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Bild: Friedlicher Intersex Protest von Zwischengeschlecht.org, Genf 25.01.2009   #CEDAW43

IGM = CRIME, Not 'Health Care' or 'Therapy'!Zwischengeschlecht.org on FacebookAls Ergebnis der Arbeit von und in Absprache mit Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org wurde im Grossen Rat der Republik und des Kantons Genf eine Motion (französisch, PDF) von Abgeordneten der Partei "Ensemble à Gauche" eingereicht, die ein gesetzliches Verbot von Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM), die kostenlose psychosoziale Unterstützung von Intersex-Menschen und ihren Familien, die Untersuchung von Fällen von IGM in Genf sowie die Zahlung von Entschädigungen an IGM-Überlebende fordert.

Der Antrag verweist ausdrücklich auf entsprechende Forderungen in den Empfehlungen der Nationalen Ethikkommission (NEK-CNE) aus dem Jahr 2012, die bisher 4 UNO-Rügen an die Schweiz wegen IGM, nämlich durch den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC), den UN-Ausschuss gegen Folter (CAT), den UN-Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) und den UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee) als Vertragsorgan zur Überwachung des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (CCPR), sowie die erneute Untersuchung von IGM in der Schweiz durch CAT - allesamt direkte Ergebnisse der Arbeit von Zwischengeschlecht.org/StopIGM.org.

Die Motion auf Deutsch:

« M-...

Antrag der Abgeordneten:
Jean Burgermeister, Jocelyne Haller, Pablo Cruchon, Stéphanie Valentino, Olivier Baud, Pierre Bayenet, Christian Zaugg, Salika Wenger, Pierre Vanek, Rémy Pagani, Jean Batou, ...
Eingereicht am: 12. Juli 2018

Antrag für eine Motion

Die Verstümmelungen von Intersex-Menschen beenden

Der GROSSE RAT der Republik und des Kantons Genf

in Erwägung:

- der Missachtung der Wahl der betroffenen Personen bei nicht dringenden Operationen an Kindern mit einer Variation der Geschlechtsanatomie bei der Geburt;

- der psychischen und physischen Schäden, die Personen zugefügt wurden, die solchen Operationen unterworfen wurden;

- der Tatsache, dass die Genfer Spitäler, insbesondere die HUGs, diese Art von Operationen durchführen;

- der Tatsache, dass die Schweiz viermal von verschiedenen UNO-Gremien zu diesem Thema verurteilt wurde;

- der Tatsache, dass der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) derzeit von der Schweiz Informationen über Massnahmen gegen Verstümmelung anfordert

ersucht den Staatsrat:

- nicht dringende Operationen an Personen mit einer Variation der Geschlechtsanatomie ohne Zustimmung der betroffenen Personen zu verbieten;

- solche Operationen, wenn sie ohne Zustimmung der Person stattgefunden haben, als Verstümmelungen anzuerkennen und die Personen, die Opfer solcher Operationen geworden sind, zu entschädigen;

- einen Bericht vorzulegen, der einen Überblick über diese Praktiken in den Spitälern und Kliniken des Kantons gibt und Fälle von Verstümmelungen dieser Art in den letzten 50 Jahren sowie die Entwicklung der medizinischen Praktiken in diesem Bereich ermittelt; 

- Intersex-Menschen das Recht zu garantieren, ihre eigenen Entscheidungen über die Behandlung und medizinische Versorgung, die sie erhalten können, auf der Grundlage einer informierten Zustimmung zu treffen;

- die kostenlose psychosoziale Unterstützung von Intersex-Menschen und ihren Familien zu gewährleisten. »

Die Straflosigkeit von IGM beenden!

Zwischengeschlecht.org begrüsst diese Motion. Dies ist nach unserer Kenntnis die allererste politische Initiative in der Schweiz, die tatsächlich etwas gegen IGM unternehmen will (statt lediglich Intersex und IGM für LGBT und Genderpolitik zu instrumentalisieren), seit 2017 auf Bundesebene sowohl der National- wie auch der Ständerat unsere Petition von 2015 ablehnten, unter Bezugnahme auf tatsachenwidrige Behauptungen des Bundesrates, wonach IGM ausschliesslich "[i]n der Vergangenheit" stattfand und die NEK-CNE-Empfehlungen "bereits umgesetzt [sind] oder [...] sich in Umsetzung [befinden]".

Wir hoffen, dass der Grosse Rat der Republik und des Kantons Genf - wie zuvor die Nationale Ethikkommission (NEK-CNE) und die bisher 4 UN-Vertragsorgane - sich kein X für ein U vormachen lässt, sondern die Realität von IGM in Genf und deren dauerhafte schädliche Folgen für die Betroffenen unbestechlich unter die Lupe nehmen und danach feststellen wird, dass IGM eine überparteiliche Menschenrechtsfrage ist, die schwere Verletzungen unabdingbarer Menschenrechte darstellt, namentlich des Rechts auf Schutz vor Folter und Genitalverstümmelung.

Das Universitätsspital Genf (HUG) ist ein bekannter Praktiker und Verteidiger von Intersex-Genitalverstümmelungen unter dem Deckmantel des berüchtigten "individuellen Fall-zu-Fall Doktrin". Zwischengeschlecht.org hat die Praxis im HUG an alle genannten UN-Vertragsorgane dokumentiert, als Teil der Beweise, die zu den 4 UN-Rügen für IGM in der Schweiz geführt haben - einschliesslich der Propagierung von IGM-Praktiken auf der HUG-Homepage und mutige HUG-ÄrztInnen, die öffentlich z.B. über eine Beeinträchtigung oder einen Verlust des sexuellen Empfindens durch eine Klitoris-Teilamputationen bei HUG-Intersex-Patienten berichten.

Photo: Daniela Truffer (StopIGM.org), invited speaker at Rainbow Cities Network NGO meeting, Geneva 20.11.2015

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Siehe auch:
- "Schädliche medizinische Praxis": UN, COE, ACHPR, IACHR verurteilen IGM 
"Schädliche Praxis" und "Gewalt": UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) verurteilt IGM
- "Unmenschliche Behandlung": UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) verurteilt IGM
- "Schädliche Praxis": UN-Frauenrechtsausschuss CEDAW verurteilt IGM
- UN-Menschenrechtsausschuss (HRCttee-CCPR) verurteilt IGM-Praktiken
- "Nur die Angst vor dem Richter wird meine Kollegen dazu bringen, ihre Praxis zu ändern"

Kosmetische Klitorisamputationen an Kindern im Kispi Zürich und Insel Bern, z.B. Andrea Prader, Max Grob, Marcel Bettex, von Zwischengeschlecht.org

"KOSMETISCHE KLITORISAMPUTATIONEN AN INTERSEX-KINDERN IN ZÜRICH UND BERN"
Dokumentation mit Belegen aus Publikationen aus dem Kispi Zürich und Insel Bern [OHNE OP / Genitalbilder].

 >>> Download Folien (PDF, 700 KB)

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)