Nachfolgend eine inoffizielle Übersetzung der verbindlichen CRC-Empfehlungen zu Intersex und IGM-Praktiken (Abs. 42-42, S. 8-9):

Gewalt gegen Kinder (Art. 19, 24, Abs.3, 28, Abs. 2, 34, 37 (a) und 39)

[…]

Schädliche Praktiken

42.    Während der Ausschuss die Einführung eines neuen Artikels im Strafgesetz begrüsst, der Genitalverstümmelung verbietet, ist es zutiefst besorgt über:

[…]

(b)    Fälle von medizinisch nicht notwendigen chirurgischen und anderen Prozeduren an Intersex-Kindern ohne deren informierte Einwilligung, die oft irreversible Konsequenzen nach sich ziehen und schweres körperliche und seelisches Leiden verursachen können, sowie über den Mangel an Rechtsmitteln und Entschädigung in diesen Fällen.  

43.    Der Ausschuss macht den Vertragsstaat aufmerksam auf den Gemeinsamen Allgemeinen Kommentar Nr. 18 zu schädlichen Praktiken (2014), gemeinsam mit dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau, und mahnt den Vertragsstaat:

[…]

(b)    In Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission sicherzustellen, dass niemand während der Kindheit oder Jugend unnötigen medizinischen oder chirurgischen Behandlungen unterzogen wird, körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung für betroffene Kinder zu garantieren, und Familien mit Intersex-Kindern angemessene Beratung und Unterstützung zur Verfügung zu stellen.

Daniela Truffer, Gründungsmitglied von Zwischengeschlecht.org, und selbst mehrfach Betroffene von IGM-Praktiken:

"Heute ist ein guter Tag für Intersex-Kinder überall! Zum ersten Mal überhaupt hat der UN-Kinderrechtsausschuss offiziell Stellung bezogen. Damit fordern nun schon 13 UN-Gremien sowie der Europarat gesetzgeberische Massnahmen gegen die barbarischen Praktiken in unseren Kinderkliniken, wo immer noch täglich Neugeborene mit Varianten der Geschlechtsanatomie irreversibel verstümmelt werden.

Die Empfehlungen der Nationalen Ethikkommission von 2012 sind von Intersex-Organisationen weltweit als Durchbruch gefeiert worden. Nur weigert sich die Schweiz bis heute, sie auch umzusetzen. Letzte Woche behauptete die Staatendelegation in Genf gar unbeirrt, menschenrechtswidrige Genitalverstümmelungen an Intersex-Kindern seien aus psychosozialen Gründen schon in Ordnung. Würde den verantwortlichen Politikern zur Abwechslung mal an den eigenen Genitalien uneingewilligt etwas herumgeschnipselt, hätten es Zwitterkinder in der Schweiz bestimmt längst besser."

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüsse

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
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>>> UN-Ausschuss kritisiert Genital-OPs an Intersex-Kindern als "schädliche Praxis"
>>> Transkript 68. Sitzung CRC: Fragen und Antworten zu Intersex, Genf 2015

2014 NGO Report an das UN-Kinderrechtskomitee
Belegt 17 gebräuchliche IGM-Formen und NS-Verbrechen in CH, D, A
Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children With Variations Of Sex Anatomy
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IGM on a Global Scale: 2015 Briefing for UN-CRC
• IGM: A Survivor's Perspective • Intersex Movement History
• What are IGM Practices? • What are Variations of Sex Anatomy?
• IGM and Human Rights • Conclusion: IGM as a Harmful Practice
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