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CH > “Schädliche Praxis”: Bundesrat unterschlägt UN-Rügen wegen Intersex-Genitalverstümmelungen

Foto: Friedlicher Intersex-Protest + Offener Brief zum Tag der Menschenrechte, Bundeshaus Bern 10.12.2015

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Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 24.11.2016:

Zum Abschluss seiner 65. Session rügte der UN-Frauenrechtsausschuss CEDAW die Schweiz in seinen >>> “abschliessenden Bemerkungen” (englisch) unmissverständlich wegen “Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM)”, die hierzulande immer noch von der Invalidenversicherung (IV) propagiert und bezahlt werden.

Bei den insgesamt 5 verbindlichen CEDAW-Empfehlungen zu “schädlichen Praktiken”  ging es mehrheitlich, nämlich 3 mal um unnötige Genitaloperationen und weitere Zwangseingriffe an Intersex-Kindern (vgl. “abschliessende Bemerkungen”, Abs. 24-25). Der Ausschuss fordert nicht weniger als ein gesetzliches Verbot von IGM-Praktiken, Entschädigung für Überlebende sowie psychosoziale Unterstützung für Betroffene und ihre Familien (statt Zwangsoperationen) – unter Verweis auf die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE).

Einen ganz anderen Eindruck vermittelte dagegen die Pressemitteilung des Bundesrates sowie die daraus resultierende sda-Agenturmeldung. In der >>> sda-Meldung hiess es lediglich: “Die Schweiz soll [...] geschlechterspezifische Gewalt wie Genitalverstümmelung intensiver bekämpfen. Dies fordert der zuständige UNO-Fachausschuss in einer Handlungsempfehlung.” Und laut >>> Bundesrat gab es von der UNO gar ausschliesslich Lob für “die verstärkte Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt wie weibliche Genitalverstümmelung (FGM) und Zwangsheirat.”

Dabei handelt es sich bei den CEDAW-Rügen schon um das 3. Mal, dass ein UNO-Ausschuss IGM-Praktiken in der Schweiz unmissverständlich verurteilt: 2015 hatte bereits der UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) IGM-Praktiken in der Schweiz ebenfalls als “schädliche Praxis” eingestuft (wie FGM), und der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilte IGM als "unmenschliche Behandlung", die unter das Folterverbot fällt.

Trotzdem werden Kinder mit Varianten der Geschlechtentwicklung in Schweizer Universitätskliniken unverändert am laufenden Band irreversibel genitalverstümmelt – während der Bundesrat weiterhin auf Zeit spielt und die von der IV finanzierten Menschenrechtsverletzungen unbeirrt weiterleugnet.

Die nächsten UNO-Rügen sind bereits vorprogrammiert: Aktuell untersucht der UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) Intersex-Genitalverstümmelungen in der Schweiz als Verstoss gegen den Zivipakt (CCPR) – und forderte die Schweiz bereits auf, Statistiken zu IGM-Praktiken offenzulegen. Und der UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM ebenfalls wiederholt als Verstoss gegen Art. 17 “Schutz der Unversehrtheit der Person”.

Fazit: Je länger die täglichen Verstümmelungen mit Billigung des Bundesrates weiterlaufen, desto teurer wird es für die Schweiz dereinst werden ...

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Freundliche Grüsse

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0)76 398 06 50, +41 (0)78 829 12 60
presse_at_zwischengeschlecht.info

>>> CEDAW65: Schweiz + Holland wegen Intersex-Verstümmelungen gerügt
>>>
UN-Frauenrechtaussschuss befragt Schweiz zu IGM-Praktiken
>>> "Wiedergutmachung" - humanrights.ch über CEDAW-Rüge
>>> Hipp, hipp!  Schon 20 UN-Rügen wegen Intersex-Genitalverstümmlungen! 

2016-CEDAW-Swiss-Intersex-IGM

IGM Practices in Switzerland: 2016 CEDAW Report
Human Rights Violations Of Persons With Variations Of Sex Anatomy
IGM in Switzerland• Complicity of the State  Harmful Practice
>>> Download as PDF (288 kb)

Siehe auch:
- UNO zum Intersex Awareness Day: "Schädliche medizinische Praktiken beenden"
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) untersucht IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) kritisiert IGM-Straflosigkeit in Deutschland
- CAT 2011: Deutschland soll IGM-Praktiken untersuchen und Überlebende entschädigen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)