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[ "Hypospadie" = wenn der Harnröhrenausgang nicht an der Penisspitze liegt, sondern etwas bis deutlich weiter unten ]

"Hypospadie" ist die wohl häufigste Diagnose für kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen Genitalien". Das aktuelle Medizynerhandbuch "Kinderchirurgie. Basiswissen und Praxis" (2008), Hrsg. v. Martina Heinrich und Kathrin Schäfer, nennt für das Vorkommen von "Hypospadie" für Medizyner lukrative Zahlen von "zwischen 4,7 und 8 auf 1000 männliche Lebendgeburten" (S. 192) – d.h. ein Verhältnis von 1:212 bis 1:125.

Kosmetische "Hypospadiekorrekturen" (PDF, S. 2) [WARNUNG!!!] und andere kosmetische sog. "vermännlichende genitale Korrekturoperationen" sind somit mittlerweile klar häufiger als kosmetische "FeminierungsOPs" und Kastrationen zusammen. Zum Vergleich, der aktuell an der Berliner Charité wütende, berüchtigte Seriengenitalverstümmler Prof. Dr. Martin Westenfelder brüstete sich 2010 öffentlich mit folgender Statistik:

“Prof. Martin Westenfelder gehört zu den Genitalchirurgen mit der größten Erfahrung weltweit: knapp 4.000 Hypospadien, über 140 Epispadien und 160 Feminisierungsoperationen bei intersexuellen Differenzierungsstörungen.”

Laut praktisch allen bekanntgewordenen Studien sind die Komplikationsraten bei "Hypospadiekorrekturen" sehr, sehr hoch (vgl. Zahlen von "EuroDSD"-Verstümmler Pierre Mouriquand von typischerweise 42%-57%).

Viele, wenn nicht die meisten Patienten haben nach der "Behandlung" zum Teil massive Probleme, die klar erst durch die "Korrekturversuche" verursacht wurden. 

Sogar die Medizyner selber räumen dies indirekt ein durch die offizielle Diagnose "Hypospadias Cripple" [WARNUNG!!!] für "hoffnungslose Fälle" (dt. "Hypospadie Krüppel" = von Medizynern zum "Krüppel" operiert!!!).

Mir ist ein Fall bekannt, bei dem ein Betroffener Jahre nach einer "erfolgreichen Hypospadiekorrektur" durch eine Stenose (Harnröhrenverengung) derart schwere Niedenschäden erlitt, dass er Dialyse-abhängig wurde!

Ein aktuelles Ethikpapier (Karkazis/Tamar-Mattis/Kron, 2010 --> S. 14) verdeutlicht zudem in einer Checkliste im Anhang, wie die "Hypospadie"-ZwangsbehandlerInnen die Eltern nach den genau gleichen Mustern anlügen und über den Tisch ziehen wie bei "Feminisierungen" und Kastrationen.

Trotz aller katastrophalen Resultate wird "Hypospadie" immer häufiger diagnostiziert und "behandelt"; eine mögliche Zunahme des Auftretens wird mit Umweltgiften in Zusammenhang gebracht (Phtalate, Bisphenol A und andere Plastik-Weichmacher und sog. endokrine Disruptoren).

"Hypospadiekorrekturen" führen zu einer Verminderung der sexuellen Empfindungsfähigkeit und sind meist medizinisch nicht notwendig.

Wie die BehandlerInnen oft genug selbst eingestehen, werden "Hypospadiekorrekturen" vielmehr aus "psychosozialen" Gründen wehrlosen Kindern aufgezwungen:

Sogar die letzte AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (PDF) (Evidenzstufe 1 = niedrigste) spricht ausdrücklich von Indikationen "auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

Auch in den Kinderkliniken UKE und AKK der Universität Hamburg wird kein Hehl daraus gemacht, dass frühe "Hypospadie-Korrekturen" NICHT aus medizinische Gründen gemacht werden, sondern aus "psychologischen":

"Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“)." (Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt)

Ebenso z.B. das Universitätsklinikum Jena und die Asklepios-Kinderklinik St. Augustin unisono:

"Beschwerden liegen [im "unkorrigierten" Zustand] fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme" - Nichtsdestotrotz empfohlene "Therapie": "Korrektur zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat." - "Begründung": "Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der Männer leiden." (Homepages der Klinken)

Trotzdem wollen die TäterInnen "Hypospadiekorrekturen" aus der ethischen Diskussion ausklammern.

Ob "Hypospadie" nach medizinischer Definition unter die  Diagnose "Intersex/DSD" fällt oder nicht, wird von ihnen aktuell je nach Ausgangslage unterschiedlich beantwortet:

Klassische "vermännlichende Genitalkorrektur": Historisch wurden "Harnröhrenverlegungen" seit jeher ebenso wie "Klitorisamputationen" in praktisch allen einschägigen Veröffentlichungen abgehandelt unter "Genitale Abnormalitäten, Hermaphroditismus und verwandte adrenale Krankheiten" (Hugh Hampton Young 1937, vgl. auch Carlos Lagos García 1935, Louis Ombrédanne 1939, Max Grob 1957, Claus Overzier Hrsg. 1961). Lawson Wilkins, der 1950 in Baltimore die systematischen "Genitalkorrekturen" an betroffenen Kleinkindern begann, listete "Hypospadiekorrekturen" als Äquivalent zu Klitorisamputationen – je nachdem, ob ein Kind als "männlich" oder "weiblich" eingestuft wurde. Auch John Moneys weit verbreitetes "Standardwerk" "Körperlich sexuelle Fehlentwicklungen" (Amerikanisches Original 1968, auf Deutsch 1969) listet "4. Hypospadie" im Kapitel "Fehlentwicklungen der äußeren Sexualorgane". Dito das NS-"Rassenhygiene"-Standardwerk Baur-Fischer-Lenz 4. Aufl. 1936.

• Als Reaktionen auf öffentliche Kritik an Genitalverstümmlungen beginnen viele TäterInnen seit 1993 gegen aussen vermehrt zu argumentieren, "Hypospadie" sei "etwas gaanz anderes" und habe mit "Intersex"/DSD" definitionsgemäss nichts, aber auch gar nichts zu tun.

• Umgekehrt werden an internen Fachvorträgen "Hypospadiekorrekturen" nach wie vor entweder prinzipiell der "DSD Chirurgie" zugerechnet (Pièrre Mouriquand, 2009 --> Folie 184), oder zumindest die "schweren Formen" werden weiterhin fraglos unter "DSD mit intersexuellem Genitale" eingeordnet (Susanne Krege, 2011).

US-Zwitterorganisationen (vgl. Liste bei ISNA) und Betroffene von kosmetischen Genitaloperationen (vgl. Caitlin Petrakis Childs: "What is Intersex?") kämpfen seit mindestens 1996 für die Beendigung kosmetische Genitaloperationen auch an Kindern mit "Hypospadie" – und wehren sich explizit gegen die Versuche der TäterInnen, "Hypospadiekorrekturen" durch Definitionstricks von der öffentlichen Diskussion von vornherein ausschliessen zu wollen (vgl. Katrina Karkazis: "Fixing Sex", 2008, S. 143f.).

Deutschsprachige Betroffene und Zwitterorganisationen wie z.B. die AGGPG setzten sich seit mindestens 1998 selbstverständlich auch für die Beendigung kosmetischer "Harnröhrenverlegungen" und "Hypospadiekorrekturen" sowie anderer "vermännlichender" kosmetischer Genitaloperationen an Kindern ein – und kritisieren ebenso medizinische Definitionstricksereien (vgl. Claudia Lang: "Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechter", 2006, S. 95-97, 221).

Wie nachfolgende Illustration belegt, werden "Prader-Stadien" ("zu grosse Klitoris") und "Hypospadie-Grade" heute noch als komplementäre Diagnose-Instrumente für "DSD" nebeneinandergestellt (Quelle: UKGM Gießen, 2012 / Formular PDF):

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Stimmen Betroffener:

Der meines Wissens nach bekannteste deutschsprachige Betroffene von kosmetischen "Hypospadiekorrekturen", der sich zu diesem Thema sehr eindrücklich öffentlich äusserte, ist >>> Ernst Bilke.

Die AGGPG-Mitbegründerin --> Heike Bödeker-Spreitzer machte als Betroffene "vermännlichender Zurichtung" auch sonst keine Unterschiede zwischen "Klitoris- rsp. Penisplastiken".

Die UK-Aktivistin --> Sophia Siedlberg (OII) bezeichnet ebenfalls "die ihr aufgezwungenen „Maskulinisierungs“OPs als Genitalverstümmelungen und kämpft dezidiert gegen JEGLICHE Genitalverstümmelungen an Kindern. Insbesondere wehrt sie sich gegen Bagatellisierungen der maskulinisierenden Genitalverstümmelungen im Vergleich zu den feminisierenden, die sie beide als Menschenrechtsverletzungen denunziert".

Dr. Tiger Howard Devore ist aktiv in der US-Selbsthilfegruppe "Hypospadias & Epispadias Association (HEA)", die sich für das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen stark macht, und spricht sich seit Jahren immer wieder öffentlich gegen kosmetische Genitaloperationen an Kindern aus inkl. "Hypospadiekorrekturen".

Tiger Devores autobiografischer Text >>> "Aufwachsen im chirurgischen Mahlstrom" ist eines der eindrücklichsten Zeugnisse über den Unsinn kosmetischer "Hypospadie-KorrekturOPs" an Kindern und das dadurch verursachte, erhebliche und lebenslange Leid, und dank Aufnahme in den Klassiker "Der Beschneidungsskandal" der FGM-Expertin Hanni Lightfoot-Klein (2003, S. 55-58. Englische Neuausgabe 2007 unter dem Titel "Children's Genitals Under the Knife", S 172-175) das wohl bekannteste Dokument, warum medizinisch nicht unmittelbar notwendige "Hypospadiekorrekturen" an Kindern ebenso als westliche Genitalverstümmelungen anzusprechen sind wie sog. "Klitoriskorrekturen".

>>> "Sehr taube Eichel": Erfahrungsberichte zu "Hypospadiekorrekturen"

>>> Kurt Marti: "Operierter Penis extrem berührungsempfindlich, starke Schmerzen"


Unzensierte Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugbl. m. Bsp. v. "Hypospadiekorr." + Komplikations-Statistiken (PDF, 2MB)
         WARNUNG: 2. Seite enthält Operationsfotos!

"Intersex Genital Mutilations: History & Current Practice" >>> PDF (2.4 MB)  [TRIGGERWARNUNG!!!] Englischsprachige Dokumentation über medizinisch nicht notwendige, irreversible kosmetische Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen Genitalien", mit zahlreichen konkreten Beispielen (Zitate und Scans) aus namhaften medizinischen Fachpublikationen. Das erste Kapitel dokumentiert in Wort und Bild die 3 häufigsten kosmetischen Genitaloperationen (vgl. oben), das Zweite die historische Entwicklung der Verstümmelungen anhand von ausgewählten internationalen Medizyner-Publikationen (vgl. "Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen".)

>>> Chirurgische "Genitalkorrekturen" an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen
>>>
150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter  
>>> "Aufarbeitung tut not!" Klitorisamputationen u.a. "Genitalkorrekturen" an Kindern