Autobiographie "Mein Sieg über mich" zu Hause hat, sie nicht mehr braucht und uns zu bezahlbaren Konditionen überlassen kann, wär toll!


Nella & Seelenlos

Friday 4 January 2008

Praktische Solidarität mit Christiane Völling

Spendenaufruf des Vereins Intersexuelle Menschen e.V. für Christiane Völling:

Wir rufen zur Solidarität mit Christiane Völling auf, die mit diesem Schritt ein hohes persönliches Risiko, auch ein finanzielles eingegangen ist. Um ihren Anwalt zu bezahlen, musste sie einen Kredit aufnehmen.

Wer Christiane Völling unterstützen möchte, kann dies mit einer Überweisung auf das Vereinskonto tun. Es kommt nicht auf die Höhe an, auch die Anzahl der Spenden setzt ein Zeichen:

Intersexuelle Menschen e.V.
Konto 0963128202
Postbank Hamburg
BLZ 200 100 20
Verwendungszweck: Solidarität mit Christiane

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Für Beträge unter 100 € genügen der Einzahlungsbeleg und der Kontoauszug. Für Zuwendungen über 100 € stellt der Verein Spendenbescheinigungen aus.

quelle: http://www.intersexuelle-menschen.net/aktuelles.html

PS: Spenden sind auch nach dem vorläufig positiven Prozessausgang weiterhin hochwillkommen! Falls Christiane definitiv gewinnt und das Schmerzensgeld bekommt, geht das gesammelte Geld in einen Fonds und wird für weitere Fälle verwendet.

--> Christianes Geschichte in ihren eigenen Worten

--> Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll

Tuesday 25 December 2007

Etwas Solidarität mit Intersexuellen, bitte ...


[das ist das erste posting, das von meinem freund seelenlos unter eigenem autorenkonto hier erscheint. wir haben schon vorher gemeinsame postings verfasst. seelenlos ist ein "normaler" XY und hat mich bei der entstehung dieses blogs und auch mit der vorbereitung der demo für christiane sehr unterstützt. ohne ihn hätte ich das alles wohl nicht geschafft. danke und willkommen! - nella]



einmal mehr wird auf indymedia ein artikel über zwitter von transexuellen dazu benutzt, werbung in eigener sache zu betreiben, auch mittels diffamierender vorwürfe ("halbwahrheiten"), während andrerseits auf das auch allerkleinste zeichen von solidarität mit der alles andere als einfachen situation z.b. zwangsoperierter intersexueller (bewusst?) verzichtet wird.

die meisten zwischengeschlechtlichen menschen haben ein starkes und legitimes bedürfnis, sich gegen transsexuelle abzugrenzen. die individuellen begründungen sind so vielfältig wie die "intersexuellen" selbst und ihre erfahrungen mit menschen, die sich als "transsexuell" bezeichnen, aber alles andere als pauschal und unreflektiert. nachfolgend einige auszüge mit links zu den vollständigen texten:


Was ist der Unterschied zu „Transsexualität“?
 
Menschen mit nicht eindeutigem Geschlecht dürfen nicht mit Transsexuellen verwechselt werden, die biologisch eindeutig Mann oder Frau sind. Transsexuelle leiden darunter, dass ihr körperliches Geschlecht nicht mit ihrer Geschlechtsidentität übereinstimmt.
 
Presseheft "Tintenfischalarm"



Intersexuelle Menschen? DSD ? Freigeschlecht? Zwischengeschlechtlich?

[...] Ich lehne den Begriff "Intersexualität" schon deshalb ab, weil er in der deutschen Sprache mit SEX bei Unaufgeklärten falsche Assoziation auslöst. Mit Sex (und es ist mir bewußt, dass das im Englischen " Geschlecht" ist) hat der Zustand der Zwischengeschlechtlichkeit nichts zu tun.

Der Gipfel medizinischer Pathologisierung mündet im Begriff DSD. Die Disorder zeigt die Absicht. Es wird zwar behauptet, es wäre die Besonderheit gemeint, es wird aber als Störung definiert. [...]

Um die Paralleldiskussion zur Transsexualität auf zu nehmen.... Auch zu dieser Gruppe sind wir nicht dazugehörig. Viele intergeschlechtliche Menschen wurden aus Beweggründen die in der Pathologisierung der Besonderheit und aus ideologichen Gründen, die ihre Ursprünge im nationalsozialistischem Gedankensumpf ihren Ursprung haben, transsexualisiert, verschnitten und kastriert. Schon aus Gründen der Gewalt, die diese Gruppe zulassen muss, führen für mich zur Ablehnung. Ich lehne diese Menschen nicht ab, dass dies klar ist, aber ich fühle mich der Gruppe nicht zugehörig.

Ich bin auch kein "Freigeschlecht", denn ich habe keine Wahl, ich bin schon.

Ich fühle mich wohl in der großen Gemeinde der inter- und zwischengeschlechtlichen Menschen. Das tut mir nicht weh, zwischengeschlechtlich geboren zu sein, das läßt mir Luft für meine eigene sexuelle Orientierung, meine Identität. Intergeschlechtlicher Mensch als Teil der Spezies Mensch....

nolderot auf http://zwitter.twoday.net/stories/4304666/



Revision "Problem Zwischengeschlechtlickeit"
Diese Grafik ist meine persönliche Hypothese. Ich stelle keinen Anspruch auf Gültigkeit meiner kleinen persönlichen Meinung. Sie spiegelt eben die Meinung eines Biozwitters wieder. [...]

Ja, es ist sehr unschön, wenn ein Mensch, der mit eindeutigen Genitalien geboren wurde, sich aber durch chemische Wundermittelchen in einen Zustand von Zwittrigkeit katapultiert hat, behauptet, dass er mehr intersexuell ist als ein AIS Mensch, der sich als Frau fühlt und auch also solche lebt. Immerhin liegen zwischen den Erfahrungen, seien es im medizinischen, psychischen wie auch familiären Bereich Welten.
Heute gehe ich von der Grundannahme an, dass auf psychologischer Ebene jedes Kind als intersexuell zur Welt kommt. Was einen zum Mann oder zur Frau macht sind viele Faktoren. Zum Beispiel genetische und hormonelle Faktoren, jedoch genauso die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht, die missbrauchte Kinder jedoch oft nicht machen, gesellschaftliche Faktoren, die sich auf die Umwelt, die Erziehung und die geschlechtliche Prägung des Kindes auswirken und so schlußendlich einen Menschen Formen, der seine Geschlechtlichkeit lebt bzw. auslebt. Vieles kann dazu Beitragen, dass sich jemand nicht mit seinem körperlichen Geschlecht identifizieren kann und sich so zum trassexuellen Menschen entwickelt.

[...]

Ist das nun alles eine Frage der eigenen Emazipation und Toleranz? Sind transsexuelle Frauen die besseren Feministinen? Sind 'Pseudointersexuelle' die besseren Intersexuellen? Sind Transmänner die männlicheren Männer? Reden Transfrauen mit normalen Frauen über ihre in der fantasie existierende Menstruation?
Ja, 'pseudohermaphroditismus masculins bzw. feminus', eine unschöne Bezeichnung für keine 'echten Hermaphroditen' wie ich laut altem Lehrbuch auch einer bin.
Vielleicht finden wir ja doch noch eine neue Verwendung für diesen lateinischen Begriff um uns erneut von anderen abzugrenzen.

Heute weiß ich woraus mein Transsexuellenhass resultiert.
Es ist wohl doch ein Mix aus Angst vor dem Fremden und etwas Neid gewesen der mich vor über einem Jahr dazu veranlasste diesen Beitrag zu schreiben.
Vielleicht würde ich heute das Gespräch suchen, wenn sich wieder jemand als 'psychisch intersexuell' bezeichnend Anschluss sucht. Vielleicht würde ich klarer herausarbeiten was Intersexualtät ist und um was es geht und dass es doch eigentlich etwas ist, von dem ein Fünkchen wohl in jedem Menschen steckt, doch nur wenige werden auch mit körperlich uneindeutigen Geschlechtsorganen geboren und erleben so ihre Intersexualtät anders und intensiver als jemand, der meint, dass er sich auch als Zwitter fühlt.

interlife auf http://livingintersex.twoday.net/20060826/



Intersex-Aktivismus, Transgender und die Koalitionsfrage

[...] Da der Begriff Transgender einmal als Umbrella-Term für all jene, die ihre Geschlechtszuweisung bei der Geburt als nicht bindend empfinden, gebraucht wird, aber eben auch als identitäre Selbstbeschreibung für nicht-binäre Geschlechter, kommt es selbst innerhalb der Queer Community oft zu Verwechslungen, indem Transgender mit Transidentität oder Transsexualität gleichgesetzt wird.
Dies ist falsch: Transsexuelle oder Transidente werden zwar unter dem Oberbegriff Transgender gefasst, allerdings wollen diese von einem Geschlecht in ‚das andere’ hinüberwechseln. Dazu gibt es in Deutschland auch rechtlich mit dem Transsexuellengesetz (TSG) die Möglichkeit. Transgender (als Identitätsbegriff) bezeichnet Menschen, die sich jenseits von oder zwischen männlich/weiblich verorten. Einige wollen ihren Körper mittels Hormonen oder Operationen verändern, andere nicht.

Intersex kommt hier erst einmal gar nicht vor, da die Problematik eine ganz andere ist. Einmal handelt es sich meistens um Kleinkinder oder Jugendliche, die ungefragt und von Außen einem Geschlecht zugewiesen werden. Erwachsene Intersexuelle sehen oft auch keinen Zusammenhang mit Trans, teils aus einer bewussten Abgrenzung heraus, da es eben zu den genannten Verwechslungen kommt, aber auch, um die eigene Erfahrung sichtbar zu machen. [...]

Wenn bei Transidenten Intersexualität festgestellt wird, vereinfacht sich der Weg des TSG, da die Gutachterpraxis wegfällt. Also ist aus der Sicht von Psychologen und Medizinern ein ‚biologischer Grund’ die ‚bessere’ Rechtfertigung für die Entscheidung eines Menschen, sein Geschlecht zu ändern. Vielleicht aus einem ähnlichen Grund wird in Transkreisen immer häufiger von Trans als psychischer Intersexualität und durch Hormongaben und Operationen „gemachten" Intersexkörpern gesprochen.
Dies ist aus Transgendersicht vielleicht verständlich [...]. Doch aus der Sicht von zurechtoperierten Zwittern ist eine Aneignung von medizinischen Labels eher fragwürdig bis kontraproduktiv [...]. Ebenso entstehen dadurch in der Öffentlichkeit weitere Missverständnisse und Vorurteile. [...]

Die Eingliederung des „I“ in LGBTQ

In den USA wird diskutiert, welche Probleme die Eingliederung von Intersex in Queer/Homo/Trans-Politiken mit sich bringt. Da es meist die Eltern sind, die sich mit dem Geschlecht ihres Kindes auseinandersetzen müssen, besteht die Gefahr in der Vorstellung, Intersexualität hätte etwas mit Homo- oder Transsexualität zu tun, so dass diese (homophoben und transphoben) Eltern umso schneller ihr Kind „normalisieren" lassen wollen und sich für chirurgische Eingriffe entscheiden.
Ein weiterer Einwand ist, dass eine Eingliederung von Intersex in LGBT noch nicht garantiert, die besonderen Probleme um Intersex auch zu thematisieren und Ressourcen für Hermaphroditen zu schaffen. Insbesondere die grundsätzlichen Fragen der Menschenrechte um die körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung könnten in den allgemeineren Forderungen der LGBT zu Antidiskriminierung und Homo-Ehe eher untergehen. [...]

Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten: [...] Allein aus diesem Grund wäre eine gemeinsame Politik (zumindest an diesen Schnittstellen) von Homo/Queer/Trans/Inter und weiteren marginalisierten Gruppen wünschenswert und notwendig.

ins a kromminga auf http://www.genderfreenation.de/gfnneu/texts.html >>> im menü links auf "TRANS-INTER-KOALITIONEN?" klicken.



Kommentar bei "Die Rede von der psychischen Intersexualität"

Der Beitrag von Tina tut weh, zeigt jedoch die Problematik genau auf: Auf der einen Seite werden körperliche Veränderungen herbei gewünscht und werden mit allen Mitteln erkämpft, auf der anderen Seite kämpfen wir zwischengeschlechtlichen Menschen für die körperliche Unversehrtheit. Uns könnte der Kampf um Würde und Selbstbestimmung verbinden. Aber...
Claudia Langs Buch als Schwachsinn zu bezeichnen zeugt allerdings von provokanter Streitsucht. Und von einem Niveau, auf das ich mich als Zwischengeschlechtlicher nicht herunter begeben werde. Mit Beiträgen, die dem von Tina ähneln, erstickt man jede Annäherung. Und wenn nichts mehr hilft, wird auch noch die Praktik der Nazis beschwörend herbei zitiert. Tina, du hast den Knall nicht gehört: Zwitter wurden auch im 1000jährigem Reich vernichtet... Da hat keine Gruppe ein Exklusivrecht drauf.

Also : gehe jeder seiner Wege und setzte seinen Kampf fort. Einen weiteren Kontrollverlust wird kein denkender traumatisierter zwischengeschlechtlicher Mensch zulassen.

lucie auf http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/12/11/Die-Rede-von-der-psychischen-Intersexualitat#c5993074


diese abgrenzung zwischengeschlechtlicher menschen gegen transsexuelle geschieht (wie auch in den oben verlinkten texten beschrieben) aus zwei gründen:

1. viele transsexuelle werfen (zwangsoperierten!!!) zwischengeschlechtlichen vor, sie hätten's ja eigentlich gut, da sie nicht um operationen zu kämpfen brauchten -- auch hier auf diesem blog (!!!): "Ist ja auch kein Problem, wenn man selbst als Intersexuelle/r anerkannt ist und nicht um medizinische Maßnahmen kämpfen muss." ein vorwurf, den auch die regelmässig hier kommentierende kim (die zwischendurch auch als "anja" unterzeichnet) "als selbst Betroffene, tatsächlich nachvollziehen" kann ( trotz der "ersteinmal sehr heftigen äusseren Form").

ähem,  es gibt dinge, die sind wohl mehr als nur "sehr heftig", sondern schlicht jenseits. einem genital zwangsoperierten menschen (noch dazu auf einem IS-blog) zu sagen, eigentlich müsse sie froh sein, dass sie problemlos zwangsoperiert und -kastriert wurde, gehört definitiv dazu, auch für mich als "normaler" XY. kein wunder, halten sich zwischengeschlechtliche menschen vorzugsweise in geschlossenen foren auf.

2. praktisch allen zwischengeschlechtlichen menschen stösst es sauer auf, dass sie in den medien und in der öffentlichkeit regelmässig mit transsexuellen "verwechselt" werden. nicht zuletzt, weil viele transsexuelle das label "intersexuell" kurzerhand für sich selbst beanspruchen, desgleichen auch das zwittersymbol. wie z.b. kim nebst auf indymedia u.a. auch in einem artikel in der taz über lucie (unten auf "kommentare klicken) und last but not least regelmässig auch hier auf diesem blog. zum zwittersymbol vgl. z.b. das logo von kims transsexuellen-homepage. (nachtrag 28.2.08: das logo wurde inzwischen geändert. danke!)

deshalb: wie wärs zur abwechslung mal mit etwas einfühlungsvermögen in die anliegen intersexueller, hier und auch anderswo? oder gar ein kleines zeichen von solidarität? bitte, nur ein kleines bisschen? danke.

(offensichtlich ein anliegen, das mitunter auf taube ohren stösst, wie in den kommentaren des erwähnten indymedia-artikels, wo die ursprüngliche fassung dieses texts zuerst stand, anschaulich verfolgt werden kann ...)



Thursday 13 December 2007

Menschenrechte auch für Zwitter 2

     
bild: Ruhr Nachrichten

auf der fahrt zurück nach zürich ... v. und ich stossen mit einem bier auf den heutigen tag an.

christianes prozess und die kundgebung vor dem landgericht köln sind vorbei. ein dutzend leute waren dort, um ihre solidarität kundzutun. hätten etwas mehr sein können, aber dass es nicht viele sein würden, war zu erwarten: mittwoch morgen, kalt und grau, menschenrechte für – zwitter ... ? zumindest noch amnesty international köln hätte uns solidarisch zur seite stehen können, zumal am 10.12. gar menschenrechtstag war. immerhin war tanguy pinxteren von amnesty international belgien vor ort.

die medienpräsenz war gross. unsere kleine gruppe war permanent damit beschäftigt, in mikrophone zu sprechen. wir werden also sehr viele menschen mit unserer botschaft erreichen.

die heutigen nachrichten haben die meisten von uns wohl verpasst. aber am sonntag um 22:30 uhr wird auf SAT1 die sendung PLANETOPIA ausgestrahlt.

der prozess dauerte ungefähr eine halbe stunde. der gerichtssaal war voll. die besucherplätze waren alle besetzt. zu beginn durfte die medien kurz reinkommen, christiane sass mit ihrem anwalt an einem tisch. die blitzlichter regneten auf sie ein, etwa sieben bis acht leute mit kamera.

der prozess verlief nicht so, wie man sich einen prozess vorstellt. keine zeugenaussagen, kein urteil (das wird erst im februar verkündet). der richter zeigte zwar verständnis, fasste den sachverhalt gut zusammen und wies zum beispiel darauf hin, dass die mediziner bei christiane die informationspflicht unterlassen haben: die patientin/der patient muss vor der operation über die risiken und folgen derselben informiert werden.

befremden kam auf, als er darüber sprach, dass ein experte hinzugezogen werden müsse. er habe diesbezüglich im internet recherchiert und einen älteren pädiater gefunden. ich kann mir schon lebhaft vorstellen, was dieser "ältere pädiater" für eine einstellung haben wird. und der anwalt des beklagten meinte zuletzt, dass es heutzutage noch leute gebe, die sich einer geschlechtsumwandlung unterziehen wollen und meinte damit offensichtlich transsexuelle. ungläubiges kopfschütteln, lachen und murmeln im publikum.

als der richter zum schlusswort ansetzte, standen wir alle auf, mit einem klebstreifen auf der brust "wessen körper ist das?" und standen bis zum schluss der verhandlung solidarisch mit christiane.

nach der verhandlung wiederum mikrophone, kameras, blitzlichter, interviews. und draussen standen wir dann noch fast eine stunde mit dem transparent "menscherechte auch für zwitter", verteilten flyer, wurden fotografiert und befragt.


bild: WDR

kurz vor dem erfrieren ging's dann ins café ecco, essen, trinken, abschiedsrunde. umarmungen, küsse, ein paar tränen, dann zurück ins hotel gepäck holen und auf den zug.

was für ein grosser tag für uns zwischengeschlechtliche! christiane hat mit ihrem mut eine bresche geschlagen. wir sind mitgegangen und nun gilt es, diese zu nutzen, bevor alles wieder zugeschüttet wird!

kämpferische grüsse gegen die "allianz von messer und lüge" (plakat nadja) von

nella

p.s.: weitere berichte:
ruhr nachrichten 1: http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/nrw/art1544,138077
ruhr nachrichten 2: http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/nrw/art1544,137587
welt: http://www.welt.de/vermischtes/article1454357/Frau_wurde_gegen_ihren_Willen_zum_Mann_gemacht.htmlfocus 1: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/sexualitaet/tid-8293/intersexualitaet_aid_229177.html
focus 2: http://www.focus.de/panorama/welt/prozess_aid_229141.html
wdr: http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2007/12/12/aks_04.xml
wiener zeitung: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=316637
deutsche welle world: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3000902,00.html

Saturday 17 November 2007

Demo gegen genitale Zwangsoperationen am 12.12.2007 vor Kölner Landgericht

Intersexuelle setzen sich zur Wehr

Die Tabuisierung von Intersexualität hat das Leben von Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst und sie in die Isolation getrieben. Intersexuelle lassen sich jedoch nicht mehr den Mund verbieten und werden sich auch in Zukunft schützend vor intersexuelle Kinder stellen. Die Gesellschaft soll aufgeklärt werden, damit ein unverkrampfter Umgang mit Intersexualität entstehen kann. Intersexuelle Menschen fordern, dass geschlechtszuweisende Operationen nur im Einverständnis der intersexuellen Person durchgeführt werden dürfen und fordern damit nichts anderes als das Recht eines jeden Menschen auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde.


Demo 12.12.07 09:30 vor dem Landgericht Köln

Es geht um Menschenrechte, für die wir uns am 12. Dezember 2007 in Köln einsetzen werden, zusammen mit Christiane Völling, die ihren Arzt wegen Körperverletzung anklagt. Sie wurde ihrer gesunden inneren weiblichen Fortpflanzungsorgane beraubt und leidet bis heute an der ihr aufgezwungenen männlichen Rolle, wurde wie viele intersexuelle Menschen angelogen, gedemütigt und in ihrer Würde verletzt.

Wir besammeln uns am 12.12. um 09:30 Uhr vor dem Landgericht an der Luxemburger Strasse 101 in 50939 Köln. Kommt alle und setzt ein Zeichen im Namen der Menschlichkeit, unterstützt uns in unserem Kampf gegen genitale Zwangsoperationen!

Nella


Ausführliche Einträge auf:
de.indymedia.org
at.indymedia.org
ch.indymedia.org
intersex.ch

Christiane Völlings Geschichte

Kurzbiografie: Intersexualität bei Adrenogenitalem Syndrom

Von Christiane Völling, die ihren damaligen Mediziner im "Zwitterprozess" wegen Körperverletzung anzeigt. 1. Prozesstag in Köln am 12.12.2007, Fortsetzung am 06.02.2008.

Meine Erkrankung AGS mit 21-Hydroxylasedefekt, XX-chromosomales Geschlecht, wurde bei meiner Geburt nicht erkannt. Ich sage "Erkrankung", da AGS nicht heilbar ist und ich lebenslang vom Kortison abhängig sein werde, ist lebensnotwendig für mich, lasse ich es weg versterbe ich (so kann ich mich auch selbst töten).

Die Hebamme meinte ich könnte auch ein Mädchen sein. Aber es wurde dann doch entschieden ich sei ein Junge (die vergrößerte Klitoris hielt man für einen Mikropenis). Ich wurde also als Junge, obwohl keine Hoden vorhanden, beim Standesamt angemeldet und entsprechend erzogen. Als Kleinkind sagte ich öfter ich sei ein Mädchen, aber meine Eltern hielten das wohl für das übliche Kindergerede, konnten mit meinen Äußerungen nichts weiter anfangen.

Mit 3-4 Jahren rutschte ich in die vorgezogene Pubertät mit allen Folgen (beim unerkannten AGS produziert die Nebenniere zuviel Androgene, diese lösen beim unerkannten AGS die vorgezogene Pubertät aus). Ich litt unter fürchterlichen Bauchschmerzen, Größenwachstum setzte ein (ich war der Größte in der Grundschule, einfach schrecklich!! Die anderen Kinder haben mich gemieden wie die Pest, ich war immer alleine, fand keine Freunde) mit vorzeitigem Wachstumsstop (ich bin jetzt so "groß" wie mit ca. 12 Jahren), "da unten" ebenfalls Wachstum ohne Ende. Das alles hat aber niemanden interessiert, weder meine Eltern noch dem Haus-"arzt". Ich habe jeden Tag geweint vor Entsetzen und Angst, Schmerzen und Hilflosigkeit. Hat aber auch niemanden interessiert. Ich wurde nicht weiter wahrgenommen oder registriert. Ich blieb allein. Ich war ständig krank und kränkelnd, habe (fast) jeden Tag instinktiv Salz gegessen, tat mir immer gut. Hat auch niemanden interessiert. Andere Kinder essen Süßigkeiten, ich aß Salz. Wußte da natürlich nicht, daß dies mein "Leben" retten würde. Ich war nur irritiert, gefühlsmäßig durcheinander, denn ich fühlte mich doch eher als Mädchen, konnte nicht viel mit den üblichen Jungenspielen anfangen, bekam aber nie Erklärungen für mein Anderssein und meine "gegengeschlechtlichen" Gefühle. Aber da ich eher einem Jungen ähnelte und einen männlichen Vornamen hatte (immer noch habe!) glaubte ich mit der Zeit ich sei dann doch eher ein Junge und versuchte meine kindlich-mädchenhaften Gefühle zu unterdrücken, auch um nicht den Verstand zu verlieren und um zu überleben mußte ich mich anpassen.

Ich konnte mich gefühlsmäßig und körperlich nicht weiterentwickeln. Die vorgezogene Pubertät hat sehr viel an meinem "Leben" unwiederbringlich zerstört. Ich nehme heute noch meine kindlich-naiven-mädchenhaften Gefühle wahr, das kleine angstvolle, leidgeplagte, schutz- und hilflose, auf der Treppe sitzende, weinende Mädchen tief in mir.

Die normale Pubertät wie viele sie wohl kennen und erfahren, durchlebt haben, kenne ich nicht. Ich weiß nicht welche geheimnisvollen Bande da betätigt werden, daß "Mann" und "Frau" zueinander finden, sich ineinander verlieben (können) usw. Ich kenne diese und andere Gefühle nicht. Ich blieb (und bleibe) ein Außenseiter und allein.

Die anderen wachsen - ich nicht. Interessiert auch niemanden, nur mich. Jetzt war ich auf einmal der Kleinste (Hauptschule/Gymnasium). Wieder nur Hohn und Spott von den anderen Kindern, auch vom Lehrer. Ich wurde weiter gemieden, warum auch nicht?! Ich mußte mich schon früh daran gewöhnen ständig beleidigt und verspottet zu werden, wurde als Grundschulkind ja schon überall gedemütigt, auch von den Nachbarn. Es war das reinste Spießrutenlaufen der Weg zur Schule und zurück. Oft schlug mir der blanke Haß entgegen, wenn es erlaubt gewesen wäre hätten mich auch die Erwachsenen geschlagen. Ein Erwachsener hat es mal getan, schlug mir auf meinen krummen Rücken (ich bekam aufgrund des beschleunigten Längenwachstums einen runden Buckel, wie die alten Hexen in den Märchen).

Bin stehengeblieben, hab den nur angeschaut. Hat er nicht lange aushalten können, er verschwand  dann wortlos in sein Haus. Hat er nie wieder getan, nur weiter mit Worten geschlagen. Seinen haßerfüllten kalten Blick werde ich nicht vergessen. Ich ging öfter über Schleichwege um denen zu entkommen. Hat nicht immer funktioniert. Manche Kinder verfolgten mich mit dem Rad, ich bin stur geradeaus gegangen, bloß keine Angst zeigen, sonst wird alles nur noch schlimmer! Hat auch geholfen, irgendwann war ich denen zu langweilig geworden, weil ich darauf nicht reagiert habe. Hat zu Hause aber auch niemanden interessiert. Ich war auf mich allein gestellt, angewiesen, irgendwie überleben, innerlich.  Da war ich ca. 6 - 10 Jahre alt. Jugendzeit/Pubertät habe ich nicht gehabt, kenne ich nicht, ich mußte als Kind sofort erwachsen werden um überleben zu können. Mit 16 dann auf einmal "Leistenhoden" (Haus-"arzt"). Ich ab in die Urologie des nächsten Ortes (ich wuchs in ländlicher Umgebung auf). Diese finden aber Ovarien, entnehmen Histologie. Pathologe sagt: "Nebenhodengewebe und Ovarien" und bleibt dabei. Also bin ich ein Zwitter. Wurde mir auf menschenverachtende Weise mitgeteilt. Haus-"arzt":

"Du bist kein Mann! Du bist auch keine Frau! Du bist ein Zwitter! So Menschen wie dich hat man früher auf dem Jahrmarkt ausgestellt und damit Geld verdient! Das kannst du ja auch mal ausprobieren, da bist du eine Kuriosität, eine Sensation!" Er lachte dabei.  Meine Eltern waren da nicht bei mir. Ich war und blieb allein.

Durch diese demütigende Art der Mitteilung rutschte ich in einen Schockzustand. Ich wollte mich auf der Stelle umbringen. Den psychischen und körperlichen Schock hat niemand erkannt. Der Psychologe erklärte es mir im vergangenen Jahr, habe 30 Jahre nicht gewußt, daß ich dadurch einen Schock erlitten hatte. Dieser grauenvolle Zustand hielt tagelang an, ich konnte nicht sprechen und war fast unfähig zur Schule zu gehen, traue mich seitdem kaum noch unter Menschen. Ich war und blieb allein. Da war niemand, der mich irgendwie aufgefangen oder getröstet hätte. Ich mußte allein damit fertig werden, versuchen das zu verkraften. Durch diese Art der Mitteilung Entstehung meines "Monstergefühls" (Anderssein-Gefühl seit ich denken kann) und Vertiefung meiner inneren Isolation. Ist bis heute geblieben. Ich verkroch mich jede Nacht in unseren finsteren kalten Keller, ein Untier, ein klauenbewehrtes, schwarzes, klumpiges Monster eben. Dort Ausarbeitung meines Suizidplanes. Meine ältere Schwester brachte mich kurz vor Ausführung des Suizids (hätte ich getan!) in die Uni Köln. Irgendwie bin ich beim Endokrinologen hängengeblieben (Chirurgie, Gynäkologie, Plastische Chirurgie). Die übliche, für uns Intersexe normale Tortur begann (da wußte ich das aber noch nicht, daß dieser Umgang als "Normal" betrachtet wird, seitens der Mediziner, wird bis heute gemacht, interessiert aber niemanden!!!!), einschließlich der gegen meinen ausdrücklichen Willen gemachten GANZKÖRPERNACKTAUFNAHMEN mit PORTRAITS meines intersexuellen GENITALES!!! Ich wurde vom Stationsarzt GENÖTIGT!! Mit knapp 17 Jahren wurde ich von einer FRAU! NACKT FOTOGRAFIERT!!, mußte mich vor ihr AUSZIEHEN!! Ich habe mich zu TODE GESCHÄMT! Dabei GEZITTERT und GEWEINT, dabei HOHN und SPOTT: " Wir gehen mit Ihren Fotos nicht hausieren, nicht von zu Tür zu Tür um sie zu verkaufen...!" Sie LACHTEN dabei!! Ich bin innerlich endgültig zerbrochen. Das habe ich bis heute NICHT VERKRAFTET!!!  Im OP-Saal wurde ich ebenfalls GEGEN MEINEN WILLEN FOTOGRAFIERT!! Interessiert auch NIEMANDEN!! Verstöße gegen die GG, Menschenrechte usw. Interessiert NIEMANDEN!!!

Studentenvorführungen mit Streaptease-Einlagen! Selbstverständlich OHNE vorherige Aufklärung oder meine Einwilligung! Die haben sich benommen wie...!!! Unmögliches, grauenhaftes "Benehmen"!! Nur Gekicher und voyeuristisches Gegaffe! Kein bißchen Anstand! Ich glaube, die kannten das Wort überhaupt nicht! Ich fühlte mich wie ein Tier im Zoo! Nein, schlimmer! Denn dieses wird menschlich behandelt! Ich war eben ein Untier, ein Monster, eine Kuriosität!! Absichtliche Einschüchterungen seitens des behandelnden Arztes: " Warum kommen Sie jetzt erst!!!? Was denken Sie denn, was ich jetzt noch für Sie tun soll!!!? Wie haben Sie sich das gedacht!!!? Seien Sie froh, wenn ich noch einen Arzt finde, der Sie noch operiert, das wird alles im Kindesalter gemacht!!!"  Körpervermessungen - wozu benötigen die meinen Kopf- und Beckenumfang, Arm- und Beinlängen?? Absichtliche Falsch- und oberflächliche Aufklärung, unterlassene Hilfeleistung, die haben GEWUßT!!!, daß ich höchstgradigst SUIZIDGEFÄHRDET!! und ALLEINE!! war und haben NICHTS UNTERNOMMEN!! KEINE HILFEANGEBOTE!!!

Falsche Diagnosen: Gonadendysgenesie, wahrer Hermaphroditismus, Pseudohermaphroditismus, Turnersyndrom, Klinefeltersyndrom, AGS und wieder wahrer Hermaphroditismus. Angeblich "der einzige Fall in ganz Deutschland mit dieser Konstellation" und ob es mich nochmal gibt auf dieser Welt: "Ja, das wissen wir nicht so genau, aber denken können wir uns das schon, daß es Sie mit dieser Konstellation noch mal gibt...". Na, wenn man sich da nicht einsam und gottverlassen fühlt auf dieser Welt und tief verzweifelt ist...

Unterlassene Hilfeleistung auch von seiten des Psychosomatikers: " Nach Beendigung aller Behandlungen sind wir an einem weiteren Gespräch sehr interessiert." Das sagt alles: auch für ihn war ich nur ein Experiment!! Ausleuchtung meiner sexuellen Orientierung. Ich mußte ihm meine intimsten Dinge erzählen!! Er hat diese brühwarm an Dritte weitergegeben!!
Dieses ....!!! INTELLIGENZTEST!!! WOFÜR????????? Sind Zwitter und Pseudozwitter geistig behindert!?? Manche "Ärzte" vermuten dies bis heute!!! Er bescheinigte mir eine "gut ausgebildete Intelligenz"!! Ist doch auch schon mal was - oder???

Alles unter Zwang und Drohungen: " Wenn Sie meinen Sie bräuchten nicht mitmachen oder Sie könnten mich täuschen, haben Sie sich geirrt!! Ich werde das sofort merken!! Ich kann auch anders!!!" Ich dachte der sperrt mich für immer weg! Also tue ich was er von mir verlangt! Wenn ich wüßte, daß er noch lebt und wo er wohnt - ich würde ihn besuchen und ihm gehörig den Kopf waschen, er ist ja an einem weiteren Gespräch sehr!! interessiert!! Bietet mir KEINE HILFE!! an!! War für ihn wohl normal, daß ich als Zwitter unfruchtbar bin und kastriert werden soll und ich mit meinen 17 Jahren mit allem alleine fertig werde!! Der wußte BESTENS!! über mich Bescheid, selbst meinen Chromosomensatz (steht in seinem Begleitbrief!)!!

Ich landete dann als "echter Zwitter" auf dem OP-Tisch und wurde geschlechtsumgewandelt in einen kastrierten Pseudohermaphrodit ( "... normale weibliche Anatomie... Entfernung aller intraabdominell gelegenen weiblichen Organe...").

Selbstverständlich OHNE MEINE EINWILLIGUNG!!! und OHNE ENTSPRECHENDE AUFKLÄRUNG!!! Wozu auch??? 
Der ausschlaggebende Grund für meine OP-Einwilligung war das mir gegenüber erwähnte evtl. Entartungsrisiko meiner angeblich unterentwickelten, "nicht richtigen Eierstöcke und des verkümmerten Hodengewebes", diese sind entstanden durch meine "nicht richtigen Chromosomen, diese bestehen aus abgebrochenen Chromosomenstücken, die sich falsch zusammengefügt haben. "

Ob ich XX oder XY habe?: "das wissen wir nicht so genau, vermutlich beides. Fragen Sie in einem halben Jahr nochmal nach, vielleicht wissen wir dann mehr. Das ist eine hochkomplizierte und sehr teure Untersuchung!" "Aufklärung", die ich erhielt!!!

Unterschrieben hatte ich "nur" für eine "Laparotomie". Ist das, nennt "Arzt" DAS eine "korrekte, vollständige Aufklärung"!!!!??? Meine NORMALEN!! WEIBLICHEN!! XX- Chromosomen waren den Ärzten bestens!!! und bereits seit MONATEN!! VOR meiner ZWANGSKASTRATION!! BEKANNT!!!
Obwohl der Operateur meine "normale weibliche Anatomie" erkannt hat, hat er weitergemacht!! und mich KASTRIERT!! Anstatt das Messer wegzulegen und weitere Diagnostik zu betreiben!! ÄRZTEPFUSCH und ZWANGSKASTRATION!!

SCHWERE und GEFÄHRLICHE KÖRPERVERLETZUNG!!! Verstoß gegen § 226 STGB!! Darauf steht Freiheitsentzug, KNAST!! für mehrere Jahre! Leider VERJÄHRT!! Da hat der "Arzt" Glück gehabt!! Ich wurde kastriert, weil ich angeblich ein "echter Zwitter" war!! Darum hat er weitergemacht! Sonst hätte er aufgehört und mich wieder zugenäht, mir meine GESUNDEN!! WEIBLICHEN GESCHLECHTSORGANE!! gelassen!! Die haben falsche Diagnosen gestellt!!! Aber der "Arzt" hat TROTZDEM weiter operiert!!!

Ich wurde absichtlich NICHT AUFGEKLÄRT!!! "Die obig genannten Diagnosen dürfen ihm auf keinen Fall mitgeteilt werden...",

Schreiben aus dem Jahre 1979!! ZWEI!! Jahre nach meiner von mir NICHT GENEHMIGTEN!!! Kastration war ich immer noch nicht aufgeklärt, auch nicht über die bereits damals mögliche operative Angleichung an das weibliche Genitale!!! Mir wurde dann gesagt ich habe AGS und benötige lebenslang Kortison. Ist das eine "VOLLSTÄNDIGE, KORREKTE AUFKLÄRUNG"???
Ich dachte ich spinne wegen meiner "gegengeschlechtlichen" Gefühle, also halte ich meinen Mund und tue so als ob ich ein "richtiger Mann" bin, bevor ich wieder zu dem Psycho muß. Da hatte ich echt Angst vor, ich dachte, der läßt mich nicht mehr laufen.

Ich wollte dann nur noch einigermaßen "normal" aussehen "da unten", also bieten die mir eine Harnröhre an (ich hatte keine richtige, Wasserlassen war und ist bis heute eine Qual). Laß ich dann auch machen. ZWEI!! Jahre später bekomme ich dann ENDLICH! Kortison und Testosteron (!) gegen Osteoporose (!), weil ich ja keine Gonaden mehr habe, die ein Hormon produzieren, das meine Knochen zusammenhält (Aufklärung, die ich erhielt). Obwohl die Ärzte bereits seit ZWEI!! JAHREN!! meine Erkrankung/Diagnose kannten!!! Die - NICHT ICH!!! Die haben mir das für mich lebensnotwendige Kortison ABSICHTLICH!! vorenthalten!! Ich nenne das MORDVERSUCH!! Ich hatte mehrere Jahre!! alle Wechseljahresbeschwerden einer Frau (Hitzewallungen, Kälteschauer, Schwächeanfälle, Kreislaufbeschwerden, Entfremdungsgefühle, Benommenheitszustände), wußten die Ärzte. ICH wußte aber nicht!!, daß dies u.a. Wechseljahresbeschwerden sind.
Woher soll ich das auch wissen?! Ich habe gelitten wie Hund, auch wegen Kortisonmangel Beschwerden. Diese machen nur "Hormonanalysen" und schicken mich wieder nach Hause. Durch Testosteron weitere Vermännlichung (Stirnglatze, Bartwuchs, männlicher Behaarungstyp, tiefere Stimme u.sw.). Das Chaos tobt in mir, Entfremdungsgefühle verstärken sich, furchtbare Identitätskrisen, ich erkenne mich im Spiegel nicht wieder ("das da, das bin ich nicht!", das darf ich keinem Psychiater erzählen!!), zeitweise hatte ich echte Panik den Verstand zu verlieren, dachte immer wieder an Selbstmord.

Verstärkung des Monstergefühls, Vertiefung der inneren Isolation und Einsamkeit, ich weiß nicht wer und was ich bin ( "Ich bin ein Dazwischen-Wesen" - so habe ich mich selbst bezeichnet, das Wort Intersexualität war mir bis Dezember 2005 unbekannt, nie gehört oder gelesen und dann bin ich "der einzige Fall in ganz Deutschland"). Haß gegen mich selbst: " es wäre besser gewesen, wenn ich als Kind gestorben wäre", "dieses Leben war es nicht wert gelebt zu werden", "ich bin lebensunwertes Leben", zu diesen meinen über mich selbst gemachten Aussagen stehe ich weiter!!

Jahre später die Erkenntnis: ich bin eine verstümmelte, zwangskastrierte Frau in einem vermännlichten Körper, es wurde ALLES FALSCH!! gemacht!!! und da stecke ich nun drin und finde nicht mehr heraus.

WARUM hat mich niemand ÜBER MICH SELBST AUFGEKLÄRT!!?? WARUM hat niemand gesagt, was MIT MIR WIRKLICH LOS IST!!!?? WARUM bekam ich KEINE HILFE!!?? WARUM hat man(n) ÜBER MICH GEREDET und nicht MIT MIR!!!? Warum ließen mich die Ärzte in meinem ELEND ALLEIN!!!? WARUM bekam ich KEINE ENTSCHEIDUNGSHILFEN!!!? WARUM bekam ich KEINE AUFKLÄRUNG!!!??? WARUM haben die Ärzte meine AÜßERUNGEN ABSICHTLICH! IGNORIERT!!!???? - meine FRAGEN ÜBERHÖRT!!!????  Ich schaffe es nicht aus meiner INNEREN ISOLATION, denn ICH BIN EIN MONSTER!!! und GANZ ALLEIN AUF DIESER WELT!!! Habe ich echt GEGLAUBT bis Dezember 2005!!! Jetzt ENDLICH!!! nach 30!!! JAHREN!!! Isolationsfoltereinzelkerkerhaft, aufgebrummt bekommen durch das unverantwortliche Handeln der Ärzte, bekomme ich HILFE!!! und AUFKLÄRUNG!!! brauche die "Mann"- Rolle für die Umwelt und vor mir selbst! nicht mehr spielen, darf ENDLICH ZU MIR SELBST FINDEN!!! Psychologe sagt ich habe eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt aufgrund der damaligen menschenverachtenden Ereignisse, bin jetzt auf Tiefenpsychologie, die kramt mächtig in meiner Seele rum, der ganze unverarbeitete Mist, der mir zugefügte Schmerz seit meiner frühen Kindheit, alles, bzw. vieles wird wieder aktuell, die vielen ungeweinten Tränen wollen endlich geweint werden, das muß ich alles noch lernen, ich will ihr aber auch nicht ständig was vorheulen, also schlucke ich sie wieder herunter - wie damals und versuche wieder zu "vergessen" - wie damals, geht aber nicht mehr, Psychologe sagt ich habe nur verdrängt. Ja, das stimmt, die Ereignisse begleiten mich auf Schritt und Tritt.

Letztes Jahr Antrag (2006) gestellt für die "chirurgische Wiederherstellung meines Geschlechtes im Sinne von AGS -weiblich". Und Antrag beim Amtsgericht wegen Personenstands- und Vornamensänderung. Jetzt sitzt mir der MdK-Gutachter im Nacken, verlangt von mir die geänderte Personenstandsurkunde, denn ohne Urkunde keine Empfehlung des Gutachters, keine Empfehlung - keine Kostenzusage meiner Krankenkasse - keine Kostenzusage - keine "Rekorrektur-OP" - keine "Rekorrektur-OP" - keine geänderte Personenstandsurkunde. Oder ich laufe über das Trans-Verfahren, genau DA!!! WILL MICH DER GUTACHTER HINEINZWINGEN!!!! ABER DAS LASSE ICH NICHT ZU!!!!!!!!!!!!!!!!!! LIEBER BRINGE ICH MICH UM!!!!!!!!!! ICH BIN NICHT TRANSSEXUELL!!!!! Deshalb jetzt auch noch der Kampf mit dem Amtsgericht wegen meiner Urkunde, diese ist MEINE EXISTENZGRUNDLAGE!!!! FÜR MEIN NEUES LEBEN!!!! Der Amtsrichter und diverse andere Beamte versuchen ebenfalls  - wie der selbstherrliche Gutachter!! -  mich mit den Transsexuellen in einen Topf zu werfen, trotz eingereichter Unterlagen und deutlich formulierten Erklärungen über Intersexualität, also über mich. Überall stoße ich auf Ignoranz, Inkompetenz, Zynismus, Arroganz und abgrundtiefe Menschenverachtung! Ich fühle mich um mein Leben BETROGEN! ICH WILL ES WIEDERHABEN!!  30!! Jahre!! Zwangsisolationsfoltereinzelkerkerhaft mit allen psychischen Folgen. Darunter leide ich bis an mein Lebensende, ganz zu schweigen von den körperlichen Folgen der Geschlechtsumwandlungs-OP`s (die haben mir eine Geschlechtsumwandlung untergeschoben und ich habe es erst letztes Jahr kapiert!!!!), 27 Jahre Falschbehandlung mit gegengeschlechtlichem Hormon Testosteron "gegen Osteoporose" (!!!???)!!!

Ich MUßTE!!! dieses Hormon gleichzeitig mit dem Beginn meiner Kortisontherapie erhalten, damit ich NICHT!!!!!! VERWEIBLICHEN!!! konnte!!! Denn, als ich ENDLICH!!! Kortison erhielt, wurde dadurch mein Nebennieren-Defekt aufgehoben, die Nebenniere hört dann auf, Androgene zu produzieren, ich kann NICHT WEITER VERMÄNNLICHEN!!, sondern mein Körper beginnt zu VERWEIBLICHEN!! Das ist mit ein Grund, warum die kleinen AGS-Mädchen Kortison erhalten - damit diese nicht weiter vermännlichen können!! Abgesehen von der Unterbindung der Salzverlustkrisen, die zum Tode führen können, ist ein willkommener Nebeneffekt, das mit der Unterbindung der Vermännlichung durch Kortisongabe bei AGS. Mit dieser "Aufklärung" konnten mir die Ärzte dieses Hormon unterjubeln!!!Seit wann bekommen FRAUEN TESTOSTERON GEGEN OSTEOPOROSE!!!???? Ganz abgesehen davon war ich mit Anfang 20 bestimmt noch NICHT!! osteoporosegefährdet!!!

Ich möchte nicht wissen, welche nicht mehr zu korrigierende Schäden mein weiblich angelegter Körper dadurch erlitten hat!!

Nehme jetzt Östrogen. Den ganzen Weg jetzt noch mal gehen, das steckt mein verstümmelter, zerschnittener und zerschundener Körper nicht so leicht weg!! Das alles geht echt an die Substanz und ständig rennen mir die damaligen Ereignisse hinterher, ich habe die Sätze wieder im Kopf, die Szenen spulen sich ab wie im Film.

Ich bin ein psychisches Wrack, ein medizinische Katastrophe und eine menschliche Tragödie, aber bestimmt NICHT!! "der einzige Fall in ganz Deutschland"!! "Danke" an die Ärzte!!! Jetzt auch noch Tinnitus, der zerrt sehr an den Nerven. Nur wenn ich arbeite habe ich etwas Ablenkung, oder ich fahre mit Bus und Bahn ziellos durch Düsseldorf, irgendwohin, hauptsache weg. 30 Jahre und länger Allein-Gelassen-Sein - 30 Jahre ganz allein, jeder Tag ein Überlebenskampf, ich finde keine Kontakte, bin innerlich immer noch isoliert, ich finde da nicht heraus, muß mich an Menschen erst wieder gewöhnen. 30 Jahre hatte ich niemanden zum Reden, erst letztes Jahr bei euch in Bad Orb (2006). 30 Jahre "der einzige Fall in ganz Deutschland"... habe ich echt geglaubt, verfluchte Isolation innen und außen.


Inzwischen ist in DER SPIEGEL ein Artikel über Intersexualität erschienen, der unter anderem über Christiane und den Prozess am 12.12.2007 am Kölner Landgericht berichtet, in dem Christiane ihren damaligen Arzt wegen Körperverletzung anklagt.


--> Warum Christiane Völling zur Transsexuellen gemacht werden soll

--> Sieg in erster Instanz für Christiane im "Kölner Zwitterprozess"!

--> Praktische Solidarität mit Christiane Völling

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