Die Zwitter Medien Offensive™ war schon da! 

Als bisher einzige Zeitung brachte der Tagesspiegel unter dem Titel "Er, sie, es" (Titel inzwischen geändert, siehe Nachtrag 2) einen Artikel von Ulrike Baureithel zum "Forum Bioethik" des Deutschen Ethikrates vom 23.6.10.

Unter demselben diskreditierenden Titel war wie vermerkt schon am 15.1.03 in der FAZ  ein Artikel von Katrin Hummel erschienen um die seinerzeitigen Aktivist_innen Ernst Bilke und Michel Reiter.

Da es interessant ist zu vergleichen, >>> dokumentiere ich den FAZ-Artikel hier.

Kommentar:

Beide Artikel enthalten einige Ungereimtheiten und Schnitzer, was ärgerlich ist. Jedoch ist es m.E. wichtiger, dass das Tabu-Thema Menschenrechtsverletzungen an Zwittern überhaupt öffentlich aufs Tapet kommt, als dass von Anfang an jedes Detail stimmen müsste. Zudem sind auch JournalistInnen nur Menschen, die zunehmend unter (Termin-)Druck stehen, weshalb sie je länger desto häufiger unreflektiert abschreiben und rezyklieren (müssen), wo's nur irgendwie geht. Was aber eine allgemeine Erscheinung ist und nicht spezifisch für Artikel über Zwitter.

Trotzdem dünkt mich im direkten Vergleich zwischen diesen beiden Artikeln, die immerhin 7 Jahre auseinanderliegen, dass die in Mainstreammedien mögliche Kritik an den Menschenrechtsverbrechen an Zwittern inzwischen pointierter, konkreter und auch politischer wurde. Was an sich schon mal ein Fortschritt ist. Der jedoch nur möglich wurde durch durch Jahrzehnte langes Beackern der Öffentlichkeit durch verschiedene Aktivist_innen.

In dieser Beziehung kann sich die zunehmende Gehetztheit der JournalistInnen übrigens auch zu Gunsten der Zwitterbewegung auswirken – solange sie sich für eine kontinuierliche, gut dokumentierte Öffentlichkeitsarbeit nicht zu schade ist. Ansonsten kann der errungene Vorteil auch schnell wieder dahinschmelzen oder gar rückgängig gemacht werden – die Medizyner schlafen nicht ...

Ein Beispiel dafür ist, dass in die männliche Rolle zwangsoperierte Zwitter wie z.B. der in der FAZ portraitierte Ernst Bilke mittlerweile in der Öffentlichkeit seit längerem kein Thema mehr sind, obwohl sie nach wie vor genau so existieren und genauso leiden wie zwangskastrierte Menschen mit CAIS, und auch zunehmend von den Medizynern "produziert" werden ... (Und obwohl die Geschichte von Ernst Bilke z.B. in den Büchern von Ulla Fröhling und Claudia Lang sehr wohl öffentlich dokumentiert ist.)

>>> "Er, sie, es" - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.1.03 

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin, Mi 23.6.10 18h: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"