[...] Tatsächlich ziehen die Kinderärzte in solchen Fällen einen eindeutigen Schluss: «Bei den meisten Hypospadiefällen steht fest, dass aus dem Neugeborenen ein Junge wird. Das können wir anhand der Chromosomen und der Hormone eindeutig festlegen», sagt Gobet vom Kinderspital Zürich: «Wenn wir eine Hypospadie operieren, erzwingen wir damit keineswegs das Geschlecht des Kleinkinds.» Zwischengeschlecht.org sieht das anders. Auf seiner Homepage steht: «Bei Hypospadie ist eine Operation medizinisch nicht notwendig.» [...]

[...] Sehr umstritten ist auch, was bei einer Klitorisvergrösserung und bei einer verengten Vagina bei Mädchen gemacht werden soll. Ausgenommen vom Streit sind nur Operationen, die medizinischunbedingt notwendig sind, zum Beispiel um den Harnabfluss zu sichern.

[...] Dabei sind die Fronten verhärtet. Gobet sagt: «Die Ansichten von Zwischengeschlecht.org sind sehr extrem.»

[...] «Früher wurden tatsächlich Fehler gemacht», sagt Gobet vom Kinderspital. Heute findet vor einer möglichen Operation wegen Hypospadie ein ausführliches Gespräch zwischen Eltern, Ärzten, Psychologen und Ethikern statt. Das schweizerische Menschenrechtskomitee der UNO verurteilt [...] die «weiterhin durchgeführten Genitaloperationen in der Schweiz». [...]

Ironischerweise behauptet der Artikel am Schluss fälschlicherweise, das "schweizerische Menschenrechtskomitee der UNO" [tatsächlich handelt es sich um den UN-Menschenrechtsausschuss (Human Rights Committee (HRCttee)), der die Umsetzung des UN-Zivilpakts (Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (CCPR)) überwacht und deshalb alle Vertragsstaaten periodisch überprüft, und in diesem Zusammenhang IGM in der Schweiz deutlich rügte] habe angeblich "ausdrücklich [gelobt], dass das Zürcher Kinderspital damit begonnen hat, vergangene Fehler aufzuarbeiten."

Tatsächlich hat der Ausschuss in seinen "Concluding Obervations" mit den verbindlichen Empfehlungen an die Schweiz weder das Kispi noch die aktuelle "Intersex-Aufarbeitung durch Aktenvernichtung" explizit erwähnt. Hingegen hat der Ausschuss unmissverständlich bekräftigt, die Schweiz habe "b) dafür zu sorgen, dass die Krankenakten zugänglich sind und dass Untersuchungen in Fällen eingeleitet werden, in denen Intersex-Menschen ohne ihre wirksame Zustimmung einer Behandlung oder einem chirurgischen Eingriff unterzogen werden" (>>> vollständige CCPR Intersex-Empfehlungen auf Deutsch). 

>>> Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
Intersex-"Genitalkorrekturen": Ausklammerung von "Hypospadie" unethisch
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern" 
- "Schädliche medizinische Praxis": UNO, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
- 38 UN Rügen für Intersex-Genitalverstümmelungen
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis" zum Zweiten: UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee/CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) verurteilt IGM-Straflosigkeit in Deutschland

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

 >>> Download Folien (PDF, 700 KB) 

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)