Thursday, May 21 2020

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Nachfolgend zur Archivierung eine Liste mit allen statischen Posts auf diesem Blog, die nicht in der Timeline auftauchen:

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Sunday, February 16 2020

Österreich: UNO verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

[ English ]

Foto: Markus Bauer and Daniela Truffer (Zwischengeschlecht.org) mit den Intersex-Schattenberichten
an der 83. CRC-Session, Palais Wilson, Genf 31.01.2020

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org, 16.02.2020:Zwischengeschlecht.org on Facebook

Während seiner 83. Sitzung in Genf prüfte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) die Menschenrechtsbilanz Österreichs. Aufgrund von Schattenberichten (englisch) von Zwischengeschlecht.org stellte der Ausschuss Österreich spezifische Fragen zu"Intersex-Genitalverstümmelung" (IGM).
Österreich leugnete einerseits die Praxis, bestand aber andererseits trotzig darauf, mit IGM fortzufahren, d.h. wenn "bis längstens zum Ablauf des zweiten Lebensjahres" eine unnötige "operative Veränderung vorgenommen" wird "aufgrund eines Gutachtens" und mit "Zustimmung der Eltern".

Infolgedessen hat CRC nun Österreich wegen IGM-Praktiken gerügt und ausdrücklich verpflichtet, IGM "zu verbieten" sowie Daten über IGM zu erheben, um gefährdete Intersex-Kinder besser zu schützen.

Der Kinderrechtsausschuss verurteilte IGM in Österreich ausdrücklich als eine schädliche Praxis (wie auch FGM) gemäß CRC-Art. 24(3) in Verbindung mit dem CRC-CEDAW Gemeinsamen Allgemeinen Kommentar Nr. 18/31 "über schädlichen Praktiken", sowie unter Berufung auf eine frühere UNO-Rüge an Österreich durch den UN-Ausschuss gegen Folter (CAT), der wiederum IGM als grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung verurteilte, die unter das absolute Folterverbot fällt, und Österreich zusätzlich verpflichtete "sicherzustellen", dass IGM-Überlebende "angemessen entschädigt werden".

Zwischengeschlecht.org begrüßt dieses klare Verdikt – es ist
 • bereits die 2. UNO-Rüge wegen IGM an Österreich,
 • die 22. UNO-Rüge wegen IGM an ein EU27-Land,
 • die 17. Rüge wegen IGM durch CRC,
 • bereits die 49. UNO-Rüge, die IGM als eine schwere Verletzung
    unabdingbarer Menschenrechte verurteilt!

Daniela Truffer (Zwischengeschlecht.org):

«Österreich hat ein ernsthaftes Problem mit seiner himmelschreienden Behandlung von Intersex-Kindern. Die Schuld liegt nicht nur bei denjenigen, die die Verstümmelungen eigenhändig durchführen und jenen, die sie direkt finanzieren und dreist rechtfertigen, wie die österreichische Regierung in Genf, sondern auch bei all denen, die Intersex-Genitalverstümmelungen immer noch verharmlosen und zu einem "Gender"- oder "Gesundheits"-Thema herabstufen, so dass erstere ungestraft weitermachen können.»

UPDATE: Pressemitteilungen von VIMÖ (19.2.) | NEOS (20.2.) | Grüne (21.2.)

Anschließend: Die vollständigen verbindlichen CRC-Empfehlungen zu Intersex und IGM, die Schattenberichte, welche die Untersuchung des Kinderrechtsausschusses veranlassten, sowie Transkripte und Videos der österreichischen Dementis und Entschuldigungen während der 83. CRC-Session.

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Saturday, February 15 2020

D > Stellungnahme von Zwischengeschlecht.org zum BMJV-"Referentenentwurf eines Gesetzes zum Schutz von Kindern vor geschlechtsverändernden operativen Eingriffen"

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IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Gesetzesentwurf zu einem Verbot von unnötigen Intersex-Genitaloperationen in Zwischengeschlecht.org on FacebookDeutschland:
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) präsentierte einen
"Entwurf eines Gesetzes zum Schutz von Kindern vor geschlechtsverändernden operativen Eingriffen" (PDF).
Es handelt sich um einen sog. "Referentenentwurf (RefE)", der innerhalb der Regerung nicht abgestimmt ist, und der die meisten Intersex-Genitalverstümmelungen nicht nur NICHT verbieten, sondern explizit erlauben will!

>>> Stellungnahme von Zwischengeschlecht.org (PDF) | (DOCX)

Zusammenfassung

Die Intersex-NGO Zwischengeschlecht.org begrüßt, dass die Bundesregierung nach langen Jahren folgenloser Versprechungen und Fachtagungen nun endlich Intersex-Kinder wirksam vor unnötigen Genitaloperationen schützen will, und dass das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, unter Berufung auf die Forderungen Betroffener und ihrer Organisationen sowie auf Grund- und Menschenrechte, dazu einen Referentenentwurf zur Diskussion stellt. Leider missachtet und verkennt der BMJV-Entwurf jedoch die Forderungen der Betroffenen und ihre Grund- und Menschenrechte massiv, weshalb er in der vorliegenden Form zwecks Nachbesserung zurückzuweisen ist.

Insbesondere bemängeln wir, dass der Referentenentwurf

  1. Intersex-Kinder nur teilweise und eingeschränkt vor uneingewilligten, unnötigen und schädlichen Eingriffen schützen, und im Gegenzug u.a. die häufigsten unnötigen Eingriffe explizit erlauben will (S. 2-3)
  2. mit der Pseudo-Unterscheidung zwischen “geschlechtsangleichenden” und “geschlechtsverändernden” Eingriffen unzulässig auf die Wahrnehmung der fehlbaren MedizinerInnen abstellt statt auf die Auswirkungen für die betroffene Person und ihre unabdingbaren Grund- und Menschenrechte (S. 4)
  3. maßgebliche Grund- und Menschenrechte sowie UN-Empfehlungen nur selektiv und unvollständig würdigt, u.a. indem er einseitig auf ein (unbelegtes) “Recht des Kindes auf geschlechtliche Selbstbestimmung” abstellt, hingegen die entscheidenden unabdingbaren Menschenrechte auf Schutz vor unmenschlicher Behandlung, schädlichen Praktiken u.a.m. vollständig missachtet (S. 4-7)
  4. Minimalanforderungen für einen wirksamen Schutz vor schweren Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte an Intersex-Kindern missachtet, u.a. Beendigung der Straflosigkeit durch Kriminalisierung oder angemessene Sanktionen, Rechtszugang für Betroffene u.a. durch Anpassung der Verjährungsfristen, Recht auf Entschädigung, Wiedergutmachung und Rehabilitierung (S. 7)
  5. einseitig auf entwürdigende, stigmatisierende und pathologisierende medizinische Sichtweise und Expertise abstellt, während psychosoziale, menschenrechtliche und Erfahrungsexpertise und -unterstützung wie gehabt ausgegrenzt werden (S. 8)

>>> Die ganze Stellungnahme als PDF (156 kb) | DOCX (118 kb)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 49 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Tuesday, February 11 2020

Intersex-Rechte: ILGA-Europe Report 2020 am Ziel vorbei

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitätenIGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on Facebook

Letzte Woche veröffentlichte ILGA-Europe ihren "Jahresbericht 2020 zur Menschenrechtslage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intersex-Menschen in Europa und Zentralasien" (PDF, englisch), der sich mit "Ereignissen zwischen Januar und Dezember 2019" befasst. Was die Menschenrechte von Intersex-Menschen betrifft, so erkennt der Bericht zwar endlich die Mängel eines Landes an, das bisher unkritisch in den Himmel gelobt wurde, doch andernorts wurden entscheidende Menschenrechts-Entwicklungen ausgelassen und stattdessen schädliche Entwicklungen als "Fortschritt" gelobt.

Positiv hervorzuheben ist, dass der Report 2020 endlich die Mängel des von ILGA propagierten maltesischen Intersex-Gesetzes anerkennt, die 2019 auch vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) in der Staatenprüfung von Malta kritisiert wurden, und weiter, dass Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) in Malta trotz des Gesetzes andauern (S. 74):

"KÖRPERLICHE UNVERSEHRTHEIT

Am 26. Juni empfahl der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes Malta, Intersex-Kinder vor allen nicht einvernehmlichen und unnötigen medizinischen oder chirurgischen Eingriffen zu schützen, die trotz des Verbots weiterhin praktiziert werden. Die Zivilgesellschaft warnte davor, dass die Sanktionen für diese schädlichen Praktiken erst 2018, drei Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes, eingeführt wurden und dass sie viel niedriger sind als im Falle der weiblichen Genitalverstümmelung. CRC forderte auch die Unterstützung von Familien und ihren Intersex-Kindern und die Wiedergutmachung für die Opfer".

Allerdings fehlen im ILGA-Europe Report 2020 folgende – für die Rechte von Intersex-Menschen und die wirksame Bekämpfung von IGM-Praktiken entscheidende – verbindliche UNO-Empfehlungen:

Darüber hinaus fehlt im ILGA-Europe Report 2020 in Bezug auf Intersex-Menschen und IGM-Praktiken erneut die unerlässliche Unterscheidung zwischen tatsächlich hilfreichen Abschließenden Bemerkungen, die IGM explizit als eine schwerwiegende Verletzung unabdingbarer Menschenrechte einstufen, namentlich als schädliche Praxis (wie FGM), als grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung (die unter das absolute Folterverbot fällt), und als uneingewilligte medizinische oder wissenschaftliche Experimente (z.B. CRC Art. 24(3), CEDAW Art. 5, CCPR Art. 7, CAT Art. 16), im Vergleich zu tatsächlich schädlichen Empfehlungen, die Intersex-Genitalverstümmelungen zu einem "Gesundheitsthema" herabstufen, was wiederum die ärztliche Entscheidungsgewalt bekräftigt und IGM-Ärzte dabei unterstützt, ungestraft weiterzuverstümmeln, namentlich die CEDAW-Empfehlungen an Österreich und Großbritannien von 2019 unter CEDAW Art. 10 "Gesundheit", die im Report noch zu Unrecht gelobt werden.

Solche undifferenzierte Betrachtung und die unzureichende Anerkennung der rechtlichen Mindestanforderungen an einen wirksamen Schutz gegen IGM-Praktiken als schwere Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte ist auch der Grund, warum die Gesetze in Malta, Portugal, Spanien, Argentinien usw. Intersex-Kinder letztlich im Stich lassen – und genau deshalb von den UN-Vertragsorganen kritisiert werden ...

Schlimmer noch, diese Auslassungen und Fehleinschätzungen sind KEIN Einzelfall, sondern stechen auch in anderen von hochrangigen ILGA-Mitgliedern verfassten Berichten ins Auge, z.B. in der "UNFE Background Note on Human Rights Violations against Intersex People" vom Oktober 2019.

ILGA-Europe wurde für eine Stellungnahme angefragt.

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 49 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Saturday, February 1 2020

UNO befragt Österreich über Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) - Regierung gibt frühe OPs aufgrund von "Expertenmeinungen" zu

[ English ]

CRC 83. Session @ Palais Wilson, Genf 31.01.2020, 09:58h: Bald geht's los ...
Unten rechts: CRC Vize-Vorsitzender Hr. Gehad Madi, die Frage zu IGM stellte

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Zwischengeschlecht.org on FacebookDiese Woche untersuchte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) die Menschenrechtsbilanz Österreichs während seiner 83. Session in Genf, archiviert auf webtv.un.org (deutsch und englisch):
Session 1 | Session 2 

Ein thematischer Intersex-Schattenbericht (PDF, englisch) plus ein Update für die Session (PDF, englisch) von Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org belegen, wie Österreich immer noch IGM-Praktiken propagiert und durchführt, trotz einer früheren UNO-Rüge und entgegen unbelegter Behauptungen des Gegenteils durch die Österreichische Regierung.

Die Frage zu IGM wurde ebenfalls erwähnt in der UNO-Pressemitteilung zur Staatenprüfung (englisch), sowie auch die "Antwort" des Gesundheitsministeriums in der UNO-Pressemitteilung (französisch).

Dieser Blog berichtete LIVE aus dem Palais Wilson in Genf. Wir hofften auf konkrete Fragen zum Thema – und hoffen nun auf eine weitere deutliche Rüge wegen IGM nach dem Ende der Session!

1. Sitzung: Do 30. Januar 2020, 15-18h

17:32h (Video @ 2:29:24): Hipp, hipp!! CRC Vize-Vorsitzender und Länder-Co-Berichterstatter für Österreich, Hr. Gehad Madi stellt eine Frage zu “Intersex-Genitalverstümmelung” unter schädliche Praktiken! Fragt nach Maßnahmen zur Umsetzung der Rüge wegen IGM durch den Ausschuss gegen Folter (2015), erwähnt das 2018er Urteil des Verfassungsgerichtshofs, Intersex sei keine Krankheit, fragt nach informierter Zustimmung:-) Inoffizielle Übersetzung (aus der englischen Originalversion):

«Wenden wir uns der schädlichen Praxis zu: [...] das Thema der Intersex-Genitalverstümmelung: Welche Maßnahmen ergreift die Regierung als Antwort auf die Empfehlungen des Ausschusses gegen Folter CAT im Jahr 2016, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Intersex-Kinder vor unfreiwilligen, nicht dringenden Operationen und anderen medizinischen Behandlungen zu schützen? Wir stellen auch fest, dass der Verfassungsgerichtshof 2018 anerkannt hat, dass Intersex eine Variation und keine pathologische Entwicklung darstellt. Ob die Einwilligung der Kinder, der Eltern oder des Vormunds, ausreicht, und ob in einigen Fällen keine absolute Notwendigkeit besteht, einen solchen Eingriff in einem bestimmten Alter, dem frühen Alter eines Kindes, durchzuführen. Könnte man nicht warten, bis das Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Lage ist, gegebenenfalls seine Zustimmung zu einer solchen Operation zu geben? Falls notwendig bedeutet, dass die Operation notwendig ist.»

2. Sitzung: Fr 31. Januar 2020, 10-13h

10:02h (Video @ 0:01:01): Der österreichische Delegationsleiter, Hr. Helmut Tichy (Botschafter, Leiter des Völkerrechtsbüros im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten) liest eine "Antwort" zu IGM des Gesundheitsministeriums vor, erwähnt die 2018er Leitlinien des Gesundheitsministeriums (abgehandelt in unserem Update für die Session, PDF englisch, S. 4-5), behauptet es sei ein Gesundheitsthema, welches an speziell eingerichteten "Versorgungszentren" gehandhabt wird, behauptet IGM finde nicht mehr statt – außer "bis längstens zum Ablauf des 2. Lebensjahrs aufgrund eines Gutachtens" und mit "Zustimmung der Eltern", verspricht "enges Monitoring", erwähnt weiter die 2017er "Stellungnahme der Österreichischen Bioethikkommission zu Intersexualität und Transidentität" und das 2013er Verbot von kosmetischen Operationen an unter 16-Jährigen (welches freilich bei Intersex-Kindern nicht angewandt wird). :-( Inoffizielles Transkript und Übersetzung (aus der englischen Originalversion):

«[Auf Englisch:] Aber bevor ich meinen Kollegen das Wort erteile, möchte ich etwas vorlesen, das wir von unserem Gesundheitsministerium erhalten haben. Denn nach der Abreise unserer Kollegen gestern Nachmittag gab es noch einige gesundheitsbezogene Fragen, und wir haben versucht, von ihnen Informationen zu bekommen, und wenn Sie mir gestatten, werde ich es vorlesen, es ist ziemlich kompliziert, und ich werde es auf Deutsch vorlesen. Also, bitte, haben Sie Geduld mit mir, es geht um Intersex-Personen:

[Auf Deutsch:] 2018 erkannte der Verfassungsgerichtshof, dass intersexuelle Menschen ein Recht auf eine ihrer Geschlechtlichkeit entsprechende Eintragung im Personenstandsregister oder in Urkunden haben. Die ersten dementsprechenden Dokumente wurden 2019 ausgestellt. 2017 verabschiedete die Österreichische Bioethikkommission eine einstimmige Stellungnahme zu Intersexualität und Transidentität und Empfehlungen u.a. zum Schutz intersexueller Menschen vor medizinischen Eingriffen, zur Unterstützung von Eltern betroffener Kinder, zum Schutz vor Diskriminierung in der Gesellschaft.

Und noch folgender Text: In dringenden Notfällen, was auch Lebensgefahr bedeuten kann, vor allem etwa wenn eine sogenannte offene Blase vorliegt, wird sofort operiert. Hier geht's jetzt um die Operationen bei intersexuellen Personen. In anderen Fällen wird bis längstens zum Ablauf des 2. Lebensjahrs aufgrund eines Gutachtens eines speziell eingerichteten multiprofessionell zusammengesetzten Boards bestehend aus Fachleuten aus den Bereichen der Kinderheilkunde, der Urologie, der Kinderpsychiatrie, der Endoktrinologie sowie der Psychotherapie eine operative Veränderung vorgenommen. Dafür hat das Gesundheitsressort eine besondere Empfehlung zu Varianten der Geschlechterentwicklung erarbeitet. Diese Empfehlungen sind hierbei angeführt, in der Beilage, OK.

Aus diesen Empfehlungen ergibt sich ein klarer Behandlungspfad, wobei die entsprechenden Versorgungszentren bereits österreichweit eingerichtet sind und mit Beginn dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Sämtliche Entscheidungen werden ausschliesslich in enger Abstimmung mit den Eltern der betroffenen Kinder durchgeführt, d.h. die Zustimmung der Eltern ist einzuholen. Im Hinblick darauf, dass diese Zentren bereits eingerichtet sind, wird auch ein enges Monitoring parallel eingerichtet. Im übrigen darf darauf hingewiesen werden, dass aufgrund des Bundesgesetzes über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen in Österreich seit dem 1. Jänner 2013 Schönheitsoperationen bzw. ästhetische Behandlungen und Operationen an Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, unzulässig sind, was durch entsprechende Strafbestimmungen abgesichert wird.

[Auf Englisch:] Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, und ich danke auch den Dolmetschern, denn ich glaube, dies ist ein sehr, sehr komplizierter Text.»

Hoffen wir, der Ausschuss wird sich nicht hinters Licht führen lassen, sondern klare verbindliche Empfehlungen aussprechen, die Österreich unmissverständlich an seine Verpflichtungen unter der Kinderrechtskonvention erinnern, Intersex-Kinder wirksam vor Genitalverstümmelung und schädlichen Praktiken zu schützen!

UPDATE: CRC rügt Österreich wegen IGM!

>>> intersex.shadowreport.org

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
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  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Friday, November 15 2019

Hamburg > Solidarität gegen Vorträge von Intersex-Genitalverstümmlerin Silke Riechardt an der "4. HINT-T 2019"

Hamburg: Proteste + Offener Brief an Universitäts-Kinderkliniken AKK und UKE, 16.9.2012

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Die berüchtigte Intersex-Genitalverstümmlerin Dr. med. Silke Riechardt, war an der "4. Hamburger inter / nicht binär / trans Tagung (4. HINT-T 2019)" als Doppel-Referentin (über eingewilligten Trans-OPs) eingeladen (siehe Programm).

Michaela H. machte darauf das Orga-Team aufmerksam, dass Riechardt Intersex-Genitalverstümmelungen befürwortet und praktiziert.

Trotzdem wurde Riechardt nicht ausgeladen und durfte "unter dem Schutz eines Teils des Orga-Teams" ihre beiden Vorträge halten. Jedoch kam es zu mehreren solidarischen Stellungnahmen, Joris A. Gregor sagte gar aus Solidarität den eigenen Vortrag ab, ebenso Lucie Veith (IMeV), transfabel baute den eigenen Info-Stand am 2. Tag nur rudimentär wieder auf und versah ihn mit Soli-Schildern, vom HINT-T awareness-team gab es eine solidarische Stellungnahme (siehe Fotos hier), ebenso im Nachgang von Joke Jansen, sowie einen solidarischen Bericht von "Spür das mal".

Von diesem Blog an alle ein herzliches Dankeschön für Eure Solidarität!

Nachfolgend eine möglichst chronologische Soli-Übersicht:
- Hinweis Michaela H. zu Riechardt als IGM-Praktikerin
- Solidarische Absage eigener Vortrag von Joris A. Gergor
- Solidarischer Bericht mit Kritik an Riechardt und Soli-Lob von spurdasmal.de
- Solidarischer Bericht von transfabel.de
- 2. Stellungahme nach der Tagung von Joris A. Gregor
- Öffentliche Stellungnahme von Joke Janssen

>>> Hamburg, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen

>>> IGM: "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein, 2009)
>>> Offener Brief an Universitätsklinikum (UKE) + Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK)
>>> Hamburger Senat: "Intersex-Genitalverstümmelungen nicht rechtswidrig"
>>> Hamburg: "Früher war es vielleicht schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert"

>>> Hamburg: "Hypospadie = Krankheit, Korrektur-OPs = medizinisch indiziert"
>>> Hamburg: Kosmetische Klitorisamputationen bis mindestens 1976

>>> Hamburg: "Orgasmusfähigkeit leidet durch Klitorisamputation nicht"

>>>
Hamburg: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011", 30.3.-2.4.11
>>> Hamburg: Proteste gegen Genitalabschneider-Kongress "DGKJ 2012", 13.-16.9.12

Thursday, October 24 2019

Intersex Awareness Day 2019: Protest gegen Intersex-Genitalverstümmelungen in den Genfer Universitätskliniken (HUG)

[ Français ]   [ English ]

Bild: Friedliche Mahnwache von Zwischengeschlecht.org vor der UNO, Genf 26.01.2019. 

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Am 26. Oktober feiern Intersex-Menschen, Überlebende, Partner, Familien, Freunde und Verbündete rund um den Globus den "Intersex Awareness Day (IAD)" zur Erinnerung an den allerersten INTERSEX PROTEST am 26.10.1996 in Boston gegen den Jahreskongress der American Academy of Pediatrics (AAP), und zur Unterstützung des mittlerweile über 25-jährigen Kampfes zur Beendigung von INTERSEX-GENITALVERSTÜMMELUNGEN (IGM). Zwischengeschlecht.org führt seit 2009 regelmässig Aktionen zum Intersex Awareness Day durch – am 26.10.2009 wurde im Kantonsrat Zürich der 1. Intersex-Vorstoss der Schweiz eingereicht.

Anlässlich des diesjährigen Intersex Awareness Day organisiert die seit 2008 in Genf tätige Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org am 26. Oktober zwei friedliche Mahnwachen, um gegen die fortdauernden IGM-Praktiken an den Universitätsspitälern Genf (HUG) zu protestieren.

  • von 11:00 bis 14:00 Uhr vor den HUG, die trotz der Verurteilung durch die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) und die UNO-Komitees CRC, CEDAW, CAT, CCPR, CRPD sowie der Motionen 2491 und 2541 des Grossen Rates des Kantons Genf weiterhin Intersex-Genitalverstümmelungen praktizieren.

  • von 15:00 bis 16:00 Uhr auf dem Place des Nations (vor der UNO), um bald 50 UNO-Verurteilungen wegen IGM zu feiern.

In der Öffentlichkeit behaupten die Genfer Universtitätskliniken HUG, IGM-Praktiken schon seit 2012 "zumindest in der frühen Kindheit" vollständig abgeschafft zu haben,[1] weigern sie sich aber, Daten über relevante Eingriffe offen zu legen.[2] Gleichzeitig werben die HUG auf ihrer Website unverändert für IGM-Praktiken: "Das ideale Alter für die Durchführung der Operation liegt zwischen 1 und 2 Jahren",[3] ebenso auch in einer aktuellen Dissertation der Universität Genf von einem Kinderchirurgen der HUG, illustriert durch chirurgische Fotos von blutigen, verstümmelten Kindergenitalien[4].

Bis heute werden Kinder mit Varianten der Geschlechtsentwicklung nicht nur an den HUG unverändert Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) unterworfen, darunter "maskulinisierende" oder "feminisierende" Genitaloperationen, sterilisierende Eingriffe und andere nicht-eingewilligte, unnötige und irreversible Prozeduren, die in der Regel vor dem 2. Lebensjahr durchgeführt und in der Schweiz von der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) bezahlt werden. Obwohl die Betroffenen seit Jahrzehnten dagegen protestieren und die schweren körperlichen und geistigen Schmerzen und Leiden beklagen, die durch IGM-Praktiken verursacht werden, welche nach wie vor ohne Nachweis eines Nutzens für die betroffenen Kinder durchgeführt werden.

Diese Verstümmelungen werden auch in den HUG ungestraft weiterpraktiziert, trotz der beiden jüngsten Motionen 2491 und 2541[5] im Grossen Rat des Kantons Genf, die ein Verbot der Praxis fordern, welche die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) bereits 2012 verurteilte. Auch die UNO hat die Schweiz bereits viermal wegen Intersex-Genitalverstümmelung unmissverständlich verurteilt als schädliche kulturelle Praxis (wie FGM), als unmenschliche Behandlung die unter das absolute Folterverbot fällt, und als nicht-eingewilligte medizinische oder wissenschaftliche Experimente: der Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) und der Ausschuss gegen Folter (CAT) im Jahr 2015, der Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) im Jahr 2016 und der Menschenrechtsausschuss (CCPR) im Jahr 2017.[6] Aktuell untersucht auch der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) IGM-Praktiken in der Schweiz, hoffentlich gefolgt von einer weiteren Rüge im 2020.

Zwischengeschlecht.org: Wer sind wir?

Zwischengeschlecht.org, gegründet 2007, ist eine internationale Intersex-Menschenrechts-NGO mit Sitz in der Schweiz, die von Intersex-Menschen, ihren Partnern, Familien und Freunden geleitet wird.[7] Laut ihrer Satzung arbeitet Zwischengeschlecht.org daran, öffentlich aufzuklären, Menschenrechtsverletzungen gegen Intersex-Menschen zu beenden und diejenigen zu unterstützen, die für Rechtszugang und Gerechtigkeit kämpfen.

Zwischengeschlecht.org berichtet regelmässig an relevante UNO-Komitees über Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen in verschiedenen Ländern, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Intersex-MenschenrechtsverteidigerInnen und NGOs,[9] und leistete dadurch einen entscheidenden Beitrag zu den derzeit 46 "Abschliessenden Bemerkungen" durch UNO-Vertragsorgane, die IGM als schwere Verletzung unabdingbarer Menschenrechte verurteilen[10].

In der Schweiz initiierte oder unterstützte Zwischengeschlecht.org politische Initiativen in den Kantonen Zürich, Bern, Basel, Luzern und Genf sowie im Nationalrat und Ständerat, was u.a. zur Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE) und zu einem Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) über die historische Behandlung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung führte[11].

In Genf ist Zwischengeschlecht.org seit 2008 aktiv.[12][13][14][15][16]

[1]  Commission des Droits de l'Homme (droits de la personne) du Grand Conseil de Genève (2018), V. Audition du Dr Jacques Birraux, chirurgien pédiatrique, le 29 novembre 2018, p. 35, http://ge.ch/grandconseil/data/texte/M02491A.pdf

[2]  « Même si cela semble absurde, nous n'avons pas de chiffres, souligne le Docteur Jacques Birraux. Nous aurons besoin d'une décennie pour avoir des chiffres suisses. », 20minutes (18.04.2019), https://www.20min.ch/ro/news/geneve/story/Un--gigantesque-pas-en-avant--pour-les-intersexes-26455395

[3]  Pour des références et plus d'exemples, voir Soumission StopIGM.org au Grand Conseil (26.9.2018), p. 8-9, https://stopigm.org/public/StopIGM-Geneve-M2491-mutilations-personnes-intersexes.pdf

[4]  Jacques Maurice Birraux, Thèse (2018) : « Management of disorders of sexual development: state of the art - a surgeon's perspective of western Switzerland », p. 37, 33-35 dans la thèse, p. 40, 30-32 en PDF, https://archive-ouverte.unige.ch/unige:103975

[5]  Motion 2491 « pour en finir avec les mutilations des personnes intersexes », http://ge.ch/grandconseil/search?search=2491
Motion 2541 « Plus jamais de mutilations pratiquées sur des personnes intersexes », http://ge.ch/grandconseil/search?search=2541

[6]  CRC/C/CHE/CO/2-4, paras 42–43; CAT/C/CHE/CO/7, para 20; CEDAW/C/CHE/CO/4-5, paras 24-25; CCPR/C/CHE/CO/4, paras 24-25

[7]  Pages françaises: http://zwischengeschlecht.org/post/Pages-Francaises
English pages: https://stopigm.org/
Seiten auf Deutsch: http://Zwischengeschlecht.org/

[8]  http://Zwischengeschlecht.org/post/Statuten

[9]  http://intersex.shadowreport.org

[10]  https://stopigm.org/post/IAD-2016-Soon-20-UN-Reprimands-for-Intersex-Genital-Mutilations

[11]  http://www.snf.ch/fr/pointrecherche/newsroom/Pages/news-161010-communique-de-presse-le-traitement-des-personnes-intersexuees-revisite.aspx

[12]  Le Matin Dimanche (17.05.2008), Geneviève Comby, « Les médecins ont décidé que je serai une fille », http://asso.orfeo.free.fr/17052008-suisse/

[13]  Tribune de Genève (30.01.2009), Hermaphrodisme, faut-il se soumettre au bistouri?, https://www.amge.ch/2009/01/30/hermaphrodisme-faut-il-se-soumettre-au-bistouri/

[14]  rts.ch, Le Journal (11.10.2009), Le droit de choisir, https://www.rts.ch/play/tv/19h30/video/en-suisse-un-enfant-sur-deux-mille-nat-intersexuel-un-cas-rare-que-defendent-certaines-associations?id=1470680

[15]  Tribune de Genève (02.08.2015), Caroline Zuercher, « Les docteurs ne pouvaient pas dire si j'étais un garçon ou une fille », https://www.tdg.ch/suisse/docteurs-pouvaient-j-garcon-fille/story/16092478

[16]  http://zwischengeschlecht.org/post/Pages-Francaises  

Wir wünschen allen einen kämpferischen Intersex Awareness Day 2019!

Hermaphrodites With Attitude, Boston 26.10.1996

•  Intersex Awareness Day 2009
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>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 36 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

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Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Tuesday, October 15 2019

Schweiz: Bald 5. UNO-Rüge wegen Intersex-Genitalverstümmelung?

Bild: Daniela Truffer beantwortet Fragen der CRPD-Expertinnen, Genf 24.09.2019

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IGM = Folter, NICHT 'Diskiminierung' oder 'Geschlechtsidentität'An der 12. Pre-Sessional Working Group erarbeitete das UNO-Komitee für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) einen Fragenkatalog an die Schweiz, die so genannte "List of Issues (LOI)" (CRPD/C/CHE/Q/1).

Darin verlangt CRPD von der Schweiz erstmals vertieft Auskunft über Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen, insbesondere über die unverändert von der "Invalidenversicherung (IV)" bezahlten Intersex-Genitalverstümmelungen, unter Art. 1-4 "angemessene Konsultation" (para 1), Art. 15 "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" (para 12), Art. 16 "Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch" (para 13) und Art. 17 "Schutz der Unversehrtheit der Person" (para 14).

Nächstes Jahr kommt es zur 1. CRPD-Staatenprüfung der Schweiz in Genf – und im Anschluss voraussichtlich zur bereits 5. UNO-Rüge wegen IGM-Praktiken an die Schweiz aufgrund eines Schattenberichts der Intersex-NGOs Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org, Intersex.ch und SI-Global:

Seit 2015: UNO verurteilt "Intersex-Genitalverstümmelung" in der Schweiz

2015 hatte der Kinderrechtsausschuss (CRC) als erstes UNO-Vertragsorgan Genitalverstümmelungen an Intersex-Kindern in der Schweiz unmissverständlich verurteilt als "schädliche kulturelle Praxis" (Art. 24(3), worunter auch FGM fällt), gefolgt im selben Jahr vom Ausschuss gegen Folter (CAT), der IGM-Praktiken als "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" einstufte, die unter das absolute Folterverbot fällt (Art. 2, 12, 14, 16).

2016 dito der Frauenrechtsausschuss (CEDAW) explizit "Intersex-Genitalverstümmelung" als "schädliche kulturelle Praxis" (Art. 5, worunter auch FGM fällt).

Zuletzt 2017 klassifizierte der Menschenrechtsausschuss als Vertragsorgan des Zivilpakts (CCPR) IGM als "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" und "uneingewilligte medizinische oder wissenschaftliche Menschenversuche", die unter das absolute Folterverbot fallen (Art. 7, 9, 17, 24, 26).

Die Schweiz war damit das erste Land der Welt, das 4 UNO-Rügen wegen IGM als schwerwiegende Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte verurteilten – und wird 2020 vielleicht das erste mit 5 Rügen auf dem Kerbholz.

Weltweit haben CRC, CAT, CEDAW, CRPD und CCPR aktuell 46 entsprechende UNO-Rügen wegen IGM an Vertragsstaaten ausgesprochen, darunter an Malta und Portugal, die oft irrtümlich als Positivbeispiele gelobt werden. Zum grössten Teil erfolgten die Rügen aufgrund der Berichterstattung von Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Intersex-NGOs.

Schweiz: Zweite IGM-Berichtszyklen ab 2017

2017 startete CAT als erstes Komitee den 2. Berichtszyklus zu IGM-Praktiken in der Schweiz, und fragte die Schweiz 2018 wiederum unter Art. 16 "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" nach ergriffenen Massnahmen. Der 2019 publizierte Staatenreport enthält die bekannten Ausreden "die Ärzte sagen sie haben sich gebessert" und Ausflüchte "statt über unmenschliche Behandlung von Intersex-Kindern, lasst uns lieber über Gesetzesvorhaben zu einem erleichterten Wechsel des Geschlechtseintrages reden".

Im Oktober 2019 fragte CRC die Schweiz nun nach dem Stand der Umsetzung betreffend ergriffenen Schutzmassnahmen für Intersex-Kinder vor "schädlichen kulturellen Pratiken" (Art. 24(3), zusammen mit FGM und Zwangsheirat), und fragte ebenfalls, ob die "Invalidenversicherung (IV)" immer noch Genitalverstümmelungen finanziert..

Im November wird CEDAW die Liste der Follow-up-Fragen an die Schweiz publizieren.

CCPR 127: IGM in Mexico und Belgien

Gestern startete in Genf die 127. Session des Menschenrechtsausschusses (HRCttee) als Vertragsorgan des Zivilpakts (CCPR). Aufgrund von Intersex-Schattenberichten und persönlichem Zeugnis in Briefings von Brújula Intersexual, Vivir y Ser Intersex, Intersex Belgium und Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org wird der Ausschuss diese Woche IGM-Praktiken in Belgien (Di 15-18h, Mi 10-13h CEST) und Mexico (Mi 15-18h, Do 10-13h CEST) untersuchen – beides Länder mit bereits einer IGM-Rüge auf dem Kerbholz.

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
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Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 46 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
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Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

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Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

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Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
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Friday, October 11 2019

Lettre au CSDH: Déclassement des droits humains intersexes

[ Deutsch ]

Photo: Manif intersexe & lettre ouverte à l'Inselspital, Berne 16.8.2009
(«Entre deux sexes» - Temps Présent, TSR1 29.10.09)

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IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on Facebook

 >>> Lettre comme PDF
 
Centre suisse de compétence pour les droits humains (CSDH), Par courrier électronique

Zurich, le 11 octobre 2019

Déclassement des droits humains intersexes

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Brief an SKMR: Herabstufung von Intersex-Menschenrechten

[ Français ]

>>> Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 16.8.2009
(Bild: Peter Schneider / Keystone / Berner Zeitung)

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>>> Brief als PDF | version française | PDF français

Schweizerisches Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR), Via E-Mail

Zürich, 11. Oktober 2019

Herabstufung von Intersex-Menschenrechten

Sehr geehrtes SKMR

Wir sind eine internationale Intersex-NGO mit Sitz in der Schweiz. Aufgrund unserer Arbeit in den letzten 12 Jahren ist Intersex in der Schweiz in der Öffentlichkeit und in der Politik ein Thema. Aufgrund von uns initiierten politischen Vorstössen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurde seinerzeit die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) beauftragt, eine Stellungnahme zum Thema zu erarbeiten. Ebenso ist es ein direktes Resultat unserer Arbeit, dass die UN Treaty bodies CRC, CAT, CEDAW und CCPR Intersex-Genitalverstümmelungen in der Schweiz unmissverständlich als schwerwiegende Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte verurteilten, namentlich als schädliche kulturelle Praxis und unmenschliche Behandlung, und aktuell auch CRPD die Schweiz entsprechend prüft. Auch die mittlerweile 46 entsprechenden UNO-Rügen wegen IGM an Vertragsstaaten in aller Welt beruhen zum grössten Teil auf unserer Berichterstattung (oft in Zusammenarbeit mit lokalen Intersex-NGOs).

Wir finden es toll, dass das SKMR, wie wir lesen konnten, aufgrund unserer ehrenamtlichen Arbeit nun etwas für Intersex-Menschenrechte tun will und dazu mit grosser Kelle eine "Fachtagung Intergeschlechtlichkeit: Recht auf Unversehrtheit"[1] ausrichtet.

Wir finden es jedoch untragbar, wie dabei

  • einerseits unsere Arbeit ausgebeutet wird, indem sich die Veranstaltung explizit auf deren Früchte beruft, wir dabei aber gleichzeitig unsichtbar gemacht werden, und
  • andererseits Intersex-Genitalverstümmelungen verharmlost und rechtlich herabgestuft werden von einer schweren Verletzung unabdingbarer Menschenrechte zu einem "Diskriminierungs-", "Geschlechter-" und "Gesundheitsthema", und entsprechende symbolische Gesetze gegen IGM, wie zum Beispiel Malta und Portugal, unkritisch in den Himmel gelobt werden, während in beiden Ländern tatsächlich weiterhin alle Formen der IGM ungestraft praktiziert, vom Staat befürwortet und bezahlt werden (weshalb CRC mittlerweile IGM in beiden Staaten als schädliche Praxis verurteilte).

Wir möchten deshalb gerne wissen:

  • Warum beruft sich das SKMR bei der kommenden "Fachtagung" auf unsere Arbeit, wir sind jedoch nicht einmal eingeladen?
  • Wie kommt das SKMR dazu, die schweren Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte durch Intersex-Genitalverstümmelungen als (beliebig austauschbar mit) "Diskriminierungen" herabzustufen – in krassem Widerspruch zu den angeführten UNO-Rügen, aber sehr in Übereinstimmung mit der aktuellen Politik des Bundesrates, Massnahmen gegen schädliche Praktiken an Intersex-Kindern zurückzustellen zugunsten von einer Personenstandsrevision, von der Intersex-Kinder herzlich wenig haben?

Ich habe in den vergangenen Tagen vergeblich versucht, innerhalb des SKMR eine verantwortliche Ansprechperson zu finden, um Antworten zu erhalten. Die auf der Ankündigungshomepage als Kontaktperson genannte Luisa Jakob verwies mich an Monika Hofmann (IZFG), die für das Inhaltliche zuständig sei, die mir gegenüber zunächst erklärte, das SKMR sei inhaltlich nicht für die Veranstaltung verantwortlich, um mich schliesslich an Christina Hausammann (IZFG) weiter zu verweisen, welche mir wiederum per Mail versprach, sich am nächsten Tag telefonisch zu melden, was sie jedoch nicht tat, auch nicht, als ich am Nachmittag meinerseits versuchte anzurufen und eine Nachricht hinterliess.

Wir möchten deshalb auf diesem Wege noch einmal versuchen, im SKMR eine verantwortliche Ansprechperson für unser Anliegen zu finden.

Und zusätzlich unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, wie das IZFG als Körperschaft derselben Universität Bern, in dessen Inselspital ich seinerzeit unter anderem durch Professoren der Universität Bern mehrfach genitalverstümmelt wurde, und in dem auch heute noch unverändert weiterverstümmelt wird, mit diesen Tatsachen und der daraus resultierenden institutionellen Verantwortung "umgeht", offenbar im Auftrag des SKMR.

Freundliche Grüsse

Daniela Truffer, Markus Bauer

[1]      https://www.skmr.ch/de/themenbereiche/geschlechterpolitik/artikel/fachtagung-intergeschlechtlichkeit.html

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 46 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

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Wednesday, October 9 2019

"Dritter Personenstand" als Allheilmittel gegen Intersex-Genitalverstümmelungen? Denkste!

Reloaded aus aktuellem Anlass: Das ganze Buch, aus dem der nachfolgende Ausschnitt stammt, ist nun als Gratis-Download erhältlich (siehe unten)!

IGM2 ("Verweiblichende Genitalkorrekturen"): VaginalOPs + Klitoristeilamputation (PDF)
Intersex-Genitalverstümmelungen in Deutschland angeblich nur in der "Vergangenheit"? SCHÄM DICH, TAZ – einmal mehr!!!

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IGM = Folter, NICHT 'Diskiminierung' oder 'Geschlechtsidentität' Zwischengeschlecht.org on FacebookWährend nicht nur in Deutschland das andauernde Unrecht der Intersex-Genitalverstümmelungen in den Medien (und in der Politik) regelmäßig unterschlagen oder geleugnet wird, rauscht der Blätterwald prompt rund um den Globus, sobald irgendwo ein Unisex-Klo eröffnet wird oder es um einen "dritten Geschlechtseintrag" geht.

Auch in der aktuellen Berichterstattung zum BGH-Urteil im Verfahren "Dritte Option" werden die andauernden Intersex-Genitalverstümmelungen einmal mehr verharmlost oder zur Vergangenheit erklärt, z.B. gestern in der taz: "Bis in die 2000er Jahre hinein wurden etwa 90 Prozent der Intersexuellen operiert, also an eines der beiden Normgeschlechter angepasst."

Gleichzeitig unterstellen Medien (und z.T. auch für eine "3. Option" Klagende und Unterstützer_innen) immer wieder tatsachenwidrig, ein "3. Personenstand" bzw. die von ihnen letztlich angestrebte Abschaffung des Geschlechtseintrags würde automatisch zur Beendigung von Intersex-Genitalverstümmelungen führen; oder das Streben nach einem "3. Geschlechtseintrag" wird (auf Kosten von IGM-Überlebenden) tatsachenwidrig als DAS Intersex-Anliegen überhaupt dargestellt.

Aufklärung tut not! Dazu nachfolgend ein leicht überarbeiteter Ausschnitt aus dem Beitrag von Markus Bauer und Daniela Truffer: "Intersex und Selbstbestimmung", in: Michaela Katzer, Heinz-Jürgen Voß (Hg.): Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Praxisorientierte Zugänge (Gießen: Psychosozial-Verlag 2016): 

UPDATE: Jetzt das ganze Buch gratis als PDF (3.5 MB)!

6.  Intersex, Geschlechtsidentität und Personenstand

Entgegen verbreiteten stereotypisierenden und/oder vereinnahmenden Unterstellungen leben die meisten Intersexe als Männer oder Frauen – Überlebende von IGM-Praktiken meist, weil sie hauptsächlich ganz andere Probleme haben, unversehrt Aufgewachsene oft aus pragmatischen Gründen. Überlebenden, die sich öffentlich als Intersex bezeichnen, geht es meist weniger um Geschlechtsidentität, sondern um eine praktisch-politische Identität zur Selbstermächtigung bzw. psychischen Integration des ihnen angetanen Unrechts und zur politischen Sichtbarmachung der Verletzungen ihrer Körper, Psychen und Menschenrechte durch die fortdauernden IGM-Praktiken.

Einige Betroffene identifizieren sich als “dazwischen”, “beides” oder “weder-noch” und leiden darunter, in amtlichen Dokumenten und im Personenstandsrecht keine dritte Option zur Verfügung zu haben. In Deutschland versuchen aktuell Betroffene berechtigterweise erneut, eine solche durch den Instanzenweg gerichtlich einzuklagen (Lang 2006: 213f.; Dritte Option 2014), weitere Verfahren laufen in USA, Frankreich und Österreich.

Von solchen legitimen Bestrebungen abzugrenzen ist vereinnahmende Personenstandpolitik auf Kosten genitalverstümmelter Intersex-Kinder. Etwa, wenn “Sachverständige” und PolitikerInnen seit Jahr und Tag öffentlich behaupten, ein dritter Personenstand sei “das” Intersex-Anliegen überhaupt, und Personenstandreformen sowie Anti-Diskriminierungsgesetze würden quasi als Allheilmittel automatisch auch die Beendigung von IGM-Praktiken nach sich ziehen. Tatsächlich ist beides nicht zutreffend: Zum Beispiel Australien hat 2003 für amtliche Dokumente neben “M” und “F” eine dritte Kategorie “X” eingeführt (die allen Erwachsenen offensteht), und 2013 Diskriminierung wegen “Intersex Status” (definiert als “biologische Variation”) explizit unter Strafe gestellt. Trotzdem dauern IGM-Praktiken auch in australischen Kinderkliniken unverändert an.

Jüngste Folge solcher schädlichen und vereinnahmenden Darstellungen ist der 2013 in Deutschland eingeführte, von Medien und PolitikerInnen als angebliche “Option” und “kleine Revolution für Intersexuelle” angepriesene Personenstandmurks § 22(3) PStG, der in Tat und Wahrheit bei “uneindeutigen” Kindern die Eintragung eines Geschlechts offiziell verbietet und deshalb von Intersex-Organisationen international als stigmatisierend und kontraproduktiv kritisiert wurde (Zwischengeschlecht.info 2013b), sowie die dazugehörige Verwaltungsvorschrift, die explizit einmal mehr die alleinige Definitionshoheit der Medizin festschreibt (Zwischengeschlecht.info 2014c). Für beide Vorlagen wurden Betroffene und ihre Organisationen bezeichnenderweise nicht konsultiert. Als Reaktion darauf hielt das 3. Internationale Intersex Forum in seiner Forderungsliste explizit fest:

  1. Intersex-Kinder sollen als männlich oder weiblich eingetragen werden.
  2. Der Geschlechtseintrag soll auf Antrag der erwachsenen oder einwilligungsfähigen minderjährigen betroffenen Person in einem einfachen Verwaltungsverfahren abgeändert werden können.
  3. Eine oder mehrere dritte Optionen sollen allen Erwachsenen und einwilligungsfähigen Minderjährigen offen stehen (Third International Intersex Forum 2013).

7.  Fazit

Soweit Intersex und die Anliegen von Intersex-Menschen in Öffentlichkeit, Medien und Politik überhaupt zur Debatte stehen, werden sie in der Regel immer noch meist auf Gender- und LGB(T)-Anliegen (Klauda 2002) oder die Forderung nach Einführung eines dritten Personenstandes bzw. der Abschaffung jeglicher Geschlechtseinträge reduziert (OII Australia 2014) – während gleichzeitig die dringendste Intersex-Forderung nach einem Verbot der andauernden IGM-Praktiken ignoriert, z.B. 2012 durch den Deutschen Ethikrat (Voß 2012: 6), und den TäterInnen noch offiziell die Lizenz zum Weiterverstümmeln erteilt wird, z.B. 2013 durch den Deutschen Bundestag (Zwischengeschlecht.info 2013a). Allen öffentlichen Diskussionen und politischen Anstrengungen der Betroffenen zum Trotz stehen überall in der “entwickelten Welt” in Universitätskinderkliniken alle Formen von IGM-Praktiken unverändert auf der Tagesordnung, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen (z.B. in Deutschland erzielen Kinderkliniken pro “Vaginalplastik” € 8175,12 Reingewinn, vgl. Zwischengeschlecht.info 2010b). [...]

Literaturverzeichnis

Dritte Option (2014): Der erste „offizielle“ Schritt auf dem Weg zu einer dritten Option ist gemacht!, http://dritte-option.de/der-erste-offizielle-schritt-auf-dem-weg-zu-einer-dritten-option-ist-gemacht/

Klauda, Georg (2002): Fürsorgliche Belagerung. Genitale Verstümmelung von Hermaphroditen. Vortrag gehalten am 31. Oktober 2002 im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte. In: In: AStA FU (Hg.): Out Of Dahlem, Nr. 1. Berlin: AStA-Druck, 40-44. https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/01/24/Instrumentalisierung-von-Zwittern%3A-Kritik-aus-2002

Lang, Claudia (2006): “Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern”, Frankfurt: Campus 2006

OII Australia (2014): Different Priorities, http://oii.org.au/28125/different-priorities/

Third International Intersex Forum (2013): Public Statement by the Third International Intersex Forum, http://old.ilga-europe.org/home/news/latest/intersex_forum_2013

Voß, Heinz-Jürgen (2012): Intersexualität – Intersex. Eine Intervention, Münster: Unrast 2012

Zwischengeschlecht.info (2010b): Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung (Eckhard Korsch, Vortrag zum DSD Consensus Statement, APE 2006) https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2010/10/11/Kinderkliniken-Euro-8175-Reingewinn-pro-Genitalverst%C3%BCmmelung

Zwischengeschlecht.info (2013b) “Intersex: Neuer Geschlechtseintrag in Deutschland” (Spiegel, Huff Post, Guardian, etc.) - Saure-Gurken-Fantasien vs. Wirklichkeit der Genitalverstümmelungen, https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2013/08/20/Intersex-Geschlechtseintrag-Saure-Gurken-Fantasien-Reale-Genitalverstummelungen

Zwischengeschlecht.info (2014c): Neue Verwaltungsvorschrift zum Intersex-Personenstand-Murks § 22(3) PStG: Deutscher Bundesrat ab sofort offiziell IGM-Mittäter, https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2014/05/29/Verwaltungsvorschrift-Intersex-Personenstand-Murks-Deutscher-Bundesrat-offiziell-Mittaeter

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben 

Siehe auch:
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis": UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Sunday, September 29 2019

Österreich > "Orgasmusfähigere AGS-Patientinnen": MedUni Wien verharmlost und propagiert Intersex-Genitalverstümmelungen (1)

Reloaded 2019 aus aktuellem Anlass: Zur diesjährigen Jahrestagung der "Österreichische Gesellschaft zur Förderung der Sexualmedizin und der sexuellen Gesundheit" wärmt MedUni Wien-Professorin Michaela Bayerle-Eder genau dieselbe Pressemitteilung noch einmal auf – mit einem pikanten Unterschied: Statt wie letztes Jahr “Und Patientinnen mit klassischem AGS zeigen sich als orgasmusfähiger (siehe unten) heißt's nun heuer: “Unerwartet zeigt sich tendenziell eine stärkere Einschränkung der Sexualfunktion sowie ein größerer Leidensdruck bei Patientinnen mit nicht-klassischem AGS.” Und auch dieses Jahr darf MedUni Wien ihr ihre Lobhudeleien auf IGM2: Klitoris-Teilamputationen in Österreich einmal mehr unwidersprochen verkünden. Ein Schelm, wer böses dabei denkt ...

Stefan Riedl u. Alex Springer (Wien): Die große Mehrzahl aller D$D-ÄrztInnen befürwortet nach wie vor IGM2 "verweiblichende Genitalkorrekturen" (u.a. Klitoristeilamputation und "VaginalOPs") an Intersex-Kindern unter 2 Jahren – Zahlen zu solchen Eingriffen in Österreich werden aber lieber nicht offengelegtein Schelm, wer Böses dabei denkt ...

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IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on Facebook

Mit mehreren "Fachveranstaltungen" sowie Pressemitteilungen propagieren 2018 verschiedene Österreichische ChirurgInnen, EndokrinologInnen und SexologInnen in Wien weiterhin menschenrechtswidrige Intersex-Genitalverstümmelungen, die seit 2015 vom UN-Ausschuss gegen Folter unmissverständlich als "unmenschliche Praxis" verurteilt wurden, die unter das Folterverbot fällt, ebenso auch von den Kinder- & Jugendanwaltschaften Österreichs (KIJAOE).

Teil 1: IGM2 "Verweiblichende Genitalkorrekturen"

IGM2 umfasst u.a. chirurgische Klitoristeilamputationen und "Vaginalplastiken" an Säuglingen, aber auch nicht-chirurgische Eingriffe wie z.B. "Vaginaldehnungen" mit Dildo-ähnlichen Instrumenten an Kindern und Jugendlichen, weil es nach einer "Vaginalplastik" oft zu Verengungen ("Stenosen") kommt, sowie auch für Mutter und Kind riskante vorgeburtliche hormonelle "Pränatal-Therapien"; heute werden betroffene Kinder vermehrt auch durch Pränatal-Tests während der Schwangerschaft "erkannt" und umgehend selektiv (spät-)abgetrieben, da Intersex auch in Österreich immer noch als "minderwertig", "abartig" und "behindert" gilt. Die am häufigsten zu solchen menschenrechtswidrigen Eingriffen führende medizinische Diagose ist das "Adrenogenitale Syndrom (AGS)".

Vor allem Klitoris(teil)amputationen, aber auch "Vaginalplastiken" führen erwiesenermaßen zu Beeinträchtigungen bis zum Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit sowie zu beim Sex oft schmerzhaften Narben; "Vaginaldilationen" (Dehnungen), z.T. von den Eltern an ihren Kindern durchgeführt, werden von Betroffenen oft als Vergewaltigung und/oder stark traumatisierend empfunden.

Elegant ausgeblendet und beschönigt werden diese Fakten hingegen in einer aktuellen MedUni Wien-Pressemitteilung >>> "Intersexualität: Patientinnen mit Adrenogenitalem Syndrom leiden vermehrt an Sexualstörungen unabhängig von der Schwere der Erkrankung" (Sabina Baumgartner-Parzer und Michaela Bayerle-Eder, MedUni Wien) (sowie einem dazugehörigen Vortrag, siehe unten):

Weder dass es beim "klassischen AGS" häufig zu Operationen kommt noch deren Folgen werden in der Pressemitteilung überhaupt angesprochen. Check.

Dafür ist in Bezug auf AGS durchgehend von "Krankheitsbilder[n]", "genetischen Erkrankungen", "angeborenen Störung", "Gendefekt", "lebensbedrohliche[n] Symptome[n] wie eine Salzverlustkrise bei beiden Geschlechtern oder die Vermännlichung der äußeren Geschlechtsmerkmale bei Mädchen", "Vergrößerung der Klitoris bis hin zur Bildung eines Pseudopenis trotz innerer weiblicher Genitalien" usw. die Rede. Check.

Und generell fokussiert die Pressemitteilung hauptsächlich auf Themen wie "geschlechtliche[...] Identifikation im Vergleich zu gesunden Frauen", "homosexuelle Präferenz", "Geschlechterrolle", "sexuelle[...] Präferenz", "Geschlechtsidentität", etc. Check.

Zu guter/schlechter Letzt kommt die Studie dann programmgemäss zum Schluss, die (am häufigsten operierten) "Patientinnen mit klassischem AGS zeigen sich als orgasmusfähiger", während (nichtoperierte) "Patientinnen mit nicht-klassischem AGS mit geringer ausgepägter Symptomatik und milden Gendefekten aufgrund der spät erfolgenden Diagnose mehr leiden, da sie über lange Zeit keine Erklärung für ihr "Anderssein" haben und auch keine Therapien erhalten"BINGO!!

Nur logisch, dass die Studie dann diese Tage von Sabina Baumgartner-Parzer höchstpersönlich auch an einem Sexologie-Symposium "Sexualmedizin Interdisziplinär" an der MedUni Wien >>> Programm (siehe S. 8) vorgestellt wurde – ausgerechnet unter der Rubrik "Intersexualität/Sexuelle Orientierung", und zusammen u.a. mit einem weiteren Referat vom lokalen Kinderchirurgen Alexander Springer (siehe auch oben) mit dem vielsagenden Titel "Intersexualität Update: Wie und wann diagnostizieren und therapieren? Europäische Guidelines 2018". – Check + BINGO No. 2!!!

•  UN-Auschuss gegen Folter verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen in Ö
•  Österreich, Ursprungsland der Nazi-Diagnose "Intersexuelle Konstitution" 
• 
IGM in Österreich (1): Wien, Linz, Innsbruck
•  IGM in Österreich (2): Innsbruck
•  Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs fordern IGM-Verbot
  Proteste gegen "ESPU 2014" und IGM an der Medizinischen Universität Innsbruck
  Linz: IGM-Kongress hinter hohen Mauern
•  "Es wird weiter an den Genitalien von Kleinkindern geschnitten" - Eva Matt
•  "Brüste und Penis amputiert: Die verstörende Tortur eines Intersexuellen"
•  "Eine riesige Befreiung" - an.schläge 05/2012 
  "Zero Tolerance to Intersex Genital Mutilation" - an.schläge 02/2012
•  "46,XX/46,XY" - an.schläge 02/2010 
•  Radiodoktor: "Intersexualität - Leben zwischen den Geschlechtern"
•  Österreich: "Jedes Verbrechen hinterlässt Spuren" 
•  Genitalverstümmler Prof. Radmayr (Innsbruck) und Prof. Riccabona (Linz)
•  "Der medizinische Umgang mit Intersexualität" - Suspect 17 / 2009
•  "Intersexualität und Recht" in Österreich - Eva Matt, 8.11.2006

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 36 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

 >>> Download Folien (PDF, 700 KB) 

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Friday, September 20 2019

Genf: Portugal von der UNO zu Intersex-Verstümmelungen befragt - demnächst Belgien, Mexiko, Spanien, die Schweiz …

[ English ]

Foto: Gewaltfreier Intersex Protest @ UNHRC UPR #14, Geneva 20.10.2012

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IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on Facebook

In Genf prüft der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) derzeit die Menschenrechtsbilanz Portugals – und fragte den Vertragsstaat wiederholt, warum schädliche Praktiken an Intersex-Kindern weiter durchgeführt werden dürfen und warum IGM-Überlebenden der Zugang zu Rechtsbehelfen und Gerechtigkeit verweigert wird.

Als Portugal versuchte, das Thema zu wechseln und stattdessen "internationale medizinische Normen" und "Transgender-Gesetzgebung" zu diskutieren, stellten die Ausschussmitglieder Folgefragen, die Portugal am Freitag beantworten musste – und sich dabei erneut blamierte.

Dem äußeren schönen Schein nach hat Portugal kürzlich ein Gesetz angeblich zum Schutz von Intersex-Kindern vor IGM-Praktiken erlassen und behauptet, die Praxis vollständig abgeschafft zu haben, wobei ähnliche Gesetze und Behauptungen aus Malta übernommen wurden - zufälligerweise werden beide Länder nächste Woche in Brüssel an einer EU-Konferenz "High Level Conference on Advancing LGBTI equality" einmal mehr als "Intersex-Menschenrechtspioniere" in den Himmel gelobt werden ...

Wie jedoch NGO-Berichte dokumentieren, werden sowohl in Malta als auch in Portugal alle Formen von IGM ungestraft weiterpraktiziert, empfohlen und bezahlt vom Staat. In seiner letzten Sitzung hatte der UN-Kinderrechtsausschuss CRC bereits IGM in Malta als schädliche Praxis eingestuft. Und diese Woche in Genf waren auch die Antworten Portugals kaum mehr als die bekannten üblichen Ausreden und Leugnungen angesichts dokumentierter Fakten.

Aufgrund von Beweismitteln, die von Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Intersex-NGOs vorgelegt wurden, haben die UN-Vertragsorgane CRC, CAT, HRCttee-CCPR, CRPD und CEDAW bisher 12 EU-Länder gerügt, weil sie es unterlassen haben, Intersex-Kinder wirksam vor uneingewilligten, unnötigen Genitaloperationen, Zwangssterilisationen und anderen unfreiwilligen, aufschiebbaren und irreversiblen Eingriffen zu schützen, welche die UN-Ausschüsse als schwere Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte und verschiedener UN-Konventionen einstufen, insbesondere als grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung, die unter das absolute Folterverbot fällt (CAT, CCPR, CRPD), als schädliche kulturelle Praxis gleich wie FGM (CRC, CEDAW), uneingewilligte medizinische oder wissenschaftliche Experimente (CCPR) und als eine Verletzung der Integrität der Person (CRPD). Weltweit ist der aktuelle Stand 42 UN-Rügen für IGM-Praktiken an 24 Länder (siehe Liste).

Zusammen mit den Intersex-NGOs Brújula Intersexual, Intersex Belgium, Vivir y Ser Intersex, Intersex.ch und SI-Global hat Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org kürzlich 5 Intersex-Schattenberichte bei verschiedenen UN-Ausschüssen eingereicht, nebst Portugal auch für Belgien, Mexiko, Spanien und die Schweiz – die alle in Genf Rechenschaft über ihren Umgang mit Intersex-Kindern werden ablegen müssen:

2019-CRC-Portugal-NGO-Zwischengeschlecht-Intersex-IGM

Country: Portugal
Treaty Body: Committee on the Rights of the Child (CRC)
Convention: Convention on the Rights of the Child (CRC)
Download Intersex NGO Report: PDF (942 kb)
Report by: StopIGM.org
Next Steps in Review Cycle: Examination @ CRC 82nd Session, 19.-20.09.2019; Concluding Observations due November 
>>> Full Timeline
Previous UN Reprimands: none

2019-CCPR-Belgium-NGO-Intersex-StopIGM

Country: Belgium
Treaty Body: Human Rights Committee (HRCttee-CCPR)
Convention: International Covenant on Civil and Political Rights (CCPR)
Download Intersex NGO Report: PDF (581 kb)
Report by: Intersex Belgium, StopIGM.org
Next Steps in Review Cycle: Examination @ CCPR 127th Session, 15.-16.10.2019; Concluding Observations due November  >>> Full Timeline
Previous UN Reprimands: CRC (2019)

2019-CCPR-Mexico-NGO-Intersex-Brujula-StopIGM

Country: Mexico
Treaty Body: Human Rights Committee (HRCttee-CCPR)
Convention: International Covenant on Civil and Political Rights (CCPR)
Download Intersex NGO Report: PDF (636 kb)
Report by: Brújula Intersexual, Vivir y Ser Intersex, StopIGM.org
Next Steps in Review Cycle: Examination @ CCPR 127th Session, 16.-17.10.2019; Concluding Observations due November  >>> Full Timeline
Previous UN Reprimands: CEDAW (2018)

2019-CCPR-LOIPR-Spain-Intersex-Brujula-StopIGM

Country: Spain
Treaty Body: Human Rights Committee (HRCttee-CCPR)
Convention: International Covenant on Civil and Political Rights (CCPR)
Download Intersex NGO Report: PDF (377 kb)
Report by: StopIGM.org, Brújula Intersexual
Next Steps in Review Cycle: List of Issues Prior to Reporting (LOIPR) @ CCPR 127th Session, due November; State Report with replies due 2020  >>> Full Timeline
Previous UN Reprimands: CRC (2018)

2019-CRC-LOIPR-Swiss-NGO-Zwischengeschlecht-Intersex-IGM

Country: Switzerland
Treaty Body: Committee on the Rights of Persons with Disablities (CRPD)
Convention: Convention on the Rights of Persons with Disablities (CRPD)
Download Intersex NGO Report: DOCX (246 kb) | PDF (333 kb)
Report by: StopIGM.org, Intersex.ch, SI-Global
Next Step in Review Cycle: List of Issues Prior to Reporting (LOIPR) @ CRPD 12th Pre-Sessional Working Group, due November; State Report with replies due 2020  >>> Full Timeline
Previous UN Reprimands: CRC (2015), CAT (2015), CEDAW (2016), CCPR (2017)

>>> intersex.shadowreport.org

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Thursday, September 19 2019

ESPE 2019 in Wien > "Klitorisoperationen bei 231 (92%) durchgeführt"

[ English ]

Intersex-Protest + Offener Brief vs. "ESPE 9th Joint Meeting", Mailand 21.09.2013:
Intersex-Genitalverstümmler Prof. Dr. Wieland Kiess ringt mit der Fassung ...

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"Aktueller chirurgischer Ansatz bei CAH 46XX - Ergebnisse aus den I-DSD/I-CAH Registern"

Präsentation @ 58. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie ESPE, die heute in Wien (Österreich) beginnt (siehe Abstract Book (PDF), S. 96):

 

"Genitalchirurgie wurde bei 251 (76%) durchgeführt. Klitorisoperationen wurden bei 231 (92%), Vaginaloperationen bei 204 (81%) und eine Kombination aus Klitoris- und Vaginaloperationen bei 186 (74%) durchgeführt. Von den 251 operierten Personen hatten 18 (7%) eine vaginale, aber keine klitorale Operation, während 42 (17%) eine klitorale, aber keine vaginale Operation hatten. Das Durchschnittsalter bei der ersten Operation betrug 2,5 Jahre (0-15), mit Klitorischirurgie und Vaginalchirurgie bei 2,6 Jahren (Bereich) bzw. 3,2 Jahren (Bereich). In einem logistischen Regressionsmodell konnte gezeigt werden, dass es im Laufe der Zeit einen negativen Trend für die Chirurgie gab. Darüber hinaus gab es einen signifikanten Trend zur Operation vor 24 Monaten im Laufe der Zeit. Allerdings gab es signifikante geografische Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit/Inzidenz von Genitaloperationen: Europa 64%, Asien 97%, Südamerika 89%. Das Chicago Consensus Statement über DSD (Vergleich der Daten vor und nach 2006) hatte keinen wesentlichen Einfluss auf den Zeitpunkt oder die Wahrscheinlichkeit einer Operation."

Natürlich sind solche Zahlen weder neu noch unerwartet. Tatsächlich zeigte eine Präsentation 2 Jahre vorher durch teilweise dieselben österreichischen IGM-MedizynerInnen, "Aktuelle chirurgische Praxis bei DSD", ähnliche Zahlen und die gleichen Tendenzen.

Die diesjährige ESPE bietet besonders viele und besonders hässliche D$D-Präsentationen (siehe Programm).

StopIGM.org organisierte gewaltfreie Intersex-Proteste gegen die ESPE-Jahrestreffen 2012, 2013, 2014 und 2016, dank lokaler Solidarität und Unterstützung. Als wir die österreichischen Intersex-Organisationen anfragten, sagten sie leider, sie könnten keine praktische Unterstützung leisten. Da StopIGM.org über keine Finanzierung verfügt und diese Woche auch die 82. CRC-Sitzung in Genf stattfindet, an der der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes IGM in Portugal prüfen wird, werden die ESPE-GenitalabschneiderInnen leider in der Lage sein, ihr Business unangefochten zu vermarkten.

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

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Wednesday, July 31 2019

Bundesgericht: Keine aufschiebende Wirkung mehr für Semenya - ABER noch nicht das Urteil - Medien unterschlagen GenitalOPs

IOC-Protest Lausanne, 19. Nov. 2009 (Photo: Ärger)

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IOC IAAF: Stop Intersex Discrimination!

Zwischengeschlecht.org on FacebookDas Schweizer Bundesgericht hat die provisorische Aufhebung der Sperre während des Rekursverfahrens wieder aufgehoben, bzw. Caster Semenyas Rekurs die aufschiebende Wirkung wieder entzogen. Damit gilt das Startverbot vorerst wieder. Heute Mittwoch soll der Bundesgerichts-Entscheid zur Wiedereisetzung der Sperre veröffentlicht werden.
ABER: Dies ist noch nicht das eigentliche Urteil in der Sache, dieses wird das Bundesgericht erst später fällen.

Was in der bisherigen Berichterstattung unerwähnt bleibt:

In der Berichterstattung am ehesten erwähnt wird die Resolution des UNO-Menschenrechtsrates (A/HRC/40/L.10/Rev.1) vom letzten März, eingebracht von Mozambique, Südafrika, Zambia und Simbabwe.

Auch diese kommt bekannlich zum selben Schluss, nämlich (A/HRC/40/L.10/Rev.1, S. 2)

  • dass die IAAF-IOC-FIFA Zangsbehandlungs-Regeln und ihre Umsetzung nicht kompatibel sind mit internationalen Menschenrechtsnormen und -standards”
  • bzw. “dagegen verstossen”, “einschliesslich gegen [....] das Recht auf Freiheit von Folter und anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlungen und schädlichen Praktiken sowie gegen die uneingeschränkte Achtung der Würde, der körperlichen Integrität und der körperlichen Autonomie der betreffenden Person.

Wie lange noch?!

 

>>> IOC + IAAF + FIFA = Intersex-Genitalverstümmler!

 

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
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     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
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Tuesday, May 28 2019

Genitalverstümmelung in Malta: Gesetz lässt Intersex-Kinder im Stich

 [ Français ]   [ English ]

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Times of Malta: "Maltas Gesetz schließe Hypospadie-Operationen aus, die häufigste IGM-Praxis und die einzige, die lokal in Malta durchgeführt werde, sagte die Organisation." (Der Artikel auf deutsch siehe unten.)

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Malta ist weltberühmt dafür, dass es 2015 als erster Staat Intersex-Genitalverstümmelungen offiziell verboten hat – obwohl das Gesetz keine Sanktionen (Strafen) vorsah, und IGM sowohl im In- als auch im Ausland weiterhin praktiziert wurde und wird. Nach einer stillschweigenden Verschärfung des Gesetzes im letzten Jahr behauptet die maltesische Regierung nun, "die Strafen für Intersex-Genitalverstümmelungen den Strafen für die weibliche Genitalverstümmelung gleichgestellt" zu haben. Aber ist das wirklich wahr?

Ein Schattenbericht von Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org an den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) (englisch) weist nach, dass in Malta die Strafen für IGM nach wie vor nicht mal die Hälfte derer für FGM betragen, und dass betreffend IGM das Gesetz auch sonst alle bekannten Lücken und Schlupflöcher enthält, so dass Intersex-Genitalverstümmelungen unverändert weitergeführt werden, sowohl im Inland in Universitäts-Kinderkliniken wie auch im Ausland in Vertragskliniken namentlich in Großbritannien, Belgien und Italien. (Zahlen dazu legt die Regierung unverändert keine offen.)

Im Gegensatz zum maltesischen FGM-Verbot gibt es für Intersex-Kinder in Malta unverändert u.a. keinen extraterritorialen Schutz vor Genitalverstümmelungen (d.h. IGM im Ausland bleibt weiterhin straffrei), und auch die Anstiftung, Finanzierung, Beihilfe etc. bleibt bei IGM ebenso straffrei, sogar im Inland. Entsprechend wird denn auch in maltesischen Kliniken das Gesetz ignoriert bzw. nicht angewendet – mit stillschweigender Billigung der maltesischen Regierung, deren Gesundheitsminister nicht bloß ein bekennender IGM-Befürworter, sondern als Kinderchirurg auch ein eigenhändiger IGM-Praktiker ist.

Während seiner 81. Session in Genf befragte der UNO-Kinderrechtsausschuss aufgrund unseres Schattenberichts Malta über IGM-Praktiken und die konkrete Umsetzung des Gesetzes zu Intersex-Kindern (Video + Transkript, englisch). Die Maltesische Delegation "antwortete" zu "Intersex- und Trans-Kindern" und "LGBTIQ-Fragen", beteuerte es gebe "keine Fälle von gesetzeswidrigen medizinischen oder chirurgischen Eingriffen an Intersex-Kindern", weder "vor Ort" noch "im Ausland", und versprach einmal mehr einen "interministeriellen Ausschuss" einzuberufen um der "Umsetzung des Gesetzes nachzugehen" (Video + Transkript, englisch). (Im persönlichen Gespräch wurde uns freilich bestätigt, dass die häufigste Form IGM 1 "Hypospadiekorrekturen" unverändert in Malta praktiziert wird, "aber das ist nicht Intersex".)

Am Tag der Staatenprüfung in Genf berichtete auch die Times of Malta (englisch) über unseren Schattenbericht und die darin dokumentierten Beweise, dass in Malta – allem schönen Schein zum Trotz – Intersex-Kinder weiterhin genitalverstümmelt werden.

Bemerkenswert sind auch die Kommentare unter dem Artikel, einschließlich die betupfte Beschwerde einer IGM-Ärzten offensichtlich zumindest nahestehenden Person: "Ich möchte hervorheben, dass Hypospadie-Reparaturoperationen von voll qualifizierten medizinischen Fachkräften durchgeführt werden [....] Ich finde es beleidigend, solche Operationen als IGM zu bezeichnen. Die Eltern haben auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kindern und sollten sich nicht schuldig fühlen, wenn sie eine medizinische Beratung und Behandlung in Anspruch nehmen." (JK Scicluna am 15. Mai 2019 20:42 Uhr) - die übrigen Kommentare stehen jedoch mehrheitlich auf der Seite der Intersex-Kinder!

Nachfolgend der Artikel auf Deutsch:

>>> Times of Malta (15.05.2019)
"Menschenrechte auch für Zwitter",
fordert internationale Organisation von Malta
 

StopIGM erklärt, Malta tue nicht genug, um "Intersex-Genitalverstümmelungen" zu verhindern.

Maltas Gesetz schließe Hypospadie-Operationen aus, die häufigste IGM-Praxis und die einzige, die lokal in Malta durchgeführt werde, sagte die Organisation.

Eine internationale Organisation, die sich der Beendigung von "Intersex-Genitalverstümmelungen" verschrieben hat, teilte mit, dass Malta die Praxis weiterhin stillschweigend unterstützt, obwohl es das erste Land der Welt ist, das diese Praxis ausdrücklich verbietet.

Maltas Gesetz über Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmale von 2015 verbietet Eingriffe zur Geschlechtsnormalisierung [öhm ...] bei Minderjährigen, die aufgeschoben werden können, bis das Kind seine informierte Zustimmung geben kann.

Solche Eingriffe wurden in der Vergangenheit bei Kindern durchgeführt, die mit mehreren [ups ...] Geschlechtsorganen geboren wurden.

Die internationale Intersex-Menschenrechtsorganisation StopIGM.org hat nun mitgeteilt, dass, trotz der Ächtung solcher Eingriffe - welche die Organisation als "Intersex-Genitalverstümmelungen" bezeichnet - auf dem Papier, die Realität eine andere sei.

In einem von der Organisation veröffentlichten Bericht heißt es, dass Malta erst 2018 Sanktionen gegen IGM eingeführt habe. Dazu gehöre eine Freiheitsstrafe von höchstens fünf Jahren oder eine Geldstrafe von 5.000 bis 20.000 Euro.

Diese Strafen seien niedriger als diejenigen für das Verbrechen der weiblichen Genitalverstümmelung, die fünf bis zehn Jahre Gefängnis vorsehen.

Zudem könnte im Falle von FGM eine im Ausland begangene Straftat in Malta verfolgt werden, während dies bei IGM nicht der Fall sei.

Eltern, die wollen, dass bei ihren Kindern solche Eingriffe durchgeführt werden, umgehen die lokalen Gesetze, so die Organisation, indem sie ihre Kinder im Ausland operieren lassen, Berichten zufolge in Großbritannien, Belgien und Italien.

"Menschenrechte auch für Zwitter"

StopIGM.org fordert ein Verbot von nicht-eingewilligten Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung, und "Menschenrechte auch für Zwitter".

Betroffenene sollen später selbst entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche. Die Verjährungsfristen müssen so angepasst werden, dass erwachsene IGM-Überlebende klagen können.  

2019-CAT-UK-NGO-Coalition-Intersex-IGM

Intersex Genital Mutilations in Malta: 2019 CRC Report
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Reproductive Anatomy
IGM in Malta and overseas  Legal gaps and loopholes  Harmful Practice
>>> Download as PDF (758 kb)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
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- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)

Wednesday, May 15 2019

Intersex-Genitalverstümmelungen: CH-Kinderkliniken wollen weiteroperieren

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Online-Artikel (Schranke): Landbote / ZH Unterländer / Zürichsee-Zeitung | Artikel-Scan

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>>> Ein gelungener Artikel von Katrin Oller in den Zürcher Regionalzeitungen (Scan) anlässlich einer Pressemitteilung des Kinderspitals Zürich (PDF) über eine Absichtserklärung von “25 [DSD-]Fachpersonen aus verschiedenen Schweizer Kinderkliniken”, künftig etwas seltener Intersex-Kinder unnötig operieren zu wollen.

Ganz mit IGM aufhören wollen die Kliniken aber ausdrücklich nicht – vielmehr bestehen sie offensiv darauf, auch in Zukunft umsverrecken weiter Genitaloperationen an Kindern durchzuführen aufgrund von rein psychosozialen Indikationen (und nicht auschliesslich bei dringender medizinischer Notwendigkeit):

Operationen nicht verbieten

Geschlechtsangleichende Operationen sollen nach wie vor möglich sein und nicht verboten werden, wie dies etwa ein Vorstoss im Genfer Kantonsparlament vergangenes Jahr forderte. «Wenn die Eltern es trotz der Beratung nicht aushalten, mit der ‹Schande› zu leben, und ein ganzes Team zum Schluss kommt, dass eine Operation die beste Lösung ist, soll diese möglich bleiben», sagt Rita Gobet. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich ein Schwarzmarkt entwickelt, oder dass Betroffene für den Eingriff ins Ausland gehen.”

Auch die beliebte MedizynerInnen-Ausrede, "auf dem Schwarzmarkt" (oder gar "im Osten") wäre alles noch viiiel schlimmer ist letztlich selbstentlarvend: Schliesslich ist z.B. auch FGM doch voll OK, sobald die Verstümmelung – wie z.B. in Ägypten – in einer Klinik von MedizynerInnen durchgeführt wird – öhm, oder vielleicht etwa doch nicht?! (PDF --> S. 23).

Keine Zahlen

Seit dem neuen Vorgehen seien die chirurgischen Eingriffe an kindlichen Genitalien am Kispi wohl zurückgegangen, sagt Gobet. Genaue Zahlen gibt es allerdings keine. Man weiss weder wie viele Kinder mit Intersexualität geboren werden, noch wie viele operiert wurden.”

Auch die seit Jahrzehnten immergleiche Beteuerung, “in fünf bis zehn Jahren” (so Kispi-Chirurgin Gobet weiter im Artikel) würden dereinst auch Zahlen zu IGM-Prozeduren erhoben, wirkt auf Dauer nicht glaubwürdiger (zumal klar heute schon alle einschlägigen Prozeduren von den Spitalern nach ICD und "IV-Liste der Geburtsgebrechen" erfasst und abgerechnet werden).

Immerhin, anders als in der Kispi-Pressemitteilung kommen in den Zürcher Regionalzeitungen auch IGM-KritikerInnen zu Wort:

“Die Betroffenenorganisation Zwischengeschlecht.org, die sich gegen Genitaloperationen bei Kindern einsetzt, äussert sich positiv. Man begrüsse, dass die Schweizer Kinderkliniken künftig betroffenen Familien psychosoziale Unterstützung anbieten, sowie Betroffene und ihre Organisationen angemessen einbeziehen wollen, schreiben die Gründungsmitglieder Daniela Truffer und Markus Bauer auf Anfrage. Mit blossen Absichtserklärungen sei es jedoch nicht getan. Wichtig sei ihnen vor allem, dass die betreffenden Kliniken endlich Zahlen zu sämtlichen Eingriffen an Kindern mit «atypischen» Genitalien offenlegten.”

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 40 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Tuesday, April 30 2019

Genf > UN-Aussschuss gegen Folter befragt Deutschland über Intersex-Genitalverstümmelungen - D 'antwortet' zu "Regenbogenportal"

UN-CAT 66. Session @ Palais Wilson, Genf 29.04.2019: Bald geht's los ...
Ganz links: Claude Heller, CAT-Rapporteur für Deutschland, der die Frage zu Intersex stellte.
Hinten stehend Mitte: D-Delegationsleiterin Almut Wittling Vogel, welche (nicht-)antwortete.

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Zwischengeschlecht.org on Facebook IGM = Torture, NOT 'Discrimination' or 'Gender Identity'Diese Woche wird Deutschland in Genf vom UN-Ausschuss gegen Folter auf die Einhaltung der UN-Konvention gegen Folter geprüft mit Live-Übertragung auf webtv.un.org:
Montag 29.4. 10-13h + Dienstag 30.4. 15-18h.
Der Ausschuss hatte Deutschland bereits 2011 wegen Intersex-Genitalverstümmelungen unmissverständlich gerügt.
Ein Intersex-Schattenbericht von Zwischengeschlecht.org lieferte dem Ausschuss klare Beweise, dass in deutschen Kinderkliniken allen Versprechungen der Regierung zum Trotz unverändert weiterverstümmelt wird. In einer geschlossenen Sitzung im Vorfeld der Staatenprüfung informierten IGM-Überlebende den Ausschuss persönlich über die lebenslangen Folgen von IGM und die neuesten Entwicklungen (mehr dazu in Kürze).

Dieser Blog berichtete LIVE aus dem Palais Wilson in Genf. Wir hofften auf konkrete Fragen zum Thema – und hoffen nun auf eine weitere deutliche Rüge wegen IGM nach dem Ende der Session!

Session 1: Montag 29.04.2019, 10-13h

>>> Archiv-Video der ganzen 1. Sitzung (Deutsch und Englisch)

11:07h (Video @ 1:04:37): HIPP, HIPP!! Ausschuss-Experte und Berichterstatter für Deutschland, Herr Claude Heller (Mexiko) stellt eine Frage zu Intersex-Genitalverstümmelungen! Erwähnt unseren Schattenbericht und die darin zitierte Statistik-Studie sowie die Versprechungen der Regierung u.a. in der Koalitionsvereinbarung. :-) Inoffizielle deutsche Übersetzung der spanischen Original-Frage:

 

«Besondere Erwähnung finden im [Staaten-]Bericht chirurgisch-medizinische Behandlungen von Intersex-Menschen, wobei die Notwendigkeit der Einwilligung der betroffenen Person erwähnt wird, und welche Maßnahmen diesbezüglich ergriffen wurden. Eine NGO, die sich diesem Thema widmet, berichtet jedoch, dass alle traditionellen Formen der Genitalverstümmelung von Intersex-Menschen in Deutschland verbreitet sind und dass [jährlich] etwa 1.700 Operationen ohne Einwilligung und dringende Notwendigkeit durchgeführt werden. Gleichzeitig wurde uns gegenüber erwähnt, dass sich die Koalitionsregierung verpflichtet hat, ein Gesetz zu erlassen, das garantiert, dass Eingriffe bei Intersex-Kindern nur dann zulässig sind, wenn sie nicht aufgeschoben werden können oder eine Gefahr für das Leben besteht, aber dieses Versprechen sei nicht erfüllt worden, weshalb Kommentare der Delegation dazu willkommen wären.»

12:29h (Video @ 02:26:47): Delegationsvorsitzende Frau Dr. Almut Wittling Vogel (Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Abteilungsleiterin für Menschenrechte, EU-Grundsatzfragen und Völkerrecht, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtsfragen) 'antwortet' zu "intersexuellen Kindern", inkl. der üblichen Ausflüchte, leeren Versprechungen, Vertröstungen + einmal mehr Pinkwashing ("geschlechtsangleichende Eingriffe", "Regenbogenportal", "binär zuordnen", etc.). PFUI!!  :-( Inoffizielles Wort-Transkript:

 

 

«Zweiter Punkt, den ich beantworten würde, ist die Frage der intersexuellen Kinder. Sie haben gefragt, Sie haben erwähnt, dass Sie aus der Zivilgesellschaft erfahren haben, dass im Bereich der intersexuellen Kinder versprochen worden ist, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, um unnötige Operationen zu verhindern. In der Tat, so ist es. Wir haben eine Regelung in dem Koalitionsvertrag der jetzigen Regierung, also der Koalition, die die jetzige Regierung stützt, in dem steht, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sein sollen. Eine solche gesetzliche Regelung ist in Arbeit, das Bundesministerium der Justiz arbeitet an diesem Projekt. Es ist bereits eine Fachtagung durchgeführt worden mit Experten auf diesem Gebiet und mit Vertretern von Verbänden, die in diesem Gebiet arbeiten. Die Ergebnisse dieser Fachtagung werden verarbeitet und es wird ein Gesetzentwurf entworfen. Wir hoffen, dass der Entwurf bald veröffentlicht werden kann.

In diesem Bereich möchte ich auch noch erwähnen, dass das Bundesministerium für Familie, Jugend und Senioren auch einen Flyer herausgegeben hat, der auf der Website erhältlich ist, der darüber aufklärt, über die Schwierigkeiten, wenn ein Kind zur Welt kommt, die Eltern ermutigt, das Kind anzunehmen, wenn es intersexuell ist und nicht sofort auf eine Operation zu drängen. Dieser Flyer ist auch versehen mit Adressen, wo man sich erkundigen kann, von Beratungsstellen, bei denen man sich erkundigen kann. Ausserdem gibt es ein Online-Portal desselben Ministeriums, das nennt sich Regenbogenportal, auf dem man auch Ratschläge bekommen kann und bei dem man sich erkundigen kann nach Beratungsstellen, so dass auch die Eltern unterstützt werden in der schwierigen Situation, in der sie sind, wenn sie darauf nicht vorbereitet sind, dass ihr Kind geschlechtlich nicht zu den ... so binär zugeordnet werden kann, wie wir das gewöhnt sind.»

 

Damit wäre das Thema IGM offiziell auf der Agenda der 66. CAT-Session! Sprich nachdem es nun eine Frage gab, kann der Ausschuss auch in seinen "Abschließenden Bemerkungen" eine verbindliche Empfehlung dazu folgen lassen. Hoffen wir also auf eine weitere deutliche UNO-Rüge für Intersex-Genitalverstümmelungen an Deutschland nach Abschluss der Session – es wäre bereits die 4. für die BRD nach CAT (2011), CRPD (2015) und CEDAW (2017). Fortsetzung folgt ...

>>> Intersex-Schattenbericht CAT Deutschland 2019

>>> Vollständige Chronologie CAT Deutschland 2011-2019 (englisch)

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- CEDAW66 > Intersex-Genitalverstümmelungen: UNO-Ohrfeige für Deutschland!
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) verurteilt IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
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Sunday, April 28 2019

Intersex-Genitalverstümmelungen in Deutschland: Schattenbericht an UN-Ausschuss gegen Folter (CAT)

Foto: Intersex-Proteste + Offener Brief gegen "6. JA-PED" und "Virchow-Klinikum" der "Charité", Berlin 11.11.2011

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2019-CAT-Germany-NGO-Intersex-StopIGM

Nächste Woche wird Deutschland in Genf vom UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) geprüft mit Live-Übertragung auf webtv.u.org: Mo 29.4. 10-13h + Di 30.4. 15-18h.
Der Ausschuss hatte bereits 2011 Deutschland wegen Intersex-Genitalverstümmelungen unmissverständlich gerügt und explizit dazu verpflichtet, “Rechtsvorschriften zu erlassen, die den Opfern solcher Behandlungen Rechtsschutzmöglichkeiten, einschließlich angemessener Entschädigungen, gewähren”.

Ein thematischer Intersex-Schattenbericht von Zwischengeschlecht.org / StopIGM.org (englisch, PDF) dokumentiert klare Beweise für unveränderte IGM-Praktiken in Deutschland (S. 32-35) und zeigt, dass es trotz wiederholter Versprechungen der Regierung immer noch keinen Rechtsschutz für gefährdete Intersex-Kinder gibt (S. 14-16, 21-22) sowie ebenfalls unverändert keine Rechtsmittel und Gerechtigkeit für IGM-Überlebende (S. 22-23, 27-31), was in eklatantem Widerspruch zu den verbindlichen CAT-Empfehlungen für Deutschland steht.

Weiter dokumentiert der Bericht aktuelle Entwicklungen, die im Staatenbericht fehlten, darunter

  • Interministerielle Arbeitsgruppe zu Intersexualität und Transsexualität erklärt, bei IGM "kann der Tatbestand der Körperverletzung vorliegen", "die Frage nach einem klarstellenden OP-Verbot [...] [drängt sich] auf" (S. 18)
  • Koalitionsvertrag verspricht gesetzliches Verbot von IGM (S. 19)
  • UN-CCPR untersucht uneingewilligte, nicht-dringende Operationen und weitere Eingriffe an Intersex-Kindern, insbesondere den Stand betreffend eines "Verbot[s] solcher Eingriffe" und "Hindernisse beim Zugang zur Justiz", einschließlich der "Verjährungsfristen" (S. 19)
  • UN-CESCR64: Deutschland verspricht "Gesetzesvorhaben" für ein IGM-Verbot (S. 19)
  • Justizministerin verspricht "schnellstmöglich eine klarstellende gesetzliche Regelung" um "[d]iese Praxis [...] [zu] beenden" (S. 20)
  • Sozialgericht: Nicht-eingewilligte, unnötige Klitoris-Totalamputation an Intersex-Kind = rechtmäßiger "ärztliche[r] Eingriff" nach dem "Stand der Wissenschaft", der "also dem Wohl des Patienten diene" (S. 20)

Dieser Blog wird nächste Woche live aus Genf berichten. Wir hoffen auf konkrete Fragen zu Intersex-Genitalverstümmelungen durch den Ausschuss, und nach der Session auf eine weitere unmissverständliche UN-Rüge für Deutschland! Fortsetzung folgt ...

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- CEDAW66 > Intersex-Genitalverstümmelungen: UNO-Ohrfeige für Deutschland!
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) verurteilt IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
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     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
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Saturday, April 27 2019

UPDATE! D > 3.-Geschlechtsbescheinigungen für Transsexuelle widerrechtlich - Intersex-Anträge deutlich in der Minderheit

Nachtrag 6: Jetzt auch im Spiegel: "Transsexuelle nutzen Gesetzeslücke"
Nachträge 3-5 (siehe unten): Bereits jetzt nehmen deutlich mehr Transsexuelle und Transgender den "3. Geschlecht"-Artikel § 45b PStG widerrechtlich in Anspruch (als Intersex-Menschen, für welche § 45b PStG offiziell (angeblich) eingeführt wurde) ...

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Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine AussöhnungDas Ärzteblatt berichtet darüber, wie Transsexuelle sich mit Gefälligkeitsgutachten widerrechtlich einen "3. Geschlechtseintrag" erschleichen (plus im selben Aufwasch auch noch eine Namensänderung). Aufgerufen zu solchem widerrechtlichen Verhalten hatte der Lesben- und Schwulenverband LSVD (dieser Blog berichtete).

Nun endlich hat das Bundesinnenministerium (BMI) laut Ärzteblatt klargestellt, dass zumindest diese Form der andauernden Vereinnahmungen von Intersex-Menschen durch Transsexuelle, LGBTs und Gender-EnthusiastInnen nicht nur unsolidarisch und daneben ist, sondern auch klar widerrechtlich:

“Ärzte dürfen nur Intersexuellen eine Bescheinigung zur Änderung ihres Eintrages im Geburtenregister ausstellen. Die entsprechende neue gesetzliche Regelung gilt nicht für Transsexuelle. Darauf hat jetzt das Bundesinnenministerium (BMI) hingewiesen. Hin­tergrund sind offenbar vermehrt fälschlich ausgestellte Bescheinigungen von Ärzten.”

Vielsagend auch die Kommentare unter dem Ärzteblatt-Artikel, worin einige VereinnahmerInnen ihre Uneinsichtigkeit noch lauthals demonstrieren ...

Nachtrag 1: Auch queer.de berichtete:

“[BMI-]Sprecher: "Es ist eindeutig, dass die in Kraft getretene Neuregelung ausdrücklich nicht für transsexuelle Menschen gilt. Transsexuelle haben nämlich ein eindeutiges biologisches Geschlecht, fühlen sich aber nicht dem Geschlecht zugehörig, das bei der Geburt im Geburtenregister eingetragen wurde. Für transsexuelle Menschen sind nach wie vor die Regeln des Transsexuellengesetzes maßgeblich. Daher gibt es für sie auch keine Regelungslücke."

Sollte ein Arzt eine falsche Bescheinigung ausfüllen, sei dies eine Straftat: "Für die Richtigkeit dieser Bescheinigung ist der Arzt verantwortlich." Werde die Bescheinigung einer nicht intergeschlechtichen Person ausgestellt, "kann dies unter Umständen den Tatbestand des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse nach § 278 des Strafgesetzbuches erfüllen", so der Sprecher.”

Und auch bei queer.de finden sich die üblichen selbstentlarvenden Kommentare ...

Nachtrag 2: Sowie zusätzlich ein Hinweis, dass das widerrechtliche Erschleichen des "3. Eintrags" durch Trans-Menschen wohl nur die Spitze des Vereinnahmungs-Eisbergs unter § 45b PStG darstellt (Kommentar #23):

“Ich weiß ganz sicher, dass schon wesentlich mehr trans* Menschen das Gesetz in Anspruch genommen haben. Die Zahlen aus dem Artikel beziehen sich nur darauf, wer die Option "divers" gewählt hat - es gibt aber einige, die mit dem Gesetz ihren Antrag zu "männlich" oder "weiblich" geändert haben.” 

Nachtrag 3: Die obige These – dass wesentlich mehr Transsexuelle und Transgender als bisher angenommen missbräuchlicherweise eine Namens- und/oder Geschlechtseintragsänderung nach § 45b PStG vornehmen ließen, weil namentlich Transsexuelle (im Gegensatz zu Transgendern) weniger eine Änderung nach "divers" anstreben, sondern vielmehr nach "m" oder "w" + Vornamensänderung – wird durch neue Zahlen aus SN, ST, TH in einer dpa-Recherche vom 16.04.2019 deutlich bestätigt:

   Sachsen + Sachsen-Anhalt + Thüringen: § 45b PStG-Anträge insgesamt
   Anträge nach "divers": Total 4
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": Total 28

Eine zusätzliche Aufschlüsselung auch nach "m" und "w" gab es nur für die 13 "m" oder "w"-Anträge in Leipzig (von insgesamt 28 in SN, ST, TH):

   Leipzig: § 45b PStG-Anträge aufgeschlüsselt
   Anträge nach "divers": 2
   Anträge nach "weiblich": 4
   Anträge nach "männlich": 9

(Zu Vornamensänderungen enthält der dpa-Artikel keinerlei Angaben.)

Somit wird nach 3 Monaten § 45b PStG und "3. Geschlecht" offensichtlich, dass es NICHT Intersex-Menschen sind, deren Hauptproblem es ist, im "falschen Geschlechtseintrag" zu leben oder "durch das Zweigeschlechtersystem diskriminiert" zu werden, und die deshalb angeblich § 45b PStG "dringend benötigen" und rege in Anspruch nehmen (wie u.a. vorgängig irreführend behauptet wurde) – sondern dass es (wenig überraschend) hautsächlich Transsexuelle und Transgender sind, welche sich für die neue Regelung begeistern und nun widerrechtlich davon Gebrauch machen, mit gütiger Billigung von Bundesregierung, Bundestag, LSVD, etc.

Und das alles, während weiterhin in Deutschland offiziell jeden Tag 5-6 wehrlose Intersex-Kinder irreversibel genitalverstümmelt werden – ebenfalls mit gütiger Billigung derselben HeuchlerInnen!

Nachtrag 4:
Auch in einem Artikel auf siegessaeule.de vom 17.04.2019 finden sich selbstentlarvende Trans-Vereinnahmungen im Multipack, so dass Uneingeweihte schon bald mal den falschen Schluss ziehen könnten, die Forderung der Kampagne für eine "3. Option" hätte seinerzeit einen zusätzlichen Eintrag "trans oder divers" gefordert (zur Erinnerung: tatsächlich lautete die ursprünglich Forderung aber nach einem Eintrag für "inter", weil Intersex-Menschen sowas angeblich ganz dringend benötigen und alle nur darauf warten würden, endlich einen solchen beantragen zu können):

U.a. wird allen Ernstes argumentiert, einerseits sei "Varianten der Geschlechtsentwicklung" laut Definition der "Konsensuskonferenz in Chicago 2005" seit jeher angeblich eindeutig eine Trans-Diagnose kraft medizynischer Autorität: "Die Entscheidung, was eine „Variante der Geschlechtsentwicklung“ ist, obliege der Auslegung der jeweils behandelnden Ärzt*innen, befinden [Trans-]Communityverbände wie die dgti."

Andrerseits sei laut Jerzy Szczesny, Grünen-Referent für Antidiskriminierungs- und Gesellschaftspolitik, die "Definition nach der Chicago-Konferenz von 2005" sei "eine veraltete wissenschaftliche Definition",  Bezug genommen, laut "aktuelle[m] Forschungsstand" gehe es aber bei "Varianten der Geschlechtsentwicklung" dagegen nicht mehr nur Intersex, sondern vielmehr um "Geschlechtsidentität", so dass Transgender, Transidentität und  Transsexualität juristisch angeblich ebenfalls eine "Variante der Geschlechtsenwicklung" darstellen würden, weshalb ÄrztInnen laut Szczesny auch in Fällen ohne biologischen biologischen Hintergrund problemlos allein "aufgrund von Selbstauskunft ein entsprechendes Attest ausstellen" sollen: „Daher kann eine Person behaupten, bei ihr liege eine Variante der Geschlechtsentwicklung vor – und ein Arzt hat keine Instrumente, um das zu überprüfen“ – was laut siegessaeule.de "eine enorme Verbesserung gerade für trans* Personen bedeutet".

Tja, wenn da nur das pöse, pöse BMI nicht wäre:

"Anträge werden bereits abgewiesen

SIEGESSÄULE ist ein Fall vom Dienstag bekannt, bei dem eine Antragstellerin, die ihren Personenstand von „männlich“ auf „weiblich“ ändern lassen wollte, von einem Berliner Standesamt abgewiesen wurde. Die Beamt*innen hätten ihr empfohlen, sich direkt an das Amtsgericht zu wenden. Der dgti liegen aus Hessen schon einige Anträge vor, die auf Eis liegen. In Rheinland-Pfalz wurde ein Fall bereits an ein Amtsgericht weitergeleitet."

Ganz anders als bei den offiziell täglich 5-6 Genitalverstümmelungen an Intersex-Kindern, wo die Grünen (abgesehen von vagen Lippenbekenntnissen alle paar Schaltjahre wieder) seit jeher tatenlos zu- oder gar vereinnahmend wegschauen (und zwar ganz egal ob als Teil der Regierung oder in der Opposition), steht die Grünen-Fraktion hingegen beim Personenstand "Gewehr bei Fuß", so Sprecher Szczesny laut siegessaeule.de:

"Sollte das Ministerium weiterhin versuchen, eine Nutzung des Gesetzes zur „Dritten Option“ durch trans* Personen zu unterbinden, werde man reagieren [...] [und] mit verschiedenen parlamentarischen Instrumenten dagegen halten."

Nachtrag 5:
Der Queerspiegel-Newsletter des Tagesspiegel bringt Zahlen für Berlin, welche den bereits in SN, ST, TH beobachteten (siehe oben Nachtrag 3) Trend bestätigen:

   Berlin: § 45b PStG-Anträge insgesamt
   Anträge nach "divers": Total 10
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": Total 19

Eine Aufschlüsselung nach Bezirken:

   Neukölln
   Anträge nach "divers": 1
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 9

   Friedrichshain-Kreuzberg
   Anträge nach "divers": 1
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 8

   Reinickendorf
   Anträge nach "divers": 0
   Anträge nach "männlich oder "weiblich":

   Charlottenburg-Wilmersdorf
   Anträge nach "divers": 1
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 1

   Lichtenberg
   Anträge nach "divers": 2
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 0

   Pankow
   Anträge nach "divers": 2
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 0

   Marzahn-Hellersdorf
   Anträge nach "divers": 2
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 0

   Steglitz-Zehlendorf
   Anträge nach "divers": 1
   Anträge nach "männlich oder "weiblich": 0

Der Tagesspiegel weiter dazu:

"Offenbar nutzen also auch trans Menschen diesen Weg, was von Trans-Verbänden bestätigt wird. Vom Gesetzgeber war das so eigentlich nicht vorgesehen [...] Alles hängt daran, wie man die Attest-Formulierung "Variante der Geschlechtsentwicklung" interpretiert. Das Innenministerium bekräftigt, damit sei ausschließlich Intersexualität gemeint. [...] Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) hält diese enge Auslegung dagegen für verfassungswidrig. [...]

Und wer hätte es gedacht: Auch im Queerspiegel sind selbstentlarvende Vereinahmer*_/innen prominent vertreten, namentlich der LSVD, und die "Bundesvereinigung Trans* [...] hält wegen der Unklarheiten die entstandene Situation für "nicht hinnehmbar" - und fordert unverzügliche Reformen."

Nachtrag 6:
"Das Gesetz zum sogenannten dritten Geschlecht wird offenbar gegen die Absicht des Gesetzgebers von transsexuellen Personen genutzt, um ihre Geschlechtsangabe zu ändern", berichtete am 26.04.2019 nun auch der Spiegel unter dem Titel "Transsexuelle nutzen Gesetzeslücke" und nennt folgende Zahlen:

   BRD: § 45b PStG-Anträge aufgeschlüsselt
   Anträge nach "divers": 69 (laut tagesschau.de 9.5.33 laut Ärztezeitung 24.4.)
   Anträge nach "weiblich": 114
   Anträge nach "männlich": 106
   Anträge auf Vornamenswechsel: 355 (laut tagesschau.de 9.5.)

Sprich insgesamt 220 Anträge auf "m oder w" (bzw. etwa 250 laut tagesschau.de 9.5.) vs. 33 Anträge auf "divers" (bzw. 69(laut tagesschau.de 9.5.).

Supertypisch auch die Aussagen des Grünen-Abgeordneten Sven Lehmann, der die widerrechtliche Ausnutzung der "Gesetzeslücke" durch Transsexuelle noch begrüßt und dem BMI "Drohgebärden" vorwirft. Statt endlich Intersex-Genitalverstümmelungen strafrechtlich zu verbieten, geht's ihm mal wieder ausschließlich um das eine:

"'Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht hängt nicht allein von angeborenen Geschlechtsmerkmalen ab", sagte Lehmann dem SPIEGEL, 'sondern im Wesentlichen davon, welchem Geschlecht sich eine Person als zugehörig empfindet'. Er forderte außerdem, das Transsexuellengesetz endlich abzuschaffen."

Zur Erinnerung: Was nicht nur bei siegessaeule.de, Queerspiegel-Tagesspiegel, LSVD, den Grünen u.a.m. vor lauter Gender-, LGBT- und Geschlechtsidentitätskram planmäßig stets "unter dem Tisch" bleibt:

In Deutschland werden weiterhin offiziell jeden Tag 5-6 wehrlose Intersex-Kinder irreversibel genitalverstümmelt.

Mit gütiger Billigung u.a. (siehe oben Nachträge 3-5) derselben HeuchlerInnen, die nun fordern, als Nächstes müssten nun aber bloß ja nicht etwa die täglichen Intersex-Genitalverstümmelungen endlich verboten werden, sondern gefälligst stattdessen zuerst nochmals ein paar Legislaturperioden lang weiter am PStG (wahlweise auch TSG) geschraubt, "geforscht", "gefachtagt", "expertisiert", "geblubbert-blabbert-blibbert" usw. usf. (angeblich "alles für die Intersexuellen", die das angeblich "alle so dringend lebensnotwendig brauchen" – wie ja aktuell grad zu beobachten ist ...)

Vereinnahmung stinkt!!!

Wie lange noch?!

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Die Rede von der "psychischen Intersexualität" 
- Zwitter-Vereinnahmung: "Überschuss von Projektion" (Georg Klauda, 2002) 
- "Dritter Personenstand" als Allheilmittel gegen IGM? Denkste!
- IDAHIT*: Lasst uns über Intersex-Vereinnahmung reden
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- Warum Zwitterforderungen, worin es um "sexuelle Identität" geht statt um "Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung", keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung 
- Das Problem der Instrumentalisierung durch LGBTQ
- Mit der Hoffnung im Herzen
- Trans-Mensch Xander Dorn neu "Intersexuell" – Typisches Beispiel für die Folgen der Intersex-Vereinnahmung von "Dritte Option"
- Du sollst nicht die Leiden der Zwitter als Aufhänger und 'Material' für deine eigenen Forderungen und Kämpfe benutzen! 
- "Intersexualität" = "sexuelle Identität und Lebensweise"??! – Grüne VereinnahmerInnen immer noch nichts gelernt 
- Klaus Wowereit und Ole von Beust: Komplizen der Zwangsoperateure inszenieren sich als "Zwitter-Schützer"
- LSVD und Zwittervereinnahmung: 1 Schritt vor, 3 Schritte zurück? 
- Heute im Bundestag: Zwitter als Kanonenfutter für "sexuelle Identität" 
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: "Du sollst den Begriff 'intersexuell' nicht unnütz gebrauchen!" (I)
- Zwitter-Vereinnahmung im Bundestag: Business as usual (II)
- Geschlecht: Zwangsoperiert 
- Liminalis: Aus Transschändrien nix neues
- "Who killed David Reimer?"
- "Intersexualität" = sexuelle Orientierung?!
- Vereinnahmung von Zwittern: Das Transgender Netzwerk Berlin TGNB macht's vor ... 
- Zwitter als Kanonenfutter für die Transgenderagenda?
- Heinz-Jürgen Voß in "Liminalis" 3 (2009) – Zwitter-Vereinnahmung wie gehabt ... 
- QueerGrün missbrauchen Zwittersymbol für TSG-Kampagne
- Genitalverstümmelungen an Zwittern als "Nebenwiderspruch" des Zweigeschlechtersystems? (Von der Frauenbewegung lernen 2)

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