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UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) befragt Chile zu IGM-Praktiken

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Zwischengeschlecht.org on FacebookNach seiner bahnbrechenden diesjährigen Einstufung von IGM als schädliche Praxis hat der UN-Kinderrechtsausschuss das Thema letzte Woche während der Staatenüberprüfung Chiles erneut aufgegriffen.

Diese Entwicklung ist umso willkommener, als der Staatenbericht Intersex gar nicht erwähnte, und auch ein >>> 7-seitiger NGO-Bericht "Situation of Trans and Intersex Children in Chile" (PDF, englisch) von Observatorio de Derechos Humanos – Chile (Andrés Rivera Duarte) und International Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) IGM-Praktiken nur kurz innerhalb eines Satzes anschnitt (Übersetzung und Hervorhebung durch diesem Blog):

Mangelnder Schutz von Intersex-Kindern
Intersex-Kinder (die mit beiden stereotypischen “männlichen” und “weiblichen” anatomischen Merkmalen geboren werden, oder deren äußere Genitalien von Medizinern als “uneindeutig” eingestuft werden) haben in Chile keinen gesetzlichen Schutz. Mediziner bestimmen willkürlich ob Intersex-Kinder unnötigen und irreversible Operationen unterzogen werden um “normalen” männlichen oder weiblichen Körpern ähnlich zu sehen.
(S. 5)

Leider versäumte es der NGO-Bericht die bestehende Praxis in Chile zu dokumentieren, obwohl nur schon eine oberflächliche Internetsuche fürs erste genügend Beweismaterial geliefert hätte für die 3 häufigsten Prozeduren, d.h. IGM 1: "Hypospadiekrorrektur" (eins (englisch) / zwei --> poster 29 (spanisch) / drei (englisch)); IGM 2: "Verweiblichende Genitalkorrekturen" (PDF (englisch)); IGM 3: Kastration oder "Gonadektomie" (eins (englisch) / PDF (spanisch)).

Glücklicherweise griff der Ausschuss – offenbar sensibilisiert durch die kürzliche Behandlung – trotzdem IGM-Praktiken in seiner >>> List of Issues (LOI) mit Fragen an die Chilenische Regierung (englisch) auf (meine Übersetzung):

8.  [...] Bitte geben Sie Auskunft über ergriffene Maßnahmen zur Sicherstellung des Schutzes von Intersex-Kindern vor unnötigen Operationen ohne ihre Einwilligung. (Abs. 8)

Wenig überraschend war die >>> Antwort der Chilenischen Regierung (PDF, spanisch) ausweichend (meine Übersetzung):

19.  In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Fachgesellschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen haben wir begonnen, Protokolle zur Gesundheit von Intersex-Kindern auszuarbeiten, welche Schritte und Verfahren für Gesundheitsanbieter schaffen, mit deren Rechten im Fokus. (Abs. 19)

Verdankenswerterweise scheint sich der Ausschuss bisher nicht von solch vagen, unverbindlichen Übertreibungen blenden zu lassen. Sondern Jorge Cardona Llorens, Ausschuss-Experte und Länder-Ko-Rapporteur für Chile, wiederholte die Frage ausdrücklich während der Staatenüberprüfung am 24.-25. September, wie eine >>> UN-Nachrichtenmeldung dokumentiert (Hervorhebung im Original, meine Übersetzung):

Eine weitere Frage betraf vom Vertragsstaat ergriffene Maßnahmen zur Sicherstellung des Schutzes von Intersex-Kindern vor unnötigen Operationen ohne ihre Einwilligung.

Die Tatsache, dass die UN-Meldung keine Antwort zu dieser spezifischen Frage erwähnt könnte nicht zum 1. Mal darauf hindeuten, dass der Vertragsstaat während der Anhörung erneut ähnlich vage und inhaltslos antwortete wie zuvor ...

Wir hoffen deshalb auf deutliche Abschließende Bemerkungen des Kinderrechtsausschusses zu IGM-Praktiken in Chile, die am 2. Oktober veröffentlicht werden.

Siehe auch:
- "Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-CRC verurteilt Intersex-Genitalverstümmelungen
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)