Da der Ethikrat nicht nur wie schon im Vorfeld befürchtet bei den chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken vorerst "keinen Handlungsbedarf" sieht, sondern es auch mit der versprochenen Veröffentlichung der schriftlichen Protokolle eher geruhsam nimmt, hier schon mal ein (grammatikalisch "leicht begradigtes") Transkript des Beitrags, den Seelenlos im Namen der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org zur Diskussion beisteuerte:

Also, mein Name ist Seelenlos, ich bin von der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org. Und ich finde es schön, dass anscheinend auf dem Podium ja Einigkeit herrscht, dass es keinen vernünftigen Grund gäbe, Kleinkinder zu gonadektomieren.

Aber die Tatsache ist: Es werden Kleinkinder gonadektomiert, und es macht niemand etwas dagegen. Wenn es ausnahmsweise einen Mediziner gibt, der sich weigert, das zu machen, dann findet sich bestimmt ein anderer. Die Selbsthilfegruppen wissen von diversen Kindern jedes Jahr, neunmonatigen, zweijährigen, die gonadektomiert werden.

Frau Plett hat gesagt, man sollte die Mediziner überwachen. Offensichtlich macht das niemand, und ich wollte mal fragen: Was sind da die Vorschläge, um solches zu verhindern, oder gucken wir alle nur zu?

Und das andere ist, die ethischen Grundsätze [des "Netzwerk Intersexualität/DSD"], die finde ich ja zum Teil ganz schön, gutwillige Menschen können da bestimmt was damit anfangen. Aber die Mediziner lesen die ganz anders. Zum Beispiel die aktuelle Leitlinie, die beruft sich auch auf dieses Ethikpapier und benutzt es zur Begründung, dass die Eltern bestimmen können, was immer sie wollen, und dass die Kinder keine Rechte haben. Und es hat dann da eine Fussnote und da ist das Ethikpapier dabei.

Und für mich stellt sich da die Frage: Wo ist dann da die Ethik, nur noch ein Feigenblatt?

Und auch zu dieser Veranstaltung: Was bringt das, was kommt konkret heraus? Oder reden wieder alle nur und schauen dann zu, wie weiter Kinder operiert werden? Danke.

Ohne weiteren Kommentar ... (Nachtrag: Transkript der Antwort der Ethikpapier-Verantwortlichen.)

>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 23.6.10
>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 22.6.10

>>> Pressemitteilung des Deutschen Ethikrates vom 25.6.10
>>> Veranstaltung des Ethikrates in Berlin 23.6.10
>>> "Ethik als Freifahrtschein, an die Eltern eine ohnehin schon feststehende Entscheidung abzudelegieren" - Claudia Wiesemann, Forum Bioethik 23.6.10
>>>
(Audio-)Protokolle --> zu unterst     >>> Beitrag von Konstanze Plett (mp3, 19,3MB)
--> Diskussion zum "Forum Bioethik" auf dem Hermaphroditforum
--> Bayerischer Rundfunk   --> Tagesspiegel   --> Deutschlandradio   --> e-politik 

Siehe auch:
- Amnesty: Zwangsoperationen "fundamentaler Verstoß" gegen körperliche Unversehrtheit
- Genitalverstümmelungen an Zwittern gleich schädlich wie weibliche Genitalverstümmelung - Terre des Femmes, 2004
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal", 2003)
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Bundesregierung und Ethikrat: Genitalverstümmelungen an Zwitterkindern in Diskussion mit aufnehmen und handeln - Marion Böker
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg  
- USA: Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Dix Phillip Poppas von Ethikerinnen geoutet
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Genitale Zwangsoperationen: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) 
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen!
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert