Intersex-Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe
By seelenlos on Friday 23 March 2012, 01:17 - Die Mediziner - Permalink
Friedlicher Protest vor der
Ethikrat-Pressekonferenz, Berlin 23.02.2012
INHALT:
1. Die häufigsten kosmetischen "Genitalkorrekturen"
a) "Hypospadiekorrekturen"
b) Klitorisamputationen /
"Vaginalplastiken"
c) Kastrationen d) Anlegen
"Neovagina"
e) Brustamputationen
f) "Hodenverlagerungen"
2. Weitere kosmetische Eingriffe / Abgrenzung
3. Es wird unbeirrt weiterverstümmelt!
4. Es geht um Folter und unmenschliche Behandlung,
NICHT um "Geschlecht"
5. Medizyngeschichte u. "Krankheits"-Bezeichnungen
Gegen
Zwitter-Tabu,
Schweigegebote und
Erpressung!
Intersex-GenitalverstümmlerInnen sind zum möglichst ungestörten
Weiterverstümmeln dringend darauf angewiesen, dass nicht über die
Verstümmelungen geredet wird. Und falls doch, dann nicht im Detail, und immer
nur über einzelne wenige, aber nie über alle.
1. Die häufigsten kosmetischen "Genitalkorrekturen" & ihre Diagnosen:
a) Harnröhrenverlegungen, Hypospadiekorrekturen – Hypospadie,
Fehlbildungen der Harnröhre: Harnröhrenausgang liegt irgendwo zwischen
Penisspitze und Hodensack, ev. in Verbindung mit Bauchhoden und/oder
(Partieller) Androgenresistenz ((P)AIS) (siehe unten). Klassische
"vermännlichende Genitalkorrektur", der Penis wird auseinandergeschnitten und
es wird versucht, eine künstliche Harnröhre u.a. aus Vorhaut oder
Mundschleimhaut zu konstruieren mit Ausgang an der Penisspitze; z.T. in
Verbindng mit zusätzlicher "Penisaufrichtung". Sehr hohe Komplikationsraten,
offizielle Diagnose für hoffnunglos Kaputtoperierte: „Hypospadie
Krüppel“. "Hypospadie" ist mittlerweile die wohl häufigste Diagnose für
kosmetische Genitaloperationen im Kindesalter.
Die aktuelle AWMF-Leitlinie 006/026 (Evidenzstufe 1 = niedrigste)
empfiehlt ausdrücklich Operationen „auch aus
ästhetisch-psychologischen Gründen.“ Die meisten Kliniken empfehlen OPs
„zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat“.
• Tiger Howard Devore: "Aufwachsen
im chirurgischen Mahlstrom"
• Ernst Bilke: "Die Wut ist gut
versteckt" - Biographie mit "Hypospadie"
• Erfahrungsberichte:
"Sehr taube Eichel nach Op" vs. "unbehandelt gut leben"
b) Klitorisamputation, Klitorisreduktionsplastiken,
Scheidenerweiterungsplastiken – Klitorishypertrophie, Adrenogenitales Syndrom
(AGS/CAH), Androgenresistenz (AIS): Erscheinungsform des äußeren
Genitals "zwischen" Klitoris und Penis, je nach Betrachtungsweise "vergrößerte
Klitoris" oder "Mikropenis mit Hypospadie"; bei AGS/CAH eventuell zusätzlich
"zu kleine" oder zugewachsene Scheidenöffnung, sowie bei AIS "zu kleine" oder
fehlende Scheide.
Bis in die 1980er Jahre wurde eine "zu grosse Klitoris" oder ein "uneindeutiges
Genitale"
kurzerhand amputiert – unter Berufung auf medizinische Studien, die
"wissenschaftlich bewiesen", das für Frauen die
Klitoris für das sexuelle Empfinden unwesentlich sei. Auch bei den neueren
"schonenderen" Methoden („Klitorisverkürzung“ oder
„Versenkung“) droht weiterhin
Verminderung oder Zerstörung der sexuellen Epfindungsfähigkeit; wird immer
noch der größte Teil der zu "korrigierenden" Klitoris weggeschnitten und
fortgeworfen.
Klassische "verweiblichende GenitalkorrekturOPs". Nach dem ChirurgInnenmotto
„It's easier to dig a hole than to build a pole“ ("Es ist einfacher,
ein Loch zu graben als einen Mast zu bauen") wurden bis Anfang des 21.
Jahrhunderts die meisten Kinder mit "atypischen"
Genitalien „zu Mädchen gemacht“.
"Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH)" ist die wohl zweithäufigste Diagnose für
kosmetische Genitaloperationen. Die aktuelle AWMF-Leitlinie 027/047
(Evidenzstufe 1 = niedrigste) empfiehlt unter „Operative Therapie“:
„[...] Die chirurgische Korrektur umfasst die Klitorisreduktionsplastik
unter Schonung des Gefäß-Nervenbündels, die Labienplastik und die
Vaginalerweiterungsplastik. In der Regel wird die Operation in Deutschland im
ersten Lebensjahr durchgeführt.“
Im Kindesalter durchgeführte "Vaginalplastiken" müssen oft regelmäßig gedehnt
werden ("bougiert") – für die Betroffenen schmerzhaft und traumatisierend. Bei
Partieller Androgenresistenz (PAIS) ist gar das "Anlegen" einer Neovagina
notwendig (s.a. unten).
• Daniela "Nella" Truffer:
"Ein Leben aus der Krankenakte"
• Alex Jürgen:
"Meine Geschichte"
c) Kastration, Gonadektomie – Komplette Androgenresistenz (CAIS),
Androgenresistenz (AIS), Bauchhoden / Adrenogenitales Syndrom (AGS/CAH)
/ Hermaphroditismus verus: Bei Kompletter Androgenresistenz
(CAIS) sowie bei "feminisierender Genitalkorrektur" bei AIS werden die gesunden
hormonproduzierenden Hoden chirurgisch aus Bauchraum, Leisten oder Schamlippen
entfernt und weggeschmissen – mit allen
lebenslangen Folgen einer Kastration. Zusätzlich werden Überlebende oft von
Behörden und Krankenkassen gewungen, lebensnotwendige adäquate Ersatzhormone
aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Dies ist die wohl dritthäufigste
Diagnose für kosmetische Genitaloperationen.
Bei "Adrenogenitalem Syndrom (AGS/CAH)" werden männlich zugewiesenen
XX-Betroffenen oft Eierstöcke und Gebärmutter entfernt.
Bei "echten Hermaphroditen", die Eierstöcke und Hoden oder Mischgewebe
aufweisen, wird meist alles entfernt, was nicht mit dem zugewiesenen Geschlecht
"übereinstimmt".
• Katrin Ann Kunze: "Die
Legende vom besonderen Kind"
• Elisabeth Müller: "Ein Zwitter ist nicht
per se krank"
• Fakten zu Kastrationsfolgen und
zum angeblichen Krebsrisiko bei (C)AIS
d) Anlegen Neovagina – Vaginalaplasie,
Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS), Komplette
Androgenresistenz (CAIS), Partielle Androgenresistenz
(PAIS):
Vagina nicht vorhanden oder nur "kurz", chirurgisches Anlegen einer künstlichen
Vagina, ausgekleidet mit transplantierter Haut oder Darm, zunehmend
laparoskopische 'Einbuchtungs-/"Dehnungs"methoden' – im Kindesalter unnötig,
traumatisierend und ohne Einwilligung der betroffenen Person.
e) Mastektomie, Brustamputation – Klinefelter-Syndrom
("XXY"):
Chirurgische Entfernung von Brüsten bei männlich Zugewiesenen, meist in der
Pubertät sobald es "auffällt". Oft bei XXY-Menschen, und ohne informierte
Einwilligung der Betroffenen.
Unzensierte
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>>> Flugblatt
mit Beispielen kosmetischer "Genitalkorrekturen" (PDF, 2MB)
WARNUNG: 2.
Seite enthält Operationsfotos!
2. Weitere kosmetische Eingriffe / Abgrenzung:
Obige Auflistung ist alles andere als abschließend. Bei den genannten Diagnosen nicht aufgeführte und ggf. weitere Eingriffe im Zusammenhang mit "atypischen Genitalien" müssen zwar nicht in jedem Fall kosmetisch sein: Zum Beispiel bei Verengungen oder Verschlüssen der Harnröhre ist ein ggf. chirurgisches Ermöglichen des Harnabflusses medizinisch klar notwendig, ebenso bei "AGS/CAH" mit Salzverlust entsprechende medikamentöse Cortisol-Substitution. Auch bei "klassischem AGS/CAH ohne Salzverlust" verhindert Cortisol-Substitution Kleinwuchs und vorzeitige Pubertät und stärkt das Recht der betroffenen Kinder auf eine offene Zukunft.
Chirurgische "Genitalkorrekturen" und "Harnröhrenverlegungen" im Kindesalter sind dagegen – wie die MedizynerInnen immer mal wieder selbst zugeben, vgl. Abbildung unten – medizinisch nicht notwendige, kosmetische Genitaloperationen aus „ästhetischen“ oder „psychosozialen“ Gründen und werden letztlich nicht für das Kind gemacht, sondern "zur Beruhigung" der meist überforderten und von den MedizynerInnen zusätzlich unter Druck gesetzten Eltern; dasselbe gilt auch z.B. für Brustamputationen (Mastektomien) bei "Jungen", für experimentelle pränatale Dexamethason-"Therapien" bei vermuteten "AGS-Mädchen" zur "Verhinderung eines vergrößerten Klitoris", usw.
Zunehmend an Bedeutung gewinnen weiter selektive (Spät)-Abtreibungen von Kindern wegen „Gefahr intersexueller Mißbildungen“.
3. Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz:
In den Kinderkliniken wird unbeirrt
weiterverstümmelt!
Als Reaktion auf die wachsende öffentliche Kritik behaupten die TäterInnen in der Öffentlichkeit zunehmend, Betroffene würden in hiesigen Kinderkliniken seit langem nicht mehr kosmetisch "genitalkorrigiert", diese Praxis sei wahlweise schon seit den 1970er oder spätestens seit den 1990er Jahren "Vergangenheit" (Hauptsache, immer mindestens seit Ablauf der absoluten Verjährung). Medien und verantwortliche PolitikerInnen plappern dies immer wieder unüberprüft nach.
Tatsache bleibt: Auch heute noch werden unverändert 90% aller betroffenen Kinder durchschnittlich mehrfach kosmetische genitalverstümmelt – mehr als die Hälfte davon, bevor sie nur schon 3 Jahre alt sind! Siehe nachfolgende aktuelle Statistik aus der weltweit größten Zwitterstudie, erfasst von den GenitalabschneiderInnen selbst:
Quelle: "Klinische Evaluationsstudie im Netzwerk DSD/Intersexualität: Zentrale Ergebnisse",
Vortrag 27.05.2009, Folie 6.
4. Es geht um Genitalverstümmelung,
Folter und unmenschliche
Behandlung, NICHT um "Geschlecht":
Als weitere Reaktion auf die wachsende öffentliche Kritik behaupten MedizynerInnen oft, "Hypospadiekorrekturen" seien etwas "ganz anderes" als "feminisierende Korrektur-OPs" und wollen erstere mit dieser "Begründung" aus der aktuellen ethischen und rechtlichen Diskussion über medizinisch nicht notwendige, kosmetische "Genitalkorrekturen" an Kindern mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen ausklammern.
Dasselbe gilt für scheinbar progressive "GenderpolitikerInnen" (inkl. Deutscher Ethikrat), die alles nur durch die "Geschlechterbrille" betrachten und deshalb Verstümmelungen strikt außer acht lassen (oder gar noch gutheißen), so lange sie nach ihrer Logik nicht als „geschlechtszuweisend“, „geschlechtzuordnend“, „geschlechtsverändernd“ usw. einzustufen sind (während andrerseits aus ihrer Sicht "nur" „geschlechtsbestätigende“ oder „geschlechtsvereindeutigende“ kosmetische Genital-OPS erlaubt bleiben sollen – obwohl es sich konkret um genau dieselben irreversiblen und medizinisch nicht notwendigen Eingriffe handelt, und noch dazu um den Grossteil!).
Dadurch soll letztlich nur noch ein verschwindend kleiner Bruchteil aller medizinisch nicht notwendigen "Genitalkorrekturen" überhaupt problematisiert werden dürfen.
Betroffenenorganisationen halten demgegenüber seit jeher fest, dass diese Argumentationen letztlich dem Eigennutz und den finanziellen Interessen der BehandlerInnen entspringen und inhaltlich wie auch historisch unzutreffend sind.
Betroffene stellen demgegenüber das Recht auf körperliche Unversehrtheit ALLER Betroffenen von medizinisch nicht notwendigen, kosmetischen Genitaloperationen ins Zentrum (diesbezügliche Kritik durch internationale Betroffenenverbände seit den 1990er-Jahren vgl. Katrina Karkazis: "Fixing Sex", 2008, S. 143f.; zu entsprechender Kritik aus Deutschland vgl. z.B. diese Definition der AGGPG), und verurteilen ALLE medizinisch nicht notwendigen "Genitalkorrekturen" an Kindern mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen als menschenrechtswidrige Westliche Form der Genitalverstümmelung und Folter und unmenschliche Behandlung.
Wie nachfolgende Illustration belegt, werden zudem von den MedizynerInnen selbst „Prader-Stadien“ ("zu grosse Klitoris") und „Hypospadie-Grade“ (Harnröhrenmündung nicht an der Spitze des Penis) im Klinikalltag auch heute noch als komplementäre Diagnose-Instrumente für sog. „abnormale Genitalien“ a.k.a. „genitale Malformationen“ und deren Behandlung nebeneinandergestellt (Quelle: UKGM Gießen, 2012 / ganzes Formular PDF):
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5. Medizyngeschichte – Entwicklung der
"Krankheits"-Bezeichnungen:
„(Pseudo) Hermaphroditismus“ hieß der medizinische Überbegriff für obige und weitere Diagnosen bis in die 1950er Jahre, gefolgt von "Intersex" im Anschluss an die Einführung systematischer "Genitalkorrekturen" an Kleinkindern. Seit 2005 lautet die aktuelle medizinische Bezeichnung „Disorders of Sex Development (DSD)“ a.k.a. „Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD)“, welche die (medizinisch nicht notwendige) "Korrekturbedürftigkeit" der Betroffenen noch betont.
"Intersex Genital Mutilations:
History & Current Practice" >>>
PDF (2.4 MB) [TRIGGERWARNUNG!!!] Englischsprachige
Dokumentation über medizinisch nicht notwendige, irreversible kosmetische
Genitaloperationen an Kindern mit "atypischen Genitalien", mit zahlreichen
konkreten Beispielen (Zitate und Scans) aus namhaften medizinischen
Fachpublikationen. Das erste Kapitel dokumentiert in Wort und Bild die 3
häufigsten kosmetischen Genitaloperationen (vgl. oben), das Zweite die
historische Entwicklung der Verstümmelungen anhand von ausgewählten
internationalen Medizyner-Publikationen (vgl.
"Intersex-Genitalverstümmelungen – eine Genealogie der TäterInnen".)
Unzensierte
Version: Draufklicken (PDF, 3.3 MB)
>>> Flugblatt
mit Beispielen kosmetischer "Genitalkorrekturen" (PDF, 2MB)
WARNUNG: 2.
Seite enthält Operationsfotos!
>>> Zwangsoperierte über sich selbst und ihr Leben
>>> Medizinische
Verbrechen an Kindern mit "atypischen" Genitalien
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen: Diskriminierung oder
Verbrechen?
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>>
Kosmetische GenitalOPs: Ausklammerung von "Hypospadie"
unethisch
>>> 150 Jahre
Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
>>>
1950 - Beginn der systematischen Auslöschung von Zwittern
>>> Wer
sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?









