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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

"Hypospadiekorrekturen" sind mittlerweile die wohl am häufigsten praktizierten kosmetischen Genitaloperationen in Kinderkliniken. Zwar gibt es seit langem einzelne Betroffene wie Tiger Howard Devore oder Ernst Bilke, die sich öffentlich äussern, doch insgesamt gibt es in den Medien trotzdem markant weniger Wortmeldungen als von Betroffenen von "Klitorisreduktionen" oder Zwangskastrationen im Kindesalter. "Hypospadie" ist immer noch so etwas wie das "letzte Tabu" unter den "Genitalanomalien".

Was die Medizyner trotz bekanntlich erschreckend hohen Komplikationsraten immer wieder mal als "Bestätigung" zum ungehemmten weiterverstümmeln werten, während sie gleichzeitig die – bei allen kosmetischen Genitaloperationen an Kindern seit Jahrzehnten stets beliebte – Leier abspulen, "leider" sei viel zu wenig über die Outcomes und "psychologische Folgen" bekannt, es fehle an entsprechenden Studien, sie wüssten nur von "zufriedenen Patienten" usw.

Deshalb nachfolgend einige Ausschnitte aus einem >>> Forums-Thread auf med1.de, wo einige, wie üblich meist mehrfach "korrigierte" Betroffene, aber auch ein "Unbehandelter" zu relevanten Themenbereichen von Wohlbefinden über Beziehungen und Sex bis Zeugungsfähigkeit kein Blatt vor den Mund nehmen und ungeschminkt von ihren Erfahrungen berichten:

"Ich wäre lieber ein gesunder Mensch geblieben als ein Krüppel mit falschem Penis."

[...] Eine Beziehung hatte ich erst kurz bevor ich erwachsen wurde. Es war auch die einzige in der ich Geschlechtsverkehr hatte.

Normaler Geschlechtsverkehr war mir unangenehm weil ich an meiner Eichel nicht viel fühlen kann, mich an der Unterseite schnell aufreiße und wegen anderen Sachen die aber nichts zur Sache tun.

Danach hatte ich nie wieder eine richtige Beziehung da ich mich vor sexuellen Annährungen von Menschen fürchte.

Der Rest meines Lebens bis heute verlief recht einsam, mit einigen wenigen Freundschaften die ich bis heute habe, zurückgezogen und ängstlich nach wie vor.

Ich habe mich niemals in meinem Leben als ein Mann gefühlt, das Produkt was versucht wird durch so eine Operation zu erzeugen.

Heute muss ich lernen mit mir klar zu kommen, als was auch immer.

Ich glaube dass eine Hypospadiekorrektur ohne dass das Kind es sich wünscht, ein Verbrechen ist. Wenn man ohne Probleme pinkeln kann, man gesund ist warum sollte man dann das Genital von einem Menschen so verstümmeln, nur damit es normal aussieht?

Das ist keine Fehlbildung, nur eine Varation des menschschlichen Geschlechts.

Wenn das Kind abgestiegene, gesunde Hoden und XY Chromosomen hat, kann es auch Vater werden. Die Hoden bestimmen die Fruchtbarkeit, nicht die Lage der Harnröhre. Wenn Sperma austreten kann, dann kann es auch befruchten.

Das ist einfach ein etwas anderer Mensch, kein kranker Mann dem unbedingt psychologisch vorgegaukelt werden muss dass er missgebildet sei, dass er durch eine Operation normal werden könne auch wenn er es garnicht will oder nicht entscheiden kann, weil er gehänselt wird oder von den Eltern gedrängt. [...]

Wer nicht krank ist, sollte auch nicht operiert werden. Später wenn das Kind psychische Probleme hat kann es sich ja immer noch dazu entscheiden.

Aber ich wäre lieber ein gesunder Mensch geblieben als ein Krüppel mit falschem Penis. [...]  (BananaSplit, 05.12.08  17:12)

"sehr taube Eichel"

[...] Vieles was mein Vorschreiber geschrieben hat, trifft auch auch mich zu.

Probleme in der Schule (nur in sitzen und allein pinkeln)

Ersten Sex mit 19 (mann muss sich ja ausziehen) [...]

Eine sehr taube Eichel

Meine Eltern haben mich, auf drängen des Arztes hin, operieren lassen. Keine Ahnung was der denen erzählt hat. [...]  (XDSX, 07.12.08  14:29)

"keinerlei Probleme mit unbehandelter Hypospadie"

[...] ich habe eine nicht behandelte Hypospadie und muss sagen, dass ich gut damit leben konnte und kann. Bei mir befindet sich die Öffnung etwa zwischen Eichel und Schaft, was natürlich dazu führt, dass ich nur an der Oberseite ein kurzes Stück Vorhaut habe, eine sog. dorsale Schürze, wie sie "XDSX" auch bei sich beschrieben hat.

Wenn ich denn so lese, was "BananaSplit" so alles widerfahren ist bin ich heilfroh, dass meine Eltern damals nichts in Richtung Korrektur-OP unternommen haben.

Wie bereits eingangs geschrieben, habe ich keinerlei Probleme mit der H., ich kann im Stehen Wasser lassen, habe bislang auch niemals etwas Abfälliges zu hören bekommen, im Gegenteil, meist wird die Veränderung mit großem Interesse zur Kenntnis genommen.

Deshalb kann ich eigentlich - jedenfalls aus meiner Sicht, sofern nicht sonstige Probleme bestehen - nur raten: Kein Skalpell dorthin lassen. [...]  (hyponobbi, 16.01.09  14:40)

Meine 2 Cent: Bleibt zu hoffen, dass künftig immer mehr Betroffene Mut fassen und ungeschminkt von ihren Erfahrungen mit "Hypospadie" berichten – auf dass auch dieses "letzte Tabu" immer mehr Risse bekommt und irgendwann Geschichte sein wird, ebenso wie alle verstümmelnden kosmetischen Genitaloperationen an wehrlosen Kindern!

>>> Hypospadie: "Kindheit voller Schmerz, Operationen und Isolation" (Tiger Devore)
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Ernst Bilke: "Die Wut ist gut versteckt" - Biographie mit "Hypospadie"
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Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch