"Dr. Niklas Ahrend muss zwischen einer Patienten und ihrem Freund Bernd Haller vermitteln: Sie war unehrlich zu ihm – aus Angst.

Lina Schubert und Bernd Haller kommen mit einem Kinderwunsch ins Johannes-Thal-Klinikum. Bei einer Ultraschalluntersuchung stellt Dr. Niklas Ahrend fest, dass Lina gar nicht schwanger werden kann: Sie hat keine Gebärmutter. Aufgelöst gesteht die Patientin ihm, Intersexuell zu sein.

Aus Angst, ihren Freund Bernd für immer zu verlieren, nimmt Lina Niklas in die Pflicht, ihm nichts von der Intersexualität zu erzählen. Doch als Niklas ihr die Möglichkeit einer Gebärmuttertransplantation in Aussicht stellt, muss sich Lina entscheiden, ob sie ihr Geheimnis um jeden Preis bewahren will. Sollte sie den komplizierten Eingriff wagen, müsste sie Bernd die Wahrheit anvertrauen."

Meine 2 Cent: Das Intersex-Schweigegebot steht im Zusammenhang mit dem allgemeinen, gesellschaftlichen Zwitter-Tabu; beide zusammen bilden einen wesentlichen Stützpfeiler für die Macht der MedizynerInnen, Eltern von Intersex-Kindern unnötige und schädliche Genitaloperationen usw. aufzuzwingen und Betroffene über Jahrzehnte traumatisiert und gefügig zu halten. Deshalb ist jede öffentliche Thematisierung in den Medien erstmal zu begrüßen – in welcher Form auch immer.

Gleichzeitig wirft die ARD-Ankündigung auch einige Fragen bzw. Bedenken auf:

  • Offenbar wird die belastende Verschwiegenheit der Intersex-Patientin einzig unter dem Aspekt behandelt, dass sie Angst hat, bei Ehrlichkeit ihren Partner zu verlieren – es ist zu befürchten, dass das von derMedizyn institutionalisierte und Betroffenen mit Psychoterror aufgezwungene Zwitter-Schweigegebot ("Wenn du redest, ist das das soziale Aus – niemand wird dich mehr mögen!") als solches wieder mal unter dem Teppich bleibt.
  • Dass als Lösung für den unerfüllten Kinderwunsch offenbar einzig eine "komplizierte" (sowie auch risikoreiche und mit lebenslangen "Nebenwirkungen", d.h. Einnahme von Immunsuppressoren zur Verhinderung einer Abstoßung, behaftete) "Gebärmuttertransplantation" angepriesen wird, weist auf eine mögliche Verherrlichung von MedizynerInnen-Allmachtsphantasien hin, welche gerade einen weiteren Grundpfeiler für die Entstehung und andauernde Fortführung der Intersex-Genitalverstümmelungen bilden. (Je nach konkreter körperlicher Beschaffenheit der "Fernseh-Patientin" wären zudem weniger invasive Möglichkeiten nicht auszuschließen. Auch haben manche Betroffene dank Adoption ein erfülltes Familienleben – was ihnen allerdings regelmäßig von diskriminierenden Behörden vorenthalten oder zumindest unnötig erschwert wird.) 

Da die Erstausstrahlung der Sendung am gleichen Tag wie der erste Verhandlungstermin im "2. Zwitterprozess" von Micha Raab in Nürnberg angesetzt war, verpassten wir sie ...

>>> Zwittertabu & Medizynermacht (I)
>>> Das verinnerlichte Schweigegebot (Zwittertabu & Medizynermacht II) 
>>> Erpressung, Zwittertabu & Medizynermacht (III)

NGO Report an das UN-Kinderrechtskomitee
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy
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>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben