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Friedlicher Intersex-Protest zur "DGE 2011" mit Offenem Brief, Hamburg 01.04.2011

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In Hamburg ist ja in der Politik schon viel (und zwar meist Gutes) über Intersex und IGM debattiert und publiziert worden:

So war HH bekanntlich das erste Bundesland, in dem es bereits seit 2009 (!) auf Länderebene politische Vorstösse zum Thema kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken gab (z.B. diese 3, diesen oder diesen), sowie ebenfalls bereits 2009 eine bahnbrechende erste Bürgerschafts-Anhörung (an welcher “D$Dnet”-Chefverstümmler Prof. Olaf Hiort freimütig zu Protokoll gab: “Es gibt keine Qualitätskontrolle, und alleine in Hamburg würde ich drei oder vier Krankenhäuser benennen können, die solche Operationen durchführen oder durchgeführt haben”, siehe Wortprotokoll PDF --> S. 40).

2011 und 2012 fanden in Hamburg erstmals auch gewaltfreie Intersex-Proteste + Offene Briefe vor Mediziner-Kongressen und IGM-Kliniken statt.

2013 folgte eine bemerkenswerte weitere Kleine Anfrage, deren Antwort erstmals Zahlen zu IGM-Praktiken in Hamburg offenlegte (in auffälligem Kontrast zu Bayern, wo solche Zahlen angeblich “Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Krankenhäuser” darstellen).

2017 gab es eine weitere Große Anfrage, gefolgt 2018 von einer weiteren Intersex-Fachtagung, worüber jüngst die TAZ wie folgt berichtete (und leider beim Begleitbild prompt mal wieder das Intersex- mit dem Transgendersymbol "velwechserte" – hey TAZ, ist das wirklich so schwer für euch?!):

“Sie habe in ihrer Zeit als Ärztin oft Patienten vor sich gehabt, die Operationen an variablen Geschlechtsmerkmalen im Kindesalter hinter sich hatten, und denen dies später körperliche Beschwerden und Leid wie Schmerzen, Unfruchtbarkeit und Verlust der Lebensfreude verursachte, berichtete die Urologin Michaela Katzer, die heute am Institut für Angewandte Sexualwissenschaft der Hochschule Merseburg tätig ist.

Und sie habe Patienten gesprochen, die als Kind nicht operiert wurden, und die „nicht unzufrieden waren“. Sie kenne keine Patienten, für die das Nichtoperieren einen dauernden, unwiederbringlichen Schaden bewirkte. „Die, die operiert waren, hatten eine höhere Unzufriedenheit im Alltag“, so die Medizinerin. Darum sei es sinnvoll, Operationen in ein Alter zu verschieben, in dem die jungen Menschen selber entscheiden können.

Als Beispiel einer umstrittenen Operation nannte Katzer die Korrektur einer „Hypospadie“. So nennt man eine verkürzte Harnröhre, die bei Jungen nicht an der Spitze, sondern an der Unterseite des Penis ihre Öffnung hat. Diese OP werde bei Kindern durchgeführt, weil Ärzte früher dachten, es sei unabdingbar für das männliche Selbstbewusstsein, früh und oft im Stehen Harn lassen zu können. Doch diese OP führe zu großen Komplikationsraten, weil sie beim Kind Narben hinterlässt, die nicht mitwachsen können. Werde deshalb zum Beispiel der Harnstrahl eingeengt, entstehe Druck auf der Blase, was zu Nierenschädigung und Entzündungen führen könne.”

Dieser Blog sagt DANKE für diese deutlichen Worte!

Ein Wortprotokoll dieser bereits 3. Hamburger Intersex-Anhörung soll demnächst auf der Bürgerschafts-Homepage aufgeschaltet werden. >>> Download (PDF, 1.1 MB

Noch gespannter sind wir allerdings, ob und wann die ebenfalls in der TAZ angesprochene Hamburger Standesinitiative gegen Intersex-Genitalverstümmelungen zustande kommt:

“Der Hamburger Wissenschaftsausschuss wird nach den Ferien erneut zum Thema tagen und den Senat anhören. Die Linke fordert, dass das Rot-Grün regierte Hamburg eine Bundesratsinitiative startet, um politisch Druck zu machen. „Wir brauchen ein gesetzliches Verbot von Genitaloperationen an Kindern mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale, wenn keine medizinisch zwingenden Gründe vorliegen“, sagt deren Gesundheitspolitiker Deniz Celik. Alles andere sei „ein Verstoß gegen die körperliche Unversehrtheit und damit gegen Menschenrechte“.”

Fortsetzung folgt?!

UPDATE: Download Wortprotokoll der Anhörung (PDF, 1.1 MB)

>>> Hamburg, Ort von Intersex-Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken
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IGM: "Unrecht der Medizinversuche anerkennen" (Oliver Tolmein, 2009)
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Offener Brief an Universitätsklinikum (UKE) + Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK)
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Hamburg: "Orgasmusfähigkeit leidet durch Klitorisamputation nicht"
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Hamburger Senat: "Intersex-Genitalverstümmelungen nicht rechtswidrig"
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Hamburg: "Früher war es vielleicht schlimm, aber heute wird nicht mehr operiert"
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Hamburg: "Hypospadie = Krankheit, Korrektur-OPs = medizinisch indiziert"
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Hamburg: Kosmetische Klitorisamputationen bis mindestens 1976
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Hamburg: Proteste gegen Genitalverstümmler-Kongress "DGE 2011", 30.3.-2.4.11
>>> Hamburg: Proteste gegen Genitalabschneider-Kongress "DGKJ 2012", 13.-16.9.12

>>> Intersex-Genitalverstümmelungen: Typische Diagnosen und Eingriffe
>>> Zwangsoperierte Zwitter über sich selbst und ihr Leben
>>> IGM – eine Genealogie der TäterInnen

Input von Daniela Truffer zum "Fachtag Intersex"
  • IGM Überlebende – Danielas Geschichte
  • Historischer Überblick:
     "Zwitter gab es schon immer – IGM nicht!"
  • Was ist Intersex?  • Was sind IGM-Praktiken?
  • IGM in Hannover  • Kritik von Betroffenen  • u.a.m.
>>> PDF-Download (5.53 MB)