WARNUNG: Ich setze im Folgenden bewusst keine Links auf Nikita Noemi Rothenbächers "Ergüsse" und distanziere mich ausdrücklich von diesen.

Nikita Noemi Rothenbächers Autobiographie auf http://www.nikitanoemiprivat.de (--> Wer bin ich) liest sich noch als typische "harmlose Variante" der häufigen Zwittervereinnahmung durch Transsexuelle, die als Familienväter ihre Transidentität endlich umarmen, um nach der OP schliesslich zu verkünden, eigentlich seien sie in Wahrheit schon immer "intersexuell" gewesen:

"am 05.02.1957 in Epstein/Ts geboren, normal von der Geburt her"
"[schaute] dem Anschein an, ganz normal aus[...]"
"als intersexuelles Wesen geboren"
"fühlte mich einfach als Mädchen"
"ich wusste schon, dass ich Transidentisch war"
"am 05.12.1994 kam unser Sohn Dino, als gesunder Junge, auf die Welt"
"begann meine Behandlung am 05.03.1999 an der Uni Frankfurt, gegen diese Geschlechtsidentitätsstörung!"
"bekannt werden meines Krankheitswertes (Transidentität)"
"Diagnose der primären Transidentität (F 064) Anfang des Jahres 2001 durch meine behandelnden Ärzte bestätigt"
"Am 16.02.2002 fand meine geschlechtsangleichende Operation statt"
"Seit 2001 arbeite ich nun als selbstständige freie Autorin und Schriftstellerin" 

2004 veröffentlichte sie ein auch biographisches Buch:

Nikita Noemi Rothenbächer:
"Transidentität. Von wo nach wohin"
Münster: agenda Verlag, 2004
>>> Eintrag auf transray

Ob sie in darin ebenfalls die übliche "als intersexuelles Wesen geboren"-Vereinnahmung verzapft, kann ich nicht beurteilen, da ich dieses Buch nicht kenne und kaum kaufen werde.

In einer Rezension des TGNB zu "Transidentität. Von wo nach wohin" ist diesbezüglich (wenig überraschend) nichts zu erfahren. Nebst einer (auch aus den obigen biographischen Zitaten ersichtlichen) Vorliebe von Nikita Noemi Rothenbächer für unreflektierte Selbstpathologisierungen wird in der "Liminalis"-Rezension generell zu veralteter Wissensstand bemängelt ("scheint [...] in den frühen 80er Jahren stecken geblieben zu sein").

In Sachen Vereinnahmung wird in der "Liminalis"-Besprechung einzig Missbrauch des Begriffs "Transidentität" kritisiert:

"Dass sie hierdurch alle Transidenten, die ohne Hormonterapie eine Geschlechtsidentität leben, die nicht deren biologischen entspricht, beleidigt und diskriminiert nimmt sie offensichtlich nicht einmal wahr."

Frühling 2009 hat das "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer", wie sie sich nun nennt, die bunte Welt der Blogs für sich entdeckt. Unter http://zwitterwesennikitanoemi.blogspot.com heisst's in der Beschreibung frech:

"Leben zwischen den Geschlechtern! Intersexualität – Erfahrungen aus einem Tabubereich von Nikita Noemi! Schätzungsweise leben 80.000 bis 100.000 Intersexuelle in der Bundesrepublik. [...]"

Auch Christiane Völlings Prozessieg vor OLG vereinnahmt das "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" sogleich für sich selbst, löscht Christianes Namen und persönliche Angaben und setzt ihre eigenen ein (>>> Diskussion im Hermaphroditforum):

"Nikita Noemi Rothenbächer 04.09.1999 Frankfurt/Main (AFP) — In einem bundesweit beispiellosen Prozess hat sich in Frankfurt/Main eine Managerin nach jahrelangen unfreiwilligen Leben als Mann auch in zweiter Instanz gegen ihren Ex-Chirurgen durchgesetzt. Ohne mündliche Verhandlung wies das Frankfurter Oberlandesgericht nach eigenen Angaben die Berufung des Mediziners gegen das Urteil des Landgerichts zurück, das im Februar der Klage der 42-Jährigen auf Schmerzensgeld grundsätzlich stattgegeben hatte. [...]"

Auch praktisch alle restlichen Texte des Blogs sind entsprechend 1:1 zusammengeklaut und als eigene ausgegeben. Die darin abgehandelten, Suchmaschinen-optimierten Schlagwortkataloge hätten wohl auch Hirschfeld und Krafft-Ebing aufhorchen lassen:

"Transidente", "Crossdresser", "Schwule", "Hermaphroditen", "Transgender", "Transsexuelle", "Intersexuelle", "Zwangsoperationen", "Shemales", "Zwitter", "Lesben" und weitere "ganz Versaute wie Perverse".

Das Ganze umrahmt von wohl Hunderten von "Post OP"-Nacktfotos vom "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" höchstpersönlich sowie "einmalige[n]", "reale[n] Vidio Clip[s]" mit Titeln wie "Shemales fuck Shemales", "Hundef**k mit Rüde Hasso" oder "'Sara und der Hengst' am 15.08.2009 in Weilburg Hessen!"

"Vereinnahmung Hardcore" sozusagen ...

Die vom "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" unter Verletzung sämtlicher Copyrights annektierten Texte stammen Teils aus Kommerzprodukten, Teils von Zwitter-Aktivist_innen und solidarischen Nicht-Zwittern sowie von Transsexuellen.

Nachfolgend einige Beispiele geklauter Texte, jeweils zusätzlich mit einem kurzen Zitat, mit dem sich Original und Klau per Suchmaschine belegen lassen:

Michel Reiter:
>>> Genitale Korrekturen an intersexuellen Menschen: "It's easier to make a hole than to build a pole"
"Bereits in griechischen Sagen tauchen zweigeschlechtliche Mischwesen auf, die sogenannten Hermaphroditen"

Georg Klauda:
>>> Immer Ärger mit dem Geschlecht
"Immer Ärger mit dem Geschlecht"

Jennifer Gregorian:
>>> Menschenrechtsverletzungen an Zwittern: Zwangsoperationen bei Intersexuellen
"Intersexuelle werden häufig wie rechtlose Aussätzige behandelt, begafft, fotografiert und zu Forschungszwecken missbraucht"

Peter Leonhard:
>>> Hermaphroditen
"Normale Menschen (wie Karin und ich) haben keine Ahnung, wie schwierig es ist"

Eva Casi / Transensyndikat.net:
>>> Was ist weiblich bzw. männlich? Die Kultur der Weiblichkeit
"Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht das Thema der Weiblichkeit unter MzF-Transidenten diskutiert"

Lynn Conway / Beate R.:
>>> Eine Warnung an alle, die eine MzF-GA-Operation anstreben
"Beispiele "unrichtiger Beweggründe" und Situationen, in denen der Weg der Ga-OP ungeeignet ist"

Verena Knauf:
>>> Hermaphroditismus und Pseudohermaphroditismus
"5. Zusammenfassung an Fallbeispielen"
Den Namen der verstorbenen Bianca Müller löscht Nikita Noemi Rothenbächer hier heraus und ersetzt ihn durch ihren eigenen.

Merle Wuttke:
>>> Sind Transsexuelle Frauen, Männer oder Hermaphroditen?
"Sind Transsexuelle Frauen, Männer oder Hermaphroditen?"

Die Reihe liesse sich beliebig fortsetzen ...

Meine 2 Cent:

Es ist wohl letztlich unvermeidlich: Sobald Zwitter, ihre Forderungen und die an ihnen begangenen Menschenrechtsverletzung in den Medien und im öffentlichen Bewusstsein vermehrt Aufmerksamkeit beanspruchen, gewinnen sie automatisch auch in weniger angenehmen Sparten an "Marktwert", siehe z.B. in der Partnervermittlungsbranche. Auch die Sex- und P*rn0industrie und ihr Umfeld werden die fortschreitende Auflösung des Zwittertabus entsprechend reflektieren – auf ihre Weise (siehe oben). 

Betreffend Nikita Noemi Rothenbächer finde ich ein Zitat aus der TGNB-Rezension zu "Transidentität. Von wo nach wohin" bedenkenswert:

"Ich möchte hiermit nicht behaupten, dass die Gesellschaft furchtbar fair mit Nikita Rothenbächer umgeht, mitnichten! Wie viele Transsexuelle erfährt sie mannigfaltige Diskriminierungen, stößt auf völlig ungerechtfertigte Vorbehalte und wird vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Trotzallem ist ihre Rolle in erster Linie die eines Opfers und somit eine passive und eine unschuldige dazu – das macht sie [für Nikita Noemi Rothenbächer] so reizvoll."

Auch ist "Hardcore-Vereinnahmung" à la "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" politisch wohl weniger gefährlich als beispielsweise die gängige Instrumentalisierung der Leiden der zwangsoperierten Zwitter z.B. im Namen von "Schutz vor Verletzungen der 'sexuellen Identität'" (statt "Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung").

Trotzdem hielte sich mein Mitleid wohl in eng umrissenen Grenzen, wenn das "Zwitter-Wesen Nikita Noemi Rothenbächer" gelegentlich mit Abmahnungen überflutet würde.

Wo Texte auf solche Weise missbraucht, die Namen der realen Zwitter darin, lebend und tot, buchstäblich aus ihren eigenen, realen Geschichten systematisch herausgelöscht und die Leerstellen mit "Nikita Noemi Rothenbächer" überschrieben werden, wird die Vereinnahmung langsam selbsterklärend ...