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Thursday, July 21 2011

Deutscher Ethikrat: "rassistische Operationen an Intersexuellen seit 1934" - Parallelen zu heute "unzulässig" - Privilegien für Täter, Zensur für Opfer

>>> Ein bisschen Zensur auf dem Ethikrat-Online-Diskurs "Intersexualität" (I)
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Zensur 2.0 - Ethikrat löscht Kommentar von ETEKAR (II)
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Meinungsäusserung à la Ethikrat: Verstümmelungen akzeptieren oder Maul halten (III)
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Dokumentation der Zensur auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" (Stand 19.7.11) (IV)

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 21.07.2011:

Nach einer Pressemitteilung der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vom 19.7.2011 zog der Deutsche Ethikrat umgehend seine Behauptung zurück, "jüdische Sexualwissenschaftler" hätten "die erste vollständige Genitaloperation an intersexuell geborenen Menschen" in Deutschland verbrochen.

Stattdessen benannte der Deutsche Ethikrat in einer Stellungnahme nunmehr den bereits in der letzten Pressemitteilung erwähnten deutschen Gynäkologen und Mitarbeiter des u.a. für Zwangssterilisationen zuständigen Rassepolitischen Amtes der NSDAP, Prof. Dr. Hans Christian Naujoks (1892-1959):

"Als gesichert kann hingegen gelten, dass Hans Naujoks seit 1934 rassistisch motivierte medizinische Operationen an intersexuellen Menschen vorgenommen hat." (Ethikrat 19.7.11)

Worin die "rassistische Motivation" des Mediziners Naujoks zur 'Pioniertat' der ersten dokumentierten Genitalamputation an einem "Intersexuellen" in Deutschland konkret begründet sein soll, ließ der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme offen.

Auf den ranghohen Nazi Prof. Dr. Hans Naujoks als ersten offiziell belegten deutschen Zwitter-Genitalabschneider hatte im Ethikrat-Online-"Diskurs" seit längerem eine Betroffene in mehreren Kommentaren hingewiesen, die allerdings – Überrschung! – von der Redaktion in einer Nacht-und-Nebel-Aktion flächendeckend getilgt worden waren.

Der Weblog Zwischengeschlecht.info dokumentiert Ergebnisse dieser Recherchen in einem chronologischen Überblick über die "lückenlose" Karriere des Genitalamputierers Hans Naujoks vor und nach 1945 inkl. Schlaglichtern auf seine Wirkung mittlerweile 50 Jahre über seinen Tod hinaus.
 

Ethikrat: "Verbindungslinie von NS-Medizinverbrechen an intersexuellen Menschen zur heute gängigen Praxis unzulässig"

Ebenfalls keine konkrete Begründung, geschweige denn historische Belege kann der Deutsche Ethikrat für seine unbeirrbar wiederholte These liefern, die heutigen Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken stünden unmöglich in einem ursächlichen Zusammenhang mit Forschungen und Behandlungsentwicklungen im Rahmen von NS-Medizinverbrechen. Offensichtlich ist es dem Ethikrat Bestätigung genug, dass er dieses Dogma mittels Zensur auf seinem Online-"Diskurs" mühelos durchsetzen kann.

Wie auch die nach wie vor im "Diskurs" online stehenden Bemerkungen der Ethikrat-Redaktion über "jüdische Sexualwissenschaftler" und "erste vollständige Operation dieser Art" belegen, ist es mit der Sattelfestigkeit des Ethikrates in Sachen Geschichte der Genitalverstümmelungen in den heutigen Kinderkliniken alles andere als gut bestellt. Die ungebrochen stark täterlastige Auswahl der "Experten" im "Diskurs" lässt kaum auf Besserung hoffen.

Dass es sich bei dieser selektiven Blindheit des Ethikrates leider kaum um Fahrlässigkeit handelt, verdeutlicht die Tatsache, dass dem Ethikrat in einem Kommentar Nr. 102 am 22.6.2011 vorgeschlagen wurde, als "ausgewiesenen Experten" Prof. Dr. Dr. Michael Hubensdorf beizuziehen. Die vorhersehbare Reaktion des Ethikrates darauf? Richtig, auch dieser Kommentar wurde umgehend gelöscht ...
 

Macht und Privilegien für die Täter ...

Täter-assoziierte "Experten" dürfen im Ethikrat-"Diskurs" auf allen Ebenen ungerührt und einseitig ihre Sicht der Dinge öffentlich durchdrücken, ohne Rücksicht darauf, ob dies Überlebende der Zwangsbehandlungen verletzt oder nicht. Während gleichzeitig kritischen Betroffenen im Online-"Diskurs" nicht erlaubt wird, ungeschminkt öffentlich über ihre Lebensrealität zu berichten und ihre ureigenen Sichtweisen aufzuzeigen. Während die Betroffenenorganisationen ihre Vertreter für die Ethikrat-Anhörung nicht selbst bestimmen durften, sah es bei den Tätern offenbar anders aus.

Auch mit Transparenz ist es nicht weit her: Erst auf inständiges Drängen von Lucie Veith von Intersexuelle Menschen e.V. erwägt der Ethikrat seit grad mal gestern, die Statements der vom Ethikrat ausgewählten "Experten" möglicherweise auch den Opfern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – sofern die "Experten" nachträglich ihre Zustimmung geben.

Was für die Betroffenen einen Skandal darstellt und zu Aufschreien führte, ist in den Augen des Leiters der Arbeitsgruppe Intersexualität des Ethikrates Normalbetrieb: "eine ordentlich durchgeführte Recherche [...] Also kein Grund zur Aufregung." (Kommentare 342 und 350 von Michael Wunder, 20.7.2011)

Die ungleiche Verteilung der Spieße wie auch das erdrückende Übergewicht von bestellten "Experten" aus dem Dunstkreis der Täter und Mittäter war von Anfang an von allen Betroffenen durchgehend und immer wieder konkret angesprochen und kritisiert worden. Konkrete Antworten von Seiten des Ethikrates gab es keine, sofern es überhaupt zu Reaktionen außer Zensur kam, beschränken sich diese auf paternalistische bis persönliche Anwürfe.

Eine Anfrage von Michel Reiter (Kommentar 171 vom 4.7.2011), wie und nach welchen Kriterien die Zusammenstellung der geladenen Betroffenen und "Experten" zustande kam, wer alles angefragt wurde und wer nicht, wurde bis heute schlicht ignoriert.

Auch welche Publikationen und Medien in der Literaturrecherche des "Diskurses" berücksichtigt werden und welche nicht, bleibt weiterhin geheim oder allenfalls den "Experten" zugänglich. Fortsetzung folgt ...
 

... Willkür und Zensur für die Opfer

Der Deutsche Ethikrat streitet in einer Stellungnahme vom 19.7.2011 pauschal ab, dass auf dem Online-"Diskurs" speziell für die verwundbarste Gruppe der Betroffenen von Genitalverstümmelungen im Kleinkindesalter Zensur und Willkür auf der Tagesordnung stehen.  

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org hält an ihrer Darstellung fest und kann diese auch mit konkreten Beispielen belegen. Eine Auswahl davon ist auf dem Weblog Zwischengeschlecht.info dokumentiert, im Anschluss an die Chronologien zu Karriere und Wirkung des Genitalabschneiders Prof. Dr. Hans Naujoks vor und nach 1945.

Als pauschale Begründung für die Zensur auf dem Online-"Diskurs" unterstellte der Ethikrat in seiner Stellungnahme vom 19.7.2011 den Zensierten mehrfache Erfüllung der Straftatbestände nach § 185 StGB ("Beleidigungen") sowie § 187 StGB ("Verleumdungen").

Konkrete Begründungen für die Stichhaltigkeit seiner Unterstellungen bleibt der Ethikrat bis heute schuldig.

Umgekehrt ist für die Haltlosigkeit der Unterstellungen des Ethikrates längst mehrfach der Tatbeweis erbracht:

Nicht nur standen alle bekannten zensierten Kommentare meist seit Wochen unbehelligt zunächst auf dem Ethikrat-Online-"Diskurs" und sind seither ebenso unbehelligt auf dem Weblog Zwischengeschlecht.info dokumentiert. Ebenso seit Jahren eine Vielzahl durchaus vergleichbarer Kommentare derselben Kommentierenden unter anderem Pseudonym. Sowie seit noch mehr Jahren auf einem immer noch zugänglichen Online-Forum.

Würden die zensierten Äußerungen tatsächlich wie vom Deutschen Ethikrat unterstellt Straftatbestände darstellen, wäre dem wohl anders ...
 
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
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>>> Prof. Hans Naujoks – "seit 1934 rassistische Operationen an Intersexuellen" (V)  

>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>>
Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>>
Friedlicher Protest & Offener Brief "3rd EuroDSD" 2011
>>>
Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Hamburg, Ort von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken 
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren Genitalverstümmelung
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Tuesday, July 19 2011

Deutscher Ethikrat diffamiert "jüdische Sexualwissenschaftler" und zensiert Betroffene von Genitalverstümmelung in Kinderkliniken

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 19.07.2011:

Der Deutsche Ethikrat führt aktuell im Auftrag der Bundesregierung ein "mehrstufiges Diskursverfahren" zum Thema "Intersexualität" durch. Anlass dazu war eine Rüge der UNO im Zusammenhang mit der auch in Deutschland üblichen Praxis medizinisch nicht notwendiger, kosmetischer Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen. Als dritter und letzter Teil will der Deutsche Ethikrat in einem noch bis Ende Monat laufenden öffentlichen "Online-Diskurs" eine "solide empirische Basis für seine Stellungnahme schaffen".

Dass nun der Ethikrat aus diesem "Diskurs" ausgerechnet die verwundbarste (und größte) Betroffenengruppe willkürlich ausschließt und zensiert, nämlich diejenigen, die bereits als Kleinkinder genitalverstümmelt wurden, und das, obwohl diese Gruppe im ganzen "Diskursverfahren" von Anfang an stark unterrepräsentiert war, wirft grundsätzliche Fragen auf. Umso mehr, da der Ethikrat als Begründung für diese willkürlichen Ausschlüsse tatsachenwidrige Diffamierungen von "jüdischen Sexualwissenschaftlern" ins Feld führt und auf kritische Fragen dazu jegliche Antwort verweigert.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org protestiert gegen dieses unhaltbare Vorgehen und wird künftig in loser Folge Tatsachen dokumentieren, von welchen der Deutsche Ethikrat nicht will, dass sie öffentlich bekannt und diskutiert werden.

Ein Themenkomplex, den der Deutsche Ethikrat mit besonderem Eifer vom Online-"Diskurs" wegzensurierte, sind Belege und Literaturstellen für Zusammenhänge zwischen NS-Medizinverbrechen und den heutigen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken.

Abenteuerliche Begründung für diese Zensur: Schuldig an den heutigen Genitalverstümmelungen an "Intersexuellen" seien nicht genitalamputierende NS-Mediziner, sondern wenn schon "jüdische Sexualwissenschaftler" aus dem "Institut für Sexualwissenschaft in Berlin", welche 1931 die "erste vollständige Operation dieser Art" durchgeführt hätten.

Obwohl der Ethikrat danach mehrfach auf die Tatsachenwidrigkeit dieser Behauptung hingewiesen wurde, blieb er auf kritische Fragen dazu bisher jegliche Antwort schuldig.

Stattdessen verlegte sich der Deutsche Ethikrat darauf, kritische Fragesteller_innen zu schikanieren und aus dem Online-"Diskurs" herauszudrängen.

Tatsache bleibt: Die zweifelhafte Ehre, als erste eine "vollständige" Genitalverstümmelung an einem "Intersexuellen" durchgeführt zu haben, steht keinesfalls den vom Ethikrat namentlich erwähnten Medizinern Ludwig Levy-Lenz und Felix Abraham zu. Diese führten nämlich keine uneingewilligten Operationen an "Intersexuellen" durch, sondern eingewilligte Eingriffe an, wie sie es nannten, "Transvestiten".

Zwar sind Sexologen nicht nur aus dem "Institut für Sexualwissenschaft" an der Entstehung der heutigen Praxis der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken nicht unbeteiligt – und dies notabene unabhängig von religiösen und sonstigen Zugehörigkeiten.

Die "Ehre" der ersten Genitalamputation an einem "Intersexuellen" steht laut der Dissertation von Dominik Leitsch vielmehr dem deutschen Mediziner und NSDAP-Mitglied Hans Naujoks zu, der diese 1934 als Leiter der Kölner Uni-Frauenklinik durchgeführt habe.

Bezeichnenderweise wurde dieser Literaturhinweis von der Ethikrat-Redaktion mittlerweile aus dem Online-"Diskurs" herauszensuriert ...

Mehr dazu im nächsten Teil.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
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Nachtrag 19.7.11: Der Deutsche Ethikrat dementiert

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

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>>> Deutscher Ethikrat – Privilegien für Genitalverstümmler, Zensur für Opfer  

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>>
Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

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Friedlicher Protest & Offener Brief "3rd EuroDSD" 2011
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Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Hamburg, Ort von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken 
- Göttingen / Lübeck: Direktor und Oberarzt propagieren Genitalverstümmelung
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday, June 30 2011

Zwitter-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder Verbrechen?

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 30.06.2011:

     INHALT:
     1.  Jeden Tag wird in einer Kinderklinik ein wehrloses Kind verstümmelt
     2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder
     3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"
     4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben
     5.  Deutscher Ethikrat ist gefordert

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Die Mediziner nennen es "korrigierende" oder "angleichende Eingriffe".

Überlebende Betroffene sprechen ihrerseits von Genitalverstümmelung, uneingewilligten Zwangsoperationen und Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

Allein in Hamburg haben 2011 mindestens 5 Kinderkliniken medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen im Angebot für Kleinkinder "mit zu großer Klitoris" oder sonstwie "auffälligen Geschlechtsorganen". Bundesweit sollen es über 100 Kinderchirurgien sein, darunter auch zahlreiche kleine bis Kleinst-Anbieter.

Das florierende kosmetisch-chirurgische Angebot umfasst u.a. "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen einer Neovagina", "Verlegung der Harnröhre", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern werden von Kliniken und anderen Anbietern aggressiv vermarktet unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie "Hypospadie", "AGS/CAH", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Epispadie", "AIS", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Gonadendysgenesie", "Swyer", "Turner" etc.

Diese Operationen erfolgen seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente ohne ethische Überwachung. Die angebliche Wirksamkeit der medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Eingriffe wurde bis heute nie klinisch bewiesen. Die einschlägigen AMWF-Leitlinien stehen alle heute noch unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.
 

Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder

Seit 15 Jahren klagen zwangsoperierte Zwitter in Deutschland die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken öffentlich an und fordern die Medizyner zum Aufhören und die Politik zum Handeln auf – bisher vergeblich.

Die Bundesregierung gab wiederholt zu Protokoll, von unzufriedenen Zwangsoperierten nichts zu wissen (Drucks. 14/5627), und sah keinen Handlungsbedarf (Drucks. 16/13269).

Aktuell sind in Deutschland Haustiere besser geschützt als Kinder: Während z.B. Hunde ohne medizinische Notwendigkeit weder kupiert noch kastriert werden dürfen, wird in den Kinderkliniken ungehindert weiter kosmetisch verstümmelt und kastriert.

Laut neuesten BMBF-Studien sind ab 3 Jahren nach wie vor 90% aller bedrohten Kinder durchschnittlich mehrfach kosmetisch operiert.

Ähnlich wie bei Betroffenen von sexualisierter Gewalt ("Kindesmissbrauch") ist der Rechtsweg für Überlebende ein Alptraum und eine Farce. Da die Verstümmelungen in der Regel vor dem 2. Lebensjahr erfolgen, haben Überlebende in der Regel keine Chance, vor Ablauf der Verjährung zu klagen. Die meisten leiden zudem an mit den Eingriffen verbundenen, schweren Traumatisierungen.
 

"fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"

Seit 1997 werden kosmetischen Genitaloperationen an Kindern nebst von erwachsenen Betroffenen auch von namhaften Bioethikern, Juristen und Kulturwissenschaftlern öffentlich öffentlich kritisiert.

Seit 2004 beurteilen Menschenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes und Amnesty Deutschland kosmetische Genitaloperationen an Kindern als "schwere Menschenrechtsverletzung" und "fundamentaler Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit", und unterstreichen die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika.

2007 gelang es der Betroffenen Christiane Völling, die als Ausnahme erst im Alter von 18 Jahren operiert wurde, als erster und bisher immer noch einziger, ihren ehemaligen Chirurgen zu verklagen, unmittelbar vor Eintritt der absoluten Verjährung. 2008 erkannte das OLG Köln letztinstanzlich "Selbstbestimmungsrecht [...] in ganz erheblichem Maße verletzt" (5 U 51/08).

2009 rügte das von Betroffenen angerufene UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen mangelnden "wirksamen Maßnahmen zum Schutz ihrer Menschenrechte" (CEDAW/C/DEU/CO/6).

Auf Ende 2011 erarbeitet aktuell der Deutschen Ethikrat im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme. In einer ersten Einschätzung vom 15. Juni hielt der Deutsche Ethikrat u.a. fest: "Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. [...] Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."
 

Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben

Vermehrt Erwähnung in der politischen Debatte finden Zwitter und damit Betroffene von Genitalverstümmelung in Kinderkliniken vor allem durch dritte Interessensgruppen, als Kanonenfutter im "Kampf gegen das Zweigeschlechtersystem" oder für "Schutz von sexuellen Minderheiten vor Diskriminierung", in aktuellen Debatten etwa um "Personenstand" und "Sexuelle Identität".

Diese politischen Interessensgruppen richten ihren Blick in der Regel nicht auf die realen, zwangsoperierten Zwitterkörper, sondern auf ein fiktives unversehrtes Ideal, das ihre eigenen Wunschvorstellungen verkörpert. Dabei setzen sie unhinterfragt voraus, dass alle Zwitter auf Grund ihrer quasi "körpergewordenen Aufhebung des Zweigeschlechtersystems" ihre Ziele teilen würden, adoptieren "Intersexuelle" ungefragt als eine Unterabteilung ihrer eigenen Gruppe und hängen sie als Schlusslicht bei sich hinten an (z.B. "LGBTQI"). Sofern diese dritten Interessensgruppen die Leiden der Betroffenen von Genitalverstümmelungen überhaupt behandeln, propagieren sie als Heilmittel wiederum einzig ihr eigenes Anliegen, z.B. die Abschaffung der Geschlechter, oder benutzen die Verstümmelungen als wissenschaftliches Rohmaterial für Geschlechtertheorien.

Entsprechend mehren sich in letzter Zeit auf Länderebene politische Vorstöße, in denen vorgeblich etwas zur Verbesserung der Lage "Intersexueller" unternommen werden soll. Tatsächlich wurden aber die täglichen Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre entweder glatt geleugnet, z.B. vom Berliner Senat (Drucks. 16/14436) oder in der Bremischen Bürgerschaft (taz, 25.02.2011). Oder die Genitalverstümmelungen werden in konkreten Maßnahmen stillschweigend ausgeklammert, vgl. Hamburgische Bürgerschaft (Drucks. 19/4095).

2009 und 2010 wurden "Intersexuelle" auch im Bundestag immer wieder Dutzende Male in offiziellen Dokumenten erwähnt – kein einziges Mal ging es dabei konkret um die Beendingung der täglichen Verstümmelungen.
 

Deutscher Ethikrat ist gefordert

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern sind ein schwerer Verstoß gegen das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung (GG Art. 2 Abs. 2). Durch die hohe Zahl der Opfer, das systematische Vorgehen, die Schwere und das Ausmaß der körperlichen und seelischen Schäden und durch die Jahrzehnte lange Dauer sind die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken wohl eine der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen in den westlichen Demokratien seit dem 2. Weltkrieg.

Die Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken müssen so schnell wie möglich gestoppt werden, "eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte" (Apotheken Umschau, 01.06.2011) muss beendet und öffentlich aufgearbeitet, das Unrecht der Medizinversuche muss gesellschaftlich anerkannt und so weit wie noch möglich ausgesöhnt werden.
 
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
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Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 30.06.2011:

     INHALT:
     1.  Jeden Tag wird in einer Kinderklinik ein wehrloses Kind verstümmelt
     2.  Hunde besser vor Verstümmelung und Kastration geschützt als Kinder
     3.  "fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit"
     4.  Politische Instrumentalisierung durch Schwule und Lesben
     5.  Deutscher Ethikrat ist gefordert

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

Die Mediziner nennen es "korrigierende" oder "angleichende Eingriffe".

Überlebende Betroffene sprechen ihrerseits von Genitalverstümmelung, uneingewilligten Zwangsoperationen und Zwangskastrationen und von medizinischer Folter.

Allein in Hamburg haben 2011 mindestens 5 Kinderkliniken medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen im Angebot für Kleinkinder "mit zu großer Klitoris" oder sonstwie "auffälligen Geschlechtsorganen". Bundesweit sollen es über 100 Kinderchirurgien sein, darunter auch zahlreiche kleine bis Kleinst-Anbieter.

Das florierende kosmetisch-chirurgische Angebot umfasst u.a. "Klitorisverkleinerungen", "Peniskorrekturen", "Anlegen einer Neovagina", "Verlegung der Harnröhre", Kastrationen, Gebärmutterentfernungen, usw. usf.

Kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern werden von Kliniken und anderen Anbietern aggressiv vermarktet unter Dutzenden von verschiedenen "Diagnosen" wie "Hypospadie", "AGS/CAH", "Pseudohermaphroditismus", "Intersexualität", "Epispadie", "AIS", "Disorders of Sex Development (DSD)", "Gonadendysgenesie", "Swyer", "Turner" etc.

Diese Operationen erfolgen seit Jahrzehnten als unkontrollierte Menschenexperimente ohne ethische Überwachung. Die angebliche Wirksamkeit der medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen Eingriffe wurde bis heute nie klinisch bewiesen. Die einschlägigen AMWF-Leitlinien stehen alle heute noch unverändert auf der niedrigsten Evidenzstufe S1.
 

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Sunday, June 19 2011

Zwischengeschlecht.org: Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.05.2011 [Deutsche Übersetzung]

«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!» Zwischengeschlecht.org vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11Friedlicher Protest vor dem "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 20.05.2011

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>>> Infoseite zum "3rd EuroDSD"-Protest

 
[ Deutsche Übersetzung des
Englischen Originalbriefes ]
 

>>> Open Letter as PDF (english)

Zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!
P.O.B. 2122
CH-8031 Zurich
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3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender
Universität zu Lübeck UKSH
Auditorium Maximum
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Lübeck, 21. Mai 2011
 

Offener Brief


Sehr geehrter Herr Olaf Hiort
Sehr geehrter Herr Lutz Wünsch
Sehr geehrte Vortragende, Vorsitzende und TeilnehmerInnen des 3rd Symposium on Disorders of Sex Development

Seit mittlerweile 60 Jahren dauert die Praxis der kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen" Genitalien an. In all diesen Jahren und Jahrzehnten zeigten die für diese Operationen verantwortlichen EndokrinologInnen, KinderchirurugrInnen und weiteren MedizinerInnen keine Lust, die angebliche Wirksamkeit dieser Operationen mit zufriedenstellender Evidenz zu belegen oder nur schon umfassende Nachfolgestudien ("follow-ups") zu betreiben oder Statistiken offenzulegen, sondern fahren damit fort, aufgrund blosser anekdotischer Evidenz weiterzuoperieren.

Seit mittlerweile 20 Jahren wehren sich Überlebende öffentlich gegen diese Operationen, und kritisieren sie beständig als "ungeheuer destruktiv für das sexuelle Empfinden und für das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit". (Cheryl Chase: Letters from Readers. 1993, The Sciences, July/August, 3) Seit mittlerweile 20 Jahren weigern sich die Mediziner zuzuhören, geschweige denn diese schweren Bedenken anzuerkennen, schlimmer noch, "ihr Glaube an die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Operationen ist letztlich unzugänglich für konkrete Ergebnisse". (Cheryl Chase: What is the agenda of the intersex patient advocacy movement? 2003, The Endocrinologist, May/June, 3)

Als Mitglieder einer Menschenrechtsgruppe und Menschen, die diesen unmenschlichen Praktiken selbst zum Opfer fielen und/oder viele Betroffene persönlich kennen, sind wir sehr traurig und besorgt darüber, dass unserem Verständnis nach eine Mehrheit der Vortragenden und Vorsitzenden des 3rd Symposium on Disorders of Sex Development sich offenbar weigert, euren früheren PatientInnen zuzuhören und das fortdauernde Leid und die Kritik der Überlebenden an den nicht-eingewilligten kosmetischen Genitaloperationen während ihrer Kindheit einzugestehen, sondern im Gegenteil solche Eingriffe unverdrossen in wissenschaftlichen Publikationen und in der Öffentlichkeit anpreisen, z.B.:

Olaf Hiort: Arte 8.10.2010
Lutz Wünsch: Monatsschrift Kinderheilkunde, Volume 156, Number 3, 2008
Garry Warne: „Management of ambiguous genitalia at birth“, in: Adam H. Balen/Sarah M. Creighton/Melanie C. Davies/Jane MacDougall/Richard Stanhope (Ed.): „Paediatric and Adolescent Gynaecology. A Multidisciplinary Approach“, 2004
Wiebke Arlt: The Guardian, 20.8.2009
Pierre Mouriquand: Arte 8.10.2010
Laurence Baskin: San Francisco Human Rights Commission Report 2005
Peter Cuckow: BBC 11.12.2001
Ute Thyen: Der Spiegel 47/2007 
Heino F.L. Meyer-Bahlburg: Intersexualität bei Kindern (Ed. Höhne / Finke) 2008

(Viele weitere Beispiele finden sich auf unserer Homepage und auf dem Blog, wo wir solche Stellungnahmen weiter dokumentieren werden.)

In unserem Verständnis besonders entsetzlich sind wiederholte Stellungnahmen auch von Seiten der erwähnten Mediziner, die lustvoll von "chirurgischen Herausforderungen" schwärmen und stur ihre "Experimente" weiterführen in der Aussicht, "in 20 Jahren werden die Operationsmethoden viel besser sein", offensichtlich ohne Sorge, Erbarmen oder Mitgefühl für ihre unglücklichen früheren, gegenwärtigen und zukünftigen "Forschungsobjekte".

Dasselbe gilt auch für den andauenden Hohn und unerträglich paternalistische Herangehungsweisen von BehandlerInnen gegenüber erwachsenen Überlebenden, die ihre Stimme erheben, ihr Leid beklagen und die Beendigung nicht-eingewilligter kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Minderjährigen fordern, wobei die MedizinerInnen diese Überlebenden öffentlich verspotten und ihnen das Recht verwehren wollen, öffentlich ihre Erfahrungen und Meinungen zum Ausdruck zu bringen (z.B. Olaf Hiort: taz 6.11.2007, um nur ein Beispiel anzuführen). Dasselbe gilt auch für die Behauptungen von Medizinern, eigentlich seien sie diejenigen, die von Überlebenden und MenschenrechtsakteurInnen zu Opfern gemacht würden (z.B. Laurence Baskin: Stanford Medicine Spring 2011, um nur ein Beispiel anzuführen).

Während dieselben MedizinerInnen sich andrerseits gleichzeitig weigern, aufrichtige Antworten auf kritische Fragen zu geben, sondern stattdessen seit Jahrzehnten unverändert damit fortfahren, dieselben alten Lügen und Ausreden anzuführen, vgl. z.B.:

“Wir haben hier ein ernsthaftes ethisches Problem: riskante Operationen werden als Standardbehandlungen durchgeführt und es gibt keine adäquaten Nachfolgestudien. Intersexuelle sind es verständlicherweise Leid zu hören, 'Langzeitnachfolgestudien sind notwendig', während die Operationen gleichzeitig weiter durchgeführt werden. Dazu siehe besonders den Gastkommentar von David Sandberg, 'Ein Aufruf zu klinischer Forschung', Hermaphrodites with Attitude (Fall/Winter 1995-1996): 8-9, und die vielen Antworten von Intersexuellen darauf in derselben Ausgabe." (Alice Domurat Dreger: „Ambiguous Sex“ – or Ambivalent Medicine?, The Hastings Center Report May/June 1998)

Das 3rd Symposium on Disorders of Sex Development beansprucht für sich das Motto: “Was wir gelernt haben und was wir noch lernen müssen.” Wir möchten dazu respektvoll erneut und einmal mehr darauf hinweisen: Offensichtlich wären Ethik und Menschenrechte Kernthemen, bei denen sehr grosser Lernbedarf dringend notwendig erscheint.

Es gibt eine Vielzahl ausgezeichneter ExpertInnen im Themenbereich Ethik und DSD, z.B. Alice Dreger, Katrina Karkazis oder Ellen Feder. Unglücklicherweise wurden keine davon eingeladen. Unserer Meinung nach demonstriert das einen offensichtlichen Mangel an Willen, im Allgemeinen überhaupt in eine echte Debatte einzutreten sowie auf kritische Fragen im Speziellen.

Es gibt ebenso eine vielzahl von Berichten und Stellungnahmen von Menschenrechtsorgansiationen (z.B. Terre des Femmes 2004, CEDAW 2009, Amnesty Deutschland 2010) sowie Publikationen von ExpertInnen auf diesem Gebiet (z.B. Hanny Lightfoot-Klein 2003, Fana Asefaw 2005, Nancy Ehrenreich/Mark Barr 2005), die alle zum Ergebnis kommen, dass nicht-eingewilligte kosmetische Genitaloperationen an Kindern schwere Menschenrechtsverletzungen darstellen (speziell des Rechts auf körperliche Unversehrtheit) und welche die Gemeinsamkeiten und Parallelen dieser Operationen mit der Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung unterstreichen. Erneut demonstriert hier unserer Meinung nach das DSD Symposium einen offensichtlichen Mangel an Willen, im Allgemeinen überhaupt in eine echte Debatte einzutreten sowie auf kritische Fragen im Speziellen.

Offen gesagt hängt es uns zu den Ohren heraus, ständig angelogen und mit denselben alten Leugnungen, Ausreden und billigen Versprechungen abgespiesen zu werden.

Wir sind uns sicher, dass Ihnen bewusst ist, dass die Kontroverse um kosmetische Genitaloperationen an Kindern in der Öffentlichkeit jeden Monat bekannter wird, und ebenso die allgemeine Tendenz der Bevölkerung betreffend Genitalverstümmelung, unethische Menschenversuche und ungewollte chirurgische Eingriffe. Wir möchten deshalb in diesem Zusammenhang respektvoll an das berühmte Zitat von Abraham Lincoln erinnern: "Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."

Wir setzen voraus, dass Sie in Ihrer Eigenschaft als praktizierende MedizinerInnen genügend PatientInnen haben mit echten medizinischen Bedürfnissen, die auf ihre professionelle Hilfe angewiesen sind.

Deshalb möchten wir respektvoll vorschlagen, dass sie Ihre Bemühungen darauf konzentrieren mögen, diesen PatientInnen zu helfen, von denen wir sicher sind, dass diese Ihnen zutieftst dankbar sind für ihre Leistungen. Aber dass sie andrerseits unethische Praktiken wie uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen an Kindern aufgeben, wofür, wie Ihnen bestimmt bekannt ist, viele ihrer ehemaligen PatientInnen Sie aus tiefsten Grunde ihrer Herzen hassen und verabscheuen.

Und wir möchten höflich vorschlagen, dass Sie dies tun, solange Sie es noch von sich aus und zu Ihren eigenen Bedingungen tun können.

Danke für Ihre Erwägung.

Freundliche Grüsse

für Zwischengeschlecht.org


Daniela Truffer (Präsidentin)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
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Weblog: http://zwischengeschlecht.info

>>> Erste Antwort eines Verantwortlichen auf den Offenen Brief 

«A Gonad For A Gonad, A Lust Organ For A Lust Organ» - Garry L. Warne (left) at the main entrance of '3rd EuroDSD Symposium', Lübeck 20.5.11Friedlicher Protest vor dem "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 20.05.2011
(Bildmitte: Garry L. Warne, Royal Children's Hospital Melbourne)

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>>> Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
>>> "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersex nur Bruchteil aller Genitalkorrekturen"

>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Thursday, June 16 2011

Deutscher Ethikrat: Erste Einschätzung zu "Intersexualität", 15.6.11

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion & Offener Brief von Zwischengeschlecht.org, 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011 
>>> Kommentar von Nella zu "Eine erste Einschätzung" 
>>> Kommentar von Nella zum Beitrag von ETEKAR  

Kann ein Zwitter Sünde sein?

Heute veröffentlichte der Deutsche Ethikrat auf dem Online-Diskurs-Blog im Anschluss an die öffentliche Anhörung vom 8.6.11 eine durchaus lesenswerte

>>> "Erste Einschätzung" (+ Kommentare):

"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche Unversehrtheit. Hier scheint es einen Konsens darüber zu geben, dass irreversible medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung so lange wie möglich hinausgeschoben werden müssen."

"Medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuweisung betreffen den Kern des Persönlichkeitsrechtes jedes Menschen, seine Geschlechtsidentität, sexuelle Empfindungsfähigkeit und seine Fortpflanzungsfähigkeit. Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."

Hört, hört!!

Bleibt schwer zu hoffen, dass der Ethikrat zu dieser tatsächlich zentralen Problematik in seinem Bericht Nägel mit Köpfen machen wird!!!

Und dass es NICHT wieder so läuft wie in den Parlamenten von Hamburg, Berlin und Bremen, welche die systematische Verletzung der körperlichen Unversehrtheit schlussendlich vornehm aussen vor liessen – bzw. in Berlin und Bremen gar rundheraus ableugneten, dass Genitalverstümmelungen in dortigen Kinderkliniken überhaupt stattfänden ...

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zur "Ersten Einschätzung" 

Ebenfalls sehr lesenswert auf dem Ethikrat-Diskurs-Blog: Ein >>> Kommentar von ETEKAR mit begründeter Kritik, warum der Fokus sowohl des Betroffenenfragebogens wie auch der Anhörung infolge zentraler rechtlicher Fehlüberlegungen den Diskurs zu Gunsten der Täter verzerrt:

"[...] Der gesamte Fragekatalog ist darauf aufgebaut, dass die misshandelten Opfer den medizinischen TäterInnen beweisen müssen, dass die an ihnen einst durchgeführten medizynischen (Medizin + Zynismus = Medizyn) Interventionen Schäden bei den Opfern angerichtet haben. Diese Beweispflicht besteht im Deutschen Recht nicht, sondern umgekehrt hätte der gesamte Fragekatalog danach aufgebaut sein müssen, dass die WissenschaftstäterInnen den Opfern beweisen müssen, dass sie ihnen mit den medizynischen Interventionen in Form von chirurgischen und hormonellen Kastrationen, Genitalamputation, etc. Gutes getan haben. Den Beweis soll mal einer der anwesenden Medizinexperten anzutreten versuchen! Nicht der Patient bzw. das Opfer ist für die Rechtmäßigkeit eines medizinischen Eingriffes beweispflichtig, sondern der Mediziner! Die Mediziner müssen den Opfern beweisen, dass sie ihnen mit dem Abschneiden der Genitalien, mit der Degradierung zu asexuellen Lebewesen und mit der Degradierung zum Zwangskastraten etwas Gutes getan haben und nicht umgekehrt die Opfer, den Tätern, dass diese ihnen Schaden zugefügt haben! [...]"

"[...] Aufgrund von Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG müssen weder Sie als Mitglieder des Deutschen Ethikrates noch zweigeschlechtliche Menschen sich dafür rechtfertigen und Beweis antreten, dass es für die Gesundheit besser ist, wenn funktionsfähige Körperorgane nicht entfernt werden, seien es nun funktionsfähige Hände und Füße oder Genitalien und Gonaden! Stellen Sie sich doch als Mitglieder des Deutschen Ethikrates einfach mal vor, ab dem nächsten ersten heißt es: Alle Männer müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie ihren Penis behalten dürfen und wer dafür keinen von einem Mediziner wichtig anerkannten Grund vorweisen kann, dem wird der Penis entfernt! Und für Frauen ist es ab dem nächsten ersten genau das gleiche: Wer als Frau seine Brüste und seine Klitoris behalten möchte, muss ab dem nächsten ersten stichhaltige medizinische Beweise dafür vorbringen, dass er seine Organe behalten darf! Ansonsten werden die Organe entfernt! [...]"

Mal schauen, wie der Deutsche Ethikrat zu dieser sowohl unter Zwittern wie auch gegegenüber offiziellen Stellen schon seit Jahren immer wieder beklagten Sachlage Stellung nehmen wird ... höchste Zeit wäre es!

>>> Kommentar von Daniela "Nella" Truffer zum obigen Beitrag von ETEKAR 

>>> EKETAR über medizynische Auslöschung und die Anonymität der TäterInnen (I)
>>> Nazi-Genitalabschneider: ETEKAR nennt Namen und Kliniken (II)  

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter 
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

>>> Übersichtsseite zur laufenden Ethikrat-Anhörung 2011

    
Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt zur Anhörung (PDF, 3.3 MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

>>> "Um den heißen Brei geredet" - Video-Statement
>>> Statement Forum 1: "Medizinische Behandlung – Indikation – Einwilligung"
>>> Statement Forum 2: "Lebensqualität Betroffener und Perspektiven"

>>> Aufforderung um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Dezember 2008
>>> Erneute Anfrage um Unterstützung an den Deutschen Ethikrat Mai 2009 
>>> Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates zu "Intersexualität" 23.6.2010  
>>> Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Offener Brief an das "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 21.5.2011
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday, May 30 2011

Offener Brief von Zwischengeschlecht.org zur Ringvorlesung "Medizin und Ethik" mit Genitalverstümmlerin Prof. Dr. med. Susanne Krege, Universitätsklinikum Aachen 30. Mai 2011

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«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UK Aachen 30.5.2011, im Hintergrund: Genitalverstümmlerin Prof. Dr. Med. Susanne KregeFriedlicher Protest mit Christiane Völling vor dem Universitätsklinikum Aachen, 30.5.2011
Im Hintergrund mit sorgfältig abgewandtem Kopf: Verstümmlerin Susanne Krege (Pfeil)

>>> Infoseite zum Protest

>>> Der Offene Brief als PDF

Zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!
Postfach 2122
8031 Zürich
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Forum Medizin und Ethik
z.Hd. [Name auf Wunsch entfernt, ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs]
c/o Universitätsklinikum Aachen
Institut für Geschichte, Theorie und
Ethik der Medizin
Wendlingweg 2
52074 Aachen


Aachen, 30. Mai 2011
 

Offener Brief von Zwischengeschlecht.org zur Ringvorlesung "Medizin und Ethik" vom 30. Mai 2011 "Intersexualität – Gefangen im falschen Körper"

 
Sehr geehrte Damen und Herren

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org begrüßt es, dass das Forum Medizin und Ethik des UKA das Thema "Intersexualität" aus medizinethischer Perspektive behandeln will. Wie Betroffenenorganisationen seit 20 Jahren beklagen, besteht hier dringender Handlungsbedarf, insbesondere im Zusammenhang mit den seit 60 Jahren an Kindern und Jugendlichen mit "auffälligen" Genitalien systematisch praktizierten, nicht eingewilligten, medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen kosmetischen Genitaloperationen, die von Überlebenden seit langem öffentlich als medizinische Verbrechen und "westliche Form der Genitalverstümmelung" angeprangert werden. (1)

Handlungsbedarf besteht dabei ausdrücklich nicht nur bei den direkt verantwortlichen KinderchirurgInnen, EndokrinologInnen usw. selbst, sondern insbesondere auch im Bereich der Medizinethik, die sich nur zu oft von den TäterInnen als Feigenblatt und Erfüllungsgehilfin einspannen lässt, vgl. dazu etwa Alice Dreger:

"[Ich sah mich gezwungen], etwas unglaublich unangenehmes zu erkennen, nämlich, dass es bei der Bioethik nicht um soziale Gerechtigkeit geht. Es ist ein einziges, grosses Selbstbeschäftigungsspiel. In Tat und Wahrheit steht die Bioethik der sozialen Gerechtigkeit oft im Weg, indem sie die Öffentlichkeit glauben lässt, jemand würde tatsächlich etwas gegen Ungerechtigkeit in der Medizin tun." (2)

Oder die deutlichen Worte der Leiterin der Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung", Prof. Dr. Claudia Wiesemann, die, angesprochen auf die selektive Berücksichtigung der ethischen Grundsätze und Empfehlungen in der aktuellen AWMF-Leitlinie 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung", auf dem Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates vom 23.6.2010 von Situationen sprach, in denen

"operiert wird auf Teufel komm raus (…) und (…) der informed consent aller Wahrscheinlichkeit nach Makulatur ist und letztendlich die Ethik nur noch als Freifahrtschein dazu dient, an die Eltern eine ohnehin feststehende Entscheidung abzudelegieren." (3)

(Claudia Wiesemann bezog sich dabei hauptsächlich auf "Kleinstzentren". Nach allen uns vorliegenden Informationen ist genau dasselbe jedoch auch in den grossen Behandlungszentren der Fall, und ist noch nirgends die auch in der AWMF-Leitlinie geforderte Beteiligung von Psychologen, Sozialarbeitern und Ethikern in den multidisziplinären Behandlungsteams wirklich gewährleistet, auch durch entsprechende Festanstellungen.) (4)

Eine in noch stärkerem Maße Besorgnis erregendere Problematik besteht weiter darin, wenn von der Medizinethik den direkt verantwortlichen TäterInnen eine Plattform geboten wird, sich als "Ethik-ExpertInnen" in eigener Sache zu präsentieren – wie dies offensichtlich auch bei der heutigen Ringvorlesung "Medizin und Ethik" der Fall ist.

Als sogenannt 'intersexuelle' Menschen und in diesem Zusammenhang auch Betroffene von nicht eingewilligten medizinischen Maßnahmen sind wir sehr besorgt darüber, dass das Forum Medizin und Ethik mit der Kinderchirurgin PD Dr. med. Susanne Krege als "Ethik-Expertin" ausgerechnet eine bekennende und praktizierende Genitalverstümmlerin einlädt, die seit Jahr und Tag medizinisch nicht notwendige, irreversible kosmetische Genitaloperationen an wehrlosen Kleinkindern in Publikationen propagiert und auch persönlich durchführt. Obwohl sogar die "Ethischen Grundsätze und Empfehlungen" der Arbeitsgruppe Ethik im "Netzwerk Intersexualität/ DSD" (welchem Krege mit angehört) letztlich unmissverständlich klarmachen, dass sowohl kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Besonderen wie auch medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern ohne jegliche Evidenz im Allgemeinen ethisch unhaltbar sind:

"Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf Sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation." (5)

Weiter bekräftigt das Ethikpapier verschiedentlich, dass auch "intersexuelle" Kinder Rechte haben, darunter insbesondere das Recht auf "körperliche Integrität und Lebensqualität, insbesondere im Bereich der Fortpflanzungsfähigkeit sowie des sexuellen Erlebens, und die freie Entwicklung der Persönlichkeit", sowie das "Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation bzw. Selbstbestimmung" (6) – Rechte, die sowohl von der "Ethikerin" Susanne Krege wie auch in der Kinderurologie des Universitätsklinikums Aachen (7) regelmäßig mit Füßen getreten werden.

Kommt noch dazu, dass Susanne Krege für ihr "Ethik"-Referat einen irreführenden Untertitel wählte, nämlich "Gefangen im falschen Körper" (wie Ihnen sicherlich bekannt ist eine Umschreibung für Transsexualität, NICHT "Intersexualität"). Was leider kaum zufällig geschah: Susanne Krege ist in Deutschland eine der HauptprotagonistInnen, die Transsexualität medizinisch bei "Intersexualität" eingliedern wollen – ungeachtet der Tatsache, dass dies sämtliche "Intersex"-Betroffenenverbände aus sachlichen wie auch ethischen Gründen strikt ablehnen (ebenso wie – wenn auch aus anderen Gründen – praktisch alle behandelnden MedizinerInnen).

Als Betroffene sowohl von nicht eingewilligten "Genitalkorrekturen" wie auch von nicht eingewilligten Gonadektomien sind wir über die Praktiken der Kinderurologie des UKA wie auch über die Wahl der Genitalverstümmlerin Susanne Krege als "Ethik-Expertin in eigener Sache" durch das Forum Medizin und Ethik entsetzt und halten fest:

"Geschlechtszuweisende chirurgische Genitalkorrekturen" ohne medizinische Indikation, wie sie unter anderem von Susanne Krege seit langem propagiert und auch im Universitätsklinikum Aachen immer noch regelmäßig an Kleinkindern durchgeführt werden, sind auch in der medizinischen Lehre alles andere als unumstritten. Nach wie vor gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, dass sie auf lange Sicht wirksam und sicher sind. Hingegen gibt es viele Indizien, welche ihre Wirksamkeit in Frage stellen.

Weder ist gesichert, dass Genitalkorrekturen langfristig zu besseren psychosozialen Resultaten führen, als wenn sie unterlassen werden. Noch kann garantiert werden, dass ein Kind sich entsprechend der ihm zugewiesenen Geschlechtsidentität entwickelt. Im Gegenteil, aktuelle Studien belegen:

"Die Behandlungsunzufriedenheit von Intersexuellen ist [...] eklatant hoch. [...] Ein Drittel [der Patienten] bewertet geschlechtsangleichende Operationen als zufriedenstellend bzw. sehr zufriedenstellend, ein weiteres Drittel ist unzufrieden bzw. sehr unzufrieden und das letzte Drittel ist z.T. zufrieden, z.T. unzufrieden." (8)

Die Behandlungszufriedenheit ist bei intersexuellen Erwachsenen und auch Eltern intersexueller Kinder "gering". Eltern beurteilen "die behandelnden Ärzte/Ärztinnen schlechter als Eltern von Kindern mit anderen chronischen Erkrankungen". (9) "Als Ergebnis zeigt sich, dass viele Erwachsene mit DSD mit der medizinischen Behandlung sehr unzufrieden sind." (10)

"The outcome of early genital vaginoplasty is poor and repeat procedures are common. Complications such as stenosis and persistent offensive vaginal discharge and bleeding are common. [...] It is also increasingly clear that clitoral surgery in childhood is detrimental to adult sexual function." (11)

"Auch aus der Literatur ist bekannt, dass sich ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz von Menschen mit DSD im Lauf der Pubertät oder im Erwachsenenalter entschließt, das ihnen zugewiesene soziale Geschlecht zu wechseln." (12)

Dass die Wirksamkeit der chirurgischen und hormonellen Behandlungsmethoden an Kleinkindern auch nach sechzigjähriger Praxis immer noch nicht erwiesen werden konnte, unterstreicht zudem auch die aktuelle Leitlinie selbst, die sich bekanntlich auf der niedrigsten Entwicklungsstufe 1 befindet.

Flächendeckende prophylaktische Gonadektomien sind laut medizinischen Studien in den meisten Fällen medizinisch nicht notwendig, haben aber für die Betroffenen lebenslange, sehr schwerwiegende Folgen, insbesondere bei anschliessender Hormonersatztherapie entgegen der ursprünglichen Hormonproduktion des Körpers. So beträgt beispielsweise bei CAIS das Krebsrisiko lediglich 0.8 %, bei PAIS 15 %. (13) Sogar Wünsch und Wessel halten in einer aktuellen Publikation fest: "Indikation und Zeitpunkt der Gonadenentfernung müssen dem individuellen Tumorrisiko angepasst werden. Der Schutz der Fertilität ist ein zentrales Anliegen." (14)

Auch aus ethischen und juristischen Gründen sind geschlechtszuweisende chirurgische Genitalkorrekturen und prophylaktische Gonadektomien an Kindern ohne deren informierte Zustimmung strikt abzulehnen.

Wie bereits oben erwähnt, sind laut "Ethische Grundsätze und Empfehlungen" irreversible, medizinisch nicht notwendige Eingriffe ohne ausreichende Evidenz klar unzulässig:

"Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation. [...] Die Verfügung über Organe und Strukturen, die für die körperliche Integrität oder Geschlechtsidentität wichtig sind (z.B. Keimdrüsen), sollten in der Regel – wenn keine gewichtigen, das Kindeswohl betreffenden Gründe entgegenstehen – dem Betroffenen selbst überlassen bleiben." (15)

2010 bestätigte der Deutsche Ethikrat:

"Der Umgang mit der Intersexualität berührt eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit." (16)

Auch internationale Ethikgremien kommen zum Schluss:

"Our working group unanimously supported waiting for children to be old enough to participarte in decisions about risky and painful surgeries that might fail to reliably retain function and produce more normal appearance (for example, surgery for intersex and achondroplasia)." (17)

Die Rechtsprofessorin Konstanze Plett vertritt seit langem den Standpunkt, dass das medizinisch nicht notwendige Gonadektomieren intersexueller Kinder gegen das Sterilisationsverbot verstosse. (18)

Auch international werden medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern als Verstoß gegen ihre höchstpersönlichen Rechte gewertet. Vgl. zum Beispiel Prof. Dr. iur. Andrea Büchler, Professorin für Privatrecht an der Universität Zürich:

"Ein medizinischer Eingriff braucht die Zustimmung der betroffenen Person. In der Regel können die Eltern für ihr Kind zustimmen. Geschlechtszuweisende Operationen aber tangieren die höchstpersönlichen Rechte und dürfen nicht ohne Zustimmung des betroffenen Kindes vorgenommen werden – ausser es ist medizinisch notwendig." (19)

Nicht zuletzt verletzen medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern Grund- und Menschenrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

Namhafte Menschenrechtsorganisationen unterstreichen zudem die Parallelen zur weltweit geächteten Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung.

Die Juristin Dr. Angela Kolbe kritisiert in ihrer mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichneten Dissertation über die verfassungsrechtliche Situation intersexueller Menschen insbesondere die schweren Eingriffe bei Kleinkindern als Verstoß gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. (20)

Als Reaktion auf einen Schattenbericht von Intersexuelle Menschen e.V., der verschiedene Menschenrechtsverletzungen von Intersexuellen durch medizinische Zwangseingriffe auflistete (21), rügte 2009 das UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen Missachtung ihrer Schutzpflicht gegenüber intersexuellen Kindern. In den daraus resultierenden schriftlichen Empfehlungen forderte das Komitee die Bundesregierung auf, "wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Menschenrechte zu ergreifen" (22).

Die Sektionen Deutschland und Schweiz von Amnesty International verabschiedeten 2010 an ihren Jahresversammlungen je eine Motion, worin sie Handlungsbedarf unterstrichen.

Amnesty Deutschland wertete die kosmetischen Genitaloperationen an Kindern als "fundamentalen Verstoß gegen die Menschenrechte":

"Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben." (23)

Und Amnesty Schweiz führte in der Begründung aus:

"Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstösst. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden. Die Folgen von chirurgischen und medikamentösen Eingriffen werden von den Betroffenen oft als Verstümmelungen wahrgenommen. Die Suizidrate bei operierten und hormonbehandelten Intersexuellen ist stark erhöht; auch verstösst die Zuweisung zum explizit männlichen oder weiblichen Geschlecht gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde, die nicht nur bei Female Genital Mutilation (FGM) in Entwicklungsländern, sondern weiterhin auch bei genitalen Zwangsoperationen in Industrieländern verletzt werden." (24)

Terre des Femmes und internationale Expertinnen konstatieren seit Jahren, dass kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern eine Form von Genitalverstümmelung sind und für die Opfer vergleichbar schädlich wie die weibliche Genitalverstümmelung. (25)

Erwachsene, die als Kinder kosmetischen Genitaloperationen unterzogen wurden, beklagen seit den 1990er-Jahren öffentlich die "Zerstörung des sexuellen Empfindens" und der "körperlichen Unversehrtheit" (26) durch diese Eingriffe, welche sie als "Genitalverstümmelung" erfahren. (27)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org bittet deshalb das Forum Medizin und Ethik inständig, die Einladung von Susanne Krege wie auch die Praktiken in der Kinderurologie des UKA kritisch zu reflektieren, und bittet um eine diesbezügliche Stellungnahme innert nützlicher Frist.

Ebenso bitten wir um angemessenen Einbezug der Betroffenen und ihrer Organisationen bei eventuellen künftigen Anlässen.

Sowie grundsätzlich um (selbst-)kritische Reflexion der oben bereits erwähnten Problematik:

"Die Wahrheit ist, die meisten BioethikerInnen wollen einfach durch den Tag kommen und ihre Karriere verfolgen, ohne dabei in irgendwelche realen ethischen Verwicklungen verstrickt zu werden. Sie wollen einfach tun, wofür sie belohnt werden: Publikationen verfassen und Forschungsbeiträge einstreichen um interessante Fragen stellen zu können.

Sie haben grosse Ähnlichkeit mit den Medizinern der Tuskegee Syphilis Studie: fleissig taten sie, wofür sie belohnt werden, und sammelten dabei Forschungsgelder und Publikationen. Die an der Tuskegee Studie beteiligten Mediziner wurden nicht belohnt für gesündere Ergebnisse. Und die BioethikerInnen werden nicht belohnt für ethischere Ergebnisse. Und Menschen sind Säugetiere. Sie tun, wofür sie belohnt werden." (28)

Freundliche Grüße


Im Namen von Zwischengeschlecht.org

Daniela Truffer
Gründungsmitglied Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied XY-Frauen
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.


Quellen (alle Links Stand 29.5.2011)

(1) Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG):
"Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie"
https://blog.zwischengeschlecht.info/pages/Genitalverstuemmelungen-AGGPG-%281996%29

(2) Alice Dreger: "Sitting Down with Rosa Parks". http://www.alicedreger.com/Rosa.html. Deutsche Übersetzung durch Zwischengeschlecht.info: https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/04/17/Alice-Dreger-%C3%BCber-pr%C3%A4natale-Dexamethason-Zwangsbehandlungen

(3) Claudia Wiesemann, Redebeitrag in der Abschlussdiskussion am „Forum Bioethik“ des Deutschen Ethikrates, 23.06.2010, Transkript:
https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/09/13/Ethik-als-Freifahrtschein-Claudia-Wiesemann-23-6-10

(4) vgl. Eckhard Korsch: "Überlegungen zur praktischen Umsetzung des DSD-Consensus-Statements", Vortrag gehalten an der APE 2006, Folien 11-17

(5) Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung": "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 2008, Nr. 156, S. 241-245

(6) Ebd., S. 244

(7) Die Kinderurologie des UKA bietet auf ihrer Homepage kosmetische Genitaloperationen an u.a.bei "Fehlbildungen des Genitale (Hypospadie, Epispadie), intersexuellem Genitale, Hodenhochstand".

http://www.ukaachen.de/go/show?ID=1035690&ALTNAVID=5668000&DV=0&COMP=page&ALTNAVDV=0

(8) Christian Schäfer: "Intersexualität: Menschen zwischen den Geschlechtern".

http://www.springer.com/medicine/thema?SGWID=1-10092-2-513709-0

Lisa Brinkmann; Katinka Schweizer; Hertha Richter-Appelt: "Behandlungserfahrungen von Menschen mit Intersexualität. Ergebnisse der Hamburger Intersex-Studie". Gynäkologische Endokrinologie 04/2007, S. 235-242

(9) Eva Kleinemeier, Martina Jürgensen: "Erste Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie im Netzwerk Störungen der Geschlechtsentwicklung/Intersexualität in Deutschland, Österreich und Schweiz Januar 2005 bis Dezember 2007", S. 18. http://www.netzwerk-dsd.uk-sh.de/fileadmin/documents/netzwerk/evalstudie/Bericht_Klinische_Evaluationsstudie.pdf

(10) Ebd., S. 37

(11) Sarah M. Creighton: "Adult Outcomes of Feminizing Surgery". In: Sharon E. Sytsma (Ed.): "Ethics and Intersex", Dordrecht: Springer, 2006, S. 207-214

(12) M. Jürgensen; O. Hiort; U. Thyen: "Kinder und Jugendliche mit Störungen der Geschlechtsentwicklung: Psychosexuelle und -soziale Entwicklung und Herausforderungen bei der Versorgung". Monatsschrift Kinderheilkunde, Volume 156, Number 3, March 2008, S. 226-233

(13) Martine Cools, Stenvert L. S. Drop, Katja P. Wolffenbuttel, J. Wolter Oosterhuis, and Leendert H. J. Looijenga: "Germ Cell Tumors in the Intersex Gonad: Old Paths, New Directions, Moving Frontiers". Endocrine Reviews 27(5), 2006: S. 468–484 (S. 481)

(14) L. Wünsch, L. Wessel: "Chirurgische Strategien bei Störungen der Geschlechtsentwicklung". Monatsschrift Kinderheilkunde, Volume 156, Number 3. Springer Berlin / Heidelberg 2008, S. 234-240

(15) Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung": "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 2008, Nr. 156, S. 241-245

(16) Pressemitteilung 06/2010 des Deutschen Ethikrates vom 25.6.2010

http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung-2010-06

(17) Erik Parens (Ed.): "Surgically Shaping Children", Baltimore: The Johns Hopkins University Press, 2006, S. xxix

(18) Vortrag vom 7.3.2001, gehalten anläßlich der 45. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Druckfassung:
Konstanze Plett: Intersexualität aus rechtlicher Perspektive. "Gigi - Zeitschrift für die sexuelle Emanzipation" Nr. 13 (Mai/Juni 2001)

(19) Katrin Hafner: "Ein Intersexueller klagt seinen ehemaligen Arzt an". Tages-Anzeiger, 05.02.2008. http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/wissen/medizin/838834.html

(20) Angela Kolbe: Intersexualität, Zweigeschlechtlichkeit und Verfassungsrecht. Eine interdisziplinäre Untersuchung. Nomos 2010 (Dissertation)

(21) Lucie G. Veith / Sarah Luzia Hassel-Reusing / Claudia J. Kreuzer: Parallelbericht zum 6. Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW). Erstellt von: Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen (http://intersex.schattenbericht.org)

(22) CEDAW/C/DEU/CO/6
Deutsche Übersetzung: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/Themen/Menschenrechte/Download/ConcludingCommentsFrauen.pdf

(23) "Intersexualität und Menschenrechte", Mitteilung vom 26.5.2010
http://www.mersi-hamburg.de/Main/20100526001

(24) Motion 6: "Position zu Intersexualität"

http://www.queeramnesty.ch/docs/QAI_Motion_GV2010_Intersex.pdf

(25) Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal". Orlanda 2003. Vgl. insbesondere Kapitel 3: "Intersex-Chirurgie – ein Segen für wen?", S. 49-58
Fana Asefaw, Daniela Hrzán: Genital Cutting – Eine Einführung. In: ZtG Bulletin 28, 2005, S. 8-21

Relevante Auszüge: https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/08/07/Genitale-Zwangsoperationen-an-Zwittern-Genitalverstuemmelung-Typ-IV-Fana-Asefaw%2C-Daniela-Hrzan%2C-2005

Ganzer Text: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgbulletintexte28/2artikel_asefaw_hrzan.pdf

Marion Hulverscheidt: "Weiblich gemacht? Genitalverstümmelung bei afrikanischen Frauen und bei Intersexuellen". In: TDF. Menschenrechte für die Frau, Nr. 3/4, 2004, S. 23-26
http://kastrationsspital.ch/public/Hulverscheidt_TDF_3-4-04.pdf

Konstanze Plett: "Die Macht der Tabus". amnesty journal 03/2008 - Das Magazin für die Menschenrechte
http://schattenblick.net/infopool/buerger/amnesty/bagru265.html

(26) Cheryl Chase: "Letters from Readers". In: The Sciences, July/August, 3, 1993
http://www.isna.org/articles/chase1995a

(27) Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG):
"Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie"
https://blog.zwischengeschlecht.info/pages/Genitalverstuemmelungen-AGGPG-%281996%29

(28) Alice Dreger: "Sitting Down with Rosa Parks". http://www.alicedreger.com/Rosa.html. Deutsche Übersetzung durch Zwischengeschlecht.info: https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/04/17/Alice-Dreger-%C3%BCber-pr%C3%A4natale-Dexamethason-Zwangsbehandlungen


>>>
Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Fakten und Zahlen

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- 9. Menschenrechtsbericht: Bundesregierung deckt medizinische Verbrechen 
- Zwitter-Genitalverstümmelungen: Ethikrat gefordert
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Weltweit größte Zwitter-Studie straft Bundesregierung Lügen! 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Genitalverstümmelung in Kinderklinik: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Sunday, May 29 2011

Aachen 30.05.2011: Protest gegen "Ethik"-Vortrag von Genitalverstümmlerin Susanne Krege

«Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem UK Aachen 30.5.2011, im Hintergrund: Genitalverstümmlerin Prof. Dr. Med. Susanne KregeFriedlicher Protest mit Christiane Völling vor dem Universitätsklinikum Aachen, 30.5.2011
Im Hintergrund (Pfeil): Genitalverstümmlerin Susanne Krege

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>>> Offener Brief an das "Forum Medizin und Ethik" 

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 29.05.2011:

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch im Universitätsklinikum Aachen (UKA).

Morgen Montag, den 30. Mai 2011, organisiert das "Forum Medizin und Ethik" des Universitätsklinikums Aachen (UKA) im Rahmen seiner öffentlichen "Ringvorlesung Medizin & Ethik" einen Vortrag zum Thema "Intersexualität". Dies ist prinzipiell begrüßenswert, handelt es sich doch um ein aktuelles Thema mit erheblichem Handlungsbedarf, das "eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen [berührt], insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit" (Deutscher Ethikrat, vgl. unten).

Als Referentin bestellte das "Forum Medizin und Ethik" mit der Kinderchirurgin PD Dr. med. Susanne Krege ausgerechnet eine bekennende und praktizierende Genitalverstümmlerin, die seit Jahr und Tag medizinisch nicht notwendige, irreversible kosmetische Genitaloperationen an wehrlosen Kleinkindern in Publikationen propagiert und auch persönlich durchführt. Obwohl sogar die "Ethischen Grundsätze und Empfehlungen" der Arbeitsgruppe Ethik im "Netzwerk Intersexualität/DSD" (welchem Krege mit angehört) letztlich unmissverständlich klarmachen, dass sowohl kosmetische Genitaloperationen an Kindern im Besonderen wie auch medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern ohne jegliche Evidenz im Allgemeinen ethisch unhaltbar sind.

Noch dazu wählte die Täterin Krege für ihr Referat einen irreführenden Untertitel: "Gefangen im falschen Körper" (bekanntlich eine Umschreibung für Transsexualität, NICHT "Intersexualität"). Was leider kaum zufällig geschah: Die Genitalabschneiderin Krege ist in Deutschland eine der HauptprotagonistInnen, die Transsexualität medizinisch bei "Intersexualität" eingliedern wollen – ungeachtet der Tatsache, dass dies sämtliche "Intersex"-Betroffenenverbände aus sachlichen wie auch ethischen Gründen strikt ablehnen (ebenso wie – wenn auch aus anderen Gründen – praktisch alle ihrer Medizyner-KollegInnen).

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org ist entsetzt, dass das "Forum Medizin und Ethik" des UKA im Rahmen seiner "Ringvorlesung Medizin und Ethik" ausgerechnet einer international berüchtigten Genitalverstümmlerin eine Plattform bietet, um sich selbst und ihren ZunftsgenossInnen einen Ethik-Persilschein auszustellen und einmal mehr unethische und menschenrechtswidrige Genitalverstümmelungen trotz fehlender Evidenz unwidersprochen als "Standard" anzupreisen.

Markus Bauer, Zwischengeschlecht.org: "Die Wahl einer bekennenden und praktizierenden Genitalverstümmlerin als Referentin für einen 'Ethik'-Vortrag über 'Intersexualität' ist unverantwortlich und ein Schlag ins Gesicht aller Überlebenden von Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken. Es ist, als würde man einen Folterknecht als 'Ethik-Experten' für Verhörmethoden einladen oder einen Nazi-Medizyner für ein 'Ethik'-Referat über Menschenversuche."

Wir wollen diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zusehen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am Mo 30.5. vor Ort in Aachen friedlich protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
  

FRIEDLICHER PROTEST
anläßlich der "Ringvorlesung Medizin & Ethik" vom 30.5.
Vortrag der Genitalverstümmlerin PD Dr. med. Susanne Krege:
"Intersexualität – Gefangen im falschen Körper"
Mo 30.5.11, 18:00-19:30 h
vor dem Universitätsklinikum Aachen (UKA), Pauwelsstr. 30, 52074 Aachen

 


KOSMETISCHE GENITALOPERATIONEN AN KINDERN

«STOP Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken!» - Zwischengeschlecht.org

Etwa jedes 2000. Kind wird mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren (Zwitter, Hermaphroditen, "Intersexuelle", "Hypospader" u.a.m. – die Medizyner sprechen heute von "Störungen der Geschlechtsentwicklung / DSD").

Diese Kinder werden heute noch zu 90% systematisch "kosmetisch" zwangsoperiert, um aus ihnen "unauffällige" Jungen und Mädchen zu machen – ohne ihre Einwilligung, ohne medizinische Notwendigkeit und ohne, dass die angebliche "Wirksamkeit" der verstümmelnden Operationen je klinisch geprüft worden wäre. Viele werden obendrein kastriert und dadurch ihr Leben lang von gesundheitschädigenden "Hormonersatztherapien" abhängig gemacht.

Die behandelnden Medizinern nehmen dabei in Kauf, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird.

Seit den 1990ern klagen überlebende Betroffene diese Operationen öffentlich an als medizinische Verbrechen und "westliche Form der Genitalverstümmelung".

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org organisiert seit 3 Jahren friedliche Proteste und Mahnwachen u.a. vor Kinderkliniken, Medizinerkongressen und vor der UNO in Genf. Unsere mittelfristige Hauptforderung sind gesetzliche Maßnahmen zur Beendigung der Zwangsoperationen, entsprechend dem aktuellen Gesetzesentwurf im Bundestag gegen Genitalverstümmelungen an Mädchen und Frauen.
 
Unkontrollierte Menschenversuche ohne medizinische Notwendigkeit

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sind massive Menschenrechtsverletzungen. Sie sind medizinisch nicht notwendig, verstoßen gegen die Bundesverfassung (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) und verletzen die höchstpersönlichen Rechte der Kinder. Eltern haben deshalb kein Recht, im Namen ihrer Kinder in eine kosmetische Genitaloperation einzuwilligen.

Da die Wirksamkeit dieser Eingriffe nie klinisch getestet wurde (fehlende Evidenz) und auch die in der Medizin sonst üblichen Nachkontrollen bisher stets unterbleiben, handelt es sich um unkontrollierte Menschenversuche.
 
Ethisch, menschenrechtlich und juristisch unhaltbar

Seit Jahren bekräftigen Medizin- und BioethikerInnen: Nach medizinethischen Grundsätzen und Richtlinien sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern klar unzuläßig. Jahrzehnte lange Klagen der Opfer über massive physische und psychische Schäden werden durch namhafte Studien bekräftigt.

Ebenso bestätigen JuristInnen, dass die nicht-eingewilligten Operationen gegen Grund- und Menschenrechte verstoßen und auch strafrechtlich nicht haltbar sind.

Terre des Femmes und internationale FGM-ExpertInnen betonen die Parallelen zur Weiblichen Genitalverstümmelung.

2009 wurde in Köln erstmals ein Chirurg letztinstanzlich zu einer Schmerzensgeldzahlung von 100'000 Euro verurteilt. Ebenfalls 2009 rügte das UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen Verletzung ihrer Schutzpflicht gegenüber zwischengeschlechtlichen Kindern.

2010 bestätigte der Deutsche Ethikrat: "Der Umgang mit der Intersexualität berührt eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit."

Auch Ländersektionen von Amnesty International kommen zum Schluss:

"Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben." (Amnesty Deutschland 2010)

"Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstösst. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden. Die Folgen von chirurgischen und medikamentösen Eingriffen werden von den Betroffenen oft als Verstümmelungen wahrgenommen." (Amnesty Schweiz 2010)

Trotzdem halten die Mediziner wider besseres Wissen unbeirrt an diesen menschenrechtswidrigen Praktiken fest – auch in Aachen.
 
Verhängnisvoller Druck auf die Eltern zu irreversiblen OPs

Nach wie vor setzen Ärzte Eltern unter Druck zu einem möglichst raschen Entscheid - obwohl kein medizinischer Notfall vorliegt, die Operationen irreversibel sind und es für die betroffenen Kinder um eine existenzielle Frage geht:

"Wir Eltern wurden von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt, das Kind geschlechtsbestimmend operieren zu lassen, obwohl es vollkommen gesund war und keine Beschwerden hatte. Nicht zu operieren, wäre für das Kind ein gesellschaftliches Desaster, lautete die Begründung. Die Rede war zuerst von einem Mädchen. 'Aber wir machen auch einen Bub, wenn Sie das lieber wollen', bot uns die Ärztin an." (Eine Mutter über eine "Netzwerk DSD"-Endokrinologin)

Viele Eltern, die sich von den Ärzten überrumpeln ließen, bereuen dies später und beklagen sich darüber, dass sie nicht umfassend informiert wurden, und dass ihnen keine oder wenig Unterstützung für alternative Überlegungen geboten wurden, insbesondere Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten zu Betroffenen und Selbsthilfegruppen.
 
Diskussion über gesetzliches Verbot notwendig

Seit 20 Jahren klagen Betroffene den Ärzten und der Öffentlichkeit ihr Leid. Trotzdem operieren die Mediziner stur weiter - sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfristen und der Traumatisierung der Opfer juristisch kaum belangt werden können.

Während Genitalverstümmelungen in Afrika verurteilt und juristisch bekämpft werden, sind die Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken vor der eigenen Haustüre nach wie vor kein Thema.

Was 99% dieser Kinder erleben mussten, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ's durchgeführt wurden.
 
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief "3rd EuroDSD" 2011 
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Friday, May 20 2011

Genitalverstümmlerkongress "3rd EuroDSD": Forschung ohne Ethik und Gewissen

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»1. Protest gegen die "3rd EuroDSD", Lübeck 20.5.11

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>>> Infoseite zu den Protesten  

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 20.05.2011:

In Lübeck versammeln sich von heute Freitag 20.5. bis und mit Sonntag 22.5. TäterInnen aus 3 Kontinenten zum internationalen GenitalverstümmlerInnenkongress „3rd EuroDSD Symposium“, wo sie im Audimax des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) hinter verschlossenen Türen menschenrechtswidrige kosmetische Genitaloperationen an wehrlosen Kleinkindern propagieren.

Ethische oder menschenrechtliche Aspekte stehen am Symposium ausdrücklich nicht auf dem Programm. Sondern stattdessen reihenweise „ForscherInnen“, die von „chirurgischen Herausforderungen“ schwärmen und aller angerichteteten Schäden zum Trotz unbeirrbar weiter experimentieren. Und obendrein noch öffentlich die Opfer verhöhnen, wenn diese es später als Erwachsene wagen sollten, das ihnen angetane Unrecht öffentlich anklagen. Dies alles sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfristen und der Traumatisierung der Opfer juristisch kaum je belangt werden können.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird an allen drei Tagen draussen vor dem Audimax des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) protestieren  – gegen die GenitalabschneiderInnen drinnen und gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

„3rd EuroDSD“: Wer ist hier gestört?

Das "3. Internationale Symposium über Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD)" steht unter dem Motto "Vom Gen zur Geschlechtsidentität – was wir gelernt haben und was wir noch lernen müssen – neue Aussichten in der DSD-Forschung".

Dass es den gewissenlosen ForscherInnen in erster Linie an elementarsten Grundkenntnissen über Menschenrechte und Ethik mangelt, wollen sie selber offensichtlich nicht erkennen.

Zwischengeschlecht.org kritisiert weiter, dass Betroffene von den DSD-ForscherInnenn als "gestört" deklariert werden. 

Daniela Truffer, Zwischengeschlecht.org: "Wenn hier jemand gestört ist, dann sind dies die ethisch, moralisch und menschlich gestörten ForscherInnen selbst!"

ForscherInnen ohne Ethik und Gewissen

Heute zur Eröffnung des Kongresses sprechen u.a. der "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort, der Direktor der Kinderchirurgie Lübeck Lutz Wünsch sowie der aus Australien eingeflogene Endokrinologe Garry L. Warne.

Alle propagieren unbeirrbar seit Jahr und Tag öffentlich menschenrechtswidrige Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kleinkindern.

Eine Sammlung einschlägiger Zitate und Quellen finden Sie HIER unter den jeweiligen Namen verlinkt.
   
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
Freundliche Grüße

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Daniela Truffer
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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
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150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "EuroDSD"-Genitalverstümmler Garry L. Warne (Royal Children's Hospital, Melbourne): "Wir operieren Kinder am liebsten 4 bis 6 Wochen nach der Geburt"
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Monday, May 16 2011

Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "3rd EuroDSD", Lübeck 20.-22.5.

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion vor dem Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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>>> Infoseite zu den Protesten  

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 16.05.2011:

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

Diese Woche lädt das UKSH nach Lübeck zur "3rd EuroDSD", dem "3rd International Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender".

Organisiert wird die Veranstaltung vom in Lübeck ansäßigen "EuroDSD Consortium" (vormals "Netzwerk Intersexualität/DSD"), eine der weltweit größten internationalen Genitalverstümmler-Organisationen.

Zur "3rd EuroDSD" werden GenitalabschneiderInnen aus 10 Ländern und 3 Kontinenten eingeflogen, um im UKSH hinter verschlossenen Türen menschenrechtswidrige kosmetische Genitaloperationen an wehrlosen Kleinkindern propagieren.

Ethische oder menschenrechtliche Aspekte stehen dabei ausdrücklich nicht auf dem Programm.

Wir wollen diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zusehen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird am Do 19.05. vor Ort in Lübeck über diese menschenrechtswidrigen Praktiken informieren.

Und während des Kongresses friedlich protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

 
INFOVERANSTALTUNG & DISKUSSION

mit Daniela "Nella" Truffer & Seelenlos / Zwischengeschlecht.org
Do 19.5.11, 20:00 h
@ Amnesty Lübeck, Wahmstr. 43-45, 23552 Lübeck

FRIEDLICHER PROTEST

während der Eröffnung des "3rd EuroDSD Symposium" und Vortrag von Garry L. Warne (Australien), präsentiert von Olaf Hiort (Lübeck) und Lutz Wünsch (Lübeck)
vor dem Audimax des UKSH Lübeck (Zugang via Mönkhofer Weg, Busse 9 und 19 bis Fachhochschule)

FRIEDLICHE MAHNWACHE

anläßlich der Vorträge von Wiebke Arlt (Großbritannien), Laurence Baskin (USA), Pierre Mouriquand (Frankreich) und Lutz Wünsch (Lübeck), präsentiert von Peter Cuckow (Großbritannien)

Sa 21.5.11, 15:30-18:30 h
vor dem Audimax des UKSH Lübeck (Zugang via Mönkhofer Weg, Busse 9 und 19 bis Fachhochschule)

FRIEDLICHE MAHNWACHE

anläßlich der Schlussveranstaltung sowie der Vortrags von Ute Thyen (Lübeck) und Olaf Hiort (Lübeck), präsentiert von Heino F. L. Meyer-Bahlburg (USA)
So 22.5.11, 08:30-14:00 h
vor dem Audimax des UKSH Lübeck (Zugang via Mönkhofer Weg, Busse 9 und 19 bis Fachhochschule)

 

KOSMETISCHE GENITALOPERATIONEN AN KINDERN

Etwa jedes 2000. Kind wird mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren (Zwitter, Hermaphroditen, "Intersexuelle", "Hypospader" u.a.m. – die Medizyner sprechen heute von "Störungen der Geschlechtsentwicklung / DSD").

Diese Kinder werden heute noch zu 90% systematisch "kosmetisch" zwangsoperiert, um aus ihnen "unauffällige" Jungen und Mädchen zu machen – ohne ihre Einwilligung, ohne medizinische Notwendigkeit und ohne, dass die angebliche "Wirksamkeit" der verstümmelnden Operationen je klinisch geprüft worden wäre. Viele werden obendrein kastriert und dadurch ihr Leben lang von gesundheitschädigenden "Hormonersatztherapien" abhängig gemacht.

Die behandelnden Medizinern nehmen dabei in Kauf, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird.

Seit den 1990ern klagen überlebende Betroffene diese Operationen öffentlich an als medizinische Verbrechen und "westliche Form der Genitalverstümmelung".

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org organisiert seit 3 Jahren friedliche Proteste und Mahnwachen u.a. vor Kinderkliniken, Medizinerkongressen und vor der UNO in Genf. Unsere mittelfristige Hauptforderung sind gesetzliche Maßnahmen zur Beendigung der Zwangsoperationen, entsprechend dem aktuellen Gesetzesentwurf im Bundestag gegen Genitalverstümmelungen an Mädchen und Frauen.
 
Unkontrollierte Menschenversuche ohne medizinische Notwendigkeit

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sind massive Menschenrechtsverletzungen. Sie sind medizinisch nicht notwendig, verstoßen gegen die Bundesverfassung (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit) und verletzen die höchstpersönlichen Rechte der Kinder. Eltern haben deshalb kein Recht, im Namen ihrer Kinder in eine kosmetische Genitaloperation einzuwilligen.

Da die Wirksamkeit dieser Eingriffe nie klinisch getestet wurde (fehlende Evidenz) und auch die in der Medizin sonst üblichen Nachkontrollen bisher stets unterbleiben, handelt es sich um unkontrollierte Menschenversuche.
 
Ethisch, menschenrechtlich und juristisch unhaltbar

Seit Jahren bekräftigen Medizin- und BioethikerInnen: Nach medizinethischen Grundsätzen und Richtlinien sind kosmetische Genitaloperationen an Kindern klar unzuläßig. Jahrzehnte lange Klagen der Opfer über massive physische und psychische Schäden werden durch namhafte Studien bekräftigt.

Ebenso bestätigen JuristInnen, dass die nicht-eingewilligten Operationen gegen Grund- und Menschenrechte verstoßen und auch strafrechtlich nicht haltbar sind.

Terre des Femmes und internationale FGM-ExpertInnen betonen die Parallelen zur Weiblichen Genitalverstümmelung.

2009 wurde in Köln erstmals ein Chirurg letztinstanzlich zu einer Schmerzensgeldzahlung von 100'000 Euro verurteilt. Ebenfalls 2009 rügte das UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen Verletzung ihrer Schutzpflicht gegenüber zwischengeschlechtlichen Kindern.

2010 bestätigte der Deutsche Ethikrat: "Der Umgang mit der Intersexualität berührt eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit."

Auch Ländersektionen von Amnesty International kommen zum Schluss:

"Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben." (Amnesty Deutschland 2010)

"Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstösst. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden. Die Folgen von chirurgischen und medikamentösen Eingriffen werden von den Betroffenen oft als Verstümmelungen wahrgenommen." (Amnesty Schweiz 2010)

Trotzdem halten die Mediziner wider besseres Wissen unbeirrt an diesen menschenrechtswidrigen Praktiken fest – auch in Lübeck.
 
Verhängnisvoller Druck auf die Eltern zu irreversiblen OPs

Nach wie vor setzen Ärzte Eltern unter Druck zu einem möglichst raschen Entscheid - obwohl kein medizinischer Notfall vorliegt, die Operationen irreversibel sind und es für die betroffenen Kinder um eine existenzielle Frage geht:

"Wir Eltern wurden von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt, das Kind geschlechtsbestimmend operieren zu lassen, obwohl es vollkommen gesund war und keine Beschwerden hatte. Nicht zu operieren, wäre für das Kind ein gesellschaftliches Desaster, lautete die Begründung. Die Rede war zuerst von einem Mädchen. 'Aber wir machen auch einen Bub, wenn Sie das lieber wollen', bot uns die Ärztin an." (Eine Mutter über eine "Netzwerk DSD"-Endokrinologin)

Viele Eltern, die sich von den Ärzten überrumpeln ließen, bereuen dies später und beklagen sich darüber, dass sie nicht umfassend informiert wurden, und dass ihnen keine oder wenig Unterstützung für alternative Überlegungen geboten wurden, insbesondere Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten zu Betroffenen und Selbsthilfegruppen.
 
Diskussion über gesetzliches Verbot notwendig

Seit 20 Jahren klagen Betroffene den Ärzten und der Öffentlichkeit ihr Leid. Trotzdem operieren die Mediziner stur weiter - sicher im Wissen, dass sie wegen der Verjährungsfristen und der Traumatisierung der Opfer juristisch kaum belangt werden können.

Während Genitalverstümmelungen in Afrika verurteilt und juristisch bekämpft werden, sind die Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken vor der eigenen Haustüre nach wie vor kein Thema.

Was 99% dieser Kinder erleben mussten, ist verwandt mit sexuellem Missbrauch, ist verwandt mit Folter, ist verwandt mit Mädchenbeschneidungen in Afrika, ist verwandt mit den medizinischen Experimenten, wie sie im 2. Weltkrieg in KZ's durchgeführt wurden.
 
Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!". Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.
  
Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

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- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
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- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Friday, May 6 2011

Lübeck 20.-22.5: Proteste gegen GenitalverstümmlerInnen-Kongress "3rd EuroDSD Symposium - From Gene to Gender"

«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!» Zwischengeschlecht.org vor dem UKSH Audimax, Lückeck 20.5.11Friedlicher Protest vor dem "3rd EuroDSD Symposium", Lübeck 20.05.2011

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>>> Offener Brief 21.05.2011 (Deutsche Übersetzung) 
>>> Open Letter 21.05.2011 (English Original)

>>> Erste Antwort auf den Offenen Brief 23.5.11 + Rückantwort 20.6.11 

>>> Pressemitteilung 16.05.2011
>>>
"Lübeck: Zwitter protestieren gegen Tagung über Intersexualität" - dpa, 20.5.11
>>>
Flugblatt zu den Protesten (PDF 167KB)
>>>
Pressemitteilung 20.5.11
>>>
"Intersexualität: Sind Genitaloperationen Verstümmelung?" - dpa, 20.5.11
>>> Bericht 1. Protest 20.5.11  
>>> "Die schwere Entscheidung" - Hamburger Abendblatt 21.5.11 
>>> "Weiterhin Genitalverstümmelungen in Deutschland" - radio dreyeckland, 26.5.11 

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Nächsten Monat treffen sich im "EuroDSD"-Hauptquartier zu Lübeck diverse TäterInnen zum internationalen GenitalverstümmlerInnenkongress "3rd Symposium on Disorders of Sex Development – From Gene to Gender", um menschenrechtswidrige Zwangseingriffe an Kleinkindern zu propagieren.

Zwischengeschlecht.org hat dazu folgende friedliche Proteste angemeldet:

Fr 20.5.11, 15:00-18:30 h: FRIEDLICHER PROTEST
während der Eröffnung des "3rd EuroDSD Symposium" und Vortrag von Garry L. Warne (Australien), präsentiert von Olaf Hiort und Lutz Wünsch

Sa 21.5.11, 15:30-18:30 h: FRIEDLICHE MAHNWACHE
anlässlich der Vorträge von Wiebke Arlt (UK), Laurence Baskin (USA), Pierre Mouriquand (Frankreich) und Lutz Wünsch, präsentiert von Peter Cuckow (UK)

So 22.5.11, 08:30-14:00 h: FRIEDLICHE MAHNWACHE
anlässlich der Schlussveranstaltung sowie der Vorträge von Ute Thyen und Olaf Hiort, präsentiert von Heino F. L. Meyer-Bahlburg (USA)

Am Abend vor dem 1. Protest findet weiter eine Infoveranstaltung statt:

Do 19.5.11, 20:00 h: INFOVERANSTALTUNG
mit Daniela "Nella" Truffer & Seelenlos / Zwischengeschlecht.org
@ Amnesty Lübeck, Wahmstr. 43-45, 23552 Lübeck

Wir sehn uns, wo die Action ist!  Weitere Infos hier ...

>>> Newsletter Zwischengeschlecht.org vom 29.4.11

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen    

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Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07    

Sunday, May 1 2011

Video vom friedlichen Protest vor dem Ostschweizer Kinderspital SG

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter! 

>>> Infoseite zum Protest   >>> Pressemitteilung 2.2.11    >>> Der Offene Brief

Witziger Clip von M. Biolley von der >>> Demo vor dem Kispi St. Gallen. Danke! 
Zum abspielen hier oder ins Bild klicken.

Für alle des Schwyzerdütschen nicht Mächtigen untenstehend ein germanisiertes Transkript der Statements von Daniela "Nella" Truffer und yours truly, sowie der Beschwerde von OKS-Oberärztin Dr. Marx-Berger.

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Friday, April 29 2011

Newsletter Zwischengeschlecht.org: "EuroDSD"-Proteste, Ethikrat u.a.m. (29.4.11)

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!»Aktion vor dem Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen 6.2.2011 (Bild: NZZ Format)

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zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!

N E W S L E T T E R    2 9 . 0 4 . 2 0 1 1


INHALT
1. Lübeck 20.-22.5.: Proteste gegen "3rd EuroDSD Symposium"
2. Schweiz: Invalidenversicherung (IV) bezahlt Genitalverstümmelungen
3. SP Schweiz: Engagement gegen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken
4. Aachen 30.5.: Aktion zu "Ethik"-Vortrag von Susanne Krege
5. Berlin 8.6.: Öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates
6. Ethikrat: Betroffenenbefragung "Inters*xuelle" in Deutschland
7. Aufruf: Unterstützer_innen gesucht zur Beendigung der Verstümmelungen!


1. Lübeck 20.-22.5.: Proteste gegen "3rd EuroDSD Symposium"

Nächsten Monat treffen sich im "EuroDSD"-Hauptquartier zu Lübeck diverse TäterInnen zum internationalen GenitalverstümmlerInnenkongress "3rd Symposium on Disorders of S*x Development – From Gene to Gender", um menschenrechtswidrige Zwangseingriffe an Kleinkindern zu propagieren.

Zwischengeschlecht.org hat dazu folgende friedliche Proteste angemeldet u.a. vor dem Audimax der Universität zu Lübeck, worin der Kongress stattfindet:

Fr 20.5.11, 15:00-18:30 h: FRIEDLICHER PROTEST
während der Eröffnung des "3rd EuroDSD Symposium" und Vortrag von Garry L. Warne (Australien), präsentiert von Olaf Hiort und Lutz Wünsch

Sa 21.5.11, 15:30-18:30 h: FRIEDLICHE MAHNWACHE
anlässlich der Vorträge von Wiebke Arlt (UK), Laurence Baskin (USA), Pierre Mouriquand (Frankreich) und Lutz Wünsch

So 22.5.11, 08:30-14:00 h: FRIEDLICHE MAHNWACHE
anlässlich der Schlussveranstaltung sowie des Vortrags von Ute Thyen, präsentiert von Heino F. L. Meyer-Bahlburg (USA)

Am Abend vor dem 1. Protest findet weiter eine Infoveranstaltung statt:

Do 19.5.11, 20:00 h: INFOVERANSTALTUNG
mit Daniela "Nella" Truffer & Seelenlos / Zwischengeschlecht.org
@ Amnesty Lübeck, Wahmstr. 43-45, 23552 Lübeck

Wir sehn uns, wo die Action ist! Weitere Infos laufend auf dem Blog.


2. Schweiz: Invalidenversicherung (IV) bezahlt Genitalverstümmelungen

In schweizer Kinderkliniken werden Genitalverstümmelungen nicht über die Krankenkassen abgerechnet, sondern über die Invalidenversicherung (IV), die bis zum vollendeten 20. Lebensjahr für die ganze Bandbreite medizinisch nicht notwendiger, kosmetischer Genitaloperationen aufkommt. Zwischengeschlecht.org initiierte in diesem Zusammenhang 2 letztlich leider nicht nur erfreulich herausgekommene politische Vorstösse.

>>> Mehr dazu auf dem Blog


3. SP Schweiz: Engagement gegen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken

Im Anschluss an eine SP-Interpellation im Nationalrat zur Abrechnung von Genitalverstümmelungen über die Invalidenversicherung (siehe oben) kam es inzwischen zu einer positiv verlaufenen Aussprache mit SP-VertreterInnen. Dabei sicherten diese zu, die SP werde sich künftig zielgerichtet gegen die Verstümmelungen engagieren. Mehr dazu demnächst auf dem Blog.


4. Aachen Mo 30.5.: Aktion zu "Ethik"-Vortrag von Susanne Krege

Wenn GenitalabschneiderInnen sich als EthikerInnen ausgeben: Anlässlich der öffentlichen "Ringvorlesung Medizin & Ethik" am Universitätsklinikum Aachen referiert ausgerechnet eine bekannte Verstümmlerin zum Thema, noch dazu unter dem irreführenden Titel "Inters*xualität – Gefangen im falschen Körper".

Zwischengeschlecht.org wird vor Ort präsent sein. Wir sehn uns, wo die Action ist!  >>> Weitere Infos auf dem Blog.


5. Berlin 8.6.: Öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates

Am Mi 8.6.11, 10:00-17:00 h veranstaltet der Ethikrat eine öffentliche ExpertInnenanhörung über "Inters*xualität". Der Ort und die geladenen ExpertInnen wurden bisher noch nicht bekannt gegeben.

Zwischengeschlecht.org wird vor Ort präsent sein und der Blog darüber berichten, sowohl im Vorfeld wie auch über die eigentliche Veranstaltung, ebenso über die weiteren Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Ethikrat.


6. Ethikrat: Betroffenenbefragung "Inters*xuelle" in Deutschland

Der Ethikrat führt aktuell eine Befragung von in Deutschland lebenden "Inters*xuellen" durch. Das Ausfüllen des Fragebogens ist sowohl online möglich wie auch per Brief.

Zwischengeschlecht.org fordert ALLE von kosmetischen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken Betroffenen oder davon Bedrohten auf, an der Umfrage teilzunehmen.

Und sich dabei insbesondere und ausdrücklich für die Forderung nach schnellstmöglicher Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen u.a. durch ein gesetzliches Verbot einzusetzen, die im Fragebogen leider ziemlich an den Rand gedrängt wurde.

Damit die täglichen Verstümmelungen in den Kinderkliniken endlich aufhören – und zwar ALLE und nicht nur bei ausgewählten "Inters*x"-Diagnosen!

Fragebögen / Link zur Teilnahme auf Anfrage beim Absender dieses Mails.


7. Aufruf: Unterstützer_innen gesucht zur Beendigung der Verstümmelungen!

Die internationale Menschenrechtgruppe Zwischengeschlecht.org, bestehend aus Betroffenen und solidarischen Nicht-Betroffenen, setzt sich als bisher einzige Organisation konsequent für die schnellstmögliche Beendigung aller Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken ein.

Zur Weiterführung unserer Aktivitäten sind wir auf Unterstützung dringend angewiesen!

Z.B. durch eine Mitgliedschaft und/oder kleinere oder grössere Spenden. Die Mitgliedschaft steht allen offen, welche die Vereinsziele teilen. Mehr dazu auf der Homepage.

Danke!


Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".



Liebe Grüsse

Daniela "Nella" Truffer / Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

Homepage: http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGE 2011
>>>
Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
>>>
Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
>>> 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
>>> 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
>>> 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
>>> 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
>>> 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07 

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
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- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
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- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?


Tuesday, April 19 2011

Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011": Bilder der 2. Mahnwache

>>> Lübeck 20.-22.5.11: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "3rd EuroDSD"

"Hier drin tagen GenitalverstümmlerInnen!" Eingang zur "DGE 2011", Hamburg 2.4.11

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

Bei Postkartenwetter bauten wir am Samstagmorgen die Transparente und Schilder auf zur mittlerweile 3. Friedlichen Protestaktion gegen das Genitalabschneider-Jahrestreffen der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" sowie der "Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)" (wobei letztere mit den Verstümmelungen angeblich nichts am Hut haben will, aber scheints wegen Kompetenzproblemen auch nicht konkret Stellung dazu beziehen könne). Unterstützt wurden wir erneut durch eine noch zahlreicher erschienene, lokale Soli-Delegation. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Konkreter Anlass für die heutige Mahnwache war der "DGE 2011"-Programmpunkt "Meet the Expert: Adrenogenitales Syndrom [CAH/AGS]". Dabei propagierte die "EuroDSD"-"Expertin" Dr. Nicole Reisch (Klinikum Universität München / School of Clinical & Experimental Medicine, Birmingham) dem Vernehmen nach erwartungsgemäss die üblichen medizinisch nicht notwendigen, chirurgischen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kleinkindern, getreu der von der DGE mitverantworteten AMWF-Verstümmlerleitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom"

"In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt."

Allerdings klappte das mit dem Anpreisen von Genitalverstümmelungen dann doch nicht ganz so ungestört, wie es Dr. Nicole Reisch und ihre GenitalabschneiderkomplizInnen wohl gern gehabt hätten ...

An der bewährten Zwitter-Flugblatt-Brigade kam nämlich auch diesmal keinE KongressbesucherIn unbehelligt vorbei, weder auf dem Hin- noch später auf dem Nachhauseweg. Freundlich, aber bestimmt wurden sie allesamt einmal mehr auf das menschenrechtswidrige Treiben im Congress Centrum Hamburg aufmerksam gemacht. 

Da parallel zu den "Meet the Expert Sessions" auch noch diverse PatientInnenveranstaltungen auf dem Programm standen, gab es unter den BesucherInnen auch viele Nicht-MedizinerInnen, die wie noch so viele andere MitbürgerInnen auch noch gar nicht wussten, was in den hiesigen Kinderkliniken vor sich geht.

Die Flugblätter (>>> Download PDF, 168KB) gingen weg wie warme Semmeln, zwischendurch mussten wir gar zusätzliche 150 nachdrucken.

Auch ergaben sich beim Verteilen zahlreiche interessante und positive Gespräche mit BesucherInnen. Viele reagierten betroffen und empört über die Genitalverstümmelungen vor der eigenen Haustüre, solidarisierten sich und kündigten gar an, von sich selber für weitere Aufklärung über diese Praktiken zu sorgen.

Erneut taten auch an den Verstümmelungen nicht direkt mitbeteiligte MedizinerInnen ebenfalls ihre Unterstützung für unser Anliegen kund.

Diejenigen der TäterInnen selber, die sich überhaupt auf Gespräche einliessen, sagten auffällig oft dasselbe, bevor sie rasch weitereilten:

"Wir machen es uns bestimmt nicht leicht!"

Nun ja, für die Verstümmelten, die später ein Leben lang an den Folgen leiden, bestimmt beruhigend zu wissen ...

Mal abgesehen davon, dass "Unbedingt zwangsoperieren, so schnell wie möglich, zack-zack!", wie es nicht nur die DGE-Verstümmlerleitlinie 027/047 nach wie vor propagiert, auch nicht gerade besonders differenziert und wohlabwägend daherkommt.

Dass die "herausforderungssüchtigen" GenitalabschneiderInnen auch schlicht endlich damit aufhören könnten, täglich weitere wehrlose Kleinkinder irreversibel zu verstümmeln, ist ihnen wohl definitiv zu unkompliziert. Wo sich doch all die schönen Komplikationen (WARNUNG!) für sie selber und ihre Brötchengeber offensichtlich bestens rentieren ...

Vielsagend auch folgende Kommentare eines offensichtlich selber an den Verstümmelungen beteiligten Kongressteilnehmers:

"Kommt ihr auch nach Lübeck ['3rd EuroDSD Symposium' 20.-22.5.]?"

"Ein Verbot wäre auch keine Lösung!" 

Gekrönt vom anscheinend obligaten letzten Schluss aller offensichtlich Unverbesserlichen:

"Dann gehen die Eltern nämlich einfach ins Ausland!"

Meine 2 Cent: Immerhin scheint sich auch unter den hartgesotteneren TäterInnen langsam herumzusprechen, dass sie sich künftig nicht mehr beliebig zu Städteausflügen treffen können, ohne dass jeweils Überlebende und solidarische Nicht-Betroffene draussen vor dem Eingang gegen ihr menschenverachtendes Treiben friedlich, aber unübersehbar protestieren – ob's den GenitalabschneiderInnen drinnen passt oder nicht. 

Sowie, dass ein gesetzliches Verbot von kosmetischen Genitaloperationen in den Kinderkliniken eine realistische, legitime und logische Forderung darstellt, die mehr und mehr ins Gespräch kommt und inzwischen nicht mehr länger einfach als rein utopisch abgetan werden kann. 

Logisch sind mit einem Verbot der Verstümmelungen nicht automatisch alle weiteren Probleme gelöst, im Gegenteil: Danach können die eigentlichen Fragen nach einer menschenwürdigen psychosozialen Versorgung von Eltern und "Betroffenen" erst konsequent angegangen werden. 

Für das Problem der wenigen ebenfalls unverbesserlich menschenverachtenden Eltern lassen sich (wie übrigens auch bei der weiblichen Genitalverstümmelung vorgesehen) kosmetische Genitaloperationen an Kindern zudem problemlos auch unter Strafe stellen, wenn die Tat selber im Ausland begangen bzw. veranlasst wurde – ebenso die dringend notwendige Aufhebung/Verlängerung der Verjährung.

Und nicht zuletzt, wie sich der betreffende Medizyner in Hamburg von einer Überlebenden sagen lassen musste:

"Erst, wenn die Forderung nach einem Verbot der Verstümmelungen unübersehbar im Raum steht, werden die Medizyner beginnen, ernsthaft mit den Betroffenen zu reden."

In diesem Sinne: Wir sehn uns, wo die Action ist!

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)
>>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.
>>> Chirurgische Arbeitsgemeinschaft geht auf Distanz (will sich aber nicht distanzieren)

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07 

Sunday, April 3 2011

Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Chirurgische Arbeitsgemeinschaft geht auf Distanz (will sich aber nicht distanzieren)

1. Mahnwache vor der "DGE 2011" mit Offenen Briefen, Hamburg 1.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

Die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) zeigt sich besogt darüber, als Mitorganisatorin bei der "DGE 2011" in der Öffentlichkeit mit der Praxis der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken in Verbindung gebracht zu werden.

Auf den >>> Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vom 1.4.11 an die Mitgliederversammlung der DGE, welcher der zeitgleich tagenden CAEK ebenfalls zugestellt wurde, kam von letzterer als Antwort sogleich eine Beschwerde. Darin monierte der CAEK-Vorsitzende (der seinen Namen in dieser Angelegenheit im Internet nicht genannt haben will) "bei allem Verständnis für Ihr Anliegen", durch den Offenen Brief werde eine "Beziehung" hergestellt, "welche nicht existiert" und daher "für den Leser irreführend" sei. Sowie u.a. mit der "dringenden" Bitte an Zwischengeschlecht.org, "die von Ihnen erhobenen Vorwürfe gegenüber der CAEK zurückzunehmen bzw. gegenüber den Lesern des offenen Briefes richtig zu stellen".

In diesem Sinne dokumentiert dieser Blog nachfolgend die Antwort an den ungenannt sein wollenden Vorsitzenden, die auszugsweise auch in der Pressemitteilung vom 2.4.11 wiedergegeben war:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. [...]

Vielen Dank für Ihre Stellungnahme und für Ihr Verständnis für unser Anliegen.

Unsere Menschenrechtsgruppe ist sich bewusst, dass die Schwerpunkte der CAEK bei medizinisch indizierten Eingriffen an Erwachsenen liegen, hauptsächlich der Schilddrüsen, [...] der Bauchspeicheldrüse und der Nebennierenrinden, und somit NICHT medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Kindern betreffen. Wie Sie unserem Offenen Brief wie auch unseren Pressemitteilungen, Flugblättern usw. entnehmen können, behaupten wir auch nirgends, die CAEK sei an Leitlinien beteiligt, die solche menschenrechtswidrigen Eingriffe propagieren, sondern sehen die Verantwortung dafür im Zusammenhang mit der DGE 2011 klar bei der DGE.

Da Ihre Vereinigung jedoch als Mitorganisatorin der DGE 2011 auftritt und ihre Mitgliederversammlung zeitgleich mit der DGE abhielt, erlaubten wir uns, Ihnen unseren Offenen Brief ebenfalls zukommen zu lassen, um Sie über unsere Bedenken und Anliegen zu informieren.

Auch sind wir der Ansicht, dass bei gravierenden medizinethischen Fragen wie im Falle der systematischen kosmetischen Genitaloperationen an wehrlosen Kindern die gesamte medizinische Gemeinschaft gefordert ist, und nicht nur die unmittelbar betroffenen Teildisziplinen, und dies umso mehr, je enger andere Disziplinen mit den direkt verantwortlichen Kontakt pflegen und zusammenarbeiten.

Es war jedoch nicht unsere Absicht, eine direkte Beziehung der CAEK zu den von uns kritisierten Praktiken herstellen zu wollen, und wir werden dies auch nochmals explizit öffentlich bekräftigen.

Jedoch würden wir es begrüssen, wenn die CAEK zu den von uns angesprochenen Problemen prinzipiell Stellung beziehen würde, da wir uns erhoffen, dies könnte zur Beschleunigung der Beendigung der kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen entscheidend beitragen. Auch könnte dies gleichzeitig potentielle Missverständnisse betreffend der Beziehungen der CAEK zu fragwürdigen Praktiken, wie sie offensichtlich im Rahmen der DGE 2011 auch am heutigen Tage nach wie vor propagiert werden, von vornherein ausschließen.

Freundliche Grüsse

Daniela Truffer / Zwischengeschlecht.org

Soweit wollte der ungenannt bleiben wollende Vorsitzende aber nicht gehen. Sondern schrieb im Gegenteil mit Datum vom 2.4. zurück, die Arbeitsgemeinschaft habe "zu diesem Thema" noch nie Stellung bezogen und werde es auch künftig nicht tun, "da ihr in dieser Hinsicht jegliche Fachkompetenz fehlt".

Offenbar fachkompetent genug fühlte sich der ungenannt bleiben wollende Vorsitzende demgegenüber für folgende Formulierung: "Die von Ihnen erhobenen Vorwürfe in dem offenen Brief sind schwerwiegend und rufschädigend. [...] Die hierdurch bedingten Auswirkungen im Zeitalter der umfassenden Google-Suche sind immens."

Von der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)", an welche die im Offenen Brief stehenden "Vorwürfe" bekanntlich gerichtet sind, kam bisher übrigens keine Rückmeldung.

Meine 2 Cent: Etwas Nachhilfe in Grundprinzipien der (Medizin-)Ethik könnte wohl beiderseits nicht schaden ...

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)
>>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009

Saturday, April 2 2011

Genitalverstümmelung in Kinderkliniken: Endo-Chirurgen gehen auf Distanz

1. Mahnwache vor der "DGE 2011" mit Offenem Brief, Hamburg 1.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4. 

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 2.4.2011

Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt.

In Hamburg sind anlässlich des Genitalabschneider-Kongresses "DGE 2011 – 54. Symposion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie" menschenrechtswidrige kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen aktuell gleich dreifach Thema:

• Zunächst drinnen im Congress Centrum Hamburg von Seiten der Ärztinnen und Ärtzte der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):

Dort finden heute Samstag 2.4. sogenannte "Meet the Expert-Sessions" statt zu den Schwerpunkten "Pädiatrische Endokriniologie" sowie "Adrenogenitales Syndrom". Zu letzterem propagiert die DGE u.a. in der 2010 von ihr mitverantworteten AWMF-Leitlinie 027/047 unverdrossen "Genitalkorrekturoperationen" an wehrlosen Kleinkindern ohne Wenn und Aber: "In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt."

• Thema sind die chirurgischen Genitalverstümmelungen aber auch draußen vor dem Kongress:

Ab 09:30 Uhr protestiert die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org gleichzeitig zum 3. Mal in Folge anlässlich der "DGE 2010" mit einer friedlichen Mahnwache gegen die Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken – allein in Hamburg werden solche an mindestens 5 Orten regelmäßig vorgenommen.

• Drittens sorgt sich die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) darüber, als Mitorganisatorin bei der "DGE 2011" in der Öffentlichkeit mit der Praxis der Genitalverstümmelungen in den Kinderkliniken in Verbindung gebracht zu werden:

Als Reaktion auf den gestrigen Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org an die Mitgliederversammlung der DGE, welcher der zeitgleich tagenden CAEK ebenfalls zugestellt wurde, monierte der CAEK-Vorsitzende "bei allem Verständnis für Ihr Anliegen", dadurch werde eine "Beziehung" hergestellt, "welche nicht existiert" und ist daher "für den Leser irreführend" sei.

Zwischengeschlecht.org hält fest, dass weder im Offenen Brief noch sonstwo behauptet wurde, die CAEK sei an Leitlinien beteiligt, die menschenrechtswidrige Eingriffe propagieren, sondern sieht die Verantwortung dafür im Zusammenhang mit der "DGE 2011" klar bei der DGE. Zwischengeschlecht.org bedauert, falls trotzdem ein gegenteiliger Eindruck entstanden sein sollte. Es war nicht die Absicht unserer Menschenrechtsgruppe, eine direkte Beziehung der CAEK zu den von uns kritisierten Praktiken herstellen zu wollen.

Jedoch ist Zwischengeschlecht.org der Ansicht, dass bei gravierenden medizinethischen Fragen wie im Falle der systematischen kosmetischen Genitaloperationen an wehrlosen Kindern die gesamte medizinische Gemeinschaft gefordert ist, und nicht nur die unmittelbar betroffenen Teildisziplinen, und dies umso mehr, je enger andere Disziplinen mit den direkt verantwortlichen Kontakt pflegen und zusammenarbeiten.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Freundliche Grüße

n e l l a
Daniela Truffer
Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Schweizerische Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.
Mitglied XY-Frauen
Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmässige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> Infoseite zu den "DGE 2011"-Protesten

>>> Bericht 1. Protest vom 30.3.11
>>>
Flugblatt zu den Protesten (PDF, 168KB)
>>> Bericht 2. Aktion 1.4.11

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011": Bilder der 1. Mahnwache

1. Mahnwache vor der "DGE 2011", Hamburg 1.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Demo-Flugblatt (PDF)   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.

Als gestern morgen früh die Mitglieder des Genitalabschneider-Standesorganisation "Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" zu ihrer Jahresversammlung 2011 ins Congress Centrum Hamburg CCH eilten, empfing sie das unvermeidliche Empfangskomitee mit Flugblättern (>>> Download PDF, 168KB), Schildern und Transparenten – sowie verstärkt um eine lokale Soli-Delegation. Fettes Dankeschön an alle, die kamen!

Und von den "DGE 2011"-TeilnehmerInnen offensichtlich mittlerweile nicht mehr ganz unerwartet: "Ah, die Demo!", begrüsste uns lautstark schon der erste Pulk, sobald er vom Bahnhof her um die Ecke bog. Auffallend viele Male hörten wir diesmal auch beim Flugblattverteilen erfreuliche Aussagen wie: "Ich bin auf eurer Seite!" – obwohl nach wie vor die Mehrzahl der KongressteilnehmerInnen Gesichter schnitt, als hätten sie in etwas besonders Saures gebissen ...

Und während dann die DGE-GenitalabschneiderInnen drinnen tagten, überbrachte die unermüdliche Zwitter-Flugblattbrigade am "DGE 2011"-Empfang den obligaten >>> Offenen Brief der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org.

Auch PassantInnen wurden erneut zahlreich über die Genitalverstümmelungen vor ihrer Haustüre informiert. Wie schon gestern überwiegend mit positiven Reaktionen: "Warum warten die nicht einfach zu?", sprach etwa ein junger Mann ein grosses Wort gelassen aus.

Ja, warum eigentlich nicht?

Und damit bis zur heutigen 2. Mahnwache, Samstag 09:30-13:30 Uhr am selben Ort ...

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009

Friday, April 1 2011

Offener Brief von Zwischengeschlecht.org zur DGE 2011, 1.4.11

Vor dem Eingang zur "DGE 2011", Hamburg 30.3.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Demo-Flugblatt (PDF)   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.

 
>>> Der Offene Brief als PDF

Zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!
Postfach 2122
8031 Zürich
info_at_zwischengeschlecht.org



Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.
c/o EndoScience Endokrinologie Service GmbH
Mozartstr. 23
93128 Regenstauf


Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)
c/o [Name und Anschrift des Vorsitzenden
auf dessen Wunsch entfernt,
ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs]
55101 Mainz



Hamburg, 1. April 2011



Offener Brief von Zwischengeschlecht.org zur DGE 2011


Sehr geehrte Damen und Herren

Als sogenannt 'intersexuelle' Menschen und in diesem Zusammenhang auch Betroffene von nicht eingewilligten medizinischen Massnahmen sind wir sehr besorgt darüber, dass Ihre Organisationen ebensolche Zwangsmassnahmen propagieren und durch ihre Mitglieder durchführen lassen.

Wir beziehen uns dabei insbesondere auf die AWMF-Leitlinien 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung" und 027/047 "Adrenogenitales Syndrom", die wiederholt solche kosmetischen Eingriffe an Kleinkindern propagieren und dabei ethische und menschenrechtliche Gesichtspunkte entweder gar nicht oder nicht adäquat berücksichtigen.

Zwar bezieht sich die Leitlinie 027/022 teilweise unter anderem auf das Konsensuspapier "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD" der Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung" (1). Dessen Schlussfolgerungen werden jedoch in den Leitlinien einseitig und selektiv berücksichtigt. So benutzt zum Beispiel die Leitlinie das Ethikpapier dazu, Grund- und Menschenrechte der Kinder zu negieren, indem es abschliessend als einziger Beleg dafür hinzugezogen wird, dass "[r]echtlich [...] letztlich den Eltern die Entscheidung [zusteht]".

Dabei wird ausgeblendet, dass auch das Ethikpapier verschiedentlich bestätigt, dass auch die Kinder Rechte haben, darunter insbesondere das Recht auf "körperliche Integrität und Lebensqualität, insbesondere im Bereich der Fortpflanzungsfähigkeit sowie des sexuellen Erlebens, und die freie Entwicklung der Persönlichkeit", sowie das "Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation bzw. Selbstbestimmung" (2).

Ebenso hält auch das Ethikpapier unmissverständlich fest, dass medizinisch nicht notwendige, irreversible Eingriffe an Kindern klar unzulässig sind: "Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf Sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation." (3)

Auf die grund- und menschenrechtlichen Implikationen medizinisch nicht notwendiger Eingriffe ohne Evidenz geht die Leitlinie 027/022 gar nicht erst ein.

Die 2010 neu eingeführte Leitlinie 027/047 "Adrenogenitales Syndrom" lässt ethische Bedenken gleich ganz außen vor und propagiert stattdessen medizinisch nicht notwendige „Genitalkorrekturoperationen“ an Kleinstkindern als selbstverständlich:

„In der Regel wird die Operation in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt.“

Nebst unkontrollierten chirurgischen Menschenversuchen leistet die Leitlinie 027/047 auch unkontrollierten pränatalen Hormonexperimenten mit Dexamethason Vorschub. Zwar hält die Leitlinie hierzu immerhin fest:

"Die pränatale AGS-Therapie ist nach wie vor eine experimentelle Therapie. Sie sollte im Rahmen kontrollierter Studien durchgeführt werden (zentrale Datenerfassung für die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie über Prof. Dr. H.G. Dörr, Kinder- und Jugendklinik der Universität Erlangen)."

Trotzdem belässt es die von Prof. Dr. Dörr mitverantwortete AWMF-Leitlinie 027/042 letztlich bei unverbindlichen Empfehlungen ("sollte") – und erlaubt es so eigenmächtig "experimentierenden" Medizinern, dies weiterhin nach eigenem Gutdünken willkürlich zu tun, ohne dass sie für ihre menschenrechtswidrigen unkontrollierten Humanexperimente je irgendwelche Konsequenzen zu vergegenwärtigen hätten.

Dieses Unterlassung ist umso empörender, als Prof. Dr. Dörr schon seit längerem beklagt, dass sich die meisten Endokrinologen seit 1990, also seit zwanzig Jahren einen Deut um die Datenerfassung kümmern:

"Das Ausfüllen der Fragebögen erfolgt auf freiwilliger Basis. [...] Leider muss man somit feststellen, dass die Fragebögen nahezu nie komplett ausgefüllt zurückgeschickt werden [...]. Aufgrund der derzeit bestehenden Strukturen besteht jedoch keine Möglichkeit, gezielt nach den fehlenden Daten nachzufragen.[...] Man muss allerdings davon ausgehen, dass die dokumentierten Fälle in der Datenbank nur einen Teil der tatsächlich pränatal behandelten Fälle in Deutschland darstellen. Zum Beispiel wurden für das Jahr 1999 nur 2 Fälle und für das Jahr 2000 überhaupt kein Fall dokumentiert." (4)

"Dexamethason wird nicht selten großzügig Risikoschwangeren verordnet, ohne dabei einige der Grundregeln zu beachten, (…) und vor allem ohne die schriftliche Aufklärung der betroffenen Familie über die Therapie einschließlich der potenziellen Nebenwirkungen für Mutter und Kind."
(4)

Unserer Auffassung nach sind seit den Nürnberger Prozessen unkontrollierte Menschenexperimente, noch dazu ohne umfassende Aufklärung, nicht nur ethisch, sondern auch rechtlich nicht mehr haltbar, und eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt.

Es ist verdankenswert, dass ein Mitglied der DGE hier hinschaut und die Tatsachen beim Namen nennt. Dass eine zwei Jahre später erstellte Leitlinie aus diesen bekannten Tatsachen keine Konsequenzen zieht, stimmt mehr als nachdenklich.

Unter diesen Voraussetzungen lässt die 2009 angemeldete und auf 2011 angekündigte AWMF-Leitlinie 027/029 "Hypospadie" unter Federführung derselben Verantwortlichen wie schon bei den Leitlinien 027/022 "Störungen der Geschlechtsentwicklung" und 027/047 "Adrenogenitales Syndrom", nämlich DGKJ, APE, AG DSD/Störungen der Geschlechtsdifferenzierung und DGE, wenig Gutes erahnen.

Wie interne Untersuchungen der APE (5) und ESPE (6) zudem bestätigen, sind es hauptsächlich Endokrinologen, die allein oder zusammen mit einem Kinderchirurgen in den Kinderkliniken den Eltern medizinisch nicht notwendige, irreversible Genitaloperationen aufdrängen.

Eine Mutter, die von einer Netzwerk DSD/Intersexualität-Endokrinologin "beraten" wurde:

„Wir Eltern wurden von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt, das Kind geschlechtsbestimmend operieren zu lassen, obwohl es vollkommen gesund war und keine Beschwerden hatte. Nicht zu operieren, wäre für das Kind ein gesellschaftliches Desaster, lautete die Begründung. Die Rede war zuerst von einem Mädchen. ‘Aber wir machen auch einen Bub, wenn Sie das lieber wollen’, bot uns die Ärztin an.“ (7)

Als Betroffene sowohl von nicht eingewilligten "Genitalkorrekturen" wie auch von nicht eingewilligten Gonadektomien sind wir über diese Leitlinien und solche "Beratungen" entsetzt und halten fest:

Geschlechtszuweisende chirurgische Genitalkorrekturen ohne medizinische Indikation, wie sie auch in Deutschland immer noch regelmässig an Kleinkindern durchgeführt werden, sind auch in der medizinischen Lehre alles andere als unumstritten. Nach wie vor gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, dass sie auf lange Sicht wirksam und sicher sind. Hingegen gibt es viele Indizien, welche ihre Wirksamkeit in Frage stellen.

Weder ist gesichert, dass Genitalkorrekturen langfristig zu besseren psychosozialen Resultaten führen, als wenn sie unterlassen werden. Noch kann garantiert werden, dass ein Kind sich entsprechend der ihm zugewiesenen Geschlechtsidentität entwickelt. Im Gegenteil, aktuelle Studien belegen:

"Die Behandlungsunzufriedenheit von Intersexuellen ist [...] eklatant hoch. [...] Ein Drittel [der Patienten] bewertet geschlechtsangleichende Operationen als zufriedenstellend bzw. sehr zufriedenstellend, ein weiteres Drittel ist unzufrieden bzw. sehr unzufrieden und das letzte Drittel ist z.T. zufrieden, z.T. unzufrieden." (8)

Die Behandlungszufriedenheit ist bei intersexuellen Erwachsenen und auch Eltern intersexueller Kinder "gering". Eltern beurteilen "die behandelnden Ärzte/Ärztinnen schlechter als Eltern von Kindern mit anderen chronischen Erkrankungen". (9) "Als Ergebnis zeigt sich, dass viele Erwachsene mit DSD mit der medizinischen Behandlung sehr unzufrieden sind." (10)

"The outcome of early genital vaginoplasty is poor and repeat procedures are common. Complications such as stenosis and persistent offensive vaginal discharge and bleeding are common. [...] It is also increasingly clear that clitoral surgery in childhood is detrimental to adult sexual function." (11)

„Auch aus der Literatur ist bekannt, dass sich ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz von Menschen mit DSD im Lauf der Pubertät oder im Erwachsenenalter entschließt, das ihnen zugewiesene soziale Geschlecht zu wechseln.“
(12)

Dass die Wirksamkeit der chirurgischen und hormonellen Behandlungsmethoden an Kleinkindern auch nach sechzigjähriger Praxis immer noch nicht erwiesen werden konnte, unterstreicht zudem auch die aktuelle Leitlinie selbst, die sich bekanntlich auf der niedrigsten Entwicklungsstufe 1 befindet.

Flächendeckende prophylaktische Gonadektomien sind laut medizinischen Studien in den meisten Fällen medizinisch nicht notwendig, haben aber für die Betroffenen lebenslange, sehr schwerwiegende Folgen, insbesondere bei anschliessender Hormonersatztherapie entgegen der ursprünglichen Hormonproduktion des Körpers. So beträgt beispielsweise bei CAIS das Krebsrisiko lediglich 0.8 %, bei PAIS 15 %. (13) Sogar Wünsch und Wessel halten in einer aktuellen Publikation fest: "Indikation und Zeitpunkt der Gonadenentfernung müssen dem individuellen Tumorrisiko angepasst werden. Der Schutz der Fertilität ist ein zentrales Anliegen." (14)

Auch aus ethischen und juristischen Gründen sind geschlechtszuweisende chirurgische Genitalkorrekturen und prophylaktische Gonadektomien an Kindern ohne deren informierte Zustimmung strikt abzulehnen.

Wie bereits eingangs erwähnt, sind laut "Ethische Grundsätze und Empfehlungen" irreversible, medizinisch nicht notwendige Eingriffe ohne ausreichende Evidenz klar unzulässig:

"Maßnahmen, für die keine zufrieden stellende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, sowie Maßnahmen, die irreversible Folgen für die Geschlechtsidentität oder negative Auswirkungen auf Sexualität oder Fortpflanzungsfähigkeit haben können, sind besonders begründungs- und rechtfertigungspflichtig und bedürfen einer zwingenden medizinischen Indikation. [...] Die Verfügung über Organe und Strukturen, die für die körperliche Integrität oder Geschlechtsidentität wichtig sind (z.B. Keimdrüsen), sollten in der Regel – wenn keine gewichtigen, das Kindeswohl betreffenden Gründe entgegenstehen – dem Betroffenen selbst überlassen bleiben." (15)

2010 bestätigte der Deutsche Ethikrat:

"Der Umgang mit der Intersexualität berührt eine Reihe medizin-, rechts- und sozialethischer Fragen, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit." (16)

Und auf dem Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates vom 23.6.2010 fand die Leitung der Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung", Prof. Dr. Claudia Wiesemann, angesprochen auf die selektive Berücksichtigung der ethischen Grundsätze und Empfehlungen in der aktuellen Leitlinie, deutliche Worte und sprach von Situationen, in denen

"operiert wird auf Teufel komm raus (…) und (…) der informed consent aller Wahrscheinlichkeit nach Makulatur ist und letztendlich die Ethik nur noch als Freifahrtschein dazu dient, an die Eltern eine ohnehin feststehende Entscheidung abzudelegieren" (17).

(Claudia Wiesemann bezog sich dabei hauptsächlich auf "Kleinstzentren". Nach allen uns vorliegenden Informationen ist genau dasselbe jedoch auch in den grossen Behandlungszentren der Fall, und ist noch nirgends die auch in der Leitlinie geforderte Beteiligung von Psychologen, Sozialarbeitern und Ethikern in den multidisziplinären Behandlungsteams wirklich gewährleistet, auch durch entsprechende Festanstellungen.) (18)

Auch internationale Ethikgremien kommen zum Schluss:

"Our working group unanimously supported waiting for children to be old enough to participarte in decisions about risky and painful surgeries that might fail to reliably retain function and produce more normal appearance (for example, surgery for intersex and achondroplasia)." (19)

Die Rechtsprofessorin Konstanze Plett vertritt seit langem den Standpunkt, dass das medizinisch nicht notwendige Gonadektomieren intersexueller Kinder gegen das Sterilisationsverbot verstosse. (20)

Auch international werden medizinisch nicht notwendige Eingriffe an Kindern als Verstoß gegen ihre höchstpersönlichen Rechte gewertet. Vgl. zum Beispiel Prof. Dr. iur. Andrea Büchler, Professorin für Privatrecht an der Universität Zürich:

"Ein medizinischer Eingriff braucht die Zustimmung der betroffenen Person. In der Regel können die Eltern für ihr Kind zustimmen. Geschlechtszuweisende Operationen aber tangieren die höchstpersönlichen Rechte und dürfen nicht ohne Zustimmung des betroffenen Kindes vorgenommen werden – ausser es ist medizinisch notwendig." (21)

Nicht zuletzt verletzen medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern Grund- und Menschenrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

Namhafte Menschenrechtsorganisationen unterstreichen zudem die Parallelen zur weltweit geächteten Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung.


Die Juristin Dr. Angela Kolbe kritisiert in ihrer mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichneten Dissertation über die verfassungsrechtliche Situation intersexueller Menschen insbesondere die schweren Eingriffe bei Kleinkindern als Verstoß gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. (22)

Als Reaktion auf einen Schattenbericht von Intersexuelle Menschen e.V., der verschiedene Menschenrechtsverletzungen von Intersexuellen durch medizinische Zwangseingriffe auflistete (23), rügte 2009 das UN-Komitee CEDAW die Bundesregierung wegen Missachtung ihrer Schutzpflicht gegenüber intersexuellen Kindern. In den daraus resultierenden schriftlichen Empfehlungen forderte das Komitee die Bundesregierung auf, "wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Menschenrechte zu ergreifen" (24).

Die Sektionen Deutschland und Schweiz von Amnesty International verabschiedeten 2010 an ihren Jahresversammlungen je eine Motion, worin sie Handlungsbedarf unterstrichen.

Amnesty Deutschland wertete die kosmetischen Genitaloperationen an Kindern als "fundamentalen Verstoß gegen die Menschenrechte":

"Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben." (25)

Und Amnesty Schweiz führte in der Begründung aus:

"Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstösst. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden. Die Folgen von chirurgischen und medikamentösen Eingriffen werden von den Betroffenen oft als Verstümmelungen wahrgenommen. Die Suizidrate bei operierten und hormonbehandelten Intersexuellen ist stark erhöht; auch verstösst die Zuweisung zum explizit männlichen oder weiblichen Geschlecht gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde, die nicht nur bei Female Genital Mutilation (FGM) in Entwicklungsländern, sondern weiterhin auch bei genitalen Zwangsoperationen in Industrieländern verletzt werden."
(26)

Terre des Femmes und internationale Expertinnen konstatieren seit Jahren, dass kosmetische Genitaloperationen an Kleinkindern eine Form von Genitalverstümmelung sind und für die Opfer vergleichbar schädlich wie die weibliche Genitalverstümmelung. (27)

Erwachsene, die als Kinder kosmetischen Genitaloperationen unterzogen wurden, beklagen seit den 1990er-Jahren öffentlich die "Zerstörung des sexuellen Empfindens" und der "körperlichen Unversehrtheit" (28) durch diese Eingriffe, welche sie als "Genitalverstümmelung" erfahren. (29)

Wir betroffene Menschen bitten Sie deshalb inständig, die fragwürdigen Praktiken im Zusammenhang mit Intersexualität zu überprüfen,
und bitten um eine diesbezügliche Stellungnahme innert nützlicher Frist.

Ebenso bitten wir Sie inständig um angemessenen Einbezug der Betroffenen und ihrer Organisationen beim Erarbeiten künftiger Behandlungsrichtlinien sowie in der Behandlung selbst (Anbieten von kontinuierlichem Peer Support sowohl für die betroffenen Kinder wie auch für ihre Eltern).

In der Hoffnung auf einen konstruktiven Dialog zwischen verantwortlichen Ärzten und uns Betroffenen grüssen wir Sie freundlich


Im Namen von Zwischengeschlecht.org


Daniela Truffer
Gründungsmitglied Zwischengeschlecht.org
Gründungsmitglied Selbsthilfegruppe Intersex.ch
Mitglied XY-Frauen
Mitglied Intersexuelle Menschen e.V.






Quellen (alle Links Stand 15.9.2010)

(1) Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung": "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 2008, Nr. 156, S. 241-245

(2) Ebd., S. 244

(3) Ebd., S. 245

(4) Helmuth G. Dörr: "Adrenogenitales Syndrom infolge 21-Hydroxylase-Defektes: Hat die pränatale Therapie in Deutschland eine Zukunft?". In:  korasion Nr. 1, März 2008
http://www.kindergynaekologie.de/html/kora62.html

(5) Eigene Umfrage in der Arge Nebenniere der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE) 2005

(6) Management of Congenital Adrenal Hyperplasia: Results of the ESPE Questionnaire (Riepe et al., Horm Res 2002;58:196-205)

(7) Renata Egli-Gerber: "Weder Mann noch Frau – und doch beides", in: Sonntag/Leben und Glauben, Heft 36/2010, S. 28-30, hier S. 29

(8) Christian Schäfer: "Intersexualität: Menschen zwischen den Geschlechtern".
http://www.springer.com/medicine/thema?SGWID=1-10092-2-513709-0

Lisa Brinkmann; Katinka Schweizer; Hertha Richter-Appelt: "Behandlungserfahrungen von Menschen mit Intersexualität. Ergebnisse der Hamburger Intersex-Studie". Gynäkologische Endokrinologie 04/2007, S. 235-242

(9) Eva Kleinemeier, Martina Jürgensen: "Erste Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie im Netzwerk Störungen der Geschlechtsentwicklung/Intersexualität in Deutschland, Österreich und Schweiz Januar 2005 bis Dezember 2007", S. 18. http://www.netzwerk-dsd.uk-sh.de/fileadmin/documents/netzwerk/evalstudie/Bericht_Klinische_Evaluationsstudie.pdf

(10) Ebd., S. 37

(11) Sarah M. Creighton: "Adult Outcomes of Feminizing Surgery". In: Sharon E. Sytsma (Ed.): "Ethics and Intersex", Dordrecht: Springer, 2006, S. 207-214

(12) M. Jürgensen; O. Hiort; U. Thyen: "Kinder und Jugendliche mit Störungen der Geschlechtsentwicklung: Psychosexuelle und -soziale Entwicklung und Herausforderungen bei der Versorgung". Monatsschrift Kinderheilkunde, Volume 156, Number 3, March 2008, S. 226-233

(13) Martine Cools, Stenvert L. S. Drop, Katja P. Wolffenbuttel, J. Wolter Oosterhuis, and Leendert H. J. Looijenga: "Germ Cell Tumors in the Intersex Gonad: Old Paths, New Directions, Moving Frontiers". Endocrine Reviews 27(5), 2006: S. 468–484 (S. 481)

(14) L. Wünsch, L. Wessel: "Chirurgische Strategien bei Störungen der Geschlechtsentwicklung". Monatsschrift Kinderheilkunde, Volume 156, Number 3. Springer Berlin / Heidelberg 2008, S. 234-240

(15) Arbeitsgruppe Ethik im Netzwerk Intersexualität "Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung": "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 2008, Nr. 156, S. 241-245

(16) Pressemitteilung 06/2010 des Deutschen Ethikrates vom 25.6.2010
http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung-2010-06

(17) Claudia Wiesemann, Redebeitrag in der Abschlussdiskussion am „Forum Bioethik“ des Deutschen Ethikrates, 23.06.2010, Transkript:
https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/09/13/Ethik-als-Freifahrtschein-Claudia-Wiesemann-23-6-10

(18) Eckhard Korsch: "Überlegungen zur praktischen Umsetzung des DSD-Consensus-Statements", Vortrag gehalten an der APE 2006, Folien 11-17

(19) Erik Parens (Ed.): "Surgically Shaping Children", Baltimore: The Johns Hopkins University Press, 2006, S. xxix

(20) Vortrag vom 7.3.2001, gehalten anläßlich der 45. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Druckfassung:
Konstanze Plett: Intersexualität aus rechtlicher Perspektive. "Gigi - Zeitschrift für die sexuelle Emanzipation" Nr. 13 (Mai/Juni 2001)

(21) Katrin Hafner: "Ein Intersexueller klagt seinen ehemaligen Arzt an". Tages-Anzeiger, 05.02.2008. http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/wissen/medizin/838834.html

(22) Angela Kolbe: Intersexualität, Zweigeschlechtlichkeit und Verfassungsrecht. Eine interdisziplinäre Untersuchung. Nomos 2010 (Dissertation)

(23) Lucie G. Veith / Sarah Luzia Hassel-Reusing / Claudia J. Kreuzer: Parallelbericht zum 6. Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW). Erstellt von: Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen (http://intersex.schattenbericht.org)

(24) CEDAW/C/DEU/CO/6
Deutsche Übersetzung: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/Themen/Menschenrechte/Download/ConcludingCommentsFrauen.pdf

(25) "Intersexualität und Menschenrechte", Mitteilung vom 26.5.2010
http://www.mersi-hamburg.de/Main/20100526001

(26) Motion 6: "Position zu Intersexualität"
http://www.queeramnesty.ch/docs/QAI_Motion_GV2010_Intersex.pdf

(27) Hanny Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal". Orlanda 2003. Vgl. insbesondere Kapitel 3: "Intersex-Chirurgie – ein Segen für wen?", S. 49-58

Fana Asefaw, Daniela Hrzán: Genital Cutting – Eine Einführung. In: ZtG Bulletin 28, 2005, S. 8-21
Relevante Auszüge: https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/08/07/Genitale-Zwangsoperationen-an-Zwittern-Genitalverstuemmelung-Typ-IV-Fana-Asefaw%2C-Daniela-Hrzan%2C-2005
Ganzer Text: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgbulletintexte28/2artikel_asefaw_hrzan.pdf

Marion Hulverscheidt: "Weiblich gemacht? Genitalverstümmelung bei afrikanischen Frauen und bei Intersexuellen". In: TDF. Menschenrechte für die Frau, Nr. 3/4, 2004, S. 23-26
http://kastrationsspital.ch/public/Hulverscheidt_TDF_3-4-04.pdf

Konstanze Plett: "Die Macht der Tabus". amnesty journal 03/2008 - Das Magazin für die Menschenrechte
http://schattenblick.net/infopool/buerger/amnesty/bagru265.html

(28) Cheryl Chase: "Letters from Readers". In: The Sciences, July/August, 3, 1993
http://www.isna.org/articles/chase1995a

(29) Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG):
"Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie"
https://blog.zwischengeschlecht.info/pages/Genitalverstuemmelungen-AGGPG-%281996%29

 
>>>
Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)
>>> Bericht 1. Aktion 30.3.   >>> Bericht 2. Aktion 1.4.

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen 

Siehe auch:
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Gesetzgeber gefordert
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?

Hamburg: Proteste gegen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken

Mahnwache vor der "DGE 2011" mit Offenen Briefen, Hamburg 1.4.11

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>>> Infoseite zu den Protesten   >>> Demo-Flugblatt (PDF)   >>> Bericht 1. Aktion 30.3.

PRESSEMITTEILUNG von Zwischengeschlecht.org vom 1.4.2011:

Heute Freitag 1.4. protestiert die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org in Hamburg mit einer friedlichen Aktion gegen die grausame Praxis der chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken – allein in Hamburg regelmäßig an mindestens 5 Orten.

Die meisten Kinder tragen von diesen medizinisch nicht notwendigen, menschenrechtswidrigen GenitalOPs massive körperliche und seelischen Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang leiden.

Trotzdem werden heute noch 90% aller Kinder mit "auffälligen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen meist mehrfach massiven unnötigen Operationen wie "Klitorisreduktionen" und Kastrationen unterworfen.

Regelmäßig werden dabei auch die Eltern angelogen bzw. nicht vollständig aufgekärt.

Diese Fakten werden auch durch aktuelle Studien der behandelnden Mediziner selbst bestätigt. Verbandsinterne Umfragen zeigen überdies, dass die Endokrinologen bei den Verstümmelungen eine zentrale Schlüsselposition einnehmen.

Seit Mittwoch 30.3. versammelt sich im Congress Centrum Hamburg CCH zur "DGE 2011" eine der hauptsächlich für diese Verstümmelungen verantwortlichen Medizyner-Standesorganisationen, nämlich die "Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)", sowie die "Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)".

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird während der Mitgliederversammlungen dieser Vereinigungen zum 2. Mal vor dem CCH friedlich protestieren und den Verantwortlichen von DGE und CAEK einen Offenen Brief persönlich übergeben. Den Wortlaut des Offenen Briefes finden Sie untenstehend. Er wurde den Verantwortlichen bereits vorab per Mail zugestellt.

Betroffene, aber auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty prangern die unmenschliche Praxis der "kosmetischen Genitaloperationen" an Kindern und Jugendlichen seit langem an als "ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstößt". Trotzdem operieren die Mediziner unbeirrbar weiter auf Teufel komm raus.

Diese Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre müssen endlich aufhören!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und  Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".



[ >>> Der Offene Brief ]



>>> Bericht 1. Protest vom 30.3.11
>>> Flugblatt zu den Protesten (PDF, 168KB)
>>> Bericht 2. Aktion 1.4.11
>>> Pressemitteilung vom 2.4.11
>>>
Chirurgische Arbeitsgemeinschaft CAEK geht auf Distanz
       
(will sich aber nicht distanzieren)  
>>> Bericht 3. Aktion 2.4.11 

>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

>>> Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
>>> Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
>>> Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
>>> Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008

Siehe auch:
- Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- Das Medizynermärchen von den "früheren Behandlungsmaßstäben"
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr" (DGKJ/APE/DGE)
- "Netzwerk DSD/Intersexualität": Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Lübeck: Klinikdirektor propagiert genitale Zwangsoperationen an Kindern
- Göttingen / Lübeck: Direktor Rolf-Hermann Ringert und Oberarzt Dominique Finas propagieren genitale Zwangsoperationen an Zwittern
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: UNO mahnt Bundesregierung
- Schweiz: Terre des Femmes und Amnesty gegen Zwangsoperationen an Zwittern
- "Die Macht der Tabus" - Konstanze Plett über Genitalverstümmelung, amnesty journal 03/08
- Die grosse "Intersex"-Statistik-Lüge
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen? 

Thursday, March 31 2011

1. Protest gegen GenitalverstümmlerInnenkongress "DGE 2011"

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«STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital! Menschenrechte auch für Zwitter!» vor dem Congess Centrum Hamburg CCHAn ihnen kam keineR unbehelligt vorbei: Zwitter-Flugblattbrigade vor dem CCH, 30.4.11

>>> Infoseite zu den Protesten  

Pünktlich und unübersehbar startete gestern vor dem "Congress Centrum Hamburg (CCH)" die 1. von insgesamt 3 friedlichen Protestaktionen zum Genitalabschneider-Jahrestreffen "DGE 2011" der "Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)" und der "Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK)".

Bewaffnet mit unwiderstehlichem Charme, angriffigen Flugblättern (>>> Download PDF, 168KB) und unerschöpflichem Durchhaltevermögen machten die Zwitter-Menschenrechtskämpfer_innen mit dieser mittlerweile 5. entsprechenden Aktion von Zwischengeschlecht.org in Folge den anreisenden MedizynerInnen freundlich, aber bestimmt klar, dass die Zeiten, als sie sich unbehelligt und unwidersprochen zum gemütlichen Fachsimpeln über "neue Verbesserungen" ihrer menschenrechtswidrigen Verstümmelungspraktiken versammeln konnten, endgültig der Vergangenheit angehören.

Gleichzeitig wurden zahllose PassantInnen über die täglichen chirurgischen Genitalverstümmelungen vor ihrer Haustüre informiert, ebenso über die KomplizInnenschaft ihrer gewählten PolitikerInnen bei diesen medizinischen Verbrechen. Viele reagierten überrascht bis betroffen, da sie bisher noch nichts davon vernommen hatten, einige meinten ungläubig: "Ich dachte, sowas wär verboten?" Einige waren jedoch bereits auf dem Laufenden, bekundeten gar von sich aus, dagegen müsse endlich international auf Menschenrechtsebene vorgegangen werden.

Die konfrontierten EndokrinologInnen wiederum teilten sich in die bereits von anderen Kongressen her bekannten Lager:

Auf der einen Seite die Mehrzahl der letztlich wohl unverbesserlichen VerstümmlerInnen sowie quasi berufsmässigen IgnorantInnen, die ihr schlechtes Gewissen mit bösen Blicken, gehässigen Bemerkungen und "gutgemeinten Ratschlägen" zu kaschieren versuchten. Die wohl mit Abstand verbreitetste Taktik dieser Gruppe war, das Unrecht zwar nicht prinzipiell zu leugnen, jedoch – entgegen der auch auf dem Flugblatt angeführten bekannten Federführung der EndokrinologInnen bei den Zwangsbehandlungen – jegliche Beteiligung an den menschenverachtenden Verstümmelungen rundherum abzustreiten nach dem aus zahllosen Krimiserien bekannten Muster: "Ich hab nix getan! Ich war's nicht! Ich bin unschuldig! Geht gescheiter zu den KinderchirurgInnen!" Die unbedarfteste Vertreterin dieser Art: "Damit macht ihr euch bei den Endokrinologen keine Freunde" – und vor lauter Verärgerung über die ach so unbotmässigen Überlebenden dürfen die Entrüstete und ihre sauberen KollegInnen dann quasi gerechtfertigterweise umso mehr wehrlose Kinder verstümmeln, alles klar ...

Auf der anderen Seite dagegen eine Minderheit, unsere Anwesenheit unser Anliegen der schnellstmöglichen Beendigung der menschenverachtenden Verstümmelungspraktik ausdrücklich guthiessen: "Wird Zeit, dass da endlich die Moderne Einzug hält."

Nach vielen meist erfreulich verlaufenen Diskussionen und mehr als 200 verteilte Flugblätter später wurde die Kundgebung schliesslich um 4 Uhr nachmittags ordnungsgemäss beendet – fürs erste.

Wir sehn uns wieder zur 1. Friedlichen Mahnwache während der Mitgliederversammlungen von DGE und CAEK, morgen Freitag ab 07:30 bis 10:00 Uhr – sowie erneut am Samstag ab 09:30, jeweils am bekannten Ort ...

>>> Infoseite zu den Protesten zur "DGE 2011" 
>>> Download Flugblatt (PDF, 168KB)

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>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Friedlicher Protest & Offener Brief DGKJ-DGKCH 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief APE-AGPD 2010
- Friedlicher Protest & Offener Brief 11th EMBL/EMBO 2010
- Aktion & Offener Brief Ostschweizer Kinderspital St. Gallen 2011
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Friedlicher Protest & Offener Brief, IOC 2009
- 2. Mahnwache vor der UNO in Genf, 26.01.09
- 1. Mahnwache vor der UNO in Genf, 02.02.09
- 3. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 20.05.09
- 2. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 06.02.08
- 1. Zwitterdemo vor dem Landgericht Köln, 12.12.07

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