Europarat verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen!

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Zwischengeschlecht.org on FacebookHipp, hipp! Am 01.10.2013 beschloss
der Europarat in Straßburg (COE) – nicht zu verwechseln mit der EU in Brüssel – an seiner 31. Sitzung mit großer Mehrheit die >>> Resolution 1952 (2013) "Children’s right to physical integrity" (PDF) ("Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit") (78 Ja, 13 Nein, 15 Enthaltungen).

Darin werden auch Intersex-Genitalverstümmelungen unmissverständlich kritisiertKEIN Geschlechter-Sexologen-Gedöns, sondern menschenrechtlich sinnvolle, klare Unterscheidung zwischen medizinisch notwendigen vs. kosmetischen Eingriffen, inkl. Forderung nach gesetzgeberischen Maßnahmen, nach dem Vorbild der Schweizerischen Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE) und des UN-Sonderberichterstatters über Folter. Auch Zwischengeschlecht.org hatte dazu Europarats-Mitglieder mit Fakten versorgt. Herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

Nachfolgend die wichtigsten Passagen im Wortlaut (Übersetzung und Hervorhebungen durch Zwischengeschlecht.info):

"[...] 2. Die Parlamentarische Versammlung [des Europarates] ist besonders beunruhigt über eine Kategorie von Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit von Kindern, welche Befürworter dieser Maßnahmen als dem Wohl dieser Kinder zuträglich zu bezeichnen tendieren, trotz klarer Beweise für das Gegenteil. Dies beinhaltet unter anderem weibliche Genitalverstümmelung, die Beschneidung von jungen Knaben aus religiösen Gründen, medizinische Eingriffe während der frühen Kindheit bei Intersex-Kindern sowie Unterwerfung oder Nötigung von Kindern zu Piercings, Tätowierungen oder Schönheitsoperationen.

[...]

6. Die Versammlung empfiehlt mit Nachdruck, dass Mitgliedstaaten in der Gesellschaft das Bewusstsein fördern über potenzielle Risiken von einigen der oben erwähnten Prozeduren auf die körperliche und geistige Gesundheit der Kinder, und gesetzgeberische und politische Maßnahmen ergreifen, um den Schutz der Kinder in diesem Kontext zu verstärken.

[...]

7. Die Versammlung ruft deshalb die Mitgliederstaaten dazu auf:

7.1. die Verbreitung verschiedener Kategorien von medizinisch nicht gerechtfertigten Operationen und Eingriffen, welche Auswirkungen haben auf die körperliche Unversehrtheit von Kindern, innerhalb ihrer Länder zu untersuchen, und sie sorgfältig im Licht der besten Interessen des Kindes zu beurteilen, um spezifische Vorgehensweisen für jede Kategorie zu bestimmen;

7.2. Initiierung von zielgerichteteten Bewusstseinsbildungsmaßnahmen für jede Kategorie von Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit von Kindern [...] im Gesundheitswesen (Spitäler und einzelne Ärzte) [...];

[...]

7.4. Initiierung einer öffentlichen Debatte [...], um einen breiten Konsens über die Rechte von Kindern auf Schutz gegen Verletzungen ihrer körperlichen Unversehrtheit entsprechend den Menschenrechtsnormen zu erreichen;

[...]

7.5. folgende Maßnahmen ergreifen für spezifische Kategorien von Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit von Kindern:

7.5.3. weitere Forschung, um das Wissen über die spezifische Situation von Intersex-Menschen zu verbessern; sicherstellen, dass niemand im Kindesalter unnötigen medizinischen oder chirurgischen Behandlungen unterworfen wird, die kosmetisch sind, statt gesundheitlich lebenswichtig; körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung für Betroffene garantieren; Familien mit Intersex-Kindern angemessene Beratung und Unterstützung zukommen zu lassen.

[...]

7.7. die Bewusstseinsbildung voranzutreiben bezüglich der Notwendigkeit, die Partizipation von Kindern bei Entscheidungen, die ihre körperliche Unversehrtheit betreffen, sicherzustellen wo immer dies angemessen und notwendig ist, und gesetzliche Bestimmungen zu verabschieden, um sicherzustellen, dass gewisse Operationen und Praktiken nicht durchgeführt werden, bevor ein Kind alt genug ist, um mitreden zu können."

(Dank an NetzwerkB für den Hinweis!)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> UN-Sonderberichterstatter über Folter verurteilt "genitale Zwangsoperationen"
>>> Dokumentation "Intersex Genital Mutilations" (PDF, 2.4 MB)   [ TRIGGER!!! ]

Comments

1. On Saturday, October 5 2013, 21:37 by Heinz-Jürgen Voß

Ich finde das Dokument ganz schlecht - und es ist zum Glück noch nicht beschlossen. Ich möchte nur auf die Relativierungen hinweisen: Die furchtbare Gewalt gegen Inters* wird hier etwa mit einem Piercing gleichgesetzt...

2. On Tuesday, October 8 2013, 14:11 by seelenlos

im dokument geht's um verstösse gegen das menschenrecht auf körperliche unversehrtheit bei kindern, warum soll da "Nötigung von Kindern zu Piercings, Tätowierungen oder Schönheitsoperationen" nicht auch mit diskutiert werden? fgm ist ja auch drin.

der intersex-part wurde bisher von allen betroffenenorganisationen begrüsst. spezifische kritik hast du da ja auch keine?