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Genitale Verstümmelung & Folgeschäden - AGGPG 1998

Menschenrechte auch für Zwitter!

Die nachfolgend dokumentierten Forderungen stammen aus dem Jahre 1998. Leider sind sie immer noch brandaktuell. In den
12 Jahren
seit ihrer Veröffentlichung wurden in deutschsprachigen Kinderkliniken über 6000 Kinder genital zwangsoperiert. Allein in Deutschland wird von KinderchirurgInnen immer noch JEDEN TAG mindestens 1 Kind irreversibel verstümmelt, in Österreich und in der Schweiz zusätzliche JEDE WOCHE nochmals JE 1 weiteres.
Wie lange noch?!


Genitale Verstümmelung

Abhängig vom definierten Geschlecht werden möglichst zwischen der 6. Lebenswoche und dem 15. Lebensmonat diverse chirurgische Zuweisungen vorgenommen: Phallusreduktion (60-70% des Gewebes werden entfernt) oder Penisaufbauplastiken, Kastrationen, Konstruktion von Neovaginen, Hodenimplantaten, Harnröhrenverlegungen. Ist das erreichte Ergebnis nicht zufriedenstellend, wird nachkorrigiert. Es sind uns bis zu 16 Operationen an einem Kind bekannt. Hinzu kommen extrem hohe Hormonsubstitutionen, vielfache gynäkologische Untersuchungen, Bougierungen (Dehnung der Vagina mit Stäben) sowie mehrfache fotografische Ablichtung der Genitalien. Auf psychosozialer Ebene werden Eltern zu rigider geschlechtlicher Sozialisation angehalten. Bei Fehlverhalten erfolgen psychologische Untersuchungen. Die Behandlungsdauer richtet sich nach dessen Beginn und ist selten vor dem 17. Lebensjahr beendet. Hormonelle Ersatzgabe soll ebenso wie weitergehende klinische Untersuchungen lebenslang erfolgen.

Folgeschäden

Eltern erleben eine Cotraumatisierung, da sie zum einen unter erheblichen Streß gesetzt werden, medizinische Anweisungen zu befolgen, zum anderen schädliche Folgen der medizinisch nicht notwendigen Behandlung an ihrem Kind miterleben. Die hieraus resultierende Destruktivität überträgt sich auf das Kind. Für intersexuelle Kinder sind folglich Eingriffe und Reaktionen der Bezugspersonen extrem traumatisierend, denn neben massiven Integritätsverletzungen kommen strikte Tabuiserungsanweisungen, Reduktion zum Objekt und gesamtpersonelle Ablehnung seitens der Eltern hinzu. Lebenslange physische und psychische Schädigungen sind die Folge. Sozialer Unbill, welchen es offiziell zu vermeiden galt, wird dadurch noch verstärkt. Unseres Wissens zufolge unternehmen 80% der Intersexen Suizidversuche, hiervon 25% erfolgreich. [...]

Wir fordern:

  • Menschenrechte für Intersexuelle
  • das Recht auf Selbstbestimmung und vollständige Aufklärung
  • Beendigung chirurgischer Eingriffe vor Einwilligungsfähigkeit
  • psychologisches Betreuungsangebot für alle Familenangehörigen
  • außerklinische Beratungsstellen und Kontaktvermittlung zu kritischen Gruppen
      

>>> der ganze Text von 1998

Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG):
"Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen"
http://www2.iisg.nl/id/Systematik.asp?cat=3&id=83

Siehe auch:
- "Medizinische Intervention als Folter" - Michel Reiter 30.6.2000 
- "Genitalverstümmelungen in Deutschland in der Kinder- und Jugendgynäkologie" - AGGPG 1996
- "Für die Kinder kämpfen wir" - Michel Reiter, 1997 
- "Vernichtung intersexueller Menschen in westlichen Kulturen" - AGGPG 1998
- Selbstdarstellung der AGGPG 
- Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?
- Chirurgische Genitalverstümmelungen: Wie können die Täter gestoppt werden?
- Anliegen an den Deutschen Ethikrat 2010