(Tja, und vor der nächsten Demo werd ich mir eine Mütze mehr Schönheitsschlaf gönnen, damit ich nicht ganz mehr so alt aussehe und etwas kohärenter artikuliere – öhm, hatt ich das nicht schon mal gesagt?)

STOP Genitalverstümmelung im Kinderspital!VIDEO-TRANSKRIPT von Nella

Seelenlos: "Wir protestieren hier gegen die Genitalverstümmelungen, die sie genau in diesem Spital hier auch machen, obwohl sie es immer abstreiten und nett tun. Und wir gehen da auch wieder einen offenen Brief überreichen, in dem wir alles auch genau belegen und kritisieren, dass das gegen die Menschenrechte verstösst und warum es ethisch nicht haltbar ist.
Auch das Kispi findet zwar mittlerweile, sie würden das nicht mehr wie früher tun, aber wir hörten auch schon von Eltern, es läuft nach wie vor genau gleich wie immer, sie werden unter Druck gesetzt, sie müssten unbedingt operieren und so. Sie sagen dann zuerst, man müsse ein Mädchen daraus machen, und wenn die Eltern das nicht wollen, dann finden sie: ja, wir können auch einen Buben daraus machen, wenn euch das lieber ist. Aber anscheinend muss einfach operiert werden. Das Kind werde unglücklich, wenn man nichts mache. Und zum Teil ist auch, also das ist jetzt nicht hier am Kispi, aber an anderen Orten drohen dann die Ärzte je nachdem auch den Eltern, dass ihnen das Fürsorgerecht entzogen werde, wenn sie es nicht operieren lassen. Und vielfach sind die Eltern halt auch überfordert, weil man es ja nicht so weiss, dass es das überhaupt gibt. Und dann kommen die Ärzte und finden: ja, eben, das ist krank, das ist schlimm, man muss etwas machen, obwohl es gar nicht gesundheitsgefährdend ist und es medizinisch eigentlich keinen Grund gibt, diese Operationen zu machen."

Daniela "Nella" Truffer: "Hallo, ich bin Daniela Truffer oder auch Nella. Ich bin Mitglied der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org. Ich bin als Zwitter geboren, also mit uneindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen. Wir protestieren heute da vor dem Ostschweizer Kinderspital. Wie auch in anderen Schweizer Spitälern und weltweit werden auch am Kinderspital in St. Gallen nach wie vor Kinder, die mit uneindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, massiv zwangsoperiert, also kosmetischen Genitaloperationen unterzogen, die nicht lebenserhaltend und medizinisch nicht indiziert sind, also rein kosmetischer Natur. Viele Kinder werden auch kastriert, man nimmt ihnen die gesunden, Hormone produzierenden Organe raus. Das Ziel ist, dass man diese Kinder, die uneindeutig, körperlich uneindeutig auf die Welt kommen, einem Geschlecht angleicht. Das wird wie gesagt immer noch gemacht. Dabei nimmt man in Kauf, dass das sexuelle Empfinden zerstört wird oder vermindert. Man nimmt massive gesundheitliche Schädigungen durch Kastrationen in Kauf. Wir haben heute einen offenen Brief überreicht respektive zwei, einen für die Kinderchirurgie und einen für die Pädiatrie/Jugendmedizin. Und in diesem Brief kritisieren wir auch das Kinderspital St. Gallen, Äusserungen oder Verlautbarungen auf Homepages, die solche Zwangsoperationen an Zwitterkindern propagieren. Und wir haben ein ganzes Argumentarium, Belege, auch von EthikerInnen, JuristInnen, Amnesty International, Terre des Femmes. Der offene Brief wird irgendwie immer länger, weil immer mehr Leute Stellung beziehen zu diesen massiven Menschenrechtsverletzungen an Zwittern."

[Zum Schluss des friedlichen Protestes kam eine Mitarbeitende des Ostschweizer Kinderspitals mit den Offenen Briefen in der Hand die Treppe herunter und beschwerte sich über die Aktion. Erst auf Nellas Frage hin, wer sie denn sei, stellte sie sich schliesslich vor:]

Dr. Daniela Marx-Berger: "Ich bin Oberärztin und habe Dienst heute ..."
Daniela "Nella" Truffer: "Ah, ok."
Dr. Daniela Marx-Berger: "... und hab gehört, dass der Besucherverkehr hier behindert wird, und wollte Sie deshalb bitten, dass hier zu unterlassen." 

>>> Infoseite zum Protest   >>> Pressemitteilung 2.2.11
>>> Der Offene Brief an das Ostschweizer Kinderspital
>>> Kispi-Chefarzt: "Genitalverstümmelungen ethisch unbedenklich"
>>> Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten"
>>> Bericht einer Mutter über das Ostschweizer Kinderspital 
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
Antwort des Ostschweizer Kinderspitals auf den Offenen Brief

Siehe auch:
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Anfrage Kantonsrat Luzern 2010 
- Anfrage Kantonsrat Bern 2009
- Anfrage Kantonsrat Basel Stadt 2010
- Anfrage Kantonsrat Zürich 2009