Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Wie ein Artikel "Baustelle Intimbereich" im aktuellen "Wissen"-Bund der SonntagsZeitung aufzeigt, ist Kritik an kosmetischen VaginalOPs mittlerweile Bestandteil der medialen Saure-Gurken-Recyclings-Schleife – während gleichzeitig immer mehr Frauen in solche OPs einwilligen, "um auch «unten herum» vermeintlich normaler oder schöner zu werden. [...] Die kleine Abweichung von der Norm wird schnell als störend empfunden, auch wenn es sich dabei meist um eine Variante der Natur handelt."

Einmal mehr sind die berechtigten Kritikpunkte schlechte bzw. mangelnde Aufklärung, schlechte Ergebnisse sowie mangelnde Qualitätskontrolle bzw. keine gesichterten Erkenntnisse über positive Effekte – bekanntlich die Dauerbrenner auch wenns um (ungleich schwerwiegendere, weil nicht-eingewilligte und meist auch das Lustorgan direkt betreffende) genitale Zwangsoperationen an Zwittern geht. Diese werden jedoch, wie in Mainstreammedien und Medizinerfachzeitschriften obligat, einmal mehr stillschweigend ausgelassen.

Ein kleiner Medien-Überblick:

Bereits 1998 hatte Michel Reiter "Genitale 'Korrekturen' an Frauen als Schönheitsmaßnahme" kritisiert (und Parallelen sowie Unterschiede zur weiblichen Beschneidung und genitalen Zwangsoperationen an Zwittern aufgezeigt).

2005 konnte Stern.de in gleich 2 (bei vordergründiger Verdammung der 'perversen Amerikaner' eher marktschreierischen) Artikeln "Intimchirurgie: Delikate Operation" und "Dr. Frauenglück" trotz angeblich heissem Bemühn nichts objektiv Negatives ausfindig machen – lediglich das "Ethik-Komitee der Amerikanischen Vereinigung der Gynäkologen und Geburtshelfer" sei "beunruhigt" und "die Feministinnen" würden sich "empören".

Erst 2007 fand das Thema 'weibliche' kosmetische Genitaloperationen, ausgehend von einem im gleichen Jahr publizierten Artikel von Lih Mei Liao und Sarah M. Creighton im "British Medical Journal" (Extract), in deutschsprachigen Medien zunehmend kritische Beachtung, so z.B. auf 20min.ch: "Die perfekte Vagina", Spiegel.de: "Warnung vor dem Schnitt im Schritt".

Anfang 2008 folgte ein Bericht in Frauenheilkunde-aktuell.ch (PDF): "Designer Vagina" (mit einem Fallbericht, der auch in der SonntagsZeitung als aktuell rezykliert wird, sowie einem Überblick über die verschiedenen OP-Methoden).

Detail am Rande: Laut 20min wird laut dem BMJ-Artikel von Frauen, die eine operative Verkleinerung der inneren Schamlippen wollen, übrigens sinngemäss das gleiche "Argument" vorgebracht, wie 2008 in Kiel von der Delegation der "AGS Eltern und Patienteninitiative" für Zwangsoperationen ("Klitorisreduktion") an Zwitterkindern: Weil's sonst "beim Radfahren Probleme" gäbe.  

2009 folgten bisher Ärtzteblatt.de: "Intimchirurgie: Ein gefährlicher Trend" , die FaZ: "Schönheitschirurgie: Riskante Manipulationen" sowie die eingangs erwähnte SonntagsZeitung.

Wann wird das Zwitter-Tabu und sämtliche damit verbundene Doppelmoral in der Öffentlichkeit endlich ein Ende haben und Zwittern endlich öffentlich und praktisch die gleichen Menschenrechte zugestanden wie Frauen und Männern auch?

Siehe auch:
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?"