Protest gegen Genitalabschneider-Kongress "APE-AGPD 2010", 5.11.2010

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Flugblatt der AGGPG zum 3. "Berliner Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie" (1998)
>>> ganzer Text

Folgeschäden

Eltern erleben eine Cotraumatisierung, da sie zum einen unter erheblichen Streß gesetzt werden, medizinische Anweisungen zu befolgen, zum anderen schädliche Folgen der medizinisch nicht notwendigen Behandlung an ihrem Kind miterleben. Die hieraus resultierende Destruktivität überträgt sich auf das Kind. Für intersexuelle Kinder sind folglich Eingriffe und Reaktionen der Bezugspersonen extrem traumatisierend, denn neben massiven Integritätsverletzungen kommen strikte Tabuiserungsanweisungen, Reduktion zum Objekt und gesamtpersonelle Ablehnung seitens der Eltern hinzu. Lebenslange physische und psychische Schädigungen sind die Folge. Sozialer Unbill, welchen es offiziell zu vermeiden galt, wird dadurch noch verstärkt. Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich.

Leider ist auch die Forderungsliste des Flugblatts heute immer noch gleich aktuell wie vor 11 Jahren:

Wir fordern:

  • Menschenrechte für Intersexuelle
  • das Recht auf Selbstbestimmung und vollständige Aufklärung
  • Beendigung chirurgischer Eingriffe vor Einwilligungsfähigkeit
  • psychologisches Betreuungsangebot für alle Familenangehörigen
  • außerklinische Beratungsstellen und Kontaktvermittlung zu kritischen Gruppen


Aufruf der Queerulanten nach demselben 3. "Berliner Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie" (1998)

>>> ganzer Text via archive.org

Wie kann es sein, daß es zu solch extremen Angriffen gegen das Recht jedes Menschen auf persönliche, körperliche und psychische Integrität kommen kann und zum unsichtbar gemachten Alltag der BRD 1998 gehört?

Intersexuelle Menschen haben keine Lobby, finden kein Gehör in der Öffentlichkeit. Stillschweigende Anonymität wird als bester Schutz vor Verletzung und Ausgrenzung, als einziger Lösungsweg propagiert. [...]

"Suizid (Selbstmord) ist einfach die Realität und lebensbegleitender Umstand zwangszugewiesener intersexueller Menschen"    

Claudia Kreuzer-Clüsserath: dgti Intersex Elternbrief No 0-2001
>>> ganzer Text auf dgti.org

Viele intersexuelle Menschen haben, die falsche Entscheidung Anderer über Ihr Geschlecht schon mit Ihrem Leben bezahlt. Dies ist eine Tatsache und keine Drohung und wir wollen Ihnen als Eltern damit auch keine Angst machen. Suizid (Selbstmord) ist einfach die Realität und lebensbegleitender Umstand zwangszugewiesener intersexueller Menschen, die einfach nur Opfer einer zugegebenermaßen potenten Gruppe von Medizinern geworden sind [...].


"Ca. 30 Prozent genital zwangszugewiesener Menschen begehen "vollendeten Suizid"."

Tintenfischalarm: Fakten zum Thema "Intersexualität" (2006)
>>> ganzer Text auf Tintenfischalarm.at

Internationaler Solidaritätstag mit Intersexuellen, EKH Wien (2006)
>>> ganzer Text via no-racism.net

Viele Intersexuelle klagen an, dass durch geschlechtliche Zwangszuweisungen an nicht einwilligungsfähigen intersexuellen Kindern ein erheblich höherer psychischer Schaden entsteht, als dies durch Ablehnung seitens der Bevölkerung jemals möglich sein würde. Ganz abgesehen von physisch irreparablen Schäden. [...]


"[...] bei [zwangsoperierten] Intersexuellen [kommt es] doppelt so oft zu selbstverletzendem Verhalten und Selbstmord [...] wie bei der Normalbevölkerung"

Eike Bruhn: "Intersexualität & Selbstbestimmung: Im Transit", taz 06.11.2007
>>> ganzer Text auf taz.de

Das Ergebnis: Intersexuelle sind überdurchschnittlich unglücklich und depressiv, ihre Neigungen zu selbstverletzendem Verhalten und Selbstmord ist doppelt so hoch wie bei der Normalbevölkerung.

Die Hamburger ForscherInnen vergleichen dies mit "traumatisierten Frauen nach körperlichem oder sexualisiertem Missbrauch". So berichten 17 Teilnehmende über lebensbegleitende Selbstmordgedanken, wobei Richter-Appelt einen Zusammenhang sieht zu OPs wie der Entfernung der Keimdrüsen.


Eike Bruhn: "Intersexualität: Identität unterm Skalpell"
, taz hamburg 28.4.2009
>>> Artikelbesprechung und Link

Eine Studie des Hamburger Instituts für Sexualforschung aus dem Jahr 2007 bewies, dass die es bei Intersexuellen doppelt so oft zu selbstverletzendem Verhalten und Selbstmord kommt wie bei der Normalbevölkerung.


"50 Prozent der [überlebenden zwangsoperierten] Personen haben Suizidgedanken geäußert."

Antwort des Hamburger Senats auf die Grosse Anfrage von DIE LINKE, Drucksache 19/1993, vom 13.02.2009
>>> Besprechung und Link

21) Wie viel Prozent der bundesweiten Teilnehmer an der Hamburger IS-Studie, die als zwischengeschlechtliche Menschen irreversiblen chirurgischen Interventionen ausgesetzt waren, haben insgesamt Suizidge danken geäußert?

50 Prozent der Personen haben Suizidgedanken geäußert.


"[Zwangsoperierte] Zwitter haben eine höhere Selbstmordrate als nicht-traumatisierte Nicht-Zwitter, vergleichbar mit traumatisierten Frauen nach körperlicher Misshandlung oder Kindesmissbrauch."

Schützmann K, Brinkmann L, Richter-Appelt H. "Psychological distress, suicidal tendencies, and self-harming behaviour in adult persons with different forms of intersexuality" (2009) Arch Sex Behav. 2009 Feb;38(1):16-33
>>> Abstract via pubmed.gov

The prevalence rates of self-harming behavior and suicidal tendencies in the DSD sample exceeded the rates of the non-traumatized comparison subgroup, with rates comparable to the traumatized comparison groups of women with physical or sexual abuse.

Elisabeth Müller, Daniela Truffer, Katrin Ann Kunze †, Christiane Völling

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."
George Santayana (1863 – 1952)