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  <title>Zwischengeschlecht.info - Ich</title>
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  <description>&quot;Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.&quot; (Ingeborg Bachmann)
Intersexuelle, Hermaphroditen, Zwitter, Das dritte Geschlecht - you name it! Und doch sind wir namenlos in dieser bipolar normierten Gesellschaft. Und wer keinen Namen hat, der existiert auch nicht. Dieser Blog soll zur Benennung des Zwischengeschlechts beitragen.
zwischengeschlecht, nella, daniela truffer, intersexuelle menschen e. v., zwitter, hermaphrodit, hermaphroditismus, drittes geschlecht, intersexuell, intersexualität, gonaden, hoden, xy, xx, xxy, chromosomal, chromosomen, cais, pais, klinefelter, pseudohermaphroditismus masculinus femininus, swyer syndrom, ags, andrenogenitales syndrom, christiane völling, michel reiter, xy-frauen, john money, magnus hirschfeld, alice schwarzer, judith butler, milton diamond, david reimer, elisabeth müller, tintenfischalarm, die katze wäre eher ein vogel, karl heinrich ulrichs, transgender, transsexuell, intergender, gender, wikipedia, portal, vereinnahmung, instrumentalisierung, puenzo, laura armani, striebel, christoph keller, medizyner, prozess, köln, landgericht, rundschau, intersexualite, curtis hinkle, oii</description>
  <language>en</language>
  <pubDate>Fri, 05 Dec 2008 07:44:06 +0100</pubDate>
  <copyright></copyright>
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    <title>Mit der Hoffnung im Herzen</title>
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    <pubDate>Wed, 17 Sep 2008 21:31:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;&lt;img title=&quot;Bionic.jpg, Sep 2008&quot; style=&quot;margin: 0 1em 1em 0; float: left;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/Bionic.jpg&quot; /&gt;Wenn eines Tages Selbstbestimmung für Zwitter
gesichert sein wird, werden Zwitter mit uneindeutigen Körpern aufwachsen,
unversehrt an Leib und Seele. Dieses In-die-Welt-Gelangen von zwittrigen
Körpern wird die grösste Revolution aller Zeiten sein, wird Angst und Ablehnung
auslösen. Es wird nicht einfach werden, obwohl die meisten Zwitter in der
männlichen oder der weiblichen Rolle leben werden. Denn der Mensch ist ein
soziales Wesen und will dazu gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, nicht obwohl, sondern weil sie sich für die männliche oder die weibliche
Rolle entscheiden werden, werden Angst und Ablehnung da sein, denn das Volk der
Männer wird von Andersmännern und das Volk der Frauen wird von Andersfrauen
bevölkert und verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses In-die-Welt-Gelangen von zwittrigen Körpern wird letztlich dazu führen,
dass immer mehr Zwitter in der Zwitterrolle leben werden. Unversehrt an Leib
und Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden dann alle nicht mehr leben. Aber lieber tot sein als so leben wie
jetzt. Mit Freude tot sein, wenn Selbstbestimmung für Zwitter gesichert sein
wird. Aber wahrscheinlich werden wir alle vorher sterben, mit der Hoffnung im
Herzen, dass es eines Tages so sein wird.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Bild: &amp;quot;Bionic&amp;quot; by Alex 2005&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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    <title>zwischen den beinen nicht nur gute gefühle</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/07/10/zwischen-den-beinen-nicht-nur-gute-gefuhle-hat</link>
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    <pubDate>Thu, 10 Jul 2008 01:03:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://bodyfascist.blogspot.com/2008/07/my-beautful-hermaphrodite-girlfriend.html&quot;&gt;
&lt;img title=&quot;b06.jpg, Jul 2008&quot; style=&quot;margin: 0 auto; display: block;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/b06.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;text-align: center&quot;&gt;Standbild © Ärger / PigBrother.tv  
&lt;a href=&quot;http://bodyfascist.blogspot.com/2008/07/my-beautful-hermaphrodite-girlfriend.html&quot;&gt;
&lt;strong&gt;--&amp;gt; Mehr Bilder auf bodyfascist.com&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;ich habe eine fantasie von mir als intaktem zwitter: eher weiblich
aussehend, aber irgendwie kerlig, grösser, mehr muskeln, vielleicht eine
aussenseiterin, vielleicht gehänselt als kind, eine biographie, die mich
abseits der gesellschaft positioniert, vielleicht würde ich eher auf frauen
stehen oder mich aufgrund meiner körperlichen besonderheit (keine vagina) eher
in die richtung orientieren (man ist ja anpassungsfähig). vielleicht wäre ich
einsam, vielleicht auch nicht. aber ich wäre nicht mein leben lang von hormonen
abhängig, ich hätte keine immer wieder kehrenden 'komischen empfindungen'
(phantomschmerzen) zwischen den beinen, die ich schon als kind immer empfand,
wo ich mich jeweils irgendwo weinend verkriechen musste, einmal rannte ich aus
der schule nach hause deswegen, die heute oft im zusammenhang mit einer
'blasenentzündung' auftreten. [...]&lt;br /&gt;
auf diese sch... hätte ich liebend gerne verzichtet! und wenn schon hätte ich
lieber selber gewählt, auch wenn es vielleicht eine wahl zwischen zwei übeln
gewesen wäre. [...]&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;es geht nicht um die frage, ob ich mich in der rolle als frau wohl fühle.
ich habe nicht das bedürfnis, mich nachträglich in richtung mann operieren zu
lassen. ich fühle mich schlicht und einfach nicht wohl in der rolle des
angelogenen, verarschten, erniedrigten, gegen seinen willen kastrierten und
genitaloperierten menschen, der hormone fressen muss und zwischen den beinen
nicht nur gute gefühle hat.&lt;/em&gt;   &lt;a href=&quot;http://www.intersex-menschen-xyfrauen.de/phpBB2/viewtopic.php?p=2688#2688&quot;&gt;&lt;strong&gt;
--&amp;gt;mehr&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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  <item>
    <title>Lügen, Zwangseingriffe, Schweigegebote: ein Leben aus der Krankenakte (Teil III)</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-III</link>
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    <pubDate>Sun, 06 Jul 2008 12:05:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;img title=&quot;menschenrechte auch für zwitter, Jan 2008&quot; style=&quot;margin: 0 1em 1em 0; float: left;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/K_ln_shirts_06_02_08-3.gif&quot; /&gt;&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt; &lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-I&quot;&gt;
Teil I&lt;/a&gt; / &lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-II&quot;&gt;
Teil II&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Verdrängung als Selbstschutz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Unterlagen zur &lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-II&quot;&gt;
Genitaloperation&lt;/a&gt; in meiner Krankenakte fand, dachte ich zuerst an einen
Irrtum, meinte, es müsse sich um Unterlagen aus einer anderen Akte handeln. Ich
hatte die Operation komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht (2), wusste absolut
nichts mehr davon. Neben der Erkenntnis, dass ich massiv operiert wurde, hat es
mich sehr erschüttert, dass ich das dermaßen verdrängt hatte, weil es zu
schrecklich war. Ich habe mich dadurch geschützt, hatte mir sogar eine
'Ersatzerinnerung' zurecht gelegt, die darauf beruhte, dass meine Mutter auf
mein Nachfragen sagte, dass man mir nur ein bisschen überschüssige Haut
entfernt habe, ambulant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 20.7.1972 wurde ich dann am Herz operiert. Im selben Jahr haben mir die
Mediziner also das Leben gerettet und vieles unwiederbringlich zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wurde eine Vaginalplastik durchgeführt. Diese Operation
wollte ich selbst, da mir gesagt wurde, dass ich 'so' keinen Freund haben
könne. Ich habe mir aber geschworen, dass es die letzte sein soll und dass ich
danach nie wieder zu einem Arzt gehen würde. Ich gehe auch heute nur im
äußersten Notfall zum Arzt, gynäkologische Untersuchungen meide ich seit Jahren
ganz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br style=&quot;font-weight: bold;&quot; /&gt;
&lt;strong&gt;Verlorene Jahre&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute, mit 42 Jahren, lebe ich immer noch (zäh, wie eine Katze, sagt mein Vater
immer) und hatte bisher keine besonderen gesundheitlichen Probleme, wobei man
das eigene Erleben nur bedingt mit anderen vergleichen kann. Nun beginne ich
mir Gedanken betreffend meiner contrachromosomalen Hormonersatztherapie
&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-I&quot;&gt;
als Folge der Kastration&lt;/a&gt; und den möglichen Folgeschäden zu machen, die sich
abzuzeichnen scheinen: seit etwa zwei Jahren habe ich vermehrt Gelenkschmerzen
(Rücken, linke Hüfte, Knie, Füsse) nach nur einer Stunde spazieren mit Hund
(vorher kein Problem), habe oft bleischwere Beine, fast täglich
Schwindelgefühle, wieder vermehrt Hitzewallungen, Müdigkeit. Ich bin sehr dünn
geworden. Vor zwei Jahren hat man bei mir eine Vorstufe zur Osteoporose
diagnostiziert. Heute habe ich mit ziemlicher Sicherheit eine Osteoporose. Ich
sollte mich deshalb aufraffen und doch wieder mal zum Arzt gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine psychischen Probleme konnte ich zum größten Teil in einer Psychoanalyse
(seit sieben Jahren in Behandlung) aufarbeiten. Ich werde jedoch mein Leben
lang unter den Folgen dieser menschenverachtenden Behandlung leiden. Ich bin
weder Mann, noch Frau, aber vor allem bin ich auch kein Zwitter mehr. Ich
bleibe Flickwerk, geschaffen von Medizinern, verletzt, vernarbt. Ich muss mich
neu erfinden, wenn ich weiter leben will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute habe ich dank Jahre langer Psychoanalyse meinen inneren Frieden gefunden,
kann wieder Nähe und Liebe zulassen. Und dennoch ist es schwierig. Ich fühle
mich wie jemand, der nach vierzig Jahren aus dem Koma erwacht ist, seine Hände
betrachtet und realisiert, wie die Zeit vergangen ist und wie wenig er vom
Leben hatte. Mein körperlicher Urzustand ist unwiederbringlich verloren. Meine
Identität, meine Würde wurden mir genommen. Nun mache ich mich auf, um sie mir
wieder zurück zu erobern!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nella, Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;h5 style=&quot;font-weight: normal;&quot;&gt;(2) Bei Dissoziationen (auch dissoziative
Störungen genannt) handelt es sich um eine vielgestaltige Störung, bei der es
zu einer teilweisen oder völligen Abspaltung von psychischen Funktionen wie des
Erinnerungsvermögens, eigener Gefühle (Schmerz, Angst, Hunger, Durst, …), der
Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung kommt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
(...) (http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziation_(Psychologie)&lt;br /&gt;
Vgl. auch dissoziative Amnesie: &amp;quot;Das Abkoppeln des expliziten Gedächtnisses von
diesem &amp;quot;Eigenleben&amp;quot; der niederen Steuerungsebenen erklärt die bei
Traumatisierten häufig beobachtbaren dissoziativen Symptome: das
Nicht-Erinnerungsvermögen an Trauma-Situationen nennt man auch dissoziative
Amnesie. Die Abtrennung des Großhirns vom Nachrichtenfluss bewirkt, dass keine
oder nur wenige sinngebenden Bewertungen vorhanden (bzw. physiologisch möglich)
sind und auch kaum etwas im expliziten Gedächtnis gespeichert ist. Da die
impliziten Gedächtnisse zustandsabhängig arbeiten, werden die dort
gespeicherten Informationen nach dem Ende der Lebensgefahr manchmal nicht mehr
aktiviert; sie scheinen &amp;quot;vergessen&amp;quot; (Amnesie). Oder sie werden in bestimmten
Situationen aktiviert, scheinen aber sinnlos zu sein, was dann zu Bewertungen
durch die Umgebung wie &amp;quot;hochsensibel&amp;quot; führen kann.&amp;quot;
(http://www.aufrecht.net/utu/trauma.html)&lt;/h5&gt;</description>
    
    
    
          <comments>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-III#comment-form</comments>
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      </item>
    
  <item>
    <title>Lügen, Zwangseingriffe, Schweigegebote: ein Leben aus der Krankenakte (Teil II)</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-II</link>
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    <pubDate>Tue, 01 Jul 2008 15:28:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;img title=&quot;Full of Joy, Nov 2007&quot; style=&quot;margin: 0 1em 1em 0; float: left;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/./.jesuslovesyou_m.jpg&quot; /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-I&quot;&gt;&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;
Teil I&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;
Lügen und Halbwahrheiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mediziner haben meine Eltern angelogen und in der Folge angewiesen, wie sie
mich zu erziehen hätten:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Das Kind ist ein Mädchen und wird es bleiben, die ganze Erziehung hat sich
danach zu richten. Mit niemandem ausser den Eltern u. dem Arzt (...) soll über
die Geschlechtfrage weiter diskutiert werden.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Meinen Eltern wurde verschwiegen, dass ich chromosomal männlich bin und dass
man meine Hoden entfernt hatte. Natürlich wurde ihnen auch verschwiegen, dass
man einen Fehler gemacht hatte. Meine Eltern wurden also in der Folge
systematisch belogen:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Die Eltern fragten dann natürlich ob das Mädchen Kinder haben könne, und es
wurde gesagt, dass dies fraglich sei.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
oder mit absurden Halbwahrheiten abgespiesen:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Beide Eltern sind übrigens gut orientiert über die Situation. Sie wissen,
dass Daniela ein Mädchen ist, und dass es ein Mädchen bleiben wird. Sie wissen,
dass man die missgebildeten Ovarien entfernen musste, da sonst die Gefahr einer
Virilisierung bestanden hätte; (...).&amp;quot; (3.2.72)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Erstens hatte ich nie Eierstöcke und zweitens kann man mit Eierstöcken nicht
vermännlichen!&lt;br /&gt;
Auch ich wurde permanent belogen und mit unsinnigen Aussagen 'ruhig
gestellt':&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;21.8.79 Daniela ist beunruhigt wegen ausbleibender Menses, ob dies nicht
schaden könne.&lt;br /&gt;
Erklärt, dass Gebärmutter so klein sei, dass keine Menses zu erwarten seien. Es
schade nichts, wenn Frauen keine Menses hätten.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;strong&gt;Genitalkorrektur statt Herzoperation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wurde dann doch älter als vorgesehen. Ich war sieben Jahre alt, als die
Mediziner sich dazu entschlossen, die komplizierte Herzoperation durchzuführen,
obwohl die Prognose nicht sehr gut war:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Die Operation des Endokardkissendefektes ist an sich sehr schwierig und
zeigt eine hohe Operationsmortalität von rund 50 % bei der kompletten Form. In
diesem Fall besteht zusätzlich eine Hypoplasie der linken Seite mit
wahrscheinlicher Mitralstenose, was die Operationschancen noch weiter
verschlechtert. (...) Die Gesamtprognose zusammen mit dem
Pseudohermaphroditismus und dem schweren Vitium schauen wir als nicht sehr gut
an. Allerdings kann erfahrungsgemäss keine Dauer angegeben werden. Trotzdem
glauben wir nicht, dass das Mädchen das Erwachsenenalter erreichen wird.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Wegen Voruntersuchungen zur Herzoperation war ich im Februar 1972 im
Krankenhaus. Aufgrund einer Infektion konnten diese Voruntersuchungen jedoch
nicht durchgeführt werden. Und da ich schon mal dort war, wurde kurzerhand mein
Genital korrigiert, wie folgender Auszug aus meiner Krankenakte
dokumentiert:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Da die Kardiologen wegen eines interkurrenten Streptococceninfektes den
geplanten Herzkatheterismus hinausschieben mussten, haben wir die Gelegenheit
benutzt, die schon 1965 geplante Genitalkorrektur vorzunehmen.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Aus dem Bericht nach der Operation vom 10.2.1972:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Wichtig für den Wochenenddienstarzt: Falls die Eltern Auskunft über die
Kleine wünschen, ist es wichtig zu wissen, was den Eltern über das Mädchen von
der 'Med. Klinik ' gesagt wurde. Es steht in den vorangehenden Seiten unter
'Besprechung mit den Eltern'.&lt;br /&gt;
Post. Op.: Kind zeigt die Zeichen des Schocks. Nachblut. Es wird PPL Lsg
infundiert. Zudem erbricht das Kind viel. Die starke Bronchitis, die sie seit
Tagen hat, lässt leicht nach.&lt;br /&gt;
Starke Hämatome bds. der Clit()oris. Rechts bläulich-schwärzliche Verfärbung.
Beginn einer Nekrose?&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;14.2.72. Die Hämatome bds. der Clit()oris sind fluktuierend. Ueber Nacht hat
die Kleine wieder nachgeblut()et, tiefer Quick?&lt;br /&gt;
Das Kind hustet nach wie vor stark. Links basal sind einige trockene RG zu
hören. kein Fieber.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Schwester &amp;quot;Annemarie&amp;quot; war dann für die Wundversorgung und das „nachts beide
Hände anbinden“ zuständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neun Tage später ging es schon weiter:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Heute (19.2.72) wurde Daniela wieder in die Kindermedizin zurückverlegt in
der Hoffnung, dass im Laufe der nächsten Woche der Herzkatheterismus
durchgeführt werden kann. Wenn die Operationswunde wie bisher weiter
komplikationslos abheilt, dürfte für diesen Eingriff, bei dem Inguinal
eingegangen werden muss, nichts im Wege stehen.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Fazit: Zum zweiten Mal wurde ich trotz meines lebensbedrohenden Herzfehlers
aufgrund meines uneindeutigen Geschlechts operiert! Keine Rede von
Infektionsgefahr mehr! Die Mediziner stellten ihre Definitionsmacht über mein
Leben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-III&quot;&gt;
Fortsetzung&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
          <comments>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-II#comment-form</comments>
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  <item>
    <title>Lügen, Zwangseingriffe, Schweigegebote: ein Leben aus der Krankenakte (Teil I)</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-I</link>
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    <pubDate>Thu, 12 Jun 2008 20:28:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;strong&gt;&lt;img style=&quot;margin: 0 1em 1em 0; float: left;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/nella-little.jpg&quot; /&gt;Von Anfang an
keine Chance&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin 1965 mit einem schweren Herzfehler und uneindeutigem Genitale geboren.
Aufgrund des Herzfehlers wurde ich ein paar Tage nach meiner Geburt notgetauft,
da die Mediziner davon ausgingen, dass ich nicht lange überleben würde. Sie
behielten mich in der Folge im Krankenhaus, meine Eltern durften mich nicht
nach Hause nehmen. Mein Vater musste arbeiten, meine Mutter reiste so oft wie
möglich aus dem weit entfernten Bergdorf in die Stadt, durfte mich jedoch nur
durch eine Glasscheibe anschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als meine Eltern mich nach drei Monaten endlich nach Hause nehmen durften, war
ich gezeichnet von den Folgen eines Hospitalismus(1). Ich hätte so schlimm
ausgesehen, dass sie sich geschämt habe, mit mir im Dorf spazieren zu gehen,
erzählte mir meine Mutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mediziner begründeten diese Maßnahme mit der Infektionsgefahr aufgrund des
Herzfehlers. Während diesen drei Monaten wurden gemäß Krankenakte auch
verschiedene Untersuchungen aufgrund meines uneindeutigen Genitales
durchgeführt, wobei festgestellt wurde, dass sich im Bauchraum Hoden befanden
und ich über einen männlichen Chromosomensatz verfüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Befund meines äußeren Genitales:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Prima vista aussehend wie bei AGS. Der Penis ist 2 cm lang, das Scrotum
nicht ausgebildet, sondern in Form von zwei Labia majora vorhanden. Kein Sinus
urogenitalis, beim Perineum befindet sich die Mündung der Urethra. Diese ist
nicht stenosiert, sie weist dorsalseits eine reizlose Narbe auf.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Trotz meines lebensbedrohenden Herzfehlers wurde ich Anfang September 1965 im
Alter von 2 1/2 Monaten kastriert, was aus zwei Sichtweisen unverständlich ist:
Diese Operation barg einerseits aufgrund meines Herzfehlers ein großes Risiko.
Andererseits machte sie aufgrund der angenommenen geringen Lebenserwartung
keinen Sinn. Es liegt also nahe, dass die Ärzte in Kauf genommen haben, dass
ich an den Folgen der Narkose und des Eingriffs sterbe, dass ihnen das
'Experiment' wichtiger war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durchgeführte Kastration wurde ohne Einwilligung meiner Eltern vorgenommen
und sollte ihnen in der Folge verschwiegen werden. Die Ärzte entschieden sich
dann doch anders:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Entgegen dem früheren Entschluss, den Eltern nichts über die genitale
Situation zu sagen, kamen wir nach reiflicher Überlegung überein, den wahren
Sachverhalt trotzdem mit den Eltern zu besprechen, insbesondere da eine
gesteuerte Nachkontrolle über die nächsten 20 Jahre nicht gesichert ist.&lt;br /&gt;
(...)&lt;br /&gt;
2. Ihr Kind sei ein Mädchen und dieses Geschlecht sei ein für allemal
festgesetzt.&lt;br /&gt;
3. Bei der Operation hatte sich folgender Befund gezeigt: es sei kein Uterus
vorhanden gewesen, die Keimdrüsen seien missgebildet gewesen und hätten
entfernt werden müssen. Die Vagina sei kurz.&lt;br /&gt;
4. Während der Pubertät, d.h. mit etwa 10 – 11 Jahren, müsse das Kind unbedingt
strengestens überwacht werden, und es müsse zur rechten Zeit mit einer
hormonellen Behandlung eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
5. Nach der Pubertät müsse eine weitere korrektive Operation (gemeint
Vaginalplastik, die Details wurden selbstverständlich nicht mit den Eltern
besprochen) durchgeführt werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
(17. September 1965)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
An anderer Stelle heißt es (und natürlich ist wie üblich von 'Eierstöcken' und
nicht von 'Hoden' die Rede):&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;Besprechung mit Eltern: Entgegen dem früheren Entschluss kamen wir überein,
dass man den Eltern doch sagen muss, dass das Kindlein kastriert werden musste
und in der Pubertät streng überwacht werden müsste, da die Nachkontrolle eben
nicht gesichert ist und die Mutter eine [...] ist und ev. zu einem späteren
Zeitpunkt nach [...] verschwinden kann.&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Die Kastration wurde später als Fehler beurteilt:&lt;br /&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&amp;quot;7. Weiteres Procedere: Ich habe den Fall unmittelbar nach der Cystoskopie
nochmals mit Herrn Prof. (...) besprochen. Es liegt seiner Ansicht nach ein
männliches Geschlecht mit Hypospadie vor. Obwohl er selbst bei der früheren
Beurteilung und vor der Castratio anwesend war, glaubt er retrospektiv doch,
dass ein Fehler begangen wurde. Die Situation ist nun jedoch so, dass auf
diesem Wege fortgefahren werden muss und aus  dem kleinen Patienten ein
Mädchen gemacht werden muss. Zur Frage der Vaginalplastik äussert er sich so,
dass diese sobald wie möglich durchgeführt werden sollte und nicht erst dann,
wenn sich das Kind darüber im Klaren wird.“&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
Fazit: Ich wurde im Alter von nur 2 1/2 Monaten trotz eines lebensbedrohenden
Herzfehlers ohne die Einwilligung meiner Eltern kastriert und die Kastration
stellte sich später als Fehler heraus!&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;h5 style=&quot;font-weight: normal;&quot;&gt;(1) &amp;quot;Unter Hospitalismus (ursächlich auch
Deprivationssyndrom genannt) versteht man alle negativen körperlichen und
seelischen Begleitfolgen eines längeren Krankenhaus- oder Heimaufenthalts. Dies
beinhaltet auch mangelnde Umsorgung und lieblose Behandlung von Babys und
Kindern, in der Psychiatrie Symptome infolge von Heimaufenthalt, oder durch
Folter oder Isolationshaft. Der Ausdruck Deprivationssyndrom stammt vom Begriff
Deprivation, lateinisch deprivare - berauben in Bezug auf Reize und Zuwendung.&amp;quot;
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hospitalismus)&lt;br /&gt;
Vgl. auch Deprivationssyndrom: &amp;quot;Als Deprivation (auch Deprivationssyndrom,
anaklitische Depression) bezeichnet man in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) die
mangelnde Umsorgung und fehlende Nestwärme bzw. Vernachlässigung von Babys und
Kleinkindern. Hospitalismus tritt häufig in Krankenhäusern, Säuglingsstationen
und Heimen auf. Dauert die Deprivation länger an, kommt es zu psychischem
Hospitalismus und zur Unfähigkeit, soziale Kontakte aufzubauen, dem Autismus
ähnelndem Verhalten oder zu Sprachstörungen. &amp;quot;
(http://de.wikipedia.org/wiki/Deprivation)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/h5&gt;
&lt;h4 style=&quot;font-weight: normal;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-II&quot;&gt;
Fortsetzung ...&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;</description>
    
    
    
          <comments>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/12/Beurteilt-zugewiesen-und-verwaltet%3A-ein-Leben-aus-der-Krankenakte-Teil-I#comment-form</comments>
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      </item>
    
  <item>
    <title>Jesus loves me!</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/03/18/Jesus-loves-me</link>
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    <pubDate>Tue, 18 Mar 2008 12:00:00 +0100</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;img style=&quot;margin: 0 auto; display: block;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/./.jesuslovesyou_m.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
ich kann mich noch gut an dieses gefühl erinnern, als ich mit weissem kleid,
blumenkranz, schleier und kerze zur ersten kommunion gehen, den leib christi zu
mir nehmen durfte. ich fühlte mich angenommen, beseelt, auch ich war es wert,
jesus hatte mich lieb. ich war ganz aufgeregt und glücklich und stolz. es war
wie eine bestätigung, dass ich doch auch dazu gehöre. obwohl ich abartig und
nicht richtig war. das war wie eine absolution. dass ich nicht richtig war,
hatte man mir ein jahr vorher unmissverständlich gezeigt, als man trotz
lebensbedrohendem herzfehler meinen zwittriges genital zurecht stutzte. der
liebe gott nahm mich im gegensatz zu den menschen an, zumindest glaubte ich
daran. ich war als kind sehr gläubig und dachte eine zeitlang sogar darüber
nach, wie es wäre, nonne zu werden, in der abgeschiedenheit und im schutz der
katholischen kirche zu leben. hab offenbar schon früh damit begonnen, meine
optionen abzuwägen.&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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      </item>
    
  <item>
    <title>&quot;Aufklären, aufklären, aufklären!&quot; (una cara amica)</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/01/21/Aufklaren-aufklaren-aufklaren-una-cara-amica</link>
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    <pubDate>Sun, 20 Jan 2008 21:07:00 +0100</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;img style=&quot;margin: 0 auto; display: block;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/nella-little.jpg&quot; /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
Guten Abend&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ich absolviere die 2. FMS in Liestal und schreibe eine Arbeit über
Intersexualität. Darum habe ich ein paar Fragen an Sie, und ich wäre sehr froh,
wenn Sie mir diese möglichst schnell (...) beantworten können.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;1. Als Sie noch ein Kind waren, hatten Sie das Gefühl anders zu sein, oder
sich zu unterscheiden zu Mädchen/Jungen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
ich wusste immer, dass etwas anders war. kein wunder, man ist immer wieder beim
arzt, der schaut einem zwischen die beine, niemand redet mit einem. die mutter
ist einmal verzweifelt, dann wieder peinlich berührt, die ärzte schauen drein,
als müsste man gleich sterben. ich habe schon als kleines kind gemerkt: die
wissen die antworten nicht, also frage ich nicht, weil sonst gibt's so
unangenehme gefühle dabei.&lt;br /&gt;
das wurde immer alles verheimlicht, das habe ich dann auch übernommen, dieses
verheimlichen. das ging soweit, dass ich meinen körper verdrängt habe und die
gedanken einfach unbetrachtet und unverarbeitet vorbeiziehen liess. ich war
irgendwie leer und dumpf und gar nicht da. ich war oft gar nicht da, vor allem
wenn ich beim arzt war.&lt;br /&gt;
es ist schlimm, immer dieses vage gefühl, dass man etwas verbergen muss, sonst
findet das jemand heraus und dann wird's ganz schlimm, die leute spucken dich
an, lachen dich aus, man ist das monster. immer diese angst, dass jemand es
sieht, dass die menschen doch noch einen rest dessen sehen, was man mir
weggeschnitten, wegradiert, weggenommen hat. ich war immer allein, seit ich
denken kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;2. Wie und wann haben Sie erfahren, dass Sie intersexuell sind und wie
haben Sie reagiert?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
ich wusste immer, dass etwas anders ist, wusste aber nie genau was. es hatte
etwas mit meinen genitalien zu tun, das wusste ich, und schämte mich. ich war
irgendwie grusig, so fühlte ich mich.&lt;br /&gt;
danach habe ich schritt für schritt etwas mehr rausgefunden, irgend eine
bemerkung eines arztes, ein bericht in der zeitung, ein medizinisches
wörterbuch. am schluss in der selbsthilfegruppe habe ich dann die 'einfache'
antwort erfahren: ich hätte ein bub werden sollen, aber mein körper ist
teilweise resistent auf die männlichen hormone, deshalb habe ich mich nicht
ganz zum mann entwickelt, bin irgendwie in der mitte stehen geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;3. Waren Sie gut in ihre Schulklasse integriert, oder wollten sie keinen
Kontakt mit anderen aufbauen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
ich war eher ein einzelgänger, aber glaub noch ne lustige zwischendurch,
irgendwie habe ich in erinnerung, dass man mich mochte, akzeptierte, in ruhe
liess. ich war ein einzelgänger mit gruppenanschluss, irgendwie so. in der
primarschule war ich ne wilde, die sich mit den knaben prügelte und den mädchen
mit langbeinigen spinnen angst machte, und das total lustig fand. ich glaub ich
war irgendwie beliebt, habe mich nicht als armes kind in erinnerung, das
ständig aufs dach kriegt (das kriegte ich ja sonst schon genug).&lt;br /&gt;
dann kippte es: in der sekundarschule war ich mit meiner schwester in der
klasse, weil ich ein jahr älter und zuerst ein jahr real und dann in die sek.
das war glaub die zeit, wo ich angefangen habe, weibliche hormone zu nehmen. in
der sek war ich immer total ruhig, verschlossen, allein (obwohl mit meiner
schwester zusammen, aber wir waren sehr verschieden und sie hatte auch ihre
sorgen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;4. Wusste der Bekanntenkreis, dass Sie intersexuell sind?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
nein, das wusste niemand ausser meine eltern und eine cousine meines vaters,
die mich mal hüten musste, weil meine eltern wo hin mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;5. War es schwierig für Sie, mit dieser Situation als Intersexueller
umzugehen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
es ist schwierig mit dem gefühl umzugehen, dass es einen eigentlich gar nicht
geben darf. man hat mich operiert und psychisch unter druck gesetzt, damit ich
jemand anders werde. die logische schlussfolgerung: so, wie ich war, war ich
nicht richtig. deshalb mussten sie mich ja verändern. dieses gefühl bestimmt
das ganze leben, macht vieles kaputt. für immer. auch wenn man es schafft, zum
beispiel wie ich in jahre langer psychotherapie, die lebensqualität zu
steigern, weniger angst zu haben, mehr freude zu empfinden, einfach zu leben,
sicher zu sein, ein gutes körpergefühl zu entwickeln, sich gerne zu
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;6. Wie war es, als Sie in die Pubertät kamen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
da war gar nichts ausser einer grossen scham. da ich schon als baby kastriert
worden bin (hoden raus: hormonproduktion futsch), kam ich gar nie richtig in
die pubertät. ich musste ab zwölf jahren weibliche hormone nehmen, damit mein
busen wachse und meine hüften sich runden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Mit freundlichen Grüssen und vielen Dank im Voraus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Sandra Kirchhofer&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
Siehe auch &lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/09/15/Ich-bin-etwas-anders-und-dennoch-ziemlich-gleich&quot;&gt;Ich bin
etwas anders und dennoch ziemlich gleich&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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  <item>
    <title>Unbeschwerte Kindheit</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/10/02/Unbeschwerte-Kindheit</link>
    <guid isPermaLink="false">urn:md5:11fe2db441d1da47737a9e73ed15236a</guid>
    <pubDate>Tue, 02 Oct 2007 21:05:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;durch die geheimhaltung, die offensichtlichen lügen oder halbwahrheiten
gerätst du in einen zustand der permanenten verunsicherung. du weiss nie, woran
du bist. weil es nicht fassbar ist, wird es umso bedrohlicher. du bist immer
unter einem gewissen druck, irgendwas stimmt nicht, aber niemand redet klartext
mit dir. sie schauen sorgenvoll und gehen zugleich auf abstand. als würden sie
eines tages mit dir in den wald spazieren, um dir eine kugel in den kopf zu
jagen.&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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  <item>
    <title>Bruchstücke</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/10/02/Bruchstucke</link>
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    <pubDate>Tue, 02 Oct 2007 12:10:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;in der primarschule, ich weiss es noch genau, weil es auf dem grossen
pausenplatz war, und dieser gehörte zur primarschule, stand ich, ich kann mich
noch gut erinnern, verliebt in martin und dachte: das geht nicht, das ist nicht
möglich für mich. sonst weiss ich nicht mehr viel über das, was ich als kind
dachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meine mutter meinte immer wieder, die ärzte hätten an mir herumgepfuscht, es
wäre nicht nötig gewesen, meine eierstöcke rauszunehmen, die hätten an mir
herumexperimentiert. als ich wieder einmal bei unserem hausarzt war, ich war
etwa vierzehn, habe ich mein sprüchlein aufgesagt, das meine mutter mir
aufgetragen hat, von wegen, dass es nicht nötig gewesen wäre, meine eierstöcke
zu entfernen. unser hausarzt reagierte gereizt, stand auf, verwarf die hände
und rief aus: das waren doch gar keine eierstöcke, das waren hoden. ich blieb
sitzen, erschlagen, verletzt, beschämt, aus verschiedenen gründen: dass ich
dummerchen da aufsage, was meine mutter mir aufgetragen, unfähig, selbständig
zu handeln und zu fragen, ich unwissende und naive; die reaktion des arztes,
wie eine ohrfeige, einerseits wie er es sagte, ach, diese dummen arbeiterleute
begreifen doch auch gar nichts, andererseits was er sagte: hoden. und statt mir
dann endlich zu erklären, warum denn hoden, liess er mich allein im
sprechzimmer zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so dumm und so klein und nichtig bin ich aber nicht, ich dachte, oha, jetzt
oder nie, wenn er schon nichts sagt, muss ich wohl selber zu meinen infos
kommen, und warf einen raschen blick in meine krankenakte: zuoberst stand
'pseudohermaphroditismus masculinus'. was? pseudo heisst pseudo, also nicht
wirklich etwas, hermaphroditismus kommt von hermaphrodit, das ist doch so ein
komisches fabelwesen, halb mann, halb frau, und masculinus ... als tochter
einer italienischen mutter und daselbst sehr sprachgewandte person war auch das
ziemlich klar. war ich geschockt? schon, aber so wie immer, eher gelähmt, aber
nichts anmerken lassen, so tun, als wäre alles in ordnung. war wieder mal eine
seelische ohrfeige mehr, war wieder mal ein konsterniertes, reaktionsloses
sitzenbleiben und abwarten, im kopf lief’s aber rund. aber eigentlich war es
klar, war ich nicht wirklich überrascht. das elend war, dass ich auf diesem
wege rausfand, was mir vorenthalten wurde. ich hatte nun einen vorsprung, von
dem weder mein arzt noch meine eltern wussten. aber ich war allein damit. dann
kam der arzt zurück, ich weiss nicht mehr, was wir besprochen haben, aber
sicher nichts mehr über hoden. er hat so getan, als wäre das vorhin gar nicht
geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irgendwann mit sechzehn oder so habe ich begonnen, mich selbst zu befriedigen,
ich schloss mich dafür im badezimmer ein. ich schämte mich nicht und hatte
keine schuldgefühle, ich kann mich noch gut erinnern, dass ich irgendwie ein
triumphgefühl hatte, ha, was für gefühle ich da entfesseln kann, was für starke
gefühle ich da habe. als hätte ich angenommen, dass das nicht möglich sei oder
so. das konnten sie mir nicht wegnehmen! und es war ganz allein meines und die
anderen wussten nicht, dass es da war. die hatten ja mit allen mitteln
versucht, mir meine sexualität auszutreiben, aber sie war trotzdem da! das war
mein triumphgefühl. es sah etwas anders aus da unten, das habe ich wohl schon
früh gemerkt, meine klitoris war grösser als normal, nach der operation blieb
so ein schrumpeliges ding zurück, wahrscheinlich die vorhaut meines
mikropenisses, und meine scheide so ein vernarbtes gewebe. obwohl es nicht so
schön aussah und wohl auch nicht normal war oder sogar ziemlich abartig, weil
ja die ärzte immer wieder hinschauten und darüber redeten und mich so behutsam,
als wäre ich ganz eine arme sau, behandelten, und meine mutter so komisch
schaute und auswich mit von einem nervösen lächeln begleiteten erklärungen,
trotzdem kann ich solche gefühle haben, wenn ich meinen fantasien freien lauf
lassen. wie diese aussahen, weiss ich nicht mehr, aber im fernsehen gab es
manchmal so sexszenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ich nach der vaginaloperation zu hause tag und nacht diese plastikprothese
tragen musste, es schmerzte und manchmal blutete es, stakste ich vor meinem
vater, meiner mutter und meinen schwestern in der wohnung herum und schämte
mich so sehr. es wussten ja alle, warum ich so komisch herumlaufe, aber es
wurde nicht darüber geredet. diese zur schau gestellte geschlechtlichkeit oder
konstruierte geschlechtlichkeit. in dieser zeit hatte ich immer so eine art
turnschuhe an aus mausgrauem stoff, ich freute mich so sehr über diese schuhe,
hatte sie gekauft, obwohl sie etwas schräg aussahen, vielleicht etwas vom
ersten, was ich selbständig, ohne von meiner mutter sekundiert zu werden,
kaufte. es war die zeit der engen hosen und depeche mode. ich konzentrierte
mich auf diese schuhe, lief oder eben stakste mit ihnen herum, trug sie immer,
nannte sie mausschuhe. meine mutter neckte mich und lachte, die mit ihren
mausschuhen, und ich schaute die schuhe immer an, wenn ich herumlief. diese
schuhe waren irgendwie wie freiheit für mich, ich klammerte mich an dieses
bild. trotz dieser erniedrigenden situation, dieser wunde zwischen den beinen
und dann noch so ein plastikstöpsel habe ich coole schuhe an. schade, dass ich
sie nicht mehr habe, sie waren am schluss regelrecht zerschlissen und wurden
wohl weggeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich kann mich noch genau an den abschiedsbesuch bei meinem arzt erinnern. wir
standen am fenster und schauten ins grüne hinaus. mein arzt stand links von
mir. er sah mich von der seite an und sagte dann mit seiner ruhigen und sanften
art: weißt du, nella, du hast eben xy-chromosomen, aber es ist besser, wenn du
es deinem freund nicht sagst, der würde das nicht verstehen. ich schaute weiter
aus dem fenster, er auch, ich konnte nicht mehr denken. xy? ich sagte nichts
dazu, er auch nicht viel mehr, es gab keine erklärungen oder erläuterungen. ich
glaube, ich habe dann gefragt, ob es noch andere wie mich gibt oder so. dann
haben wir uns bald einmal voneinander verabschiedet, ich ging allein mit diesem
xy im kopf in mein leben zurück. weiss nicht mehr, wie lange ich es mit mir
herumtrug, bevor ich es meinem freund sagte. er hat's verstanden.&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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      </item>
    
  <item>
    <title>Ich bin etwas anders und dennoch ziemlich gleich.</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/09/15/Ich-bin-etwas-anders-und-dennoch-ziemlich-gleich</link>
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    <pubDate>Sat, 15 Sep 2007 02:00:00 +0000</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Ich</category>
            
    <description>    Schon praktisch, wenn die eigene Lebensgeschichte als Artikel in einer
Zeitschrift veröffentlicht wurde. Man kann dann darauf verweisen und muss nicht
lange überlegen, was man jetzt erzählen will und wo man beginnen soll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://intersex.ch/upload/Image/Annabelle.pdf&quot;&gt;ARTIKEL ANNABELLE
9/06&lt;/a&gt; (pdf-download)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Beiträge in meinem Blog sind selbstredend. Es geht nicht um mich,
sondern um die Sache. Aber ich werde auch manchmal etwas von mir
erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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