ANHANG 1:
Einige "Intersex"-Veranstaltungen an Universitäten, die kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern und Jugendlichen praktizieren – offenbar ohne die Praxis im eigenen Hause konkret zu kritisieren

17.11.2010: J. W. Goethe-Universität Frankfurt (Cornelia Goethe Colloquien)

18.-20-01.2012: Technische Universität Dresden (Internationale & interdisziplinäre Konferenz "Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft")

08.05.-03.07.2012: Eberhard Karls Universität Tübingen (Studium Generale)

09.05.2012: Freie Universität Berlin (Human Rights Lectures 2012)

10.05.2012: Ruhr-Universität Bochum (Fachtagung "anders und gleich in NRW")

13.05.2012: Friedrich-Schiller-Universität Jena (IDAHOT* Jena 2012)

15.05.2012: Universität Hamburg (Queere Hochschultage)

28.06.2012: J. W. Goethe-Universität Frankfurt (AFLR Inhaltecafé)

ANHANG 2:
Kritik von Betroffenen und solidarischen Nicht-Zwittern an "rein akademischer" Behandlung des Themas ohne gleichzeitige praktische Solidarität im Kampf gegen uneingewilligte "Genitalkorrekturen"


Ausführliche bibliographische Angaben und ggf. Downloadlinks sowie weitere Texte:

http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2009/08/23/Zwitter-und-progressive-LGBTs-gegen-Vereinnahmung

Emi Koyama / Lisa Weasel:

"Von der sozialen Konstruktion zu sozialer Gerechtigkeit. Wie wir unsere Lehre zu Intersex verändern." (2002)

"Die Ergebnisse dieser Pilotstudie bestätigten unsere Vermutung, dass Intersex hauptsächlich als Forschungsobjekt verstanden wird, um den Begriff der Zweigeschlechtlichkeit (und des Sexismus, sowie der Homophobie) zu dekonstruieren, und nicht als ein Thema gesehen wird, das in der realen Welt Implikationen für reale Leute hat."

"Auch wenn die Lehrenden die besten Absichten hegen, untergraben fehlendes Bewusstsein für und die fehlende Beachtung der Realitäten von Intersexuellen die adäquate Darstellung des Themas. Dabei werden unbeabsichtigt die Nicht-Sichtbarkeit und die Objektivierung der Intersexuellen perpetuiert."

Georg Klauda:
"Über die Verstümmelung von Hermaphroditen" a.k.a."Fürsorgliche Belagerung" (2002)

"Dass sich gerade [Transsexuelle sowie Lesben und Schwule] dieses Themas annehmen, liegt an einem Überschuss von Projektion. [...] Sie sehen nicht, dass die ungefragte Adoption von Hermaphroditen durch die Lesben-, Schwulen- und Trans[sexuell]enbewegung einer Überrumpelung und Kolonialisierung gleichkommt und moralisch unzulässig ist, weil sie das eigentliche Anliegen von Menschen mit medizinischer Gewalterfahrung überdeckt."

"Wir werden uns deshalb daran gewöhnen müssen, Hermaphroditen nicht als Angehörige einer Minderheit anzusprechen, sondern, ihrer eigenen Einschätzung gemäß, als medizinische Folteropfer."

Gabriele Dietze:

"Schnittpunkte. Gender Studies und Hermaphroditismus" (2006)

"Ohne sich der Quelle bewusst zu sein oder darauf zu reflektieren, 'umarmte' die zweite amerikanische Frauenbewegung den nützlichen Begriff Gender und begründete mit ihm den Ursprung einer neuen wissenschaftlichen Spezies (Disziplin), die Gender Studies."

"Vonnöten ist allerdings nicht nur ein Bewusstsein der Gender Studies gegenüber der Real-Existenz von Intersexualität und den traumatisierenden Effekten des gegenwärtigen Gender Normalisierungsregimes, sondern es ist ebenso zentral, die Genealogie der Kategorie Gender erneut zu durchschreiten und die Geschichte ihrer Operationalisierung mit der Tatsache zu konfrontieren, dass sie sozusagen in ihrer Ursprungsszene schon 'operativ' war."

Joke Janssen:
"Theoretisch intersexuell. Wie intersexuelle Menschen zwischen den Zeilen bleiben." (2006/2009)

"Die politischen Forderungen nach körperlicher Selbstbestimmung einer breit angelegten Medizinkritik oder einer Kritik der Zweigeschlechtlichkeit, welche die Individuen nicht aus dem Fokus verliert, finden sich ich den von mir gewählten gendertheoretischen Texten nicht wieder. Im Gegenteil lässt sich durchaus sagen, dass Intersexualität nur als abstrakt bleibende Widerlegung des Prinzips Zweigeschlechtlichkeit Eingang in die von mir kritisierten Texte findet."

"Eine theoretische Behandlung von Intersexualität, welche die Forderungen von Aktivist_innen nicht mitdenkt, schafft eine textuelle Wirklichkeit, in der eine «Gruppe» eine andere repräsentieren kann und Individuen bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um an Diskursen teilnehmen zu können."

ANHANG 3:
Download Senatsanträge und Dekanatsanfrage Gießen, Marburg und FFM

Senatsantrag und Dekanatsanfrage Gießen:
http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2012/04/25/Senat-JLU-Stellungnahme-kosmetische-Genitaloperationen

Senatsantrag Marburg:
http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2012/04/12/Senat-der-Philipps-Universitat-Marburg-Stellungnahme-Genitaloperationen

Senatsantrag FFM:
http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2012/11/14/LIVEBLOG-Senatssitzung-zu-kosmetischen-Genitaloperationen-an-der-Goethe-Uni-FFM-14-11-12-ab-14h

Nachtrag Marburg und Gießen: Leider wurden die bewilligten Anträge schlussendlich schubladisiert und entgegen der Absichtserklärungen der Uni-Verantwortlichen keine Aufarbeitung unternommen. PFUI!!

Nachtrag 2015: Kinderspital Zürich startet Aufarbeitung von Intersex-Klitorisamputationen

>>> Chirurgische "Genitalkorrekturen" an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe 
>>> "Klitorisamputationen an Kindern - Aufarbeitung tut Not!" Offener Brief an Uni ZH