'Genitalverstümmelungen stoppen!' - Aktion von Zwischengeschlecht.orgEthikrat-Pressekonferenz, 23.2.2012 (Bild: © dapd/sueddeutsche.de)

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Zwischengeschlecht.org on FacebookPressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 13.01.2014:

Heidi Walcutt: 'STOP Intersex Genital Mutilation!' (1997)

Hannover: Niedersächsischer Fachtag "Intersexualität" vom Di 14.01.2014 wirft Schlaglicht auf gravierende Menschenrechtsverletzungen
– Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult und Medizinische Hochschule Hannover (MHH) geben sich unbeirrt

Am 18.07.2012 hatte der Landtag Niedersachsen verdankenswerterweise einstimmig festgehalten:

"Das Recht auf Unversehrtheit gilt auch für intersexuelle Menschen" (16/5045).

Der Landtag befindet sich damit in guter Gesellschaft mit der Niedersächsischen Landesregierung (16/5608), dem Bundestag (hib), dem UN-Ausschuss gegen Folter (CAT/C/DEU/CO/5), dem UN-Sonderberichterstatter über Folter (A/HRC/22/53), dem Europarat (Res. 1952/2013) und vielen anderen mehr.

Mehrfach wurde seither die Unteilbarkeit des Rechts auf körperliche Unversehrtheit betont – dass ALLE Kinder mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen gleichermaßen geschützt werden müssen: "Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab." (Familienausschuss, Protokoll)

Kinderchirurgie Hannover: Lachen über Menschenrechte

Ganz eigene Vorstellungen von körperlicher Unversehrtheit hat demgegenüber das "Zentrum Kinderchirurgie Hannover", ein Zusammenschluss von Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT und Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Für Kinderchirurgie-Chefin PD Dr. Barbara Magda Ludwikowski und den Leitenden Oberarzt Prof. Dr. Ricardo González ist der Fall klar: Kosmetische "Klitorisverkleinerungen" an "Mädchen mit zu großer Klitoris" müssen möglichst rasch durchgeführt werden – am besten im Alter von 5-6 Monaten ("im Einklang mit unserer Richtlinie für frühe Hypospadiekorrekturen") und nach einer OP-Methode von 1983 (Frontiers in Pediatrics, 10.01.2014 / Symposium AG Kinderurologie DGKCH 2013).

Ausgeliefert! Vorgängig empfehlen sie eine "kurze Vaginaluntersuchung unter Narkose" mit 3 Monaten sowie verbindlich einen ausführlicheren Penetrationstest unter Narkose noch vor der Pubertät: "Untersuchung unter Narkose zur Beurteilung des vaginalen Introitus in einer nicht-traumatisierenden Weise vor dem Beginn sexueller Aktivitäten, um wenn nötig Nachoperationen oder Bougierungen empfehlen zu können" (Frontiers in Pediatrics, 10.01.2014 / Frontiers in Pediatrics, 21.11.2013).

Last but not least machen sich die Hannover-ChefchirurgInnen PD Ludwikowski und Prof. González in einem am letzten Freitag 10.01.2014 publizierten, internationalen Fachartikel offen lustig über die Unteilbarkeit des Rechts auf körperliche Unversehrtheit – und propagieren (abgesehen von wenigen, sehr seltenen Ausnahmen) bei ALLEN Kindern mit "Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD)" oder "sonstigen genitalen Fehlbildungen" inkl. "Hypospadie" unbeirrt kosmetische "Genitalkorrekturen" im Kleinkindesalter

"Die Debatte über den Zeitpunkt der chirurgischen Korrektur bei Mädchen mit Adrenogenitalem Syndrom (AGS) ist intensiv und wurde zum Teil in Gang gebracht durch Betroffenengruppen, großteils bestehend aus unzufriedenen Erwachsenen mit Operationen im Kindesalter. Ihr Einfluss war hilfreich, um Chirurgen dazu zu bringen, die Geschlechtszuweisung in gewissen Fällen von DSD und anderen genitale Fehlbildungen [...] neu zu überdenken. Ein paar Autoren schlugen ein Verbot für alle medizinisch nicht notwendigen Operationen an Kindern vor.

Trotzdem denken wir, so sinnvoll diese Debatte auch sein mag, die Behandlung von Mädchen mit AGS sollte ausgenommen werden. [...] Wenn wir frühe Genitalkorrekturen an Mädchen mit AGS verbieten wollten, so müssten Chirurgen vernünftig sein und konsequenterweise auch Hypospadiekorrekturen [...] bei Kleinkindern und einwilligungs-unfähigen Kindern verbieten."  (Frontiers in Pediatrics, 10.01.2014)

Genau letzteres, nämlich die Ächtung und Unter-Strafe-Stellung ALLER uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen, irreversiblen, kosmetischen "Genitalkorrekturen" an ALLEN Kindern mit "atypischen Genitalien", fordern Betroffene seit mittlerweile 20 Jahren, sekundiert u.a. vom UN-Sonderberichterstatter über Folter (A/HRC/22/53) und dem Europarat (Res. 1952/2013).

Systematische Entgleisungen

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

Diese Entgleisungen aus dem Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind leider keine einmaligen Ausrutscher, sondern haben System – und im Fall von Prof. Dr. Ricardo González eine sehr lange Geschichte. Weiter vertrat Prof. González die "Kinderchirurgie Hannover" am letzjährigen Welt-Kinderchirurgenkongress WOFAPS 2013.

Auch die Kinderendokrinologie unter PD Dr. med. Sabine Heger behandelt schwerpunktmäßig"Störungen der Geschlechtsentwicklung" und ist in allen "wissenschaftlichen Gesellschaften", die in ihren Leitlinien bis heute unbeirrt nicht-eingewilligte, kosmetische Intersex-"Genitalkorrekturen" empfehlen, aktiv beteiligt (DGKJ, ESPE, DGE, APE) – die Kinderklinik AUF DER BULT war zudem letztes Jahr Ausrichterin des GenitalabschneiderInnen-Kongresses "Ja-PED 2013" (Programmpunkte u.a. "Genitaloperationen bei DSD", "Gonadektomien [=Kastrationen] bei DSD", "Stand der Überarbeitung der aktuellen Leitlinie DSD").

[Weitere niedersächsische Kliniken, in denen Intersex-Genitalverstümmelungen angeboten und praktiziert werden, sind u.a. Göttingen, Bochum, Wolfsburg und Osnabrück.] 

Fachtag: Menschenrechtsverletzungen entgegentreten

Der Niedersächsische Fachtag "Intersexualität" (Information und Anmeldung) von morgen Dienstag, 14.01. geht zurück auf die Beschlüsse von Landtag (16/5045) und Landesregierung (16/5608). Ein Workshop widmet sich ausdrücklich den andauernden, gravierenden Menschenrechtsverletzungen an Intersex-Menschen – und welche Verpflichtungen für Land und Kommunen sich daraus ergeben.

Zwischengeschlecht.org wird an der Fachtagung auf die skandalösen Menschenrechtsverletzungen im Kinderkrankenhaus AUF DER BULT und in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hinweisen – und konkrete Gegenmaßnahmen fordern.

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0)76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse_at_zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

>>> LIVEBLOG 1. Fachtag „Intersexuelle Menschen in Niedersachsen“
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Pressespiegel 1. Niedersächsischer Intersex-Fachtag

>>> Niedersachsen, Land von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Göttingen, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)
>>> Bochum, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Intersex Genital Mutilations (IGM) – eine Genealogie der TäterInnen 
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben