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Friday 5 August 2011

"Der medizinische Umgang mit Intersexuellen Kindern: Eine Analogie zum sexuellen Kindesmißbrauch" - Tamara Alexander

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Ausgeliefert! >>> Leider immer noch brandaktueller Text von 1997 mit zahlreichen Belegen über ein Thema, das viele Überlebende von Genitalverstümmelungen im frühen Kindesalter seit langem anklagen, verfasst von der Partnerin des Intersex-Aktivisten Max Beck, die beide u.a. im Dokfilm "Das dritte Geschlecht" auftraten (dieser Blog berichtete). Nachfolgend ein Auszug (hier ohne die Literaturbelege):

[...] Vergleichbar den Opfern kindlichen sexuellen Mißbrauchs werden Kinder mit intersexuellen Merkmalen Opfer wiederholter genitaler Traumata, die sowohl in der Familie wie im kulturellen Umfeld geheimgehalten werden. Die Kinder sind verängstigt, beschämt, fehlinformiert und verletzt. Sie erleben ihre Behandlung als eine Form des sexuellen Mißbrauchs und betrachten ihre Eltern als Personen, von denen sie betrogen wurden und die mit den medizinischen Experten kollaboriert haben. Wie bei sexuellem Mißbrauch umfassen die psychologischen Folgen Depression, Suizidversuche, die Unfähigkeit zu intimen Beziehungen, Störungen des Körperbildes und dissoziative Muster. [...]

Medizinische Photograpien der Genitalien, Untersuchungen an den Genitalien bei verfrühtem Einsetzen der Pubertät und intersexuellen Merkmalen, Kolposkopie [Scheidenspiegelung] und Untersuchungen eines Mädchens, das DES [Diethylstilbestrol] ausgesetzt war, Cystoskopie [Harnröhren- und Blasenspiegelung] und Katheter-Anlagen und Hypospadie-Korrektur führen zu Symptomen, die mit denen des kindlichen sexuellen Mißbrauchs stark korreliert sind: Dissoziation, negatives Körpererleben, und PTSD-Symptomatik. Einer von Moneys Patienten berichtet: „Ich lag da, nur mit einem Tuch über mir, und ungefähr 10 Ärzte kamen herein, und das Tuch kam weg, und sie fühlten hier und da und diskutierten darüber, wieviel Fortschritte ich gemacht hatte. Ich war vor Angst versteinert. Dann kam das Tuch wieder 'drüber und es kamen ein paar andere Ärzte herein und sie taten dasselbe. Das war unheimlich. Ich hatte Angst. Ich hatte Alpträume davon..."

[...] Sowohl Angela Moreno als auch Max Beck berichten über weitreichende Abspaltungsepisoden. Max erinnert sich: „Ich war die meiste Zeit meiner Jugend ein herumlaufender Kopf". Moreno sagt daß sie sich erst „nach Jahren therapeutischer Behandlung endlich in ihrem Körper fühlte, ihre Haut ausfüllte und nicht nur umhertrieb." Diese Aussagen ähneln denen von CSA [Child Sexual Abuse = sexueller Kindesmissbrauch] Opfern, die berichten, daß sie sich emotional von ihren Körpern getrennt haben, um den physischen Angriffen Widerstand entgegensetzen zu können. Eine Frau, die wiederholten Kolposkopien unterworfen wurde, gibt an, daß sie „die vaginalen Untersuchungen nur überlebt hat, indem sie sich vollständig von ihrem unteren Körper abgespalten hat - d.h. daß sie unterhalb ihrer Taille taub war, ohne Empfindung und Gefühl“. [...]

Weitere behandelte Themen: Scham und Verlegenheit, Heimlichkeit und Schweigen, Fehlinformation, Dissoziation und Körperentfremdung, Verratstraumata u.a.m.

>>> Der ganze Text von Tamara Alexander mit zahlreichen Literaturbelegen

>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Tuesday 2 August 2011

Liste aller Kommentare auf dem Online-"Diskurs" des Deutschen Ethikrates über "Intersexualität"

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>>> UPDATED! 

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Da auf dem Ethikrat-"Diskurs"-Blog nur jeweils die letzten 5 Kommentare sichtbar sind, ist es fast unmöglich, alle mitzubekommen, geschweige denn auf dem "Diskurs" nachträglich Kommentare einzelner Autor_innen wiederzufinden, denn die Kommentare werden in der "Diskurs"-Suchfunktion nicht berücksichtigt und bei Google nur schleppend erfasst. 

Dieser Blog präsentiert deshalb eine >>> (fast) vollständige Liste aller Kommentare auf dem "Intersex-Diskurs" (inkl. denjenigen, von denen der Deutsche Ethikrat nicht will, dass Sie sie lesen können).

Diese Liste wird bis zum Ende des "Diskurses" kontinuierlich aufdatiert, ebenso die seit Beginn gelistete Auswahl von aus unserer Sicht besonders relevanten oder bemerkenswerten Kommentare, Statements und Meldungen

Nachtrag 8.8.11: Inzwischen sind alle bekannten Kommentare in der Liste verlinkt sowie in der Statistik berücksichtigt 

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
   

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Monday 1 August 2011

Christiane Völling: "Zur Frage der Entschädigung"

«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UK Aachen 30.5.2011, im Hintergrund: Genitalverstümmlerin Prof. Dr. Med. Susanne KregeUK Aachen, 30.05.2011: Christiane Völling protestiert gegen "Ethik"-Vortrag
von Genitalabschneiderin Susanne Krege
(im Bild rechts hinten)

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Nach wie vor einer der besten Beiträge auf dem Ethikrat-"Diskurs": Christiane spricht Klartext und beruft sich auf die Menschenrechte!

Leider steht sie damit unter allen vom Ethikrat bestellten Autor_innen so ziemlich alleine da, lässt doch der Ethikrat (ausser 2 "Alibi-Quoten-Betroffenen") praktisch ausnahmslos TäterInnen von "Netzwerk Intersexualität/DSD" & Co. sowie MittäterInnen aus der Gender-Ecke zu Wort kommen. Obwohl es genügend ExpertInnen gäbe in Sachen Menschenrechte, Genitalverstümmelung, Traumabewältigung und aus anderen wirklich relevanten Themenbereichen, von denen der Ethikrat aber offensichtlich lieber nichts wissen will.

Deshalb an dieser Stelle nochmals einige der zentralsten Ausschnitte von Christiane Völling, sowie der Hinweis auf den ganzen Text hier.

[...] Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz und für alle Menschen gelten die gleichen Regeln, solange sie sich an die Regeln halten (und die intersexuellen Menschen, die ich kenne, halten sich an diese Regeln). Der Staat wacht über die Einhaltung der Regeln.

Dass diese Regeln des Schutzes gegenüber einer bestimmten Gruppe von Menschen offenbar nicht eingehalten wurden, und das ist das Bemerkenswerte, dass es immerhin mehr als 90 Prozent der Gruppe der “Intersexuellen Menschen“ sind, bei denen die staatliche Kontrolle und die Regeln des Anstandes, der guten Sitte, der Standesrechte, der Schutzpflichten des Staates und des Grundgesetzes Artikel 1 bis 3 keine Anwendung fanden und dies zudem einen Berufszweig schützt, ist Indiz genug, hier von struktureller Fehlleistung und Gewalt zu sprechen. [...]

Die Opfer der Vergangenheit sind für das Leid, die Pein und das genommene Recht zu entschädigen. Entscheidend ist, dass die Schäden irreversibel sind, nicht mehr umkehrbar. Was ist ein Leben wert?

Wie könnte diese Entschädigung aussehen?

Will die Gesellschaft und allen voraus die Bundesrepublik Deutschland den Opfern weiteres Leid durch die Demütigung jahrelanger Prozesse durch die Instanzen zumuten? Die Täter schützen, damit sie weiterhin die Opfer verhöhnen? Akten und Patienteninformationen vorenthalten, bis die Verjährungen greifen? Sollen die Opfer die Risiken und Kosten für jahrelangen Rechtsstreit durch die Instanzen, der zudem das deutsche Gerichtssystem belastet und viel Geld kostet , aufgebürdet werden?

Vielen intersexuellen Menschen ist dies gar nicht möglich, weil die Schäden so schwer sind, dass sie weder aus eigener Kraft noch aus eigenen Finanzmitteln einen solchen Prozess durchstehen könnten. Wer ist in der Lage den Opfern beizustehen? Welchen Gesichtsverlust wird unser Land für Jahre hinnehmen?  Wer wird einem Arzt noch trauen? Wo bleibt die Verantwortung des Staates, dass er diese Menschenversuche bis heute zulässt?

Und noch ein offenes Wort: Wenn ein Opfer, das sich aus der Opferrolle befreit hat, wieder Opfer wird – ist dem alles zuzutrauen. [...]

Eine staatliche große Lösung hätte Vor- und Nachteile, doch die Vorteile überwiegen für alle Seiten. Und die Chancen auf eine baldige Lösung, auf den Sieg der Wahrheit und eines Friedens birgt sie auch [...]:

Der Staat behält seine Glaubwürdigkeit in seiner Eigenschaft als oberste Macht, ordnende Institution in unserem Staatsgefüge. Er schützt alle und sorgt für einen Ausgleich und Gerechtigkeit. Der soziale Frieden wird in einem Teil wieder hergestellt.

Der medizinische Betrieb (Ärzte, Kliniken, Krankenkassen, Standesverbände) könnte sich in einem vorgegebenen Zeitfenster entlasten, indem er einmalig den Kehraus macht, indem er seinerseits seine Akten sichtet und die Akten intersexueller Menschen in ein Archiv gibt, von wo aus die betroffenen Menschen ermittelt und verständigt werden, dass sie dort ihre Patientenakten einfordern können, aber nicht müssen.

Die Wahrheit käme ans Licht, eine Aufarbeitung wäre möglich. Hier wären auch die Haftungsfragen zu klären.

Eine Rehabilitation der Opfer, die gesellschaftliche Integration der Opfer, eine Einmalzahlung und eine Rentenregelung sind eine Minimalforderung.  Die Schaffung einer Stelle, an die sich Opfer wenden können, besetzt mit einem intersexuellen Menschen, gestützt durch die Bundesministerien, ist anzustreben.

Ich bitte auch zu bedenken, dass diese Menschen einen langen Leidensweg gehen, der lebenslange Wirkung hat. Menschliche Solidarität, ein Stück soziale Sicherheit und die Chance des Aufeinanderzugehens steckt in einer solchen großen Lösung.

Übrigens: Eine Entschuldigung des Staates bei den Opfern ist längst überfällig.

>>> Der ganze Text von Christiane Völling

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    >>> Offener Brief an das "Forum Biomedizin und Ethik" Aachen

>>> Christiane Völling: Die Biographie einer Überlebenden
(Buchbesprechung von Daniela "Nella" Truffer)

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- Sieg für Christiane Völling!!!
- Zwitterprozess: 100'000 Euro Schmerzensgeld für Zwangskastration!
- Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten 
- "Tabu Intersexualität" - Dok. u.a. mit Christiane Völling
- Die Bielefelderin Britta Dombrowe über "Tabu Intersexualität"
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info

Thursday 28 July 2011

"Viele Betroffene fragen, wodurch sich die „geschlechtsangleichenden Operationen“ von „Genitalverstümmelungen“ nordafrikanischer Ethnien, die wir zu Recht verurteilen, unterscheiden." - ETEKAR zu Beitrag von Dr. Jörg Woweries (VII)

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>>> Fussnoten/Quellen UPDATE

Nachfolgend dokumentiert dieser Blog einen Kommentar zum Beitrag von Dr. Jörg Woweries: "Hinter Unterschieden versteckt sich die Normalität" von ETEKAR, der vom Deutschen Ethikrat im Online-"Diskurs" das Recht auf freie Meinungsäusserung verweigert wird: 

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Sehr geehrter Herr Dr. Woweries,

zu Ihrem neuen Beitrag möchte ich gerne mein Wissen einbringen und Ihre Zeilen:

"Viele Betroffene fragen, wodurch sich die „geschlechtsangleichenden Operationen“ von „Genitalverstümmelungen“ nordafrikanischer Ethnien, die wir zu Recht verurteilen, unterscheiden. Es ist die gleiche fixe Idee, es „richtig“ zu machen. Es ist dort eine Jahrhunderte alte Tradition, hier ein Jahrzehnte alter medizinischer Brauch, der erst seit wenigen Jahren hinterfragt wird, aber noch nicht geändert ist. Die Tabuisierung hiesiger genitalmedizinischer Praktiken hat verhindert, dass die  Öffentlichkeit den „geschlechtsangleichenden Operationen“ ein gleiches Verbot entgegengesetzt."

aufgreifen.

Wie aus der Dissertation von Hans Martin Wisseler [1] auf Seite 1 hervorgeht, unterscheiden sich die rassistisch motivierten Genitalamputationen und Verstümmelungen an der größten Gruppe zweigeschlechtlicher Säuglinge in nichts, aber auch in gar nichts von den afrikanischen und über den gesamten arabischen Raum verbreiteten Genitalverstümmelungen, denn wie wir der Dissertation von Hans Martin Wisseler entnehmen können, wurden die afrikanischen Genitalverstümmelungen als "Vorbild" gepriesen und genommen.

Der pharaonische Jungfrauenkult, der erstmals in der Gechichte der Menschheit unter Ramses dem II auftauchte, diente dazu, die Fertilität der Frau zu zerstören, weil in Ägypten Hungersnot herrschte und auf diese Weise eine Geburtenkontrolle erreicht wurde! Wie im alten Ägypten ging es auch bei den Nazis und bis in die 80-er Jahre in der BRD unter den alten Naziverbrechern darum, die Fertilität der von Natur aus reproduktionsfähigen zweigeschlechtlichen Menschen zu zerstören!

Es ging dabei niemals um eine fixe Idee es "richtig" im Interesse des Kindes zu machen, sondern es ging und geht seit Jahrtausenden um die Kontrolle/Zerstörung der weiblichen Sexualität, wenn es um Genitalverstümmelungen geht, egal ob in Afrika, Asien, Europa oder den USA. Für die Genitalverstümmelungen von amerikanischen Frauen im 19. Jahrhundert als medizynische Behandlung gegen psychiatrische Erkrankungen lohnt sich der Beitrag von Marion Hulverscheidt [2] zum Lesen.

Die Genitalverstümmelung an europäischen Mädchen zwecks Bestrafung ist auch weit verbreitet gewesen, wie einem Buch von Prof. Dr. Gisela Zenz [3] zu entnehmen ist. Der kranke Diskurs der Genitalverstümmelung an Kindern in Europa zwecks Strafe und Reglementierung für Ungehorsam sowie die Verstümmelung von Armen und Beinen um besser für das Betteln eingesetzt werden zu können, ist ein Relikt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, welches noch bis heute in der Hamburger Innenstadt anzutreffen ist. Die Genitalverstümmelung und Genitalamputationen von zweigeschlechtlichen Menschen allerdings, tritt in der Geschichte der Menschheit erstmals in Nazideutschland auf den Plan und wurde bis in die 80-er Jahre von allen den medizynischen Naziverbrechern verübt, die nicht in Nürnberg hingerichtet worden sind! aufgrund der! 

Von einem jahrzehnte alten medizynischen Brauch in der BRD zu sprechen, wo es sich um gezielten Völkermord/Genozid handelt, halte ich für eine Verharmlosung. Diese Verbrechen werden übrigens, wie wir aus zahlreichen Dissertationen wissen, von einigen wenigen mutigen und den Menschrechten zugewandten deutschen Ärzten! bereits seit Jahrzehnten auf das schärfste verurteilt, nicht nur, wie dem Büchlein: "Geschlechtswechsel" von Prof. Dr. Volkmar Sigusch zu entnehmen ist, sondern auch anderen Schriften.

Eine nachträgliche Anmerkung noch zum PStG: In sämtlichen medizynischen Dissertation, die ich aus dem Zeitraum von 1933 bis 1996 gelesen habe, wurde meiner Erinnerung nach kein einziges Mal das Personenstandsgesetz als medizynischer Grund für die Verstümmelung genannt! Das Pseudoargument, dass das PStG für die Verstümmelungen ursächlich ist, wurde erst ab einem bestimmten Zeitpunkt ebenso wie die Lüge, dass John Money die Wurzel allen Übels ist, in der BRD von den TäterInnen verbreitet.

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, auch und ganz besonders, wenn sie aus Nazideutschlands Konzentrationslagern kommt und von den TäterInnen noch Jahrzehnte darüber hinaus ungestraft verbreitet wird! Ist doch traurig, dass im Online-Diskurs die Wahrheit nur des Taktierens und der Ziele einiger weniger wegen ausgelöscht worden ist! Wissenschaft sollte immer die Forschung nach Wahrheit ohne Taktieren bestimmter durchsetzbarer Ziele bedeuten.

Zu kosmetischen Operationen an Kindern, als die viele Verbrecher diese Verbrechen wider die Menschlichkeit ausgeben, können Eltern übrigens keine rechtswirksame Einwilligung erteilen, da kosmetische Operationen an Kindern unzulässig sind. Mit dieser Thematik hat sich Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern [4] in einem rechtswissenschaftlichen Aufsatz detailliert auseinandergesetzt. Dass kosmetische Operationen an Minderjährigen unzulässig sind, ist rechtlicher Konsens unter JuristenInnen.

Im übrigen kann bei Genitalamputationen nicht von einer Angleichung gesprochen werden, denn eine Angleichung ist überhaupt nur an etwas (noch) Vorhandenes möglich, davon kann aber bei ca. 200 in der medizynischen Literatur auffindbaren zweigeschlechtlichen Säuglingen nicht die Rede sein.

Die Öffentlichkeit muß den verübten Verbrechen wider die Menschlichkeit und dem Genozid an zweigeschlechtlichen Menschen kein gleiches Verbot entgegensetzen, wie es bei den afrikanischen und arabischen Genitalverstümmelungen geschieht, sondern die dazu berufenen Stafverfoglungsbehörden müssen dieses bereits seit dem 23. Mai 1949 bestehende Verbot gegen die TäterInnen durchsetzen!!! Es ist nicht die Öffentlichkeit, die versagt hat, sondern ein ganzer Berufsstand und die Bundesrepublick Deutschland als ein Staat, der es bis heute nicht geschafft hat, sich ehrlich mit seiner NS-Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Wo ist die medizinische Vereinigung, die sich damit befaßt, was in der medizinischen Behandlung bis heute Nazimethoden sind!

Ein kleiner Teil von Juristen hat zumindest für das Recht eine solche Aufarbeitung mit Gründung des Forums für Justizgeschichte begonnen. Mediziner haben meines Wissens nach damit noch nicht einmal begonnen und die BRD auch nicht!

Mit bestem Gruß

ETEKAR

[Zusätzliche Abschnitte zur leichteren Lesbarkeit durch Zwischengeschlecht.info]

Fussnoten/Quellen (UPDATED) [hinzugefügt durch Zwischengeschlecht.info]

[1] Wisseler, Hans Martin: "Harnweginfektionen nach Klitorektomien bei Mädchen mit kongenitalem adrenogenitalem Syndrom AGS", Hamburg, Dissertation (1977). Zu Wisseler vgl. auch vom Ethikrat zensurierte Kommentare von ETEKAR auf dem Online-"Diskurs" Nr. 129 und Nr. 189 sowie Kommentare von Einhorn auf diesem Blog vom 16.6.09, 13.7.09, 17.9.09 und 14.1.10.

[2] Marion Hulverscheidt: "Weibliche Genitalverstümmelung. Diskussion und Praxis der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum", Dissertation (2000). Vgl. auch: Marion Hulverscheidt: "Weiblich gemacht? Genitalverstümmelung bei afrikanischen Frauen und bei Intersexuellen", in: Menschenrechte für die Frau Nr. 3/4 (2004).

[3] Gisela Zenz: "Kindesmißhandlung und Kindesrechte. Erfahrungswissen, Normstruktur und Entscheidungsrationalität", Suhrkamp 1979, S. 29-31  

[4] Siehe: Kern, Bernd-Rüdiger / Köhler, Knut: „Beschneidung in Deutschland: Religionsfreiheit oder Körperverletzung?“, Ärzteblatt Sachsen 3/2006, S. 104f (>>> PDF-Download)

Siehe dazu weiter:
Stehr, Maximilian; Putzke, Holm; Dietz, Hans-Georg: "Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung", Deutsches Ärzteblatt 2008; 105(34-35): A-1778 / B-1535 / C-1503
+ weitere 13 Artikel u.a. von Prof. Dr. Holm Putzke 

>>>
Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday 25 July 2011

Zensur im Ethikrat-Online-"Diskurs": 4 weitere Fälle dokumentiert (VI)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 25.7.11) (IV)
>>> Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

Menschenrechte auch für Zwitter!

Durch Recherchen dieses Blogs konnten inzwischen 4 weitere durch den Deutschen Ethikrat zensierte Kommentare von ETEKAR auf dem Online-"Diskurs" zu "Intersexualität" dokumentiert werden (Kommentare Nr. 176, 188, 189 u. 192). Alle haben sie gemeinsam, dass der Ethikrat dabei (wie schon bei anderen auch) perfiderweise sogar ETEKARs Autorenangabe gelöscht bzw. verfälschenderweise durch "Redaktion" ersetzt hatte.

Der Deutsche Ethikrat wäscht derweil seine Hände weiterhin in Unschuld, leugnet unbeirrbar die Zensur auf seinem Online-"Diskurs" und behauptet gegenüber ETEKAR gar noch unverfroren, es seien ja nur "einige Ihrer Kommentare" gelöscht worden.

Aus diesem Anlass ein wenig Statistik zum aktuellen Wissensstand dieses Blogs zur Zensur durch den Deutschen Ethikrat:

ETEKAR publizierte insgesamt 29 Kommentare. 2 davon waren lediglich administrativer Natur (Bitte um nachträgliche Änderungen), 1 war ein Einzeiler, dass sie die Zensur zurückweise.

Es bleiben also 26 inhaltliche Beiträge zum "Diskurs".

Davon wurden durch den Ethikrat 21 zensiert bzw. gelöscht.

Die entspricht einer Zensurrate von über 80%!

Mit je 1 Ausnahme wurden zudem gelöscht:
a) alle längeren Kommentare
b) alle Kommentare, auf die sich weitere Nutzer in eigenen Kommentaren (meist positiv) bezogen
c) alle Kommentare mit Literaturangaben zu Nazi-GenitalverstümmlerInnen 

Soviel zum Thema nur "einige" wenige Zensurfälle ...

Die willkürliche Auslegung durch den Ethikrat nicht nur gegenüber ETEKAR, was alles "gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen"  verstosse und was alles nicht (nämlich wörtlich dasselbe je nach Lust und Laune der Redaktion mehrmals ausdrücklich nicht und dann rückwirkend plötzlich doch), wurde bereits hier dokumentiert (--> Willkür). Ebenso, dass der Ethikrat ein sehr eigenartiges Verständnis von angeblich illegalen Äusserungen hat, die er leider zensieren müsse, dokumentiert hier (--> Tatbeweis).

Dass es laut Deutschem Ethikrat angeblich einen zensurwürdigen Verstoss gegen die Nutzungsbedingungen bzw. gar einen Straftatbestand darstelle (--> § 185 StGB ("Beleidigungen") sowie § 187 StGB ("Verleumdungen")), wenn ETEKAR als Betroffene von Genitalverstümmelungen im Kleinkindesalter Genitalabschneider als "medizynische[s] Gesocks" bezeichnet, während Nicht-Betroffene die Verstümmler auf dem "Diskurs" ungehindert u.a. als "KINDERSCHÄNDER" bezeichnen dürfen, illustriert einmal mehr die Voreingenommenheit des Deutschen Ethikrates gegenüber den Opfern.

Fortsetzung folgt ...

>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer
 

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

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>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

Friday 22 July 2011

"Intersexualität und die Folgen: Nicht einfach wegoperierbar" - taz 22.7.11

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>>> Typisch vereinnahmender und verharmlosender Artikel über die Ethikrat-Anhörung vom 8.6.11 in der heutigen taz von Ulrike Baureithel, die unverdrossen der TäterInnenspache fröhnt ("chirurgische Korrekturen"), einmal mehr John Money unbelegt und unhinterfragt als "verantwortlichen" Sündenbock anführt und auch sonst hemmungslos von ihrem Privileg Gebrauch macht, offensichtlich noch nie um die Unversehrtheit ihrer eigenen Genitalien gefürchtet haben zu müssen.

Nicht nur werden die heute noch (auch in Berlin) täglich durchgeführten Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken bequemerweise hinwegerklärt, da sie laut taz angeblich entweder seit 30 Jahren gar nicht mehr stattfinden, oder falls evtl. doch noch, dann heute wohl nur noch ganz, ganz selten:

"Bis in die achtziger Jahre wurden uneindeutige genitale, chromosomale oder gonadische Geschlechtsmerkmale meist schon in frühester Kindheit chirurgisch angepasst", heisst es im etwa im dazugehörigen Kasten, sowie "Ärzte heute erheblich zurückhaltender mit chirurgischen Korrekturen" im Artikel selbst. Die GenitalabschneiderInnen u.a. in der Charité (--> Heiko Krude) und ihre GehilfInnen im Senat (--> Drucks. 16 / 14436) freut's ...

Quellenangaben für diese vollmundigen Behauptungen werden wenig überraschend keine geliefert – laut der aktuell weltweit grössten Erhebung der TäterInnen selbst von 2007 werden bekanntlich in Deutschland, Österreich und in der Schweiz heute noch unverändert 90% aller bedrohten Kinder und Jugendlichen durchschnittlich mehrfach genitalverstümmelt.

Statt um solche unpassenden Details geht's in gewohnter taz-Manier hauptsächlich mal wieder stets um das eine, sprich das "Dilemma [...] der bipolaren Geschlechterordnung" und das unvermeidlich daraus resultierende Leiden am "Personenstand". Dass als Beleg für Letzteres dann noch ohne Namensnennung ein Zitat von Daniela "Nella" Truffer hinzugezogen wird ("plötzlich etwas aus der Rolle fällt und von ihren Gefühlen spricht, wenn sie auf ihrem chirurgisch verstümmelten Mikropenis herumrutscht und sich anhören muss, wie man ihren Personenstand rechtlich einholt und ordentlich dokumentiert"), während Nella sich in Tat und Wahrheit im Gegenteil über diese dauernde Vereinnahmung durch privilegierte Nicht-Verstümmelte beschwerte – wen wundert's?

Das ganze Originalzitat lautet übrigens (>>> PDF-Protokoll S. 58):

Daniela Truffer [Zwischengeschlecht.org]: Es geht hier um die Lebensqualität von intersexuellen Menschen. Ich sitze hier auf meinem zerfetzten Mikropenis und was davon übrig geblieben ist, und seit über einer halben Stunde geht es um Eherecht, Homoehe, Frauenfragen, Steuertarife, Aufhebung des Geschlechtseintrags. Das ist alles, was ich zu dem Thema noch sagen möchte. Ich habe keine Lust, noch etwas zum Thema Personenstand zu sagen, wo es doch um das Thema Lebensqualität von Zwittern geht. Genitalverstümmelungen stehen für mich an erster Stelle.

Keine Erwähnung im ganzen Artikel übrigens auch davon, dass an der Ethikrat-Anhörung einmal mehr die TäterInnen & Co. als "ExpertInnen" in eigener Sache mit Abstand am besten vertreten waren ...

Wären nur schon ein paar wenige von diesen ewigen VereinnahmerInnen bei der taz und anderswo zur Abwechslung mal an den eigenen Geschlechtsteilen in einer Kinderklinik etwas genitalverstümmelt worden, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Perspektiven – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 19.7.11) (IV)

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000 

Thursday 21 July 2011

Deutscher Ethikrat: Privilegien für Täter, Zensur für Opfer

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org vom 21.7.11

Siehe auch:
- Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs (I)
- Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV)
- Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

Prof. Dr. Hans Naujoks: "Seit 1934 rassistisch motivierte medizinische Operationen an intersexuellen Menschen" (Dt. Ethikrat, 19.7.11) (V)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 19.7.11) (IV) 
 

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken! Zum Beispiel Prof. Dr. Hans Christian Naujoks – deutscher Genitalabschneider mit "lückenloser" Karriere und Wirkung

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.07.2011 
>>> Dementi Deutscher Ethikrat (19.7.11)

 
a) vor 1945:

1925 Privatdozent Universität Königsberg
1925 Buchpublikation: "Das Problem der temporären Sterilisierung der Frau"
1926 Oberarzt Philipps-Universität Marburg
1929 außerordentlicher Professor Philipps-Universität Marburg
1933 Mitglied NSDAP, Mitglied SA, Fördermitglied SS, usw.
1933 Publikation: "Operative und hormonale Therapie bei Hermaphroditismus verus", in: "Archiv für Gynäkologie" Nr. 1156/1-2, S. 93-99
1934 Publikation: "Über echte Zwitterbildung beim Menschen und ihre Beeinflussung", in: "Zeitschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie" Nr. 109/2, S. 135-161
1934 historische erste "rassistisch motivierte" kosmetische Genitalamputation an "intersexuellem Menschen" in Deutschland, kombiniert mit experimenteller hormoneller Fertilisierungsbehandlung

1934 ordentlicher Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe Universität Köln, Leiter Uni-Frauenklinik
1934 Buchpublikation (zusammen mit Hans Werner Boeminghaus): "Die Technik der Sterilisierung und Kastration"
1934 Mitarbeiter Rassenpolitisches Amt, Beteiligung an Zwangssterilisationen
1936 Schriftleiter Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie (= die heutige DGGG)
1939 Herausgeber "Geburtshilfe und Frauenheilkunde" (Publikation der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie = die heutige DGGG)

(Quellen: vom Ethikrat zensurierte Kommentare von ETEKAR Nr. 73 / Nr. 98 / Nr. 99 / Nr. 129; Ernst Klee: "Deutsche Medizin im 3. Reich. Karrieren vor und nach 1945", S. 282)

Dementi des Deutschen Ethikrates (19.7.11): "Verbindungslinie zur heute gängigen Praxis in der Bundesrepublik unzulässig"

Probe aufs Exempel:

Prof. Dr. Hans Christian Naujoks – deutscher Genitalabschneider mit "lückenloser" Karriere und Wirkung

b) nach 1945:

1945 Persilschein Nr. 1: "Er hat, wie viele Akademiker, einen hemmenden Einfluß auf die radikalen Pläne und Wünsche gewisser Parteistellen und Parteimitglieder ausgeübt"
1945 Ordinarius Universität Marburg
1946 Persilschein Nr. 2: "Die Kölner Medizinische Fakultät hat im 3. Reich die alte akademische Tradition vollkommen aufrecht erhalten und nur nach sachlichen Gesichtspunkten gehandelt"
1947 Ordinarius Universität Frankfurt a.M.
1956 Präsident Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie (= die heutige DGGG)
1957 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1959 Der Genitalamputierer stirbt, seine "Errungenschaft" lebt weiter: Bis in die 1980er Jahre werden in allen Kliniken, in denen Naujoks "wirkte", wehrlose Zwitterkinder genitalamputiert – "modernere" Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern mit "auffälligen" Genitalien sind in ganz Deutschland in Kinderkliniken auch heute noch tägliche Realität
1996 ehrende Erwähnung von Naujoks historischer erster Genitalamputation an einem "Intersexuellen" von 1934 in der Dissertation von Dominik Leitsch: "Die Intersexualität, Diagnostik und Therapie aus kinderchirurgischer Sicht" (Universität Köln)
2006 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) übernimmt die AWMF-Leitlinie 043/029 "Störungen der sexuellen Differenzierung" (niedrigste Evidenzstufe S1), die ungebrochen Genitalverstümmelungen an "gestörten" Kleinkindern propagiert
2011 zensuriert der Deutsche Ethikrat auf re-traumatisierende Art und Weise sämtliche Hinweise auf Naujoks Karriere und Wirkung in sämtlichen Kommentaren von ETEKAR, eine Betroffene der von Naujoks 1934 in Deutschland eingeführten "rassistischen Intersex-Behandlungsmethode"

(Quellen: vom Ethikrat zensurierte Kommentare von ETEKAR Nr. 73 / Nr. 98 / Nr. 99 / Nr. 129; Ernst Klee: "Deutsche Medizin im 3. Reich. Karrieren vor und nach 1945", S. 282 u. 318f.)

Dementi des Deutschen Ethikrates (19.7.11): "bislang kein registrierter Nutzer und schon gar keine „Benutzergruppe“ ausgeschlossen"

Kommentare von Nutzer_innen dazu:

"Es gibt wohl nur wenige Menschen, die überhaupt nach solchen (Gewalt)Erfahrungen und nachdem man ihnen ständig das Selbstwertgefühl genommen hat, noch zu sich selbst stehen können. Geschweige denn [...] mit Selbstbewusstsein, Humor und Fantasie die Rolle auf sich nehmen, in der Gesellschaft das Schweigen sichtbar und als Erste zu durchbrechen… [...] Zum Sichtbarer werden gehört auch, dass die stille Scham erst in Wut umschlagen kann. [...]" (Kommentar Nr. 284 von Simon Zobel, 15.7.2011)

"Wenn Sie Betroffene, dies sind die Einzigen, die wirklich Bescheid wissen, in den Hintergrund drängen und ihnen nicht genügend zuhören, machen sie den entscheidenden Fehler! [...] Analog zum Thema Mißbrauch bei Kindern hat man leider den Eindruck, dass bei allen Beteuerungen die körperlich geschädigten Betroffenen nicht im Vordergrund stehen! [...] Die Betroffenen (statt Professoren und Ärzten) in den Mittelpunkt zu stellen, das würde ich als ethisch geboten ansehen." (Kommentar Nr. 288 von ab, 16.7.2011)

"Es wird nichts nutzen, wenn hier wütende und verzweifelte Postings zu löschen, denn es sind viele Menschen auf dem Weg und werden die Wahrheit aufarbeiten. Ich bitte den Ehtikrat die Forderung nach der Aufarbeitung der Wahrheit über die den Irrweg, den die Bundesrepublik hier zugelassen hat, zu beenden." (Kommentar Nr. 289 von Lucie G. Veith, 16.7.2011)

Dementi des Deutschen Ethikrates (19.7.11): "Auf der Seite des Online-Diskurs’ finden keine willkürlichen Ausschlüsse und auch keine Zensur statt."

Proben aufs Exempel:

a) Willkür:

Beispiel 1:

3x protestierte Daniela "Nella" Truffer dagegen, dass mit ETEKAR eine Betroffene von Genitalverstümmelung im Kleinkindalter, die laut sagte, was viele andere nur verschämt denken, im Ethikrat-Online-"Diskurs" als "Benutzer zweiter Klasse" gedemütigt und ETEKAR das direkte Kommentieren verweigert wurde, und beantragte, aus Solidarität mit ETEKAR ebenfalls das Recht auf direktes Kommentieren entzogen zu bekommen (Kommentar Nr. 223 vom 8.7.11 / Kommentar Nr. 227 vom 9.7.11 / Kommentar Nr. 228 vom 9.7.11).
Die Ethikrats-Redaktion entgegnete darauf, dies sei nicht möglich, "da Sie nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen haben". (Kommentar Nr. 232 vom 9.7.11)

Als Daniela "Nella" Truffer dieselbe Forderung mit identischem Wortlaut "Benutzer zweiter Klasse" ein 4. Mal stellte (Kommentar Nr. 236 vom 10.7.11), nimmt die Ethikrat-Redaktion dies als Anlass, ihr genau dieselben Worte ab sofort rückwirkend als "wiederholter Verstoß gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen" vorzuwerfen sowie als "beleidigend" (Kommentar Nr. 247 vom 11.7.11). Klassischer geht's wohl kaum ... Dass die Redaktion obendrein mit dieser Floskel eine rückwirkende Löschung praktisch aller Kommentare der betreffenden Nutzer_innen ankündigt, hat sie bekanntlich schon am Beispiel ETEKARs vorexerziert.

Beispiel 2:

Anmerkung der Redaktion des Deutschen Ethikrates vom 11.7.11: "Sollten weitere Fragen zum redaktionellen Vorgehen bestehen, bitten wir diese an die Redaktion persönlich zu schicken."
Dementi Deutscher Ethikrat vom 19.7.11
: "Auf weitere Nachrichten des Nutzers an die Redaktion wurde seither nicht mehr reagiert." Öhm, ausser natürlich mit umgehender Löschung praktisch aller Kommentare ...

Beispiel 3:

Dementi-Lüge Deutscher Ethikrat, 19.7.11: "Der Nutzer selbst hat [...] mitgeteilt, dass er sich nicht weiter am Dialog beteiligen wollte und dies auch im Online-Diskurs durch einen entsprechenden Kommentar dokumentiert."
Tatsächlich wehrte sich ETEKAR in ihrem letzten Kommentar Nr. 218 auf dem Ethikrat-"Diskurs" explizit gegen die (Vor-)Zensur durch den Ethikrat. Und in ihrem zweitletzten, vom Ethikrat spurlos zensierten Kommentar Nr. 217 wehrte sie sich ebenfalls gegen das Unrecht, von der Ethikrat-Redaktion "als Kind" behandelt zu werden.
In mehreren diesem Blog vorliegenden Mails an den Ethikrat (= die vom Ethikrat "unbeantwortet" gebliebenen "Nachrichten" aus obigem Beispiel 2) beschwerte sich ETEKAR wiederholt gegen die Zensur, monierte explizit die Missachtung ihres Rechts auf freie Meinungsäusserung und verlangte jedes Mal ihr gutes Recht auf zensurfreies, ungehindertes kommentieren. (Worauf der Ethikrat ungehend rückwirkend praktisch alle Kommentare von ETEKAR löschte.) Dass der Ethikrat öffentlich das Gegenteil behauptet im Wissen, dass seine Lügen dank Zensur und mangelnder Quellenangabe im Dunkeln bleiben, sagt wohl alles ...

Beispiel 4:

"@Redaktion : [...] Es steht Ihnen nicht zu bei intersexuellen Genitalien von Fehlbildungen zu sprechen. Sie disqualifizieren sich als neutrale Vermittler. So geht es nicht! [...] Wenn Sie wert auf einen Dialog legen, sollten Sie ihre Vorgehensweise dringend überdenken. Sie müssen sich nicht wundern, wenn hier die Menschen nicht mehr schreiben mögen." (Kommentar Nr. 258 von Lucie G. Veith, 12.7.2011)

b) Zensur:

Beispiel 1:

Am 14.7.11 vom Ethikrat zensurierter Hinweis auf Beschreibung des "intersexuellen Konstitutionstypus" im "Lehrbuch der Frauenheilkunde" (Wilhelm Weibel, 7. Aufl., Berlin/Wien 1944 S. 647f.):

“Der Intersex-Typus  ( M a n n w e i b ,  S c h i z o i d )  (Abb. 863) ist körperlich und psychisch ausgedrückt. Es kommen auch sexuelle Zwischenstufen vor, wobei feminine Zeichen nur schwach ausgebildet sind. Die Behaarung ist übermäßig und atypisch, die Züge sind männlich, die Stimme ist tief. Die Pubertät tritt verzögert auf, es besteht Frigidität und eine herabgesetzte Fruchtbarkeit bei Hypoplasie der Keimdrüsen und Hyperfunktion der Hypophyse, manchmal ein eunuchoider Hochwuchs, ferner Störungen in der Funktion der Thyreoidea. Häufig wird Dysmenorrhöe beobachtet”

(Quelle: Zensurierter Kommentar Nr. 129 von ETEKAR, 24.6.11)

Beispiele 2-17: 

>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 19.7.11)

Sonst noch Fragen?

>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 19.7.11) (IV)  

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

Siehe auch:
- Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000 

Tuesday 19 July 2011

Updates: WM 2011 - FIFA diskriminiert als Zwitter Verdächtigte (II)

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>>> Frauenfussball WM 2011: FIFA diskriminiert als Zwitter Verdächtigte (I)

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion

Aktualitätshalber leider erst jetzt ein Überblick über einige weitere Berichte über das menschenrechtswidrige Vorgehen des Fussballweltverbandes FIFA & Co. betreffend des intransparenten Ausschlusses der äquatorialguneanischen Fussballgeschwister Salimata und Biliguisa Simpore und der Schikanen gegen ihre Teamkollegin Genoveva Anonma, die wohl ebenfalls kurzerhand an der Teilnahme gehindert worden wäre, hätte sie nicht zufällig einen Vertrag mit einem deutschen Club in der Tasche.

Wäre Äquatorialguiniea weitergekommen oder hätte gar gewonnen, wäre leider zu befürchten gewesen, dass die medialen Verunglimpfungen ein noch grösseres Ausmass angenommen hätten. Dass die Mannschaft so früh ausschied, hatte jedoch wiederum wohl nicht zuletzt damit zu tun, dass mit Salimata und Biliguisa Simpore zwei der stärksten Spielerinnen fehlten und auf Captain Genoveva Anonma aufgrund der verletzenden Unterstellungen, gegen die FIFA zu keinem Zeitpunkt je etwas unternahm, zusätzlicher massiver Druck lastete.

>>> Interview vom 24.6.11 auf Radio Dreyeckland mit Markus Bauer a.k.a. yours truly über die Ausschlüsse zum nachhören/herunterladen. Nella meint, es sei nicht schlecht geworden, der Schluss sogar gut ;-).

>>> Interview mit Genoveva Anonma vom 29.6.11 in Die Zeit. Anonma berichtet, wie sie und die Geschwister Simpore unter den von GegenerInnen und der Weltpresse ständig kolportierten Gerüchte und Unterstellungen leiden, und dass Salimata Simpore letztlich deshalb nicht teilnehmen konnte, weil sie es nicht mehr aushielt, sich in Afrika vor jedem Spiel auf Verlangen ihrer Konkurrentinnen nackt auszuziehen:

Salimata hat unter den Unterstellungen sehr gelitten. Und Kamerun hat ihr immer besonders viele Schwierigkeiten gemacht. Es sind nicht nur die Dinge, die die Leute über sie sagten. Sie müssen sich vorstellen, was es bedeutet, sich vor praktisch jedem internationalen Spiel nackt zeigen zu müssen. Es gab Mannschaften, die sich geweigert haben, gegen uns zu spielen, wenn sie sich nicht vorher entblößt hätte. Das macht einen fertig. Es ist nicht leicht, so Fußball zu spielen. [...] Salimata leidet sehr darunter, nicht bei der WM spielen zu können.

Und hält weiter fest:

Aber um so etwas muss sich eigentlich die Fifa kümmern. Normal ist es jedenfalls nicht, Spielerinnen auf diese Weise zu beschädigen, nur weil sie anderen vielleicht überlegen sind. Solche Beschuldigungen zu erheben, ist ziemlich einfach. Und natürlich erfüllen sie ihren Zweck, die Spielerinnen zu erniedrigen. [...] [Dass mein Name in den Medien vor allem mit den geschlechtsbezogegen Unterstellungen verknüft wird] stört mich sehr. Ich möchte nicht, dass mein Name in den Schmutz gezogen wird. Wenn man mich testen möchte, bitte sehr. Aber die Art, wie über mich berichtet wird, gefällt mir gar nicht. Die Leute erzählen Dinge über mich, obwohl sie keine Ahnung haben. [...] Würden meine Eltern davon erfahren, würde sie das sehr belasten. [...] oft fühle ich mich mit diesen Angriffen auch allein. Diese Dummheiten ärgern mich. Deswegen spreche ich auch ungern darüber. Ich versuche, nicht einmal daran zu denken. [...] ich überlege, mir einen Anwalt zu nehmen, wenn dieser Unfug nicht aufhört.

Dass, worauf u.a. ein >>> Artikel in der Berliner Zeitung vom 30.6.11 hinwies, die FIFA den Namen von Genoveva Anonma konsequent und beleidigend falsch schrieb mit einem zusätzlichen N am Schluss ("Anonman" = ein Nicht-Mann), ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

In einem >>> Kommentar vom 6.7.11 in Die Zeit fordert Anna Gauto verdankenswerterweise: "Die Fifa sieht nur zu, sollte aber endlich eingreifen." Und weiter:

Dass die Presse ihre Schlüsse zieht, ist das eine, was die Fifa (nicht) macht, das andere. Obwohl das vor der WM erlassene Fifa-Reglement für den Geschlechtstest zum Schutz der Spieler Sanktionen bei unbegründeten Verdächtigungen vorsieht, agiert der Verband passiv. Doch die Fifa sollte den Behauptungen nachgehen. Wenn sie sich als haltlos erweisen, muss das konsequenterweise Folgen haben.  [...] Bislang überträgt der Weltfußballverband die Verantwortung, das Geschlecht der Spieler zu bestimmen, den Nationalverbänden und deren Teamärzten. [...] Genau dieser Mechanismus aber schafft Raum für Missbrauch und Spekulationen. [...] Die Fifa-Regeln für den Geschlechtstest sollen faire Wettbewerbsbedingungen sicherstellen und gleichzeitig die Würde und Privatsphäre der Sportler und Sportlerinnen schützen. Salimata Simpore musste sich vor internationalen Spielen in Afrika entblößen, weil die Gegner an ihrem Geschlecht zweifelten. Solch entwürdigende Praktiken sollte die Fifa künftig unterbinden.

Einer der wenigen innerhalb des WM-Zirkus, der sich in den Medien für Fairness gegenüber den verunglimpften Spielerinnen einsetzte und die FIFA für ihre Unterlassungen deutlich kritisierte, war der australische Trainer Tom Sermanni. In einer >>> englischsprachigen AP-Meldung vom 26.6.11 mit dem Titel "Rote Karte für FIFA in Geschlechterskandal" hatte er (vergeblich) von der FIFA gefordert, dem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten, bevor das Turnier in eine "Parodie von Andeutungen und Gerüchten" ausarte.

>>> Frauenfussball WM 2011: FIFA diskriminiert als Zwitter Verdächtigte (I)

>>> Wegen Caster Semenya: IOC plant neue "Intersex-Regeln" 
>>> IOC / IAAF: Neue "Hyperandrogenismus"-Geschlechterregeln 2011
>>> Zwitter im Sport: IOC, IAAF und FIFA leugnen Verantwortung
>>>
IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09 

Thursday 14 July 2011

Dokumentation der Zensur auf dem Online-"Diskurs" des Deutschen Ethikrates über "Intersexualität" (Stand 25.7.11) (IV)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>>
Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer 
>>> Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 

Menschenrechte auch für Zwitter!

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat der Deutsche Ethikrat am 13.07.2011 praktisch alle Kommentare von ETEKAR gelöscht. Obwohl diese Kommentare vorher teilweise völlig unbeanstandet über Wochen dortstanden und eine Vielzahl anderer Benutzer_innen sich in eigenen Kommentaren positiv darauf bezogen hatten – Bezüge, die nun ebenfalls der Zensur zum Opfer fielen.

Diese neueste Zensur-Attacke unterstreicht einmal mehr das intransparente und willkürliche Vorgehen des Deutschen Ethikrates, der es offensichtlich duldet, dass kritische Betroffene von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken in seinem "Diskurs"verfahren aufs Neue bevormundet und durch Schweigegebote gedemütigt, erniedrigt und entwürdigt werden, während gleichzeitig Medizyner ihre Opfer ungehindert einmal mehr verhöhnen und verletzen dürfen.

Dass obendrein im Ethikrat-"Diskurs" jegliche kritische Hinterfragung der Bezüge zwischen NS-MedizynverbrecherInnen und den heutigen GenitalabschneiderInnen mit einem Tabu belegt wird und entsprechende Belege gelöscht werden, während gleichzeitig die Ethikrat-Redaktion ungehindert "jüdische Sexualwissenschaftler" diffamieren und tatsachenwidrig als UrheberInnen der Verstümmelungen verleumden darf – ein Schelm, wem dazu historische Parallelen in den Sinn kommen ...

Dieser Blog verurteilt das unhaltbare und grundgesetzwidrige Verhalten des Deutschen Ethikrates und sagt JA zur ungehinderten Suche nach der ungeschminkten ganzen Wahrheit und NEIN zu Willkür und Zensur.

Zwischengeschlecht.info dokumentiert deshalb nachfolgend alle bisher bekannt gewordenen 14 17 21 zensierten Kommentare. (Falls uns weitere entgangen sein sollten, sind sachdienliche Hinweise erbeten.)

Nachtrag 19.7.11: Wie uns mitgeteilt wurde, hatten wir offenbar 3 zensierte Kommentare übersehen (Nrn. 133, 137 u. 201), diese sind nun nachgetragen. Danke für den Hinweis!

Nachtrag 25.7.11: Bei weiteren Recherchen stiessen wir auf 4 weitere zensierte Kommentare (Nrn. 176, 188, 189 u. 192), bei denen (wie schon bei anderen auch) perfiderweise sogar ETEKARs Autorenangebe gelöscht bzw. durch "Redaktion" ersetzt wurde.

Dokumentation der vom Deutschen Ethikrat zensierten Kommentare:
Nr. 73 / Nr. 98 / Nr. 99 / Nr. 102 / Nr. 129 / Nr. 130 / Nr. 133 / Nr. 137 / Nr. 176 / Nr. 177 / Nr. 188 / Nr. 189 / Nr. 190 / Nr. 192 / Nr. 197 / Nr. 198 / Nr. 199 / Nr. 200 / Nr. 201 / Nr. 214 / Nr. 217

>>>
Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
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Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer 
>>> Zensur im Ethikrat-Online-"Diskurs": 4 weitere Fälle dokumentiert (VI) 

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011  

Tuesday 12 July 2011

Freie Meinungsäusserung à la Deutscher Ethikrat: "Willigen Sie in folgende Verstümmelung ihrer Äusserung ein, oder ziehen Sie Ihre Meinung lieber gleich freiwillig ganz zurück?" (III)

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>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR "Wir sind keine Kinder,
       auch wenn Sie uns so behandeln!" (II)

 
Von:
[Redaktion Ethikrat]
Gesendet: 08.07.2011 12:19:57
An: [ETEKAR]
Betreff: Ihre Kommentare von gestern | Online-Diskurs Intersexualität

wir haben drei Ihrer gestern abgegebenen Kommentare nun freigeschaltet. Bezüglich des letzten noch nicht freigeschalteten Kommentars kontaktieren wir Sie, um abzuklären, ob wir den Kommentar, wie unten aufgeführt, abgeändert veröffentlichen sollen oder, ob Sie die Veröffentlichung des Kommentars dann zurückziehen möchten. Leider können wir den Kommentar in seiner ursprünglichen Form nicht online stellen, weil nicht deutlich wird für wen Sie sprechen, wenn Sie von "wir" sprechen. Wenn Sie sich von der Redaktion wie ein Kind behandelt fühlen, sind wir durchaus bereit Ihren Kommentar in unten stehender Form auf die Diskurs-Seite zu stellen.
Wir bitten um Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion
 
Sehr geehrte Redation des Deutschen Ethikrates,
ich bin kein Kind, auch wenn Sie mich so behandeln!
 

«Am I a Body Fascist?» Seelenlos, 2006Meine 2 Cent:

Es gibt Dinge, die sind so unglaublich, dass sie nur real sein können. Und jedesmal, wenn du glaubst, niedriger ginge nun ganz bestimmt nicht mehr, wirst du wohl bald eines Besseren belehrt. Dies zumindest mein persönliches Fazit als bescheidener solidarischer Nicht-Zwitter betreffend dem aktuellen Stand im Ethikrat-Online-"Diskurs" über "Intersexualität".

Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken ist bekanntlich weder ein erhebendes Thema noch sonst irgendwie belustigend – wie wohl jede_r bestätigen kann, der_dem sowas selber angetan wurde, oder der_die Überlebende persönlich kennt. Um sich damit fortgesetzt auseinanderzusetzen brauchen Überlebende schier übermenschliche Mengen an Mut und Kraft, die viele Nicht-Betroffene sich wohl gar nicht vorstellen können. Nur die wenigsten Betroffenen schaffen das mehrere Jahre, geschweige denn länger. Noch als solidarischer Nicht-Zwitter braucht mensch ziemlich Nerven, weil irgendwann tut es einfach zu sehr weh und mensch möchte eigentlich lieber nicht mehr länger hinschauen.

Überlebende Zwitter, die hinstehen und das ihnen angetane Unrecht den TäterInnen & Co. ins Gesicht schleudern und nicht davor zurückschrecken, dabei konkret zu werden und notfalls auch unbotmässig, gehören zu den tapfersten Menschen, die jemals über diese Erde wandelten.

Wer sich nicht vorstellen kann, warum, lese zum Beispiel Michel Reiters bahnbrechenden >>> Vortrag am Kongress der "european federation of sexology (efs)" vom 30.06.2000, Nellas Redebeiträge zur >>> 5. Jahresversammlung des "Netzwerk DSD/Intersexualität" vom 06.09.2008 oder >>> vor angehenden MedizinerInnen am 09.11.2010, oder die Lebensbeschreibungen von >>> Katrin Ann Kunze † oder >>> Christiane Völling

Eine der Tapfersten dieser Tapferen ist ETEKAR, wie sie sich im Ethikrat-Online-"Diskurs" nannte. >>> ETEKARs Kommentar zur Strafbarkeit der Genitalverstümmelungen und ihr >>> Kommentar über Nazi-Genitalabschneider gehören zumindest meiner bescheidenen Meinung nach zu den besten und relevantesten Statements während des ganzen öffentlichen Ethikrat-"Diskurses" überhaupt.

Dass ETEKAR immer noch die Kraft findet, hinzustehen und laut zu schreiben, was viele andere nur verschämt denken, nach all den Jahren, den Demütigungen, den Entwürdigungen, den Erniedrigungen und all den körperlichen und seelischen Folterqualen, die ihr angetan wurden nicht nur von gewissenlosen Medizynern in ihrer Kindheit und Jugend und später vom "Netzwerk Intersexualität/DSD", sondern auch von weniger tapferen Mit-Zwittern mit einer ungesunden Dosis Stockholm im Hirn in den sogenannten Selbsthilfegruppen und von ebensolchen Eltern mit zusätzlich offensichtlich nicht den besten aller Gewissen ebendort, kann ich nur bewundern.

Was nun die geistig, moralisch, menschlich und ethisch herausgeforderten Mietsklaven der so genannten "Redaktion des Deutschen Ethikrates" sich einbilden, wie sie mit ETEKAR herumspringen könnten und sie noch weiter erniedrigen, demütigen und entwürdigen, nur weil sie denken, sie hätten die Macht dazu und mit ETEKAR könnten sie's ja machen, ist sowas von feige und durchtränkt vom Privileg der unreflektierten Selbstverständlichkeit, nie um die Unversehrtheit der eigenen Lustorgane gefürchtet haben zu müssen, dass es eigentlich nur Hohn und Verachtung wert wäre.

Ausser, dass ich mir leider vorstellen kann, dass es ETEKAR, die unzweifelhaft schon mehr durchgemacht hat als die verlogene, feige und korrupte Ethikrat-Redaktion und ihre Medizyner-Leinenhalter zusammen, trotzdem auch heute immer noch genau gleich weh tut, von selbstgerechten SpeichelleckerInnen gedemütigt und erniedrigt zu werden, schlimmer noch, dass solche Misshandlung jedesmal die früheren Entwürdigungen und Erniedrigungen und Schmerzen wieder hochkommen lässt. Und dass ich mir weiter denken kann, dass auch die scheinheilige Ethikrat-Redaktion selbst nur zu genau weiss, was sie ETEKAR antun. Und es trotzdem nicht lassen, oder nicht lassen können, oder noch schlimmer.

Wir sind alle nur Menschen, aber eins weiss ich: ETEKAR ist mehr Mensch und ein besserer Mensch als alle, die sie je peinigten.

Fortsetzung folgt ...

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II) 
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV)   
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

Siehe auch:

- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday 10 July 2011

Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR "Wir sind keine Kinder, auch wenn Sie uns so behandeln!" + UPDATES (II)

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>>> Nachträge 1 + 2

Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität", hatte dieser Blog im letzten Post halb ironisch getitelt, um auf die Praxis hinzuweisen, wie kritische Betroffene von der Ethikrat-Redaktion ausgesondert und zu unmündig gemachten Benutzer_innen 2. Klasse degradiert werden – offensichtlich um sie zu demütigen, einzuschüchtern und letztlich zum Verstummen zu bringen.

Wie ETEKAR mittlerweile in einer Mail an Nella mitteilte, liess der Ethikrat es jedoch nicht bei dieser "Zensur light" bewenden, sondern löschte zusätzlich kurzerhand folgenden Kommentar, den ETEKAR zur Sicherheit ausgedruckt hatte, als sie sah, dass er nicht freigegeben wurde:

ETEKAR sagt: Dein Kommentar muss noch moderiert werden. 7. Juli um 20:13. Sehr geehrte Redaktion des Deustchen Ethikrates, wir sind keine Kinder, auch wenn Sie uns so behandeln!Dieser Kommentar befand sich unmittelbar vor diesem letzten Kommentar von ETEKAR "in der Warteschleife", wie es die Ethikrat-Redaktion nennt - und wenn er nicht gelöscht wurde, so befindet er sich dort wohl noch heute ...

Dies entgegen dem ausdrücklichen Versprechen der Ethikrat-Redaktion, "gelöscht" würde wenn überhaupt, dann ausschliesslich "transparent und in Rücksprache mit der betroffenen Person partiell[e] Stellen". Scheinheiliger noch, zum Zeitpunkt, als "Zur Klärung" dieses Versprechen abgegeben wurde, war der obige Kommentar längst klammheimlich zum Verschwinden gebracht.

Meine 2 Cent:

Machen wir uns nichts vor, ein "bisschen Zensur" gibt's ebensowenig wie ein "bisschen gelogen", ein "bisschen Folter" oder ein "bisschen Verstümmelung", und wer einmal mit solchen Praktiken anfängt, wird es selten lange bei der "Light-Version" bewenden lassen - wie sich offensichtlich gerade einmal wieder zeigte.

Doch keine Bange, bestimmt wird der Ethikrat auch diesmal wieder eine superoriginelle Ausrede auf Lager haben à la "Ihr Kommentar wurde versehentlich vom System amputiert, zerstückelt und in den Mülleimer verschoben. Wir bitten dies zu entschuldigen".

Zwitter und ihre Organisationen sind ja soo genügsam und um jeden Brosamen so unendlich froh, die liessen sich ja schon vom BMBF-finanzierten Medizyner-"Netzwerk Intersexualität/DSD" stets aufs neue widerspruchslos über den Tisch ziehen und waren am Schluss sogar noch dankbar dafür.

Und sollten sich ausnahmsweise trotzdem irgendwelche durchgeknallten Kampfzwitter doch nicht einfach so abspeisen lassen wollen wie wehrlose Kinder, schaltet "das System" eh automatisch um auf Zensur 2.0 ...

Während gleichzeitig weiterhin allein in Deutschland JEDEN TAG in einer Kinderklinik mindestens 1 wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt wird.

Wie lange noch?!

Nachtrag 1: Auf Nachfrage vom 10.7.11 von Daniela "Nella" Truffer bestätigte die Ethikrat-Redaktion gleichentags, den Kommentar von ETEKAR zurückbehalten zu haben, da ETEKAR sich geweigert habe, eine nicht näher umschriebene "Abänderung der Redaktion" zu akzeptieren, was die Redaktion offenbar als Bedingung zur Veröffentlichung gemacht hatte. Zusätzlich kündigte die Redaktion zu Nellas Fragen "bald weitere Informationen" an. Von ETEKAR kam dazu bisher keine weitere Stellungnahme.

Nachtrag 2: Während die Ethikrat-Redaktion am 9.7.11 noch festhielt, Nella habe "nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen", änderte die Redaktion am 10.7.11 ihre Meinung (nach lediglich 1 weiteren Kommentar von Nella dazwischen) plötzlich dahingehend, Nella habe "wiederholt ... gegen die Nutzungsbedingungen ... verstoßen". Nellas Rückantwort auf diese Beschuldigung:

Ich bitte die Redaktion zu spezifizieren, wann und wo ich “wiederholte Anschuldigungen” an die Redaktion und den Ethikrat getätigt haben soll, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen bzw. “links- und rechtsradikale, pornografische, rassistische, beleidigende, diskriminierende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte” darstellen sollen.

Dieser unbegründete schwerwiegende Vorwurf ist für mich nicht nachvollziehbar und widerspricht zudem Ihrer eigenen Aussage vom 9. Juli 2011 um 12:27.

Meine 2 Cent so far: Längst erinnert das Ganze peinlich an eine Sandkastenkomödie, die mensch schnell einmal versucht sein könnte mit einem Schulterzucken abtun – wenn da nicht der durchaus ernste Hintergrund wäre inkl. einer Vielzahl bisher nach wie vor unbeantwortet gebliebener, durchaus ernsthafter Fragen.

Wie z.B., warum TäterInnen-assoziierte "ExpertInnen" auf allen Ebenen ungerührt und einseitig ihre Sicht der Dinge öffentlich durchdrücken dürfen, ohne Rücksicht darauf, ob dies Überlebende der Zwangsbehandlungen verletzt oder nicht. Während gleichzeitig kritischen Betroffenen im Online-Diskurs offenbar nicht erlaubt sein soll, ungeschminkt öffentlich über ihre Lebensrealität zu berichten und ihre ureigenen Sichtweisen aufzuzeigen.

Kommt dazu, dass die (einseitige) Verteilung der vom Ethikrat bestellten "ExpertInnen" von Anfang an von praktisch allen Betroffenen durchgehend und immer wieder angesprochen und kritisiert wurde. Sowie andrerseits die wiederholt vorgebrachte und von einer Vielzahl von Betroffenen bestätigte Kritik, dass (nicht nur beim Ethikrat) Untergruppen der Betroffenen den öffentlichen Diskurs oft überproportional mit ihren Partikularinteressen dominieren.

Bekanntlich soll das mehrstufige Diskursverfahren dazu dienen, dem Ethikrat "eine solide empirische Basis für seine Stellungnahme" zu ermöglichen. Dazu wäre aber nicht zuletzt notwendig, dass alle Betroffenen frei und ohne Angst vor unbegründeten oder gar willkürlichen Restriktionen auf Gehör hoffen können. Statt dass, wie sich aktuell abzuzeichen scheint, dies ausgerechnet welchen der artikuliertesten Kritiker_innen nach und nach verunmöglicht wird.

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III)
>>> Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV)  
>>> Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Dr. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

Siehe auch:
- Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
- Wie das "Netzwerk Intersexualität/DSD" seine Versprechen bricht
- XY-Frauen Elterngruppe nimmt "EuroDSD"-Zwangsoperateure in Schutz
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000

Saturday 9 July 2011

Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität"

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>>> Nachtrag

Menschenrechte auch für Zwitter!

Was bisher geschah: Auf die Ankündigung der Ethikrat-Redaktion vom 7.7.11 hin, einer ungenannt bleibenden Nutzer_innengruppe – bzw. soweit bisher bekannt ausschliesslich ETEKAR – das Recht auf direktes Kommentieren zu entziehen, bat Daniela "Nella" Truffer gleichentags um mehr Transparenz.

In einer Antwort der Ethikrat-Redaktion vom 8.7.11 monierte diese lediglich erneut pauschal, es sei "wiederholt gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen" worden, und versprach: "Keiner wird unbegründet vom Online-Diskurs Intersexualität ausgeschlossen."

Nellas Rückantwort dazu vom 9.7.11 (siehe unten) blieb – warum auch immer – prompt ebenfalls in der Moderationsschlaufe hängen – ihr darauf Bezug nehmendes PS ironischerweise jedoch nicht (sämtliche Links innerhalb des 1. Kommentars nachträglich hinzugefügt durch Zwischengeschlecht.info):
 

Daniela Truffer sagt:
Dein Kommentar muss noch moderiert werden.
9. Juli 2011 um 00:03

Ich möchte hierzu festhalten:

ETEKAR wird als kritischer Betroffener nicht erlaubt, nach bestem Wissen und Gewissen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen NS-Medizinverbrechern und den Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken zu postulieren und mit Literaturstellen zu belegen zu versuchen. Weil dies nach Auffassung der Redaktion diskriminierend und beleidigend sei und somit gegen die Nutzungsbedingungen verstosse, ebenso weitere Aussagen ETEKARs (und unbenannter weiterer Benutzer), welche die Redaktion bisher im Einzelnen nicht benennen konnte.

Der Redaktion ist es hingegen erlaubt, “jüdische Sexualwissenschaftler” aus dem “Institut für Sexualwissenschaft in Berlin” pauschal für die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken mitverantwortlich zu erklären mit der Begründung, Ludwig Levy-Lenz hätte 1931 die “erste vollständige Operation dieser Art” durchgeführt. Eine offensichtlich tatsachenwidrige Behauptung, welche die Redaktion notabene nirgends konkret zu belegen vermag. Als ETEKAR im Nachgang diesbezüglich sachliche Fragen stellte, blieb ihr die Redaktion bisher jede Antwort schuldig.

Michael Wunder ist es hingegen erlaubt, meine begründete Kritik an seinen Äusserungen pauschal als “feindseelig” abzuqualifizieren. Auf sachliche Fragen dazu blieb auch hier bisher jegliche Antwort aus.

Diversen “Experten” [Hans Christian Wilms + Sonja Rothärmel, vgl. z.B. Simultanmitschrift (PDF) S. 65] ist es hingegen erlaubt, Betroffene zu verletzen und zu beleidigen, indem sie behaupten dürfen, das uns Angetane sei kein Unrecht und “kunstgerechte” Verstümmelungen an wehrlosen Kindern ohne Evidenz seien im Gegenteil das gute Recht von Eltern und Genitalabschneidern, was impliziert, dass trotz allem dokumentierten Leid der Betroffenen auch künftig ungehemmt weiterverstümmelt werden soll.

Mit Verlaub, mich dünkt dies eine reichlich parteiische und einseitige Auffassung davon, was beleidigende und diskriminierende Äusserungen seien und was nicht.

Ich möchte die Redaktion deshalb nochmals bitten, konkret offenzulegen, welche Benutzer wo überall gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen haben sollen, und dies auch hinreichend sachlich zu begründen.

Andernfalls bitte ich die Redaktion, mich aus Solidarität mit ETEKAR ebenfalls in die Gruppe der unmündig gemachten Benutzer zweiter Klasse einzuteilen, da ich mich ansonsten nicht mehr in der Lage sehe, zu diesem Diskurs mit gutem Gewissen noch etwas beizutragen.
 

Daniela Truffer sagt:
9. Juli 2011 um 00:12

PS: Offenbar wurde meiner Bitte um Einteilung in die Gruppe der unmündig gemachten Benutzer zweiter Klasse bereits vorauseilend entsprochen, und ich wurde ungefragt und ohne Vorwarnung vom direkten Kommentieren gesperrt.

PS2: Auch ich wünsche nicht ungefragt geduzt zu werden, danke!
 

Meine 2 Cent:

Was auch immer die Kriterien der Ethikrat-Redaktion sein mögen, direktes Kommentieren zuzulassen oder eben nicht, 2 Dinge scheinen dabei klar: Transparent und offen sind diese Regeln 1. nicht, und 2. anders als in den Nutzungsbedingungen angegeben (dort ist als Ausnahme einzig erwähnt, dass "Kommentare, die HTML-Links enthalten, aus Sicherheitsgründen nicht sofort veröffentlicht werden, sondern zunächst in eine Warteschleife gelangen").

Selbstverständlich steht es dem Ethikrat frei, auf seinem Online-Diskurs-Blog Moderationskritierien nach eigenem Gutdünken festzulegen und durchzusetzen. Nur sollten diese Regeln a) transparent und b) für alle Nutzer dieselben sein. Ausserdem sollten sie c) nicht nur die ureigenen Bedürfnisse und die speziellen Anliegen der (Mit-)TäterInnen inkl. GehilfInnen und RechtsnachfolgerInnen berücksichtigen, sondern ebenso diejenigen ihrer Opfer.

Von allen diesen drei Bedingungen für einen fairen Diskurs, in dem die Betroffenen von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken nicht einfach ein weiteres Mal zum Opfer gemacht werden, ist der Ethikrat derzeit wohl noch ein gutes Stückchen entfernt ...

Nachtrag: Auch der 1. Kommentar wurde inzwischen freigeschaltet, laut Redaktion war er "versehentlich vom System in die Warteschleife geschoben" worden. Antworten auf die sachlichen Fragen gibt's immer noch keine. – Hmmm, in welchem Zusammenhang bloss ist mir sowas neulich schon mal begegnet ...?

>>>
Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)  
>>> Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmeln akzeptieren oder Maulkorb (III) 
>>>
Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (IV) 
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org 19.7.11    >>> Dementi Deutscher Ethikrat
>>>
Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V) 
>>> Deutscher Ethikrat: Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer   

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday 8 July 2011

Buhuh! Böse UNO, perverse Intersexuelle Sex Worker, bekloppte Psychiatrie-Erfahrene und andere linke NGOs machen Deutschland kaputt!

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Kann ein Zwitter Sünde sein?

Der Verein "Intersexuelle Menschen e.V." hat aktuell in deutschen Medienmeldungen Hochkonjunktur. Leider drehen sich alle diese Meldungen nicht etwa um den Kampf gegen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken und weitere Menschenrechtsverletzungen an Zwittern, sondern der Verein dient darin jedesmal und ausschliesslich als prominent aufgemachter Buhmann für Kritik an einem schon letzten Monat publizierten, offenbar nicht nur geglückten Bericht des UN-Ausschusses CESCR, der es tatsächlich wagt, Deutschland als wenig sozial anzuprangern. Obwohl die von der Regierung im Bericht als veraltet und unseriös kritisierten Passagen rein gar nichts mit dem Verein "Intersexuelle Menschen e.V." bzw. dessen ICESCR-Schattenbericht am Hut haben, sondern offenbar allein auf den attac-Schattenbericht zurückzuführen sind, wird der Verein jedesmal prominent zusammen mit wechselnden weiteren offenbar abartigen, bekloppten oder sonstwie gemeingefährlichen NGOs in eine Reihe gestellt und diffamiert. 

Auf den Webseiten der BRD-Staatssender liest sich das dann beispielsweise so:

An dem deutschen Bericht haben neben 18 Experten des UN-Ausschusses über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte auch Nichtregierungsorganisationen mitgearbeitet. Das sind unter anderem der Verein "Intersexuelle Menschen", das "Sex Worker Forum Vienna", der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener und Attac.

Sowie bei der Nachrichtenagentur AFP:

Neben Gutachtern aus Ägypten, Weißrussland, Kamerun, China, Indien und anderen Ländern wirkte auch eine Reihe von Organisationen an dem Bericht mit. Dazu gehören unter anderem das globalisierungskritische Netzwerk Attac, Brot für die Welt, der Bundesverband Psychatrie-Erfahrener oder der Verein Intersexuelle Menschen.

Sowie in Die Welt:

In Anhörungen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Interessengruppen - von Attac über Amnesty International bis zum Bundesverband Psychatrie-Erfahrener und zum Verein Intersexuelle Menschen - verschaffen sich die Gutachter ein ausführliches Bild über das zu bewertende Land. Dabei gibt es für die Beurteilung aber keine UN-weit einheitlichen Standards oder allgemein definierte Maßstäbe, worauf auch das Ministerium hinweist.

Sowie in Der Spiegel:

Auch Nichtregierungsorganisationen wie Attac, der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener und der Verein Intersexuelle Menschen durften in Berichten und Fragestunden ihre Sicht der Dinge schildern. Mit Hilfe dieser Informationen verfasste der Ausschuss dann seinen Bericht.

Sowie in Der Stern:

Die Gutachter hatten sich in Anhörungen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Interessengruppen bereits ein Bild gemacht. Organisationen wie Attac, Amnesty International, der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener und der Verein Intersexuelle Menschen waren darunter.

Meine 2 Cent:

Ganz zufällig gleichzeitig, wie im "Ethikrat-Diskurs" von juristischen ExpertInnen versucht wird, Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken im Zusammenhang mit Entschädigungsforderungen der Betroffenen als rechtmässig einwandfrei weisszuwaschen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt ....

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Thursday 7 July 2011

"Als wären wir zur Strafe hier" - Buchrezension über Gewalt in einem Behindertenheim + "Runder Tisch Heimerziehung (RTH)" fest in TäterInnenhand

Ein weiterer "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus":

>>> Gelungene Rezension von Helmut Jacob über das Buch der HistorikerInnen Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler: "Als wären wir zur Strafe hier". Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung – der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren. Der Clou der Besprechung ist dabei, wie Helmut Jacob den belegten erschreckenden Tatbeständen die Rechtfertigungen und Beschönigungen aus dem "Geleitwort" von Prof. Dr. Dierk Starnitzke gegenüberstellt, seines Zeichens Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und somit quasi heutiger Rechtsnachfolger der seinerzeitigen TäterInnen.

Wer den aktuellen "Intersex"-Diskurs des Deutschen Ethikrates verfolgt, wird dadurch einige Aha-Erlebnisse haben und sich möglicherweise nicht zum ersten Mal fragen, warum eigentlich immer die TäterInnen in der Debatte die längeren Spiesse zugeteilt bekommen, warum stets die einen Bittsteller-, öhm, Opfergruppen gegen die anderen ausgespielt werden sollen und wozu das alles jedesmal sozusagen zwangsläufig führt ...

Dito bei einem ebenfalls >>> gelungenen Update von Helmut Jacob über die Bundestags-Anhörung "Heimerziehung" als Nachfolgeübung des "Runden Tisch Heimerziehung (RTH)", bei dem die TäterInnen & Kompagnons + NachfolgerInnen letztlich unter sich blieben und entgegen einem vorherigen Bundestagsbeschluss den Opfern jegliche finanzielle Entschädigung vorenthalten wollen. Ein Schelm, wer dabei z.B. an entsprechende aktuelle und frühere "JuristInnenexpertisen" zum Thema Entschädigungen beim Ethikrat denkt ...

Siehe auch:
- "Runder Tisch Heimerziehung": Betroffene zum 2. Mal gedemütigt und erpresst - nach altbekanntem Muster ...
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (1) 
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (2)
- Vom Mut der Betroffenen von sexualisierter Gewalt lernen (3)
- Alle Posts zu "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" 

Wednesday 6 July 2011

Anja Gregor: Vortrag zum Thema Intersex-Bewegung, Jena Do 7.7.11 + Rezension zu Caroline Stern: "Intersexualität"

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>>> Nachtrag zur Ankündigung

Geschlecht: Zwangsoperiert

Anja Gregor, die aktuell ihre Doktorarbeit über "Intersexualität" schreibt, hält diesen Donnerstag um 20h im Café Wagner einen Vortrag mit folgender Ankündigung:

Bis heute werden vielen Eltern intersexueller Neugeborener medizinische Interventionen angeraten, um dem Kind einen "eindeutigen" Geschlechtskörper herzustellen. Trotz einer erstarkten Intersex-Bewegung, die sich deutlich gegen derartige Operationen im  Genitalbereich und die Entfernung der Keimdrüsen ausspricht, findet weiterhin die Feminisierung oder – seltener – Maskulinisierung intersexueller Kleinkinder statt. Welche Konsequenzen hat die Diagnose für die Intersexuellen? Und welche Art der Widerständigkeit hat sich seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum herausgebildet? 

Der Vortrag richtet sein Augenmerk insbesondere auf das politische Engagement medizinisch manipulierter Intersexueller. Die 20-jährige Geschichte des Widerstandes wird als Kampf um körperliche Selbstbestimmung rekapituliert und zentrale Forderungen der Intersex-Bewegung im Kontext der Menschenrechte dargestellt. Indem  Intersexualität als soziales, nicht medizinisch pathologisiertes Phänomen verstanden wird, stellt der Vortrag die Belange Intersexueller in den Mittelpunkt: Es geht explizit um die Handlungsebene der  Individuen und ihr Potential zur Modifikation gesellschaftlicher Normen, nicht um die Diskussionen um die Verunsicherung der zweigeschlechtlichen  Norm.

Auf querelles.net erschien zudem kürzlich von Anja Gregor eine >>> Rezension zu Caroline Stern: "Intersexualität. Geschichte, Medizin und psychosoziale Aspekte" (2004/2010)

Nachträglicher Kommentar zu Sprache und Inhalt des Ankündigungstextes: "Medizinische Interventionen" bzw. "medizinisch manipuliert" ist zwar schon besser als die in Gender-Kreisen sonst "üblichen" Ausdrücke wie z.B. "geschlechtsangleichende", "normierende" oder "geschlechtsbestätigende Eingriffe", m.E. aber immer noch zu nah an der TäterInnensprache dran: der Witz an diesen Eingriffen ist ja gerade, dass sie medizinisch NICHT notwendig sind! Für Menschen, die noch nicht genau über das Thema Bescheid wissen, können sie deshalb leicht das Gegenteil suggerieren ...

Warum also nicht klar z.B. von "medizinisch nicht notwendigen Interventionen" bzw. "medizinisch nicht notwendigen chiurgischen und hormonellen Eingriffen" reden, für die es zudem bis heute "keine Evidenz" gibt, und die von Betroffenen und FGM-ExpertInnen schon lange als "westliche Genitalverstümmelungen" angeklagt werden. Oder objektiv und neutral zumindest von "kosmetischen Genitaloperationen", die dazu noch "ohne Einwilligung der Betroffenen" erfolgen? Sprache ist wichtig!

Ob "maskulinisierende" kosmetische GenitalOPs wirklich "seltener" sind, ist eine Definitionsfrage, wobei die Medizyner natürlich (wie immer, wenn Kritik an den Verstümmelungen laut wird) aktuell die Definitionen im öffentlichen Diskurs jeweils stark einengen und z.B. "vermännlichende Hypospadiekorrekturen" nicht zu "Intersex-OPs" zählen – eben gerade, weil "Hypospadiekorrekturen" die mit Abstand häufigsten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern sind! (Unter sich klassifizieren die Medizyner "Hypospadiekorrekturen" hingegen klar als "DSD-Operationen", vgl. z.B. Vorträge von "EuroDSD"-Genitalabschneider Pierre Mouriquand).

Auch geht es m.W.n. den meisten Zwittern NICHT darum, "gesellschaftliche Normen modifizieren" zu wollen, sondern in erster Linie darum, endlich an bestehenden und für alle anderen selbstverständlichen Normen teilhaben zu können, z.B. dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen durchgesetzt wird.

Davon abgesehen aber nicht zuletzt ein Dankeschön dafür, dass der Schwerpunkt auf dem Kampf der Betroffenen gegen die kosmetischen Genitaloperationen liegen soll!

Siehe auch:
- Anja Gregor: "Es waren zwei Königskinder ..." - arranca! #43 + mehr (Selbst-)Kritisches gegen Zwittervereinnahmung
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Kurze Geschichte der Zwittervereinnahmung: Hirschfeld-Money-Butler
- Wie Dr. Magnus Hirschfeld einen Zwitter genitalverstümmelt, um mit dem Erlös das "Institut für Sexualwissenschaft" zu finanzieren
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002 (Georg Klauda)
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Genitalverstümmelungen an Zwittern als "Nebenwiderspruch" des Zweigeschlechtersystems? (Von der Frauenbewegung lernen 2)
- "Westliche Form der Genitalverstümmelung"
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Zwitter-Vereinnahmung im Zusammenhang mit Amnesty-Petition - Sündikat gibt Gegensteuer!
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität"  

Tuesday 5 July 2011

Operiertes Kind als Beispiel für eine "offene und tolerable Erziehung"? - Vereinnahmende Sichtweisen im Ethikrat-Diskurs (II) - Daniela "Nella" Truffer, 5.7.11

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>>> Mein Kommentar im Ethikrat-Online-Diskurs zur Antwort von Michael Wunder auf meinen vorherigen Kommentar:

Ich finde es bedenklich, dass mir hier “Feindseligkeit” vorgeworfen wird, anstatt dass auf meine begründete Vereinnahmungskritik inhaltlich eingegangen wird. Und somit meine sachliche Kritik auf eine persönliche Ebene reduziert wird. Obwohl ich auch mit einem Beispiel dargelegt habe, dass diese sachliche Kritik alles andere als neu ist, und auch von selbstkritischen Schwulen bekräftigt wird.

Dass das “operierte Kind” im obigen Text nicht “hervorgehoben”, sondern vielmehr unsichtbar gemacht und negiert wurde, war und ist ja genau das Unerträgliche:

Ein Kind, das seines Rechts auf körperliche Unversehrtheit beraubt wurde, als Beispiel für einen “offenen und tolerablen Erziehungsstil” zu benutzen, und das in einem Diskurs, der das Unrecht an Zwittern zu beleuchten versucht, ist für mich unhaltbar. Und diesen Fauxpas dann nochmals zu legitimieren zu versuchen durch einen persönlichen Vorwurf, finde ich gelinde gesagt verletzend.

Von Ihnen als Leiter der Arbeitsgruppe Intersexualität des Ethikrates würde ich erwarten, dass Sie begründete Kritik einerseits nachvollziehen und andererseits inhaltlich etwas dazu beitragen können.

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der Menschen mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen weder verstümmelt noch vereinnahmt werden, und zwar unabhängig von der Art ihrer Besonderheit und auch unabhängig davon, wie sie sich selbst geschlechtlich verorten, eine Gesellschaft, in der Zwitter so leben dürfen, wie sie wollen, in der ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Würde unantastbar ist wie bei allen anderen Menschen auch, und in der sie nach mehr als 60 Jahren endlich nicht mehr als “Demonstrationsobjekte” für irgendwelche (Geschlechter-)Politiken herhalten müssen, ganz egal in welche Richtung.

Oder um es mit Emi Koyama und Lisa Weasel zu sagen (“Von der sozialen Konstruktion zur sozialen Gerechtigkeit”, in: Die Philosophin 28, 2003, S. 79-89, hier S. 87-88):

“Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es nicht in den Verantwortungsbereich der Intersexuellen fällt, d[as] binäre Sex Gender-System auseinanderzunehmen und dass Intersexuelle keine Meerschweinchen sind, an denen die aktuellsten Gender-Theorien getestet werden. Seien Sie nicht enttäuscht, dass viele Intersexuelle nicht daran interessiert sind, Mitglieder des Dritten Geschlechtes zu werden oder die Sexkategorien zu verwerfen, obwohl wir die Leute unterstützen sollten, die an diesen Dingen interessiert sind, ungeachtet dessen, ob sie intersexuell sind oder nicht.”

Über eine inhaltliche Antwort auf die angesprochenen Punkte würde ich mich freuen.

>>> Operiertes Kind als Idealfall? - Nella zu Vereinnahmung im Ethikrat-Diskurs (I) 

>>> Trauma, Opferrolle, Befreiung  

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday 4 July 2011

"Personenstandslockerungen helfen nicht, Operationen zu verhindern" - Konstanze Plett, DRadio Wissen 28.6.11

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Konstanze Plett ist zusammen mit Oliver Tolmein eine der leider wenigen juristischen ExpertInnen, die in Sachen kosmetische Genitaloperationen an Kindern a.k.a. Genitalverstümmelung in Kinderkliniken nicht nur Personenstands-Vereinnahmungen und Gender-Blabla von sich geben.

Neulich in einem >>> Interview bei DRadio Wissen (mp3, 4.6 MB) sprach Konstanze Plett in diesem Zusammenhang ein grosses Wort gelassen aus:

"Das [= Lockerungen im Personenstandsrecht] würde natürlich noch nicht bei den Operationen helfen. Da müsste der Gesetzgeber schon aktiv werden, weil aktuell ist es ja so, dass eben die Eltern auch für ihre Kinder entscheiden. [...] mittlerweile wird ja auch schon von Ärzten eingeräumt, dass diese Operationen wie beispielsweise Klitorisreduktion oder Anlegung einer künstlichen Vagina nicht zur Lebensrettung erforderlich sind."

Und hielt zudem fest:

Moderatorin: "Frau Plett, ist es denn überhaupt rechtens, dass Mediziner intersexuelle Babies operieren?"

Konstanze Plett: "Ja, das ist eine ganz wichtige Frage. Von Verbänden intersexueller Menschen wird ja gefordert, dass es insgesamt verboten ist. Nach jüngeren juristischen Untersuchungen, die auch bereits die Situation von intersexuell Geborenen mit einbeziehen, ist die Operation, soweit sie nicht zur Lebensrettung erforderlich ist, bereits ein höchstpersönliches Gut, dass es also nicht ohne die Zustimmung der Betroffenen gemacht werden dürfte. [...]"

Dieser Blog sagt dafür Danke!  Ein vollständiges Transkript des Beitrags findet ihr hier.

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

Sunday 3 July 2011

Operiertes Kind als Idealfall? - Vereinnahmende Sichtweisen im Ethikrat-Diskurs (I) - Daniela "Nella" Truffer, 3.7.11

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>>> Mein Kommentar im Ethikrat-Online-Diskurs zum Beitrag von Michael Wunder: "Die Diskussion aus den gesellschaftlichen Höhlen holen":

Zum ersten und zweiten Absatz des Textes von Michael Wunder: Diese Geschichte mit dem Trampolin und dem Kind, das in der Kita auf die Frage “Bist Du ein Junge oder ein Mädchen?” sagt, “Ich bin beides”, gefällt sicher allen Menschen, die das Zweigeschlechtersystem in irgend einer Form in Frage stellen und dafür politisches “Material” brauchen.

Für verstümmelte Zwitter die bittere Ironie dabei: Diese Geschichte und ihre Verwendung stehen exemplarisch für die “Sicht der anderen”. Und dafür, wie Zwitter dazu instrumentalisiert werden:

Das Kind ist, wie die Mutter an der Anhörung ja selber sagte, “operiert” … Und die Art, wie die Mutter dabei um den konkreten Eingriff nur herumredet, gibt Anlass zur Befürchtung, dass es sich dabei NICHT um eine “lebenserhaltende” Operation handelte, sondern um den üblichen Versuch, “Uneindeutigkeit wegzuoperieren”. (Vgl. Simultanmitschrift, S. 11-12)

Ein “operierter” Zwitter als Vorzeigebeispiel und Anschauungsmaterial für Geschlechtertheorie und -politik ist notabene das menschenrechtswidrige Standardmodell der letzten 60 Jahre. Dies als “wünschenswerten Regelfall” zu proklamieren, kann nur einem nicht-operierten Nicht-Zwitter einfallen …

Wohl nichts als folgerichtig, dass im nächsten Absatz bei der Beschreibung unserer “gesellschaftlichen Wirklichkeit” an erster Stelle “Diskriminierung am Arbeitsplatz” genannt wird – und die massiven Eingriffe in unsere körperliche Unversehrtheit erst am Schluss dieser Liste erwähnt werden.

Ebenso, dass die Problematik der “eingreifenden Operationen” (noch so ein beschönigender Ausdruck, der nur von einem nicht-operierten Nicht-Zwitter stammen kann) in den abschließenden Forderungen einmal mehr durch Abwesenheit glänzt. Sondern dafür verwiesen wird auf Anliegen “auch in anderen Bereichen”.

Es gibt Brillen, die sind wohl nur sehr schwer abzulegen.

Georg Klauda hat das schon vor bald 10 Jahren sehr schön beschrieben in seinem Vortrag “Fürsorgliche Belagerung”, gehalten am 31. Oktober 2002 im Berliner “Haus der Demokratie und Menschenrechte”:

“Ich denke, dass Hermaphroditen sich in diesem Szenario nur entfernt wiederfinden, weil es ihnen nicht um ihre Selbstdefinition, sondern um das Ende einer invasiven Medizin geht. Oft sind es daher nicht sie selbst, sondern Transsexuelle sowie Lesben und Schwule, die auf der Bühne diese Rolle für sie übernehmen. Dass sich gerade sie dieses Themas annehmen, liegt an einem Überschuss von Projektion. Sie sehen nicht, dass ihre Problematik, d. h. die Problematik von Coming-out und gesellschaftlicher Anerkennung, nicht die von Hermaphroditen ist. Sie sehen nicht, dass die ungefragte Adoption von Hermaphroditen durch die Lesben-, Schwulen- und Trans[sexuell]enbewegung einer Überrumpelung und Kolonialisierung gleichkommt und moralisch unzulässig ist, weil sie das eigentliche Anliegen von Menschen mit medizinischer Gewalterfahrung überdeckt.”

Nur auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch manche Zwitter offenbar selbst nicht sehen können oder wollen, dass hier mal wieder ein operiertes Kind als Idealfall verkauft und somit unsere Lebensrealität negiert wird:

Es gibt Realitäten, die sind nur sehr schwer zu ertragen. Trotzdem oder eben gerade deshalb müssten auch Betroffene vermehrt genau hinschauen und ihre Bedenken anmelden, damit sich diese Realitäten endlich ändern!

Nachtrag 1: Antwort von Dr. Michael Wunder, 4.6.11 
Nachtrag 2: Operiertes Kind als Beispiel für eine "offene und tolerable Erziehung"? (II)

>>> Trauma, Opferrolle, Befreiung  

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 30 June 2011

Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 30.06.2011:

     INHALT:
     1.  Jeden Tag wird in einer Kinderklinik ein wehrloses Kind verstümmelt
     2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder
     3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"
     4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben
     5.  Deutscher Ethikrat ist gefordert

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Die Mediziner nennen es "korrigierende" oder "angleichende Eingriffe".

Überlebende Betroffene sprechen ihrerseits von Genitalverstümmelung, uneingewilligten Zwangsoperationen und Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

Allein in Hamburg haben 2011 mindestens 5 Kinderkliniken medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen im Angebot für Kleinkinder "mit zu großer Klitoris" oder sonstwie "auffälligen Geschlechtsorganen". Bundesweit sollen es über 100 Kinderchirurgien sein, darunter auch zahlreiche kleine bis Kleinst-Anbieter.

Das florierende kosmetisch-chirurgische Angebot umfasst u.a. "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen einer Neovagina", "Verlegung der Harnröhre", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern werden von Kliniken und anderen Anbietern aggressiv vermarktet unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie "Hypospadie", "AGS/CAH", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Epispadie", "AIS", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Gonadendysgenesie", "Swyer", "Turner" etc.

Diese Operationen erfolgen seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente ohne ethische Überwachung. Die angebliche Wirksamkeit der medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Eingriffe wurde bis heute nie klinisch bewiesen. Die einschlägigen AMWF-Leitlinien stehen alle heute noch unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.
 

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Tuesday 28 June 2011

"Grausam wäre es, nicht zu operieren" - Tätersprache im Ethikrat-Diskurs (Daniela "Nella" Truffer, 28.6.11)

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>>> Mein Kommentar im Ethikrat-Online-Diskurs zum Beitrag von Claudia Wiesemann: "Kinder haben Rechte":

Immer wieder dasselbe …

Genährt von der Hoffnung, dass sich endlich mal was ändert, hatte ich zuerst den Eindruck, dass hier jemand die Praxis der “Behandlung” von “intersexuellen Menschen” kritisiert (vor allem weil sich Claudia Wiesemann in der Vergangenheit schon klarer dazu geäußert hat, zum Teil auch am letztjährigen Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates).

Aber wenn dann schon zu Beginn vom “Preis” gesprochen wird, der “zu hoch” war, dann suggeriert dies, dass alles besser wäre, wenn man das Ganze nur etwas “günstiger” verkaufen würde.

Dass der “intersexuelle Mensch” dabei in den allermeisten Fällen nicht “Käufer” war, der selbst entscheiden konnte, ob er etwas “kaufen” will, und falls ja, zu welchen Konditionen, wird natürlich nicht explizit erwähnt, sondern es wird durch die schiefe Metapher vielmehr das Gegenteil impliziert.

Was – wen wundert’s – gut zum scheinbar obligaten relativierenden Fazit passt:

“Wir sollten nicht ganz selbstverständlich die Interessen des Kindes zugunsten der Wünsche des späteren Erwachsenen hintanstellen. So wichtig es ist, dem Erwachsenen, der das Kind einmal sein wird, die Verfügungsgewalt über sein Leben zu erhalten, so wichtig ist es auch, die Bedürfnisse des Kindes nicht zu hintergehen. [...] Das Kind braucht – wie die Kinderrechtskonvention betont – seine Familie als Schutzraum seiner Entwicklung; es braucht Verlässlichkeit, Geborgenheit, Zugehörigkeit. Die Menschenrechte des Kindes zu beschneiden, um den Menschenrechten des zukünftigen Erwachsenen Genüge zu tun? Das wäre grausam und kann der Sache nicht dienlich sein.”

Aha: dann stattdessen lieber das Kind selbst “beschneiden”, um – äh, welche nun genau? – Menschenrechte zu wahren … ? Und obendrein noch um “Grausamkeiten” zu vermeiden? Hallo?

Als Betroffene empfinde ich solche vermeintliche Kritik an der “Behandlung” Zwischengeschlechtlicher jedes Mal aufs Neue als betäubenden Schlag ins Gesicht, als Fortführung des mir seit meiner Kindheit angetanen Unrechts.

Schwammige Aussagen und Interpretationen dieser Art, die dann Medizynern postwendend als Rechtfertigung für weitere Verstümmelungen dienen, muss ich mir jedoch ständig anhören oder sie lesen, sobald “wissenschaftliche Experten” bestellt werden und ich mich an einem solchen Diskurs beteiligen will.

Ebenso den rhetorischen Kniff mit dem relativierenden täterfreundlichen Fazit, dieser findet sich zum Beispiel auch in den “Ethischen Grundsätzen und Empfehlungen” der Arbeitsgruppe Ethik des Netzwerk Intersexualität/DSD (Leitung: Claudia Wiesemann, juristische Expertin: Sonja Rothärmel).

In diesen “Ethik-Empfehlungen” heißt es betreffend juristische Rechte der Kinder abschließend kurz und knapp: “Rechtlich steht letztlich den Eltern die Entscheidung zu.”

Was dann die aktuelle AWMF-Leitlinie 027/022 “Störungen der Geschlechtsentwicklung” im Abschnitt “Chirurgische Therapie” prompt ebenfalls abschließend zitiert, und worauf sich seither Medizyner unvermeidlich jedes Mal berufen, sobald Betroffene es wagen sollten, die Rechtmäßigkeit der Kinderverstümmelungen anzuzweifeln.

Ja, ja, “Kinder haben Rechte”, aber “Erwachsene sind oft gefangen in der Ambivalenz der Wünsche” usw., und das muss man doch auch respektieren, denn: “Eltern haben auch Rechte!” (Kinderchirurgin Susanne Krege, Leiterin Kinderurologie Krankenhaus Maria Hilf Krefeld, an einem “Ethik”-Vortrag am UK Aachen 30.05.2011, unter Berufung auf … – genau, die “Netzwerk-Empfehlungen”).

Und tja, wenn die Eltern ein unverstümmeltes Kind halt einfach nicht wollen, dann wäre es in diesem Fall doch unmenschlich, ja “grausam”, dem Kind den “Schutzraum der Familie” und “ein Leben in Normalität” böswillig versagen zu wollen, oder?

Diese unsägliche und für alle Betroffenen schlichtweg unerträgliche Verdrehung, “grausam” (oder gar “Gewalt”) seien in Tat und Wahrheit nicht etwa die Genitalverstümmelungen an Kindern und deren lebenslange Folgen, sondern “grausam” (oder gar “Gewalt”) sei es im Gegenteil, Kinder unverstümmelt aufwachsen zu lassen, und das alles unter Berufung auf Kinderkonvention, “Kindeswohl” und sonstigen “Schutz der Kinder”, das ist leider ebenfalls keine einmalige Entgleisung, sondern seit Jahr und Tag in Diskursen mit Medizynern und “Experten” offensichtlich unvermeidlich.

Stellvertretend nur zwei weitere aktuelle Beispiele:

“Ich stelle mir einen Schulhof vor. Jetzt stellen Sie dort ein Kind hinein, das keine Zuordnung Junge oder Mädchen hat. Dieses Kind setzen Sie einer Situation aus, in der es extrem verletzlich ist. Sie wissen, wie grausam Kinder sein können. [...] Wenn Sie in unserer Gesellschaft nur einen Arm haben, dumm sind oder an einem Herzfehler leiden, dann wird die Gesellschaft das akzeptieren. Wenn Sie aber keine klaren Aussagen über Ihr Geschlecht treffen können, dann wird Ihnen die Gesellschaft übel mitspielen. [...] Und ohne die Möglichkeit, eindeutig wahrgenommen zu werden, ist das Leben extrem grausam und meiner Meinung nach auch nicht zu bewältigen.” (Kinderchirurg Pierre Mouriquand, Referent am diesjährigen “3rd EuroDSD Symposium” in Lübeck, Arte 08.10.2010. – Immerhin gibt Pierre Mouriquand im selben Interview wenigstens zu, dass es “Augenwischerei” wäre, zu behaupten, “dass sich bei einer Klitorisreduktion die Empfindsamkeit nicht verändern würde”.)

“Wenn sie eine Patientin nicht operieren, etwa ein Mädchen mit Adrenogenitalem Syndrom, von denen wir wissen, dass sie sich als Mädchen entwickeln werden, das wäre eine Art von Gewalt, dieses Kind nicht zu operieren, weil es sonst Jahre einer sehr schwierigen Entwicklung mit einem uneindeutigen Genitale durchmachen muss.” (Heiko Krude, stellvertretender Direktor Otto-Heubner-Centrum, Charité Berlin, Deutsche Welle 16.05.2011)

Kein Wunder, haben die meisten Zwangsoperierten wenig Lust und auch nicht die Kraft, sich solchen in mehrerer Beziehung grauenhaften und grausamen Diskursen auszusetzen – obwohl rege Beteiligung gerade deshalb umso nötiger wäre!

>>> Trauma, Opferrolle, Befreiung  

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
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>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

"Intersexualität: Leben zwischen den Geschlechtern" - Deutschlandradio 28.6.11 + Online

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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Über den Tag verteilte >>> 5-teilige Sendung auf dradio.de aus Anlass des Ethikrat-Diskurses.

Mal wieder supertypisch: Als "ExpertInnen" werden (mit Ausnahme eines Portraits über die 6-jährige Inge) wieder mal ausschliesslich "WissenschaftlerInnen" aufgefahren, die noch dazu wohl alle an Universitäten arbeiten, deren Kliniken heute Genitalverstümmelungen an Kindern praktizieren, und die zum Teil auch selber in an solchen "Behandlungen" direkt beteiligten Institutionen und Organisationen mit dabei sind.

Erwachsene Betroffene, ohne deren Jahrzehnte lange Proteste gegen die täglichen Verstümmelungen es bestimmt weder eine Ethikratsanhörung noch diese Sendung geben würde, kommen dagegen wieder mal nicht zu Wort. Noch werden Homepages von Selbshilfegruppen oder Zwitter-Lobby-Organisationen in den Linklisten aufgeführt.

Schäm dich, Deutschlandradio! Eins, setzen! Hausaufgaben nachholen, jetzt!  

Sunday 26 June 2011

"Wollt ihr denn keine Behandlung?" - Erpressung, Zwittertabu & Medizynermacht (III)

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Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "APE-AGPD 2010", Augsburg 5.11.

(Full Disclosure: Seelenlos ist verantwortlicher Redakteur dieses Blogs, Gründungsmitglied und Kampagnenleiter bei Zwischengeschlecht.org und ein mit einem Zwitter verbandelter "normaler" XY, also ein solidarischer Nicht-Zwitter.) 

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Ein wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung von gesellschaftlichem Zwittertabu und verinnerlichtem Schweigegebot der Betroffenen besteht darin, dass Betroffene und Eltern konstant und quasi reflexartig von Medizynern damit erpresst werden, es würden ihnen künftig eventuell notwendige echte Heilbehandlungen verweigert, sobald sie sich gegen medzinisch nicht notwendige Behandlungen sträuben oder gar öffentlich ihre Stimme dagegen erheben wollen.

Meiner Erfahrung nach können bzw. könnten so ziemlich alle Betroffenen von solchen impliziten oder expliziten Drohungen berichten. Kommt dazu, dass manche Betroffenen lebenslang auf medizinisch notwendige hormonelle Behandlung angewiesen sind, z.B. bei Cortisolmangel (AGS/CAH) oder nach Kastrationen.

Ein von Nella öffentlich dokumentiertes Beispiel anlässlich der 5. Jahresversammlung des "Netzwerk DSD/Intersexualität" vom 06.08.2008 in Kiel --> Programmpunkt 2 "Vorstellung und Diskussion der Selbsthilfeinitiativen zur gesundheitlichen Versorgung der IS-Betroffenen":

Claudia Kreuzer [hielt] ein kurzes Referat zu den Folgen der Fehlbehandlungen [d.h. "Substitution" mit Östrogenen nach Kastration bei AIS, obwohl Testosteron produzierende Hoden entfernt wurden]. [...] [Worauf] die Endokrinologin PD Dr. med. Dagmar l'Allemand-Jander auf Claudias Ausführungen nichts Gescheiteres zu tun hat, als Intersexualität mit anderen chronischen Krankheiten zu vergleichen, die doch auch lebenslanger Behandlung bedürfen.

Auf Claudias Aufforderung, doch bitte zu erklären, was mit einem gonadektomierten XY-Zwitter geschieht, wenn er in der Pubertät mit Östrogenen 'therapiert' wird, weiss Dr. l'Allemand nichts zu antworten, ausser ein schnippisches: "Wollt ihr denn keine Behandlung?"

Ich weiss von vielen Betroffenen und Eltern, dass solche (re)traumatisierende Drohungen auch in "Behandlungsgesprächen" permanent fallen. Die Auswirkungen auf die Adressaten kann sich wohl jedeR, der/die noch einen Funken von Mitgefühl sein/ihr eigen nennt, zumindest ansatzweise selber vorstellen.

Da manche Formen von "Intersexualität" und "atypischen Genitalien" genetisch bedingt verwandtschaftlich gehäuft auftreten, erstrecken sich Geheimhaltungsdruck und Drohungen durch die Medizyner oft über mehrere Generationen und quer über ganze Familienverbände. Hier kommen komplexe Verdrängungsdynamiken und Maulkorbkaskaden zum spielen, wie sie auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung oder im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt an Kindern gehäuft zu Tage treten. Dort werden solche ja nunmehr langsam auch öffentlich bekannt und diskutiert. Jedoch leider bisher kaum im Zusammenhang mit Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken und "Intersexualität". Obwohl Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen seit Jahr und Tag diese und andere Parallelen unterstreichen.

Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."
George Santayana (1863 – 1952)

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 

Siehe auch:
- Trauma, Opferrolle, Befreiung
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich" - AGGPG 1998
- Schweiz: Bundesrat will weibliche Genitalverstümmelung verbieten – aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- "Ethik als Feigenblatt?" - Zwischengeschlecht.org am "Forum Bioethik", 23.6.10
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist."
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday 24 June 2011

"Mit welchem Recht stellt sich die Medizin über die Gesetze dieses Landes?" - Christiane Völling zum Ethikrat-Diskurs

UK Aachen, 30.05.2011: Christiane Völling protestiert gegen "Ethik"-Vortrag
von Genitalabschneiderin Susanne Krege
(im Bild ganz rechts)

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Christiane Völling konnte leider nicht zur Ethikrat-Anhörung vom 8.6.11 nach Berlin kommen. Was sie zu sagen gehabt hätte, lässt sich jedoch nachträglich via Diskurs-Blog nachlesen, wo ihre >>> Statements als PDF erhältlich sind. Einige Ausschnitte:

Intersexualität stellt keine Krankheit dar im Sinne der Definition von Krankheit.

Krankheit  bedeutet „Abwesenheit von Gesundheit“.

Eingriffe am Harn ableitenden System und den Genitalien sind nur dann notwendig wenn ein Verschluss dieses Systems vorliegt und somit das Kind sich in Lebensgefahr befindet.

Durch Intersexualität ensteht kein akutes Organversagen, so dass hier  kein medizinischer Notfall vorliegt, das Kind sich nicht in akuter Lebensgefahr befindet. Demzufolge sind chirurgische Operationen am intersexuellen Genitale von Säuglingen und Kleinkindern überflüssig, da sie rein kosmetischer Natur sind und die Geschlechtsidentität und Wünsche des intersexuellen Kindes nicht berücksichtigt. Die Medizin sagt selbst, dass sie nicht vorhersehen kann, als was  der spätere Erwachsene/der/die Jugendliche sich fühlt. Warum operiert sie dann überhaupt? Wer oder was soll durch diese irreversiblen Eingriffe dann „geheilt“ werden? Das betroffene Kind kann es wohl nicht sein. Zudem stellen diese angeblich „rein kosmetischen“ Operationen einen eklatanten Verstoß gegen die Grund- und Kinderrechte dieses Landes dar. Mit welchem Recht stellt sich die Medizin über die Gesetze dieses Landes?

[...] Des Weiteren gesteht die Medizin ein, dass es keine Langzeitstudien gibt über die Erfolge und Misserfolge dieser Operationen, auch auf mögliche Langzeitkomplikationen und Langzeitschäden, z.B. chron. Harnwegsinfekte, Stenosen, Sensibilitätsstörungen, wiederholte notwendige Eingriffe am Genitale geht sie kaum ein. Auch weitere Behandlungsmöglichkeiten und weitere Vorsorgeuntersuchungen ohne Operationen werden mit den Eltern und den betroffenen Kindern unzureichend besprochen. Zu einer vollständigen korrekten Aufklärung inklusive aller Langzeitschäden durch z.B. durchgeführte Kastrationen, Folgeoperationen ist die Medizin juristisch verpflichtet.

Medizin und Psychologie sind juristisch in die Pflicht zu nehmen, Eltern korrekt und vollständig über die Intersexualität ihres Kindes aufzuklären,ohne daraus einen sofortigen „medizinischen“ oder „sozialen“ Notfall zu konstruieren, denn ihr Kind ist genauso gesund wie Junge oder Mädchen. Intersexuelle Kinder haben das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Unversehrtheit ihres Körpers. [...]

Die Lebensqualität intersexueller Menschen ist durch die inkorrekte Aufklärung, Geheimhaltungspolitik der Medizin und durch die nicht eingewilligten und zum großen Teil nicht notwendigen operativen Eingriffe (Zwangskastration, Verlust der Sensibilität ihrer noch vorhandenen Genitalien, Komplikationen) stark eingeschränkt, in vielen Fällen auch zerstört. Dies geht aus den Studien des Netzwerkes und der Hamburger Forschergruppe für Intersexualität eindeutig hervor. [...]

>>> Ethikrat-Statements von Christiane Völling als PDF
>>>
Christiane Völling: Zur Frage der Entschädigung (5.7.11) 

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    >>> Offener Brief an das "Forum Biomedizin und Ethik" Aachen

>>> Christiane Völling: Die Biographie einer Überlebenden
(Buchbesprechung von Daniela "Nella" Truffer)

Siehe auch:
- Christiane Völlings Geschichte in ihren eigenen Worten
- Buch von Christiane Völling: "Mein Leben als Intersexuelle"
- Sieg für Christiane Völling!!!
- Zwitterprozess: 100'000 Euro Schmerzensgeld für Zwangskastration!
- Wie die Zwitterorganisationen Christiane Völlings Zwangsoperateur Prof. Dr. L. 150'000 Euro schenkten 
- "Tabu Intersexualität" - Dok. u.a. mit Christiane Völling
- Die Bielefelderin Britta Dombrowe über "Tabu Intersexualität"
- Alle Posts zu Christiane Völling auf Zwischengeschlecht.info

»"Behandlung" von Intersexuellen zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Medizingeschichte« - Apotheken Umschau, 1.6.11

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Die "Apotheken Umschau" vom 1. Juni 2011 als durchwachsene Wundertüte zum Thema "Intersexualität":

Das Heft enthält ein 1-seitiges Editorial "Ihr Sohn ist ein Mädchen" von Chefredakteur Peter Kanzler sowie einen mit Inseraten auf 6 Seiten gestreckten Artikel "XY ungelöst" von Stefan Schweiger.

>>> Editorial + Artikel als Photo-PDF (2.3 MB) 

Die seinerzeitige Online-Ankündigung und der Artikel selbst beginnen so bescheuert wie nur möglich: "Manche Menschen können nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Für sie beginnt damit eine schwierige Suche nach der eigenen Identität."

Auch sonst wird kaum ein Fettnapf ausgelassen: Die unvermeidlichen Hertha Richter-Appelt, Claudia Wiesemann, Olaf Hiort und Paul-Martin Holterhus vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" dürfen nach Lust und Laune verharmlosen, Zahlen schönbiegen und sich gar noch als "Kritiker" der "Behandlungen" aufspielen, die ihnen in Tat und Wahrheit ihr tägliches Brot liefern, während das "Ehepaar Kreuzer" nebst obligater wenn auch ausschliesslicher Kastrationskritik hauptsächlich altbekannte "Rollentauschspiele" zelebriert. Soweit, so gewöhnlich.

Dazwischen hat's jedoch immer mal wieder ein paar Knallbonbons, die tatsächlich etwas aus der Rolle fallen – allen voran das obige Titel-Zitat aus dem Editorial: "Und die 'Behandlung' von Intersexuellen zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Medizingeschichte" – das obendrein in leicht abgeschwächter Form als Zwischentitel prominent wiederholt wird:

Oder wenn Richter-Appelts blosse "Vermutung", dass eben doch auch heute noch operiert wird, die AWMF-Verstümmlerleitlinien 006/105 sowie 043/029 gegenüber gestellt werden: "Aus psychologischen Gründen sollte die kosmetische Korrektur des äußeren Genitale so früh wie möglich erfolgen, in der Regel innerhalb der ersten 6 Lebensmonate."

(Unerwähnt bleibt hingegen, dass auch an Richter Appelts Arbeitsplatz UKE noch unverdrossen wehrlose Kinder genitalverstümmelt werden.)

Oder wenn "EuroDSD"-Chefverstümmler Olaf Hiort unbekümmert zu Protokoll gibt: "Die meisten Fälle, bei denen eine geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wird, sind medizinisch keine Notfälle" – und die "Apotheken-Umschau" das wiederum verwässert gleich als Bildaufhänger prominent wiederholt:


(Ebenfalls unerwähnt bleibt hingegen Hiorts berühmte Aussage vor der Bürgerschaft Hamburg (Wortprotokoll PDF --> S. 40): "Es gibt keine Qualitätskontrolle, und alleine in Hamburg würde ich drei oder vier Krankenhäuser benennen können, die solche Operationen durchführen oder durchgeführt haben. " Oder sein Eingeständnis, dass in Kinderkliniken ein Vielfaches mehr an wehrlosen Kindern verstümmelt wurden und werden, als die z.B. gegenüber der Bundesregierung deklarierten "schweren Fälle" bzw. "8.000 bis 10.000 Intersexuelle" in Deutschland.)

Ok, ok, es ist alles nach wie vor ein weiter Weg, und die heutige Medizynergeneration wird es wohl nie wirklich lernen und schon gar nicht freiwillig – aber eine immer breitere Öffentlichkeit, die bewegt sich langsam doch ...

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>> 
"Unrecht der Medizinversuche anerkennen" - Oliver Tolmein (2009)

"Lilamund" - Bilderbuchprojekt von Gaby Mutschke und Gregor Zootzky

Kann ein Zwitter Sünde sein?"Hermaphrodit" ist ein bunt illustriertes, aufklärendes Buch für Kinder und Erwachsene. In der Geschichte geht es um ein Kind, das sein intersexuelles Geschlecht entdeckt.

Mehr Infos und ein Video zum Projekt >>> hier auf startnext.de.

Die beiden suchen Unterstützung, um das Buch finanzieren zu können.

Tuesday 21 June 2011

Frauenfussball WM 2011: FIFA diskriminiert als Zwitter Verdächtigte - Äquatorialguineanerinnen Salimata und Biliguisa Simpore willkürlich gesperrt, in Deutschland unter Vertrag stehende Genoveva Anonma darf spielen

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>>> Ergänzungen 1 + 2

IOC IAAF: Intersex - Guilty by Suspicion

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Weltathletikverband (IAAF) nahmen ihre Hausaufgaben offenbar ernst und setzen sich ein für eine neue Regelung, die trotz noch bestehender Fragezeichen klar einen beachtlichen Schritt nach vorn bedeutet, indem sie nicht mehr Geschlechtergedöhns ins Zentrum stellt, sondern sich stattdessen am effektiv verwertbaren Testosteronspiegel orientieren soll (dieser Blog berichtete).

Der Weltfussballverband FIFA hat dagegen offensichtlich noch nichts dazu gelernt, geschweige denn den Sprung ins neue Jahrtausend geschafft. Dieser Schluss drängt sich auf nicht nur angesichts aktueller FIFA-Verlautbarungen zur Sache, sondern erst recht bei näherer Betrachtung der Winkelsprünge inkl. letztlich willkürlicher Disqualifizierungen von als Zwittern verdächtigten Fussballerinnen im unmittelbaren Vorfeld der WM 2011, wobei die "Verdächtigen" wie 2009 Mokgadi Caster Semenya einmal mehr weltweit den Medien zum Frass vorgeworfen werden.

Ergänzung 1: Wie die FIFA am 8. Juni (zufällig am gleichen Tag wie die "Intersex"-Anhörung des Deutschen Ethikrates) in einer >>> Pressemitteilung bekanntgab, habe das Exekutivkomitee der FIFA auf "Vorschlag der Medizinischen Kommission [...] bei seiner Sitzung vom 30. Mai 2011 Vorschriften zu Geschlechtstests verabschiedet". Diese Vorschriften, eine 68-seitige Broschüre, bleiben geheim und sind öffentlich nicht zugänglich. Jedoch besteht die FIFA laut Pressemitteilung darin weiterhin darauf, mittels nicht näher umschriebener "Geschlechtstests" nicht nur zu bestimmen, ob eine Spielerin teilnehmen darf oder nicht, sondern obendrein gleichzeitig, ob sie nun eine "echte Frau" sei oder nicht ("das Geschlecht [...] sicherzustellen"), indem jeder Mitgliedverband verpflichtet wird

vor der Nominierung seiner Auswahl das Geschlecht seiner Spieler durch eine aktive Untersuchung möglicher Abweichungen bei sekundären Geschlechtsmerkmalen zu überprüfen und die jeweiligen Befunde vollständig zu dokumentieren.

In einer ersten Phase würden durch den "zuständige[n] Mannschaftsarzt [...] Krankengeschichte, Geschlechtshormonspiegel, Diagnose, Behandlung [!!!] und aktuelle Befunde" erhoben. Die weitere "Behandlung" geschieht dann durch einen ebenfalls geheim bleibenden "unabhängigen Gutachter", falls auch dieser zu keinem "eindeutigen" Befund kommt, wird ein ebenfalls geheimer "Gutachterausschuss eine umfassende Untersuchung vornehmen", worauf die "FIFA-Disziplinarkommission" ebenfalls in Geheimjustiz "Sanktionen" berät.

Es ist zu befürchten, dass durch solches intransparentes Vorgehen die Menschenrechte der betroffenen "Verdächtigen" willkürlich verletzt werden, sowie dass die FIFA als "GeheimexpertInnen" wie gehabt notorische Zwitter-GenitalverstümmlerInnen & Co. heranziehen wird, deren "Behandlungen" dann auch entsprechend menschenrechtswidrig und menschenverachtend ausfallen werden. 

Schlimmer noch, Anlass zu den entwürdigenden und verletzenden "Geschlechtstests" bleiben weiterhin Denunziationen u.a. durch gegenerische Teams (statt dass wie bei IOC und IAAF vorgesehen obligatorische Tests in die Dopingkontrollen integriert werden) - damit sind zusätzlich die altbekannten medialen und sonstigen Hetzjagden vorprogrammiert. 

Dass die FIFA gleichzeitig behauptet, "oberstes Ziel sei in jedem Fall, die Privatsphäre und Würde der betroffenen Sportler zu schützen", bleibt so durchsichtige Schutzbehauptung und Heuchelei.

Zu Recht attestierte eine >>> dpa-Meldung der FIFA "alte Denkmuster", und der Bonner Jurist Henning Wegmann kritisierte darin weiter:

«[...] Aber die FIFA hängt da wohl noch ein bisschen hinterher. [...] Die FIFA scheint tatsächlich davon auszugehen, dass man das Geschlecht bestimmen kann. Dabei ist das aus wissenschaftlicher Sicht nicht in allen Fällen möglich. [...] Es hat den Eindruck, dass die FIFA vor Turnierbeginn noch etwas erlassen wollte.»

Und die >>> Handelszeitung titelte folgerichtig: "Fifa-Regulierung versagt bei Intersexualität". Und fuhr im Einleitungsabschnitt fort: "Eine passende Antwort hat die Fifa darauf nicht parat. Stattdessen setzt sie auf ein veraltetes Konzept um der Intersexualität im Fußball zu begegnen." 

Ein weiterer Kritikpunkt: Die "Geschlechtstests" bleiben Sache der Lokalverbände, statt z.B. an der WM Pflicht der Gastgeber.

Eine konkrete Probe aufs Exempel aus Anlass der nächsten Sonntag in Deutschland beginnenden Frauen WM unterstreicht prompt die Inkompetenz, Willkür und Heuchelei der FIFA-Verantwortlichen:

Seit Jahren schwelt in Afrika ein Konflikt um drei Spielerinnen der Mannschaft von Äquatorialguinea, die Stürmerin Genoveva Anonma und die Schwestern Salimata und Biliguisa Simpore, denen von Gegenerinnen und in den Medien öffentlich vorgeworfen wird, in Wahrheit "Männer" oder "intersexuell" zu sein, was im Hinblick auf die WM wenig überraschend verschärft wieder aufgewärmt wurde, wie >>> ballesterer fm berichtete:

Kaum hatte sich der Kleinstaat im Herzen Zentralafrikas für die WM 2011 qualifiziert, machte der Kontinentalverband CAF in Zürich die Mitteilung, dass Nigeria mit schweren Vorwürfen vorstellig geworden sei. "Es spielen", so die knappe Anklage, "mindestens zwei Männer im Team von Äquatorialguinea. Die Verantwortlichen müssen sofort handeln!" Den Kickerinnen der "Nzalang Nacional", die 2008 den Afrika-Cup gewinnen konnten, sollte fortan keine ruhige Minute mehr beschieden sein.

Anfang März hiess es dann plötzlich laut >>> Bild:

Die Fifa hat jetzt entschieden: Diese Frauen sind keine Männer!  Jürg Nepfer, Leiter des Fifa-Schulungsprogramms, sagte bei seinem Besuch im Land des WM-Neulings: „Es gibt keine Männer in der Frauen-Mannschaft Äquatorial-Guineas. Es gibt keinen Beweis. Mehr gibt es nicht zu sagen.“  Wie die Fifa allerdings zu dieser Erkenntnis gekommen ist (zum Beispiel durch einen Geschlechtstest), das ließ der Schweizer offen.

Gefolgt von einer ebenso willkürlichen Kehrtwende, als vorgestern der FIFA-Lokalverantwortliche Bonifacio Manga Obiang (Präsident des Fussballverbandes von Äquatorialguinea) laut >>> Bild noch ungereimtererweise plötzlich bekanntgab:

"Die Schwestern Salimata und Biliguisa können aus verschiedenen Gründen nicht an der WM teilnehmen. Der Hauptgrund ist der Geschlechts-Test. Solange dieser Test nicht stattgefunden hat, können sie an der WM nicht teilnehmen, hat uns die Fifa informiert. Sie hätten aber sowieso nicht teilnehmen können, weil Biliguisa verletzt ist und ihre Schwester wegen ihrer Undiszipliniertheiten nicht nominiert wurde."

Ergänzung 2: Seither machen verletzende Medienmeldungen über die Schwestern erneut weltweit die Runde, eine aktuelle google-Nachrichtensuche nach "simpore" listet 92 Einträge für die letzten 30 Tage, 99% der Meldungen kolportieren genüsslich den Vorwurf, sie seien in Wahrheit "Männer", die meisten verweisen weiter darauf, dass sie aufgrund des FIFA-"Geschlechtstestsverfahrens" für die Frauen WM 2011 nicht zugelassen sind.

Dies alles erinnert frappant an das Versagen der IAAF betreffend Mokgadi Caster Semenya. Ebenso der verdächtig kolonialistisch-rassistisch anmutende Umstand, dass die beiden in Äquatorialguinea lebenden Schwestern auf Druck der doppelzüngigen FIFA vom Lokalverband in vorauseilendem Gehorsam gleich doppelt gesperrt wurden, während die mittlerweile in Deutschland seit 2009 beim USV Jena und ab Juli 2011 bei Turbine Potsdam unter Vertrag stehende Genoveva Anonma zur WM antreten darf – wenn auch unter entwürdigenden Bedingungen, wie sie Anfang Woche laut >>> Bild bekanntgab:

"Schon 2006 und 2008 kamen diese Vorwürfe. Da habe ich Tests gemacht, obwohl ich sie verletzend finde. Es gibt diese Vorwürfe, weil ich eben so schnell und stark bin. Aber ich weiß, dass ich auch als Frau so sein kann!"

Meine 2 Cent:

Hoffentlich wird die rückständige und selbstherrliche FIFA bald einmal mit Hilfe eines bissigen internationalen Anwaltsteams verklagt  – wie seinerzeit die IAAF von Caster Semenya – und hoffentlich muss die FIFA darauf noch grössere Genugtuungen bezahlen. Und wird auch sonst wegen ihres hochgradig unfairen, willkürlichen und stark diskriminierenden Verhaltens gegenüber "verdächtigen" Spielerinnen massiv öffentlich unter Druck gesetzt und empfindlich abgestraft.

Damit den verantwortlichen FunktionärInnen so endlich unmissverständlich klar gemacht wird, dass solch vorgestriges und schlicht menschenrechtswidriges Verhalten längst untragbar ist und Konsequenzen nach sich zieht!

Fortsetzung folgt ...

>>> Wegen Caster Semenya: IOC plant neue "Intersex-Regeln" 
>>> IOC / IAAF: Neue "Hyperandrogenismus"-Geschlechterregeln 2011
>>> Zwitter im Sport: IOC, IAAF und FIFA leugnen Verantwortung
>>>
IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>> IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"

Siehe auch:
- Alle Posts über Caster Semenya
- Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan??? 
- Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
- "Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
- Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09

Monday 20 June 2011

"3rd EuroDSD Symposium" Lübeck 2011: Der Offene Brief auf Deutsch + erste Antwort eines Verantwortlichen

«Human Rights for Hermaphrodites too!» - «A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» «NON aux opérations génitales forcées!» - Main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 22.5.11Empfangskomitee am letzten Tag des "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 22.05.2011

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>>> Infoseite zu den Protesten     >>> Der Offene Brief     >>> Bericht 1. Aktion 22.5.  

Menschenrechte auch für Zwitter!

Inzwischen liegt der im Original englischsprachige >>> Offene Brief an das "3rd EuroDSD Symposium" auf Deutsch vor. Einige Ausschnitte:

[...] Seit mittlerweile 20 Jahren wehren sich Überlebende öffentlich gegen diese Operationen, und kritisieren sie beständig als "ungeheuer destruktiv für das sexuelle Empfinden und für das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit". [...] Seit mittlerweile 20 Jahren weigern sich die Mediziner zuzuhören, geschweige denn diese schweren Bedenken anzuerkennen [...].

[...] In unserem Verständnis besonders entsetzlich sind wiederholte Stellungnahmen auch von Seiten der erwähnten Mediziner, die lustvoll von "chirurgischen Herausforderungen" schwärmen und stur ihre "Experimente" weiterführen in der Aussicht, "in 20 Jahren werden die Operationesmethoden viel besser sein", offensichtlich ohne Sorge, Erbarmen oder Mitgefühl für ihre unglücklichen früheren, gegenwärtigen und zukünftigen "Forschungsobjekte".

Dasselbe gilt auch für den andauenden Hohn und unerträglich paternalistische Herangehungsweisen von BehandlerInnen gegenüber erwachsenen Überlebenden, die ihre Stimme erheben, ihr Leid beklagen und die Beendigung nicht-eingewilligter kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Minderjährigen fordern [...]

Das 3rd Symposium on Disorders of Sex Development beansprucht für sich das Motto: “Was wir gelernt haben und was wir noch lernen müssen.” Wir möchten dazu respektvoll erneut und einmal mehr darauf hinweisen: Offensichtlich wären Ethik und Menschenrechte Kernthemen, bei denen sehr grosser Lernbedarf dringend notwendig erscheint.

[...] Offen gesagt hängt es uns zu den Ohren heraus, ständig angelogen und mit denselben alten Leugnungen, Ausreden und billigen Versprechungen abgespiesen zu werden.

Wir sind uns sicher, dass Ihnen bewusst ist, dass die Kontroverse um kosmetische Genitaloperationen an Kindern in der Öffentlichkeit jeden Monat bekannter wird, und ebenso die allgemeine Tendenz der Bevölkerung betreffend Genitalverstümmelung, unethische Menschenversuche und ungewollte chirurgische Eingriffe. [...]

Wir setzen voraus, dass Sie in Ihrer Eigenschaft als praktizierende MedizinerInnen genügend PatientInnen haben mit echten medizinischen Bedürfnissen, die auf ihre professionelle Hilfe angewiesen sind.

Deshalb möchten wir respektvoll vorschlagen, dass sie Ihre Bemühungen darauf konzentrieren mögen, diesen PatientInnen zu helfen, von denen wir sicher sind, dass diese Ihnen zutieftst dankbar sind für ihre Leistungen. Aber dass Sie andrerseits unethische Praktiken wie uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen an Kindern aufgeben [...]

Mit Datum vom 23. Mai hatten wir vom Co-Organisator des "3rd EuroDSD Symposium" und komm. Direktor der Klinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Lübeck, PD Dr. Lutz Wünsch, eine erste Antwort erhalten:

Sehr geehrte Frau Truffer

bei der Veranstaltung am letzten Wochenende sind keine generellen Empfehlungen für Genitaloperationen bei Kleinkindern mit DSD ausgesprochen worden. Woimmer das Thema berührt wurde, ist sehr vorsichtig und mit Rücksicht auf die Belange aller Betroffenen diskutiert worden.

Mit freundlichen Grüßen   

PD Dr. Lutz Wünsch

Die heutige Rückantwort darauf von Nella im Namen von Zwischengeschlecht.org:

Sehr geehrter Herr Wünsch

Besten Dank für Ihre freundliche Antwort, aktualitätshalber leider mit etwas Verspätung.

Es freut uns sehr, dass die TeilnehmerInnen des Symposiums von nicht-eingewilligten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen offenbar künftig Abstand nehmen wollen.

Wir nehmen an, mit "alle Betroffenen" meinen Sie unter anderem Eltern und Ärzte. Bestimmt ist Ihnen in diesem Zusammenhang die erste Einschätzung des Deutschen Ethikrates bekannt, der dazu festhält:

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. (...) Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Über eine inhaltliche Antwort auf unseren Offenen Brief würden wir uns nach wie vor sehr freuen.

Freundliche Grüsse

Daniela Truffer / Zwischengeschlecht.org

Fortsetzung folgt ...

>>> Infoseite zur "3rd EuroDSD"     >>> Der Offene Brief     >>> Bericht 1. Aktion 22.5.

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein 2009)
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern! 
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren genitale Zwangsoperationen
- Bremen: Genitalverstümmelungen im "Zentrum für Kinderheilkunde"
- Universitätsklinikum Heidelberg: Genitale Zwangsoperationen im Angebot 
- Deutsche Urologen fordern genitale Zwangsoperationen an Säuglingen! 
- Genitalverstümmler Mouriquand: "keine Garantie für sexuelle Empfindsamkeit"
- Prof. Dr. Heino Meyer-Bahlburg: John Moneys Erbe 
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" (Prof. Dr. Christian Kind)
- Weiße Kittel mit braunen Kragen, reloaded
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist." (eine Mutter)
- Bundestag: "Weibliche Genitalverstümmelung ahnden" - aber die Zwitter verstümmelt nur ruhig weiter ...
- Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday 16 June 2011

Deutscher Ethikrat: Erste Einschätzung zu "Intersexualität", 15.6.11

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion & Offener Brief von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011 
>>> Kommentar von Nella zu "Eine erste Einschätzung" 
>>> Kommentar von Nella zum Beitrag von ETEKAR  

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Heute veröffentlichte der Deutsche Ethikrat auf dem Online-Diskurs-Blog im Anschluss an die öffentliche Anhörung vom 8.6.11 eine durchaus lesenswerte

>>> "Erste Einschätzung" (+ Kommentare):

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. Hier scheint es einen Konsens darüber zu geben, dass irreversible medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung so lange wie möglich hinausgeschoben werden müssen."

"Medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung betreffen den Kern des Persönlichkeitsrechtes jedes Menschen, seine Geschlechtsidentität, sexuelle Empfindungsfähigkeit und seine Fortpflanzungsfähigkeit. Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Hört, hört!!

Bleibt schwer zu hoffen, dass der Ethikrat zu dieser tatsächlich zentralen Problematik in seinem Bericht Nägel mit Köpfen machen wird!!!

Und dass es NICHT wieder so läuft wie in den Parlamenten von Hamburg, Berlin und Bremen, welche die systematische Verletzung der körperlichen Unversehrtheit schlussendlich vornehm aussen vor liessen – bzw. in Berlin und Bremen gar rundheraus ableugneten, dass Genitalverstümmelungen in dortigen Kinderkliniken überhaupt stattfänden ...

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zur "Ersten Einschätzung" 

Ebenfalls sehr lesenswert auf dem Ethikrat-Diskurs-Blog: Ein >>> Kommentar von ETEKAR mit begründeter Kritik, warum der Fokus sowohl des Betroffenenfragebogens wie auch der Anhörung infolge zentraler rechtlicher Fehlüberlegungen den Diskurs zu Gunsten der Täter verzerrt:

"[...] Der gesamte Fragekatalog ist darauf aufgebaut, dass die misshandelten Opfer den medizinischen TäterInnen beweisen müssen, dass die an ihnen einst durchgeführten medizynischen (Medizin + Zynismus = Medizyn) Interventionen Schäden bei den Opfern angerichtet haben. Diese Beweispflicht besteht im Deutschen Recht nicht, sondern umgekehrt hätte der gesamte Fragekatalog danach aufgebaut sein müssen, dass die WissenschaftstäterInnen den Opfern beweisen müssen, dass sie ihnen mit den medizynischen Interventionen in Form von chirurgischen und hormonellen Kastrationen, Genitalamputation, etc. Gutes getan haben. Den Beweis soll mal einer der anwesenden Medizinexperten anzutreten versuchen! Nicht der Patient bzw. das Opfer ist für die Rechtmäßigkeit eines medizinischen Eingriffes beweispflichtig, sondern der Mediziner! Die Mediziner müssen den Opfern beweisen, dass sie ihnen mit dem Abschneiden der Genitalien, mit der Degradierung zu asexuellen Lebewesen und mit der Degradierung zum Zwangskastraten etwas Gutes getan haben und nicht umgekehrt die Opfer, den Tätern, dass diese ihnen Schaden zugefügt haben! [...]"

"[...] Aufgrund von Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG müssen weder Sie als Mitglieder des Deutschen Ethikrates noch zweigeschlechtliche Menschen sich dafür rechtfertigen und Beweis antreten, dass es für die Gesundheit besser ist, wenn funktionsfähige Körperorgane nicht entfernt werden, seien es nun funktionsfähige Hände und Füße oder Genitalien und Gonaden! Stellen Sie sich doch als Mitglieder des Deutschen Ethikrates einfach mal vor, ab dem nächsten ersten heißt es: Alle Männer müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie ihren Penis behalten dürfen und wer dafür keinen von einem Mediziner wichtig anerkannten Grund vorweisen kann, dem wird der Penis entfernt! Und für Frauen ist es ab dem nächsten ersten genau das gleiche: Wer als Frau seine Brüste und seine Klitoris behalten möchte, muss ab dem nächsten ersten stichhaltige medizinische Beweise dafür vorbringen, dass er seine Organe behalten darf! Ansonsten werden die Organe entfernt! [...]"

Mal schauen, wie der Deutsche Ethikrat zu dieser sowohl unter Zwittern wie auch gegegenüber offiziellen Stellen schon seit Jahren immer wieder beklagten Sachlage Stellung nehmen wird ... höchste Zeit wäre es!

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zum obigen Beitrag von ETEKAR 

>>> EKETAR über medizynische Auslöschung und die Anonymität der TäterInnen (I)
>>> Nazi-Genitalabschneider: ETEKAR nennt Namen und Kliniken (II)  

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>>
Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>>
Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Saturday 11 June 2011

Ethikrat-Anhörung: Radio Vatikan macht Stimmung gegen Zwitter - logische Folge der dauernden politischen Vereinnahmung durch die Grünen, die Linke, LSVD, ILGA, TGNB, TrIQ usw. - vielen Dank auch!

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„Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist. Wir nehmen es dankbar an und lieben es. Es ist gesund und fröhlich und entwickelt sich prächtig.“  Eine Mutter

Wenn die tägliche Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken und die übrigen medizinischen Verbrechen an Zwitterkindern endlich aufhören sollen, braucht es dafür dringend eine politische Mehrheit. Das aktuelle Verfahren des Ethikrates wäre eine gute Möglichkeit, die grossen Parteien und insbesondere konservative und christliche PolitikerInnen vom dringenden Handlungsbedarf gegen die massiven Menschenrechtsverletzungen zu überzeugen - zumindest in der Theorie.

Praktisch war allerdings Anhörung des Deutschen Ethikrates vom letzten Mittwoch noch nicht mal zur Hälfte durch, geschweige denn die Pressemitteilung des Ethikrates dazu nur schon geschrieben, als Radio Vatikan unter dem Titel >>> "D: Männlich? Weiblich? Anders?" bereits eine Meldung zur Anhörung publizierte, bei der sich jeder selber ausrechnen kann, dass insbesondere christliche PolitikerInnen nach ihrer Lektüre das Thema wohl eher von vornherein abhaken und sich schlimmstenfalls vehement gegen nur schon weitere Diskussionen stellen werden.

Wenig überraschend wird nämlich "Intersexualität" in der Meldung mit Titel und Bild irrtümlicherweise als Teil der Schwulenbewegung verortet und im Text irrtümlicherweise mit Transgender gleichgesetzt ("Von Intersexualität wird nach allgemeinem Verständnis gesprochen, wenn ein Mensch - meist aufgrund angeborener körperlicher Anomalien - sich nicht eindeutig zu einem der beiden gängigen Geschlechter zuordnen lässt oder dies nicht will."). Als einzige mögliche "konkrete gesetzgeberische Handlungsempfehlungen an die Politik" infolge der Anhörung wird fälschlicherweise (ausgerechnet!) "die Änderung des Personenstandsrechts" angedroht.

Für das unkritische Nachbeten dieser hartnäckigen Desinformationen zum Thema ausschliesslich Radio Vatikan verantwortlich zu machen, wäre allerdings fehl am Platz. Letztlich schuld sind vielmehr die Schwulen-, Lesben-, Trans- und Queer-PolitikerInnen und -LobbyistInnen, welche diese vereinnahmenden Lügen seit Jahr und Tag bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus Eigeninteresse öffentlich feilbieten – obwohl die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen diese schädlichen politischen Vereinnahmungen schon lange und deutlich kritisiert.

Die VereinnahmerInnen kümmert dies bekanntlich herzlich wenig, auch dieser erneute politische Schaden wird sie leider schwerlich zum Umdenken bewegen. Stattdessen werden sie wie gewohnt im Gegenteil umso lauter ihr Propagandalied anstimmen von wegen "Letztlich sind wir alle Opfer von Homophobie, deshalb kämpft gefälligst alle mit uns gegen die Zwangsheteronormativität."

Wieviele weitere unschuldige Kinder wegen ihrer Vereinnahmung täglich weiter genitalverstümmelt werden, war den fiesen politischen VereinnahmerInnen bisher stets egal, und auch hier ist leider kaum Besserung zu erwarten, vgl. dazu auch folgende 3 aktuelle Beipiele:

  • Im April 2011 startete die Bundestagsfraktion der Grünen einen weiteren kontraproduktiven Antrag (17/5528) zu "Intersexualität", in dem es einmal mehr um Personenstand geht und nochmals um Personenstand, die eigentliche Problematik der Genitalverstümmelungen wird als solche einmal mehr nicht angesprochen, sondern lediglich an zweitletzter Stelle einmal verschämt unter dem irreführenden Täter-Begriff "prophylaktische[s] Entfernen und Verändern von Genitalorganen".
  • Gleich ganz beim Personenstand bewenden liess es im Februar 2011 ein Antrag der Bremer Grünen. Diese waren sich obendrein nicht zu schade, gleichzeitig im Parlament noch mit den Genitalverstümmlern gemeinsame Sache zu machen, in dem sie deren Behauptung unterstützten, angeblich würde in Bremen schon seit 10 Jahren nicht mehr verstümmelt (eine dreiste Lüge).
  • Ein weiterer Antrag im Mai 2011 auf Bundesebene von die Linke (17/5916) missbraucht einmal mehr "Intersexuelle" als Mittel zum Zweck der Abschaffung des Transexuellengesetzes – ganz wörtlich auch im Redebeitrag von Barbara Höll in der 114. Plenarsitzung vom 9.6.11, vgl. Protokoll (PDF) S. 13201 (B) = S. 259 innerhalb PDF –, und "verkauft" die Zwitter zu deren politischem Schaden einmal mehr unter "Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle".
    Zum Glück wies wenigstens Helmut Brand (CDU/CSU) auf die Unsinnigkeit dieser von den Betroffenen nicht gewollten Vermischung hin, sowie auf die Anhörung des Ethikrates, vgl. Protokoll (PDF) S. 13198 (C) = S. 256 innerhalb PDF. Danke!

Diese schädlichen und vereinnahmenden politischen Äusserungen werden zudem von Schwulen-, Lesben-, Trans- und Queer-Lobbygruppen seit Jahr und Tag in die Welt gesetzt, vgl. z.B. zahllose vereinnahmende Statements und Mitteilungen beispielsweise der so genannten/vorgeblichen "International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA)", des "Lesben und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)", des "Transgender Netzwerk Berlin (TGNB)", von "TransInterQueer (TrIQ)" und weiteren mehr – die alle geflissentlich missachten, dass Zwitter sich seit langem gegen die unzutreffenden und schädlichen Vereinnahmungen wehren.

Bleibt zu hoffen, dass es möglichst bald allen Widrigkeiten zum Trotz gelingen wird, die grossen Parteien und insbesondere alle Christen und Christinnen von der Falschheit der Behauptungen der Vereinnahmer zu überzeugen und die täglichen Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken endlich zu stoppen!

Die versammelten Zwitter-VereinnahmerInnen im Bundestag und andernorts aber machen sich selbst zu MittäterInnen und sollten auch als solche behandelt werden.

Wären schon ein paar wenige von ihnen zur Abwechslung mal an den eigenen Geschlechtsteilen etwas genitalverstümmelt worden, hätten sie bestimmt ziemlich schnell andere Parolen – wetten?!

Gonade um Gonade, Lustorgan um Lustorgan!

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Historischer überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken
- "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" - Zwittervereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" 
- Zwitter als Kanonenfutter für die Transgenderagenda
- QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne
- "Intersexualität" = "sexuelle Identität und Lebensweise"??! – Grüne VereinnahmerInnen immer noch nichts gelernt 
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- Warum Zwitterforderungen, worin es um "sexuelle Identität" geht statt um "Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung", keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung 
- Du sollst nicht die Leiden der Zwitter als Aufhänger und 'Material' für deine eigenen Forderungen und Kämpfe benutzen!
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Angela Kolbe in "Liminalis": Aus Transschändrien nix neues
- "Who killed David Reimer?" - Wie Judith Butler und Friedemann Pfäfflin die medizinischen Verbrechen des John Money beschönigen und Moneys Schuld anderen in die Schuhe schieben wollen
- "Intersexualität" = sexuelle Orientierung?!
- Heinz-Jürgen Voß in "Liminalis" 3 (2009) – Zwitter-Vereinnahmung wie gehabt ... 
- Instrumentalisierung von Zwittern: Kritik aus 2002 (Georg Klauda)
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ  
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität" 
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung  

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