Ich werde ab und zu gefragt, wie ich als "Normal-XY" dazu komme, mich gegen Zwangsoperationen an Zwittern einzusetzen und sie in ihrem Kampf gegen die Medizyner zu unterstützen. Wie die meisten hatte auch ich keine Ahnung von den an Zwittern begangenen Menschenrechtsverbrechen, bis ich Nella kennenlernte. Da ich mich schon länger mit Menschenrechtsfragen beschäftige, war ich erst recht geschockt, dass sowas unerkannt quasi vor unser aller Haustüre systematisch geschieht. Auch als Nicht-Zwitter hatte ich zudem so meine (wenn auch vergleichsweise "harmlosen") Erlebnisse mit Medizynern. Hier also eine kurze Zusammenfassung dazu:

Wäre ich gewalttätig, der erste Mensch, dem ich das Nasenbein brechen würde, wäre der Arzt am Universitätsspital, der mir sagte, er werde mir eine Gewebsprobe aus der Lunge nehmen, damit er danach eine genaue Diagnose geben könne. Dann schnallte er mich auf der Liege fest, und als ich nach der dritten Probe zu protestieren begann, narkotisierte er mich mit Rohypnol und wollte nachher nicht mehr gewusst haben, wieviele Proben er schlussendlich rausrupfte  -- "mindestens sieben" stand in der Krankenakte, plus eine 'Verlegenheitsdiagnose'. Leider war ich damals nicht in der Verfassung, mich irgendwie z.B. öffentlich wehren zu können.

Der Grund, warum Ärzte bei mir auch als Kaste schlecht dastehen, liegt aber am Tod meines Grossvaters. (Ich habe auf englisch mal ausführlicher darüber geschrieben.) Wenn hart sein bedeutet, auch chronische Schmerzen ertragen zu können und dabei noch zu lächeln, dass mensch es höchstens an den Mundwinkeln sieht, war er der härteste Mann dem ich je begegnete. Als er nach dem zweiten Herzschlag ins Spital eingeliefert wurde (freiwillig und bei Bewusstsein wäre er nie dort hingegangen) und gut eine Woche danach starb, hatte ich ihn nicht besuchen dürfen. Wie ich 10 Jahre später zunächst durch Zufall erfuhr: Nachdem er den Herzschlag überlebt hatte, wurden langsam seine Füsse schwarz, starben ihm bei lebendigen Leibe ab. Die Ärzte wollten amputieren, doch dafür war er zu schwach, hätte die Operation nicht überlebt. Also liessen sie ihn mit den Füssen dran langsam sterben. Die ganze Nacht habe er jeweils geschrien und gebetet, der Liebe Gott möge doch mit dem Sterben etwas vorwärts machen. Offensichtlich waren sie (aus welchen Gründen auch immer) mal wieder etwas knauserig gewesen mit dem Morphium.

Ich könnte noch weiter machen mit anderen Menschen, die offensichtlich ebenfalls mit einem Körper gesegnet sind, bei dem oft einfach nicht funktionieren will, was sich sonst an tausenden von Patienten doch stets so gut bewährte, und von Ärzten, die trotzdem einfach stur nach Plan weitermachten.

Ich habe auch noch paar eigene solche Erinnerungen an Operationen, Verletzungen, absterbendes Gewebe, weitere Komplikationen usw.

Alles in allem hatt ich wohl trotzdem jedes Mal Glück, ich kann z.B. noch laufen, meine Hände gebrauchen usw.

Und mehr als einmal dachte ich: Scheisse, was bin ich froh, geschah das jetzt nicht z.B. mit meinem Lustorgan.

Dies war noch bevor ich Nella kennen lernte. Seither ist die Ärzte-Kaste in meinem Ansehen nicht unbedingt gestiegen.

Genitale Zwangsoperationen gehören geahndet und die TäterInnen bestraft. Auch wenn es individuelle Ärzte gibt, die ihr Gewissen nicht von vornherein verdrängen, als Kaste werden sie mit den Zwangsoperationen erst unter Druck aufhören.