TeleBärn, 18.3.2010

"Vorwürfe an Inselspital: Zwitter-Operationen seien gefährlich und nicht getestet" (Ankündigung im seinerzeitigen Tagesprogramm)
"Gesetze für Zwitter gefordert"
(Videotitel)

Nachrichtensprecher Matthias Hämmerly:
Hermaphroditen sind Personen, die als Mann und als Frau gleichzeitig geboren werden. In solchen Fällen sind früher Bébés operiert worden. Später haben die Betroffenen aber vielleicht festgestellt, dass man Ihnen ein falsches Geschlecht zugeteilt hat. Daniela Truffer ist das so gegangen.

Reporter Lukas Ninck: Daniela Truffer ist äusserlich ganze eine Frau. Hier in der Klinik der Insel ist sie als Baby aus medizinischen Gründen zu einer gemacht worden, obwohl die Gene männlich sind. Das hat bei ihr tiefe Narben hinterlassen.

Daniela Truffer, Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org: Die haben mich psychisch und physisch kaputt gemacht, was ich jetzt, je älter ich werde, desto mehr merke, was das mit mir alles gemacht hat, die 'Behandlung', die ich habe erleben dürfen oder müssen.

Reporter Lukas Ninck: Sie setzt sich darum jetzt ein, dass die Kinder heute nicht mehr das gleiche Schicksal trifft wie sie. Darum geht sie mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit, weil sie klare Richtlinien und Gesetze für Zwitter will. Auch heute würden immer noch Kinder zwangsoperiert, das werde aber totgeschwiegen.

Daniela Truffer, Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org: Die Spitäler verstecken sich, man kriegt keine Zahlen, man wird immer vertröstet, das Thema ist überhaupt ein riesiges Tabu.

Reporter Lukas Ninck: Das Tabu brechen will auch die Grossrätin Margreth Schär. Sie hat darum heute einen Vorstoss an den Regierungsrat gemacht, der untersuchen soll, wie die als Zwitter geborenen Kinder heute in der Insel behandelt werden.

Margreth Schär, Kantonsrätin: Für mich wäre es wichtig einfach, das Umfeld abzustecken, zu wissen, stimmt das, was die Selbsthilfegruppe erzählt, passiert das in der Insel, wie passiert das in der Insel.

Reporter Lukas Ninck: Am Inselspital kann man die Aufregung nicht ganz verstehen. Zwangsoperiert werde schon lange nicht mehr, im Gegenteil: die Eltern werden gut beraten und die Frage, ob operieren oder nicht, soll man ganz dem Kind überlassen.

Markus Hächler, Pressesprecher Inselspital: Wir haben im Moment etwa vierzig bis fünfzig Familien, die wir betreuen, mit dieser Fragestellung. Und diesen Leuten rät man: tut das Kind nicht jetzt operieren, das soll später als erwachsener Mensch selber entscheiden können.

Reporter Lukas Ninck: Ob ein ähnlich tragisches Schicksal wie das von Daniela Truffer heute noch möglich wäre, werden die Abklärungen vom Regierungsrat zeigen. Klar ist, dass die Diskussion über die Geschlechterrolle nicht nur im Parlament muss geführt werden.

Siehe auch:
- Politischer Vorstoss betreffend kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Inselspital
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital
- Pressespiegel Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.09  
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 6.7.08