D O K U M E N T A T I O N
Quelle:  http://web.archive.org/web/20020225045640/home.t-online.de/home/aggpg/slb.htm

Informationen zur AGGPG

(update 13.10.01)

Im Binnengefüge der Nation galten die Juden als 'Feind im Innern'. Die Grenzen
der Nation ließen nicht genügend Raum, um die Juden zu definieren; der Horizont
des nationalen Gedächtnisses reichte nicht weit genug, um deren
Identität zu durchschauen.
(Zygmunt Bauman: Dialektik der Ordnung. Die Modere und der Holocaust)
 

Ambivalence, ambiguity, equivocality ...  These words convey the feeling of
mystery and enigma; they also signal trouble, whose name is uncertainly, and a
dismal state of mind, called indecision or hesitation. When we say that things or
situations are ambivalent, what we mean is that we cannot be sure what is going
to happen, and so neither know how to behave, nor can predict what the outcome
of our actions will be. Instictively or by learned habit, we dislike and fear
ambivalence, that enemy of security and self-assurance. We are inclined to
believe that we would feel much safer and more comfortable if situations were
unambigous - if it were clear what to do and certain what would happen if we do it.
(Zygmunt Bauman: Modernity and Clarity. The Story of a Failed Romance)


 
 

Wer ist die AGGPG?

Die Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG; neu zudem: Gewalt in der Psychologie und Genetik; korrekt also: AGGPPGG [1]) gündete sich am 8. März 1996 nach einer Diskussionsrunde zur genitalen Verstümmelung vorwiegend in afrikanischen Ländern. Dort zeigte sich die Notwendigkeit, spezifisch auf die Situation intersexueller Menschen (dem Volksmund als Zwitter oder Hermaphroditen bekannt), vor allem Kindern, hinweisen zu müssen.

Beteiligt an der Gründung waren zunächst Heike Bödeker und Michel Reiter, welche beide kurz nach Geburt einer langjährigen medizinischen Prozedur ausgesetzt wurden mit dem Ziel, eindeutig einem Geschlecht zuzugehören und diese Zuweisung als Erwachsene ablegten. Sie verstehen sich heute weder als Frauen noch Männer, sondern haben normative Geschlechtervorstellungen ähnlich einer nicht annehmbaren Hülle abgestriffen. Zwischenzeitlichen haben personelle Wechsel stattgefunden.

Die AGGPG ist keine feste Gruppe oder ein e.V., sondern eine non-profit Initiative ohne zweckgebundene Finanzmittel zur Wahrung der Autonomie mit Website und Kontaktmöglichkeit. Die Initiative ist auch keine Selbsthilfegruppe, sie kann und will für andere keine Entscheidungen fällen. Auch versteht sie sich nicht als Konsum-, Delegations- und Dienstleistungsunternehmen. Da gleichfalls am Opportunismus kein Interesse besteht sowie immer wieder auf mehreren Parketts gleichzeitig getanzt wird (und bisweilen auch gar nicht), werden Sie die AGGPG schwer verorten und ihr auch keine Konzentration auf eine special-interest-Politik anhängen können - wenngleich radikale Kritik am binären und vereindeutigenden Denken bestehen bleibt und damit diese westliche Kultur in ihren Grundpfeilern angegriffen wird. Summa sumarum sind die Vorstellungen der AGGPG somit ungeeignet für die klassische parlamentarisch-kleingeistig ausgerichtete Lobbyarbeit.

Die Präferenz der AGGPG wird sich nach Bekanntgabe des Urteils vom Amtsgericht München hin zu einer kreativeren, eigenständigeren Arbeit verändern, ggf. mit separater Rubrik. Nicht Aktivismus und Öffentlichkeitsarbeit zur Skandalisierung der Praxen werden ausgedehnt oder akademsiche Fragestellungen perfektioniert (die Basisarbeit zu einem Paradigmenwechsel von der Zwei- zur Mehrwertigkeit leistet diese Webseite bereits), sondern der Fokus auf die eigenen Interessen gelegt. Insofern wird sich auch sukzessive weniger an der Realität als auf der sozialen Oberfläche bestehend Erscheinendem abgearbeitet werden. Zu beginnen wäre bspw. mit einer Filmproduktion, die andere Fragestellungen hat als jene nach der Geschlechternormalität.



Zur Ausgangslage

Wenn ein Kind geboren wird, dessen somatisches Geschlecht nicht klar für die Hebamme / den Arzt einzuordnen ist, spricht der medizinische Diskurs von Intersexualität im engeren Sinne. Gesellschaftliche Normvorgaben und Stigmaängste der Eltern führen zu der prekären Situation sich im Zwang zu sehen, das Kind geschlechtlich vereindeutigen zu müssen als auch Ärzte (vorrangig Endokrinologie und Chirurgie) mit dieser Aufgabe monetäre Vorteile, Prestige und Machbarkeitsphantasien verbinden können. Die Eingriffe sind langwierig, äußerst schmerzhaft und im medizinischen Sinne nicht notwendig. Sie verursachen irreversible körperliche Schäden und garantieren keinen Erfolg sowohl hinsichtlich Operationsergebnis als auch Geschlechtsidentität. Untersuchungen aus Qualitätskontrollen liegen international kaum vor und vorhandene Ergebnisse sprechen durchweg gegen Eingriffe. Binnen intersexueller Kreise wird die Prozedur als Folter beschrieben und suizidale Überlegungen sind üblich.

Dieser stark verkürzt wiedergegebenen Ausgangslage liegen zwei Elemente zugrunde:

  • Die körperliche Existenz mehr als zweier Geschlechter (wie sie heute verstanden werden als Konglomerat aus Chromosomensatz, primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen) ist generell nicht selten. Neuere Erhebungen nennen: USA 5,46 Mio, Deutschland 1,64 Mio, Italien 1,15 Mio, Frankreich 1,22 Mio, England: 1,17 Mio, Australien: 360.000, weltweit: ca. 120 Mio. Die Anzahl der bereits unmittelbar bei Geburt in frage gestellten Kids liegt bei rd. 0,1% der Bevölkerung, also rd. 1/20 der genannten Zahlen. Doch auch 6 Mio weltweit sind keine zu unterschätzende Präsenz.
  • Es findet kein adäquater sozialer Umgang statt, sondern eine Negation der Existenz und Abgabe an die Medizin zur Korrektur. Somit schließt sich ein Kreislauf, der Lobbyarbeit stark erschwert, aber auch alternative Optionen eröffnet.
Die fast perfekte Reibungslosigkeit im Ablauf der Genitalverstümmelungen läßt sich aus massgeblich drei Gründen ableiten:
  • Eltern rechnen nicht damit, dass ihre Frage "Was ist es denn?" mit der impliziten Erwartung "Junge oder Mädchen" nicht oder nicht leicht beantwortet und schon gar nicht sofort beantwortet werden kann. Hier besteht Mangel an Aufklärung und Beantwortungsoptionen, die eine Zweiteilung der Weltanschauung (tertium non datur) nicht bereithält.
  • Viele Menschen schämen sich ihrer Genitalien wie sie sich ihrer Körper schämen, den sie nur funktionalisiert akzeptieren. Hier soll nicht der Scham widersprochen werden, aber der Reflexionslosigkeit. Weil sie bei sich selbst lieber wegsehen, verstehen sie nicht, warum dieser kleine Mensch ihnen solche Angst macht. Und sie verstehen nicht, dass sie zur Selbstkonzeptionierung einer inneren Gewissheit über ihr Selbst auch ihren Körper brauchten, zu dem die Genitalien zentral gehören. Eine Gewissheit, die vor aller sozialen Geschlechtsverortung angesiedelt ist. Sie glauben dann allen Ernstes, wenn sie die Genitalien ihres Kindes manipulieren, würde dieses da schon hineinwachsen - irgendwie. Dies ist falsch, denn die Genitalien werden durch einen chirurgischen und / oder hormonellen Eingriff irreversibel zerstört.
  • Die klassische Logik, die das westliche Weltbild bestimmte, besteht aus drei elementaren Sätzen: a) der Satz der Identität von Denken und Sein (Lehre vom Begriff), b) der Satz vom verbotenen Widerspruch (Urteilslehre), c) der Satz vom ausgeschlossenen Dritten (Lehre vom Schluß). (zum Verständnis der Bedeutung empfehlenswert: Fritz B. Simon (2001): Tödliche Konflikte. Zur Selbstorganisation privater und öffentlicher Kriege. Carl-Auer-Systeme) Diese Sätze sind logisch immanent falsch, wie Gotthard Günther durch Weiterentwicklung der hegel'schen Dialektik nachweisen konnte, denn überall dort, wo das Subjekt logisch denkt, könnte es sich selbst nicht denken. Dadurch wäre es zu keiner Reflexion fähig und Erkenntnis fände nicht statt. Dieses aus dem tertium non datur folgende Denken ist tatsächlich immanent verdrängend, wie Klaus Heinrich durch seinen Rekurs auf Mythenerzählungen nachweisen konnte. Doch es ist die Leitidee der Wissenschaft der letzten 2500 Jahre mit immanenter Einschreibung in modernes/mordendes, aufklärerisches Denken. Der Zwitter als Wahrnehmungsfigur stellt durch seine schiere Existenz die gesamte klassische Logik in Frage und alle daran anhängenden westlichen Denkkonzepte. Daher fordern Zwitterfiguren (heissen diese in vergeschlechtlichtlicher Hinsicht nun Hermaphrodit, Zwitter, Hijra, transgender usw, ist hierbei völlig irrelevant) das Abendland heraus, sich über sich selbst hinaus fortzuentwickeln. Zwitterfiguren sind die Zukunft dieser Kultur, die sich auf eine höhere Komplexitätsebene einstellen muss. Geisteswissenschaften sind dieser Herausforderung bislang nur unzureichend gefolgt und daher existieren noch keine adäquaten Handlungsanweisungen in Situationen, die mit den drei vorgenannten elementaren Sätzen brechen. Anstatt finden sich in Justiz, Militär und Medizin radikale Massnahmen, verein(ein)deutigte, nationale und identitätspolitische Grenzen stets neu zu definieren - ohne die eine Existenzberechtigung dieser Institutionen kaum gegeben wäre.
In heutiger Gesellschaft spiegelt sich der in das induktive Schließungsverfahren eingeschriebene Pragmatismus wieder. Verkörperungen sind von Relevanz. Jede Einzelne kann als Verkörperung des Ganzen betrachtet werden (buddhistisch-metative Sichtweise), das Ganze spiegelt sich in jeder einzelnen Verkörperung wieder (christologische Sichtweise; jeweils deduktive Schließungsverfahren) oder, wie aktuell, Verkörperungen bestehen in wenn- dann- Beziehungen ohne religiös-generative Ableitung und Abhängigkeit. Dieses auf Gesetzesbestimmungen gründende Vertragsverhältnis  (analoges Schließungsverfahren) beinhaltet Rechte und Pflichten und zieht soziale Verantwortlichkeit nach sich.
Mediziner wenden in Geschlechterfragen keine dieser Sichtweisen an, sondern postulieren alleine ihre dem nationalökonomischen Profit dienlichen Wertmaßstäbe. Sie werden substituiert von o.g. Gesamtkonstellation und können ihre reaktionären, dem Fundamentalismus (Wörterbuch: geistige Haltung, die durch kompromissloses Festhalten an [ideologischen, religiösen] Grundsätzen gekennzeichnet ist) geschuldeten Versprechen, eines der beiden Geschlechter herstellen zu können, erfolgreich verkaufen.
Gleichzeitig war es binnen aller Forschungsvorhaben seit Jahrhunderten konsequent nie Ziel, das von ihnen Verworfene zu verstehen, so dass heute überhaupt kein Wissen über vergeschlechtlichte Zwitterfiguren vorliegt. Aktuelle empirische Studien mit Intersexuellen in den USA müssen nun im Mai 2001 (newscientist.com) nach ca. drei Jahren vergeblicher Anstrengungen ihr Scheitern eingestehen. Justine Schober formulierte es konkret: "We don't know what to ask."
Der geistige Horizont jener vormals Geschlechtssegregation betreibenden Forschenden disqualifiziert sie per definitionem, das tertium datur bezüglich Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata zu erfassen. Aus diesem Grunde war es angebracht, für ein in Deutschland geplantes Forschungsvorhaben nur Sachverständige zuzulassen, welche "an der medizinischen Praxis der geschlechtszuweisenden Maßnahmen weder mittelbar noch unmittelbar beteiligt sind." Konkret müssen somit Forscher involviert werden, die sowohl mit der inhärenten Logik einer Kultur vertraut sind, welche mehr als zwei Geschlechter kennt als auch die Übersetzungsarbeit in westliche Denksysteme leisten können.

Angebote

Für Eltern, die nicht alleine den medizinischen Aussagen folgen und ‚blind‘ einwilligen wollen, gibt es somit seitens der AGGPG allgemeine Informations- sowie in sinnvollem Rahmen Beratungsmöglichkeiten als auch für erwachsene Intersexen zunehmend Vernetzungspotentiale entstehen, vor allem via Internet und email.

Neben den auf dieser Webseite kostenfrei zur Verfügung gestellten Informationen werden öffentlich Vorträge gehalten, Interviews gegeben (sofern die Angebote annehmbar sind) und schriftliche Beiträge erstellt. Die Kapazitätsgrenzen sind mit der Anzahl aktiver MitarbeiterInnen verknüpft. Thematisch ist das Feld sehr weit und komplex.



Theoretische Verortung und Perspektiven

Die AGGPG distanziert sich theoretisch sowohl von Körper-, Rasse- und Geschlechternormen als sie auch auf eklatante Mängel medizinischer und sozialkonstruktionistischer Diskurse hinweist. Intersexualität wird nicht als drittes, essentialisiertes und ontologisiertes Geschlecht verstanden, aber für die ewig Geschlechtsgläubigen wird auf jene in der Humanwissenschaft vorgefundenen ca. 4000 Geschlechtervarianten verwiesen. Konzepte im Dienste einer Kontrollgesellschaft werden abgelehnt. Jede Idee und das Vorgehen der Reduktion auf zwei Geschlechter sind scharf zu kritisiern. Auch alternative multiple Konzepte im Dienste eines geschlechtlichen Fixierungsmodells werden abgelehnt. Theoretische Entwürfe müssen vielmehr die diskursive Herstellung der Bipolarität als auch Lebensentwürfe außerhalb vorgesehener Strukturen einbeziehen, zugleich flexibel und diesseits des "anything goes" sein. Theoretische Weiterentwicklungen aus den Einsichten der AutorInnen Foucault, Irigary, Deleuze und Butler halten wir für partiell relevant. Gleichfalls relevant erscheinen aber auch politische Maßnahmen, Menschen einen Sprachraum zu eröffnen. Dieser ist nicht in den erneuten Dienst diziplinierender Maßnahmen zu stellen, sondern ein solcher biopolitisch motivierter Gebrauch zu verhindern. Politisches Fernziel ist es, gänzlich auf Geschlecht als Personen zugeschriebenes Merkmal zu verzichten. Hierzu liegen in juristischer Hinsicht bereits Konzepte in der Schublade.

Perspektivisch stehen weitere Forschungsfragen offen (z.B. Ermittlung historischer Zwitter als auch die Untersuchung des Einflusses nationalsozialistischen Gedankengutes an medizinischer Ideologie und konkreter Forschung seit 1950). In Planung befindlich ist noch immer eine  Buchveröffentlichung als auch Irritationen im Kontext normativer Restriktionen, etwa im schulischen Sexualkunde- und Genetikunterricht oder auf medizinischen und sexualpolitischen Versammlungen, hervorzurufen. Ferner soll zunächst mit juristischer Forcierung ein 'drittes Geschlecht' kulturuell eingeführt werden - etwa als "formalisierte Ambivalenz" (Heinrich), "Triologie der Konstitution des Ortes" (Irigary), "Eröffnung einer untotalisierbaren Pluralität der Menschen" (Levians), "Gestalt der Reflexion, die weder im Ich noch im Du lokalisiert ist, sondern die erst im Es, d.h. im Gegenstand, auftritt" (Gotthard Günther), kurz: als durchaus verkörperte, jedoch auch fluide Mittlerfigur und nicht als erneuter Determinismus.

Cyborgs / Postgender(Master of Arts; rtf-download) etwa, propagiert von Donna Haraway, sind eine interessante empirische Vorstellung, sofern sie reflektiert bleiben und nicht in einen Hype münden. Ob postgender der richtige Begriff ist, müsste noch diskutiert werden. Zwar würde er keine Differenzierungen in weiblich und männlich nötig haben, die Idee korreliert jedoch mit Technologiefreudigkeit. Postgender ist insofern lediglich als Metapher und epistemologischer Anreiz zu verstehen (s. hier ein kritischer Einwurf und hier eine Postgenderadaption; Film Gendernauts - 1999).
Dass andererseits transgender nur heisst, "lernen ich selbst zu sein", spricht vielleicht eine ähnliche Sehnsucht an, arbeitet aber mit anderer Methode und bleibt an menschlichen Bedürfnissen im nonvirtuellen Raum orientiert.
Man könnte diese und weitere Bestrebungen auch vereinfacht formulieren: Pansexualität ist im Kommen. Doch Leute, die tatsächlich als nondimorphisiert optisch erkennbar sind, haben realiter noch immer keinen Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft. Sowohl die Welt des individualisierten Lebensästheten als auch die ihn schützenden Institutionen sind im geschlechtlichen Bereich, jenem vorgeblich "wichtigsten Ordnungsprinzip" (Zeit), noch primär unreflektiert.
Eine Zwitterfigur bringt das Ende der Termini Sex und Gender mit sich und bedeutet damit das Ende jener traditionellen, mit der health community korrelierenden Genderstudies: exogender; the exodus of gender. Eine metaphysische Rückbindung nebst Letztbegründung ist nicht mehr möglich. Sie rückt vielmehr Dichotomien wie Kultur und Natur zusammen und überwindet damit die Grenzen. Erst jetzt wird deutlich, dass kategorielle Reinheiten nie existierten. Auch jene in den Genderstudies noch postulierte Spaltung zwischen Maskerade und Original, gender und sex, fällt im Dritten in sich zusammen. Übrig bleibt je nach Lesart das Unmarkierte, das Naturhafte, reiner Code oder Nakultur. Die Differenz zwischen Schein und Sein wird obsolet. Eine echte epistemologische Implusion, nicht nur übersteigerte Synthese, bei gleichzeitiger Multiplikation potentieller Deutungsmuster (die alten vier, noch phänomenologisch orientierten Interpretationsmodelle sind hier zu finden). Geschlechterzwänge sind passé. Das tertium datur ist der Ort der Transformation von äußerer in subjektive Macht, das die Individuen sich selbst neu erfinden läßt und wenn sie klug sind, sich nicht einer erneuten Dominanzkultur ausliefern. Das tertium ist zugleich die Schnittstelle zwischen zweiwertiger Logik und polykontexturalen Systemen.
Da eine völlig Aufhebung des Begriffes 'Geschlecht' ein Ärgernis der Genderproduktionsstätten stellt (s.u., zudem sog. Frauenzeitschriften, Ehe usw.), wird sozial ein drittes Geschlecht gewollt werden. Fliegenbeinzähler (Biologen und Mediziner) werden durch Täuschung (divide et impera) und Statistikfälschung dagegen weiterhin versuchen, die Zahl möglichst gering zu halten, ihre Strategie der Marginalisierung nebst Postensicherung nicht aufgeben und ihre Definitionsmacht fortschreiben wollen.

However, wir wollen der faschistoid motivierten Medizin in diesem Sektor damit in einem Nebenaspekt die Finanzen durch einen Legitimationsentzug streichen, ihnen das Definitionsmonopol entwenden sowie dieser Kultur (und uns) eine Bereicherung bzw. Lebensperspektive ermöglichen.
Kritisch anzumerken in diesem Kontext ist: "Der amerikanische Sozialanthropologe John Fiske befaßte sich außer mit der Kultur des Volkes auch mit der ökonomischen Dimension von Kultur-Mythen und seine Gedankengänge kann man auch auf die speziellen Mythen über die Gender und Sex anwenden: 1.) Sie sollen verkauft werden und die Einnahmen dienen dann a) zum Machterhalt der Produzenten, und b) als Ressourcen zur Produktion neuer Gender- und Sexmythen. 2.) Der Verkauf hat als Ziel, durch hohe Verkaufszahlen einen Wahrheitsgehalt des Genderbegriffs zu produzieren" (Quelle: www.annamagicart.com/ZIPs/Gender.zip) Der im Originaltext in einer Fussnote genannte Adolf Butenandt war Nobelpreisträger und Nazimediziner, sein Söhnchen Otfried bis in die späten 1990 Jahren an der Zwitterverstümmelung in München beteiligt. Wir denken, dies spricht für sich.

Daher gilt, so lange sich die Situation nicht verändert: "Diamanten gelten als besonders wertvoll, weil sie sehr selten sind. Intersexuelle jedoch, obwohl sie sehr selten sind, werden in westlichen Zivilisationen nicht hoch geachtet, wie in indianischen Kulturen, sondern werden in ihrer Integrität vernichtet. Das ist, als ob man Diamanten verbrennen würde, um sie der Kohle gleichzustellen, nur weil Kohle in größeren Mengen vorkommt. Das entsprechende Gesetz würde dann heißen: 'Es ist ein Naturgesetz, daß C12 als schwarze Kohle existiert. Diamanten sind ein Irrtum der Natur und sind deshalb der schwarzen Kohle anzupassen.'" (Quelle: ebd.)

Das Amtsgericht stellte klar, dass ihm Zwitter nicht unbekannt sind, sie gleichwohl bislang und auch mit diesem Urteil als nicht anerkannt bestätigt wurden. Dergestalt erfüllt ihre erzwungene soziale Abwesenheit eine zentrale Rolle zur Determination des geschlechtlich Gebotenen und Normierten: Zwitter stellen de facto ein sozial unzulässiges Geschlecht. Hinter dieser Konstellation steht ein Totem, das stets mit dem Tabu einher geht, es nicht zu töten oder zu verletzen.
Wenn geschlechtliche Vorgaben im Zuge der Emanzipation nicht mehr eingehalten werden, ist es eine schizophrene Dynamik, die Existenz von Zwittern zugleich zu tabuiseren und sie materiell zu eliminieren, statt sie als gleichberechtigt anzuerkennen (Def. schizoide Persönlichkeit: Zerfall emotionaler / handelnder und intellektueller / denkender Aspekte; s. Tertium datur: eine peinliche Befragung sowie Gilles Deleuze (1997): Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I, Suhrkamp). Wenn Konformismen hingegen gefolgt wird, haben Zwitter als nonschizoide Ursprungsfigur einen sehr hohen Status inne:
 

Beschliessung Jurisprudenz soziale Verortung Zwitter Status des traditionellen Geschlechterverständnisses m / w
1. keine Aussage (Stand 2001) sakral, verworfen normierend, verdrängend
2. versagt die Eingriffe sakral, übersteigert normierend
3. akzeptiert ein 3. Geschlecht gleichberechtigt dekonstruierend, emanzipativ

In beiden zuvor genannten Fällen dürften medizinische Eingriffe nicht stattfinden. Da genau das jedoch der Fall ist, zielt die Diskussion um diese mit basalen gesellschaftlichen Verträgen brechenden Praxen sukzessive auf ein alternatives, nonbinäres Geschlechterverständnis, welches jene der Schizophrenie zugrunde liegende Ödipusfigur überwindet. Das Gegenteil der Absichten eines Verstümmelungsmanagements tritt ein, das selbst ohnehin nicht an einen Essentialsmus von "Geschlecht" glaubt, aber zur Profitabsicherung noch an Binaritäten festhält und doch nur mit einer kulturellen Sinnstiftung durch ihre Handlungen bricht: es delegitimiert sich selbst als weltfremd. [2]


Was können Sie konkret tun...

  • weisen Sie Schwangere oder Eltern, die sich mit einem Kinderwunsch tragen, auf die Möglichkeit hin, ein intersexuelles Kind zu bekommen
  • klären Sie Ihre Umgebung zu Existenz von und medizinischem Umgang mit Intersexen auf
  • weisen Sie Ratsuchende auf unterstützende Stellen hin (alle auf dieser WebSeite genannten Gruppen geben Informationen und, soweit sinnvoll, auch Entscheidungshilfen)
  • sprechen Sie mit Medizinern und weisen diese auf kritische Stimmen Intersexueller zur Methode der Geschlechtszuweisung hin
  • veranlassen Sie kooperative Mediziner zur Mitarbeit, um geschlechtliche Zuweisungen zu stoppen und den beteiligten Erwachsenen statt dessen bei Bedarf psychologische Hilfe in außerklinischem Kontext anzubieten
  • brechen Sie das Schweigen und tauschen Sie sich mit anderen aus
  • denken Sie daran: der Satz 'was nicht sein darf, das nicht sein kann' ist eine fadenscheinige Legitimation für Elimination
  • lernen Sie Ironie und bewerten Sie Ihre Situation nicht über: "...woman, children, and revolutionaries hate irony, which is the negation of all saving instincts, of all faith, of all devotion, of all actions." (Quelle: Linda Hutcheon 1995: Irony's Edge. The Theory and Politics of Irony. London, New York)
  • wenn Sie in eine ärztliche Beratungssituation geraten sind:
  • Zeichnen Sie alle Gespräche mit einem Aufnahmegerät auf und lassen Sie sich zur Begründung entscheidender Aussagen das Material aus Fachbüchern kopieren. Sie werden diese Unterlagen ggf. in einem Prozeß vor Gericht als Beweismaterial brauchen, wenn nicht bloß Aussage gegen Aussage stehen soll. Lassen Sie sich auch alle medizinische Akten stets in Kopie aushändigen. Rechtlich haben Sie darauf Anspruch. Fälle, in welchen chirurgische Eingriffe am Kind ohne Einwilligung und alleine zum Zwecke der geschlechtlichen Verein(ein)deutigung durchgeführt wurden, lassen zur Vorsicht raten.
  • Lassen Sie sich aufklären. Der informed consent ("informierte Einwilligung"; ein kritischer Vermerk dazu findet sich hier) ist Grundlage eines jeden Behandlungsvertrages. Er bedeutet eine umfassende, allgemein verständliche Aufklärung hinsichtlich der Diagnostik (dies impliziert auch, dass Ihr Kind ein intersexuelles Genitale hat und nicht nur Kürzel wie z.B. AGS), den Folgen aus etwaigen Eingriffen und solchen aus einem Unterlassen der Eingriffe. Zu vielen Fragestellungen existieren keine gesicherten Informationen oder nur Spekulationen. In solchen Fällen kann sich deswegen nicht schon für Eingriffe ausgesprochen werden.
  • Der Arzt hat den Regelungen des informed consent zu folgen, wenn er sich nicht strafbar machen will. Zur Beachtung des jeweiligen Wissensstandes gehört, Veröffentlichungen – auch ausländische, wenn nicht zu entlegen – zu diesem Bereich zur Kenntnis zu nehmen und zu berücksichtigen.
  • Neuere Studien belegen, dass die spätere geschlechtliche Verortung eines intersexuellen Kindes sich oftmals unabhängig therapeutischer oder sozialisationsorientierter Art entwickelt und mithin nicht prognostizierbar ist. Gehen Sie nicht davon aus, die einmal getroffene Geschlechtszuordnung, gleich welche, würde für immer Bestand haben. Gehen Sie ferner nicht davon aus, Genitalien, die optisch maskulinisiert oder feminisiert werden, sähen dann auch entsprechend aus, wären nerval intakt oder entsprächen dem Wunsch des Kindes.
  • Treffen Sie niemals Entscheidungen sofort, auch wenn Sie unter Druck gesetzt werden (bspw. mit Lebensgefahr des Kindes bei Therapieablehnung gedroht wird).
  • Unterscheiden Sie bei den medizinischen "Angeboten" zwischen solchen kosmetischer und lebenserhaltender Art. Oft werden diese Optionen als einander bedingend verkauft. Dies ist eine Lüge. Nicht der Norm zu entsprechen, ist eine rein kosmetische Fragestellung und ein Behandlungsvertrag ist formaljuristisch ungültig. Eingriffe an den Geschlechtsmerkmalen ohne explizite Lebensgefahr sind in Ableitung des § 1631c BGB aus 1992 als schwere Körperverletzung (§ 226 StGB) strafbar.
  • Juristisch gibt es keine Veranlassung für Eingriffe zur geschlechtlichen Vereindeutigung, da ein Standesbeamter keine körperliche Eindeutigkeit zur Eintragung fordern kann. Etwaige formale Geschlechtszuweisungen können mit dem § 47 PStG (Personenstandsgesetz) wieder geändert werden, wenn es sich nachweislich um eine Fehleintragung gehandelt hat. Eine solche konstatierte, von Anfang an bestehende Unrichtigkeit impliziert Personenstandsfälschung nach § 169 StGB (Strafgesetzbuch) für die Informationsgeber, i.d.R. das Geburtsklinikum. Beachten Sie, dass die Beantragung eines dritten Geschlechtes derzeit als Präzedenzfall in Arbeit ist und auch Sie einen solchen Antrag beim Standesamt des Geburtsortes Ihres Kindes formlos stellen können. Eine Fristsetzung für die Antragstellung besteht nicht: Die Option gilt somit auch für Erwachsene, die ihre ggf. jahrzehnte rückliegende Eintragung ändern lassen wollen.
  • Wenden Sie sich bei Bedarf für Rückfragen z.B. an die AGGPG, Ihre Anfragen werden weitergeleitet bzw. Ansprechpartner genannt. Einige Intersexen sind zu biologischen Fragestellungen besser informiert als Ärzte und besser qualifiziert als nach Lehrbuch geschulten Psychologen sind alle. Auch juristisch werden unsere Kenntnisse stets besser. Englischkenntnisse sind von Vorteil, denn Sie können sich international Informationen einholen.
  • Wundern Sie sich nicht, dass Sie den Kontakt bspw. zur AGGPG ärztlicherseits nicht genannt bekommen haben. Wir greifen Mediziner an und reden ihnen nicht nach dem Mund. Unsere Kritik richtet sich generell an die vorgeblich 'exakten', aber doch nur polarisiert formalisierten Wissenschaften. Spätestens seit Heisenberg ist deren Kausaldeterminismus obsolet, das sie jedoch nicht an der Brutalität der Zieldurchsetzung gehindert hätte. Die westliche Medizin und ihr Machbarkeitswahn ist Teil dieses Denkens. Der ärztliche Berufsstand und ihm ideell nachfolgende Vertretungen haben an einer Modifikation ihres Denkens bislang kein Interesse. Dies könnte sich allerdings bald ändern, denn am 12.10.01 fand die erste Lesung in der Angelegenheit im Bundestag statt.
  • Vergessen Sie nicht: als Eltern haben Sie auch juristisch die Pflicht, für Ihr Kind zu sorgen. Dieses hat ein grundgesetzlich verankertes Recht auch auf eine freie Persönlichkeitsentwicklung. Lassen Sie genitale Eingriffe zur geschlechtlichen Vereindeutigung vornehmen, mag dies vielleicht Ihrem privaten, ästhetischen Wohlbefinden dienen, aber Sie verstoßen gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, der EU-Menschenrechtskonvention und dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, ratifiziert am 20. November 1989. Sie handeln strafbar, denn Sie brechen mit Gesellschaftsverträgen, die Sie für sich selbstverständlich in Anspruch nehmen - etwa nicht einfach ermordet zu werden, nur weil Ihnen jemand mit schlechter Laune auf der Straße begegnet und Sie im Wege stehen. In medizinischen und kassenärztlichen Akten sind Ihre Adressangaben usw. erfasst, Sie bleiben in Ihrem Vorgehen nicht anonym und sobald Rechtssicherheit besteht, werden alle Fälle sukzessive juristisch überprüft werden.

...und was sollten Sie nicht tun?

  • verwechseln Sie nicht eine Geschlechtsanpassung erwachsener Transsexueller mit der Geschlechtszuweisung intersexueller Kindern, sondern differenzieren Sie hinsichtlich Freiwilligkeit, Zustimmungsfähigkeit und Intention, auch wenn aktuelle Zeitungsmeldungen dazu tendieren, alles unter die Fragestellung der Geschlechtszugehörigkeit zu subsumieren und damit dem medizinischen Impetus zuarbeiten.
  • verwechseln Sie nicht sexuelle  Lebensweisen (Homo- Hetero, Bisexualität u.a.m.) mit der Feststellung des anatomischen Geschlechtes, welche sich in den Begriffen 'Mann, 'Frau', 'zwittrig' / 'uneindeutig' wiederfinden (siehe Text 'theoretische Differenz...')
  • projezieren Sie nicht Ihre sexuellen Wünsche, geschlechtlichen Weltbilder und Ängste auf uns, sondern fragen Sie sich, warum Sie diese Gedanken haben und wie Sie sie verändern können
Zum Einlesen in den Komplex empfehlen sich u.a. die Texte dieser Webseite mit weiteren Links sowie weiterführende Literatur:

explizit:

  • John Colapinto (2000): Der Junge, der als Mädchen aufwuchs. Walter
  • Alice D. Dreger (1998): Hermaphrodites and the medical invention of sex. Havard University Press
  • Alice D. Dreger (1999): Intersex in the age of ethics. University Publishing Group
  • Anne Fausto-Sterling (2000): Sexing the body. Gender politics and the construction of sexuality. Basic Books
  • Michel Foucault (1998): Über Hermaphrodismus. Der Fall Herculine Barbin. Suhrkamp
  • Bernice L. Hausman (1995): Changing sex. Transsexualism, Technology and the Idea of Gender. Duke University Press
  • Suzanne J. Kessler (1998): Lessons from the intersexed. Ruttgers University Press
implizit:
  • Baudrillard, Jean (1991): Der symbolische Tausch und der Tod. Matthes & Seitz
  • Baudrillard, Jean (1996): Das perfekte Verbrechen. Matthes & Seitz
  • Bauman, Zygmunt (1995): Postmoderne Ethik. Hamburger Edition
  • Bataille, Georges (1997): Theorie der Religion. Matthes & Seitz
  • Bataille, Georges (1997): Die psychologische Struktur des Faschismus. Die Souveränität. Matthes & Seitz
  • Bataille, Georges (1999): Die innere Erfahrung nebst Methode der Meditation und Postskriptum 1953. Matthes & Seitz
  • Bataille, Georges (2001): Die Aufhebung der Ökonomie. Matthes & Seitz
  • Günther, Gotthard (2000): Lebenslinien der Subjektivität. Kybernetische Reflexionen. Suppose (CompactDisk)
  • Günther, Gotthard (2000): Die Amerikanische Apokalypse. Profil*
  • Heinrich, Klaus (1987): Tertium datur. Eine religionsphilosophische Einführung in die Logik. Stroemfeld*
  • Herman, Judith Lewis (1993): Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahungen verstehen und überwinden. Kindler
  • Levinas, Emmanuel (1993): Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität. Karl Alber
  • Miller, Alice (1983): Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema. Suhrkamp
  • *siehe hier einen Kurzüberblick mit Fragestellungen zur Hermaphroditenfigur vom Juni 2001, rtf-download, 75 k


Lassen Sie uns noch eine Anmerkung formulieren:
 

Es werden Milliarden DM jedes Jahr über Forschungen und Zwangsassimilation an als intersexuell deklarierten Körpern eingenommen. Umgerechnet bedeutet dies, daß ein Intersexueller bis zu seinem 18. Lebensjahr anderen - gegen seinen Willen - einen Mehrwert verschafft hat, wie ihn manche Arbeitnehmer ihr Leben lang nicht leisten werden. Weiterhin: Menschen, die sich als weiblich oder männlich definieren und eine Identität darauf aufbauen, können dies heute nur, weil Hermaphroditen sozial und kulturell nicht existieren. Gesetze, die auf einer Polarisierung der Geschlechter gründen, provitieren ebenfalls von einer binären Logik und gleiches gilt für Religionen und Philosophien, die montheistischen Ideologien anhängen, um daraus binäre Konzepte zu entwickeln. Soweit zu den Parasiten.

Um es klar zu formulieren: Wir (ein zugegeben problematisches Wort ob realer Heterogenität) haben den Rassismus, der einer Apartheid der Geschlechter inhärent ist, weder erfunden noch, und dies ist entscheidend, tragen wir ihn fort als wir dieser Gesellschaft auch absolut nichts schulden. Keine Aufklärung, keine von uns initiierte Besserung der Situation, ja noch nicht einmal die Beantwortung eines einzigen emails. Alle Leistungen, die von hier erbracht werden, erfolgen als Kredit und lediglich unter Vorbehalt. Sollten sie nicht in akzeptabler Zeit fruchten, werden wir uns andere Mittel als die der Mitteilung und des Dialoges suchen müssen. Und man wird uns gute Angebote machen müssen, um sie als akzeptabel zu werten.

Umgekehrt sieht die Lage anders aus: ein Staat ist dazu verpflichtet, für seine Staatsbürger (so politisch schwierig dieser Begriff auch ist) Sorge zu tragen. In Sachen Hermaphroditen hat er komplett versagt. Eine Gesellschaft, die sich human und demokratisch nennt, hat an dem Exampel der Zwitter ebenfalls komplett versagt. Gleiches gilt für eine Wissenschaft, die glaubt irgend etwas durch Rationalisierung sich aneignen zu können: die Aufklärung hat komplett versagt. Es ist bekannt: jene als intersexuell gelabelten Menschen werden bis heute in Deutschland gefoltert und sollen völlig unsichtbar sein. Sie sollen faktisch eliminiert werden. Von nicht vorhandenen Arbeitsplatzangeboten und sonstigen sozialen Leistungen usw. ist hier noch gar nicht die Rede - diese fehlen ohnehin.

Eine Verfolgung des state of the art der Wissenschaft zeigt andererseits: diese Gesellschaft ist durchdrungen von der Idee des Dritten und Mehrwertigen: u.a. Emmanuel Levinas, Klaus Heinrich, Gotthard Günther und Homi Bhabha schrieben hierzu bereits aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Perspektiven.
Zudem: Aggregatszustände des gleichen Stoffes (fest, flüssig, gas; ineinander transformierbar mittels Druck und/oder Temperatur), Stand-by-Schaltungen, intern analog arbeitende (und schnellere) Computer, Quantentechnik, gelbe Ampelschaltung (zur Beschleunigung des Verkehrsflusses), Neutronen, Antimaterie, Virtual Reality, Klone, Chimären, Hybriditätskonzepte, Fuzzylogic usw. sind teilsweise in den Alltag eingeflossene Beispiele aus Technik, Physik und Mathematik, die eine mittel- oder unmittelbare Zwitterlogik beinhalten.

Dass von A nicht auf B, von Idee nicht auf Manifestation geschlossen wird, sagt etwas aus über die sozialgeistige Begrenzung hiesiger Sozietät, jenen als primitiv abgewerteten nicht-westlichen Kulturen weit unterlegen, und ihren geschlechtlich konditionierten Menschen, die regelrecht fixiert darauf sind, uns bestenfalls als 'leidend', 'Betroffene', 'chronisch krank' oder 'Patienten' zu reduzieren, beleidigen und diffamieren. Und sie berichtet von politischen und wirtschaftlichen Interessensgruppierungen, Reduktionen gezielt herbeiführen und aufrecht erhalten zu wollen.

Sie werden es beim Lesen schon bemerkt haben: wir sind aus einem etwas anderen Holz geschnitzt als viele Menschen, die die Situation, die Hermaphroditen heute vorfinden, keinen Tag auch nur überleben würden. Summa sumarum: Rechnungen ohne uns gehen nicht auf.



[1] Die Notwendigkeint, diese Begrifflichkeit zu erweitern, speist sich aus unten wiedergegebenen hohlen Geschwafel von Hartmut Bosinski, ein Kollege von Milton Diamond und tätig an der ehemaligen Nazi-Eliteuniversität Kiel sowie Mitherausgeber des Lehrbuches "Sexualmedizin" (2001), welches die Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage vom März 2001 als Legitimation ihrer Verstümmelungsbefürwortung benutzte und folgendes aufschlussreiche Zitat enthält: "Der Großteil unseres heutigen Kenntisstandes für die .. Schritte der somatosexuellen (und teilweise auch psychosexuellen) Entwicklung verdankt sich dem Studium von klinisch relevanten Störungsbildern, den sog. Intersex-Syndromen." (S. 46) Für das Studium der OP-Techniken, Erblehre und Endokrinologie waren Zwitter maßgebliches Forschungsobjekt als die Kontinuität ihrer Vernichtung sich auch bis heute ungebrochen fortsetzt. John Money, der 1955 seine ohne jede empirische Evidenz entwickelte "Theorie" von der sozialgeschlechtlichen Entwicklung (Gender) einbrachte, die Verstümmelungen an Intersexen pseudotheoretisch untermauerte und aktiv propagierte, dessen Thesen seit 1970 nutzbar gemacht wurden zur Behandlung von Transsexualität und heute für gescheitert erklärt werden müssen, wurde mit großem Hallo von Feministinnen empfangen und zuletzt setzte Judith Butler seine Ideen in der noch immer gehypten Queertheory fort. Hier schließt sich der Kreis der ideell Beteiligten.

Das Zitat von Bosinski:
"Störungen der pränatalen sexuellen Differenzierung können zu Intersex-Syndromen führen, welche nicht selten mit psychosexuellen Entwicklungsproblemen einhergehen. Der Artikel gibt einen kurzen Überblick zur Historie und stellt gegenwärtig kontrovers diskutierte Guidelines für das medizinische Management von Intersex-Syndromen dar, die entweder eine frühzeitige Geschlechtszuschreibung und entsprechende operative Korrekturen oder aber ein weitgehend konservatives Vorgehen unter Berücksichtigung pränataler Hormoneinflüsse auf die Ausbildung der Geschlechtsidentität und die Vermeidung frühzeitiger Genitalkorrekturen favorisieren. Aus Sicht der Sexualmedizin werden Lösungsvorschläge unterbreitet, wobei besonders auf die Notwendigkeit eines auf den Einzelfall abgestimmten, interdisziplinären Vorgehens in hochspezialisierten Zentren unter Berücksichtigung biologischer und psychosozialer Einflussfaktoren und auf den unbefriedigenden Stand der Nachuntersuchungen hingewiesen wird. " (Quelle: MedGen 2001;13:42-45)

... sowie dem Wissen um Abtreibungen aufgrund geschlechtsspezifischer Unverträglichkeiten und ohnehin pränatalen Pfusch durch hormonelle Behandlungen der Mütter.
 

[2]  Das dumpfe Geschlechterkasperletheater verläuft wie folgt:

1.   Am kulturellen Anfang war die Bibel: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau (und wer bitte war dann Gott?).
2.   Am philosophischen Anfang war das tertium non datur aus eben diesem Grunde.
3.   Am sozialen Anfang waren Medizin und Eltern: I. Alle Föten sind bis zur X. Woche beidgeschlechtlich, dann differenzieren sie sich aus in Mann und Frau.
      II. Sage mir, oh heiliger Arzt, was ist es denn, vermag ich es doch nicht selbst zu beurteilen.
3a. Dass eine solche zweigeteilte, deduktive Präskription aller naturwissenschaftlicher Verfahren spottet, tangiert uns Mediziner kein bißchen.
3b. Wenn jetzt doch mal ein uneindeutiger Mensch geboren wird, erklären wir Mediziner ihn als genital fehl- oder mißgebildet, aber eigentlich männlich oder weiblich.
3c. Wir ermitteln durch detaillierte Analyse, selbstredend nunmehr induktiv formuliert, das von uns erfundene Krankheitsbild.
3d. Wir bestätigen den beidgeschlechtlichen Menschen als Totem der Männer und Frauen und ignorieren das Tötungstabu, schließlich sind wir die Geschlechtermacher.
4.   Am rechtlichen Anfang war das Standesamt: Mediziner, mein Geschlechtergott, sage mir, was darf ich melden?
5.   Am revolutionären Anfang war der Zwitter: was soll das alles eigentlich? Seid ihr alle zu dumm, um logisch zu denken? Fehlt Bildung? Intelligenz?
      Was ist euer Problem, dass ihr euch so offensichtlich blamieren müßt?
6.   Am wissenschaftlichen Anfang waren Biologie und Genetik. Sie behaupteten nicht mehr, irgendeine Aussage über "Geschlecht" treffen zu können. Das wurde
      ihnen nicht nur von der Medizinergemeinde verübelt.
7.   Am sozialen Anfang II waren die Menschenrechtler und Pädagogen. Sie waren nicht mehr willens, einer Wissenschaft voller Lug und Trug Glauben zu schenken...
      Punkt 6 und 7 sind science fiction.


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