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STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!INHALT
1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten
2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen
3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen
       a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker: "Medizinisch nicht notwendig"
       b) Lucie Veith: "Verbot kosmetischer Genital-OPs bis 16 Jahre"
       c) Prof. Dr. Hertha Richer-Appelt: "Hypospadie = Krankheit"
       d) Dr. Michael Wunder: "Kosmetische Genitalkorrekturen O.K."

1.  Betroffene von "Genitalkorrekturen" im Kindesalter nicht vertreten

Die Konrad-Adenauer-Stiftung lädt heute ab 11 Uhr einer "Fachkonferenz zum Thema Intersexualität" mit dem scheinbar obligaten Titel "Leben zwischen den Geschlechtern".

Das Hauptthema der Betroffenen, kosmetische "Genitalkorrekturen" im Kindes- und Jugendalter, handelt die offizielle Ankündigung ausschließlich in Vergangenheitsform ab – die Hauptkritikpunkte der Betroffenen (Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, Verstoß gegen körperliche Unversehrtheit, Folgeschäden, Traumatisierungen) werden nicht oder höchstens indirekt erwähnt:

"So wurden Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen häufig ohne Einwilligung der Eltern frühzeitig operiert, in der Annahme, das Geschlecht sei sozial konstruiert und man könne vermeintlichen gesellschaftlichen Komplikationen vorbeugen, was zu schwerwiegenden Komplikationen und Identitätskrisen führte." (Flyertext)

Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sind einmal mehr nicht vertreten – MenschenrechtsexpertInnen ebenfalls nicht.

Ob Intersex-Genitalverstümmelungen unter diesen Vorzeichen angemessen angesprochen werden, oder mal wieder höchstens einige wenige und bevorzugt vergleichsweise seltene kosmetische Eingriffe konkret thematisiert werden, z.B. Kastrationen an "XY-Frauen"), wird sich zeigen – ebenso,  wie transparent anschließend von der Stiftung über den Anlass informiert wird (oder eben nicht).

Anlass dazu bestünde nicht zuletzt durch der letzte Woche einstimmig überwiesenen Intersex-Anträge im Bundestag, die einmütig ein gesetzliches Verbot von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter sowie historische Aufarbeitung einfordern.
 

2.  Intersex-Fachkonferenz der Adenauer-Stiftung in Zahlen

6 PolitikerInnen und Ministerialbeamtinnen "verschiedener Fachbereiche und über Parteigrenzen hinweg"  (4 CDU/CSU, 1 FDP, 1 Grüne, 0 SPD, 0 Linke)
1 Mitglied des Deutschen Ethikrates, das "geschlechtsverdeutlichende" kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern propagiert: Dr. Michael Wunder (Leiter der Ethikrat-AG "Intersexualität")  
1 Pädiater (Chefarzt) einer Kinderklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt (siehe unten 3a): Prof. Dr. Gernot H.G. Sinnecker (Wolfsburg)
1 Sexologin aus einer Universitätsklinik, die bis heute alle gängigen kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern anbietet und durchführt: Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Hamburg-Eppendorf)
1 Betroffene einer kosmetischen "Genitalkorrektur" (Kastration) im Erwachsenenalter: Lucie Veith (XY-Frauen, Intersexuelle Menschen e.V.) (siehe unten 3b)
1 Mutter eines betroffenen Kindes (genitaloperiert): Julia Marie Kriegler (XY-Frauen Eltengruppe)
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Kindesalter
0 Betroffene von kosmetischen "Genitalkorrekturen" im Jugendalter
0 Eltern eines unversehrten betroffenen Kindes
0 Sachverständige mit Kernkompetenz Menschenrechte

Total:
3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker)
1 "Alibi"-Vertreterin von Betroffenen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" (Lucie Veith)
 

3.  Standpunkte, Fakten und Zitate geladener ExpertInnen

a) Prof. Dr. Gernot Sinnecker (Chefarzt Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg): "Medizinisch nicht notwendig, nicht evidenzbasiert, psychosozial indiziert wegen der Eltern, trotzdem weit verbreiteter Standard" - Heute angeblich keine kosmetischen Eingriffe mehr - Fakt: Sinneckers Klinik bietet ganze Bandbreite an

- Medizinisch nicht notwendig: „Klitorisreduktionsplastik“, „Neovagina“, Hodenentfernung [Kastration] (ausser Gonadendysgenesie bei Y-Chromosom)

"Eine verstümmelnde, also mit der Entfernung von Gewebe einhergehende Operation, z.B. „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ beim Säugling oder Kleinkind sind nicht medizinisch indiziert. Die häufig geäußerte Sorge, das Kind könnte z.B. von anderen Kindern gehänselt werden und dadurch psychischen Schaden nehmen ist wissenschaftlich nicht bewiesen und wäre meiner eigenen Einschätzung nach selbst dann kein hinreichender Grund, sich über das Selbstbestimmungsrecht des Kindes hinwegzusetzen und seine körperliche Integrität zu beschädigen." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Nicht evidenzbasiert: "operative Korrektur einer Hypospadie"

"Weitgehend unstrittig ist die operative Korrektur einer Hypospadie (Harnröhre endet an Penisunterseite oder am Damm oberhalb des Hodensacks) durch Verlängerung der Harnröhre bis zur Penisspitze. Im Allgemeinen wird dieser Eingriff gegen Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt. Dies gilt als weit verbreiteter Standard, ist aber nicht evidenzbasiert. Letztlich ist dieser frühe Operationszeitpunkt auf die Vorstellung zurückzuführen, Kinder könnten in diesem Alter operative Eingriffe am Genitale psychisch besser verkraften als später, wenn sie den Eingriff bewusster erleben und „Kastrationsängste“ entwickeln könnten (nicht evidenzbasiert).
Tatsächlich ist die operative Technik aufgrund der kleinen Verhältnisse in diesem Alter eher schwieriger, narbige Verengungen der neugebildeten Harnröhren machen gelegentlich wiederholte Bougierungen (apparative Aufdehnungen) erforderlich, die langfristig zu einer narbigen, starren Harnröhre führen können mit entsprechenden Problemen im Erwachsenenalter. Es spricht daher viel dafür, diese Operationen erst dann durchzuführen, wenn der Penis größer geworden ist und die Betroffenen selbst entscheiden können, ob sie eine operative Korrektur wünschen."
(Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr

"„Wir haben als Ärzte einen Lernprozess durchgemacht.“ Vor 20, 25 Jahren sei das gängige Therapieverfahren gewesen, Kleinkinder und Babys mit uneindeutigen Geschlechtssmerkmalen schnellstmöglich zu operieren, so der Professor. […]  „Heute“, sagt Sinnecker, „steht die Selbstbestimmung des Kindes an oberster Stelle.“ […] „Jede Operation, die vermeidbar ist, wird verschoben auf den Zeitpunkt, an dem Betroffene selbst entscheiden können.“ Lediglich medizinisch notwendige Eingriffe würden vorgenommen." (Potsdamer Neueste Nachrichten)

- Fakt: Sinneckers Kinderklinik (u.v.a.m.) bieten nach wie vor ganzes Spektrum kosmetischer "Genitalkorrekturen" an 

Es gibt konkrete Zeugnisse, wonach Sinnecker tatsächlich nicht zu "Genitalkorrekturen" drängte, was auch seiner Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Wolfsburg gut ansteht. Leider ist das bundesweit alles andere als die Regel. Es ist Sinnecker hoch anzurechnen, dass er dazu Klartext bringt: "Hypospadie-Korrekturen" an Kleinkindern SIND "weit verbreiteter Standard", und nicht alle Kollegen haben genug Skrupel, eine „Klitorisreduktionsplastik“ oder z.B. die operative Bildung einer „Neovagina“ an einem Kleinkind NICHT durchzuführen. Wo Sinnecker jedoch aus politischen Gründen öffentlich rundheraus (ond ohne Belege) behauptet, es würden seit "20, 25 Jahren" nirgends mehr Kinder "genitalkorrigiert", macht er sich zum Täter. Enstprechend leider auch das Online-Angebot von Sinneckers Kinderklinik Wolfsburg:

"Kinder- und Jugendgynäkologie
    •    Diagnostik und Therapie von Genitalfehlbildungen und anderen Erkrankungen des Genitales
    •    In Zusammenarbeit mit der Frauenklinik und der Klinik für Urologie"

(Kinder- und Jugendklinik – Schwerpunkte)

"Rekonstruktive und plastische Operationen
    •    Behebung von angeborenen Fehlbildungen ([…]Hypospadien und Penisdeviation)"

(Klinik für Urologie – Schwerpunkte und Ausstattung)

 
b) Lucie Veith
(Intersexuelle Menschen e.V., XY-Frauen):

- "Genitaloperationen müssen verboten werden" - " Verstümmelung muss aufhören" (Tagesschau)

- "Verbot kosmetischer Genital OPs bis zum 16. Lebensjahr" (Hermaphroditforum)

- "Menschenrechtsverletzungen ziehen sich durch die ganze Gruppe der intersexuellen Menschen und reichen von Menschen mit AGS bis zum echten Hermaphroditen, von Klinefelter-Menschen bis zur Hypospadie" (Stellungnahme Familienausschuss, S. 14)

- "Kein Recht der Eltern in solche Verstümmelungen einzuwilligen" - "Kastration und Genitalbeschneidung verletzen körperliche und seelische Unversehrtheit" (Bayerische Staatszeitung)
 

c) Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt (Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf UKE): "unzureichende wissenschaftliche Evidenz" - "Traumatisierungen erwiesen" - "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrekturen in jedem Fall medizinisch notwendig" - "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität" - "Geschlechtszuweisung" vs. Geschlechtsangleichung" - Fakt: Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig vom "Chromosomensatz" oder "Geschlecht" - "Früher war's schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert" - Fakt: UKE und AKK bieten ganze Bandbreite an, praktizieren weiter kosmetische "Genitalkorrekturen"

- "Unzureichende Evidenz, aber trotzdem behandeln" 

"Einleitend sei gesagt, dass für die meisten Behandlungsmaßnahmen nur unzureichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt, was aber nicht bedeuten soll, dass man Personen mit Intersexualität nicht behandeln darf." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

- "Traumatisierungen erwiesen"

"Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass körperliche Eingriffe im Säuglingsalter keine negativen Auswirkungen auf die psychische Entwicklung des Kindes haben können. Dem zu Grunde lag die Annahme, dass es in dieser frühen Zeit keine Traumatisierungen gebe. Diese Auffassung ist jedoch durch die Traumaforschung der letzten Jahre widerlegt und wir wissen, dass bereits in der Embryonalzeit Stressbelastungen der Mutter sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. V.a. gilt dies auch für die Konstruktion einer Neovagina, die regelmäßig gedehnt werden muss, um funktionsfähig zu bleiben. Gerade diese Erfahrung wurde wiederholt von betroffenen Personen als besonders belastend geschildert." (Stellungnahme Ethikrat, S. 1)

- "Hypospadie eine Krankheit, chirurgische Korrektur in jedem Fall medizinisch indiziert" 

"Es gibt aber im Zusammenhang mit der Behandlung von Personen mit Intersexualität eine Reihe unterschiedlicher chirurgischer Maßnahmen, von denen bei einigen die medizinische Indikation in jedem Fall gegeben ist, da sonst eine funktionelle Beeinträchtigung besteht (z.B. bei Vorliegen einer Hypospadie), und/oder die gesundheitsgefährdend sein könnten." (Stellungnahme Ethikrat, S. 2)

- Fakt: "Hypospadie-Korrekturen" sind praktisch immer kosmetisch und werden aus "psychosozialen Gründen" an Kindern durchgeführt.

Eine medizinische Notwendigkeit besteht nur in sehr seltenen Fällen, wenn der Harnabfluss unoperiert behindert oder blockiert ist, oder bei Schmerzen. Ansonsten bestehen KEINE medizinischen Gründe, "Hypospadie-Korrekturen" uneingewilligt im Kindesalter aufzuzwingen – aber gute Gründe, damit zuzuwarten (was viele Ärzte auch offen zugeben, vgl. z.B. oben 3a) Gernot Sinnecker: "Nicht evidenzbasiert").

Sogar die aktuelle AWMF-Leitlinie 006/026 "Hypospadie" (Evidenzstufe 1 = niedrigste) spricht ausdrücklich von Indikationen "auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen".

Auch in den Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg wird kein Hehl daraus gemacht, dass frühe "Hypospadie-Korrekturen" NICHT aus medizinische Gründen gemacht werden, sondern aus "psychologischen":

"Die Operation sollte zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat oder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt werden („Psychologisches Fenster“)." (Prof. Dr. med. Margit Fisch und Dr. med. Silke Riechardt)

Ebenso z.B. das Universitätsklinikums Jena und die Asklepios-Kinderklinik St. Augustin unisono:

"Beschwerden liegen [im "unkorrigierten" Zustand] fast nie vor, auch die Harnentleerung bereitet nur in Ausnahmefällen Probleme" - Nichtsdestotrotz empfohlene "Therapie": "Korrektur zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat." - "Begründung": "Bei späteren Eingriffen kann bereits das Selbstwertgefühl der Männer leiden." (Homepages der Klinken)

- "Klitorisreduktionen bei XX-Chromosomensatz zur Behebung von Auffälligkeiten – bei Operierten mit XY-Chromosomensatz Verminderung der sexuellen Sensibilität"

"Davon unterschieden werden müssen Operationen, bei denen es entweder um die Angleichung an das eine oder andere Geschlecht geht (dabei wird eine Entscheidung ob männlicher oder weiblicher Körper getroffen), oder um Operationen, die Auffälligkeiten im Rahmen einer Geschlechtszugehörigkeiten beheben sollen (d.h. Klitorisreduktion bei AGS mit einem weiblichen Chromosomensatz ist nicht gleichzusetzen mit „Klitoris“reduktion bei Personen mit einem XY Chromosomensatz im Rahmen einer Zuweisung zum weiblichen Geschlecht, da man in diesem Fall eigentlich von einer an das weibliche Geschlecht anpassende Verkleinerung des Mikro-Penis sprechen müsste)." (Stellungnahme Ethikrat, S. 3)

"Es geht hier nicht nur um eine schwerwiegende Gefahr sondern z.B. auch um die sexuelle Sensibilität, die unter den chirurgischen Eingriffen leiden kann. Nicht wenige erwachsene Personen mit einem XY Chromosomensatz, die einem weiblichem Körper zugewiesen wurden, leiden im Erwachsenenalter unter sexuellen Problemen. Die sexuelle Erregbarkeit, darf nicht ästhetischen Gesichtspunkten hinten angestellt werden." (Stellungnahme Ethikrat, S. 4)

- Fakt: Das Recht auf Körperliche Unversehrtheit gilt für alle Kinder, unabhängig von "Chromosomensatz" und "Geschlechtszugehörigkeit"! - Auch die Unterscheidung zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" (die der Deutschen Ethikrat ebenfalls propagiert, vgl. unten 3d) widerspricht sämtlichen Menschenrechten:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab."
(Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012)

- Heute angeblich keine kosmetischen "Genitalkorrekturen" mehr: Richter-Appelt ist unter Betroffenen bekannt als eifrige Verbreiterin des Behandler-Märchens "Ja, früher war es vielleicht schlimm – aber heute ist alles gaaanz anders, sind wir ja alle sooo tolerant und es wird lääängst nicht mehr operiert." 

- Fakt: Kinderkliniken von Richter-Appelts Uni (u.v.a.m.) propagieren und praktizieren (fast) alle gängigen "Genitalkorrekturen"

Richter-Appelt hat für einzelne Betroffenen(unter)gruppen punktuell viel getan, namentlich für "XY-Frauen" (einer ihrer Lieblingsbegriffe – passt auch so schön durch ihre frühere Brille als "Transsexuellen-Expertin" >>> Kritik im von Betroffenen im Hermaphroditforum  >>> Kritik von Betroffenen in Kommentaren hier). Unzweifelhaft kommt Richter-Appelt hier ein entsprechender Verdienst zu, speziell betreffend künftiger Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Kastrationen bei (XY-)CAIS-Menschen und in geringerem Masse auch betreffend "Klitorisreduktionen" bei (XY-)AIS.

Andrerseits gibt Richter-Appelt unzweifelhaft die ganz große Mehrzahl aller Übrigen von kosmetischen "Genitalkorrekturen" Gefährdeten (u.a. "Hypospadie", "AGS/CAH") ungerührt zum Abschuss frei (siehe oben); ebenso ist deren Teilhabe am "Dialog" nicht vorgesehen, folglich werden sie von Richter-Appelt konsequent mit salbungsvollen Sprüchen ausgegrenzt (>>> Kritik 1 >>> Kritik 2) – fast ein bisschen wie beim Deutschen Ethikrat und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung ...

Entsprechend bieten auch die Kinderkliniken UKE und AKK von Richter-Appelts Universität Hamburg die ganze Bandbreite von kosmetischen "Genitalkorrekturen" nach wie vor öffentlich an – und führen erwiesenermaßen heute noch serienmäßig kosmetische "Genitalkorrekturen" durch. 
  

d) Dr. Michael Wunder (Deutscher Ethikrat, Sprecher "AG Intersexualität"):

- "geschlechtsverdeutlichende kosmetische Genitalkorrekturen an Kleinkindern zulässig"  

- Fakt: Menschenrechte sind nicht teilbar, Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt für alle betroffenen Kinder, "Unterscheidung" zwischen "geschlechtszuweisenden" vs. "geschlechtsangleichenden" kosmetischen "Genitalkorrekturen" verstößt gegen Grund- und Menschenrechte:

"Die internationalen Gremien arbeiteten nicht mit der Unterscheidung zwischen geschlechtszuweisenden und geschlechtsangleichenden Operationen. Sie stellten auf die Auswirkungen für die betroffene Person, nämlich auf die Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit, ab." (Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, vor dem Bundestags-Familienausschuss, 24.10.2012

Weshalb der Deutsche Ethikrat und seine Stellungnahme vom 23.2.2012 auch einhellig von ALLEN Betroffenenorganisationen unmissverständlich kritisiert wurde:
- Zwischengeschlecht.org 29.07.2011 "Betroffene ausgegrenzt und zensiert"
- Intersexuelle Menschen e.V. 23.02.2012 "Genitaloperationen verbieten"
- OII Deutschland (IVIM) 23.02.2012 "Nicht lebensnotwendige Eingriffe unterbinden" 

- Kosmetisch "genitalkorrigiertes" Kind als "wünschenswerten Regelfall" und "Beispiel für tolerable Erziehung" 

- Fakten:
    1. Kosmetische "Genitalkorrekturen" sind unmenschlich (UN-SRT)
    2. Betroffene mundtot machen um unliebsame Themen auszublenden auch
    3. Politische Vereinnahmung von Betroffenen ist unfair!
  

Intersex: Ohne Aufarbeitung, Keine Aussöhnung

 
Nachtrag 1: Bundesfamilienministerin Schröder: "Akzeptanz Ja" - Körperliche Unversehrtheit kein Thema - sieht "Betroffene" doppelt

Laut einer >>> Meldung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Familienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU/CSU) an der Tagung "für eine größere Akzeptanz von intersexuellen Menschen und deren Recht auf Selbstbestimmung geworben."

Worunter Schröder offenbar ausschließlich Personenstandspolitik ("Geschlechtszuweisung") und Diskriminierung versteht ("Anrede"). Körperliche Unversehrtheit und Beendigung kosmetischer "Genitalkorrekturen" an Kindern erwähnt sie dagegen nicht einmal. Behauptet stattdessen, es seien mehrere "Betroffene" an der Tagung vertreten gewesen.

Fakt: Wie oben unter "2. Zahlen" aufgeschlüsselt, war in Berlin tatsächlich nur 1 "Alibi"-Betroffene vertreten (Lucie Veith) – dagegen 3 VertreterInnen von Institutionen, die kosmetischen "Genitalkorrekturen" an Kindern propagieren und/oder durchführen bzw. durchführen lassen (Michael Wunder, Hertha Richter-Appelt, Georg Sinnecker).  

>>> Tagungs-Bericht von Peter Tauber (CDU/CSU): "präventives Verbot obsolet?" 
>>>
Thread zu Schröders Statement auf crossdresser-forum.de Danke!
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Solidarischer Post und Kommentare auf queer.de Danke!

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