STOP Genitalverstümmelung als "Rohmaterial" für die Geschlechterforschung!

Menschenrechte auch für Zwitter!Jeden Tag wird in Deutschland in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch in Frankfurt.

Die Geschlechterforschung in ihren verschiedenen Ausprägungen ist in einer verhängnisvollen Wechselwirkung mit der Medizin bis heute als Mittäterin maßgeblich an diesen Verstümmelungen mitbeteiligt.

Trotz langjähriger Kritik von Überlebenden insbesondere an den Gender Studies pflegen offenbar die „Cornelia Goethe Colloquien ‚Geschlechter|ent|grenzungen‘ im Wintersemester 2010/2011“ eine objektivierende Sichtweise auf „Intersexualität“, welche den ethischen und menschenrechtlichen Implikationen nicht gerecht wird, geschweige denn konkret zur Beendigung der Verstümmelungen  beiträgt.

Opfer der Moderne – und der (Geschlechter-)Wissenschaft

Während des Mittelalters bis in die Neuzeit waren Zwitter nicht nur juristisch anerkannt und wuchsen mit unversehrten Körpern auf, sondern hatten das einzigartige Privileg, als Erwachsene selber darüber entscheiden zu dürfen, ob sie als Männer oder als Frauen leben wollten. Heute haben Zwitter nicht einmal Anteil an grundlegenden  Menschenrechten, sind zu 90% verstümmelt und als Spezies sowie wie in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausgelöscht. Schuld an dieser Verschlechterung ihrer Situation trägt hauptsächlich die (Geschlechter-)Wissenschaft.

Seit jeher benutzen GeschlechterforscherInnen „wissenschaftliche“ und andere Berichte über Zwittergenitalverstümmelungen als Grundlage und Datenmaterial zur Entwicklung und Verfeinerung ihrer „wissenschaftlichen Theorien“, während andererseits die Medizyner diese Theorien bis heute zur Rechtfertigung und Fortführung der laufend „verbesserten“ Verstümmelungen benutzen, worauf die Geschlechterforschung diese neuen „Erkenntnisse“ wiederum benutzt zur Weiterführung ihrer Theorien, usw. usf. – ein meist unreflektierter, bis heute gültiger Teufelskreis.

Kritik an Instrumentalisierung durch Gender Studies

In einer 2003 in „Die Philosophin 28“ auch auf Deutsch erschienenen Untersuchung wiesen Emi Koyama und Lisa Weasel nach, „dass Intersex [von den Gender Studies] hauptsächlich als Forschungsobjekt verstanden wird, um den Begriff der Zweigeschlechtlichkeit (und des Sexismus, sowie der Homophobie) zu dekonstruieren, und nicht als ein Thema gesehen wird, das in der realen Welt Implikationen für reale Leute hat.“

Und kamen zum Schluss: „Auch wenn die Lehrenden die besten Absichten hegen, untergraben fehlendes Bewusstsein für und die fehlende Beachtung der Realitäten von Intersexuellen die adäquate Darstellung des Themas. Dabei werden unbeabsichtigt die Nicht-Sichtbarkeit und die Objektivierung der Intersexuellen perpetuiert.“

Offensichtlich ist diese fundierte Kritik leider bis heute noch nicht überall wirklich angekommen. Auch in den „Cornelia Goethe Colloquien“ werden zwangsoperierte Zwitter offenbar einmal mehr austauschbar mit „Transsexualität“ und „Drag“ unter „Strategien zur Überwindung noch immer vorhandener Geschlechtergrenzen“ instrumentalisiert.

„fundamentaler Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit“

Menschenrechtsorganisationen (u.a. Amnesty Deutschland, Terre des Femmes und das UN-Komitee CEDAW) kritisieren die Duldung der chirurgischen Genitalverstümmelungen u.a. als „schweres Verbrechen“.

Trotzdem werden in Deutschen Kinderkliniken weiterhin täglich wehrlose Kinder irreversibel genitalverstümmelt – auch in der Charité und im Universitätsklinikum der J. W. Goethe-Universität. Wie lange noch?!
 

"STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken"

Genitalverstümmelung oder „medizinische Normierung“?

Noch die Sprache der Ankündigung der heutigen Veranstaltung wirkt verharmlosend: Statt von Genitalverstümmelungen, unkontrollierten Humanexperimenten, medizinischen Verbrechen oder nur schon von massiven Menschenrechtsverletzungen oder medizinisch nicht notwendigen Zwangsoperationen ist verschämt die Rede von „medizinischer Normierung“ und „chirurgisch-hormonellem Behandlungsmodell“.

Das ist TäterInnensprache! Kein Wunder, werden entsprechende Äußerungen, Vorträge und Veranstaltungen letztlich von verantwortlichen PolitikerInnen als Feigenblatt zur Rechtfertigung der Weiterführung der Verstümmelungen und zur Inschutznahme der GenitalabschneiderInnen benutzt ...

(Vgl. z.B. Berliner Senat am 17.06.2010 in der Drucks. 16/14436.)

Würden  das „Cornelia Goethe Centrum“ und Dr. Klöppel bei weiblicher Genitalverstümmelung auch bloß verschämt z.B. von „kultureller Normierung“ reden?

Würden sie ebenfalls tatenlos zuschauen, wenn innerhalb ihrer eigenen Institutionen „normale“ bzw. „richtige Mädchen“ systematisch verstümmelt würden?

Und sich gar noch widerspruchslos als Feigenblatt zur Rechtfertigung der Weiterführung der täglichen Verstümmelungen einspannen lassen?

Seit bald 20 Jahren klagen überlebende Zwangsoperierte das ihnen zugefügte Unrecht öffentlich an und fordern Gerechtigkeit.

Von Beginn an galt und gilt ihre Klage dem Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit durch die Verstümmelungen und der Missachtung ihres Rechts auf körperliche Unversehrtheit. 

Seit bald 20 Jahren lautet ihre erste Forderung: Schnellstmögliche Beendigung der Genitalverstümmelungen!

Ebensolange werden sie hingehalten und von dritten Interessegruppen politisch verheizt für Forderungen nach „Überwindung der Geschlechtergrenzen“ oder „Abschaffung des Geschlechtereintrags“ – anscheinend auch durch die „Cornelia Goethe Colloquien“.

Wie lange noch?!

>>>
"Cornelia Goethe Colloquien: Geschlechterforschung ohne Ethik?" - 17.11.10
>>> "11th EMBL/EMBO": Unethische Forscher als Zulieferer der Genitalabschneider

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Zwitter und progressive LGBTs gegen Vereinnahmung
- Genitalverstümmelungen in westlichen Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen
- Warum Zwitterforderungen, worin zu oberst nicht die schnellstmögliche Beendigung der Zwangsoperationen steht, keine Zwitterforderungen sind, sondern Vereinnahmung
- Historischer überparteilicher Vorstoss gegen Genitalverstümmelung in Kinderkliniken
- 2010: "Genitalkorrekturen in Deutschland in der Regel im ersten Lebensjahr"
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung
- AWMF-Leitlinie: Ethik-Empfehlungen als Feigenblatt für Zwangsoperateure
- "Ethik als Freifahrtschein für operieren auf Teufel komm raus" - Claudia Wiesemann
- Alice Dreger über EthikerInnen als MittäterInnen
- Anliegen von Zwischengeschlecht.org an den Deutschen Ethikrat 2010 
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- "EuroDSD"-Chef Olaf Hiort: "Intersexuelle" nur ein Bruchteil aller chirurgischen Genitalverstümmelungen in deutschen Kinderkliniken 
- Amnesty Deutschland: "fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte"
- Genitale Zwangsoperationen an Zwittern vergleichbar mit weiblicher Genitalverstümmelung
- Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998
- Genitalverstümmler und Zwangsoperateure in Baden-Württemberg
- Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?