Kurze Geschichte der Zwittervereinnahmung: Ulrichs - Krafft-Ebing - Hirschfeld - Money - Butler - "hirnorganische Intersexualität"
By seelenlos on Friday 9 May 2008, 01:33 - Die Mediziner - Permalink
ulrichs
mag lange tot sein (wie hirschfeld und money inzwischen ja auch), aber seine
ideen (& strategien) leben munter weiter -- im guten wie im
schlechten:
karl heinrich ulrichs (1825-1895), "Vorkämpfer der Homosexuellen-Bewegung", hatte das undankbare
schicksal, in einer zeit zu leben, als homosexualität (noch) strafbar war. er
verlor seine stelle als gerichtsassessor und kriegte als anwalt generelles
berufsverbot. noch zu ulrichs lebzeiten hatten zwitter (noch) das privileg, mit
18 (als einzige menschen) selbst entscheiden
zu können, welches geschlecht sie wählen wollen, und damit einhergehend, ob sie
sich straffrei lieber mit männlein oder mit weiblein ins bett legten -- was
ulrichs als jurist zweifellos bewusst war. logisch fühlte sich ulrichs bald
einmal als "psychischer hermaphrodit" und predigte
diese idee für den rest seines lebens. logisch war dabei der wunsch der vater
des gedankens.
der psychiater richard von
krafft-ebing (1840-1902) suchte kontakt zu ulrichs und erforschte
dessen konzepte, indem er ulrichs vorspiegelte, er würde dessen bestrebungen
unterstützen. krafft-ebing befasste sich in seinem standardwerk "psychopathia
sexualis" (1886) ausführlich mit der "psychischen hermaphrodisie", und teilte
darin ulrichs standpunkt von der angeborenheit der homosexualität, erklärte sie
jedoch zugleich zu einer vererbten geisteskrankheit und legte damit den
grundstein zur pathologisierung von homosexualität usw. inkl. den heute noch
gängigen "umpolungstherapien". (eugen steinach, mit dem
hirschfeld in dieser beziehung zusammenarbeitete, versuchte dies schon in den
1920ern auf hormonellem wege durch einpflanzung von 'hetero-hoden'.)
magnus hirschfeld (1868-1935) griff einerseits wieder
direkt auf ulrichs zurück (dessen schriften er gekürzt neu herausgab) und
entwickelte daraus (und seiner behauptung, schwule seien "das dritte
geschlecht") sowie unter bezug auf krafft-ebing die "lehre von den sexuellen
zwischenstufen", in der er zwitter, schwule, transsexuelle, und den halben
"psychopathia sexualis"-katalog von krafft-ebing munter in einem grossen topf
durcheinanderrührte, und begründete damit die "church of sexology" überhaupt
inkl. "gendertheorie" -- letztlich ebenfalls als mittel zum zweck, um mit der
gleichen argumentation wie ulrichs, aber unter dem deckmantel der
"wissenschaft" gegen die kriminalisierung der homosexualität zu kämpfen.
zugleich begründete er die heute noch verbreitete anschauung des konglomerats
von lgbt-usw.
der sexologe john
money (1921-2006), der begründer des begriffs "gender", hat nach
dem krieg das meiste von hirschfeld ohne quellenangabe abgeschrieben, genau
gleich wie nochmals eine generation später die gender-theoretikerin
judith butler (*1956) von john money. john money
institutionalisierte die systematischen genitalverstümmelungen an zwittern
mittels gefälschter studienergebnisse und ist somit direkt mitverantwortlich
für die wohl schwerwiegensten medizynischen verbrechen seit dem 2. weltkrieg.
butler erhielt ihre erste professur folgerichtig an der johns hopkins
universität, wo bereits john moey wirkte, und propagiert weiter lautstark
money's kernthese "gender trumps sex", versucht
john money's verbrechen zu relativieren, und taucht bei
zwitter-vereinnahmenden transgendern prompt jedesmal in der literaturliste auf
...
transsexuelle leiden heute daran, "im falschen Körper geboren"
zu sein und müssen, um die ersehnte op auf krankenkasse zu bekommen, ein
jahrelanges behördliches und gutachterliches
spiessrutenlaufen absolvieren. neidvoll schauen sie auf die zwitter (bzw.
ihre idealvorstellung davon), die ops stattdessen "nachgeworfen" bekommen.
logisch enden sie bei einem konzept wie z.b. "hirnorganische bzw.
neuro-anatomische intersexualität" -- schliesslich hatte derselbe
trick mit dem "psychischen hermaphroditismus" ja schon mal bestens geklappt.
einmal mehr ist der wunsch der vater des gedankens -- auch auf medizynerseite,
würde eine offizielle anerkennung dieser theorie doch bestimmt das geschäft
ankurbeln. nur die psychologen & der amtsschimmel hätten keinen spass,
haben jedoch in sachen transsexualität nach wie vor die definitionsmacht.
deshalb wird das transsexuellengesetz bis auf den heutigen stets nur kosmetisch "reformiert". trotzdem sehen
mittlerweile offenbar sogar die psychiater das ende nahen – und haben bei in
der neusten version ihrer diagnosebibel ("dsm-v") prophylaktisch schon mal die
zwitter als "neue patientengruppe" integriert – die vereinnahmungskaskade
(georg
klauda) wird so oder so weiterlaufen ... (vgl. auch die aussage von vincent
guillot
hier)
die frage, ob z.b. bei der "hirnorganischen intersexualität" die experten der
"church of sexology" den trans-aktivisten folgen oder umgekehrt, gleicht für
mich der frage nach dem huhn oder dem ei -- oder auch der nach "nature" (d.h.
gene) oder "nurture" (d.h. erziehung). und zu letzterer gefällt mir immer noch
milton diamonds lösung am besten: "nature + nurture = interaction".
[ursprünglich publiziert im zerschossenen ime.v.-forum, 3. erweiterte fassung frühjahr 2011]
Siehe auch:
-
Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
-
Die Rede von der "psychischen Intersexualität"
-
Wie Dr. Magnus Hirschfeld einen Zwitter zwangsoperiert, um mit dem Erlös das
"Institut für Sexualwissenschaft" zu finanzieren
- "Who
killed David Reimer?" - Wie Judith Butler, Friedemann Pfäfflin und
Heinz-Jürgen Voss die medizinischen Verbrechen des John Money beschönigen und
Moneys Schuld stattdessen Milton Diamond und John Colapinto in die Schuhe
schieben wollen