Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

Interessanter Artikel von Eike Bruhin, der einerseits aufzeigt, dass sich im in den letzten Jahren dank Protesten von Zwittern einiges getan hat, aber andererseits (meist unfreiwillig) auch demonstriert, dass es sich dabei faktisch erst um schüchterne Anfänge handelt, und nicht längst überwundenes Unrecht, wie der Artikel schon zu Beginn (und auch später wiederholt) vollmundig behauptet:

"Eines von 5000 Kindern kommt nicht als Junge oder Mädchen zur Welt. Es sind Intersexuelle. Früher wurden sie oft vorschnell operiert und auf ein Geschlecht festgelegt. Heute lassen Eltern und Ärzte ihnen Zeit."

Typisch ebenfalls, wie mit 1:5000 auch die Zahl der real existierenden Zwitter in bekannter Manier heruntergespielt wird -- wie mittlerweile jedesmal, wenn's um die Folgen der menschenrechtswidrigen Zwangseingriffe geht. (Geht es hingegen um den 'Zugang' der Medizyner zur "Patientengruppe", nennen sie auch heute noch 1:1000.)

Auch die altbekannte, von den menschenrechtswidrigen Zwangsoperationen ablenkende Reduktion des Themas auf "Gender" bzw. "Rollenverhalten" darf im Titel einmal mehr nicht fehlen ...

Korrekt hingegen, dass der Artikel den Schwerpunkt auf die positive Geschichte eines am äusseren Genitale unoperierten jungen Zwitters legt und einmal mehr plausibel aufzeigt, dass all die "Riesenprobleme", von denen die Medizyner jeweils fabulieren, die angeblich "nur durch frühzeitige Operationen" vermieden werden könnten, klar aus der Luft gegriffen sind -- zumindest solange die Eltern den Medizynern nicht auf den Leim kriechen und die wirklich gravierenden Probleme durch Lügen, Versteckspielen und Einwilligung in Zwangsbehandlungen erst hervorbringen. Positiv auch, dass "Intersex-Aktivisten", die z.B. "»Zwangskastrationen«" anprangern, zumindest mehrmals erwähnt werden, beginnend mit Michel Reiter, über den (und andere) die Zeit ja schon 2000 zum ersten Mal berichtete. Auch "XXY" und Christianes Prozess werden angeschnitten.

Wesentlich mehr Raum als die "Intersex-Aktivisten" erhalten selbstverständlich "ExpertInnen" vom Netzwerk, die -- Überraschung! -- unablässig betonen, heute sei mittlerweile natürlich alles "gaanz anders". Obwohl die Erfahrungen der Selbsthilfegruppen nach wie vor regelmässig das Gegenteil beweisen. Einmal mehr dürfen die "ExpertInnen" auch unwidersprochen die ewiggleiche Mär verbreiten, Zwangsoperationen seien hilfreich, wenn "die Eltern [...] Zweifel" hätten, ob ihr Kind mit den "Hänseleien" in "Kita oder Schule" "selbstbewusst umgehen" könnte, dann seien "kosmetische Operationen" nämlich notwendig, weil das Kind sich nur operiert "geborgen fühle", und das sei doch das "Entscheidend[e]", so zumindest Ute Thyen. In die gleiche Kerbe haut einmal mehr auch Knut Werner-Rosen: "Es geht nicht um die Operationen, es geht um die Eltern-Kind-Beziehung"  (Nachtrag: und stellt obendrein in einem Nebensatz "Aktivisten" frech mit "Ärzte[n]" gleich, die "den Familien die »richtige« Behandlung vorschreiben", was sie aber "Niemand dürfe", sprich offensichtlich auch nicht Menschenrechte oder das Strafgesetzbuch).

Als ob Eltern, die ihr Kind anlügen, es genitalen Zwangsoperationen unterwerfen und zum versteckspielen zwingen, jemals eine positive Beziehung zu ihrem "intersexuellen" Kind aufbauen könnten -- geschweige denn umgekehrt ...

In einer auf den Artikel folgenden Korrespondenz bemängelten auch Claudia und Frances Kreuzer, in Tat und Wahrheit habe sich "gar nichts geändert, nur die medizinischen Versprechen sind erneuert, modifiziert worden", und wiesen auch auf die unzähligen "zerbrochenen Familien" hin -- eben als Folge davon, dass Eltern, die ihre Kinder zwangsoperieren lassen, ihnen damit nie die von den "ExpertInnen" immer behaupteten "lebendige[n] Beziehungen" mit "Wertschätzung und Anerkennung" bieten können, weil sie ihnen damit immer nur zu verstehen geben, dass sie eben nicht willkommen und auch nicht geachtet und respektiert sind ...

Aber Hauptsache, den zwangsoperationsgeilen Medizynern geht auch weiterhin die gutbezahlte "Arbeit" nicht aus ...

Nachtrag: Leser_innenbrief von Claudia und Frances Kreuzer