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Antwort von Tagungs-Organisator Stefan Horlacher 22.1.12 (PDF)

Offener Brief von Zwischengeschlecht.org vom 18.01.2012:

Kann ein Zwitter Sünde sein?Sehr geehrte Organisierende, Vortragende, Teilnehmende und Sponsoren der internationalen & interdisziplinären Konferenz "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft"

Als Menschenrechtsgruppe, die sich seit 4 Jahren aktiv gegen die täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken einsetzt, freuen wir uns, dass Ihre Konferenz ab heute in Dresden "die sozialen, politischen und rechtlichen Dimensionen" von Intersex berücksichtigen will (Ankündigung) sowie "Betroffenen Gehör zu verschaffen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren" (Pressemitteilung 9.1.12).

Als führende Wissenschaftler der Intersex-Forschung (Pressemitteilung 9.1.12) ist Ihnen in diesem Zusammenhang sicher bekannt,

• dass mindestens jedes 1000. Neugeborene mit "atypischen" Genitalien auf die Welt kommt, und diese Kinder laut aktuellen Studien der Mediziner selbst heute noch zu 90% im Kindesalter "korrigierenden" kosmetischen Genitaloperationen unterworfen werden, für die keine zwingende medizinische Indikation besteht,

• dass Betroffene solcher Operationen diese seit bald 20 Jahren als "immens destruktiv für die sexuelle Empfindsamkeit und das Gefühl für körperliche Unversehrtheit", als "westliche Form von Genitalverstümmelung", "medizinisches Verbrechen" und "fundamentale Menschenrechtsverletzung" anprangern, 

• dass praktisch alle Organisationen von Betroffenen als erste und wichtigste Forderung von Beginn bis heute die sofortige Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an Kindern einklagen.

Demgegenüber ist aus dem öffentlichen Auftritt der Konferenz zumindest für die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org bisher leider nicht ersichtlich, wie die Konferenz

a) die Problematik der täglichen Verstümmelungen an Kindern mit "atypischen" Genitalien angemessen berücksichtigen will, geschweige denn dazu "die Öffentlichkeit zu sensibilisieren", sowie

b) welche Vortragenden eine Praxis zur konkreten Beendigung der täglichen Verstümmelungen ins Zentrum stellen oder anderweitig in der "politischen und rechtlichen Dimension" dazu beitragen, diesbezüglich "Betroffenen Gehör zu verschaffen".

Zumindest den Verantwortlichen sowie einem Großteil der Beitragenden der Konferenz ist fraglos weiter bekannt,

• dass Betroffene das Thematisieren von "Intersex" in Wissenschaft und Politik bei gleichzeitigem Ausblenden der Genitalverstümmelungen seit vielen Jahren als schädlich, unzulässig und vereinnahmend kritisieren.

Ebenso sollte den Organisierenden und Beitragenden bekannt sein,

• dass innerhalb praktisch aller wissenschaftlicher Institutionen, die an der Tagung direkt oder indirekt beteiligt sind, in deren kinderchirurgischen Abteilungen genau die angeprangerten Genitalverstümmelungen jahrein, jahraus unwidersprochen an wehrlosen Kleinkindern praktiziert sowie öffentlich propagiert werden, darunter:

- TU Dresden
- Humboldt-Universität Berlin
- Freie Universität Berlin
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
- Justus-Liebig-Universität Gießen
- University of London
- University of Leeds

(Ausnahmen bestätigen die Regel: Bei Institutionen, die wie z.B. die Universität Siegen oder die Manchester Metropolitan University nicht über eigene pädiatrische Kliniken verfügen, werden die Verstümmelungen einfach in der nächstgelegenen durchgeführt, im vorliegenden Fall im Universitätsklinikum Gießen und Marburg bzw. in den Central Manchester University Hospitals.)

Dass unter diesen Umständen an einer internationalen & interdisziplinären Konferenz, welche die Begriffe "Intersex" und "Gesellschaft" in ihrem Titel trägt, ausgerechnet die zentrale Tatsache der täglichen Genitalverstümmelungen an wehrlosen Kindern ebenso unter den Tisch zu fallen scheint wie die Stimmen und Anliegen der davon Betroffenen, erfüllt die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org mit tiefer Sorge.

Im Namen von durch uneingewilligte kosmetische Genitaloperationen im Kindesalter Betroffenen oder Bedrohten ersuchen wir deshalb die Organisierenden, Vortragenden und Teilnehmenden der Konferenz um Aufklärung über folgende Fragen:

1) Ist Ihnen bekannt, in welchen Institutionen, die an der Konferenz direkt oder indirekt beteiligt sind, jeweils a) welche und b) wie viele kosmetische Genitaloperationen an Kindern durchgeführt werden?

2) Was ist Ihre Position zu kosmetischen Genitaloperationen an Kindern?

3) Warum sind Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter an der Konferenz nicht angemessen vertreten?

4) Sind Sie bereit, etwas zur konkreten Beendigung der täglichen Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken beizutragen? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht?

Über Rückmeldungen würden wir uns freuen!

Freundliche Grüße

Im Namen von Zwischengeschlecht.org

Daniela Truffer
Gründungsmitglied Zwischengeschlecht.org

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

[Eine >>> englische Übersetzung dieses offenen Briefes wird in Kürze verfügbar sein.]

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"STOP Genitalverstümmelung als 'Rohmaterial' für die Geschlechterforschung!"