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Zwischengeschlecht.org on Facebook Wissenschaftliche "Wunder", von denen Nazi Eugeniker seinerzeit höchstens träumen konnten, sind dank pränatalen Gentests heute vielerorts Wirklichkeit:

Zum Beispiel selektive (Spät-)Abtreibungen von Feten mit "aus eugenischer Sicht unerwünschten" "Erbkrankheiten" wie zum Beispiel Hypospadie, Intersex oder Klinefelter mit exponentiell wachsenden Durchsatzraten.

Öffentlich debattiert wird um solche "eugenische Indikationen" dagegen kaum – und in der berühmten die Regel bestätigenden Ausnahme allenfalls mal über Trisomie 21 (z.B. tagesanzeiger.ch, 10.10.2014).

Menschenrechte gelten aber auch für Zwitter! Dieser Blog bringt deshalb Fakten & Zahlen zum Thema eugenische Intersex-Abtreibungen:

Historisch waren schweizer Ärzte, Psychiater und Wissenschafter nicht nur vielfach entscheidende Wegbereiter der weltweiten "eugenischen Bewegung" im Allgemeinen und der NS-"Rassenhygiene" im Besonderen (z.B. Forel, Bleuler oder Hans Guggisberg), sondern auch direkt an letzterer beteiligt (z.B. Rüdin). Menschen mit Genitalvariationen wurden unter den Nazis als auszurottende "Minderwertige" verfolgt und getötet. Ebenso waren CH-Medizyner entscheidend mitbeteiligt an der Durchsetzung der systematischen Intersex-Genitalverstümmelungen ab 1950.

Auch bei eugenische (Spät-)Abtreibungen von Intersex-Feten ist die Schweiz in der Weltliga erfolgreich mit an der Spitze:

XXY / Klinefelter: 74% - Rang 3
In einer Untersuchung von 2011 über 20 Länder, Regionen und Städte, dokumentiert im 2014 CRC Report (PDF 3.6 MB --> S. 76) steht die Schweiz (74%) auf Platz 3 auf dem Ehrenpodest neben Canada BC (88%) und Israel (85%), und noch vor Kalifornien und Dänemark (je 70%), Finnland und Grossbritannien (66%) – Deutschland (!) ist das Schlusslicht der Liste mit 17%:

"Intermediate sex": 47% - Rang 2
Die im Tagesanzeiger-Artikel zu Abtreibungsraten beim Downsyndrom erwähnte "Eurocat-Fehlbildungs­register" ("European registration of congenital abnormalities and twins") liefert auch die Daten für ein globales Register mit dem nicht minder nazitümelndem Titel "World Atlas of Birth Defects". Dieses wartet in der aktuellen 2. Auflage mit versammelten Statistiken aus den Jahren 1993-1998 u.a. zu einer als "Intermediate sex" (Zwischengeschlecht") in der Praxis eher obskur gehaltenen medizinischen Diagnose auf, wiederum inkl. einer Tabelle mit Abtreibungsraten (PDF 13.9 MB --> S. 184). Zürich kommt dabei über den gesamten Zeitraum auf 47% Abtreibungsrate, und für 1998 mit 67% auf den 2. Platz nach Glasgow in Schottland (100%) und vor Finland, Barcelona (Spanien) und Sachsen-Anhalt (Deutschland) als gemeinsame Dritte mit jeweils 50%. (Bei diesen im Vergleich niedrigeren Zahlen ist zu beachten, dass sich nicht alle Intersex-Diagnosen schon pränatal feststellen lassen – vielfach ist auch nach der Geburt keine präzise genetische Diagnose möglich.)

Hypospadie: 1.58% - Rang 2
Die Intersex-Diagnose Hypospadie ist im erwähnten "Weltatlas der Geburtsdefekte" unter "intermediate sex" allerdings nicht enthalten, sondern wird separat erfasst (wie übrigens im  "Eurocat-Fehlgeburts­register" auch die Intersex-Diagnose X0 "Turner Syndrom", worauf hier jedoch nicht weiter eingegangen werden kann). Zürich kommt bei Hypospadie im Zeitraum 1992-1998 auf eine Gesamt-Abtreibungsrate von 1.58%, und im Stichjahr 1995 mit 6.90% auf Platz 2 nach Barcelona (Spanien) mit 10% (PDF 13.9 MB --> S. 178). 1993 auf Platz 1: Tomsk (Russland) mit 75%; 1994 Glasgow (Schottland) mit 12.50%; 1996 Antwerpen (Belgien) mit 20.00%; 1997 Baskenland (Spanien) mit 14.29%; 1998 Heinaut (Belgien) mit 5.56%. (Die niedrigen Prozentzahlen hängen damit zusammen, dass sich Hypospadie vorgeburtlich genetisch kaum und auch via Ultraschall nur selten nachweisen lässt.)

>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe

Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy

2014 NGO Report to the UN Committee on the Rights of the Child (CRC)
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