Die Menschenrechtsexpertin Marion Böker hat auf ihrer Kalenderseite (--> Eintrag zum 23.6.10) beim Hinweis auf die Ethikrat-Veranstaltung vom nächsten Mittwoch in Berlin folgende solidarische Anmerkung publiziert:

Im Zuge dieser Debatte im Ethikrat ist darauf hinzuweisen, dass die Bundesregierung Genitalverstümmelungen bzw. kosmetischen Genitaloperationen an Kindern mit "uneindeutigen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen (sogenannte Zwitter / Hermaphroditen / Intersexuelle) in der ganzen Diskussion nicht mitaufgenommen hat. Es geht dabei um massive Verstöße gegen körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Trotz der CEDAW-Sitzung 2/2010 und dem CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern, die durch die Beschneidungen mehrheitlich zu "eindeutigen Frauen" zurechtgestutzt werden sollen, sowie mit der anschließenden Rüge des CEDAW-Ausschusses an die Bundesregierung, hat die Bundesregierung noch nicht gehandelt.

Hier finden Sie den CEDAW-Schattenbericht auch zum Thema kosmetische Genitaloperationen und weitere medizinisch nicht notwendige Zwangsbehandlungen an Zwitterkindern [PDF]

Wir sagen Dankeschön! Und hoffen, dass sich noch mehr solidarische Nicht-Zwitter tatkräftig dafür einsetzen werden, dass das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit endlich auch für Zwitterkinder durchgesetzt wird – von selbst wird das leider nicht kommen ...

Siehe auch:
- Genitalverstümmelungen an Zwittern: Aufruf zur Solidarität
- Zwangsoperationen an Zwittern: Bundesregierung beugt Grundgesetz Art. 2 (Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit)
- "Genitalverstümmelung ein afrikanisches Problem?" 
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung (Lightfoot-Klein: "Der Beschneidungsskandal")
- Genf: UNO mahnt Bundesregierung
- CEDAW: Schriftliche Empfehlungen an die Bundesregierung
- Intersex-Schattenbericht online und als Download