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  <title>Zwischengeschlecht.info - Trauma, Opferrolle, Befreiung</title>
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  <description>&quot;Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.&quot; (Ingeborg Bachmann)
Intersexuelle, Hermaphroditen, Zwitter, Das dritte Geschlecht - you name it! Und doch sind wir namenlos in dieser bipolar normierten Gesellschaft. Und wer keinen Namen hat, der existiert auch nicht. Dieser Blog soll zur Benennung des Zwischengeschlechts beitragen.
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  <language>en</language>
  <pubDate>Tue, 07 Oct 2008 03:29:58 +0200</pubDate>
  <copyright></copyright>
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    <title>5. Treffen Netzwerk Intersexualität Kiel 6.9.2008</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/09/07/5-Treffen-Netzwerk-Intersexualitat-Kiel-692008</link>
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    <pubDate>Sun, 07 Sep 2008 02:47:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Trauma, Opferrolle, Befreiung</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;&lt;img title=&quot;kiel.jpg, Sep 2008&quot; style=&quot;margin: 0 auto; display: block;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/./.kiel_m.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Fast hätte ich es nicht geschafft. Wie immer, wenn ich vor Ärzten reden oder
vor einem Spital eine Presseerklärung abgeben muss, wurde ich schon drei Tage
vorher langsam richtig unausstehlich, der Weltuntergang steht unmittelbar bevor
und ich hoffe nur noch, dass er rechtzeitig stattfindet oder ich schwer krank
werde, damit ich nicht hingehen muss. Damit es so richtig schlimm wird, fange
ich dann jeweils noch einen Streit mit meinem Freund an, sage ihm, ich wolle
ihn nie mehr sehen, verpasse deswegen meine Therapiestunde und werde
gewalttätig gegen meinen Laptop, auf dem ich neben dieser blöden
Pressemitteilung noch diese besch... Rede für das Netzwerktreffen schreiben
soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag sehen wir beide ziemlich alt aus, sind immer noch unausstehlich
und zu nichts zu gebrauchen. Irgendwie kriegen wir dann den Flug trotzdem noch
und schaffen es tatsächlich nach Kiel, wo wir um elf todmüde in der
Jugendherberge ankommen, das Bett beziehen und immer noch kaum zu etwas zu
gebrauchen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen stehe ich um sieben auf. Mir ist schlecht, aber wenigstens
haben wir immer noch keine Rede, also muss ich auch keine halten, weshalb es
mir gleich ein bisschen besser geht. Als ich gerade meinen Mitzwittern eine SMS
schicken will, dass meine Rede leider ausfällt und sie umdisponieren müssen,
steht mein Freund auch auf und überredet mich, nach dem Frühstück zu versuchen,
die Rede doch noch zu schreiben. Mir ist schon wieder schlecht, ich habe keinen
Hunger mehr und will mein Müsli nicht essen. Aber er lässt nicht locker: &amp;quot;Ein
Löffel für Hiort, ein Löffel für Schwöbel, ein Löffel für Krege, ...&amp;quot; Ich
könnte ihm den Teller ins Gesicht schmeissen, aber irgendwie kriegen wir dann
anschliessend in einer knappen Stunde doch noch sowas wie eine Rede hin und
schaffen es noch knapp pünktlich zum Netzwerktreffen, das jedoch eine Stunde
früher als auf meiner Traktandenliste vermerkt begonnen hatte. Da ich die Rede
nirgends ausdrucken konnte, schreibe ich sie von Hand ab und halte sie dann
tatsächlich und ohne dabei zu kotzen. Darauf bin ich am meisten stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier ist sie:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitzwitter&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, hier ein paar Worte sagen zu dürfen.
Ich bin Daniela Truffer, 1. Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V.
Vielleicht nicht gerade der ideale Job für jemanden, der Mühe hat, sich vor
Menschen hinzustellen wie jetzt.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Von klein an wurde ich gelehrt, nicht aufzufallen, am Besten gar nicht zu
existieren. Von klein auf habe ich gelernt, dass es etwas Unangenehmes ist, im
Mittelpunkt zu stehen und alle schauen mich komisch an und reden über mich.
Wenn ich mich jetzt heute trotzdem hier hinstelle, so tue ich dies in der
Hoffnung, dass Kinder wie ich es einmal besser haben sollen.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ich werde oft gefragt, ob es mir nicht recht sei, dass ich zu einem Mädchen
gemacht wurde, ob ich lieber ein Junge wäre. Dass ich vielleicht hätte so sein
wollen, wie ich geboren wurde, steht dabei meistens gar nicht zur Debatte. Und
am allerwenigsten, dass ich nie gefragt wurde, dass ich das hätte selber
entscheiden wollen. Weil das ist es, was mir am meisten zu schaffen macht,
sogar noch mehr als die Folgen der Operationen, dass ich nie gefragt wurde,
dass von allem Anfang über mich hinweg entschieden wurde.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Damit stehe ich nicht allein. Praktisch alle zwischengeschlechtlichen
Menschen, die ich kenne, leiden darunter, dass über sie bestimmt wurde und sie
nicht selber entscheiden durften. Nicht umsonst steht in praktisch allen
Forderungslisten von zwischengeschlechtlichen Menschen zuoberst die Frage der
Einwilligung der Betroffenen. So auch in der Forderungsliste unseres Vereins.
Über eine inhaltliche Stellungnahme des Netzwerks zu dieser würden wir uns nach
wie vor freuen.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Leider ist Selbstbestimmung für Intersexuelle aber auch heute immer noch
kein Thema. Zwar wurden in den letzten Jahrzehnten in der Behandlung vor allem
technisch viele Fortschritte gemacht, dieser zentrale Punkt wurde jedoch nie
grundsätzlich angegangen. Zwar gibt es heute Empfehlungen der Arbeitsgruppe
Ethik des Netzwerks, die in die richtige Richtung zielen. Jedoch sind sie nach
wie vor unverbindlich formuliert und haben bloss fakultativen Charakter. In den
aktuellen Behandlungsrichtlinien und Artikeln der ausführenden Ärzte steht
jedoch weiterhin praktisch ausnahmslos, operative Eingriffe seien am Besten in
den ersten zwei Lebensjahren durchzuführen. Zu fragen seien lediglich die
Eltern, das Einverständnis der zu operierenden Person sei nicht
erforderlich.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Dem möchte ich als Betroffene einmal mehr entschieden
widersprechen.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Glücklicherweise deuten die aktuellsten Entwicklungen darauf hin, dass die
zivilrechtlichen, strafrechtlichen und menschenrechtlichen Implikationen
solcher uneingewilligter Behandlungen in der Gesellschaft langsam zu einem
Thema werden. Vor zwei Tagen gewann Christiane Völling auch in der 2. Instanz
den Prozess gegen ihren ehemaligen Operateur. Mit ihrem Prozess löste sie eine
bis dahin noch nie da gewesene Medienresonanz aus. Weitere Prozesse von ohne
ihre Einwilligung operierten Intersexuellen sind in
Vorbereitung.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Am 21. Juli 2008 reichte eine Delegation von Intersexuelle Menschen e.V. in
New York vor dem UN-Kommittee CEDAW einen ersten Schattenbericht zu den
Menschenrechtsverstössen an intersexuellen Menschen in Deutschland ein. Am
kommenden Januar wird die Bundesregierung in Genf Rede und Antwort stehen
müssen. Weitere Schattenberichte, unter anderem zur Kinderrechtskonvention,
sind ebenfalls in Vorbereitung. Ebenso weitere politische Vorstösse und
Aufklärung der Öffentlichkeit.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Im Namen der Betroffenen möchte ich Sie einmal mehr bitten, der zentralen
Frage der Selbstbestimmung und informierten Einwilligung von
zwischengeschlechtlichen Menschen endlich auch in der Praxis umfassend Rechnung
zu tragen.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Solange noch die Möglichkeit besteht, dies von sich aus zu
tun.&lt;/em&gt;&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;br style=&quot;font-style: italic;&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ich danke Ihnen.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;P.S.: Beim Mittagessen plauderten wir angeregt mit den Vertreterinnen der
AGS-Selbsthilfegruppe und einem Professor. Als ich einmal mehr auf die Folgen
von Zwangsoperationen hinwies, sagte dieser, wohl ohne es böse zu meinen: &amp;quot;Aber
sie stehen ja noch hier.&amp;quot; Wenn der wüsste ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Ausführlicher Bericht über das Treffen:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/09/11/5-Netzwerk-Treffen-Kiel-6908%3A-Intersexualitat-ade-DSD-ahoi&quot;&gt;
5. Netzwerk-Treffen Kiel 6.9.08: Intersexualität ade - DSD ahoi!&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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    <title>Stockholm under Water</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/06/02/Stockholm-under-Water</link>
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    <pubDate>Mon, 02 Jun 2008 23:01:00 +0200</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Trauma, Opferrolle, Befreiung</category>
            
    <description>    &lt;img style=&quot;margin: 0 1em 1em 0; float: left;&quot; alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/dog.jpg&quot; /&gt;Eine Geschichte geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Es ist
die Erzählung &amp;quot;Dog Party&amp;quot; von Don Bajema über einen Jungen, der Hunde
liebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hunde übten eine übermässige Anziehungskraft auf ihn aus. Niemand wusste,
weshalb. Es war ein eigenartiger Junge, mit einem eigenartigen Lachen und mit
von blutenden Bisswunden und Kratzern übersäten Armen. Er folgte allen Hunden
im Quartier, lockte sie, wartete Stunden lang, bis er einen Hund erwischte. Die
Hunde wussten, was er tun wollte, hatten Angst und versteckten sich. Irgendwann
wurden sie aber unvorsichtig, liessen sich mit Futter ködern oder gaben sich
schliesslich der Hoffnung hin, dass der Junge es nicht wirklich tun würde. Sie
irrten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Junge fing sie, streichelte die vor Angst zitternden Hunde, sprach sehr
sanft zu ihnen, trug sie zu einer Wassertonne. Dann drückte er sie unter
Wasser. Sie zappelten wie verrückt und kämpften verzweifelt um ihr Leben,
endlos lang. Und in dem Augenblick, als sie schon auf der anderen Seite waren,
als ihre Körper aufhörten zu kämpfen und nur noch zuckten, rettete der Junge
sie. Er zog sie aus dem Wasser, hielt sie kopfüber, liess das Wasser aus
Schnauze und Nase laufen. Ein kleines Licht schien sich hinter den Hundeaugen
zu entzünden, als sie merkten, wo sie waren. Sie schauten in das lächelnde
Gesicht des Jungen. Der Junge legte sie auf den Boden, sie waren zu schwach, um
sich zu bewegen. Er legte sich zu ihnen, streichelte sie, legte seine Arme um
sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hunde dachten, dass der Junge sie gerettet habe, obwohl sie in Zukunft
immer Angst vor dem grünen Wasserschlauch und der Wassertonne haben würden. Sie
wollten daran glauben, dass der Junge sie gerettet hatte. Es war einfacher, als
sich einzugestehen, was der Junge wirklich getan hatte. Sie liessen ihre
Erinnerung beim lächelnden Gesicht des Jungen beginnen. Die Hunde liebten ihn.
Wirklich. Sie folgten ihm überall hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind wie Hunde. Wenn etwas, was uns angetan wurde, zu schrecklich
ist, verdrängen wir es. Was wir nicht ertragen, blenden wir aus. Opfer sein ist
schrecklich, unerträglich. Deshalb sucht jedes Opfer in seinem Täter etwas
Gutes, um weniger Opfer sein zu müssen. Deshalb kommen die meisten Täter
ungeschoren davon. Und wenn doch ein Opfer einmal aufsteht und die
unerträgliche Wahrheit heraus schreit und die Täter anklagt, dann sind die
anderen Opfer die ersten, die es zum Schweigen bringen wollen. Denn die meisten
wollen nicht wirklich gegen die Täter vorgehen, denn dann müssten sie sich die
schreckliche Wahrheit eingestehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die haben versucht, mich umzubringen, um mir das Leben retten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nella&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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  <item>
    <title>Doch menschlich</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/03/26/Doch-menschlich</link>
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    <pubDate>Wed, 26 Mar 2008 22:09:00 +0100</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Trauma, Opferrolle, Befreiung</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;vor einigen tagen überkam mich wieder einmal diese rasende wut, als müsste
ich zerspringen, und plötzlich war da dieses bild, nein, mehr ein gefühl: sie
halten mich fest, ich kann mich nicht bewegen, sie sind zu stark. ich habe
keine chance, bin starr vor angst, wehre mich aber nicht. ich habe mich nie
gewehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit zweieinhalb monaten haben sie mich kastriert und nahmen dabei in kauf, dass
ich aufgrund meines lebensbedrohenden herzfehlers die narkose und die operation
nicht überleben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit sieben haben sie meinen mikropenis auseinandergesäbelt und banden mir eine
woche lang nacht für nacht die hände, damit ich nicht an meinem verletzten, mit
hämatomen verzierten geschlecht rummache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit sechzehn standen sie zu dritt um mich herum, eine neovagina war in planung,
und einer meinte mit entnervtem kopfschütteln: das geht nicht, das ist viel zu
eng, das kann man nicht operieren! ich sehe seinen blick noch vor mir: kein
funken mitgefühl. ich schämte mich so sehr, hätte beinahe gesagt: bitte
entschuldigen sie die umstände!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit siebzehn rammte mir der chirurg bei der voruntersuchung ohne ein wort
seinen finger in meine nicht-vagina-harnröhren-öffnung, um zu testen, wie weit
es reingeht. ich hab keinen ton von mir gegeben, war ganz starr. danach durfte
ich vor eine gekachelte wand stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit achtzehn stakste ich mit einem plastikstöpsel in der blutenden neovagina in
meinem elternhaus herum und schämte mich. diese zur schau getragene
geschlechtlichkeit. niemand sagte etwas und ich sagte auch nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich hab mich nie gewehrt. hab nie geschrien, geweint, mich beschwert – nichts.
ich habe starr alles über mich ergehen lassen. nur nicht noch mehr auffallen.
lange habe ich mir das vorgeworfen, auch heute noch ist es nicht ganz weg: du
bist schuld. meine strategie war der totale rückzug. um diese ohnmacht ertragen
zu können, habe ich mir eine fantasiewelt konstruiert, in der ich allmächtig
war: ich bin nicht schwach, ich fühle keinen schmerz, ich brauche keine liebe,
ich stehe über allem. kalt und hart. ich habe nur verachtung für diejenigen
übrig, die so schwach sind, so menschlich. ich bin nicht menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es war meine rettung. aber der preis war verdammt hoch. ich zahle heute noch.
denn ich bin doch menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nella&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</description>
    
    
    
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      </item>
    
  <item>
    <title>drachenschwanz I</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/03/12/drachenschwanz-I</link>
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    <pubDate>Wed, 12 Mar 2008 22:14:00 +0100</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Trauma, Opferrolle, Befreiung</category>
            
    <description>    &lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/public/./.little_dragon_2_s.jpg&quot; /&gt;wenige tage vor meinem
auftritt in der &lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/12/18/Zwitter-Demo-in-der-Rundschau-und-auf-Planetopia&quot;&gt;schweizer
rundschau&lt;/a&gt; brauchte ich dringend eine tonerkassette für den druck des
&lt;a href=&quot;http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/12/21/Pressespiegel-121207&quot;&gt;demo-flugblattes&lt;/a&gt;. die firma
x hatte das teil nicht an lager. der sachbearbeiter wollte jedoch nachfragen
und mich umgehend zurück rufen. er liess mich dann aber hängen und war auch bei
meinem erneuten anruf zwei stunden später noch nicht weiter, er hätte noch
anderes zu tun. da die zeit drängte, rief ich also bei einer anderen firma an
und wurde dort fündig. der typ von der firma x hatte inzwischen die
tonerkassette erhalten und war ziemlich sauer. ich liess mich aber nicht
verunsichern, denn es war nicht meine schuld, was er schliesslich einsah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kaum hatte ich aufgehängt, fuhr es mir durch den kopf: der sieht dich am
mittwoch in der rundschau und wird denken: dieser blöde abartige zwitter hat
mich verarscht! und weiter: der typ findet heraus, wo ich wohne, kommt vorbei,
beschimpft und bespuckt mich, ist wütend, weil er jetzt auf einer teuren
tonerkassette sitzen bleibt, die niemand kaufen will. er schlägt mich zusammen
oder vergewaltigt mich. kein wunder, wenn ich schon so schamlos im fernsehen
über meine genitalien rede! ich fantasiere weiter: er erschlägt meinen hund,
der mich verteidigen will, das arme tier. der film in meinem kopf ist noch
nicht zu ende: mein freund kommt rein und will mir helfen und der typ schlägt
ihn spitalreif, vor meinen augen, mein baby verletzt, alles nur wegen mir! tod
und verderben! und ich bin schuld, ich bin schuld! das kommt davon, weil ich
abartiger zwitter nichts besseres zu tun habe, als ans fernsehen zu gehen, über
meine genitalien zu reden und leute bloss zu stellen. ich habe das
schweigegelübde gebrochen und das hab ich nun davon!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder vor ein paar monaten, als ein anonymer zettel an meiner wohnungstüre
klebte, dass meine hunde in den trockenraum der waschküche scheissen und so
weiter (es war katzenkacke). und was geht mir als erstes durch den kopf? die
haben mich in der rundschau gesehen und ekeln mich jetzt raus, weil die keinen
abartigen zwitter im haus wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich schäme mich dafür, aber ich habe sogar schon fantasiert, dass ich mein
patenkind nicht mehr umarmen darf, nachdem dessen mutter, eine liebe freundin,
meine geschichte erfahren hatte. soweit haben die mich gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in solchen augenblicken wird mir bewusst, wie tief diese angst trotz all der
befreiung der letzten jahre immer noch sitzt und dass sie immer ein teil von
mir sein wird. die angst, die sie mir eingepflanzt haben, die ich selber
genährt habe, die grösser und grösser geworden ist: die angst, sich zu zeigen.
die angst vor dem eigenen körper. dieser dicke, obszöne drachenschwanz, den
niemand sehen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es macht mich unendlich traurig, wenn ich daran denke, dass diese angst mein
ganzes bisheriges leben bestimmt hat: ich habe mich geduckt, versteckt,
versucht, so unauffällig wie möglich zu sein. ich habe mich verleugnet, immer
und immer wieder. aber ich habe daran geglaubt, wie ein kind halt daran glaubt,
dass unter dem bett ein monster ist. und es tut weh, wenn man eines tages
heraus findet, dass diese angst irrational ist, dass nichts so schreckliches
geschieht. denn das schreckliche ist schon lange geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die meisten von uns sind gefangene dieser angst. sie lähmt uns, macht uns
schwach und einsam. auch wenn die 'haftbedingungen' nicht mehr so schlimm sind
und man sich austauschen kann: in seiner zelle sitzt jeder allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man kann aus diesem gefängnis heraus treten. ein gefängnis – so schlimm es auch
ist – bedeutet jedoch auch schutz ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nella&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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  <item>
    <title>Zwangsgedanken und Zwangshandlungen - verdrängte Gefühle verschwinden nicht</title>
    <link>http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2007/11/15/Zwangsgedanken-und-Zwangshandlungen-verdr%C3%A4ngte-Gef%C3%BChle-verschwinden-nicht</link>
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    <pubDate>Thu, 15 Nov 2007 22:28:00 +0100</pubDate>
    <dc:creator>nella</dc:creator>
        <category>Trauma, Opferrolle, Befreiung</category>
            
    <description>    &lt;p&gt;wenn ich bestimmte dinge nicht tue, dann passiert einem menschen, den ich
liebe, etwas schlimmes. deshalb mache ich diese dinge immer wieder und es
kommen immer wieder neue dazu. oft geht es darum, dass ich einen bösen gedanken
habe, was jemanden passieren könnte oder was ich diesem jemanden antun könnte.
wenn ich in so einem moment zum beispiel ein kleidungsstück meines freundes
bügle und zusammenlege, dann muss ich dieses kleidungsstück wieder ausschütteln
und mit zusammenlegen von vorne beginnen, manchmal mehrere male hintereinander,
um das böse, diesen bösen gedanken herauszuschütteln, sonst bleibt er im
kleidungsstück drin und es passiert etwas schlimmes. wenn ich das nicht mache,
weil ich das kleidungsstück nicht nochmals zusammenlegen muss und weil ich
diesen stress nicht mehr will, dann ist das egoistisch und böse, wenn ich dies
nicht auf mich nehme, nämlich das kleidungsstück nochmals auszuschütteln und
mit zusammenlegen von vorn zu beginnen, dann ist das böse, wenn ich durch diese
kleine anstrengung doch das schlimme abwenden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ganze wird immer extremer, ich denke meistens gar nichts böses, habe keine
zwangsgedanken in dem sinn, bin eigentlich entspannt, aber wenn ich anfange zu
bügeln, dann kommen die gedanken einfach, es ist jetzt also meistens umgekehrt.
zuerst war es der gedanke, den ich beim bügeln hatte, jetzt ist es so, dass der
gedanke erst beim bügeln kommt, damit ich das alles machen muss. und meistens
ist es nicht einmal ein gedanke, sondern ich fange an zu bügeln und dann: wenn
du das jetzt nicht nochmals zusammenlegst, passiert etwas schlimmes. es wird
immer paradoxer und macht sich immer selbständiger. es ist furchtbar
anstrengend, es braucht enorm viel energie und zeit, ich bin jeweils total
erschöpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas anderes ist der gedanke oder die vorstellung, ich schliesse einen bösen
gedanken, oder jetzt ist es immer wieder jemanden, den ich liebe, irgendwo ein.
wenn ich ein glas öffne, um teigwaren herauszunehmen, dann muss ich dieses
immer wieder auf und zuschrauben, jetzt habe ich angefangen zweimal
hintereinander viermal den deckel so draufzuknallen und dann darf ich das glas
schliessen. dasselbe mit dem olivenöl oder mit dem essig. also manchmal ist es
fast so, dass ich denke, der betreffende mensch ist in dem olivenöl gefangen
oder in dem glas mit den leinsamen. dann kommt noch ein bild dazu aus einem
film, wo ein mensch in einem kornsilo eben, ja, ich will es nicht aussprechen.
auch mit den schränken, wenn ich eine pfanne versorge, muss ich die schiebetüre
mehrmals hin- und herschieben, sonst schliesse ich irgendwas/irgendwen ein, ich
weiss gar nicht mehr, was konkret. auch die pfanne oder einen teller muss ich
zuerst auswischen, es könnte etwas drin sein. beim versorgen der pfannen oder
teller muss ich eine bogenförmige bewegung vollführen, weil wenn ich sie
einfach gerade in den schrank schiebe, bildet diese bewegung mit der leiste des
schranks ein kreuz und das heisst, dass etwas schlimmes passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn ich ein messer in die hand nehme oder einen hammer oder das gerät, um erde
zu lockern in den töpfen, stelle ich mir vor, dass ich mit einem dieser geräte
auf meinen hund einschlage, ihn ersteche und erschlage. dann muss ich neinnein
murmeln ganz viele male und dazu den kopf ganz schnell schütteln und stossweise
ein- und ausatmen, um diesen entsetzlichen gedanken zu büssen, zu tilgen, damit
er durch mein leiden, meine mühe wenigstens getilgt ist. immer wenn ich den
tiefkühler öffne, stelle ich mir vor, was da alles platz drin hätte, welche
körperteile. auch da muss ich murmeln, kopfschütteln, ein- und ausatmen. oder
die wassertonne auf der dachterrasse, es kommen einfach immer wieder neue
sachen dazu. wenn ich den deckel auf die wassertonne lege und mir vorstelle,
ich werfe den hund hinein und mache zu und so weiter, was für ein schrecklicher
gedanke, muss ich das wie oben machen, manchmal fast eine minute lang. manchmal
ist es so furchtbar, dieses murmeln, kopfschütteln, ein- und ausatmen und ich
kann nicht mehr aufhören, bis ich etwas weinen muss oder fluchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beim abwaschen, auch dort, ist nicht mehr der gedanke schon da, er kommt erst,
wenn ich abwasche. vor kurzem habe ich zum beispiel angefangen abzuwaschen und
habe über etwas nachgedacht, plötzlich merkte ich, dass ich schon ein paar
sachen ohne zwänge abgewaschen hatte. dann setzten die zwänge erst recht wieder
ein, ich musste das doch wieder gutmachen, dass ich da so gedankenverloren
abgewaschen hatte. ich muss also einen teller oder eine tasse mehrmals
abwaschen und dazu den kopf schütteln, stossweise ein- und ausatmen und nein
murren. wenn ich dann endlich fertig bin mit abwaschen, erschöpft und fast am
hyperventilieren, dann kommt das mit dem abwaschtuch auswringen. das auswringen
ist wie eine würgebewegung, ich erwürge jemanden, quetsche, zerdrücke, wenn ich
da an jemanden denke oder einen schlechten gedanken habe, vielleicht einfach
wütend bin auf jemanden, muss ich das tuch wieder ganz nass machen, immer
wieder. aber eigentlich auch hier: der gedanke ist gar nicht mehr da, er kommt
meistens nicht mehr, aber ich muss es jetzt trotzdem machen. jetzt habe ich
eine strategie, ich mache das abwaschtuch nur noch leicht nass, um es wieder
auswringen, das kann bis zu fünfmal hintereinander gehen. dazu immer dieses
rasche kopfschütteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ganze macht sich selbständig, ich habe oft gar keine schlechten gedanken,
muss aber fast bei jeder bewegung/handlung stossweise ein- und ausatmen,
zweimal ein und zweimal aus und dazu den kopf schütteln. zum beispiel vorhin,
als ich das geschirrtuch an den haken gehängt habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch wenn ich etwas lese, es gibt wörter, wie tod oder gemetzel oder verbrannt,
was auch immer, muss ich das machen mit dem stossweise ein- und ausatmen, damit
dieses wort, was in diesem wort drin ist, nicht übergreift auf mich oder auf
meine lieben. auch bei todesanzeigen. ich habe jetzt zum beispiel auch mühe,
diese wörter überhaupt zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das frotteetuch muss ich auch immer mehrmals ausschütteln und über die stange
hängen, oder die wäsche, wenn ich sie aufhänge. jemanden aufhängen, über ein
seil legen, baumeln lassen, solche gedanken kommen mir dann, ich muss also das
hemd wieder abhängen und ausschütteln, mehrmals, bis es endlich stimmt. und da
es eben eigentlich gar nie stimmen kann, muss ich es wenigstens mehrmals
machen, etwas leiden, um alles zu tilgen. das heisst es gelingt mir ja nie, den
gedanken wirklich wegzuschieben, ausser ich bewege meine augen ganz schnell,
schaue ganz schnell verschiedene dinge an, um den gedanken zu vertreiben. aber
meistens geht es ja nicht. wenn ich zum beispiel etwas bügle und dabei denke,
ich verbrenne jemanden mit dem bügeleisen, dann schüttle ich das kleidungsstück
aus und beginne von vorne. beim zweiten mal ist der gedanke ja dann nicht weg,
deshalb muss ich es mehrmals machen, um zu tilgen, und dazu dieses
kopfschütteln, stossweise atmen und neinnein murmeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn ich die haare föne und fertig bin damit, muss ich mich im spiegel
anlächeln. das lächeln muss echt sein, sonst heisst es, dass ich nichts zum
lachen habe, das heisst, dass etwas schlimmes passiert. oder eben auch wieder:
wenn ich jetzt sage, schluss, das mache ich nicht mehr, ich schaue in den
spiegel, wie ich mich gerade fühle, und stelle den fön ab, wann ich will, dann
ist das wieder egoistisch, du forderst das schicksal heraus. einmal wollte ich
das machen, dachte dann aber, nein, jetzt ist mein freund gerade aus dem haus,
ich mache es lieber an einem tag, wenn er da ist. aber auch dann könnte ich es
nicht machen. also lächle ich immer, bis es stimmt, was fast unmöglich ist, und
stelle den fön dann ab. beim wegräumen darf der fön aber zum beispiel nicht auf
den bademantel meines freundes zeigen, sonst muss ich ihn wieder anstellen und
von vorne beginnen. das mit dem lächeln hat sich jetzt auch selbständig
gemacht. im büro mache ich das, wenn ich auf die toilette gehe. ich kann nicht
mehr einfach in den spiegel schauen, müde oder schlecht gelaunt oder einfach
ernst, nein, ich muss das mit dem lächeln machen. neu dazu gekommen ist jetzt,
dass wenn ich mich dabei zu stark auf die augen oder auf die nase oder den mund
konzentriere, dann heisst das: böse gegen das auge, ich verliere das auge, oder
nase ab oder so. nein, nein, gell nicht, das muss ich jetzt schreiben, weil
sonst passiert das wirklich, habe ich das gefühl. völlige scheisse, es ist
unglaublich, es wird immer schlimmer, ich halte es fast nicht mehr aus. jetzt
zucke ich auch wieder mit den halsmuskeln wie früher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als kind schlug ich mir immer mit dem knöchel des mittelfingers auf die stirn,
wenn ich einen ‚bösen gedanken’ hatte. ich hämmerte immer öfter und immer
stärker, sehr oft so lange, bis mir der kopf wehtat.&lt;/p&gt;
&lt;br /&gt;
Nella, 14. Mai 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://zwaenge.de&quot;&gt;www.zwaenge.de&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;</description>
    
    
    
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