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Die "Apotheken Umschau" vom 1. Juni 2011 als durchwachsene Wundertüte zum Thema "Intersexualität":

Das Heft enthält ein 1-seitiges Editorial "Ihr Sohn ist ein Mädchen" von Chefredakteur Peter Kanzler sowie einen mit Inseraten auf 6 Seiten gestreckten Artikel "XY ungelöst" von Stefan Schweiger.

>>> Editorial + Artikel als Photo-PDF (2.3 MB) 

Die seinerzeitige Online-Ankündigung und der Artikel selbst beginnen so bescheuert wie nur möglich: "Manche Menschen können nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Für sie beginnt damit eine schwierige Suche nach der eigenen Identität."

Auch sonst wird kaum ein Fettnapf ausgelassen: Die unvermeidlichen Hertha Richter-Appelt, Claudia Wiesemann, Olaf Hiort und Paul-Martin Holterhus vom "Netzwerk DSD/Intersexualität" dürfen nach Lust und Laune verharmlosen, Zahlen schönbiegen und sich gar noch als "Kritiker" der "Behandlungen" aufspielen, die ihnen in Tat und Wahrheit ihr tägliches Brot liefern, während das "Ehepaar Kreuzer" nebst obligater wenn auch ausschliesslicher Kastrationskritik hauptsächlich altbekannte "Rollentauschspiele" zelebriert. Soweit, so gewöhnlich.

Dazwischen hat's jedoch immer mal wieder ein paar Knallbonbons, die tatsächlich etwas aus der Rolle fallen – allen voran das obige Titel-Zitat aus dem Editorial: "Und die 'Behandlung' von Intersexuellen zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Medizingeschichte" – das obendrein in leicht abgeschwächter Form als Zwischentitel prominent wiederholt wird:

Oder wenn Richter-Appelts blosse "Vermutung", dass eben doch auch heute noch operiert wird, die AWMF-Verstümmlerleitlinien 006/105 sowie 043/029 gegenüber gestellt werden: "Aus psychologischen Gründen sollte die kosmetische Korrektur des äußeren Genitale so früh wie möglich erfolgen, in der Regel innerhalb der ersten 6 Lebensmonate."

(Unerwähnt bleibt hingegen, dass auch an Richter Appelts Arbeitsplatz UKE noch unverdrossen wehrlose Kinder genitalverstümmelt werden.)

Oder wenn "EuroDSD"-Chefverstümmler Olaf Hiort unbekümmert zu Protokoll gibt: "Die meisten Fälle, bei denen eine geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wird, sind medizinisch keine Notfälle" – und die "Apotheken-Umschau" das wiederum verwässert gleich als Bildaufhänger prominent wiederholt:


(Ebenfalls unerwähnt bleibt hingegen Hiorts berühmte Aussage vor der Bürgerschaft Hamburg (Wortprotokoll PDF --> S. 40): "Es gibt keine Qualitätskontrolle, und alleine in Hamburg würde ich drei oder vier Krankenhäuser benennen können, die solche Operationen durchführen oder durchgeführt haben. " Oder sein Eingeständnis, dass in Kinderkliniken ein Vielfaches mehr an wehrlosen Kindern verstümmelt wurden und werden, als die z.B. gegenüber der Bundesregierung deklarierten "schweren Fälle" bzw. "8.000 bis 10.000 Intersexuelle" in Deutschland.)

Ok, ok, es ist alles nach wie vor ein weiter Weg, und die heutige Medizynergeneration wird es wohl nie wirklich lernen und schon gar nicht freiwillig – aber eine immer breitere Öffentlichkeit, die bewegt sich langsam doch ...

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"Unrecht der Medizinversuche anerkennen" - Oliver Tolmein (2009)