Aussagen Schinegger

Schinegger zu der Behandlung, die ihm widerfahren: "Bei mir war es so, ich musste da sofort ein Schreiben unterzeichnen, wo ich aus persönlichen Gründen sofort zurücktrete, ja, (...) fertig, und dann bleib alleine!"

Jauch zur Wahrnehmung der Öffentlichkeit: Caster Semenya (...) ist sie wirklich eine Frau? Auch Erika Schinegger wurde Weltmeisterin. Heute lebt sie als Mann.
(...)

Die sieht gar nicht aus wie eine Frau, die spricht doch auch eher wie ein Mann, die hat auch irgendwie auch keine Taille und keinen Busen, die ist doch gar keine Frau.

Off: Was Erika Schinegger zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: eigentlich ist sie ein Mann.

Wird genannt: 1:5000

Schinegger: laut Untersuchung haben die Werte ergeben, dass ich doch eher auf die andere Seite tendiere, zu den Männern.

Off: Erika Schinegger ist entschlossen, sich zum richtigen Mann operieren zu lassen.

Die ersten Schritte als Mann ...

Schinegger (Tochter sei der Höhepunkt): ... weil das hat dann diese ganze Story dann beendet, dass aus der Erika ein richtiger Erik geworden ist, ein richtiger Mann.

"Der Mann, der mal Weltmeisterin war."

Schinegger zu Caster Semenya: "So kann keine Frau laufen." (lange Schritte)

Claudia Wiesemann: "Trotz eines vorliegenden Y-Chromosoms wird zunächst einmal ein Mensch geboren, der ausschaut, eher ausschaut wie ein Mädchen.
und auch deswegen in der regel wie ein mädchen aufgezogen wird. Es kann aber im körper, können noch männlichen gewebe vorhanden sein, zum beispiel auch teilweise funktionsfähige Hoden, und in der pubertät werden diese Hoden aktiv und produzieren Testosteron. Dann kann es zu einem Vermännlichungsschub kommen.

Günther Jauch und Claudia Wiesemann

Jauch: Frau Wiesemann, wir denken über Mann oder Frau, man macht diesen einfachen Geschlechtstest und dann weiss man es doch. Warum ist es nicht so einfach?

Wiesemann: Es gibt keinen einfachen Geschlechtstest. Dass wir Mann und Frau sind, das ist das Ergebnis eines Konzerts von verschiedensten Faktoren, das fängt bei den Genen an, dann müssen Keimdrüsen dazukommen, dann gibt es verschiedene Hormone, die auf unser Geschlecht einwirken, und nicht zuletzt fühlen wir uns auch noch in irgendeinem Geschlecht, wir fühlen uns als Mann oder als Frau. Und all das zusammen erst macht den typischen Mann und die typische Frau.

Jauch: Das heisst, wenn da zum Beispiel einzelne Instrumente falsch spielen, erkennt man trotzdem die Melodie und demzufolge kann man nicht sagen, wenn da irgendwas nicht stimmt, ist es entweder ganz klar Mann oder ganz klar Frau?

Wiesemann: Es lässt sich nicht so einfach, einfach in zwei Kategorien teilen. Und wir wissen inzwischen, dass es tatsächlich auch so etwas wie Intersexualität gibt, das heisst, Zustände, die sich weder dem einen Geschlecht noch dem anderen Geschlecht klar zuordnen lassen.

(...)

Jauch: Andererseits verstehe ich das, wenn ich zum Beispiel 800 Meter-Läuferin wäre, fände ich das natürlich unfair, wenn ich im Grunde immer gegen einen Mann antreten müsste und dementsprechend natürlich verlieren würde. Also muss der Sport nicht irgendwie die Möglichkeit finden, Männer und Frauen auseinanderzuhalten? 

Wiesemann: Ja, eigentlich schon, und er müsste natürlich Männer aus diesem Wettbewerb der Frauen ausschliessen, denn das wäre ja tatsächlich einfach ein unlauterer Vorteil. Wenn er es denn so genau könnte und da tritt nun das Problem auf. Es gibt eben eine Reihe von Übergangsformen und leider ist es so, dass der sogenannte Geschlechtstest, der über dreissig Jahre praktiziert, nämlich der reine Chromosomentest, der ist am allerwenigsten aussagefähig. Denn es gibt perfekte in Anführungszeichen "Frauen", die ein Y-Chromosom haben und die auch heute starten dürfen, nachdem man herausgefunden hat, dass sie überhaupt keinen Wettbewerbsvorteil haben.

Jauch: Das heisst, man muss sich damit abfinden, dass es Grauzonen gibt?

Wiesemann: Damit muss man sich tatsächlich abfinden und es müsste glaub ich insgesamt auch mehr Wissen darüber existieren, dass das so ist.

Jauch: Das heisst, wir sollten die südafrikanische Weltmeisterin in Ruhe lassen?

Wiesemann: Der Weltleichtathletikverband hat eine ganz klare Regelung, die sagt: es gibt ein paar Intersexualitätssyndrome, die sind unproblematisch, diese Frauen dürfen starten. Und dann gibt es einen gewissen Grauzonenbereich, darüber entscheidet ein Expertengremium im Einzelfall.

Jauch: Und warum sagt der Herr Diegel, er kann (...) nichts darüber sagen?

Wiesemann: Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich finde, das ist auch in hohem Grade unfair gegenüber Caster Semenya, denn sie sollte doch von diesem Weltverband ein eindeutiges Urteil hören. Wir haben natürlich kein Recht zu erfahren, was es für ein, falls es überhaupt ein Intersexualitätssyndrom ist, was es ist.