'Genitalverstümmelungen stoppen!' - Aktion von Zwischengeschlecht.orgIntersex-Protest + Offener Brief vor der Universitäts-Kinderklinik C.G. Carus Dresden, 23.9.12

FrançaisEnglishVerein Zwischengeschlecht.orgSpendenMitglied werdenAktivitäten

Zwischengeschlecht.org on Facebook

Zum heutigen 10. Welttag "Null Toleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung" nur gute Nachrichten (1):

"IPOKRaTES"-"DSD-Seminar" auf Abwegen

Zwischengeschlecht.org «Körperliche Unversehrtheit auch für Zwitter!» (Bild: NZZ Format/SF1)

Rio de Janeiro, Köln, Johannesburg, Doha, München, Kuala Lumpur, Toronto: Für gewöhnlich finden die prestigeträchtigen pädiatrischen Fortbildungs-Seminare der Baden-Württemberger "IPOKRaTES Foundation", für deren Durchführung die Firma "m:con – mannheim:congress GmbH" verantwortlich zeichnet, nicht gerade hinter den sieben Bergen statt.

Augenfällige Ausnahme: Das letztes Wochenende zu Ende gegangene klinische "DSD-Seminar" zum Thema "Diagnosis and Management of Adrenal and Gonadal Disorders" >>> Programm (PDF), wie gewohnt besetzt mit interkontinentalen "hochkarätigen Spitzenkoryphäen" (aus Europa u.a die "EuroDSD"/"I-DSD"/"DSD-Life"-Chefverstümmler Prof. Dr. Olaf Hiort, Prof. Dr. Pierre Mouriquand, Prof. Dr. Stefan Wudy und Prof. Dr. S. Faisal Ahmed).

Austragungsort: Die abgelegene oberösterreichische Marktgemeinde St. Florian, gelegen "inmitten der Natur", ziemlich genau zwischen dem drittrangigen Lokal-Verstümmlerhospital "Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz" und der Gedenkstätte KZ Mauthausen. Und obendrein noch gut von der Öffentlichkeit abgeschirmt auf dem Privatgelände innerhalb der Trutzburg des dortigen gleichnamigen Stiftes.

"Raus! Raus! Raus!"

Zufall? Wohl kaum. Seit die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org vor bald 5 Jahren begann, kontinuierlich vor Genitalabschneiderkongressen und Verstümmlerkliniken friedliche Mahnwachen und Proteste abzuhalten, bekamen wir Mal für Mal mehr zu spüren, wie sehr unsere blosse gewaltfreie Anwesenheit den TäterInnen gegen den Strich geht. Ab Herbst 2010 wurde es schliesslich zur mittlerweile festen Regel, dass Medizyner oder sonstige Verantwortliche wieder und wieder versuchen, uns mit abenteuerlichen Begründungen einzuschüchtern und trotz ordnungsgemässer Anmeldung von unserem Platz zu vertreiben – selbstverständlich stets ohne Erfolg.

Besonders hervorgetan hatte sich dabei letzten Frühling ausgerechnet die obgenannte Firma "m:con", seinerzeit beauftragt mit der Durchführung des Genitalabschneider-Kongresses "DGE 2012" im "m.con"-Hauptsitz "Rosengarten Congress Centrum Mannheim". "m:con" belagerte uns richtiggehend und drohte mit einem martialischen Polizeieinsatz (siehe Bild), aus dem aber letztlich doch nix wurde; vielmehr kam ein Kamerateam des SWR und drehte eine gelungene Reportage, ausgestrahlt passenderweise am Weltfrauentag 2012 und nach wie vor auf youtube anzugucken.

Verstümmler in die Pampa - hinter hohe Zäune, Schloss und Riegel!

Das "IPOKRaTES"-"DSD-Seminar" in der Provinz ist kein Einzelfall: Zwischengeschlecht.org beobachtet mit Genugtuung die Tendenz, wie kleinere Genitalabschneider-Treffen sich auf abgelegene Nebenschauplätze verlagern, oder versteckt auf Privatgelände Zuflucht suchen, wo die TäterInnen sich vor protestierenden Betroffenen geschützt fühlen, wie z.B. das diesjährige "5. Dreiländertreffen Kinderchirurgie" mitten im Gelände des Universitätsklinikums Heidelberg.

Und wie die großen Kongresse (vergeblich) versuchen, friedliche Mahnwachen schon im Vorfeld möglichst ins Abseits zu drängen, sowie handfest auf die Presse Einfluss zu nehmen, nicht etwa über die menschenrechtswidrige Praktiken auf dem Tagungsprogramm und die lebenslangen Leiden der Opfer zu berichten, sondern vielmehr über den positiven ökonomischen Einfluss der Medizyner-Invasion auf Hotels und Gastgewerbe nach dem Motto "Das Fressen kommt vor der Moral". 

Zwischengeschlecht.org wird wird die VerstümmlerInnen weiterhin mit dem von ihnen begangenen Unrecht konfrontieren, und die Öffentlichkeit darüber informieren. Auch wenn wir als kleine Menschenrechtsgruppe nicht jede Schlacht gegen die einflussreichen und mächtigen Medizyner-Standesorganisationen gewinnen können, so zeigen ihre betupften bis wütenden Reaktionen vor allem eines: Ihr Gewissen ist nicht rein, und tief in ihren schwarzen Herzen wissen auch die scheinbar unbeirrbarsten VerstümmlerInnen nur zu genau, dass nicht recht ist, was sie tun, und dass die Zeit gegen sie läuft. Und je mehr sie sich verstecken hinter hohen Mauern und Sicherheitsaufgeboten, desto mehr kriegen sie einen Vorgeschmack, wohin sie gehören und kommen werden, wenn sie mit dem Kinderverstümmeln nicht endlich aufhören.

>>> 10 Jahre "Null Toleranz gegen FGM" - Zwischengeschlecht.org gratuliert  
>>> Genitalverstümmelungen in KInderkliniken: Typische Diagnosen und Eingriffe