IOC: neue Geschlechter-Regeln für Athletinnen mit "Hyperandrogenismus" auf 2012
By seelenlos on Wednesday 6 April 2011, 00:40 - Die Mediziner - Permalink
In
einer gestrigen >>> Pressmitteilung
(englisch) vom 5.4.11 anlässlich eines Treffens der Geschäftsleitung in
London "bekräftigte" das Internationale Olympische Kommittee IOC
"die Notwendigkeit verbindliche Regeln aufzustellen betreffend der Teilahme
weiblicher Athletinnen mit erhöhtem Androgenspiegel ['Hyperandrogenismus'] bis
zur Sommerolympiade 2012". Weiter empfahl das IOC, auch die anderen
internationalen Sportverbände sollen ähnliche Eigene Regeln aufstellen.
Als ersten Ausblick auf die im Detail noch zu bestimmenden Regeln gab das IOC bekannt:
"Juristisch als Frauen lebende Athletinnen sollen bei Frauenwettkämpfen teilnehmen können, sofern ihr Androgenspiegel unter dem von Männern liegt (gemessen anhand der Serumkonzentration von Testosteron), sowie, falls ihr Spiegel innerhalb der männlichen Bandbreite liegt, sofern eine Androgenresistenz vorliegt, so dass sie keine Wettbewerbsvorteile davon haben."
Zum ersten Mal überhaupt wurde in der IOC-Pressemitteilung ferner festgehalten, es sei "das individuelle Recht" von Athletinnen, medizynische Behandlungen zu "verweigern".
Als weitere Premiere wurden erste Details der "Geheimkonferenz" vom Oktober 2010 in Lausanne offiziell bekannt gegeben, z.B. die Teilnahme "eine_r Delegierten von Organisation Intersex International [OII]". Wie seinerzeit auf dem Hermaphroditforum inoffiziell verlautete, handle es sich dabei um Hida Viloria.
Gegenüber >>> BBC London (englisch) gab IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist weiter Auskunft, entgegen der bisherigen Praxis auch des Athletikweltverbandes IAAF sollen Anschuldigungen von Konkurretinnen künftig keine "Geschlechtsuntersuchungen" mehr "auslösen können", sondern lediglich "wenn eine Athletin während Dopingtests als mit männlichen Charakteristiken ausgestattet identifiziert wird" (anstelle der vielkritisierten früheren "Nacktparaden" vor Sportärzten werden die primären Geschlechtsmerkmale heutzutage "unauffällig" während der Abgabe der Urinproben kontrolliert), oder wenn "Dopingtests abnormal hohe Hormonwerte" ergäben, sowie, falls eine Athletin selbst um eine Abklärung ersuche.
Die IOC-Medizyner-Kommission wolle nun detaillierte Regeln ausarbeiten, die dann bis am nächsten Treffen der Geschäftsleitung vom 6.-9. Juli in Durban (Südafrika) abgesegnet werden sollen.
Kommentar:
Fürs erste klingt das alles schon mal vernünftiger als z.B. die Aussagen von
IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist sowie der IOC-Genitalverstümmler-"ExpertIn"
Maria I. New im Anschluss an das
berüchtigte IOC-Medizyner-Symposium in Miami im Januar 2010.
Einmal mehr wird allerdings der Teufel im Detail stecken, beispielsweise in den konkreten Auslegungen/Limiten betreffend Androgenresistenz (die sich zudem aktuell nicht immer genau bestimmen lassen) – lauter Dinge, worüber sich die aktuelle Verlautbarung bezeichnenderweise ausschweigt.
Stark negativ fällt weiter auf, dass zumindest laut der Verlautbarung auch keine transparenten Rekursmöglichkeiten vorgesehen sind, und die IOC-Medizyner bzw. "internationale Hyperandrogenismus-Experten" hinter verschlossenen Türen Ausschlüsse durchsetzen sollen.
Bis diese Fragen zufriedenstellend geklärt werden, bleiben die treuherzigen Beteuerungen von IOC-Chefmedizyner Arne Ljungqvist, wonach die "seltenen Fälle" intersexueller Teilnehmerinnen "mit Fairness gegenüber den Athletinnen wie gegenüber dem Sport behandelt" werden sollen, mit Vorsicht zu geniessen.
Dies umsomehr, als die von Ljungqvist gegenüber BBC erneut vorgebrachte Beteuerung, die neuen Regeln stünden nun aber bestimmt in gar "keinem Zusammenhang" mit dem IAAF-Debakel um Mokgadi Caster Semenya, auch durch stete Wiederholung weder fairer noch wahrer wird ...
Fortsetzung folgt ...
>>>
IOC und IAAF unterstützen GenitalverstümmlerInnen
>>>
Zwitter im Sport: IOC, IAAF und FIFA leugnen Verantwortung
>>>
IOC/IAAF/FIFA: "Zwitter brauchen OPs und Hormonbehandlungen"
>>>
Pressemitteilung Zwischengeschlecht.org von 22.01.2010
Siehe auch:
- Alle Posts über Caster
Semenya
-
Caster Semenya rehabilitiert – und Santhi Soundarajan???
-
Diskriminierung von Zwittern im Sport weltweit
-
"Caster Semenya wird als Zwitter verheizt"
-
Protest gegen Diskriminierung von Zwittern im Sport, IOC 19.11.09








Comments
Die Formulierungen bergen Probleme für Ags-Frauen (inklusive Los-Ags):
Sie haben natürlichermaßen "erhöhte" Androgenspiegel, und ihr Körper ist daran gewöhnt. Sie dürfen nach dieser Regelung anscheinend nicht teilnehmen.
Bei einigen dieser Personen kann es dazu kommen, daß ihre körpereigenen "erhöhte" Androgenspiegel, an die sie ja gewöhnt sind, nachlassen, so daß sie zu Gesundheit und Wohlbefinden möglicherweise von äußere Androgenzufuhr profitieren können. Sie dürfen nach dieser Regelung anscheinend nicht teilnehmen.
Weiters können sich einige dieser Personen genötigt sehen, ihre körpereigene Androgenproduktion zu unterdrücken, um mitmachen zu dürfen, wozu Glukokortikoide dienen, vorzugsweise Hydrocortison, aber auch das dürfen sie nicht, denn "Alle Glucocorticosteroide sind verboten, wenn sie oral, rektal, intravenös oder intramuskulär verabreicht werden." Sie dürfen nach dieser Regelung anscheinend nicht teilnehmen.
Unter längerer Behandlung mit Hydrocortison kann es zu einer Atrophie der Nebennierenrinde kommen, was nicht nur die Bildung der körperangemessenen Androgene stört, sondern auch die Restbildungsreserve an Hydrocortison so weit drückt, daß es zu lebensbedrohlichen Addison-Krisen kommen kann. Und man sollte erst recht nicht auf die Idee kommen, die Nebennieren wegzuoperieren, um ohne die als Doping geltende Zufuhr von Glukokortikoiden die Androgenspiegel zu drücken, weil es irreversibel ist, dann erst recht lebensbedrohliche Addisonkrisen drohen und außerdem ja das Nebennierenmark mitenfernt würde, wo Adrenalin und Noradrenalin gebildet werden, die für Sport und allgemein fürs Leben wichtig sind.
Ich habe den Eindruck, Ags wurde mal wieder "vergessen", obwohl es häufig ist.
Nebenbeibemerkt:
Androgenresistenz ist eine Diagnose basierend auf klinischer Untersuchung und Hormonspiegeln; das "Nichtfinden" einer genetischen Mutation kommt vor und widerlegt keineswegs die Diagnose. Androgenresistenz kommt graduell vor und kann als postzygotische Mutation auftreten.
Die originale Ausführung der neuen Gesetze wurde mir zugesendet und habe auch die Einordnung der Androgenresistenz nicht klar gefunden.
Besonders wie mit dem auf 2.000 bis 3.000 % (!) über Erwartung gestautem DHT was ja ein Doping-Mittel ist.
Auch geht man immer davon aus dass "Männer" sich bei den "Frauen" Vorteile verschaffen möchten.
Das "Nichtvorhandensein" von Testosteron könnte aber auch Vorteile haben wie zum Beispiel einen verzögerten Alterungsprozess.
Das währen wahrlich mögliche biologische positive Eigenschaften von XY-Frauen mit einer Androgenresistenz.
Diese könnten dann gegen "definierte richtige Männer" mit normalem Alterungsprozess - besonders auf den Sprint-Strecken gut aussehen.
Neben anderem werde ich bei einem Treffen in der kommenden Woche einen führenden kompetenten Experten ansprechen der bei der Erstellung der neuen WADA/NADA/DLV Vorschriften beteiligt war.
Ich spreche dabei in eigener Sache vor.
Einmal wegen der klaren (dann die dritte) medizinische Beschreibung der Syndrome auf Grund der Laborwerte und des
IST-Menschen.
Und wegen der leichtathletik wo ich bei den "älteren Testosteron-Männern, 6ß+" starten werde - als "eher optisch weiblicher Mensch".