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Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert

Nella hat inzwischen im Namen von Intersexuelle Menschen e.V. Prof. Olaf Hiort und das "Netzwerk DSD" betreffend der geplanten "Klinische[n] Studie zur Testosteronsubstitution bei kompletter Androgenresistenz" in einer >>> offiziellen Stellungnahme (auch) zu praktischem Handeln aufgefordert zugunsten aller Zwangskastrierten, die eine adäquate Hormonersatztherapie nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen müssen:

[...] Es ist mehr als unwürdig, dass zwangskastrierte Zwitter sich mit Ärzten und Krankenkassen herumschlagen müssen, weil Testosteronsubstitution bei XY-chromosomalen Intersexuellen, die als "Frau" leben, als Off Label-Use gilt. Faktisch sind wir der Willkür bzw. dem Wohlmeinen oder gar Mitleid der uns jeweils behandelnden ÄrztInnen ausgeliefert.

Wir wollen aber kein Wohlmeinen oder Mitleid, sondern unser gutes Recht! [...] Nicht umsonst fordert Intersexuelle Menschen e.V. [...] "Evaluierung von Wirkungen und Machbarkeit der verschiedenen Hormonersatztherapien nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Menschen (Testosteron, Östrogen oder beides)" für alle Betroffenen. [...]

Was ausserdem bei Ihrer Argumentation für die geplante Studie aus unserer Sicht sehr stört, ist die Unterschlagung der Tatsache, dass es sich auch bei der Östrogen-HET um einen Off Label-Use handelt. [...] Diese scheinheilige Ungleichbehandlung ist klar entwürdigend und diskriminierend.

Leider hatte es es das Netzwerk meines Wissens nach in all den vergangenen Jahren versäumt, uns von uneingewilligten Kastrationen betroffene Menschen konkret dabei zu unterstützen, damit wir, mit welcher Diagnose auch immer, unsere Hormonersatztherapie frei wählen und anstandslos bezahlt kriegen. Als offizielle Fachstelle für Intersexualität hätten Sie uns und unseren Bedürfnissen mehr als einmal Gehör verschaffen und sich für sie stark machen können. Oder habe ich etwas verpasst? An Rückmeldungen aus Betroffenenseite hat es – wie Ihre Mail zeigt – wohl kaum gemangelt.

Wenn es Ihnen Ernst ist mit dem Ziel der geplanten Studie, "XY-Frauen" eine von der Krankenkasse anerkannte Testosteronsubstitution zu ermöglichen, bitte ich Sie deshalb dringend, zusätzlich auch andere Möglichkeiten nach Kräften zu verfolgen.

Und um konkrete Unterstützung bei einem Vorschlag, der dieselben Ziele hat:

  • Menschen mit CAIS (und andere XY-chromosomale Zwitter), die eine HET mit Testosteron wünschen oder neu auf eine solche umstellen möchten, sollen bei Ihren Kontakten mit ÄrztInnen, Krankenkassen und Apotheken mit einem in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk herausgegeben Infoblatt unterstützt werden. Darin ist kurz und knapp der aktuelle Wissensstand betreffend Hormonersatztherapien bei xy-chromosomalen Intersexuellen festgehalten. Das Netzwerk bestimmt zudem eine Ansprechperson, die ihren Namen und Kontaktdaten auf dieses Papier setzt, welche sich bereit erklärt, Betroffene bei Problemen mit der Testosteronsubstitution zu unterstützen. Mit diesem Infoblatt können Betroffen bei Bedarf ihre Ärzte auffordern, diesen Experten des Netzwerks zu kontaktieren und sich zu informieren. 
  • Dieses Infoblatt soll betroffenen zwischengeschlechtlichen XY-Menschen konkret helfen, auf Wunsch eine von der Krankenkasse bezahlte HET mit Testosteron zu ermöglichen, Ärzte dazu zu verpflichten, entsprechende Rezepte auszustellen und eine bedingungslose Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse einzufordern. Das Netzwerk könnte so konkret zur Beendigung der aktuellen unwürdigen Situation helfen, ohne dass zuerst etwa völkerrechtliche oder juristische Instanzen bemüht werden müssten. 

>>> Das vollständige Schreiben ans "Netzwerk DSD"

Siehe auch:
- "Netzwerk DSD" plant Testostudie für Zwangskastrierte mit CAIS
- Ersatzhormone für Zwangskastrierte auf Kasse! "Netzwerk DSD" zum Handeln aufgefordert
- PRESSEMITTEILUNG: Zwangskastrierte Zwitter müssen Ersatzhormone selber bezahlen
- Testo-Studie: Doch keine Placebos

Comments

1. On Thursday 2 April 2009, 14:36 by Chappi

Diese Studie ist aus meiner Sicht ein Witz. Wieder spielen sich Ärzte als Götter auf, dabei ist es schon länger möglich Testosteron auf Kassenrezept zu erhalten, wenn die Diagnose E 29.1 oder ähnlich lautet.

Auch dass einige Medizyner gerne noch Privatrezepte ausstellen, um deren Budget zu schonen finde ich mehr als krass.

Herr Hiort ist nicht Gott, was er sagt, stimmt nicht in allen Fällen, ich persönlich weiss, dass er sich schon oft geirrt hat.

Diese angebliche Studie ist skandalös und menschenunwürdig, da sie unter falschen Voraussetzungen noch halbwegs gesunde Menschen krank machen kann.

Andrea

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