Friedliche Mahnwache der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vor dem 'Campus Virchow Klinikum' der 'Charité', 11.11.2011Bild: Protest + Offener Brief Kinderklinik "Charité", Berlin 11.11.2011

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Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!

STOP Genitalverstümmelung in Kinderkliniken!

Danke!! Während sonst in der Presselandschaft praktisch überall nur Personenstands-Zeitungsenten im Umlauf sind, ist das
>>> Berliner Ausgehmagazin Zitty (PDF)
das erste (und immer noch einzige) kommerzielle Medium, das sich getraut, offen über die andauernde menschenrechtswidrige Praxis in der Berliner Universitätsklinik Charité (Campus Virchow-Klinikum) zu berichten – gestützt auf Recherchen dieses Blogs und den Offenen Brief von Zwischengeschlecht.org (PDF):

"Die Charité gehört zu den Zentren, die am aktivsten geschlechtszuweisende Operationen vorgenommen haben – laut Intersexuellen-Gruppen ist das heute noch so. Der Verein »Zwischengeschlecht.org« bezeichnet die Abteilung für Kinderurologie und plastisch rekonstruktive Urologie als »Genitalabschneider-Zentrum«, die Operationen als »Genitalverstümmelung«. Die Oberärztin des Bereichs, Anja Lingnau lehnt es ab, mit zitty über das Thema zu sprechen."

Zitty-Autorin Franziska Felber schaffte gar das Bravourstück, das obligate "Heute nicht mehr"-Dementi kritisch zu hinterfragen und als das zu entlaven, was es ist – eine nicht zutreffende Schutzbehauptung:

"Charité-Ärztin Birgit Köhler sagt: »Wir führen keine Genitaloperationen bei intersexuellen Kindern durch.« Köhler arbeitet am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie. [...] Was in anderen Abteilungen passiere, wisse sie nicht.

Und selbst in Birgit Köhlers Institut ist die Lage aus Sicht von Intersexuellen-Vereinen unklar. Denn Köhler zählt eine Gruppe nicht zu den Intersexuellen: die der Menschen mit dem Adrenogenitalen Syndrom (AGS). [...] Bei AGS operiere auch ihr Team, sagt Köhler."

(Kosmetische "Hypospadie-Korrekturen" an Säuglingen wurden im Artikel leider einmal mehr gar nicht angesprochen.)

Bezeichnend, dass Zwischengeschlecht.org nach wie vor die einzigen Gesprächspartner von Zitty waren, die sich getrauten, "on the record" die Tatsache zu bestätigen, dass heute noch an der Charité verstümmelt wird.

So liess sich etwa Ulrike Klöppel im Interview einmal mehr ausschliesslich über die Vergangenheit aus (was sie auch schon anders hielt), und auch von der Selbsthilfgruppe XY-Frauen gab's keinen Kommentar zur heute noch andauernden menschenrechtswidrigen Praxis (nicht nur) in Berlin.

Immerhin zeigen aber die Aussagen von Stefanie, dass kosmetische "Genitalkorrekturen" und Kastrationen nicht zu den von den MedizynerInnen verheissenen Resultaten führen, sondern im Gegenteil meist ein sexuelles Leben und Beziehungen verunmöglichen. Was sogar auch vom Charité-Psychologen Knut Werner-Rosen indirekt bestätigt wird (ebenso, dass Charité-intern "AGS" sehr wohl als Intersex zählt).

Und auch die frischgebackenen Intersex-Eltern Laura und Jörg, die ihr Kind unoperiert aufwachsen lassen, bestätigen, dass die MedizynerInnen unverändert von "Geschlechtsfehlbildungen" sprechen.

Es ist noch ein weiter Weg ...

>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> Kosmetische Genitaloperationen an Kindern: Typische Diagnosen und Eingriffe

>>> Charité-Kinderklinik: Neues "überregionales Intersex-Verstümmler-Zentrum"
>>> Betroffene protestieren gegen Genitalverstümmelungen in der Charité (2011)
>>> Offener Brief zu Genitalverstümmelungen in der "Charité" (PDF)
>>> Charité leugnet kosmetische Genitaloperationen an Intersex-Kindern

>>> Proteste gg. das "8. Berliner Kindergynäkologie-Symposium" der "Charité" (2013) 

>>> Berliner Senat leugnet Intersex-Genitalverstümmelungen in der Charité 
>>> Prof Dr. Martin Westenfelder (Charité): "Knapp 4.000 Hypospadien, über
        160 Feminisierungsoperationen bei intersexuellen Differenzierungsstörungen"
>>> PD. Dr. Heiko Krude (Charité): Nicht verstümmeln "wäre eine Art von Gewalt"
>>> Prof. Dr. Ricardo Gonzalez (Charité): "Gerne noch etwas weiter experimentieren"
>>> Dr. Birgit Köhler (Charité): Verstümmeln "zum Schutz der sexuellen Integrität"
>>> Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich (Charité) als "Serienverstümmlerin" geoutet
>>> Prof. Dr. Claire Nihoul-Fékété: Verstümmeln "zur Verbesserung der Optik"

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen - Offener Brief an Rogate-Kloster St. Michael