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Ana Peláez Narváez stellt Frage zu IGM und Kastrationen, 26.03.2015 (treatybodywebcast)

Menschenrechte auch für Zwitter!

Zwischengeschlecht.org on FacebookDer UN-Behindertenrechtsausschuss (CRPD) prüft Deutschland – IGM-Praktiken sind als Thema gesetzt!

Nach einem thematischen Intersex-Briefing und Thematiserung von IGM-Praktiken auch im Länder-Briefing startete heute Nachmittag im Rahmen der 13. CRPD-Session der erste von zwei jeweils 3-stündigen Blöcke des Dialogs des Ausschusses mit der Staatendelegation.

Diane Kingston, die Berichterstatterin des Ausschusses zu Deutschland, erwähnte Intersex in ihrem Eingangsvotum im Zusammenhang mit der (aus Sicht von Betroffenenorganisationen wenig befriedigenden) Antworten der Bundesregierung zur List of Issues (LoI).

Ana Peláez Narváez sprach die CEDAW-Staatenüberprüfung Deutschlands von 2009 an, und fragte in diesem Zusammenhang nach Genitalverstümmelungen und Kastrationen an Intersex-Kindern (vgl. dazu auch CAT-Überprüfung 2011).

Die Antworten der Staatendelegation nach der Pause folgte (nicht wirklich überraschend) den bekannten Mustern des Schönredens und Ausweichens:

Ein Mitglied der Staatendelegation, das seinen Namen nicht offen legte, schwärmte zunächst von der (von Betroffenenorganisationen Zwischengeschlecht.org, Intersexuelle Menschen e.V. und IVIM dezidiert kritisierten) Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und stilisierte diese zum angeblich großen Durchbruch in Sachen Awareness-Raising und gegen Stigmatisierung von Intersex-Menschen hoch. Plus gleich nochmals dasselbe mit dem (von Betroffenenorganisationen ebenfalls dezidiert kritisierten) Personenstand-Murks.

Mitglied der Staatendelegation Dr. Kathrin Brunozzi doppelte nach mit der altbewährten VerstümmlerInnen-These, ein "pauschales Verbot" von menschenrechtswidrigen IGM-Praktiken sei keinesfalls notwendig, da heute schon "im Gegensatz zu vor 20 Jahren eine viel größere Zurückhaltung der Medizin bei irreversiblen Operationen" zu beobachten sei, vielmehr soll ein "gesellschaftlicher Rahmen" geschaffen werden, um in ganz "individueller Betrachtung" jeweils abzuklären, ob nicht fallweise mal auf Grundrechte wie dasjenige auf körperliche Unversehrtheit verzichtet werden könne (vgl. wiederum Ethikrat), dies wäre letzlich geradezu "im Interesse der großen Bandbreite von D$D-Betroffenen" ...

Meine 2 Cent: Bleibt zu hoffen, dass sich der Behindertenrechtsausschuss von solch "schönen Worten" nicht hinters Licht führen lässt!

PS: Eine Zusammenfassung der ganzen Sitzung mit allen Fragen und Antworten auf Englisch soll demnächst auf der CRPD-Webseite veröffentlicht werden.

Auf Deutsch übersetzte Kapitel des thematischen Intersex-Schattenberichts:
>>> "Intersex-Menschen in Deutschland und die Behindertenrechtskonvention (BRK)" 

>>> "IGM-Statistiken: 20 Jahre Lügen und Leugnen der Bundesregierung" 
>>> "Faktische Straflosigkeit von IGM-Praktiken, kein Zugang zu Justiz f. Betroffene"
>>> "Verweigerung lebenswichtiger Medikamente f. Betroffene m. AGS m. Salzverlust"
Der gesamte 33-seitige thematische NGO-Bericht liegt vorerst nur auf Englisch vor:
>>> PDF (2.13 MB)   >>> HTML (1 MB)   >>> DOC (1.06 MB)   >>> DOCX (1 MB)

>>> Pressemitteilung von Zwischengeschlecht.org vom 25.03.2015
>>>
Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM): Typische Diagnosen und Eingriffe
>>>
IGM – eine Genealogie der TäterInnen
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben