Aktuelle Veranstaltungen
By seelenlos on Tuesday 17 January 2012, 14:47 - Die anderen - Permalink
Vorschau auf einige Vorträge, in denen "Intersex" auf die eine oder andere Weise eine titelgebende Rolle spielt:
Göttingen, 19. Januar 2012
Friederike Maaßen: „Und was ist es jetzt?“ - Hebammen im Umgang mit
Intersexualität bei Neugeborenen
>>> Ankündigung
>>>
neuer Ort & Zeit >>>
Kommentare dazu "Der Vortrag stellt eine Abschlussarbeit vor, die
Intersexualität in Medizin und Gesellschaft beleuchtet und momentane politische
Bewegungen aufgreift. Es kommen Hebammen zu Wort, die ein Kind mit
uneindeutigem Geschlecht entbunden haben. Sie erzählen von ihren Erfahrungen im
Umgang mit Eltern und Ärzt*innen. Zudem berichten Lehrkräfte für Hebammenwesen,
wie Intersexualität in den Lehrplan aufgenommen werden kann, um zukünftige
Hebammen für das Thema zu sensibilisieren."
Interessant und hochaktuell klingender Vortrag zu einem wichtigen Thema:
Hebammen bringen bekanntlich bessere Voraussetzungen mit zu einem menschlichen
Umgang mit Zwitterkindern als die in den Kliniken tonangebenden
Genitalabschneider. Nachdem was und Hebammen erzählten, findet jedoch
ungünstiger Weise aktuell eher eine Entmachtung der Hebammen statt zugunsten
der Verstümmler – mit den bekannten Folgen für die betroffenen Kinder. Während
wir gleichzeitig von den Medizynern selbst zu hören bekommen, ene Hebamme würde
in ihrer Laufbahn höchstens 0.5 mal ein Zwitterkind zur Welt bringen, weshalb
das Thema in der Hebammen-Schulung nix verloren habe, sondern das Kind vielmehr
schnell den Medizynern zu übergeben sei – mit den bekannten Folgen. Schön, dass
sich das das (geistes-)wissenschaftliche Interesse hier mal auf ein konkretes
Thema richtet (statt dass es wie sonst so oft bloss um Gender-Blabla geht).
Nachtrag: Dieser Blog bedauert sehr, dass ausgerechnet die
Gleichstellungsbüros und Fachschaftsräten der Sozialwissenschaftlichen und
Philosophischen Fakultät und der AStA der Uni Göttingen diesen Vortrag nicht
zulassen wollen. Offensichtlich sind sie nicht in der Lage, die Wichtigkeit des
Themas (und damit verbunden die Dringlichkeit der Verhinderung künftigen Leids
von durch Verstümmelung bedrohten Kinder) zu erkennen. Es ist noch ein weiter
Weg ... (Und für manche ist er offensichtlich öfters gar noch etwas
länger.)
Dresden, 18.-20. Januar 2012
"Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft" –
Internationale und Interdisziplinäre Konferenz
>>>
Ankündigung >>>
Programm (PDF) >>>
letzte Änderungen >>> Pressemitteilung
9.1.
>>>
Offener Brief von Zwischengeschlecht.org vom
18.01.2012
"[...] treffen sich führende Wissenschaftler_innen der Transgender- und
Intersex-Forschung, Künstler_innen sowie Sprecher_innen von
Betroffenenorganisationen zu einer internationalen Konferenz [...] Ein
Hauptanliegen der Konferenz "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft
und Gesellschaft" besteht darin, die biologisch-medizinische Perspektive auf
Transgender und Intersex mit einer kulturwissenschaftlichen zu verknüpfen sowie
die Erkenntnisse der Wissensform Kunst einzubeziehen.[...] Ein weiteres
wesentliches Ziel der Konferenz ist es, Betroffenen Gehör zu verschaffen und
die Öffentlichkeit zu sensibilisieren." (Pressemitteilung 1 + 2)
Soweit für diesen Blog ersichtlich, handelt es sich entgegen der vollmundigen
Pressemitteilung letztlich leider bloss wieder um die übliche Vereinnahmung der
Leiden der real allermeist genitalverstümmelten Zwitter durch privilegierte
Dritte, namentlich LGBT & Gender Studies. Während unverändert 90% aller
Zwitterkinder uneingewilligt verstümmelt werden (wohlbemerkt auch durch
praktische alle Institutionen, an denen die Vortragenden sonst ihre Brötchen
verdienen, ebenso wie durch die veranstaltende TU Dresden selbst!), sind die
meist grausamen Schicksale der Betroffenen – bzw. die Projektionen
Aussenstehender auf "die Zwitter" – einmal mehr bloss Material und Gegenstand
"wertfreier" Wissenschaft und Kunst, die sich um die realen Implikationen ihrer
"interdisziplinären Diskurse" auf die wirkliche Welt einen Dreck zu kümmern
scheint. Soweit diesem Blog ersichtlich wurden von "Intersex"-Seite weder
Betroffene noch ExpertInnen eingeladen, die eine konkrete Praxis betreffend
Beendigung der Verstümmelungen vorzuweisen hätten, noch geht es irgendwo
konkret um die Menschenrechte der verstümmelten Kinder, noch macht sich die
ganze Veranstaltung in irgendeiner Form konkret für sie stark. Allem Anschein
nach folglich eine ethisch stark fragwürdige Angelegenheit, bei der "Intersex"
einmal mehr als mitgemeintes Anhängel zwecks Fördergeldereintreibens für
Anliegen privilegierter Dritter herhalten muss – während sowohl in Dresden wie
auch den Institutionen der "führenden Wissenschaftler_innen" täglich
widerspruchslos weiterverstümmelt wird ...
Hamburg, 25. Januar 2012
Michaela, eine Ärztin aus Halle: Umgang von Medizin und Gesellschaft
mit intersexuellen Menschen
>>> Ankündigung
(neu) Empfehlenswerter Vortrag einer Ärztin, die weder Kinder
verstümmelt noch Verstümmelungen gut heisst, sondern fundiert argumentiert,
warum kosmetische Genitaloperationen an Kindern diesen letztlich nicht Gutes
tun, im Rahmen einer Reihe, bei der im Dezember bereits die "Klinefelters" zu
Gast waren, und veranstaltet von der "AG Queer Studies", die sich auch sonst
schon durch praktische Solidarität und durch konstruktive Auseinandersetzung
mit unreflektierten Vereinnahmungen hervortat – auch sowas gibt's zum
Glück.
Vorankündigung:
23. Februar 2012 – Daniela "Nella" Truffer im Thurgauer Frauenarchiv
(Schweiz)
>>>
Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
>>> 150 Jahre
Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der
Täter








