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Standbild aus "Tabu Intersexualität"

2 Tage nach einer Auszeichnung für eine Radiosendung zum Thema in der Schweiz und 2 Tage vor der historischen Bundestagsdebatte räumte auch in Deutschland eine Journalistin einen Preis ab für eine Produktion mit bewegenden Interviews mit Betroffenen.

Nämlich die Filmemacherin Britta Julia Dombrowe den ('sinnigerweise' von Bayer gesponserten) >>> "Europäischen Journalistenpreis 2010" des Verbands Deutscher Medizinjournalisten (VDMJ) für ihre letztjährige >>> Arte-Doku "Tabu Intersexualität" u.a. mit Christiane Völling und der unversehrt aufwachsenden Inge und ihrer Familie (auch Daniela "Nella" Truffer und yours truly a.k.a Markus Bauer hatten darin einen Cameo-Auftritt, siehe Bild oben). Britta Julia Dombrowe erhielt den Preis zusammen mit dem Dokumentarfilmer John A. Kantara.

"Tabu Intersexualität" polarisierte seinerzeit Betroffene stark – auch dieser Blog hatte einige konkrete Kritikpunkte, kam jedoch unter dem Strich zu einem positiven Verdikt
(>>> ausführliche Besprechung). 

Besonders (selbst-)entlarvend waren im Film (später auf diesem Blog als Teiltranskripte veröffentlichte) Aussagen von Seriengenitalabschneidern, namentlich von "EuroDSD"-Chef >>> Olaf Hiort (Lübeck) und die des nicht minder berüchtigten Kinderchirurgen >>> Pierre Mouriquand (Frankreich).

In einem >>> Interview der Regisseurin Britta Julia Dombrowe zum Film hatte sie zur Entstehung von "Tabu Intersexualität" obendrein u.a. öffentlich zu Protokoll gegeben:

2007 arbeitete ich an einem Film über afrikanische Frauenbeschneidung. Ich sprach mit einer Medizinhistorikerin, die sagte: ,Wir regen uns darüber auf, wie andere Länder die Genitalien manipulieren. Dabei passiert es mit intersexuellen Menschen in europäischen Krankenhäusern sehr häufig, dass Genitalien angeglichen werden.’ Das hat mich schockiert. So bin ich drangeblieben. Ich konnte die Diskrepanz nicht vertragen, dass wir uns einerseits darüber aufregen, was anderswo passiert – gleichzeitig wird es bei uns hinter verschlossenen OP-Türen ganz ähnlich gemacht.

Viele Menschen sind so nachhaltig traumatisiert, dass sie Probleme mit Sexualität und Partnerschaft haben. Auch die Organe, die man ihnen anoperiert hat, werden oft nicht als lustspendende Organe empfunden. Die meisten sagen: Ich wäre am liebsten so geblieben, wie ich war.

Zuvor hatte Britta Julia Dombrowe u.a. die Veröffentlichung von >>> Christiane Völlings bewegender Autobiographie als Co-Autorin unterstützt.

Dieser Blog gratuliert der engagierten Journalistin Britta Julia Dombrowe für den verdienten Preis – und hofft, dass dadurch noch mehr BürgerInnen von den heute noch andauernden Genitalverstümmelungen und sonstigen medizinischen Verbrechen in unseren Kinderkliniken erfahren werden!

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
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150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
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Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter