Zwischengeschlecht.org
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8031 Zürich


Ostschweizer Kinderspital
Pädiatrische Klinik
Chefarzt
Prof. Dr. med. Christian Kind
Claudiusstrasse 6
9006 St. Gallen


Zürich, 6. März 2011


Ihre Antwort auf unseren Offenen Brief vom 06.02.2011
(Vorab per E-Mail)

Sehr geehrter Herr Prof. Kind
Sehr geehrter Herr Dr. Kistler
Sehr geehrte Frau Prof. l'Allemand
Sehr geehrter Herr Dr. Laimbacher

Wir bedanken uns für Ihre ausführliche Antwort vom 10. Februar 2011 auf unseren Offenen Brief.

Insbesondere freut uns, dass Sie anerkennen, dass kosmetische Genitaloperationen an Kindern zu sehr unbefriedenden Resultaten führen und betroffene Menschen dadurch schwer traumatisiert werden können. Ebenso, dass das Ostschweizer Kinderspital sich hier sehr aktiv zu einem Wandel zum Besseren engagieren will. Sie verweisen dazu auf Ihre Mitarbeit im Deutschen Netzwerk Intersexualität/DSD, dessen "Ethische Grundsätze und Empfehlungen bei DSD" wir ja in unserem Offenen Brief zitierten. Leider werden diese Grundsätze und Empfehlungen auch innerhalb des Netzwerk Intersexualität/DSD mitunter nur selektiv beherzigt bzw. gar missbraucht als "Freifahrtschein" für operieren "auf Teufel komm raus" (Grundsätze-Autorin Prof. Claudia Wiesemann am Forum Bioethik des Deutschen Ethikrates, 23.06.2010).

Auch wir sind uns bewusst, dass es in der Kommunikation zwischen Menschen potentiell zu Missverständnissen kommen kann. Ebenso, dass möglicherweise bei Eltern Hinweise auf Selbsthilfegruppen nicht auf Anhieb ankommen können. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, geeignete Massnahmen zu treffen, um solche Missverständnisse wenn nicht ganz auszuschliessen, so doch zumindest möglichst zu minimieren. Ebenso entsprechende Massnahmen, damit Eltern auch zu einem späteren Zeitpunkt von Selbsthilfegruppen nicht erst aus dem Internet erfahren müssen.

Auch uns geht es nicht "nur" um "abstrakte" ethische und juristische Prinzipien und Rechte, sondern um das Wohl der heranwachsenden Kinder. Jedoch gibt es unseres Wissens nach keinerlei Evidenz, dass kosmetische Genitaloperationen wirksam und sicher sind bzw. das Wohl und die Akzeptanz der Kinder garantieren, jedoch wie angeführt viele Indizien, welche ihre Wirksamkeit in Frage stellen.

Wir begrüssen Ihren Vorschlag zu einem direkten Gespräch, auch wenn wir vermutlich nicht in allen Standpunkten übereinstimmen werden, wohl insbesondere betreffend dem praktischen Stellenwert der durch die Verfassung und internationale Abkommen garantierten Rechte auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung für das Wohl der betroffenen Kinder.

Wir bedanken uns deshalb für Ihr Angebot und nehmen es gerne an. [...]

Gerne erwarten wir Ihre Terminvorschläge.

Freundliche Grüsse


Daniela Truffer / Zwischengeschlecht.org


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Infoseite zum Protest   >>> Der Offene Brief   >>> Pressemitteilung 2.2.11
>>> SAMW-"Ethikkommission": "Genitalverstümmelungen ethisch unbedenklich"
>>> Kispi-Chefarzt: "Genitalverstümmelungen lieber hier durchführen als im Osten"
>>>
Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Luzern 2010
- Aktion & Offener Brief Inselspital Bern 2009
- Aktion & Offener Brief Kinderspital Zürich 2008
- Anfrage Kantonsrat Luzern 2010 
- Anfrage Kantonsrat Bern 2009
- Anfrage Kantonsrat Basel Stadt 2010
- Anfrage Kantonsrat Zürich 2009