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Bericht einer Mutter über das Ostschweizer Kinderspital 

Schluss mit genitalen Zwangsoperationen!

Seit bald 20 Jahren stellen sich die Verantwortlichen der uneingewilligten kosmetischen Genitaloperationen an Kindern taub gegenüber den Klagen der Betroffenen, operieren stur weiter auf Teufel komm raus und verhöhnen regelmässig gar noch die Opfer.

Aus aktuellem Anlass ein nicht ganz alltägliches, aber dennoch alles andere als untypisches Beispiel:

Prof. Dr. med. Christian Kind, Facharzt FMH für Pädiatrie / Schwerpunkt Neonatologie, ist ein einflussreicher Medizyner:

So ist der vielseitige Dr. Christian Kind einerseits als Akteur massgeblich beteiligt an (von überlebenden Betroffenen seit 20 Jahren heftig kritisierten) uneingewilligten, medizinisch nicht notwendigen GenitalOPs an Kindern – und kann sich und seinen KollegInnen andrerseits als "oberster Ethiker" gleichzeitig einen Persilschein ausstellen.

Denn wenig überraschend stuft Dr. Kind die chirurgischen Genitalverstümmelungen in den hiesigen Kinderspitälern im Namen der SAMW als ethisch unbedenklich ein, und vermag in seiner Funtion als Präsident der Zentralen Ethikkommission keinen Handlungsbedarf zu erkennen, wie er unlängst im Schweizer Radio DRS verkündete (Sendung "Kontext": "Wenn der Arzt das Geschlecht bestimmt", 2. Teil vom 21.10.10):

Prof. Dr. Christian Kind, Chefarzt Ostschweizer Kinderspital, Präsident SSP SGP, Präsident Zentrales Ethikkommittee (ZEK) Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW)[00:04:12] Christian Kind, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Swiss Pediatrics, und Chef der Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften:

"Es ist bei der Intersexualität sicher sehr komplex, weil sich hier viele verschiedene Unsicherheiten überlagern, dass hier die Ursachen sehr vielfältig und sehr komplex sind, und es wird entschieden darüber, wie sich später das Aussehen dieses Menschens im Genitalbereich, wie das sein wird, wie die sexuellen Funktionen sein werden. Es hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit, es hat aber auch Einfluss auf seine psychische Geschlechtsidentität und auf seine soziale Integration im weitesten Sinn hat es auch Einflüsse. Und es ist auch immer eine gewisse Unsicherheit dabei, wie dass sich diese Entscheide dann auswirken werden."

Es sind Erwachsene, die festlegen, welchem Geschlecht das Baby zugewiesen wird, ob es als Mädchen oder Junge aufwachsen soll. Es sind Erwachsene, die operative Geschlechtsanpassungen beschliessen und durchführen. (...)

[00:24:03] Jürg Streuli vom Bioethischen Institut der Universität Zürich:

"Es braucht viel Arbeit und auch Mut von einem Arzt oder einem Chirurgen, die operative Lösung den Eltern zu verweigern. Vielleicht braucht es hier sogar eine Rahmenbedingung, die den Ärzten diese Arbeit abnimmt."

Rahmenbedingungen schaffen könnte beispielsweise die Zentrale der Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, deren Richtlinien zwar nicht rechtlich bindend sind, bei Ärztinnen und Ärzten aber eine hohe Autorität besitzen. Beispiele sind die von der Ethikommission erlassenen Richtlinien zu Zwangsmassnahmen in Medizin, zur Betreuung von Menschen am Lebensende und zur Forschung an Menschen. Bis heute fehlen gesetzliche Regelungen beziehungweise entsprechende standesrechtliche Empfehlungen für den medizinischen Umgang mit Intersexualität. 

Doch Christian Kind, Präsident der Schweizer Kinderärzte und Chef der zentralen Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften kann kein Bedürfnis erkennen:

"Die zentrale Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften macht in der Tat Richtlinien zu ethischen Problemen, die, so wie wir das empfinden, für die Ärzteschaft von Wichtigkeit und von Belang sind, und richten uns dabei eigentlich nach dem, was wir für Signale aus der Ärzteschaft und aus der Öffentlichkeit bekommen. Und da muss ich Ihnen sagen, dass in unserer Wahrnehmung bis jetzt das Problem der Störung der Geschlechtsentwicklung nicht als so brennend und mit einem grossen Handlungsbedarf behaftet gesehen wird."

Zwar machen Betroffene und Mitstreiter zunehmend öffentlich Druck, doch werden sie von der Ärzteschaft als Einzelfiguren abgetan, deren Schicksal nicht repräsentativ ist.

[Christian Kind:] "Es scheint uns eher, dass es sich um Einzelproteste und eine sehr sehr kleine Gruppe zu handeln scheint und sich auch auf etwas Vergangenes bezieht."

Natürlich haben die Betroffenen Intersex-Aktivisten eine Behandlungsgeschichte, die in der Vergangenheit liegt. Aber Kinder und Jugendliche gehen auch kaum auf die Strasse. Und tatsächlich sind es nur wenige, die in der Öffentlichkeit über ihre Intersexualität sprechen. Doch daraus zu schliessen, ihre Traumatisierungen seien eine Ausnahme, ist spekulativ. Denn sowohl die Hamburger wie die Lübecker Studie zeigen, dass viele Intersexuelle noch nach Jahrzehnten sehr unglücklich sind über ihre Operationen und das Verhalten der Mediziner. In den Hamburger Befragungen hat sich zudem ergeben, dass traumatisierte Menschen den Kontakt zu Ärzten meiden, dass Mediziner also vermutlich zu den letzten gehören, die von den Nöten eines traumatisierten ehemaligen Patienten erfahren. Doch ein grosser Teil der Ärzteschaft tut sich schwer mit der Konfrontation.

Christian Kind von der zentralen Ethikkommission der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften:

"Wo dass der Handlungsbedarf besteht, dass kann auch unterschiedlich empfunden werden und gibt es wahrscheinlich kaum objektive Massstäbe dafür, was jetzt da richtig ist, aber ich werde das zum Anlass nehmen, das etwas näher nochmals anzuschauen, ob wir auch so ein grosses Problem sehen können."

Politiker und Juristinnen jedenfalls sehen da mittlerweilen durchaus ein grosses Problem. Parlamentarische Anfragen in verschiedenen Kantonen sind hängig, Rechtsexperten zweifeln die Legitimität nicht lebensnotwendiger Operationen an Genitalien und Keimdrüsen von nicht urteilsfähigen Kindern und Jugendlichen an.

Meine 2 Cent:

Typischer Fall von Wolf im Schafspelz a.k.a. Genitalabschneider im "Ethiker"-Gewändchen. Wenig überraschend reagiert diese Spezies, wenn überhaupt, dann erst auf öffentlichen Druck.

Ob diese scheinbar plötzliche Bereitschaft, die Problematik eventuell doch nochmals zu überdenken, letztlich etwas anderes ist als die von den GenitalabschneiderInnen seit Jahr und Tag reflexartig abgespulten Lippenbekenntnisse, glaube ich allerdings erst, wenn ich es sehe ...

Fortsetzung folgt ...

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Genitalverstümmelungen: "Lieber hier durchführen als im Osten" 
>>> Genitalverstümmelungen im Kinderspital: Fakten und Zahlen

>>> 150 Jahre Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen

Siehe auch:

- "Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist. Wir nehmen es dankbar an und lieben es. Es ist gesund und fröhlich und entwickelt sich prächtig."
- Schweiz: Amnesty International und Terre des Femmes fordern Strafbarkeit von Genitalverstümmelung auch bei Zwittern
- Stiftung Kinderschutz Schweiz: Bei Zwitterkindern "nicht notwendige operative Eingriffe dringend vermeiden"
- Kosmetische Genitaloperationen im Kinderspital Luzern
- Genitale Zwangsoperationen im Inselspital Bern
- Kinderspital Zürich propagiert Zwangskastrationen an Zwittern
- Angeblich "keine Zwangsoperationen" in der Schweiz gemäss Prof. Primus Mullis (Inselspital Bern)
- Rita Gobet, Kinderspital Zürich: Genitale Zwangsoperationen nur "ganz selten"
- Prof. Dr. Ricardo González (Kispi Zürich): "Noch etwas weiter experimentieren, vielleicht künftig bessere Resultate"
- Chefarzt Dr. Marcus Schwöbel: genitale Zwangsoperationen an Kindern der "normale Weg" 
- Kinderkliniken: € 8175,12 Reingewinn pro Genitalverstümmelung 
- "Neuere Operationstechniken beeinträchtigten die Orgasmus-Fähigkeit stärker als ältere"
- "Weder Evidenz noch medizinische Indikation" (Dr. med. Jörg Woweries)
- Zwangsoperationen an Zwittern: Wer sind die Täter? Was soll mit ihnen geschehen?