Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!Ein an der letzten Delegiertenversammlung der Grünen Schweiz diskutiertes Papier >>> "Frauen + Männer = ? Grüne Positionen zur Geschlechterdemokratie im 21. Jahrhundert" (PDF) ging unter einem historischen Punkt "5. Körperliche Unterschiede und gesellschaftliche Zuschreibungen" explizit auch auf kosmetische Zwangseingriffe an Zwitterkindern ein (S. 11-12):

Körperliche und sexuelle Integrität unantastbar
Die körperliche und sexuelle Integrität ist unantastbar. Daher kämpfen die Grünen gegen die Genitalverstümmelung; diese sind bei Mädchen und Frauen strikt zu bestrafen. Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden. Von Intersexualität betroffene Kinder und Jugendliche müssen bei Volljährigkeit selber entscheiden dürfen, welchem Geschlecht (wenn überhaupt) sie angehören. Chirurgische und hormonelle Eingriffe sollen daher nicht vorher vorgenommen werden dürfen.
[...]

Damit diskutierten die Grünen als erste Partei in der Schweiz offiziell über gesetzliche Massnahmen gegen genitale Zwangsoperationen an Zwittern! Besonders erfreulich zudem, dass sie – anders als u.a. die deutschen Grünen, die SPD (aber auch etwa bei Amnesty Schweiz) – in keiner Weise der sonst meist allgegenwärtige LGBT-Vereinnahmung verfallen. Danke!

Leider wurde das Papier an der Delegiertenversammlung laut Agenturmeldungen wegen verschiedener strittiger Punkte zunächst zur Überarbeitung an den Vorstand zurückgewiesen. Wohl nicht zuletzt ausschlaggebend war eine ein unmittelbar vor der Versammlung in verschiedenen Medien losgetretene Kontroverse um den Satz: "Auch die Beschneidung von Knaben muss offen diskutiert werden." Zwar unterstrich der Urheber des umstrittenen Satzes, Diego Hättenschwiler, es gehe um nichts weniger als "das Recht eines jeden Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit", und betonte erneut, bezüglich der Knabenbeschneidung gehe es um die Forderung nach einer öffentlichen Diskussion, und nicht um ein Verbot. Trotzdem wurde als Reaktion auf die Medienschelte auch parteiintern sogleich öffentlich unterstellt, das Papier wolle Knabenbeschneidungen "verbieten".

(Vor lauter Kontroverse dazu musste auch dieser Blog auf die für Zwitter historische Stossrichtung des Papiers zuerst in einem Kommentar hingewiesen werden – Sorry für diesen peinlichen Lapsus. Nachtrag: Dito, dass schon die bemerkenswerte Vernehmlassungsantwort der Grünen zur Genitalverstümmelung auch an Zwittern zunächst ebenfalls unter dem Radar blieb.)

Fazit: Bleibt zu hoffen, dass die Grünen sich zumindest in Sachen kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht indizierte Zwangseingriffe an Zwitterkindern nicht ins Bockshorn jagen lassen – und dass möglichst viele andere Parteien ebenfalls deutlich Stellung beziehen gegen die menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen!

Siehe auch:
- Schweiz: Grüne, Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern